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HUBERTS LOGBUCH

 18. Mai 2006 - Bukarest

... und gestern is' heit wordn.
Wo bin ich? Ein Blick aus dem Fenster: eine Hundertschaft von Gartenzwergen! Ah ja, irgendwo am Stadtrand von Bukarest. Hier wird mir die Situation so beschrieben: Jene Bands, die im Westen bekannt sind, seien allesamt Roma-Bands, und die hätten hier kein großes Ansehen. Die "weißen" Rumänen hörten sich diese Musik nicht an, und da wo sie gespielt würde (zu Anlässen der Roma-Kommune), gäbe es dann die "echten" Stars, die wie amerikanische Rapper mit Tonnen von Mädels in Stretchlimousinen, kiloweise Gold auf Zähnen, Händen und Brust durch die Landschaft fahren. Diese wiederum spielten aber nur für Roman und seien nicht am weißen Publikum interessiert. Selbstschutz oder Chauvinismus oder etwas von beiden?
Hatte ich zu Beginn der Reise Befürchtungen, es könnten in der Summe zu viele oder gar ausschließlich Roma-Musiker werden, so bin ich jetzt vor der Situation, bis dato keinen einzigen an Bord zu haben. Das geht natürlich auch nicht. Aber ich spüre die Ablehnung gegen die Roma überall. Nirgendwo will man sein Land bei diesem Projekt von ihnen vertreten sehen.
Auf einer winzigen Fähre queren wir zusammen mit sieben anderen Autos die Donau von Nord nach Süd, zum rechten Ufer. Hier gab es zu Urzeiten eine Fähre hinüber in die Ukraine. Jetzt wohnt im Grenzhäuschen nur mehr ein Mann mit seinem Hund.
Wir stehen am Ufer und schauen in die dunkle Flut. Hochwasser auch hier, ganze Auwälder stehen unter Wasser. Der Unterschied zum Hochwasser, wie ich es von zu Hause kenne: bei uns prasselt und rauscht es dazu infernalisch, Quellen speien Fontänen, Wasserfälle entstehen, man hört das Rollen und Krachen der Flusssteine ... Hier ist alles still, lautlos schiebt sich das Wasser auseinander und ist dabei nicht weniger zerstörerisch. Das einzige, was ich höre, ist das entfernte Quaken eines riesigen Froschorchesters vom gegenüberliegenden ukrainischen Ufer. Ich finde den Platz schön, vielleicht spielen wir hier?

 

 

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