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HUBERTS LOGBUCH

 6. august 2007 - bergwärts bei cernovoda

"Habt ihr keinen bequemeren Zeitvertreib als das Reisen?
Woran fehlt es euch denn?
Liegt euer Haus nicht in einer schönen und gesunden gegend?
Ist es nicht mit allem hinreichend versehen, ist seine Weiträumigkeit nicht mehr als hinreichend?"
Michel de Montaigne

Extremes niedrigwasser macht vielen schiffen zu schaffen. Einige sind auf grund gelaufen, viele trauen sich nicht mehr weiterfahren. In der nähe von galati und braila ist die donau "zugeparkt" mit schubverbänden. Seit unserer talfahrt vor 2 wochen ist der pegel um 50 - 70 cm gefallen. Wir sind auf unseres geringen tiefganges nicht davon betroffen. Die barge hat 70 cm, das wohnschiff noch weniger und der "josef" unser schuber 1,3 m. die navigation kostet dennoch viel konzentration und intuition um nur ja nicht von der fahrrinne abzukommen.

Das ist einer jener streckenabschnitte deren ausbau von der eu gefordert und gefördert wird. geplant ist eine schiffahrtsrinne die das wasser der vielen nebenarme in sich vereinen soll und damit den letzten laichplätze der störe das wasser buchstäblich abgräbt. Vor der verdammung der donau kamen sie bis nach österreich, sogar in salzburg ging einst ein prachtexemplar ins netz.

Es wird schwül, die moskitos fangen an zu attakieren. Ein gewitter geht nieder, "es blitzt und donnert und scheppert und kracht..." Dann prasselt der regen los. Der erste seit wie lange? Ich weiss es nicht mehr. Der regen passt zur stimmung. Es ist ein blue monday. Um 6h hab ich Laura zum bus begleitet. Traurige abschiedsaugen. Am abend wird sie wieder zu hause sein. Bei uns beginnt jetzt die lange fahrt zurück. 1000 km in einem stück bis nach budapest. Dort haben wir das nächste planmäßige konzert. wenn wir gut vorankommen, schieben wir vielleicht das eine oder andere extracurriculäre ein. Schaun ma mal. Zuerst müssen wir ohne aufzusitzen zum eisernen tor kommen. Dann müssen wir die diversen ein- und ausgangsrevisionen hinter uns bringen sowie treibstoff wasser und lebensmittel bunkern. Und nicht zuletzt muss uns noch der wettergott hold sein. An einem tag wie heute wäre es unmöglich zu spielen. Es ist finstere nacht. Draussen tobt ein wind und wühlt die kilometerbreite, flache donau auf zu einer wild gewordenen rinderherde. Ich sitze mit dem rücken zur bordwand, höre das brüllen und spüre die Wellen unaufhörlich dagegen schlagen und treten. Das schiff ächzt und knarrt. Das letzte mal hatten wir so was in Donji Milanovac. Damals allerdings bei schönem wetter und nicht begleitet von donner und blitz. Immer wieder dringt zuckendes, kaltes licht durch luken und fenster, erhellt kurz schiff und fluss. Ich gehe hinaus und blicke mich um. Wir sind alleine, weit und breit kein haus am ufer, auch kein anderes schiff. Es ist als wären wir die einzigen auf dieser welt. Ich komm mir vor wie noah in seiner arche. Nur statt der viecher haben wir halt musik "gerettet".

Dabei wären wir selber beinahe abgesoffen. Denn beim ankerlichten in aller herrgottsfrüh hatte sich einer der beiden verklemmt und so hingen wir manövrierunfähig an nur mehr einem fest während die strömung uns richtung steuerbord querlegte und die ganze wucht von wasser und wind gegen das wohnschiff drückte. Es hat nicht viel gefehlt und wir wären gekippt. Das war um 5h früh als alle schliefen. Da wäre wohl niemand mehr lebend herausgekommen.

 

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