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AMADEUS AUSTRIAN MUSIC AWARDS 2001
Huberts Sieg

Hubert von Goisern Agnes Grasberger und Hubert von Goisern
Fotos: © P Schaller, R Eckharter

Huberts Rede bei den Amadeus Awards

(ungefährer Wortlaut)

"Ersten 2 Redner war schon ziemliche Selbstbeweihräucherung des ORF und der Industrie ... vielleicht symbolisiert Preis das rosa Rauschen, das manchmal durchkommt ... bezeichnend dass GI Weisz nicht zugegen ist... Roscic hat mir gesagt: wir spielen, was Leute hören wollen, wir sind die Überbringer der schlechten Botschaften ... das ist auch sehr kleinmütig und ruckgratslos ... habe das sagen müssen für alle, die nicht da sind und nichts bekommen haben"


Backstage Party

www.machtdernacht.tv 6. März 2003

Hubert von Goisern
Foto: © machtdernacht.tv

Großer Preis, kleiner Wert

OÖN Mai 2001

Showmäßig regnete es gestern Abend in Wien Preise, die Amadeus Austrian Music Awards 2001. Die Schmalspurversion des Music-Oscars Grammy ist eineaufgeblasene Größe mit kleinem Wert. Warum? Für die Nominierungen sind ausschließlich die Hitparaden-Platzierungen maßgeblich. Die werden vom Verkauf bestimmt. Den beeinflusst wiederum der Radioeinsatz oder die Zugkraft eines Namens. Der Amadeus Award ist eine kommerzielle Ausscheidung, künstlerischer Wert (z. B. Hubert von Goiserns Fön) kann passieren, ist aber kein Kriterium. Es grenzt an Verhöhnung, wenn ein Wolfgang Ambros, der mit seinen Waits-Interpretationen ein erstklassiges Werk abgeliefert hat, mit A klana Indiana und DJ Ötzi in einen Topf geworfen wird. Und es ist fast schon schrullig, dass Santana mit Supernatural in der internationalen Pop/Rock-Sparte auftaucht. Dafür hat er schon im März 2000 neun Grammys eingesackt. Nicht viel frischer ist Tom Jones' Reload-Album, ebenfalls nominiert. Wofür braucht man internationale Kategorien überhaupt? Ist daran ein österreichischer Minderwertigkeitskomplex Schuld? Wir wünschen uns eine nationale Werkschau unter künstlerischen Aspekten. Die wird der ORF vielleicht nicht aufzeichnen. Aber das soll auch nicht das Maß der Dinge sein.

Bernhard Lichtenberger

"Ein bisschen viel Selbstbeweihräucherung vom ORF und von der Musikindustrie"

APA Mai 2001

Hubert von Goiserns kritische Worte bei der "Amadeus Award"- Verleihung wurden zusammengekürzt

Wien - Im allgemeinen Jubel hatten seine Worte eher herb gewirkt: Hubert von Goisern hatte bei dem am Mittwoch abgehaltenen "Amadeus Austrian Music Award 2001" in seiner Dankesrede für die Auszeichnung als bester Solokünstler von "bisschen viel Selbstbeweihräucherung vom ORF und von der Musikindustrie" gesprochen und den ORF-Verantwortlichen vorgeworfen, sich zu wenig um österreichische Popmusik zu kümmern und nur zu spielen, was die Leute hören wollten. Bei der ORF-Aufzeichnung tags darauf wurde diese Kritik jedenfalls nicht in ihrem vollen Wortlaut gesendet.

Dagegen protestiert der österreichische Musikrat nun in einer Aussendung "aufs Schärfste". "Hubert von Goisern hat anlässlich der Verleihung des Amadeus-Awards 2001 in seiner Dankesrede sehr scharfe und sehr mutige Worte über die geringe Präsenz österreichischer Musiker in den Programmen des ORF gefunden: Der stürmische und einhellige Beifall des dort anwesenden, zum Teil sehr prominenten Publikums hat gezeigt, wie aktuell und brisant das Thema ist", heißt es in der von Musikrat-Präsidenten Harald Ossberger unterzeichneten Stellungnahme. "In der am folgenden Tag (10. Mai) ausgestrahlten Aufzeichnung der Veranstaltung fehlte der größte und wesentlichste Teil der Rede und wurde damit vom ORF auf eine relativ harmlose Kritik zurechtfrisiert. Der österreichische Musikrat protestiert aufs Schärfste dagegen, dass der ORF auf diese Weise seinem Publikum die Wahrheit vorenthält und damit seiner Informationspflicht nicht nachkommt." "Der österreichische Musikrat stellt sich nachdrücklich hinter Hubert von Goisern, der sich mit vorbildlicher Zivilcourage der Situation seiner um ihre Existenz ringenden Kolleginnen und Kollegen angenommen hat", heißt es abschließend.

© APA OTS GmbH

ORF-Reaktion zu österreichischem Musikrat

APA Mai 2001

Zur "Stellungnahme des österreichischen Musikrats zur Aufzeichnung des 'AMADEUS-Awards 2001'" hält der ORF fest:

Die Aufzeichnung der Gala "AMADEUS" am Mittwoch, dem 9. Mai 2001, dauerte exakt 125 Minuten und musste um 20 Minuten und 45 Sekunden auf die vorgesehene Sendelänge von 104 Minuten und 15 Sekunden gekürzt werden. Wie bei jedem Schnitt war es primäres Ziel, für die Zuseherinnen und Zuseher Atmosphäre und Unterhaltungswert des Galaabends zu erhalten. Mit größter Behutsamkeit wurden daher sowohl Show-Acts und Moderation, als auch die Sequenzen mit Laudatoren und Gewinnern gekürzt - so etwa die Statements von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil, Dagmar Koller und Lou Bega. Nach denselben Kriterien ist es auch beim Statement von Hubert von Goisern zu Kürzungen gekommen. Die prinzipiell kritische Aussage seiner Worte blieb erhalten. Lediglich jene Passagen des Hubert von Goisern-Statements, in denen persönliche Angriffe auf Personen erfolgten, die im Rahmen einer Unterhaltungssendung nicht antworten und reagieren konnten, mussten geschnitten werden. Zudem war eine umfängliche Diskussion zum Musikformat von Ö3 - zu der selbstverständlich auch Beiträge mit dem Standpunkt von ö3 gehört hätten - in diesem Umfeld weder vorgesehen noch möglich.

Es kann daher nicht die Rede davon sein, dass - wie der "österreichische Musikrat" behauptet - "der ORF auf diese Weise seinem Publikum die Wahrheit vorenthält und damit seiner Informationspflicht nicht nachkommt".

© APA OTS GmbH

 

Goisern: ORF

Kurier 18. Mai 2001

Handelte korrekt

Bei der Gala zur Verleihung des Musikpreises Amadeus war Hubert von Goisern mit einer mutigen Dankesrede aufgefallen, in der er die mangelnde Präsenz österreichischer Musik im ORF, vor allem in Ö3, kritisiert hatte. In der ORF-Aufzeichnung der Gala fehlten große Passagen dieser Rede, wogegen wieder heimische Musikervertreter protestierten. In einem offenen Brief erklärte Goisern nun, seine Rede sei vom ORF "korrekt" editiert worden, seine Kritik habe ohnehin ihre Adressaten erreicht.

Huberts Antwort auf die Ankündigung des Musikrates den ORF wegen der Verkürzung von Hubert's Rede zu verklagen

Sehr geehrte Damen und Herrn vom Musikrat,

ich habe bei der Amadeusverleihung meine Enttäuschung über den ORF zum Ausdruck gebracht und bin dabei nicht drum herum gekommen, zwei Personen, die Herren Weis und Roscic, beim Namen zu nennen. Es liegt mir nichts daran jemanden zu verletzen, aber eine allgemein formulierte Kritik wäre an den Verantwortlichen abgeperlt; das haben die Gespräche, die ich mit den beiden letztes Jahr führte, gezeigt.

Niemand kann aber vom ORF verlangen, diese meine Rede ungekürzt wieder zugeben. Und das ist auch nicht notwendig - den Reaktionen nach zu urteilen sind die Worte angekommen, dort wo sie ankommen sollten. Ich fand es korrekt, wie man meine Aussagen editiert hat.

MfG

Hubert von Goisern


ORF Kritik

Kurier 12. Mai 2001

Hubert von Goisern hatte bei der Verleihung des Amadeus-Awards 2001 die geringe Präsenz österreichischer Musiker in den ORF-Programmen scharf kritisiert. Doch in der am Donnerstag ausgestrahlten Aufzeichnung der Veranstaltung fehlte plötzlich der größte und wesentlichste Teil der Rede und "wurde damit vom ORF auf eine relativ harmlose Kritik zurechtfrisiert", protestiert der österreichische Musikrat "aufs Schärfste".

Pilz von Betrifft

Danke, Hubert!

Neues Volksblatt Juni 2001

Es ist wieder ruhiger geworden. Das Rauschen im Medienwald hat sich gelegt. Herr und Frau Österreicher wissen jetzt aus etlichen Zeitungsartikeln, dass es schlecht steht um Musik aus unserem eigenen Land, dass der Österreichische Rundfunk Talente verhindert und mögliche Erfolge im Keim erstickt. Es mag ein schwacher Trost für Sänger, Komponisten und Texter aus Österreich sein, dass die Schweizer in der Statistik noch hinter uns liegen. In der Schweiz wird nämlich die im eigenen Land geschaffene Musik vom dortigen Rundfunk noch weniger eingesetzt als "unsere" Lieder vom ORF. Was gesagt werden muss, kann gar nicht oft genug gesagt werden. In diesem Sinne: Dankeschön, Hubert von Goisern! Danke für deine mutige Wortmeldung zu einem Thema, das weder dem österreichischen Publikum noch den Künstlern gleichgültig ist.  
 
© 2000 Österreichische Zeitungs-, Verlags und Vertriebsgesellschaft m.b.H.

"Endlich sagt es einer!"

OÖN 12. Mai 2001

"Ich glaube, dass sie das, was der Hubert gesagt hat, nicht schneiden, denn wenn sie es tun, gibt es Bürgerkrieg in der Szene", sagte Rainhard Fendrich im OÖN-Gespräch vor der Ausstrahlung der "Amadeus"-Aufzeichnung im ORF - und irrte. Fendrich, als Laudator und Musikstar mit seiner Single Entsetzlich hetero bei der Verleihung dabei, über den Moment, als Hubert von Goisern die kritischen Worte gegenüber ORF und Musikindustrie fand: "Der Kolonovits und ich haben uns angeschaut und gesagt: Ja, endlich sagt es einer! Ich hab' dem Hubert ein Solidaritäts-Mail geschickt, damit er weiß, dass er nicht allein ist.

© 2001 Medienhaus Wimmer

Amadeus für Hubert von Goisern

Neues Volksblatt Mai 2001

Zum zweitenmal wurde Mittwochabend im Rahmen einer Gala im Wiener ORF-Zentrum der Amadeus Austrian Music Award der heimischen Musikwirtschaft vergeben. Der Preis als bester Solokünstler "Pop/Rock national" ging an Hubert von Goisern. In seiner Laudatio bemängelte der oö. Ethnomusiker die seiner Meinung nach "unzureichende Unterstützung der heimischen Musikszene durch Medien und das Musikbusiness". Aus der Hand von Bundespräsident Thomas Klestil erhielt Jazzer Joe Zawinul den Preis für sein vor zwei Jahren im dortigen KZ aufgeführtes Werk "Mauthausen".

© 2000 Österreichische Zeitungs-, Verlags und Vertriebsgesellschaft m.b.H.

Amadeus: Hubert von Goisern sagte die Wahrheit

OÖN 11. Mai 2001

Rund 1000 Gäste versammelten sich am Mittwoch nach der Verleihung des Amadeus Austrian Music Award in mehreren Hallen des ORF-Zentrums am Küniglberg und plauschten beim Do&Co-Buffet bis spät in die Nacht. Etwa über den "aufmüpfigen" Hubert von Goisern, der vor laufender Kamera den "Staatssender" Ö3 wegen dessen österreicher-Feindlichkeit attackiert hatte. Hubert nachher: "Mich stört vor allem, dass sich alle bis hin zu Ö-3-Chef Bogdan Roscic darauf berufen, nur Erfüllungsgehilfen fürs Kohlemachen zu sein. Sie sollten sich nicht nur abputzen, sondern auch den Mut haben, eigene Vorstellungen durchzusetzen."

Ludwig Heinrich
© 2001 Medienhaus Wimmer

"Was abgeht, ist Rückgrat und Mut"

OÖN 12. Mai 2001

Vor laufender Kamera zeigte sich Hubert von Goisern bei der "Amadeus"-Verleihung am vergangenen Mittwoch "unbotmäßig" und attackierte Ö3. In der Aufzeichnung am folgenden Abend fehlten einige Sager. Dazu ein Interview mit dem Entertainer, der heute Abend in Bad Ischl ein Seminar gibt.

Fühlen Sie sich zensiert?

Nein, ich bin da nicht böse, die mussten die ganze Veranstaltung ja ordentlich kürzen.

Sie erzählten im nicht gesendeten Text von Besuchen bei GI Gerhard Weis und Ö-3-Chef Bogdan Roscic?

Ich habe Herrn Weis gesagt, dass ich die Situation bei Ö 3 für österreichische Künstler nicht gut finde, und er meinte, er wäre der glücklichste Mensch, würde ich bei Ö 3 durchsetzen, dass mehr heimische Musik gespielt wird. Ich möge zu Herrn Roscic gehen.

Und wie war's dort?

Bogdan Roscic meinte, er würde halt das spielen, was die Leute wollen. In diesem Sinn sei er eben Überbringer der schlechten Botschaft. Dieses "Was die Leute wollen" wird meiner Meinung nach dadurch ad absurdum geführt, dass der "Amadeus" ja nach Verkaufserfolgen vergeben wurde, dass aber von Ö 3 alles außer Marque nicht gespielt wird. Was mir bei Roscic, der ein kluger Gesprächspartner war, abgeht, ist Rückgrat und Mut, mehr als nur Erfüllungsgehilfe zu sein. Ö 3 ist ja kein Privatsender, sondern ein öffentlich-rechtlicher, und daher gibt es auch einen Auftrag.

Ihr heutiges Seminar in Bad Ischl?

Ich bin Lehrbeauftragter an der Uni Salzburg, und dieses Seminar "Tradition und Brücke" über die Identität Heimat/Volksmusik mache ich mit einem Philosophieprofessor. Um nicht im akademischen Elfenbeinturm zu bleiben, gehen wir nun raus aus dem Hörsaal, und gerade in Ischl, denke ich, ist die Tradition spür- und hörbar.

Ihre nächsten Pläne?

Touren, touren, touren. Die Winterpause nütze ich für die Produktion einer neuen CD. Das Gesamtbild habe ich schon im Ohr, es ist nur schwer, es zu schildern. Wie heißt es doch so schön? Musik beschreiben ist wie Architektur tanzen.

PS. Inzwischen protestiert der Österreichische Musikrat gegen die Kürzung des vollen Wortlautes von Huberts "Amadeus"-Kommentar. Der ORF, heißt es, enthält seinem Publikum auf diese Weise "die Wahrheit vor und kommt seiner Informationspflicht nicht nach".

Ludwig Heinrich
© 2001 Medienhaus Wimmer

Amadeus-Award 2001 an heimische Künstler verliehen

Tiroler Tageszeitung 11. Mai 2001

Der Verband der österreichischen Musikwirtschaft IFPI hat im Wiener ORF-Zentrum
den Musikpreis Amadeus Austrian Music Award verliehen.

Zum zweiten Mal heuer wurden die in Österreich erfolgreichsten nationalen und internationalen Künstler in insgesamt 25 Kategorien mit der begehrten Trophäe ausgezeichnet. Joe Zawinul bekam den Amadeus in der Katagorie Jazz/Blues/Folk. Der bereits verstorbene Günter Brödl, Erfinder des Ostbahn-Kurti, wurde posthum mit einem Amadeus geehrt für sein Lebenswerk. Gleich zweimal wurde Marque ausgezeichnet, in den Kategorien "beste Single" (One To Make Her Happy) und "Newcomer des Jahres".

Kritik am ORF, vor allem allem an Ö3, kam von mehreren ausgezeichneten Künstlern. Besonders hart ins Gericht mit ORF-General Gerhard Weiss und Ö3-Chef Bogdan Roscic ging Hubert von Goisern, der als bester Solokünstler im Rock-Pop-Bereich national geehrt wurde. Er warf dem ORF vor, österreichische Künstler zu boykottieren. Ähnlich scharf, wenn auch mit gewohnt spitzer Kabarettfeder, trafen die beiden FM4-Stars Stermann und Grissemann den Nerv des Publikums und ernteten genauso wie von Goisern tosenden Applaus.

Eine 500-köpfige Jury habe die Sieger für jede einzelne Kategorie nominiert und schließlich gewählt, sagte Manfred Lappe, Präsident der IFPI Austria. 450 Mio. Schilling waren im Jahr 2000 Musik made in Austria ausgegeben worden. Die Ausgezeichneten aller Kategorien sind online unter www.amadeus-award.at abrufbar.

Großspurig, kleinmütig, umstritten

Kurier 11. Mai 2001

Die Musikbranche verteilte den "Amadeus Award" und musste dabei Kritik einstecken

Das war jetzt schon ein bisschen viel Selbstbeweihräucherung vom ORF und von der Musikindustrie", meinte Hubert von Goisern in seiner Dankesrede, mit der er am Mittwochabend seinen "Amadeus Austrian Music Award" als "bester Solokünstler Pop/Rock national" entgegennahm.

Zuvor konnte man von den Festrednern und von Moderator Viktor Gernot erfahren, dass der ORF jährlich 500 Millionen Schilling in Form von Tantiemen an die Verwertungsgesellschaften zahlt und hunderte Kooperationen mit der Plattenindustrie eingeht, dass mehr als 150 österreichische Acts auf Ö3 gespielt werden und dass die Österreicher im letzten Jahr rund 450 Millionen für Musik Made in Austria ausgaben.

Kleinmütig

Von Goisern stellte diesem Selbstbild seine eigenen Erfahrungen entgegen: Mit der Forderung nach mehr österreichischem Pop im Radio sei er von Generalintendant Weis an Ö3-Chef Bogdan Roscic verwiesen worden; dieser legitimierte sein Musikprogramm durch den Publikumsgeschmack. "Kleinmütig" finde er das, so von Goisern. "Ich find' das super, was der Hubert gesagt hat", ergänzte der von Ö3 ignorierte DJ Ötzi, der seinen Preis als "erfolgreichster heimischer Act im Ausland" entgegennahm. Auch ein Mitglied der preisgekrönten Produzentengruppe "Ultimatief", die neben Ötzi auch noch für A klana Indiana verantwortlich ist, war bemüht zu sagen, dass er "imma a Kritika von da Branche" gewesen sei.

Selbstbewusst

Die Demonstration des Selbstbewusstseins der heimischen Musikbranche - als solche wurde der Amadeus im letzten Jahr ins Leben gerufen - kam also nicht ohne eine gewisse Lust an der Selbstgeißelung aus. Die FM 4-Spaßmacher Grissemann und Stermann, die die HipHop-Combo Waxolutionists als "Alternative Act des Jahres" ehrten, bekrittelten, dass die jungen Musiker mit der Trophäe zwar Ehre, aber kein Geld bekommen würden.

Dagegen bekam die Musik-Gala staatstragende Dimensionen, als Bundespräsident Thomas Klestil selbst die Laudatio auf den Preisträger in der Kategorie "Jazz/Blues/Folk-Künstler national", seinen alten Freund Joe Zawinul, hielt. Günter Brödl, der verstorbene Schriftsteller, Texter und Schöpfer von Kurt Ostbahn, wurde posthum mit einem Amadeus für sein Lebenswerk geehrt. In der Kategorie "beste Rock/Pop-Gruppe national" gewannen überraschend die Wiener Elektronikmusiker Tosca.

Michael Huber

Hubert von Goisern bester nationaler Solokünstler

ORF Mai 2001

Seinen Unmut über die mangelnde Unterstützung heimischer Medien und der Industrie für heimische Acts machte Hubert von Goisern (bester "Solokünstler national") vor laufenden Kameras kund: Der Künstler sprach sogar von "Selbstbeweihräucherung". Der Amadeus "symbolisiert vielleicht das rosa Rauschen, das manchmal durchkommt."

"Man behandelt uns oft wie Aussätzige, als hätten wir einen Ausschlag und müssten unter Quarantäne gestellt werden", präzisierte Hubert von Goisern. Zwar könne es ihm als erfolgreichen Künstler mittlerweile egal sein, ob er von den Radiostationen gespielt wird oder nicht, doch habe er sich zuletzt - insbesondere nach Gesprächen mit Sendungsverantwortlichen - "fürchterlich geärgert".

Lob und Kritik bei der 2. Amadeus Award

Telekurier Mai 2001

Im Rahmen der Show gab es viel Lob für die Künstler und das Business, Musiker wie Hubert von Goisern sparten aber auch nicht mit Kritik am System. Goisern sagte in seiner Laudatio: "Vielleicht symbolisiert der Preis das rosa Rauschen, das manchmal durchkommt." Damit bemängelte der Musiker die seiner Meinung nach unzureichende Unterstützung der heimischen Musikszene durch Medien und das Musikbusiness. Einige Kollegen schlossen sich in ihren Reden diesem Vorwurf an.

Hubert von Goisern sagte, was vielen dachten

Kurier Mai 2001

Dann war es soweit. Hubert von Goisern bekam Überraschender Weise einen Award. Und Herr Goisern weiß mit Obrigkeiten umzuspringen, was auf eine schöne Danksagung hoffen ließ. Diesen frommen Wunsch auf Seiten der Kritiker erfüllte er sodann auch gleich. Hubert von Goisern sagte, was vielen dachten. Einige Seitenhiebe auf den ORF, vor allem Ö3, auf die österreichische Musikbranche und die Veranstalter, Zitat: "... wohl kein Recht besteht, dass sich die österreichische Musikbranche selbst feiert ..." werden wohl ausreichende Gründe sein, dass der ORF den Hubert für die Übertragung rausschneidet. Der Grund, warum ich heute Abend vor dem Fernseher sitze und mir die Übertragung des Amadeus ansehe. Vielleicht beweist der ORF doch Courage und läßt den Rotstift in der Tasche.

Thomas Heher

DE EN