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HUBERTS LOGBUCH

 8. juli 2007 - osijek/ hr

Spät nachmittags vor dem konzert, noch immer sind die gastmusiker nicht angekommen. Es ist jetzt 17h – in drei stunden soll Tamara Obrovac auf der bühne stehen und den abend eröffnen. Abgemacht war, dass sie gegen Mittag anreisen, um genügend zeit zu haben für alles bühnen-technische aber auch um zusammen etwas zu erarbeiten. Wir werden zwei konzerte zusammen gestalten. Heute hier und morgen im wenige kilometer entfernten vukovar. Um 13h hieß es sie hätten sich verspätet und kämen erst um 16h. Es ist 17:30h als sie das schiff betreten und als erstes vermelden lassen auf keinen fall die nacht hier verbringen zu wollen. Seekrankheit und ausserdem, wie kämen sie wieder zurück zu den autos die sie ja in osijek lassen müssten... Ich bin entsetzt über das mangelnde interesse, über die letargie die über ihnen liegt. Einer erzählt: "we are actually jazz musicians. When we play with tamara, we get good pay for few notes, normally we play many notes for little money." Wir kriegen sie nicht und nicht dazu etwas gemeinsam auszuprobieren, das wäre zu anstrengend, sie wollen es spontan machen. Keine guten aussichten. Wir schlagen ein lied aus ihrem repertoir vor, das sich dafür eignen würde den Schönberger jodler drüber zu singen und mein "I bi ån". Es ist ihnen recht.

Sie spielen gut aber es ist ein akustisches sedativ, was sie den etwa 700 zuschauern die gekommen sind kredenzen, sehr zart und introvertiert. Manchmal sitzt Tamara nur da und drinkt rotwein während der schlagzeuger die felle streichelt. Dementsprechend verschreckt sind die leute als wir losbrechen. Bei "I bi ån" hol ich Tamara wie ausgemacht noch mal auf die bühne. Wir sind etwa in der hälfte des liedes, als sie beginnt sich wohl zu fühlen und ihrer stimme erstmals an diesem abend freien lauf lässt; sie packt ein paar wirklich gute vokal improvisationen aus. Nach dem konzert bin ich dennoch etwas zerknirscht. Ich konnte das publikum nie so richtig fühlen. Es lag natürlich auch an der distanz zum publikum, es kam nicht viel zurück. Jedoch, ich bin der einzige der unzufrieden ist.

Als sich dann noch herausstellt, dass die gäste nun doch an bord bleiben  und die fahrt nach vukovar mit uns machen (jonas unser tour manager hat sie offensichtlich in der zwischenzeit bearbeitet und auch ein shuttle organisiert), bin ich versöhnt mit der welt.

Befremdlich dann aber das verhalten der gäste während der nächsten stunden die wir bis zum morgengrauen gemeinsam am "dorfplatz" verbringen. Da sitzen zwei gruppen an einem tisch, die nichts aber auch gar nichts miteinander teilen. Ich muss mein team in schutz nehmen, denn es gab mehrere erfolglose versuche, auch meinerseits die phalanx zu durchbrechen. Nicht, dass sie keinen spass gehabt hätten, im gegenteil, sie waren vollkommen überdreht, kirr und schrullig. Aber eben in einem eigenen kosmos. Sie hatten auch gar keine lust auf interaktion. Einmal, als wir die beiden kroatischen lieder die wir von Willi Resetarits gelernt hatten anstimmen wollten, sagten sie gleich: keine tonalitäten bitte.

 

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