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www.cityoffers.de April 2007
Als Alpenrocker hat sich Hubert von Goisern in die Herzen der Fans gespielt, als Weltenbummler hat er Grenzen überschritten und als Künstler musikalische Traditionen aufgebrochen. In seinem neuen Großprojekt geht Hubert von Goisern, der das berühmte Hiatamadl längst hinter sich gelassen hat, als Botschafter für die Stadt Linz, europäische Kulturhauptstadt 2009, drei Jahre lang auf Fluss-Tournee - und macht am 29. Juni 2007 Station in der Donaustadt Regensburg. [...] Bei seinem Halt im Regensburger Osthafen nimmt Hubert von Goisern Haindling mit an Bord, der dieses Jahr mit seiner Band 25-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Das musikalische Multitalent und der melodische Weltbürger dürfen getrost als Dream-Team bezeichnet werden, ein Publikumsmagnet ist diese Kombination allemal. Die beiden kennen sich schon seit einigen Jahren und haben außer der Musik auch noch etwas anderes gemeinsam: den Naturschutz. Und so ließen es sich beide auf der Pressekonferenz in Regensburg am 19. April auch nicht nehmen, gegen den weiteren Ausbau der Donau und die Vertiefung der Fahrrinnen zu plädieren. "Einen Löffel so groß zu machen, dass der Mund operiert werden müsste, das wäre in etwa das Gleiche, das macht doch auch keiner", veranschaulichte Hans Jürgen Buchner alias Haindling die Abstrusität - Hubert von Goisern beruhigte derweil die Anwesenden: "Der maximale Tiefgang unseres Schubschiffes beträgt ungefähr 1,30 Meter, wegen uns muss also keine Fahrrinne vertieft werden!" In diesem musikalischen Experiment vereint sich der Musikgedanke mit einem Naturschutz- und einem Völkerverständigungsaspekt - "die treibende Kraft ist aber die Musik", so Hubert von Goisern, der zeitweise selbst beängstigt ist von der Größe seines Projekts. Neben der Abhängigkeit von Wetter und Wasserstand wird das Team auch nicht vorauszuahnende politische Hürden nehmen müssen, vor allem im östlichen Europa. Dieser Teil der Tour liegt dem Musiker aber besonders am Herzen: Dort soll ein Startpunkt für eine Konzertkultur auch außerhalb der Großstädte gesetzt werden, die Veranstaltungen sind bei diesem Teil der Fluss-Tournee deshalb auch kostenlos. (Regensburg liegt für diesen Extra-Service leider zu weit westlich, hier ist also Bezahlen angesagt!) Was nach diesem Mammut-Projekt kommen soll, daran will Hubert von Goisern jetzt noch nicht denken: "Diese Sache beschäftigt mich schon so lange, es wäre blasphemisch, jetzt darüber hinaus zu denken!" Eine Vision für die Zukunft - wenn auch nicht ganz ernst gemeint - hat er aber doch: "Das wird sein wie beim Rattenfänger von Hameln: Nach jedem Konzert werden weitere Schiffe hinzukommen und am Ende werden alle ins Schwarze Meer hinausgeschwemmt, wo wir dann gemeinsam unsere eigene Republik gründen..." SB
Mittelbayerische Zeitung 20. April 2007 Hubert von Goisern schippert zu 50 Konzerten in Europa / Haindling geht an Bord
REGENSBURG. So ganz eindeutig kann Hubert von Goisern nicht sagen, was denn nun die treibende Kraft im Musik-Tournee-Projekt "Schiffsexpedition zwischen Schwarzem Meer und Nordsee" sei. Ist es die Musik? Ist es die Natur, die sich im dahintreibenden Wasser des Flusses als Sinnbild des Flusses des Lebens präsentiert? Oder ist es der Wunsch, sich treiben zu lassen zwischen Städten, Völkern, Kulturen und Traditionen? Hauptsächlich, so meint von Goisern beim Pressegespräch zu seiner "Linz Europa Tour 2007-2009", sei es wohl die Musik, die ihn fortwährend treibe, neue Formen der Präsentation zu finden und vor allem auch den Kontakt mit anderen Musikern und mit der Musik anderer Kulturen Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam mit ihnen zu arbeiten. Doch auch die Donau hat es dem Österreicher angetan. Er liebe die Donau, meint von Goisern, und ganz besonders freue er sich auf "die bayerische Strecke", "die Strecke am Strudengau" und "alles nach dem eisernen Tor". Der Fluss wird nicht geschädigt Wichtig ist ihm, klar zu machen, dass diese Schiffexpedition, die ihn 2007 in mindestens 20 Hafenstädte der Donau und insgesamt in den drei Jahren in 50 Orte und vierzehn Länder entlang der Ströme Europas führen wird, der Umwelt, auch der geliebten Donau, keinen Schaden zufügen wird. Zwar ist ein großes umgebautes Frachtschiff mit einer hydraulischen Bühne unterwegs (die Konzerte finden auf dem Schiff statt, das Publikum bleibt am Ufer), doch es habe nur 1,20 Meter Schubtiefe. "Dafür muss die Donau nicht ausgebaggert werden", so Goisern. Start- und Endpunkt ist Linz, die Kulturhauptstadt 2009, die auch ein Drittel der Mammut-Schiffs-Tournee sponsern wird. Das zweite Drittel kommt von Red Bull, "das dritte Drittel finanzieren wir aus denn Einnahmen", so von Goisern. In den Ostländern wird das Schiff, die "Goisern", übrigens auch an Orten anlegen, wo es noch nie ein derartiges Konzertereignis gegeben hat. Hier werde auch kein Eintritt verlangt. "Das wird spannend", meint Goisern, nicht zuletzt auch die Frage der noch zu lösenden bürokratischen Hindernisse, wie das Territorium des Schiffes, das als österreichischer Grund und Boden zählt, und das von Menschen aus Ländern, die nicht dem Schengener Abkommen angehören, eigentlich nicht ohne Visum betreten werden darf. Am 22. Juni startet die Expedition mit einem großen Auftakt in Wien, dann geht es in Richtung Regensburg, wo das Schiff am 29. Juni am Osthafen ankern wird. An den einzelnen Konzertorten wird immer mit einheimischen Künstlern musiziert, in Regensburg übrigens mit Haindling. Danach geht es Richtung Schwarzes Meer, am 1. September wird die "Goisern" wieder in Linz eintreffen. Im Juni 2008 bricht das Schiff von Linz aus in Richtung Rotterdam auf, besucht wieder viele Städte und Länder. 2009 gibt es einen fulminanten Tourneeabschluss mit allen Künstlern in Linz. Auf die Frage, mit welchen Gefühlen er denn nun auf die turbulenten drei Jahre blicke, die nun vor ihm lägen, meint von Goisern lakonisch: "Erst wann's vorbei is, weiß ich, wie es gewesen ist!" Angelika Lukesch
Passauer Neue Presse 20. April 2007
13. Eulenspiegel Zeltfestival: Hubert von Goisern mit Großereignis in Passau Das 13. Passauer Eulenspiegel Zeltfestival wartet in diesem Jahr mit einem Großereignis auf: Hubert von Goisern macht mit seiner Linz-Europa-Tour (zusammen mit Claudia Koreck) in Passau Station (30.6./1.7.). Gestern kam der oberösterreichische Musiker zur Pressekonferenz nach Passau und stellte das Projekt vor, das er im Rahmen der Kulturhauptstadt "Linz 09" entwickelt hat; 90 Tage lang wird er auf der Donau unterwegs sein und 25 Konzerte geben. Das Projekt, für das drei Schiffe - ein Bühnenschiff mit kompletter Technik - gebaut werden, ist mit 3,6 Millionen Euro veranschlagt. Hubert von Goisern: "Für mich ist das Projekt ein ganz, ganz großes Abenteuer mit offenem Ausgang." Er kommt zusammen mit sieben Musikern, darunter drei Musikerinnen aus Südtirol, in klassischer Besetzung (Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards, Violine - und natürlich Ziehharmonika). "Die Musik wird rhythmusorientiert und meine ganz persönliche Identität sein. Wie bei all meinen Konzerten werde ich mein eigenes Lebensgefühl umsetzen", sagt Hubert von Goisern. Das Konzert, bei dem die Zuschauer am Rathausplatz sitzen, wird wie die anderen Tourneestationen und die Flussreise gefilmt und abschließend als DVD präsentiert. In Deutschland wird es nur die beiden Stationen Regensburg und Passau geben. Da ist Till Hofmann, dem Eulenspiegel-Impressario, also wirklich ein Coup gelungen! Edith Rabenstein
Mittelbayerische Zeitung 14. April 2007 Hubert von Goisern durchquert mit einem Konzertschiff den Kontinent Hätte Hubert Achleitner vor zwei Jahren an der Donau einen Fisch gefangen, wäre das alles nicht geschehen. Doch der 54 Jahre alte Musiker, bekannt als Hubert von Goisern, erwischte beim Angeln nichts. So hatte er Zeit zum Denken, so erinnerte er sich an eine Idee, die er in den 90-er Jahren in Afrika verfolgt hatte: eine "völkerverbindende Musikreise" auf einem Schiff. Binnen Stunden stand das Konzept für eine Passage über Rhein, Main, Donau quer durch Europa, erzählt Hubert von Goisern im MZ-Gespräch. Und damit begab er sich – nein, nicht auf den Fluss; "auf einen langen, steinigen Weg". Der Plan könnte aus einem Lehrbuch zur Integration der europäischen Völker stammen. Zwei Jahre lang wird Hubert von Goisern mit neuer, sechsköpfiger Begleitband auf einem zur Bühne umgebauten Frachtschiff quer durch 14 Länder fahren. Von Rotterdam bis zum Schwarzen Meer sind Konzerte geplant, stets "an Orten, die noch nie bespielt wurden", stets mit Gastmusikern aus der jeweiligen Region. Start ist Wien, Endpunkt Linz, das 2009 Kulturhauptstadt Europas wird. Die erste deutsche Anlegestelle ist am 29. Juni Regensburg. Hier wird im Osthafen eine Tribüne für 3000 Besucher errichtet, die ein Auftritt von Hans-Jürgen Buchners Haindling und Hubert von Goisern erwartet – präsentiert von der Mittelbayerischen Zeitung. Das Programm beinhaltet ein "knackiges best of", also alles, womit der Multiinstrumentalist über die Jahre den Kern Volksmusik umwickelt hat – vom Alpenrock bis zum Karibikgewand. Der Vorverkauf läuft. "Das wird das größte musikalische Abenteuer, das ich in meiner Biographie vorzuweisen habe", sagt Hubert von Goisern, der seine Lieder immerhin 20 Jahre lang von den USA über den Senegal bis nach Trinidad getragen hat. Der Österreicher trug die Ziehharmonika an die entlegensten Orte, spielte auf dem Dachstein in 3000 Metern Höhe ebenso wie im Chaos einer ägyptischen Straße – man sollte meinen, dass ihn nichts mehr überrascht. Gäbe es da nicht die europäische Bürokratie. Offiziell schreibt Jan Figel von der EU-Kommission an Hubert von Goisern: "Derartige Projekte können als konkrete Umsetzung des EU-Mottos 'In Vielfalt geeint' angesehen werden." Jan Figel erklärt sich interessiert, wünscht Erfolg und erweckt nachgerade einen euphorischen Eindruck. Inoffiziell aber gerät "In Vielfalt geeint" eher zu: In Einfalt vervielfacht. Denn außer Papier trägt die EU nichts bei. Oder wie Hubert von Goisern sagt: Für diesen Brief "kriegst du nicht mal eine Wurstsemmel in Patagonien". Dagegen bringen sich Bürokraten ein. Ein Beispiel: Formal stellt das Konzertschiff österreichisches Hoheitsgebiet dar, das etwa auf dem internationalen Gewässer Donau fährt. Was passiert jetzt beim Anlegen in Gebieten außerhalb des Schengener Abkommens? Müssen Goiserns Gäste Visa beantragen, ehe sie das Schiff betreten? Muss ein Militärposten auf dem Steg Österreichs Grenzen vor Ausländern schützen? Die Behörden sagen: Ja. "Der Reflex, das Handtuch zu werfen, liegt nahe", sagt Hubert von Goisern angesichts dieses ihm "fremden Denkens". Mittlerweile ergründete er, dass 15 andere vor ihm ein ähnliches Projekt versuchten. "Keiner hat's geschafft. Jetzt weiß ich warum." Enttäuscht sei er vor allem von der Politik, die sich bei diesem "durch und durch politischen Projekt selbst ins Aus stellt". Hubert von Goisern zieht sein Vorhaben durch. Wider alle Bürokratie: "Ich will den Schwachsinn, der sich da abspielt, an die Oberfläche bringen", sagt er. Was danach kommt, vermag er nicht zu sagen. "Vielleicht gehe ich nie wieder von dem Boot herunter", schmunzelt er. Mario Kunzendorf
Wiener April 2007 Mit einem Hiatamadl hat er die Bierzelte erobert, jetzt will er mit einem Schiff die Donau erobern: Hubert von Goisern. Im wiener-Interview spricht er über Karriere, Familie und die Kunst, die Welt mit den eigenen Wurzeln zu verbinden.
Wir treffen uns in einem verrauchten Beisl im 14. Wiener Gemeindebezirk. Sehr ungewöhnlich, so ein gewöhnlicher Ort. Die letzten Male begegneten wir uns im Dachsteingebirge auf knapp 3.000 Höhenmeter, in der ägyptischen Wüste in einer Fundamentalisten-Hochburg, in seinem Tonstudio in Salzburg oder hinter der Bühne, während seiner Tourneen. Je nach Tageslaune, Nervosität und Anspannung war er mal gesprächiger, mal weniger. Und heute, an einem Wochenende, wo die Tochter gerade im Kino sitzt und der Papa zwei Stunden Zeit hat? Da ist Hubert von Goisern so richtig relaxed. Keine Tournee, kein Lampenfieber, kein Album, das es fertig zu produzieren gilt. Sondern einfach nur Zeit. Man sieht das gleich an seinen Augen und dem entspannten Gesichtsausdruck: Heute sitzt mir der Familienmensch Hubert von Goisern gegenüber, der Musiker, der locker 10.000 Menschen und mehr mitreißt, ist in seinen Gedanken gerade weit, weit weg. Noch. Denn dieses Jahr stemmt Goisern das vermutlich größte musikalische Projekt seiner Karriere. Und wenn er daran denkt, dann ist's mit der inneren Ruhe gleich vorbei ... Die nächsten Sommer spielt ihr auf einer schwimmenden Bühne, legt in unzähligen Häfen an und gebt Konzerte in 14 Ländern. Da kann ziemlich viel schief gehen. Stimmt, aber weil so viel schief gehen kann, ist es fast schon wieder wurscht. Es gibt zwar diese Momente, wo ich nachts schweißgebadet aufwache und mir denke: Eieiei - geht sich das alles aus? Andererseits: Ich spüre inzwischen genügend Rückenwind, das ist ein sehr gutes Gefühl. Ja, es kann während der Tour andauernd regnen. Ja, es könnte wieder ein Hochwasser geben. Aber schau: Wenn du es so betrachtest, dann dürftest du überhaupt nichts mehr machen. Oder ein Dach über die Welt bauen. Oder eine gemütliche Hallentournee machen ... Nichts, was wirklich spannend ist, ist ohne Risiko. Nimm zum Beispiel Kinder. Meine sind jetzt 13 und 18 Jahre alt. Da gab und gibt es viele Sorgen, Stress, Arbeit, das Leben wird mit ihnen komplizierter - aber: Ich möchte es nicht missen. Oder ein banaleres Beispiel, Haustiere: Auch die sind kompliziert, das fängt schon beim Urlaub an, wo du sie kaum mitnehmen kannst. Selbst Pflanzen sind doch schon kompliziert, wenn du wegfährst. Aber das ist doch kein Grund, sich keine Katze anzuschaffen oder auf eine schöne Staude daheim zu verzichten. Schließlich bereichern sie - und machen dafür eben ein bisserl a Sauerei. Aber das ganze Leben ist eine Sauerei! Alles is' a Sauerei. Die nächsten zwei, drei Jahre spielen sich für dich also fast hauptsächlich auf der Donau ab ... ... und auf der Drau, dem Main und dem Rhein. Ja, wenn's losgeht, dann geht's dahin. Ich habe viele Ideen mit meiner neuen Band, will im nächsten Winter wieder produzieren, ein Album herausbringen. Schauen wir mal. Es gibt diese unbekannte Größe der musikalischen Begegnung, ich weiß nicht, welche Einflüsse durch die Donau-Tournee auf mich zukommen. Aber ganz ehrlich: Ich möchte keine Prognose abgeben, denn in den nächsten beiden Jahren wird unglaublich viel passieren, das weiß ich. 2009 treffen sich dann alle Musiker, die bei der Donau-Tournee mitgemacht haben, auf einem Festival in Linz. 2010 könnte so gesehen dann wieder Zeit für eine Pause sein ... Kurz vor deinem 60. Geburtstag ... Der ist im Herbst 2012! Aber es gibt etwas, das man noch draufsetzen könnte. Ursprünglich wollte ich ja auf dem Tanganjikasee in Afrika eine Boots-Tournee machen. Bis jetzt habe ich das nicht da'hebt. Aber das war mal die Idee, zusammen mit Künstlern aus Sambia, Kongo, Ruanda, Burundi und Tansania eine Schiffs-Tournee machen und an den Häfen dieses gigantischen Sees anlegen. Aber für so was bräuchte ich dann eine große afrikanische Integrationsfigur. Da darf kein Hubert von Goisern daherkommen und verzapfen, dass alle einander die Hand geben sollen. Da braucht's jemanden vom Schlag eines Nelson Mandela oder Kofi Annan. So unbekannt bist du auch wieder nicht. Wolltest du eigentlich schon als Kind berühmt werden? Ich wollte immer berühmt sein - nicht werden! Dass ich das tatsächlich erreichen könnte, war nur als Traum vorstellbar. Jetzt spricht dich der Ober, der Taxifahrer, der Portier an ... Manchmal. Das freut mich auch. Schau, der Portier gerade, der hat gelächelt, der war begeistert. Da freu ich mich dann auch. Andererseits, sein Nachsatz - "Sie ham oba scho lang nix mehr gmacht" - war schon ein Dämpfer für mich. Aber gut, wie soll er auf Ö3 oder Radio Wien auch was von mir hören, das auch nur ansatzweise zeitgenössisch ist. Für mich ist das jetzt keine große Krise, ich will mich auch nicht aufregen, meine Konzerte waren ja trotzdem ausverkauft ... Aber? Schade finde ich es schon. Da sitzen in den Sendern Leute an den Schaltknöpfen, die anders handeln als sie reden. Erzählen G'schichten, dass der Computer das Formatradio programmieren würde, dass es gar nicht anders gehen würde. Das hat mich früher aufgeregt. Wenn ich mir meine Kinder und deren Freunde anschaue, merke ich, dass die sehr gerne Texte hören, die sie auch verstehen, Texte, in denen Poesie drin ist, Texte, die witzig sind. Im Radio bekommen sie das nicht zu hören. Diese Musik ist aber da, genauso wie das Interesse an ihr. Aber es ist natürlich Arbeit, sich mit der Musikszene zu beschäftigen. Ich meine, Schrott, oder, verbindlicher gesagt, liebloses, unnötiges Zeug gibt's schließlich überall, in den USA, in Rumänien, in Österreich. Gutes Stichwort. Wie steht's um die Musik aus Österreich? Wir reden nicht über Starmania, oder? Die können ja alle wahnsinnig gut singen, das finde ich beeindruckend. Noch mehr beeindruckt mich: Da dauert eine Musik-Sendung eineinhalb Stunden - und ganze zwölf Minuten davon wird musiziert! Das ist, wie wenn du einen Spritzer bestellst und das Achterl auf zwei Liter aufgespritzt wird. Mir persönlich geht das Kreative total ab. Ich mein', was machen die guten Stimmen denn, bitteschön? Das erinnert mich an Aristoteles und Phaidros. Aristoteles soll ihm die Kunst der Rede beibringen. Und Aristoteles sagt ihm: Bevor man reden kann, soll man wissen, was man zu sagen hat - sonst nutzt die beste Rhetorik nichts. Mit den Stimmen ist es ähnlich. Wenn du nichts zu transportieren hast, dann ist das Wagerl eben leer. Ich wünsch mir einen Wettbewerb der Liederschreiber, einen richtigen Songcontest.
Wir wollten eigentlich über Austropop ... Ja. Österreichische Musik. Also da fallen mir Bauchklang ein. Ganz spannend, was die machen. Und Attwenger, die sind nach wie vor hervorragend. Sonst? Sonst fällt mir grad nix ein. Außer Olga Neuwirth, aber das ist eine andere Baustelle. Bist du ein Querschädel? Ein Querdenker? Nein. Aber ich würde gerne einer sein. Mitläufer zu sein, das interessiert mich nicht. Ich will nichts machen, was schon hundert andere gemacht haben. Ich will neue Erkenntnisse gewinnen. Ich will etwas vorantreiben. Du hast zwei Kinder und bist sehr viel unterwegs. Wie geht sich das mit der Familie aus? Wenn ich da bin, dann bin ich da. Und wenn ich weg bin, dann bin ich weg. Ganz einfach. Bin ich da, bin ich 24 Stunden am Tag für die Familie da. Wenn ich weg bin, rufe ich nach einer Woche nicht einmal mehr daheim an. Natürlich zerreißt es mich am Anfang, wenn ich wegfahre. Jeder Aufbruch ist auch ein Abschied. Da ist dann dieses mulmige Gefühl, dieses Abschiednehmen, dieses Loslassen ... Willst du weg, wenn du daheim bist, und heim, wenn du weg bist? Da ist was dran. Das Ziel ist per Definition nie da, wo man grad ist. Damit habe ich zu leben gelernt - und auch mein Umfeld, also meine Familie. Wie lange hältst du es daheim aus? Na ja, zum Beispiel sieben Jahre, zwischen 1994 und 2001, während meiner Bühnenpause. Gut, ich war da schon mal einen Monat in Tibet oder in Indien oder in Afrika. Aber meistens war ich daheim. Versteh' mich nicht falsch: Ich finde es daheim spannend - da gibt es immer genügend zu tun, ganz abgesehen vom Skifahren oder in den Wald gehen, um Schwammerl zu suchen. Sieben Jahre Bühnenpause. Ein ausgedehnter Urlaub? Überhaupt nicht. Ich war nur im Hintergrund. Ich habe produziert, komponiert, Filmmusiken geschrieben. Endlich war ich aus der Mühle des Tourens draußen. Das Touren hat zwar was Lässiges, weil alles vorgegeben ist und du einen Raster hast, wo du wann zu sein hast. Nie stellst du dir die Frage: Was mache ich heute mit meinem Tag? Auf einer Tournee werden dir alle Entscheidungen abgenommen. Das hat was. Während der Bühnenabstinenz nie Entzugserscheinungen bekommen? Klar fehlt dieses direkte Feedback. Wenn ich produziere und komponiere, gibt's dieses Glücksgefühl der unmittelbaren Bestätigung von außen nicht. Aber: Bequem ist so eine Tour nicht. Du schläfst im Bus, in einer Koje, kannst dich nicht ausstrecken, das Essen reduziert sich auf Nahrung. Trotzdem lässt dich das Feedback des Publikums gut einschlafen. Text und Fotos: Alex Schütz
Salzburger Nachrichten 25. November 2006 Hubert von Goisern will eine Band zusammenstellen und komponieren. Dafür ist keine Zeit. Noch sind Organisationsfragen für sein Projekt "Linz-Tour 2007/2009" zu klären. Er hat Stress, "aber einen angenehmen, weil's ausschaut, als würd's was werden". Statt das gemütliche Leben eines erfolgreichen Musikers zu führen, brechen Sie immer wieder zu Expeditionen auf, deren Ausgang reichlich ungewiss ist. Was treibt Sie hinaus? Es ist Abenteuerlust, die sich im konkreten Fall der Linz-Tour paart mit der Idee, Südosteuropa und seine Menschen kennen zu lernen. Das ist eine Gegend, von der ich kaum eine Ahnung habe. Wie kamen Sie auf diese Idee? Die Idee entstand beim Fischen ... Beim Fischen? Muss man sich da nicht stark konzentrieren, damit man was fängt. Ja eh. Aber wenn nix beißt, hat man viel Zeit. Da fließen dann die Gedanken. Dieser Gedankenfluss ergibt dann als Idee eine dreijährige Tour auf der Donau? Eigentlich ist es eine Idee für den Tanganjika-See in Ostafrika, um den viele Völker leben, die sich - sagen wir's vorsichtig - nicht besonders gut verstehen. Da war ich vor zehn Jahren und dachte damals, es wäre klass, mit einem Schiff alle Länder anzufahren. An Bord sollten Musikgruppen jedes Landes sein und wir würden Konzerte geben. In Afrika ist das aber noch viel komplizierter, als hier so was zu machen. Im Vorjahr beim Fischen auf der Donau kam dann die Idee, ein solches Projekt in Europa zu verwirklichen. Auf der Donau müssen Sie etwa hundert Mal die Strecke zurücklegen, die der Dachstein, ein Hausberg in Bad Goisern, hoch ist. Den Dachstein finden sie "schön und herausfordernd". Warum muss es denn ein völlig neues Terrain sein? Na ja, ich muss ja nirgends hin. Ich hab nur immer wieder das Gefühl: Das möcht ich aber jetzt schon noch machen, weil das kann ich nicht so einschätzen, was da ist. Das Unbekannte ist ja bereichernder als das Bekannte. Und wenn ich so was angehe, überleg ich vorher nicht lange, ob es anstrengend wird oder welche Widerstände es geben kann. Das ist aber ein halbwegs naiver Gedanke bei einem solchen Großprojekt. Eh. Und dann denk ich auch: Ja brauch ich das alles? Daheim ist ein Superwetter. Ich könnt auf einem Gipfel stehen. Stattdessen tu ich Depp da herum. Man ist nie frei von Hader und Selbstzweifel. Warum tut man sich's trotzdem an? Wenn alles verkohlt ist, bleibt von den Reisen manchmal ein größerer, manchmal ein kleinerer Diamant, der funkelt und glitzert. Ich erinnere mich dann mehr an die Menschen als an das, was wir genau getan haben. Das Wissen, dass da und dort auf der Welt Leute sitzen, die mir gut gesinnt sind, das reicht, um sich gut zu fühlen. Keine Enttäuschungen? Ich neige dazu, die Sachen im Nachhinein zu verklären. Aber freilich gibt es Enttäuschungen, weil man ja immer voller Hoffnungen und Erwartungen aufbricht. Wie unterscheiden sich die Leute am Wasser von denen in den Bergen? Es gibt viele Ähnlichkeiten. Beide Landschaften bergen durchaus Gefahren, auch wenn man die der Schönheit wegen oft nicht wahrnehmen will. Auf Reisen hab ich festgestellt, dass es bei den Leuten, die unmittelbar mit den Gefahren der Natur leben müssen, eine große Ernsthaftigkeit und Gelassenheit gibt und eine Haltung, die sagt: Wie's is, so is. Womit wir wieder beim Zufall und der Unvorhersehbarkeit des Fischens wären. Ich find, das ist eine Schule des Lebens. Jeder lernt dauernd und muss Konsequenzen daraus ziehen. Im urbanen Umfeld ist da sicher ein anderes Lebensgefühl als im ländlichen Bereich. Ich habe das Glück, dass ich einen Mix zusammengebracht habe. So entsteht vielleicht der Antrieb dauernd zu fühlen, dass da noch was ist, wo man hinwill. Gibt es einen Unterschied, ob sie professionell als Musiker reisen oder als Privatperson? Wenn ich allein unterwegs bin, kann ich mit allen Widrigkeiten leichter umgehen. Da kann man sich leicht anpassen. Lässt sich so ein "leichtes Anpassen" bei einer Planung, wie es die Linz-Tour oder andere Ihrer Konzertreisen verlangten, durchhalten? Nicht immer. Ich will schon, dass alles funktioniert, dass wir gute Plätze haben, an denen wir auftreten können, dass eben die Rahmenbedingungen stimmen. Die Bewegung auf dem Wasser ist jedenfalls bequemer als die beim Bergsteigen. Vor allem wenn man flussabwärts fährt. Keiner muss sich anstrengen. Du hast das Gefühl, du stehst und die Welt zieht an dir vorbei. Du spürst die Zeit nicht. Das ist etwas, das mich ungeheuer fasziniert. Sie haben dabei aber schon auch eigene Spuren hinterlassen oder? Sicher könnte ich es mir einfach machen und die Regionen nur so bereisen, durchwandern oder mich in ein Kanu setzen. Aber es ist schon so wie ein Geschenk, dass ich mit der Musik Menschen erreiche, die ich mit Wörtern nie erreichen kann. Das heißt, dass man so ein Projekt - wie das Fischen - nicht ganz auf gut Glück macht? Genau. Ich bin beim Fischen ja auch erfolgsorientiert. Aber ich hab zu oft nix gefangen, als dass ich immer noch denken würde: Das muss jetzt klappen, es muss was beißen. Ich weiß längst: Es muss auch nicht, Und trotzdem war es dann ein schöner Tag. Aber viele Dinge können ja auch bei bester Organisation nicht geplant werden. Das halt ich auch für spannend und wichtig. Ich glaube, wenn man bei allen Sachen, die man anpackt, immer genau wüsste, was auf einen zukommt, dann wäre viel nicht so, wie es ist auf unserer Welt. © SN
Linz TV 30. Oktober 2006
Radio FRO 30. Oktober 2006 Ein Bericht über die Linz Europa Tour, bei der der oö. Musiker Hubert von Goisern entlang der Donau auf einem umgebauten Schiff Konzerte gibt und auch Musiker vor Ort einlädt mit ihm auf zu treten. Bei dem Projekt im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt Linz 09, geht die Route sowohl nach Ost- wie auch Westeuropa. Zu Wort kommen: Vzbgm. Erich Watzl, Linz09 Intendant Martin Heller und Hubert von Goisern. Nicole Erl
OÖN 31. Oktober 2006 Mit einem zur Bühne umgebauten Schiff bricht Hubert von Goisern im Sommer 2007 zu einer kulturellen Donau-Expedition zwischen Schwarzem Meer und Nordsee auf. Die "Linz Europa Tour" ist ein Projekt für die Kulturhauptstadt 2009. Die OÖN sprachen mit Hubert von Goisern. Wann entstand die Idee? 1996, als ich in Ostafrika am Tanganjika-See war, der 1000 Kilometer lang und 70 Kilometer breit ist. An dem leben viele Völker, und zumindest deren Politiker sind einander nicht grün. Ich dachte mir, es wäre super, von jedem Volk eine Musikgruppe an Bord eines Schiffes zu nehmen, in den Häfen zu spielen, damit die Leute einander kennenlernen. Ich bin noch immer dran, aber politisch ist das noch komplizierter, als so etwas in Europa zu machen. Vor einem Jahr entstand dann die Idee, dieses Vorhaben auf der Donau zu realisieren. Was bedeutet Ihnen das Element Wasser? Ich steh auf Wasser. Es trägt. Ich mag es auch als Schnee, als Eis, nur wenn es zu viel ist, ist es nicht so gut. Was erwarten Sie sich vom Projekt? Das ist eine ganz egoistische Haltung: Ich will Südosteuropa, die Gegend, die Menschen, die Musik, ihr Essen kennenlernen, mein Verständnis dafür erarbeiten. Es geht um das Erweitern des Freundeskreises. Sie wollen drei Monate nicht von Bord gehen? Es ist so klass, auf einem Schiff zu sein. Es ist wie ein schwimmendes Dorf. Du bist immer daheim und trotzdem jeden Tag woanders. Es ist ein anderes Lebensgefühl, und die Leute, die entlang der Donau wohnen, sind anders als jene, die 30, 40 Kilometer davon weg sind. Was reizt an der südosteuropäischen Kultur? Dass sie mir fremd ist. Und trotzdem spüre und weiß ich, dass es dort unglaubliche Musiker gibt, die eine fast beängstigende Virtuosität haben. Sie wollen Grenzen sprengen? Abbauen. Die Grenzen sind eh nur im Kopf. Wenn man in die Landschaft schaut, sieht man ja nicht, dass da was aus ist und da was anfängt. Ich mag einen Beitrag leisten, dass man sich näherkommt und die Ängste abbaut, die nur aus einer Unwissenheit kommen. Sehen Sie sich als Botschafter Oberösterreichs? Ich fühle mich so. Ich will, dass jeder die Chance kriegt, sich über die Musik ein Bild von uns zu machen.
Linz ist 2009 Kulturhauptstadt Europas. Die Energien und Möglichkeiten dieser großen Chance und Aufgabe verbinden sich nun bereits im Vorfeld mit dem außergewöhnlichen Vorhaben des oberösterreichischen Musikers Hubert von Goisern - der Linz Europa Tour. Von Linz aus wird Hubert von Goisern im Frühjahr 2007 seine Reise antreten: zunächst in den europäischen Osten, danach in den Westen, um schlussendlich, mit reichlicher Ernte, zurück zu kehren nach Linz. Linz 2009 ist stolz und neugierig auf die Zusammenarbeit mit Hubert von Goisern, Intendant Martin Heller charakterisiert ihn als "authentische, reiche Künstlerpersönlichkeit jenseits von Klischees." Und: "Von Anfang an war bei allen Beteiligten rund um dieses Projekt eine unglaublich vitale Energie zu spüren, und das Gefühl einer Notwendigkeit - beste Voraussetzung für eine erfolgreiche und sich gegenseitig stimulierende Kooperation." (Linz09.at) | |||||||||||||||||||||||
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