Hubert von Goisern
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BRENNA TUATS TOUR 2012

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Hubert von Goisern: Live in Lichtensteig - 11. August 2012

13. August 2012 | Fotos: © Peter Schwarzmann

Vollgas vor der Winterpause

Münchner Merkur 12. August 2012 | Text: Sonja Still | Foto: © Thomas Plettenberg
Hubert von Goisern

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Hubert von Goisern ist schon das ganze Jahr auf Tournee und wird es noch bis Dezember sein. Danach macht er Pause, um seine Akkus aufzuladen. Verständlich, so wie er sich in Schliersee verausgabte.

Immerhin wird Hubert Achleitner, wie der Weltmusiker im richtigen Leben heißt, im November auch schon 60. Das ist nicht alt. Aber das macht doch deutlich, dass er und sein Publikum inzwischen einen langen Weg miteinander gegangen sind. Rund 4000, so schätzen die Veranstalter, sind auf die Festwiese gekommen. Alt und Jung sind da, viele mit Kindern, solide gut angezogene Ehepaare, aber auch, Münchnerinnen im Party-Dirndl oder einfach nur ein paar Spezl, die mit dem Bier in der Hand sich in die alten Musikzeiten versetzen.

Entweder und oder heißt die CD, die vor allem das Programm bestimmt. Viele warten auf den Hit Brenna tuats, der im Radio zurzeit überall dudelt. Aber auch auf die alten Lieder hoffen sie, die den Goisern so populär gemacht haben. Doch die kommen erst ganz am Schluss. Eine junge neue Band hat er sich gesucht, war im Vorfeld zu dieser Tournee zu lesen. Eine, die kraftvoll ist. Es schaut aber durchaus so aus, als ob er die Jungen noch alle in Grund und Boden musizieren könnte, wenn er richtig aufdreht. Goisern zieht die Diatonische, spielt die Lap-steel-Guitar, dann wieder ist die Maultrommel und Kuhglocken im Einsatz. Manchmal donnert er im Blues, wird romantisch im Alpenländischen, rockig oder jazzig. Es ist wirklich eine musikalische Bandbreite, die "Entweder UND oder" ist, die nicht nur das eine oder das andere liefert. Nie war die Musik vielfältiger. Und doch ist sie eingängig.

Alpenrocker Hubert von Goisern in Thüringen

In Südthüringen 9. August 2012 | Text: J. Glocke

Hubert von Goisern und Helmut SchartlmüllerEisenach - Brenna tuats - Brennen tut´s, so heißt die Tournee, die den Alpenrocker und Volksmusikrebell Hubert von Goisern derzeit durch etliche europäische Länder führt. Was dabei erkennbar lichterloh brennt, ist – neben dem von Bankern und Politikern "verbrannte" Geld im Titelsong – vor allem der Charme, der Witz, die Ironie und die Spielfreude, die der 59-jährige Sänger und Multiinstrumentalist an den Tag legt.

Dieser Tage gastierte der Oberösterreicher mit seiner vergleichsweise jugendlichen Band auf der Creuzburg bei Eisenach. Rund 1500 Konzertbesucher erlebten einen von Goisern in bestechender Form, der das Publikum mit brachialen Gitarrenriffs ebenso beeindruckte wie mit dem Spiel auf der Lap Steel Guitar, der Mundi, einem Kuhglockengeläut und natürlich der Ziehharmonika – mal krachig, mal bluesig, mal melancholisch und mal volkstümlich mit Jodlern untermalt.

Begleitet wurde von Goisern dabei von dem exzellent agierenden Musiker-Trio, dem Schlagzeuger Alexander Pohn, dem Bassisten Helmut Schartlmüller und dem Gitarristen Severin Trogbacher.

Neben den Titeln von der aktuellen CD EntwederundOder gab es Klassiker wie das Hiatmadel, Weit, weit weg oder Heast es net. Und nebenher noch ein bisschen Welterklärung und Lebenshilfe, verschmitzt, hintersinnig, reduziert.

"Hiaz kauf ma an Mercedes!"

Thüringische Landeszeitung 7. August 2012 | Text & Foto: Jensen Zlotowicz

Alpenrocker Hubert von Goisern zeigt sich auf der Creuzburg wie er ist: brilliant

Severin Trogbacher und Hubert von Goisern

Creuzburg. "Es is wias is", um mit einem seiner Lieder zu sprechen. Der Achleitner Hubert ist wieder dicke da, ganz oben, bei den Geerdeten mit Herz und Hirn, und er singt, rockt, jauchzt, jodelt und schmachtet wie er es vielleicht nie so gut getan hat wie auf der Brenna tuats-Tour und der aktuellen CD EntwederundOder.

Dieser von Goisern, der im November 60 wird, ist in seinem dritten(?) Musiker-Frühling. Die drei Jungspunde an seiner Seite der Schartlmüller (bs), der Trogbacher (git) und der Pohn (dr) alle drei wie von Goisern aus "Über-Oberösterreich" machen dem "Alten" viel Dampf auf den Kessel. Damit kann der Weltmusiker (was ist das eigentlich?), der verträumte Liedermacher mit der Affinität zu fetten Gitarren-Riffs und Multiinstrumentalist ordentlich hantieren. Und wie er es tut. Sagenhaft. Mal brachial erdig, wenn er den Blues rausdonnert, mal melancholisch, fast fragil, dann wieder alpenländisch fesch und "volkstümlich", das jeder ein Grinsen ins Gesicht bekommt. Von Goiserns musikalische Bandbreite übertrifft die jedes zweiten sogenannten Weltmusik-Festivals. Und der Stilmix wird von einer Instrumenten-Vielfalt begleitet, die von der Ziehharmonika über die Lap-Steel-Guitar bis zur Mundi reicht. Garniert wird mit Maultrommel oder Kuhglocken.

Mehr als 1500 Konzertbesucher auf der Burg Creuzburg erlebten einen von Goisern in Top-Form und einen fabelhaften Sound. Kurz: Einen Open Air-Abend, den man sich getrost in den Griff seines Messers schnitzen kann. Die Unter-40-jährigen im Publikum waren handverlesen, aber so ist das eben, wenn man älter wird. Vielleicht versteht man den Tiefgang des sperrigen wie schwarz-humorigen Alpen-Musikers auch erst im fortgeschrittenen Alter, wenn man nicht mehr nur auf die Hülle, sondern auch auf den Inhalt schaut.

Was hat Hubert von Goisern (in Bad Goisern geboren) im Sinn? Agitieren, aufklären, unterhalten, experimentieren, anregen, protestieren? Die Antworten gibt er auf der Bühne mit seinen Liedern, die eine klare Sprache sprechen, politisch, sozial wie ökologisch sarkastisch obendrein.

Brenna tuats guat ist ein Lied über Gier und Geld. "De Falotten (Ganoven) soll der Teufel hol n...". "Geh Herrgott, hiaz kauf ma an Mercedes Benz", bittet von Goisern in einem himmlisch ausufernden Janis-Joplin-Cover, nachdem er mit dem großen Vaterunser eine Flut von Heiligen angebetet hatte. Der Heilige Raffael, sagt er, könne aber nicht helfen, wenn du dein Handy suchst und es auf "stumm" geschalten ist. Da musst du schon den Heiligen Antonius bemühen, der checkt das. Goisern ist so erfrischend makaber wie irreal und echt.

Knapp zweieinhalb Stunden bieten die Oberösterreicher auf der Creuzburg alles, was das Herz der Hubert von Goisern-Fans begehrt: den Indianer, das (alte) Hiatmadel (1992), die Heidi, halt mi, Nit loang her, Goisern, Hoalt nit oan ... musikalisch abgespeckt, aber nie limitiert. Der Vierer hat sicht- und spürbare Freude am Musizieren. Die Zugabe bringt Sahnehäubchen: "Da Juchitzer", den der Creuzburger Chor der Thüringer auch im dritten Versuch schwerlich hinbekommt, oder das herzzerreißende Weit, weit weg. Ein Traum, und ganz nah!

"Brenna tuats": Hubert von Goisern auf der Creuzburg

Ostthüringer Zeitung 7. August 2012

Beim "Hiatamadl" brennt's owei na guad

Passauer Neue Presse 7. August 2012 | Text & Foto: Hermann Haydn

Hubert von Goisern begeisterte in Riedlhütte - 2500 Besucher sangen bei "Brenna tuat's guat" begeistert mit

Hubert von GoisernEr ist ein Vollblutmusiker, der sich seine Töne förmlich heraus presst aus einem Körper voller Spannung. In ihm brennt es. Und er gibt es weiter an seine Instrumente, an die Zuhörer, unterstützt von einem geradlinigen Rock-Beat der Band in seinem Rücken. Hubert von Goisern ist irgendwie zurück gekommen, wo das Hiatamadl einmal den Funken der Begeisterung für diese Art der neuen Volksmusik entzündete.

Mit Brenna tuat's guat ist er wieder dort, was er voller Inbrunst von einem Berg herunter "juchatzn" könnte, ohne zu kulturelle Umwege zum Publikum. Aber während damals bei den "dicken Wadln" der Spaß noch im Vordergrund stand, ist das neue Programm gerade raus auch ein gesellschaftskritisches Werk. Brennt uns der Hut schön langsam dabei, wie wir mit der Welt umgehen? Diejenigen, die das Lied förmlich mitgrölten, mag es in dem Moment weniger und den tiefen Sinn gegangen sein. Und doch bleibt Vieles hängen, wenn der aus Goisern auch Lieder wie ein Gebet an die Heiligen schickt, ein Stück der Mystik doch in Rock bettet, die die Kultur der Region lange massivst geprägt hat.

Beim berühmten Mercedes Benz, den ihm Gott kaufen möge, geht er auch mal über diese musikalische Welt hinaus und bei den Balladen schlägt er auch leise Töne an. Vielleicht einmal zu wenig intensiv, weil er sich darüber beklagt, dass das Publikum nicht genau so mit jeder Pore dabei ist, wie er selbst. Dann gibt er eben das Hiatamadl als Zugabe; und alle geschätzt 2500 Zuhörer beim Konzert in Riedlhütte brennen wieder.

Hubert von Goisern auf der Burg Clam

Cityfoto 4. August 2012 | Foto: Peter Christian Mayr
Hubert von Goisern

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Huberts wilde Stil-Mischkulanz im Schatten der Burg

OÖN 4. August 2012 | Text: Lukas Luger | Foto: Volker Weihbold

Vor 7500 Fans begeisterte Hubert von Goisern mit seiner Band am Freitagabend auf Burg Clam

Hubert von Goisern, der große Versöhner der Volksmusik mit dem Sound von heute, hatte gerufen und alle kamen sie am Freitag nach Burg Clam: junge Metal-Fans in zerschlissenen Machine Head-Shirts, feine Damen im maßgeschneiderten Dirndl in der Preislage eines gebrauchten Mittelklasseautos und unzählige Paare im besten Alter, die dem "Goiserer" seit Jahrzehnten die Treue halten. Ausverkauft!

Und die 7.500 Fans bekamen an diesem wunderschönen Mühlviertler Sommerabend eine exzellente Show geboten. Eine wilde, fast zweieinhalbstündige Stil-Mischkulanz, die den Bogen von der Leichtigkeit des Landlers über schweren Blues-Rock bis hin zu wehmütigen, aber niemals kitschigen Balladen spannte. Besonders gelungen: eine herrlich fetzige Version von Indianer, das wunderschöne Nit Lang Her sowie der frenetisch gefeierte Mitsing-Hit Brenna tuat's guat. Dass selbst die penetrante Dauerberieselung durch das Radio dem Lied nichts anhaben konnte, spricht nachdrücklich für die Qualität der kapitalismuskritischen Nummer.

Lob für die Begleitband

Ein Extralob an die kompakte Begleitband aus Bassist Helmut Schartlmüller, Gitarrist Severin Trogbacher und Schlagzeuger Alexander Pohn, die kraftvoll-zupackend agierte und es spielend schaffte, längst ins regionale Kulturgut übergegangene Klassiker wie Koa Hiatamadl (ja, das kann man sich heute wieder ohne jeden Genierer anhören!) oder Weit Weit Weg sorgsam zu modernisieren, ohne die Essenz der Songs zu zerstören.

Denn Hubert von Goiserns Traditionsauffassung ist bei allen Querverweisen auf Vergangenes keine rückwärtsgewandte, die zwanghaft versucht, die helle Welt von früher (die ohnehin nie existiert hat) wieder aufleben zu lassen. Nein, er verkörpert die Musiktradition im Hier und Jetzt. Weder verdünnt noch verkitscht, sondern verdichtet und sich anderen Kulturen und Stilen öffnend. Ein gelungener Abend.

Hubert von Goisern

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Hubert aus Bad Goisern setzt Fan-Herzen in Flammen

Schwarzwälder-Bote 1. August 2012 | Text: Jeanette Tröger | Foto: Bösl

Calw-Hirsau. Sie sitzen in allen Fenstern des Kreuzgangs, alle festen Plätze sind belegt, auf der unbestuhlten Fläche vor der großen Bühne stehen sie dicht gedrängt – die Fans des Alpinrockers Hubert von Goisern. Am Sonntagabend rockte der Musikrebell beim Klostersommer in Hirsau den Kreuzgang mit abgespeckter Band, neuen Songs und altbekannten Hits.

Severin Trogbacher und Hubert von Goisern

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"Ihr vastehts s' scho?" fragt von Goisern die Verständigung ab und empfiehlt den anwesenden Österreichern, sich nicht zu outen, sonst müssten sie den Rest des Abends alles übersetzen. Aber "s is eh no deitsch", was er singt und erzählt. Von "Indianern", die heutzutage unter uns leben und nicht mehr schweigen. Von den Heiligen, an die man nicht glauben muss; wichtig ist nur dass man sie hat, wenn man sie braucht. Seine Favoritin? Die heilige Rita, weil die sich drum kümmert, dass das Unmögliche möglich wird. Da darf dann auch gleich das ganz große Vaterunser mitgebetet werden: "Geh' Herrgott hiazt, kauf ma an Mercedes-Benz."

Die Bühne wie ein gemütliches Wohnzimmer mit großen weißen Lampenschirmen und niedlichen roten Stehlampen darin, und davor rocken und peitschen die vier ihre Songs in die Nacht.

Da wo Oberösterreich aufhört, da fangen sie an: Bassist Hel(mut) Schartlmüller, Gitarrist Severin Trogbacher, am Schlagzeug Alexander Pohn und von Goisern, der Multi-Instrumentalist. Nein, es ist kein Luxus, eine rote, eine grüne und eine weiße Ziehharmonika abwechselnd zu spielen, das braucht's für die Musi. Ebenso wie die Maultrommel, die Lap-Steel-Guitar und die akustische Gitarre, die Mundharmonika und das Klavier. Hubert von Goisern zieht alle Register, laut, schräg, schnell, der Schallpegel fast an der Schmerzgrenze. Dann wieder melancholisch, fast zärtlich und melodiös.

Halt nit an, I kenn oan, Heidi – der Weltmusiker hat Erfolg mit den Titeln seines Albums Entwederundoder und geläutert scheint er auch. Klatschende und mitsingende Fans waren ihm früher ein Graus ("Bloß weil oaner a Kartn kauft, hat r' no lang net des Recht") – heute fordert er sie dazu auf und hat sogar Spaß dran.

Und auch das Hiatamadl ist immer noch jung, Weit, weit weg geht noch immer zu Herzen und Heast as nit, wia die Zeit vageht macht noch immer nachdenklich.

Brenna tuats – der Name der aktuellen Tour ist Programm: In Hirsau brannte die Luft. Die richtig gute Drei-Mann-Band und der Hubert aus Bad Goisern setzten die Fan-Herzen in Flammen.

Alpenrock beim Klostersommer

Pforzheimer Zeitung 31. Juli 2012 | Text: Robin Daniel Frommer | Foto: Talmon

Hubert von GoisernDa ist er wieder: Hubert von Goisern, der legendäre Erfinder des Alpenrocks. "Live" und "Open Air" zelebriert in bester Spiellaune ein restlos ausverkauftes Konzert beim Hirsauer Klostersommer. Intensiv und konzentriert wie selten zuvor und mit überraschend leichtem Gepäck: Gerade einmal drei Musiker – Bass, Schlagzeug und Gitarre – begleiten den konsequent experimentierfreudigen Sänger und Multiinstrumentalisten aus dem Salzkammergut. Eulenturm und die gotischen Maßwerkfenster des Kreuzgangs der Klosterruine werden von warmem Licht geflutet, als das Konzert in die letzte Runde geht. Selbst der bleiche Mond scheint zu lauschen, linst – recht rund und zufrieden – durch einen zerbrechlichen Schleier kleiner Wolken auf Bühne, Steh- und Sitzplätze.

Wäre Hubert Achleitner aus Bad Goisern nicht erstmals in Hirsau, man könnte den Auftritt glatt als Heimspiel bezeichnen: Einzelne Zuschauer tragen Tirolerhut, die Krachlederne oder ein Dirndl, andere präsentieren ihr Bekenntnis zur "Neuen Volksmusik" schwarz auf weiß auf den T-Shirts: "Brenna tuats guat" steht drauf – gleichzeitig Motto der aktuellen Tournee und Titel einer neuen Hymne Hubert von Goiserns, in der er vorwärts eilende Gitarrenriffs ganz lässig mit den Klängen der Steirischen Ziehharmonika verbindet. Der Text passt in die Zeit: Wie eine bekannte indianische Weissagung erinnert er an die Machtgrenzen des Gelds und den Frevel des Agro-Business: "Jeder weiß, dass Geld nicht auf der Wiese wächst und essen kann man es nicht, aber brennen tut es gut, aber heizen tun wir mit Weizen und Rüben und mit Mais, wenn wir noch lange so weiter heizen, brennt der Hut." Nein, der fast 60-jährige Sänger und Komponist ist längst noch nicht leise, sondern ungebeugt, aufmüpfig und kritisch wie eh und je. Natürlich hat er auch die älteren Songs im Tournee-Gepäck, auf die so manche der eingefleischten Fans sehnsüchtig warten. Er singt von Mädchen mit knackig runden Waden, von seiner Heimatstadt Bad Goisern zur Melodie von Ray Charles' Georgia und interpretiert Janis Joplins Mercedes Benz alpin und mit Ziehharmonika.

Er inszeniert eine Hardrock-Schutzbitte an katholische Heilige – hat "die Heilige Rita immer dabei" – spielt Instrumentales aus der Steiermark in hinreißendem Tempo und stimmt ganz sanft das getragene Heast as nit ("Hörst Du nicht, wie die Zeit vergeht") und seinen frühen Erfolg Weit, weit weg an – das Hirsauer Publikum übernimmt den Refrain natürlich sofort und feiert Hubert von Goisern und seine oberösterreichischen Musiker, Helmut Schartlmüller (Bass) aus Steyr, Alex Pohn (Schlagzeug) aus Bruckmühl und den Severin Trogbacher (Gitarre) aus Sankt Florian, mit stehende Ovationen.

Entweder, und oder doch?

Hanauer Anzeiger 30. Juli 2012 | Text & Foto: Rainer Habermann
Hubert von Goisern

Hubert von Goisern: pur, gefeiert und bejubelt – Erst nach zweieinhalb Stunden entließ der Jodlrocker seine Fans

Hanau. Er ist viel direkter und präsenter geworden. Mit seiner rot-weißen Ziehharmonika – den Begriff "Akkordeon" lehnt er ab für seinen Schatz – riss der oberösterreichische Jodelrocker am Samstagabend rund 2500 Gäste im Kesselstädter Amphitheater zu Begeisterungsstürmen hin.

Dabei stand kein asiatischer Riesengong auf der Bühne, zupfte niemand die Harfe, quollen auch keine orgiastischen Klangteppiche aus den Lautsprecherboxen, zeugte nur ein überdimensionaler Drache als Leinwandbackground von seiner Eigenschaft als Weltmusiker. Hubert von Goisern, bekanntester Exportartikel des gleichnamigen Bades am Hallstättersee, ist quasi "back to the roots", macht seinen Alpenrock pur, prägnant, perfekt. Drei Musiker und einen "Hannes" hat er dabei, mehr nicht. Sie zusammen reichen für rund zweieinhalb Stunden Musik der Marke "meistens Gänsehaut". Mehr braucht's auch anscheinend nicht, um seine Fans zu begeistern. Und die kamen aus allen Ecken der Republik – der deutschen – ins Hessenland, nach Hanau, wo er schon vor drei Jahren seine Mitmusiker fragte: "Wie san's, die Hessen? So san's, die Hessen!" Damals wie heute muss das Fazit daraus wohl positiv gewesen sein, denn nur ganz wenige Leute im Publikum hielten Worte wie "sonderbar" in petto für die umgekehrte Beurteilung. Aber es soll ja Hanauer geben, die jede Sprache – außer ihrem eigenen Kauderwelsch – als merkwürdig empfinden. Es brauchte im Grunde auch keine Worte oder gar Übersetzungen, die Hessen, Badenser, Schwaben und Bayern im nahezu ausverkauften Hanauer Amphitheater wussten fast alle, wen sie da vor sich haben. Einen Musiker, der mit seiner Flusstour auf einer Barke über Donau, Main und Rhein Zehntausende von Menschen in allen Ländern des "alten" und "neuen" Europas musikalisch berührt und deren ethnische und musikalische Kultur im Sound seiner Band vereint hatte.

Doch dies ist eine Episode im Leben des Hubert von G, wie so vieles zuvor und wie wohl auch der musikalische Stil jetzt. Der basiert auf seiner Ziehharmonika und seinem Jodler, seiner elektrischen Zither und seiner Akustikgitarre. Ist erstaunlich ruhig, getragen, besinnlich und ehrlich. Ohne Schnickschnack: Blues und Rock auf Österreichisch, gespickt mit dem verhalten ironischen Unterton des Liedermachers. Schon einer der ersten Titel, Mercedes Benz im Salzkammergutdialekt, die Melodie getragen von der Ziehharmonika und einem Gitarrenriff von Severin Trogbacher ins schiere Jenseits, ist ein Gebet.

Für Janis Joplin? Nein, fürs Publikum. Denn statt der Night on the town betet Goisern in der dritten Strophe für einen Heiligenschein. Das Objekt der Träume wird auch schnell eingeordnet: "Think big! Wir beten hier doch nicht für eine A-Klasse!"

Viele weitere Titel des Abends unterm Amphizelt, der Entwederundoder-Tour, sind nicht unbedingt aufs Mittanzen ausgelegt. Sie klingen eher verspielt und nachdenklich, ja fast romantisch. Wie etwa in Der Indianer, oder Heidi, hålt mi, treiben zwar Helmut Schartlmüllers Bass und Alex Pohns Schlagzeug den Rhythmus kräftig an, sorgen aber immer wieder die Jodler und die tiefe Stimme von Goiserns für das Erdige, Originelle. Die Jodler: gelernt haben soll er das Jodeln ja auf einer Autobahnbrücke. Um niemanden zu nerven. Heute prägen sie seinen Sound, passen gut zum Rock' n' Roll, der auch mal durchbricht, wenn etwa "Hannes" den Vortänzer gibt und Goisern dazu auf der Mundharmonika Chuck Berrys Gitarre nacheifert. Oder die Kuhglocken schlägt. Passen aber noch besser zu seinen Balladen, etwa Nit lång her oder dem an Dylans Like a rolling stone erinnernden Hålt nit ån. Die neuen Lieder wirken einfacher, oft jedoch eindringlicher als viele seiner alten.

Doch natürlich bringt Goisern auch seine Hymnen, warten die Fans stehend auf Brenna tuats guat, auf Weit, weit weg, auf Heast as nit. Seine Spiellust wird zur Leidenschaft, nach zweieinhalb Stunden hallen noch immer "Zugabe"-Rufe durch das Amphi. Mit einem "a-capella-Jodler" verabschiedet sich der 59-Jährige von seinen Fans, etliche unter ihnen im Dirndl oder der Jaga-Tracht erschienen. Und mit einem sympathischen "Geht's noa hoam. Bis zum nächsten Mol. Auf Wiederhörn!"

Der Euro brennt ganz gut

Frankfurter Neue Presse 31. Juli 2012 | Text: Joachim Schreiner

Der Alpen-Barde Hubert von Goisern bescherte dem Open-Air-Sommer im Hanauer Amphitheater
einen animierenden Abend.

Rätselraten im vollbesetzten Auditorium: einen Hanauer Schutzpatron, gibt's den? Typisch für Hubert Achleitner, wie Hubert von Goisern bürgerlich heißt, den Humor seiner Tiroler Heimat auf den jeweiligen Spielort umzumünzen. Zuvor hatte er in einer musikalischen Litanei eine ganze Reihe von Heiligen aufgezählt und mit der Formel "Bitte für uns" abgeschlossen.

Von Frömmigkeit kann bei dem Auftritt des im November 60 Jahre alt werdenden Musikers aber keine Rede sein. Im Gegenteil: So rockig und musikalisch abgespeckt wie heute hat Hubert von Goisern nie zuvor geklungen. Die Klangfülle seiner Lieder bringt eine ganz junge Band lediglich mit Schlagzeug, Bass und Gitarren auf die Bühne. Wobei der Mann an den Saiten ein Berserker auf seinem Instrument ist und nahezu die Virtuosität von Jimi Hendrix und Mark Knopfler vereint.

Ein musikalischer Stilmix sondergleichen

Hubert von Goisern zeigte sich in bestechender Form, wirbelte die Stile und die Instrumente behände durcheinander. Mit Lapsteel-Gitarre bei einem brachialen Blues sich selbst begleitend, erzählte er von "Indianern", spielte dazu Kuhglocken, später Maultrommel, bediente wahlweise E- und Akustik-Gitarren und elektrisches Klavier. Verblüffend die Reggae- und Dub-Effekte bei Mercedes Benz, einer vortrefflichen Adaption der Janis-Joplin-Hommage an den deutschen Nobelwagen.

I versteh di ned ist ein hervorragendes Stück über Kommunikationsprobleme und Goisern, das Loblied an das Heimatdorf des Multiinstrumentalisten, eine Jazzballade, die die Klasse von Georgia On My Mind besitzt. Die Stimmungswogen im überdachten, doch luftigen Theater schwappten schließlich über, als man die Hits zelebrierte, angefangen mit dem berühmten Hiatamadl im Dreivierteltakt, das der Hubert so gar nicht mag, dafür aber Mädchen aus der Stadt mit strammen Waden.

Und der Song, der der aktuellen Tour ihr Motto verpasst, Brenna tuats guat, mit seinem vierstimmig gesungenen Refrain ist nur vordergründig ein Renner. Im Text geht es um den Euro. So ist der Hubert auch tagespolitisch hochaktuell. Wer ihn kennt, weiß, dass er mit Zugaben nicht geizt und ein generationenübergreifendes Publikum in fast schon ekstatische Zustände zu versetzen weiß.

Gute Schwingungen

Offenbach Post 30. Juli 2012 | Text: Anke Steinfadt | Foto: © Grünewald

Hanau - Ein um fünf Minuten verspäteter Beginn des Konzerts ruft bereits Pfiffe hervor. Reichlich übertrieben. Denn da kommt er schon, der Alpen-Boss an der Ziehharmonika.

HvGMit einem unter die Haut gehenden Solo holt er das Publikum aus dem Hanauer Amphitheater direkt in seine Welt ab. Die Welt des Hubert von Goisern! In ihr verbinden sich auf einzigartige Weise österreichische Volksmusik und internationale Musikstile. Da geht die Maultrommel zum Funk, Kuhglocken zum Ska und der Jodler zum Blues. Pop, Rock, Polka, Country, Reggae kommen hinzu. Alles verschmilzt der 59-Jährige zu einem organischen und authentischen Ganzen. Das einzig Künstliche an diesem Abend ist der Nebel, der von Beginn bis zum Schluss über die Bühne wabert.

Hubert von Goiserns langjähriges Markenzeichen, der Drache, wacht wie üblich im Hintergrund, in einem goldenen Barock-Rahmen. Über den Köpfen der Musiker baumeln moderne Lampenschirme. Reduziert ist, im Vergleich zu den vorangegangenen Tourneen, diesmal die Besetzung: Gitarre (Severin Trogbacher), Bass (Helmut Schartlmüller) und Schlagzeug (Alex Pohn). An Druck und Rauschhaftigkeit mangelt es dennoch nicht. Die Band leistet Großes.

Nach den ersten Stücken Indianer und Suach da an andern vom aktuellen Album EntwederUndOder kommt Bewegung ins Publikum, was Hubert von Goisern erfreut kommentiert. Gute Schwingungen sind ihm wichtig – zwischen den Menschen ebenso wie zwischen den Nationen. Diente die groß angelegte Linz Europa Tour von 2007 bis 2009 vor allem doch der Völkerverständigung innerhalb des sich nach Osten erweiternden Europas.

Musik ist die Sprache von Hubert von Goisern

Musik ist seine Sprache. Während die mundartlichen Texte nur ansatzweise zu verstehen sind und die Botschaften vorwiegend mit dem Herzen empfangen werden müssen, bemüht sich Hubert Achleitner, wie der aus Bad Goisern stammende Musiker bürgerlich heißt, bei seinen Ansagen stets um Verständlichkeit. Es wäre auch schade, wenn die Lästereien, beispielsweise über Heilige, oder Anekdoten an der Sprachbarriere scheiterten. Sogar einen Einblick in die Fanpost und darin formulierte absurde Vorwürfe gewährt er. Er lese alles, egal, ob E-Mail oder handschriftlicher Brief, sagt er. "Nur antworten tu i net." Wer will es dem Musik-Alchemisten übel nehmen.

Ein großer Teil der Besucher ist nicht zum ersten Mal bei einem Konzert des "Goiserers", wie Fans ihn nennen. Das verraten die Reaktionen. Routiniert werden Mitmach-Vorgaben aufgegriffen und Refrains mitgesungen, vor allem bei Repertoire-Klassikern wie Weit, weit weg, Heast as nit oder Koa Hiatamadl. Dem großen Hit aus dem Jahre 1992 folgt direkt der aktuelle Brenna tuat's guat, mit dem sich Hubert von Goisern nach langer Zeit wieder einen Platz eins in seiner Heimat sichern konnte.

Bei Balladen setzt er sich häufig ans Keyboard. Intime Momente entstehen so. Er spielt Gitarre, Mundharmonika, Maultrommel. Doch am schönsten ist es, wenn er zur Ziehharmonika greift, die niemand "Akkordeon" nennen sollte, der dem Österreicher per Fanpost ernsthaft etwas über deren Wirkung mitteilen möchte.

Hubert von Goisern auf Schloss Kapfenburg

www.kalle-linkert.de 31. Juli 2012 | Foto: Kalle Linkert
Hubert von Goisern

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Ganz weit entfernt vom Musikantenstadl

Main-Netz 30. Juli 2012 | Text: Ursula Krah-Will

Neue Volksmusik: Hubert von Goisern heizt im Hanauer Amphitheater ein - Anspruchsvolles und Unterhaltung

Hubert von GoisernHanau. Maultrommel, Mundharmonika, Kuhschellen und vier verschiedene Ziehharmonikas sind nur einige der nicht rockkonzerttauglichen Instrumente, mit denen Hubert von Goisern beweist, dass sie es eben doch sein können. So auch bei seinem (nicht ganz ausverkauften) Konzert am Samstag im Amphitheater in Hanau.

Nachdem es tagsüber immer wieder geregnet hat, ist es abends angenehm frisch im Halbrund unter der Kuppel im Garten von Schloss Phillippsruhe.

Charismatischer Musiker

So kann der fast 60-jährige Österreicher entsprechend dem Motto seiner Tour Brenna tuats richtig einheizen. Bestens gelaunt zelebriert er mit seiner Band (Alex Pohn, Helmut Schartlmüller und Severin Trogbacher) die Neue Volksmusik, die er seit vielen Jahren maßgeblich mitprägt. Der charismatische Musiker singt und spielt, zwischendurch plaudert gern mit seinen Fans, die zum größten Teil mit ihm in die Jahre gekommen sind.

Dabei erläutert er das eine oder andere im Leben des Stars: Er freut sich über die Post, antworten tut er nie. Es ist zu viel. Aber er liest jeden Brief und jede Mail. Es sei denn, er sieht das Wort Akkordeon, dann hört er gleich auf, denn er spielt eben die Ziehharmonika. Ein Instrument, das quasi der Inbegriff des verstaubt seins und des Hinterwäldlertums ist. Mit seiner Spielweise gibt er der Ziehharmonika ein neues Leben. Es klingt direkt verführerisch im Zwiegespräch mit Bass oder Gitarre.

Sind Österreicher im Publikum? Sie sollen sich nicht zu erkennen geben, sonst müssen sie übersetzen. Ja, ein wenig reinhören müssen sich die Besucher schon in das Österreichisch, das er pflegt. Dafür braucht es eine gewisse Zeit. Früher hat er gleich aufgehört zu spielen, wenn jemand mitgesungen hat. Heute weiß er, dass Musik der Seele guttut und vergibt ausdrücklich die "Lizenz zum Mitsingen". Das fällt bei den meisten Stücken aber sogar eingefleischten Fans schwer. Wohl sind die Laute für die deutsche Zunge nur schwer zu bilden und dann kommt noch das höllische Tempo hinzu.

Eine gewollte Diskrepanz liegt in dem Abend: Mit roten Stehlampen und dem Goisern Drachen, der in einem goldenen Rahmen hinter den Musikern prangt, vermittelt die Bühne fast Wohnzimmeratmosphäre, beispielsweise wenn die Band das Lied Goisern spielt. Eine Liebeserklärung an seinen Heimatort, der ihn nicht loslässt. Aber dann sind die Lieder hart und rockig, gleich darauf ist es eher ein Blues, psychodelische Klänge erfüllen das Amphitheater und natürlich knackige Volksmusik. Allerdings weit entfernt vom Musikantenstadl.

Das Musikgenre ist ihm egal, er ist crossover unterwegs und kennt sich aus. Lange Zeit hat er im Ausland gelebt und dort verschiedene Musikrichtungen kennengelernt. Dort fand er auch einen neuen Zugang zur Volksmusik in seiner Heimat. Seitdem kultiviert er sie und gibt ihr einen neuen Sound. Was ihm immer gelingt, sogar beim a-capella Jodler zum Abschluss der Zugaben nach gut zwei Stunden ansprechender und anspruchsvoller Musik und Unterhaltung. 

Hubert von Goisern lässt die Luft glühen

Mainpost 30. Juli 2012 | Text: Alice Natter | Foto: Chris Weiss

Der Alpinrocker mit einem erst sperrigen und dann mitreißenden Konzert vor 2700 an der Würzburger Festung

Kann ein Rockkonzert kontemplativ sein? Ein überlauter Song ruhig? Kann der schwülheißeste Tag des Jahres Gänsehaut machen? Ja und ja und ja. All das kann. Dann, wenn Hubert von Goisern auftritt, so wie am Freitagabend vor 2700 Zuhörern im Neutorgraben an der Würzburger Festung.

Von Goisern, das ist der Mann, der seiner langen Haare und seines vorlauten Mundwerks wegen einst aus der Blaskapelle seines Heimatorts flog und später dem Begriff Volksmusik eine neue Bedeutung gegeben hat. Der Liedermacher, der die Urkraft und den Schwung des Volkstümlichen mit der Härte und dem Rhythmus des Rocks paart und den man kennt, seit vor genau 20 Jahren zum ersten Mal sein Hirtenmädchen die Charts erklomm. Eine Zeit lang mag der Musiker Unpopuläreres getrieben haben, weit, weit weg und viel in der Welt unterwegs gewesen sein – jetzt mögen ihn die Radiosender wieder: Entwederundoder, die neue, im vergangenen Jahr erschienene Scheibe, hat den Mann aus Goisern wieder ganz nach oben gebracht.

Viel Urgewalt und Härte

Hubert von Goisern

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"Griaß oach, servus Würzburg!" Am Freitag an der Festung ist erst wenig Schwung, dafür viel Urgewalt und Härte. Hubert von Goisern zieht wuchtig und mächtig die Harmonika, zelebriert dieses Instrument, krault die Maultrommel, lässt sich von den Tonmeistern Gebirgshall aufs Mikro legen, legt sich selbst die Lap-Steel-Gitarre auf die Schenkel und lässt es überhaupt mit seiner jungen Drei-Mann-Band mächtig und stählern metallisch krachen. Brenna tuats heißt seine Tour – und an der Festung schwelt und glüht die Luft.

Schwüle? Hitze? Der 59-Jährige ist nach einem Bad im Main ganz frisch und fesch! "Wenn ihr auf andere Interpretationsgedanken kommt, gebt's dem nach", lädt der Bühnencharismatiker die 2700 Zuhörer zu dialektalen Missverständnissen ein. "Ich soll euch ja nur inspirieren, dass ihr selber auf den Blödsinn kommt", tröstet er in betontem Hochdeutsch und singt und greint dann sehr dialektal vom denaturierten Indianer, der inzwischen in uns allen steckt. Von Goisern experimentiert mit seinem Alpinrock, dekonstruiert Volksmusik, setzt sie neu, laut, schräg und hart zusammen zu Fürbitten an die Heiligen der Welt. Seine Lieblingsheilige? Die Rita, erzählt er. Die sei in der Nebentätigkeit auch "zuständig für die Wirschtl", als Hauptbeschäftigung aber kümmere sie sich darum, das Unmögliche möglich zu machen – "das brauch' ich jeden Tag".

Musikalisch ist es ein sperriger Beginn. Mit Bassist Helmut Schartlmüller, Alexander Pohn am Schlagzeug und Gitarrist Severin Trogbacher – allesamt ziemlich großartige "Überunteroberösterreicher" – rockt und ackert und peitscht von Goisern, was Instrumente und Anlage hergeben. Die Klangwucht drückt. Der Schallpegelmesser steht phasenweise bei gefühlten 140 Dezibel. Trommelfell-Marter für die ersten Reihen.

Gänsehaut im Sommer

Und dann, irgendwann, wird es doch noch mitreißend und stimmungsvoll. Denn plötzlich sind sie da, die Hits, für die ihn die Fans lieben. Auf der Bühne leuchten inzwischen die roten Sofa-Stehlampen, die Luft glüht nicht mehr, sondern vibriert nur noch – und Hubert von Goisern spielt die alten fetzigen Melodiechen und großen Balladen aus der Zeit mit den Alpinkatzen. Erst tobt der Kuhglocken-Träger und Akkordeon-Reicher Hannes zappelnd und tanzend über die Bühne, dann das scheinbar nicht alternde Hiatamadl, schließlich gibt's andächtig und viel leiser das Weit, weit weg und Heast as nit.

Mag der Weltmusiker und Multiinstrumentalist früher gemeint haben, dass Konzertkarten nicht zum Mitsingen berechtigen. Jetzt lädt er – "Wenn's Ihr den Text kennt, mitsingen ist gesund" – herzlich dazu ein. Das Publikum ist selig. Und ja, dieser Alpinrocker kann ganz sanft, ganz leise sein, ganz wunderbar traurig wie bei Lebwohl, der lakonischen Beziehungsenden-Ballade. Da ist sie dann da, die Gänsehaut im Sommer.

Brenna tuats bis zum Schluss

Schwäbische Zeitung 28. Juli 2012 | Text: Gabi Neumeyer | Foto: BW

Hubert von Goisern auf der Kapfenburg

Hubert von Goisern

Vor einer Rekordkulisse begeisterte am Donnerstagabend der österreichische Musiker Hubert von Goisern auf seiner Brenna tuats guat-Tour beim Schloss- Kapfenburg-Festival. Über zwei Stunden Non Stopp rockte der Alpinbarde.

Dass dieser Mann im November schon 60 Jahre alt wird, ist kaum zu glauben. Mit ungeheurer Energie, einer charismatischen Ausstrahlung und grandioser Musikalität machte er dieses Konzert zu einem Höhepunkt des diesjährigen Festivalsommers. Gemeinsam mit seiner jungen, hervorragenden Band, von ihm selbst einmal als seine "musikalische Guerillaeinheit" bezeichnet, heizte er seinen Fans an diesem Sommerabend so richtig ein. Ehrlich, geradlinig, auf das Wesentliche reduziert, nur begleitet von Leadgitarre, Bass und Drums – so interpretiert er aktuell seinen Alpenrock.

International und Heimat verbunden zugleich, verbindet der musikalische Weltenbummler stilsicher Blues, Country und Reggae mit Jodler und Kuhglocken zu einer stimmigen Einheit. Faszinierend sind seine virtuosen, multiinstrumentalen Fähigkeiten, ob an der Maultrommel oder auf verschiedenen Gitarren. Doch am allerbesten, wie für ihn gemacht, passt das Akkordeon zu ihm. Dieses Instrument zelebrierte er geradezu. Über die Bühne tänzelnd, schleichend oder schreitend, im Zwiegespräch mit Leadgitarre und Schlagzeug, entlockte er der mit einem eher biederen Image behafteten Ziehharmonika eine phänomenale Bandbreite an Tönen.

Melancholisch schluchzend, aufpeitschend oder schlichtweg lebenslustig. Hubert von Goisern auf dem Akkordeon, das ist cool und sexy. "Fesch und lässig", so von Goisern, sei es in Lauchheim zu spielen, auch wenn ihm ein wenig die Orientierung fehle, wo genau dieses Lauchheim liege.

Und so wie der Musiker ein wenig mit der Ostalb fremdelte, so fremdelte das Publikum mit seinem Dialekt. Doch seine Musik ist eine Sprache, die jeder versteht. Wie auch seine Lebensweisheiten und Botschaften, die er in seinen intelligenten und amüsanten Ansagen in deutlichen Worten unters Volks brachte. Getragen von einem "des Lebn is schee", kam seine Gesellschaftskritik zwar deutlich daher, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Unsympathische Menschen? "Dia Leit brauchats a" und auch "bei dia Indianer sann et Olle edl und guat".

Sie mussten lange warten, die zweieinhalbtausend Konzertbesucher. Aber dann, nach Anbruch der Dunkelheit und einer Überleitung von steirischer über oberösterreichische Musik, entfachte Goisern einen wahren Sturm der Begeisterung. Mit seinem aktuellen Hit Brenna tuats guat, der vielstimmig durch den Schlosshof hallte, läutete er das stimmungsvolle Konzertfinale ein. Zuletzt wollte der Applaus kein Ende nehmen.

Hubert von Goisern: Live in Neuhaus an der Pegnitz - 22. Juli 2012

26. Juli 2012 | Fotos: © Elli Christl

Wenn der Hubert aufi spuilt, is nix wias is

Rhein-Neckar-Zeitung 23. Juli 2012 | Text: Peter Wiest | Foto: Stefan Weindl

Über 2000 Zuschauer erleben einen wunderbaren Sommerabend am Neckar mit Hubert von Goisern

Hirschhorn. Eigentlich könnte er auch zwei Stunden lang da vorne auf der Bühne stehen und nur plaudern. Und dann würden sogar die Kurpfälzer wirklich alles verstehen, was Hubert von Goisern zu erzählen weiß: Denn wenn er sich ans Publikum wendet, ist er sehr bemüht, den charmanten österreichischen Akzent so weit zurückzunehmen, dass immer alles klar ist – egal, ob es um die häufigen Selbstmorde in seiner Heimatgemeinde Goisern geht, wo sich jahrelang viele "selbst wegputzten, indem sie sich mit der "Goiserer Krawatte" erhängten", ob es um christliche und andere Heilige geht, die in seinem Leben eine Bedeutung hatten, vom Nepomuk bis zum Eusebius, oder lediglich um die Klarinette, dieses verfluchte Instrument, das ihm einen Teil seiner Jugend versaut hat, weil man es nur zum Boden hin spielen kann: "Wo die Viecher rumkriechen".

Von Goisern ist ein brillanter Erzähler. Seine Geschichten prägt eine wunderbare Mischung zwischen Makabrem, Irrealem und Realem. Und genau so ist auch seine Musik: Er ist ein Wanderer zwischen den Welten, der faszinierende Wege einschlägt und immer wieder Pfade findet, die vor ihm keiner erkundet hat.

Seit vielen Jahren geht das jetzt so mit dem "Alpenrebell", wie sie ihn nennen. Am Samstagabend ist er wieder mal runtergestiegen bis direkt an den Neckarstrand – und hat in Hirschhorn über 2000 begeisterte Fans nicht nur blendend unterhalten, sondern in kollektive gute Laune und ausgelassene Stimmung versetzt. Überwiegend dann doch nicht mit Worten, sondern mit Musik: Einem scharf gewürzten Potpourri aus Songs des letzten EntwederUndOder-Albums und Standards wie Goisern, der Hymne an seine Heimat, oder Janis Joplins Mercedes Benz, musikalisch tiefer gelegt und im Reggae-Rhythmus aufgefahren.

Akkordeon, Akustik- und Elektro- Gitarre, Maultrommel, Keyboard, Klarinette und Kuhglocke: Über zwei Stunden ackert Multiinstrumentalist von Goisern mit seinen drei kongenialen Mitmusikern um die Wette, bis es am Ende aber so was von richtig "guat brenna tuat", wie sein bisher größter Hit heißt. Und Zugaben gibt's natürlich auch: Was für ein toller Abend am Neckarstrand! Zumal das Wetter gehalten hat und der Regen ausgeblieben ist – welchem Heiligen auch immer das zu verdanken war.

Und auch wenn von Goisern singt, dass Es is wias is, so einer der schönsten Songs des Abends: Nein, wenn der Hubert richtig aufi spuilt, dann is nix mehr wias is.