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HUBERTS LOGBUCH

 11. august 2007 - stromkilometer 608, somovit - südlichster punkt der donau

6h früh, föhnwetter. Warmer wind und wolken wie gepinselt über spiegelglattem wasser. Es braucht nicht viel um in eine melancholie zu gleiten.

Ich bringe mica, unserem 2. kapitän einen kaffee ins steuerhaus und leiste ihm eine zeitlang gesellschaft. Wir schweigen mehr als wir reden. Sein blick konzentriert auf die wasserfläche vor ihm. Manchmal, fast als würde er zu sich selbst sprechen, gibt er etwas preis. Je € 35 mio hätte die eu schon vor jahren an bulgarien und rumänien gezahlt um eine infrastruktur für den schiffsverkehr aufzubauen: aktuelle fahrrinnenangaben, funkstationen und vor allem bojen die auf dem letztem stand sind zu installieren. Nichts wurde gemacht, und das geld: zap-zerap, meint mica; will heissen - weg. Dann erzählt er von einem teil der deutschen schwarzmeerflotte die am grund der donau bei km 858 liegt, kurz unterhalb von djerdap II. Als sie auf dem weg in die heimat nicht mehr durchs eiserne tor konnten, weil dieses bereits von den russen kontrolliert war, versenkten sie den verband kurzerhand selbst, darunter ein 80 meter sanitätsschiff.

Ein altes schleppschiff aus den 60-er jahren ohne anhang, überholt uns im zeitlupentempo. Begeistert von der klassischen form und dem satten tuckern der dieselmotoren meint mica, das seien halt noch schiffe - gewesen.

Beim durchblättern einer uralten "oberösterreichische nachrichten" erfahre ich von herrman maiers markenwechsel und finde was mich wirklich freut, ein ungelöstes sudoku.

Gegen abend, kurzer schweissausbruch beim kapitän. Es ist kurz vor lom. Während gerade ein heftiges gewitter niedergeht und die sicht stark behindert, stellt sich heraus, dass eine rote boje da sitzt wo eine grüne sein müsste. Ein schiff vor uns ist in die "falle" getappt und steckt bereits fest. Wir reissen das ruder im wahrsten sinnen gerade noch herum. Als wir den hafenmeister in lom anfunken und fragen ob es derartiges noch mehr gäbe, meint er lapidar uns keine auskunft schuldig zu sein und überhaupt will er mit "herr kapitän" angeredet werden. Aber unsere blicke sind nach vorn gerichtet, denn während wir auf eine vor uns liegende wolkenbank zufahren kommt das 2. gewitter des tages. Links und rechts zucken blitze über dem horizont und genau in der mitte, da wo himmel und wasser verschmelzen, da wo unser bug hinzeigt, versinkt orangerot die sonne. Nichts für apokalyptiker, aber uns gefällts.

 

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