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| HUBERT VON GOISERN - TIBET | |
24. März 2008
Während 2008 für die Chinesen das Jahr der Ratte ist, spricht man in Tibet vom Jahr der Erdmaus. Als ich vor einigen Jahren Tibet bereiste, las ich in der Lobby meines
Hotels in Lhasa ein chinesisches Propaganda-Magazin in englischer Sprache.
Darin fand ich, in einem Artikel über Lenin, dessen unglaubliche
Aussage: "ein Volk, das nicht bereit ist mit Waffengewalt um seine
Freiheit zu kämpfen, verdient die Sklaverei." Dieser Satz
macht mir Lenin extrem unsympathisch. Ebenso wie die chinesische Nomenklatura,
die offensichtlich aus der Friedfertigkeit der Tibeter, ganz im Sinne
Lenins das Recht ableitet, diese zu unterdrücken und das Land auszubeuten.
Aus der Geschichte lässt sich nämlich, trotz aller Behauptungen
kein Anspruch Chinas auf Tibet ableiten. Und es ist höchste Zeit die Tragödie in Tibet zur Kenntnis
zu nehmen. Ich bin erschüttert aber nicht überrascht über
die jüngsten Entwicklungen, denn es war vorhersehbar und kein Geheimnis,
dass die olympischen Spiele für die Tibeter Anlass sein würden
auf die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land hinzuweisen. Nach mehr
als 50 Jahren Unterdrückung durch China, ist die Verzweiflung am
Dach der Welt ebenso allgegenwärtig wie die Unfreiheit und Benachteiligung
der einheimischen Bevölkerung. Dass also der eine oder andere
seine Faust ballt und Steine zu werfen beginnt kann nicht verwundern.
Gemessen an den tibetischen Opfern in der Vergangenheit (über 150.000
starben allein durch Hinrichtungen, an die 200.000 in Gefängnissen
und Arbeitslagern) sind ein paar zerbrochene Fensterscheiben und in Brand
gesteckte Autos eine Lappalie. Und selbst dies wäre wahrscheinlich
nicht geschehen, wenn man jenen Menschen nicht penetrant desavouierte,
der wie kaum ein anderer für Gewaltverzicht und Dialog steht. Dem olympischen Komitee wird der Vorwurf gemacht, bei der Vergabe der
Spiele an Peking ausschließlich wirtschaftlich gedacht zu haben.
Das mag so sein, aber seien wir mal ehrlich, wenn man nach den hehren
Idealen des olympischen Gedanken handeln würde, wohin könnten
die Spiele guten Gewissens vergeben werden? Jedenfalls keinem Land, das
sich auch die Durchführung leisten könnte. Können wir einzelnen Menschen zur Lösung des Konflikts beitragen? Ja. Schreiben Sie an ihre Regierungsvertreter, an die europäische Kommission, an das olympische Komitee..., dass man sich der Problematik annehmen möge und nicht mit dem Argument davonschleichen soll, das sei nicht die Aufgabe einer Sportveranstaltung. Hubert von Goisern, Salzburg - Ostern 2008
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