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GLOBALISIERUNGSDEBATTE
Es geht nicht um Geld, es geht ums Verstehen

Bad Ischler Rundschau Februar 2006

Globalisierung / Plattform für eine Welt in Balance: Der "Global Marshall Plan"

Globalisierungsdebatte
Foto: Jean Promberger

BAD ISCHL / "Warum eigentlich kommt auf diesem Globus immer alles so, wie wir es nicht wollen?" Dummheit könnte dafür verantwortlich sein oder Systemzwänge oder aber Kräfte, "die das genau so wollen", meint Franz Rademacher, Wissenschafter (Club of Rome) und Vordenker des Global Marshall Planes.

Die Globalisierung und der Fortschritt

Es sei unbestreitbar, dass technischer Fortschritt (fast) alle Probleme lösen könne, allerdings um den Preis, dass damit neue Probleme in die Welt gesetzt werden, meint Rademacher. Die Globalisierung ist – auch das ist unbestritten – eine Folge des technischen Fortschrittes; aber man tue so, als wäre sowieso alles in bester Ordnung.

Dabei könnte das Ganze sogar funktionieren, ließe sich eine "Welt in Balance" nach ökosozialen Grundsätzen verwirklichen. "Brauchen wir neue Antworten auf die Globalisierung?" lautete denn auch die Fragestellung bei einer Diskussion, zu der Rotary-Club Bad Ischl und die Wirtschaftskammer neben Rademacher WK-Vizepräsidentin Ulrike Rabmer-Koller, Salzburgs Landeshauptmann a. D. Wolfgang Eisl und den Weltmusiker Hubert von Goisern auf dem Podium versammelt hatten.

Ein neues Weltwirtschaftswunder könne es ohne Gerechtigkeit ebenso wenig geben wie ohne nachhaltige Entwicklung, Überwindung der Armut und Schutz der Umwelt, setzt der Global Marshall Plan auf politischen Wandlungswillen in der Mitte der Gesellschaft.

Noch regieren die "Superreichen"

Geld sei natürlich auch ein wichtiger Faktor, weiß Rademacher, denn: "Die Macht ist dort, wo das Geld generiert wird", und das seien heute ein paar hundert superreiche Familien auf diesem Globus.

Deren Interesse an grundlegenden Veränderungen freilich ("und die sind notwendiger denn je") sei naturgemäß nicht besonders ausgeprägt. Doch so groß die Macht des Geldes sein möge, auch für sie gibt es Grenzen. Und tiefgreifende Neuerungen müssten ohnehin im Kopf passieren: Durch Verstehen. Das betreffe nicht zuletzt den Umgang mit anderen Kulturen und Lebensformen, geht Rademacher auf die Konflikte mit der islamischen Welt ein: "Ein Demokratiedefizit auf diesem Globus gibt es nicht, weil es in irgendeinem arabischen Land keine Demokratie gibt, sondern weil 100 Millionen in Amerika einen Präsidenten wählen, mit dem dann sechseinhalb Milliarden Menschen leben müssen".

Solange eine kleine Minderheit sich als "Sieger" fühlen könne und das mit der entsprechenden Herablassung zelebriere, könne "es nicht erstaunen, wenn man es mit Terror zu tun bekommt", fordert Rademacher Verständnis für die „Verlierer“ ein, deren Chancen von vornherein kleiner seien und die "dann nur aus dem Grund, weil sie an und in ihrem Glauben Halt finden, beleidigt und gedemütigt werden".

Josef H. Handlechner

"Wir müssen mit der Globalisierung leben"

OÖN 9. Februar 2006

BAD ISCHL. Eine hochkarätige Diskussionsrunde unter der Leitung von OÖN-Chefredakteur Gerald Mandlbauer beschäftigte sich in Bad Ischl mit den Thesen von Franz Rademacher.

Kann ein globaler Marshallplan die Globalisierung zügeln, und lässt sich ein weltweites ökosoziales Regelwerk überhaupt verwirklichen? Dieser Frage ging am Dienstag unter der Leitung von OÖN-Chefredakteur Gerald Mandlbauer eine hochkarätige Diskussionsrunde in Bad Ischl nach. Neben Franz Rademacher von der Initiative Global Marshall Plan saßen am Podium Salzburgs ehemaliger Wirtschaftslandesrat Wolfgang Eisl (VP), Ulrike Rabmer-Koller, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer OÖ, sowie der Querdenker und Weltmusiker Hubert von Goisern.

Entwicklung als Chance

Ulrike Rabmer Koller warnte davor, die Globalisierung nur zu verteufeln. "Das ist eine Entwicklung, mit der wir leben müssen, ob es uns passt oder nicht", so die Bauunternehmerin aus Altenberg. "Wichtig ist, das Beste aus der Globalisierung zu machen und sie nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu sehen."

Während Wolfgang Eisl davor warnte, dass Hilfsgelder des Global Marshall Plans bei korrupten Regimes versickern könnten, berichtete Hubert von Goisern von persönlichen Erfahrungen in der Dritten Welt. "Die Menschen dort wissen viel zu wenig über uns, und wir wissen viel zu wenig über sie", so der Goiserer Musiker. "Ich versuche meinen Teil zu einer Begegnung beizutragen, indem ich Konzerte in Afrika und Asien gebe. Die Begegnungen waren nicht immer einfach und oft konfliktreich. Aber für mich waren sie auch unvergesslich."

© OÖN

Ist die Globalisierung zähmbar?

OÖN 2. Februar 2006

BAD ISCHL. Wie können wir den negativen Auswirkungen der Globalisierung entgegenwirken? Eine hochkarätige Diskussionsrunde, zu der die OÖN nächsten Dienstag in Bad Ischl laden, versucht Antworten zu finden.

Die Welt wächst zusammen und gerät gleichzeitig aus dem Gleichgewicht. Massenarbeitslosigkeit, Überalterung der industrialisierten Gesellschaften, Nord-Süd-Gefälle, Terror, Hunger, Kriege und andere Symptome zeigen, dass der Globus in einer Krise steckt.

Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer und dem Rotary Club Bad Ischl laden die OÖN deshalb Dienstag, 7. Februar, um 19.30 Uhr zu einer hochkarätigen Diskussionsrunde in das Kongress- und Theaterhaus Bad Ischl. Titel der Veranstaltung: "Brauchen wir neue Antworten auf die Globalisierung?"

Prominentester Teilnehmer ist Franz Rademacher. Der deutsche Wissenschafter ist Mitglied des Club of Rome und setzt sich für die Verwirklichung eines globalen Marshallplans ein - eines weltweiten Ordnungsrahmens, der die negativen Auswirkungen der Globalisierung eindämmen soll.

Hubert von Goisern ist in der Diskussion nicht nur der Lokalmatador aus dem Salzkammergut, sondern ebenfalls ein Experte. Seine Weltmusik schöpft aus den Kulturen mehrerer Kontinente, seine öffentlichen Stellungnahmen über globale Ungerechtigkeiten haben ihn als Künstler und Querdenker mit Tiefgang ausgezeichnet.

Die beiden Diskutanten Wolfgang Eisl und Ulrike Rabmer Koller sind Kapazunder in Sachen Wirtschaft. Eisl war jahrelang Wirtschaftslandesrat in Salzburg, Rabmer-Koller ist erfolgreiche Unternehmerin in Altenberg bei Linz und Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer OÖ. Geleitet wird die hochkarätige Diskussionrunde von OÖN-Chefredakteur Gerald Mandlbauer.

ebra
© OÖN

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