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HUBERTS LOGBUCH

 14. juli 2007 - orsova

früh morgens, der tag nach dem konzert. einige ältere, die noch in jenem orsova aufgewachsen sind, das 1972 unter den fluten des staudammes verschwunden ist, behaupten sich nicht erinnern zu können, dass seither je so viele menschen freiwillig an einem platz zusammengekommen sind als bei unserem konzert. es war so wie ich es mir immer erträumt habe: viele menschen, eine gute stimmung und eine selbstbewusste gastband ohne berührungsängste oder profilierungsneurosen. loredana groza war toll; sie hat die doppelrolle ausgefüllt, nämlich gleichzeitig gast und gastgebenrin zu sein, es ist ja "mein" schiff aber "ihr" publikum. der funke sprang über und alle gingen glücklich nach hause, sogar george vom magistrat kann jetzt wieder gut schlafen.

in einer halben stunde werden wir ablegen und durch die letzten schleusen der donau fahren. wir sind jetzt am eigentlichen eisernen tor, so benannt weil es als schwer überwindbar galt. gespickt mit felsriffen und untiefen verlor die donau zwischen orsova und djerdap I (so der name der grossen staustufe) 9 meter an höhe. noch sind wir im oberen staubereich, die donau hier ein grosser see, eine bucht umrahmt von bewaldeten bergen. es ist ein wenig wie in einem fjord, seit wir vorgestern in den durchbruch der donau durch die karpaten eingefahren sind. bis zur schleuse ist's noch eine halbe stunde. wir fahren gerade über die stelle, an der "ada kaleh" lag, die versunkene "türkeninsel". bis hierher reichte einst auch die monarchie. und davor herrschten türken, römer, daker und auch griechen über dieses land.

die schleusen, die wir passieren werden, sind nicht nur die letzten vor dem schwarzen meer, sondern auch die höchsten der ganzen donau. 2x 18 meter werden wir hinuntergelassen. dann fahren wir in die unendliche rumänische- bulgerische weite.

morgen, inshallah spielen wir das erste von 3 konzerten in bulgarien. darinka wird zu uns stossen, wir freuen uns schon sehr auf sie und die karandila band. obwohl mir auch etwas mulmig zu mute ist 15 zusätzliche leute 6 tage mit an bord zu haben. so gross ist das schiff dann auch wieder nicht, sowohl mit der küche als auch den wasserreserven sind uns grenzen gesetzt.

djerdap II – ab jetzt ist die donau endgültig "frei", unreguliert fließt sie durch die immer flacher werdende landschaft, breitet sich aus, lockt auf grund ihres niederen wasserpegels mit badestränden und idyllen wie man sie von malern der romantik her kennt: im flachen wassern der buchten stehen rinder, dahinter pferdefuhrwerke mit heu, am ufer fischerboote... die ufer unendlich weit voneinander entfernt.

man spürt förmlich die entspannung die der strom erfährt. nach den vielen staustufen und flussregulierungen, nicht nur der donau sondern auch ihrer unzähligen zuflüsse hat das wasser alle zwänge abgelegt und ist nach dem letzten kraftakten mit dem sie den karpatenbogen durchbrochen hat spürbar zufrieden mit sich und der welt.
diese ruhe überträgt sich auf mein gemüt.

Hubert von Goisern

 

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