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15. Mai 2009 Das neue Live-Album von Hubert von Goisern: Haut und Haar
Wienerin Juni 2009 Wer nicht auszieht, kommt nicht heim: Hubert von Goisern kann ein Lied davon singen. Im WIENERIN-Interview erzählt der Weltenbummler, was er von philippinischen Kopfjägern gelernt hat und warum er am liebsten mit leerem Rucksack reist. Sie haben in Kanada gelebt, die Alpen überquert, sind durch Asien getrampt und haben in vielen Ecken der Welt musiziert. Ihr neues Livealbum heißt Haut und Haar. Sind Sie mit Haut und Haar Nomade? Ja. Aber da ist noch das Fleisch, von dem man sagt, es sei träge. Das Nomadenleben gelingt mir nicht mehr so gut wie früher. Welche Ihrer Reisen hat Sie am meisten geprägt und verändert? Meine letzte große Reise. Ich habe vier Monate bei Kopfjägern auf den Philippinen gelebt und dort eine archaische Kultur kennengelernt, ohne Strom, Fernseher oder Radio. Weg von der Zivilisation lässt es sich einen lehrreichen Blick auf das eigene Leben werfen. Was haben Sie dabei gelernt? Ich habe die Musik neu erfahren. Ich habe erfahren, was es bedeutet, wenn es nicht ständig aus dem Radio oder aus den Supermarktlautsprechern dudelt. In dem Stamm auf den Philippinen passiert Musik nur, wenn sie bewusst gespielt wird, sich die Dorfgemeinschaft versammelt und zusammen musiziert. Wir haben uns oft gegenseitig vorgesungen. Die haben mir ihre Lieder gezeigt, ich ihnen österreichische Volkslieder. Viel Kommunikation und Kennenlernen fand durch Musik statt. Ich habe mir dabei oft gedacht: So muss es früher einmal gewesen sein ... Hören Sie überhaupt noch Radio? Wenn, dann nur Wortprogramme. Ich muss keine Musik aufdrehen, um Musik zu hören. In mir tönt es dauernd. Ich höre ständig Melodien – ausgelöst durch das, was um mich ist. Das kann ein Autoblinker sein, Regentropfen oder der Lärm in der Straßenbahn. Alle Geräusche haben eine Harmonie, wenn man hinhört. Was um mich ist, nehme ich in mir auf und summe vor mich hin. Bis ich merke, dass mich Leute im Bus komisch anschauen. Schärft das Verreisen Ihre Sinne? Durch das Eintauchen in eine fremde Umgebung läuft nichts mehr automatisch ab wie zu Hause. So werden sicher die Sinne geschärft. Aber Reisen entstaubt auch die Sinne. Reisen bedeutet, sich zu lösen von den Routinen des Alltags und frei zu sein, um wahrzunehmen. Was nehmen Sie in Ihrem Rucksack mit auf Reisen? Idealerweise nichts. Wer mit vollem Rucksack unterwegs ist, hat nicht Platz, Neues dazuzugeben. Aber es ist auch hilfreich, mental mit vollem Rucksack unterwegs zu sein und von Zeit zu Zeit die Altlasten am Wegrand liegenzulassen. Fernweh haben und dabei heimatverbunden sein. Geht das überhaupt? Ja, Heimatliebe ist für mich Welt und Lebensliebe. Die Heimat gewinnt erst durch das Wegfahren an Tiefe. Ich kam im Frühling von einer Tour heim und die Bäume blühten. Vielleicht hätte ich das nicht so intensiv empfunden, wenn ich die ganze Zeit daheim gewesen wäre. Welche Reise steht als Nächstes an? Mitte August, nach meiner Tour, werde ich eine längere Auszeit nehmen. Dazu muss ich aber nicht wegfahren. Für mich ist eine Reise ja auch schon auf den Berg zu gehen. Johanna Jenner
Von rockig über exotisch bis besinnlich: Hubert von Goiserns Live-Doppelalbum Haut und Haar bietet viel Abwechslung. Auch wer Hubert von Goisern eigentlich nicht mag, sollte sich überlegen, bei Haut und Haar zuzugreifen. Klar, ist von Goiserns alpiner Crossover aus Jazz, Rock, Folklore, Soul und Weltmusik letztlich Geschmackssache. Doch ein gut gemachtes Album ist und bleibt ein gut gemachtes Album. Die Live-CD ist Ergebnis der zweijährigen Bootstour, die den Österreicher zusammen mit jungen Musikern und alten Kollegen wie zum Beispiel Konstantin Wecker oder Xavier Naidoo, Klaus Doldinger und BAP kreuz und quer durch Europa führte. Ob Karlsruhe oder Köln, Rotterdam, Stuttgart oder Antwerpen - Goisern hat 17 Titel, allesamt von seiner Band in höchster, fast schon studioähnlicher Qualität reproduziert, auf dem Doppelalbum versammelt und gibt damit einen guten Überblick über sein abwechslungsreiches Werk. Hinreißend seine Version des Janis-Joplin-Reißers Mercedes
Benz, begeisternd die rockigen Uptempo-Nummern, fast schon besinnlich
von Goiserns Akkordeon- und Jodel-Gesang-Stücke, die der Weltmusiker
gerne auch mit afrikanischen Harmonien und Reggae-Rhythmen aufmotzt.
Das alles passiert auf einem hohen, virtuosen Niveau. --- Von den Alpen zum Balkan und zurück: Hubert von Goiserns ungewöhnliche
Europatournee per Donauschifffahrt ist auf zwei CDs ein echtes Schmuckstück
unter den Konzertalben. Goisern und seine ebenso internationale wie multikulturelle
Band lassen sich bei der Entfaltung ihrer Musik Zeit wie der zur Bühne
umgebaute Schleppverband, mit dem sie von Linz donauabwärts fuhren.
Viele Stücke sind länger als fünf, drei sogar länger
als zehn Minuten. Fett groovt der Bass, die Trompete klingt sündhaft
schön wie bei den Temptations. Ob
Jazz, Rock oder traditionelle Musik: Diese Band ist in allen Genres zuhause,
und sie will den Zuhörer,
wie der Titel sagt, mit Haut und Haar.
Goisern verlangt volle Aufmerksamkeit, spielt das Gegenteil von beliebiger
Berieselung. Wer da einen Takt verpasst, ist draußen. Also: jeweils
eine freie Stunde für Haut, so heißt
die erste CD, und Haar einplanen,
die Stimmung von Regen genießen
und die Jodler von Juchitzer und Schönberger.
Neuer Tag ist genauso stimmig wie stimmungsvoll
und Fön, Auseinandertreiben und
Leben lassen
an Intensität nicht nach. Hubert von Goisern hat auf seinen musikalischen
Wanderungen vom Himalaya bis Afrika und zurück zur Heimat schon
etliche Meilensteine gesetzt; dieses Live-Album ist ein ganz besonderer. --- Hubert von Goisern: Haut und Haar - Live / Aufnahmen seiner S’Nix-Tour gibt es auf diesem Doppelalbum zu hören. Ganz klar, präsentiert der Österreicher darauf auch einige Hits seiner langen Karriere. Seine exzellente Band ist perfekt eingespielt und serviert das Repertoire in teilweise neuen Varianten. Selbst das erst kürzlich entstandene Material erfährt auf seinen Konzerten überraschende Wandlungen, die das Zuhören umso spannender machen. Hubert von Goisern wirkt, als hätten ihm die letzten Jahre, die durch seine Tourneen ausgefüllt waren, bei denen er mit einem Schiffsverband auf Donau und Rhein schipperte und allerlei Gastmusiker einlud, sehr gut getan. Die Energie seiner Konzerte ist auf dem neuen Live-Album förmlich spürbar. Die Stücke auf Haut und Haar stammen vorrangig vom letzten Album S’Nix, auf dem er und seine Band das zuletzt Erlebte einfangen und gleichsam verarbeiten wollten (was ihnen ja beeindruckend gelungen ist). Somit entstand auch dieses Livealbum noch immer unter dem Eindruck der Donau-Rhein-Tourneen. Bei Herschaun, einem sehr osteuropäisch gefärbten Stück, kann man sich der Kunst der sympathischen und hochtalentierten bulgarischen Gadulka-Spielerin Darinka Tsekova, die als Gast seine Tour begleitet hat, genussvoll hingeben. Dabei erfährt man einmal mehr, dass Hubert von Goisern und seine Band scheinbar alle Stile beherrschen. Hubert von Goisern bleibt nicht stehen – er entwickelt sich auch
nach so langer Zeit immer noch weiter. Niemals hat er sich den Regeln
des Marktes unterworfen, sondern ist seinen Weg gegangen. Dass er dabei
auch kommerziell erfolgreich war und ist, ist kein Makel – vielmehr
ein Beweis für die Qualität seiner Musik. --- Allein der Blick auf die Bandzusammenstellung, mit der Hubert von Goisern
vorliegendes Material sowohl komponiert als auch live eingespielt hat,
zeigt wohin die Reise geht: Drei Backround-Sängerinnen, zwei Geigen,
1mal Percussion, 1mal Schlagzeug, Gitarren, Bass, Keyboards, Blasinstrumente,
viele gute Stimmen. Eine Band, die alles möglich macht und in die
Stimmung eintauchen kann. Von gefühlvollen Balladen, über Klangteppiche,
Hard Rock Jazz, bis hin zu Bigband-Bläser-Sections. Nichts weniger
ist auf dieser CD zu finden und ist gleichzeitig ein Spiegelbild von
Hubert von Goisern 2009. --- Sozusagen die CD zum Linzer Kulturhauptstadtjahr 2009, für das
sich Hubert von Goisern auf eine Schiffsreise begab. An den Stationen
entlang der Donau wurde musiziert, bestenfalls mit frisch geschlossenen
musikalischen Bekanntschaften. Das Prinzip des Miteinander praktiziert
Goisern mit Haut und Haar mit Reggae,
Bläserarrangements und/oder
akustischer Gitarre. Das alles darf als Anregung für zwischenmenschliche
Verhaltensweisen angesehen werden. Oder einfach nur als Goisern, wie
er leibt und lebt. --- Hubert von Goisern ist der Vollblutmusiker par excellence, egal ob er
mit einer Rock'n'Roll-Combo spielt oder traditionelle Volkslieder aus
dem Alpenland schrammelt. Hubert von Goisern anno 2009 (die Aufnahmen
entstanden im Rahmen seiner Linz Europa Tour von
2007 bis 2009, die den Goiserer von Linz die Donau flussauf- und flussabwärts
geführt hat) zeigt Stromgitarren und Schlagzeug, Akkordeon, Geigen
und Bläser, und eine Menge herausragender Stimmen. Beginnend mit
"es gibt kein deutsches Wort für Showtime" liefert der
charismatische Performer eine tief berührende Show ab. Die Doppel-CD
mit gerade einmal 17 Titeln enthält sehr viele ruhige Stücke,
die schon mal gute zehn Minuten lang sein können. Einfach zu sagen
des is eh guat wäre ein Understatement. Die alten Hadern (Hiatamadl etc.)
hat er wahrscheinlich live auch gespielt, fehlen hier aber völlig.
Dazu muss man zu den beiden älteren Livealben greifen. --- 2008 folgte Hubert von Goisern der Vision, mit einem Schiffsverband
quer durch Europa zu fahren und Menschen unterschiedlichster Kulturkreise
und Generationen mit Musik zu verbinden. Die 17 Live-Songs der hieraus
resultierenden Doppel-CD wurden bei Konzert-Anlege-Stopps in Antwerpen,
Graz, Innsbruck, Karlsruhe, Kempten, Koblenz, Köln, Leipzig, Mainz,
Rotterdam, Stuttgart, Tuttlingen und Zürich mitgeschnitten. --- Man muss ihn respektive seinen Crossover schon mögen: Alpenrock bleibt unterm Strich auch im Jahr 2009 die passende Beschreibung für Hubert Von Goiserns Musik - ohne dass jede Nummer Mundart, Ziehharmonika und Rock verbinden würde. Im Gegenteil: Weltmusik, Jazz, östliche Folklore oder Dub passen ebenfalls ins Konzept. Vorliegende Doppel-CD bildet nun so etwas wie den logischen Abschluss eines (Groß-)Projekts, aus dem erst ein Studio- und nun ein Livealbum resultierte: Hubert schipperte in zwei Etappen vom Schwarzen Meer bis nach Holland, nahm dafür junge Musiker an Bord, mit denen er zwischendurch noch ein Album einjammte. Herausforderung gesucht - und ihr in jeder Hinsicht gerecht geworden, lässt sich wohl abschließend konstatieren. Denn mit besagter junger Band ließ sich derlei locker stemmen, wie der Zusammenschnitt aus dreizehn europäischen Konzertorten von Antwerpen bis Zürich zeigt. Timing, Zusammenspiel, Soli: Die sieben Musiker (Drums, Bass, Gitarre, Keyboard, zwei Violinen, Percussion samt Backing Vocals) haben die Songs verinnerlicht und reproduzieren die meist überlangen Versionen quasi in Studioperfektion. Von Goiserns Wille zur Weiterentwicklung dokumentiert der Keyboard gestützte Live-Dub Auseinandertreiben oder der Weltmusik-Jodler Juchitzer. Dass Quetschkommode, Jodeln und Weltmusik-Soundscapes vorzüglich harmonieren, ja geradezu die Nerven beruhigen, beweist Schönberger: Jede gut gemachte Musik hat eben ihre Berechtigung. Tracks wie Regen oder Die
Liab verzichten
dagegen auf Experimente und bieten statt dessen gepflegte Abendunterhaltung
mit textlichem Tiefgang und zuweilen dosierter Skurrilität (Weltuntergang).
Am Ende bleibt das Gefühl, dass man nach diesen Konzertabenden positiv
gestimmt nach Hause gegangen ist - und darauf kommts an. --- Stillstand oder Entwicklung? Was passiert mit einem Live-Repertoire, wenn man zwei Jahre auf Tour ist, und noch dazu, so wie im Falle von Hubert von Goisern, das doch eher ungewöhnliche Transportmittel Schiff wählt, um im Hafen seiner Wahl live aufzuspielen. Das Live-Dokument Haut und Haar gibt Auskunft. Es war eine Tournee, die an die Grenzen
der Machbarkeit ging, alleine was Logistik und Bürokratismus betraf.
Die Mühe und der Aufwand
wurden belohnt. Die Leute kamen in Scharen zu den Hafenkonzerten, Hubert
von Goisern und Band spielte - wenn man ein Konzert von mittendrin, jenes
in Stuttgart - als Maßstab nimmt, groß auf, und wie allgemein
bekannt ist, waren bei jedem Konzert musikalische Gäste mit von
der Partie (viele davon sind beim Hafenfest von Linz09 zu hören,
nicht jedoch auf dem vorliegenden Album). Mit 16 Liedern wartet die Live-Doppel-CD
auf, die in diesem Fall natürlich nur wenige Momentaufnahmen aus
zwei Jahren vermitteln können und quasi als Spitze des Live-Berges
herhalten müssen. Ein großer, bisweilen bombastischer Sound
treibt die Lieder voran, beginnend mit dem (gewöhnungsbedürftigen)
leiwanden und live kaum verändernden Showtime.
Aber bereits mit dem zweiten Lied, Auseinandertreiben und
den nachfolgenden wie Regen, Juchitzer, Herschaun bis
hin zu Siagst as, Fön und
Mercedes Benz wird man der Flexibilität
und der Live-Atmosphäre
gewahr. Die Live-CD könnte natürlich ebenso gut "Fisch
und Fleisch" heißen, denn das zu Gehör gebrachte ist
durchwegs überzeugend. Hört nur mal in Herschaun rein.
Das pulsiert, vibriert, befreit und ist zudem ein überzeugendes
Argument zum Kauf der CD. Haut und Haar =
Leidenschaft hoch Drei: Leidenschaftliche Musik, von leidenschaftlichen
Musikbotschaftern leidenschaftlich gespielt. --- Seit gut zwei Jahren ist Hubert von Goisern mit Leib
und Seele auf den Bühnen Europas im Einsatz. Der zweite Teil seiner
Donau-Tournee, die ihn 2008 in nordwestliche Gefilde führte sowie
Herbst/Winter-Auftritte der nach wie vor laufenden S'Nix-Tour
sind nun unter dem Titel Haut und Haar (Sony Music) als Doppel-Live-CD
dokumentiert. --- Beim Goiserer geht’s Schlag auf Schlag. Erst die
Donau-Tour bis runter ans Schwarze Meer, dann als Ergebnis dieser Eindrücke
die S’nix-CD,
weiter mit der Rhein-Tour bis hinauf nach Holland und nun als reminiszentes
Abschlusskunstwerk die Doppel-CD Haut und Haar mit
den Höhepunkten seiner letzten Live-Auftritte zwischen Linz und Rotterdam.
Die geniale Idee, mit einem Schiffsverband quer durch Europa zu fahren
und dort alle möglichen Künstler und Kulturen zu treffen, war
vermutlich der pfiffigste Einfall, den Hubert von Goisern jemals hatte
und hat ihn in der Folge zu einer Ikone des Alpenrock werden lassen,
vermutlich mehr noch als die Unternehmungen mit seinen damals schon hoch-verehrten Alpinkatzen.
Die durch die Schiffstournee zusammengeschweiste neue Band erwies sich
als hochmotivierte und euphorisierte Truppe, die letztendlich der notwendige
und solide Unterbau für den großen Erfolg war.
Die 17 Songs auf diesem Album sind zwar zumeist alte Bekannte, aber als
Liveversionen mit einer Spiellänge von in der Regel 6 bis 10 Minuten
ausführliche Beispiele dieser denkwürdigen und ereignisreichen
Reise, die man im übrigen auch mit Hilfe zweier DVDs nachvollziehen
kann. Hubert von Goisern hat die Linzenz zur Völkerverständigung
und er hat sie sinnvoll eingesetzt. Ein sympathischer Typ, eine sympathische
Tour und als End-Ergebnis ein kraftvolles und mitreißendes Album.
Kommt nun nach der wohlverdienten Ruhe bald ein neuer Sturm? --- Kleine Warnung vorweg: Auf Haut und Haar geht
es drunter und drüber. Das ist allerdings ganz und gar nicht abwertend
gemeint, ganz im Gegenteil: Auf seinem neuen Live-Album zieht der österreichische
Liedermacher und "Weltmusiker" alle Register seines Könnens.
Das reicht vom punkig-rockigen Opener Showtime über
Balladen (Die Liab) und Jazzigem (Siagst
As)
bis zu Polka (Poika) und Funk-Rap auf österreichisch
(I Bi An). Spannend! --- Hubert von Goisern lebt vor, wovon andere nur träumen,
zum Beispiel mit einem Schiff die Donau Linz abwärts herunterzuschippern,
um neue Eindrücke und Freunde zu gewinnen. Seine erklärte Absicht:
die daraus gewonnenen Anregung in Form von Musik weiterzugeben, an jene,
die er auf den jeweiligen Stationen auf dem Weg zum Schwarzen Meer getroffen
hat. Eine neue Form des Musizierens war geboren, nämlich gemeinsam
mit Musikern aus zwölf europäischen Ländern auf der Bühne
zu stehen, unter kreativen Gesichtspunkten ebenso wie unter menschlichen.
Der Anspruch nach dem "Miteinander" ist auf seinem Live-Doppelalbum Haut und Haar auf
beeindruckende Weise eingelöst. "Es gibt
kein deutsches Wort für 'Showtime'" stellt von
Goisern gleich zu Anfang der ersten CD wie ein Zirkusdirektor fest und
steckt im darauf folgenden Song Auseinandertreiben den
musikalischen Parcours ab: Wortakrobatik zwischen Tiefgründigkeit
und Spielerei, in einer musikalischen Härte, die stellenweise an
Frank Zappa erinnert. Der kreuzte ebenfalls gerne harte Gitarrenriffs
mit Bläserarrangements, und war dazu in der Lage, diese Songs überzeugend
live zu präsentieren. So auch Hubert von Goisern. Vitale Reggae-Beats
sind auf Haut und Haar ebenso zu finden,
wie besinnliche Klänge
von akustischer Gitarre, Hammondorgel, mit Besen gespielten Drums, Violine
samt hervorragendem Backgroundchor (Regen und Die
Liab). Der Song Juchitzer liefert
die gelungene Synthese aus meditativem Gesang (den als "Jodeln" zu
bezeichnen sich eigentlich verbietet, der aber dennoch daran erinnert)
mit Gitarrenklängen,
die sich zu archaisch-alpinem Hard Rock steigern, bevor sie wieder in
der Weite verklingen: Bei Hubert von Goisern origineller Ausdruck ausgelassener
Lebensfreude, die das gesamte Album Haut und
Haar wie ein roter Faden
durchzieht, ein gelungenes Crossover aus Rock, Jazz und Folklore, also
Weltmusik im besten Sinne! --- Die Wucht, mit der er die "Showtime" ausruft,
nimmt gefangen. Sofort. Unvermittelt. Das auf seiner Donau-Reise für
das Linz09-Projekt mitgeschnittene Doppel-Album zeigt die Kraft des Musikers,
der längst in seiner ganz eigenen Kategorie spielt und als Brückenbauer
und Über-die-Grenzen-Schauer nicht nur musikalisch wichtige Funktion
hat. Grandiose Musik eines großartigen Menschen. --- Wer beim Namen Hubert von Goisern immer noch nur an Hiatamadl denkt, hat einiges vom Repertoire des Österreichers verpasst. Haut und Haar, das neue Live-Album, bietet Gelegenheit, den Künstler jenseits der Alpinkatzen kennenzulernen. Die Aufnahmen zur Doppel-CD sind im Rahmen seiner Linz Europa Tour 2007 bis 2009 entstanden, die den Künstler mit seiner Band vom Ausgangspunkt Linz mit dem Schiff die Donau flussauf- und abwärts quer durch Europa führte. Begleitet wurde er dabei von Gastmusikern aus zwölf europäischen Ländern, darunter neben Haydamaky (Ukraine) und Rambo Amadeus (Serbien) auch die deutschen Künstler Xavier Naidoo und BAP. Ein einmaliges Projekt, das nun im Juli mit dem "Hafen
Festival Linz" zum Abschluss kommt. Hier treffen Hubert von Goisern
und fast alle seine Gastkünstler der Tour noch einmal musikalisch
zusammen. Das Erlebnis eines Live-Konzerts mit Hubert von Goisern kann
die CD nicht ersetzen, aber zur Einstimmung und als Dokument der letzten
Jahre ist es bestens gelungen. |
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