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HUBERTS LOGBUCH

 19. august 2007 - Budapest

bei uns würde man sagen, föhniges wetter, kopfschmerzen – warten auf den einsatz. Beshodrom unsere gastband für die beiden ungarischen konzerte wollten zu Mittag da sein, um 13h bekommen wir einen anruf: Sie schaffen es erst um 15h. das hatten wir doch schon einmal? Ursprünglich war geplant, dass sie am vortag bereits aufs schiff kommen um etwas gemeinsames auszuarbeiten. Dann haben sie aber ein angebot bekommen auf irgendeinem festival zu spielen und von diesem kehrten sie erst heute morgen zurück. Entsprechend ferngesteuert tappen sie um 17h an. Die morgige gemeinsame fahrt und probe werden sie übrigens auch nicht mitmachen, da sie auch für diesen tag einen auftritt angenommen haben. na ja, es ist wie’s ist – andere menschen sind wie das wetter, man kann nichts daran ändern, muss sie nehmen wie sie sind.

Das trifft auch auf die stadt zu - und auf die veranstaltung. Am abend kommen 1000 leute zum konzert, soviel wie auch in velico gradiste, wo es überhaupt keine vorbereitung und werbung gab! für budapest, die veranstalter und auch uns eine niederlage. Beshodrom spielen zudem so unengagiert wie man nur spielen kann, mit gar keinem kontakt zu "ihrem" publikum. Der sänger und wichtigste mann kommt überhaupt zu spät zum auftritt und ist nur mehr bei den letzten 2 titeln mit von der partie.

Aber spätestens in dem moment wo wir uns, wie vor allen konzerten, hinter der bühne umarmen und einen kreis bilden, ist mir alles rundherum wurscht, gibt es nur mehr freude am spielen. Das publikum, viele sind aus österreich und deutschland angereist, ist ab den ersten tönen auf unserer seite.

Wenn ich sage, wir spielen eins unserer besten konzerte, klingt das aus meinem munde anmaßend. Aber eigentlich spielen wir lauter "beste konzerte"“, unsere spielfreude lässt gar nichts anderes zu. Deshalb sind wir ja unterwegs und hier, deshalb kommen die leute. Und wir haben bisher auch jedes publikum gepackt, es umarmt, berührt.

Der tag geht mit einem paukenschlag zu ende. Gerade als wir "i bi ån", die letzte nummer anstimmen, beginnt es mit einem schlag zu regnen. Von null auf hundert gießt es in strömen. Die anlage schaltet sich wegen kurzschluss ab. Wir verbeugen uns noch schnell und retten was zu retten ist, denn inzwischen hat auch heftiger wind eingesetzt. Es ist wie in wien. Im gegensatz zu damals sind aber auch noch die led’s ganz ausgefahren und – als wäre plötzlich am schwarzen himmel eine rießige windschutzscheibe geborsten, beginnt es mit den ersten blitzen und donnerschlägen eissplitter zu hageln. Zwei blitze fahren unmittelbar neben uns in die kettenbrücke. Gott sei dank trifft uns das wetter nicht frontal und so bieten wir dem sturm nicht die volle angriffsfläche. Wir können gerade noch das dach einfahren. Die beiden led wände, jede 2,5 tonnen schwer, können wir nur sorgenvoll und hilflos beobachten, wie sie sich über unseren köpfen zu verwinden beginnen. Am ufer trifft es publikum wie veranstalter genauso unvorbereitet. Der tower der airshow muss evakuiert werden. Erinnerungen an letztes jahr werden wach, damals gab es tote und jede menge schuldzuweisungen. Aber wir haben glück. Eine halbe stunde später ist alles vorbei. Der dorfplatz ist eine eisbedeckte verwüstung. Die led’s haben standgehalten. Nur einer der projektoren hat etwas abbekommen. Die tonanlage ist zwar völlig durchnässt, aber wir sind zuversichtlich sie für übermorgen wieder hinzubekommen.

Hubert von Goisern

 

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