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Lässig woas!

Cityoffers Regensburg Juli 2007

Ja, es war "lässig", wie Hubert von Goisern alias Hubert Achleitner das Doppel-Konzert-Ereignis am 29. Juni selbst beurteilte. Aber nicht nur das - Hubert von Goisern und Haindling, den der musikalische Weltbürger beim Regensburg-Stop seiner Linz-Europa-Tour im Osthafen mit an Bord seiner schwimmenden Bühne genommen hatte, begeisterten das Publikum mit einer Show der besonderen Art.

Und das trotz eines "stürmischen" Eröffnungskonzertes beim Donauinselfest in Wien, bei dem diverse Teile des Bühnenschiffes zu Bruch gingen und dem Wasser zum Opfer fielen, sowie eines etwas schwächlichen Schubschiffes, das auf dem Weg nach Regensburg kurzerhand ausgetauscht werden musste.

Nachdem der charmante Österreicher mit dem etwas verwitterten - aber nicht weniger attraktiven - Äußeren die zahlreich angereisten und ungeduldig wartenden Fans begrüßt hatte, eröffnete Haindling das Konzert mit einer Nummer, deren Klänge aus diversen Hörnern etwas an die Geräuschkulisse einer Bergalm erinnerten. War das Publikum von diesem unerwarteten Hörerlebnis anfangs zwar leicht irritiert, dauerte es doch nicht lange, bis der bayerische Musik-Kosmopolit die Menge ganz auf seiner Seite hatte. Dazu wesentlich beigetragen haben natürlich auch die Haindling-Klassiker wie Paula, I hob di lang scho nimma g'sehn, Du Depp, Spinn i oder In der Umlaufbahn. So gingen die eineinhalb Stunden auch viel zu schnell vorbei und mit der Zugabe von Irgendwie und sowieso setzte Haindling seiner Show noch das I-Tüpfelchen auf.

Die Fans waren danach restlos hingerissen und eigentlich optimal auf das nachfolgende Konzert mit Hubert von Goisern vorbereitet, den man während der Haindling-Darbietung nur für eine kurze gemeinsame Nummer - die mit tosendem Applaus honoriert wurde - auf der Bühne zu sehen bekam. Die lange Umbaupause, die fast eine Stunde dauerte, schlug dem Publikum dann aber doch etwas aufs Gemüt und so hatte der "Gastgeber" einen nicht allzu leichten Start.

Mit seinen jazzigen und funky angehauchten Liedern und Instrumentalstücken zeigte er schließlich deutlich seine musikalische Vielseitigkeit, die er seit dem berühmten und weit hinter ihm liegenden Hiatamadl mehr als einmal erfolgreich unter Beweis gestellt hat. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ließen sich die Fans dann auch endlich wieder mitreißen und wollten zum Ende der offiziell genehmigten Spielzeit - um 23.00 Uhr - nicht mehr aufhören zu klatschen. Die Zugabe ließ sich Hubert von Goisern dann auch nicht nehmen und beglückte nach der kurzen Ansage "Den Strom könnens uns ja ned abdrehn, weil den hama eh selber mit!" das Publikum mit einer wunderschönen Version seines Klassikers Heast as ned. Mit einem ultimativ coolen "Pfiat Eich. Lässig woas mit Eich!" entließ Hubert von Goisern schließlich das zufriedene und glückliche Regensburger Publikum.

Weniger glücklich waren die Konzertbesucher allerdings beim Anblick der bereitgestellten Shuttlebusse, die zwischen Osthafen und Donauarena pendeln sollten. Zum Ende des Konzerts stand davon nämlich nur ein einziger vor dem Open-air-Gelände, was einen erbitterten Kampf um die wenigen Plätze auslöste. Hätte das Konzert zwischen Wurstkuchel und Jahninsel stattfinden können, so wie Hubert von Goisern es sich gewünscht hatte, wäre zumindest dieses Problem nicht aufgetaucht. Der konnte sich auch während des Konzerts einen Seitenhieb in Richtung der Stadtverwaltung nicht verkneifen, die das Ende der Spielzeit "da heraußen, wo eh nur Fuchs und Hase unterwegs san" auf 23.00 Uhr festgelegt hatte. Bleibt abzuwarten, welche Hürden sich Hubert von Goisern auf seiner Schiffstournee in Richtung des Schwarzmeerdeltas noch in den Weg stellen - überwinden wird er sie auf jeden Fall, für seine Musik und für sein Publikum.

SB

Hubert von Goisern und Haindling in Regensburg
Hubert von Goisern und Haindling

Anspielen gegen die Erbsünde

Süddeutsche Zeitung 2. Juli 2007

Hubert von Goiserns Plädoyer für eine freie Donau

Hubert von Goisern
Foto: Rolf Thym

5000 Menschen warteten an diesem Freitagabend im Regensburger Osthafen in freudiger Erwartung auf ihn. Noch aber saß Hubert Achleitner, den Blicken seiner Fans entzogen, hinter einer Wand aus Schlafcontainern auf einem Ledersofa an Deck eines Schubschiffverbands, der ihm bis ins Jahr 2009 schwimmende Wohnstatt, Übungsraum, Studio und Bühne sein wird. Um ihn herum, alles unter freiem Himmel: Eine Badewanne nebst Satellitenschüssel, Kunstrasen, eine Topfpalme, ein langer hölzerner Esstisch, eine hübsche Kantinenküche und ein mächtiges Stück Fels. Das sind die Accessoires des sicherlich verrücktesten Unternehmens im ohnehin bewegten Leben des 54 Jahre alten österreichischen Volks- und Rockmusikers, den alle Welt als Hubert von Goisern kennt.

Mit einer Crew von 25 Musikern, Technikern und Schiffsleuten will er die großen Flüsse Europas bereisen und, wo immer möglich, anlegen, die riesige Hubbühne hochfahren und gemeinsam mit Gastkünstlern Konzerte geben. Der Völkerverständigung soll die Tour dienen, aber auch der Stadt Linz, die 2009 Kulturhauptstadt Europas sein wird und das Goisern-Projekt kräftig unterstützt. In Wien ist die musikalische Flussbereisung, kaum dass sie begonnen hatte, in einem schweren Regensturm nur knapp dem jähen Ende entgangen. Die Passage nach Regensburg hat das Schiff aber ohne jegliches Problem geschafft.

Gegenüber von Lagerhallen und einer Futtermittelmischanlage, aus der säuerlicher Silagegeruch aufstieg, war der Musikdampfer festgemacht. Leuchtende Videowände schickten die Botschaft in die Nacht, dass die Donau - der in Niederbayern eine neues, schifffahrtsgerechtes Stauwehr droht - unbedingt ein freier Fluss bleiben müsse. Der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz haben eine "internationale Unterschriftenaktion" für die Rettung der Donau begonnen - mit Goiserns Unterstützung, behaupten die beiden Verbände. Der Musiker findet das Vorhaben zwar sehr gut, weil für ihn eine weitere Zerstörung des Flusses einer "Erbsünde" gleichkäme.

Letztlich war es aber doch ein schöner Abend im Osthafen: Erst räumte Hans Jürgen Buchner ("Haindling") ab, dann gab Goisern mit seiner neuen Band bis spät in die Nacht mal wieder furiose Beweise dafür ab, dass es sich zu schnellen Rockriffs, fröhlichen Arrangements aus der Karibik und selbst zu einer Hatz aus jazzigen Synkopen wunderbar jodeln lässt. Es folgten zwei weitere Konzerte am Samstag und Sonntag in Passau, dort mit der Claudia-Koreck-Band.

Rolf Thym

Der Besessene

Aachener Zeitung 30. Juni 2007

Hubert von Goisern spielt seine spektakulärste Tournee. Auf einem Schiff, das gleichzeitig seine Bühne ist, fährt der Österreicher über die Donau und gibt Konzerte.

Hubert von Goisern
Foto: Martin Kucera

Mut gehört zu den wichtigsten Tugenden des Österreichers Hubert Achleitner aus Bad Goisern nahe Salzburg. Mit seinen Alpinkatzen wurde Hubert von Goisern Anfang der 90er-Jahre zum Protagonisten der "Neuen Volxmusik", einer erdigen Mixtur aus traditionell alpinem Volksgut, Pop und Punk. Das energiegeladene Aufeinandertreffen von Akkordeon und Stromgitarre verkaufte sich 100000-fach, bis es von Goisern auf dem Zenit seiner Popularität zu vorhersehbar wurde. "Ich hatte zu dem Zeitpunkt alles in meiner Musik gesagt, was es zu sagen gab", resümiert die ehemalige Ober-Alpinkatze.

Ans Aufhören hatte der hoch gewachsene Mann mit dem ungestümen Abenteuerdrang freilich nicht gedacht. Im Gegenteil. Es zog ihn in die Ferne. Mehrfach bereiste er mit seiner Band Afrika und musizierte auf Einladung des Goethe-Instituts Kairo mit dem ägyptischen Superstar Mohamed Mounir in Assiut. Dass Musik als verbindendes Element jenseits von stereotyper Folklore und höchst unterschiedlicher kultureller Prägung nicht nur in der Theorie funktioniert, bewies von Goisern sich, seinen Gastgebern und enthusiastischen Zuhörern in Ost und West.

Diktat der Lust

Die Aussicht, dabei "glorreich zu scheitern", nahm der 54-Jährige in Kauf. Weil er bei all seinen musikalischen Weltreisen rein dem Lust-Diktat folgte. Didaktischer Multikulti-Anspruch oder gar vordergründiges politisches Anliegen standen nie auf seiner Agenda. "Volkslieder sind Allgemeingut und überleben nur, wenn sie stetig neu erfunden werden", sagt von Goisern, während er sich eine Selbstgedrehte anzündet.

Das Meistern der abstrusesten Tourneen hat den Salzburger zum ruhigen, vermeintlich abgeklärten Zeitgenossen gemacht. Wenn er von seinem neuesten Abenteuer erzählt, wird offensichtlich, dass der äußerliche Eindruck täuscht. Der Besessene, dessen Musik ohne maximale Intensität gar nicht erst das Licht der Welt erblicken würde, befindet sich in den letzten Vorbereitungen zu seiner bislang spektakulärsten Musikreise. Die Idee dazu ist ihm vor zwei Jahren gekommen. "Beim Fischen auf der Donau."

Die großen Wasserstraßen Europas, die bislang vornehmlich zum Transport für Warengüter genutzt wurden, befährt von Goisern mit einem zum Reisen und Konzertieren umgebauten Schiff. "Go East", lautet sein Motto seit Juni. Seinen Einstand feierte Kapitän von Goisern am 24. Juni in Wien. Das letzte Konzert soll am 1. September in Linz stattfinden. Dazwischen liegen Stationen wie Novi Sad, Ismajil, Budapest und Bratislava.

Das Schiff, eine 77 mal 12 Meter lange Barge, wurde mit Aggregaten versehen, frisch gestrichen und auf Vordermann gebracht. Ein hydraulisch verstellbarer Bühnenaufbau mit allen Elementen einer vollwertigen Konzertbühne wie Licht und Tontechnik und eigener Stromversorgung inklusive. So weit, so maßlos. Aber der Aufwand steht trotzdem in Relation zu von Goiserns Vorhaben. An jedem Anlegepunkt will er mit einheimischen Musikern und Bands auftreten. "Weil es ein riesiges Bedürfnis nach Verständigung gibt."

Wieder mal muss er dabei die Rolle des Einzelkämpfers spielen. Ein angefragtes Sponsoring des Kulturausschusses der Europäischen Union scheiterte am verlangten Bürokratieaufwand. Aufhalten ließ sich von Goisern deshalb selbstverständlich nicht. In einem Softdrink-Hersteller und dem Intendanten der europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009 fand er Unterstützer und Finanziers für seine wagemutige Tournee. Den Glauben an ein institutionalisiertes, kulturübergreifendes Europa hat er indes verloren. Die Obsession, seinen eigenen musikalischen Ursprung vom progressiven Folkloreverständnis seiner slawischen Gäste befruchten zu lassen, füllt ihn trotzdem mit Hoffnung. Was ihn generell antreibt, beschreibt er mit dem Wunsch, "alles, was ich anfange, mit größtmöglicher Liebe zu betreiben". Davon können sich im nächsten Jahr auch seine Fans hierzulande mal wieder überzeugen. Nach der Donau will er 2008 den Rhein und vielleicht sogar die Maas beschallen. Mit der singulären musikalischen und spirituellen Urkraft, wie sie nur ein Hubert von Goisern besitzt.

Fünf Fragezeichen

Was geschieht mit Musikern, die Ihre Leidenschaft nicht teilen?

Ich habe eine Musikerin aus meiner Band schon mal auf der Bühne ins Ohr gebissen. Weil sie es an Energie mangeln ließ und ich meine Hände zum Spielen brauchte.

Und wenn das Publikum eher unenergetisch reagiert?

Das hängt davon ab, was man ihm bietet. Wenn man ihm nur Klangteppiche vorsetzt, muss man sich nicht wundern, wenn es statt zum nächsten Konzert, lieber zum Teppichhändler geht.

Hatten Sie jemals Kontakt zum anderen berühmten Bad Goiserner, Jörg Haider?

Gut, dass er so tut, als ob er Kärntener sei. Ich kannte ihn vom Sehen. Dessen Großvater war ein richtiger Nazi. Bestürzend, wie er die Familientradition aufrecht erhält.

Inwiefern hat Ihre Heimat den Abenteurer von Goisern geprägt?

Es war durch die Berge so eng in Bad Goisern, dass ich zur Horizonterweiterung auf die Berge klettern musste. Den Wunsch nach erweitertem Horizont habe ich mir bewahrt.

Was halten Sie vom vereinten Europa?

Ich glaube nicht, dass jeder mit jedem können muss. Ich habe aber den Wunsch, dass man einander kennen lernt und neugierig aufeinander ist.

Michael Loesl

Rathausplatz als Konzertsaal - Hubert von Goisern macht Station in Passau

TRP1 3. Juli 2007

Hubert von Goisern
Foto: TRP1

Hubert von Goiserns großes musikalisches Abenteuer hat begonnen. Mit seiner Linz-Europa-Tour machte der Alpenrocker auch Station am Rathausplatz Passau. Mit einem umgebauten Frachtschiff ankerte er für zwei Tage in Passau.

Als Alpenrocker hat Hubert von Goisern musikalische Traditionen aufgebrochen, als Weltenbummler Grenzen überschritten. Jetzt ist der 54-jährige Österreicher zwei Jahre lang auf einem Frachtschiff unterwegs. Als Botschafter für die Kulturhauptstadt Linz hat sich Hubert von Goisern an ein noch nie da gewesenes Großprojekt gewagt. Mit einem zur Bühne umgebautem Schiff ist der Musiker auf Flusstournee quer durch Europa unterwegs und legte dabei auch vor dem Passauer Rathaus an.

Hubert von Goisern tritt bei seiner Tour mit Künstlern und Künstlerinnen aus zehn Donauländern auf. In Passau stand die bayerische Neuentdeckung Claudia Koreck auf der Bühne.

Der Alpenrocker, der mit neuer Band unterwegs ist, hat an zwei Tagen knapp 6000 Besucher in Passau begeistert und dem Rathausplatz eine gelungene Premiere als Konzertkulisse beschert. Es herrschte eine einzigartige Stimmung, südländisches Flair, Open-Air-Feeling vom Feinsten.

Elena Fechter

"Heast as net, wia die Zeit vageht"

Mittelbayerische Zeitung 3. Juli 2007

Schee war’s: Hubert von Goisern & Haindling open Air in Regensburg

Hubert von Goisern in Regensburg
Foto: altrofoto.de

REGENSBURG. Sie haben Wurzeln und sie haben Flügel, und die Verknüpfung von beidem macht ihre Musik aus – Hubert Achleitner alias Hubert von Goisern und Hans Jürgen Buchner alias Haindling. Der oberösterreichische Weltmusiker machte mit seiner schwimmenden Konzertbühne Station im Osthafen und nahm den niederbayerischen Weltmusiker mit an Bord zu einem dialektal-musikalischen Open-Air-Doppelereignis der Extraklasse.

"Strom hamma selba dabei!"

Mochte auch hin und wieder im zweiten Teil des Konzerts ein Lautsprecher ausfallen: Am Ende, schon nach der polizeilich verordneten musikalischen Sperrstunde, stand der Goiserer doch am längeren Hebel: "Den Strom kennans uns net obdraahn – den hamma selba dabei!" Und so kamen die Zuhörer noch in den Genuss eines "Klassikers" – "Heast as net, wia die Zeit vageht". Da gingen sie dann an, die Feuerzeuge. Hubert-von-Goisern-Fans schwelgen und schmachten.

Nach dem Auftaktkonzert in Wien am 24. Juni und dem zweiten in Melk am 26. war der Auftritt in Regensburg der Dritte der Linz Europa Tour, die Hubert von Goisern und seine neue Band per Schiff auf der schönen, früher blauen und bei uns so ordentlich kanalisierten Donau bis an die Schwarzmeerküste führen wird, durch neun Länder, und von dort wieder zurück, mit Konzert-Stationen runter wie rauf, 22 an der Zahl. Bei den meisten holt sich Hubert von Goisern Musiker der jeweiligen Gegend an Bord seines umgebauten Frachters. Und in Osijek, Vukovar, Belgrad, Novi Sad und wie die Veranstaltungsorte alle heißen, kosten die Konzerte noch nicht mal was. Wie schön. Es geht um mehr als um Kommerz. Eine musikalische Begegnungsreise soll es sein.

Und für seine Begegnung in Regensburg hat sich Hubert von Goisern grad den Rechten ausgesucht. Sein niederbayerisches Pendant gewissermaßen. Dass beide ihren Heimatort (wer weiß schon, dass Hans Jürgen Buchner eigentlich in Bernau bei Berlin geboren ist? Hören tut man’s nicht...) zum Künstlernamen oder zu dessen Bestandteil gemacht haben, ist mehr als ein Zufall, schon eher Programm. Bei aller ironischen Distanz zum bornierten Bayerntum respektive Österreichertum leugnet keiner der beiden Musiker seine Herkunft. Liebe ist da, manchmal auch Zorn, gewiss, und immer ein gehöriges Stück Experimentierfreudigkeit, Kreativität, die sich aus allen möglichen Quellen speist. Hubert von Goisern – der Begründer des "Alpenrock", der jodelnde Volkstümelei-Kritiker. Haindling und die Alphorn-Urwald-Klänge, der Afrika-Bayer. Zwei musikalische Abenteuerer mit einer festen Basis.

15 Jahre ist es her, dass Hubert von Goisern und die Alpinkatzen mit Koa Hiatamadl die Hitparaden stürmten. Hubert von Goisern wird im Bierzelt gespielt – daran erinnert er sich gar nicht gern. Deshalb waren auch die "Hiatamadl"-Rufe der Regensburger Zuhörer völlig vergebens. Dieses Stück gibt’s niemals wieder live, sagt der Hubert. Schad, sagt der Fan. Aber dafür gab’s ja andere schöne Sachen – Om und unt zum Beispiel oder den Juchitzer, den Maria Craffonara fast genauso gut hinbekam wie anno dazumal Sabine Kapfinger, die den Hubert dereinst das Jodeln lehrte.

"Lässig woas mit eich"

25 Jahre hinwiederum ist es her, dass Buchners erste Langspielplatte mit dem schlichten Titel Haindling auf den Markt und zum Erfolg kam. Deshalb ist die Band derzeit auch auf Jubiläumstournee. Im Osthafen kam schon fast nostalgische Stimmung auf: "Paula, oh Paula, mia fanga jed’n Dog vo vorn o..." Wer möchte da nicht mitträllern. Bis in die Anfänge ging’s zurück: Du Depp, I hob di lang scho nimma g’seng (da hat er sogar ein Stückerl Text vergessen...). Ach ja, schee war’s. Oder, wie Hubert von Goisern zum Abschied bemerkte: "Lässig woas mit eich."

Beate Lutz-Maß

Danke Peter

Hubert von Goisern: Live in Regensburg - 29. Juni 2007

3. Juli 2007

Fotos © Elli Christl | Klick zum Vergrößern

Poesie pur für 3000 Gäste von Hubert Goisern

Passauer Neue Presse 2. Juli 2007

Claudia Koreck und Hubert von Goisern
Foto: Robert Geisler

Fabelhaft hat der Rathausplatz sein Debüt als Konzertarena am Samstag mit Hubert von Goisern gegeben. 2500 Zuhörer, dazu 500 Zaungäste am Römerplatz, in Milch- und Schrottgasse schwelgten in alpiner Weltmusik.

Und wieder hat Eulenspiegel Till Hofmann gegen Bedenken der Stadt, der Anwohner und der Altstadtwirte ein Bravourstück abgeliefert. Der gebürtige Passauer weiß, was er an dieser Stadt hat und umgekehrt: "Ich möchte die Poesie ihrer Plätze bespielen. Das ist jeden Aufwand wert. Das bleibt. Das nimmst du mit für immer." Und es war Poesie pur: Bei der Premiere blickten die Musiker über 3000 Menschen hinweg auf die sommernächtliche Rathauszeile. Die Besucher bezauberte der Georgsberg samt angestrahltem Oberhaus über dem Bühnenschiff, flankiert von zwei Videowänden. Polizei, 20 Profi-Ordner und 13 Sanitäter fanden es einstimmig "einen angenehmen Dienst" in der überschaubaren Arena mit den guten An- und Abfahrtswegen. Nachmittags freilich sorgte der Wegfall eben dieser Alltagsrolle des Rathausplatzes als Verkehrs-Drehscheibe für chaotische Momente und hitzige Dispute mit ganz sturen Autofahrern. Die Freudenhain-Abiturfeier im Rathaussaal verschärfte die Lage noch. Stoisch bauten die Helfer ab 15 Uhr den Ratskeller-Biergarten um verwunderte Gäste herum ab und stellten mehr als 1900 Klappstühle auf. Wirt Kurt Strigler - Familie und Personal hatten Freikarten für beide unfreiwillig freien Abende - schaute sich die Szenerie vom Logenplatz Wohnzimmerfenster ergeben an: "Ich mag Kultur und unterstütze sie. Am Rathausplatz aber ist oft genug Hochwasser. Das reicht als Spektakel. Wenn wir Sintflut hätten, könnte das Goisern-Schiff am Domplatz ankern. Da soll sich Kultur abspielen, finde ich."

Scharfrichter-Nachbar Walter Landshuter zieht den Hut vor Till Hofmann: "Eine großartige Idee! Ich finde es toll, dass die Stadt sich nach 20 Jahren chronischer Bedenken zur Genehmigung durchgerungen hat." Konform geht Stadträtin Erika Träger: "Wir sollten Passaus schöne Plätze wirklich mehr nutzen. Ich habe Respekt vor Till, dass er so kreative Ideen hat und sie auch durchsetzt." Landshuters Kritik: "Nicht gut ist, dass die Altstadt-Wirte nicht einbezogen sind, allen voran der vom Ratskeller."

Wie auf Stichwort schlenderte da Till Hofmann vorbei, schlug vor, der Scharfrichter solle bis zur Absperrung Tische ins Freie stellen. Gesagt, getan. Jodlerwirt und Goisern-Fan Sepp Eichinger war in der pulsierenden Schrottgasse in seinem Element. Er findet es "hervorragend, wenn Leben hereinkommt in die Altstadt, wenn sich was rührt". Wie schon in der Kunstnacht zuvor schenkte er Prosecco aus. Bewirtet und nicht, harrten rund um die Konzertzäune bis 23 Uhr etwa 500 Zaungäste gut gelaunt bis zum letzten Zugabejodler aus.

Hubert von Goisern
Foto: Robert Geisler

Christine Pierach

Hubert von Goiserns völkerverbindende Donau-Tour ankert in Regensburg
HvG & Haindling

Mittelbayerische Zeitung 30. Juni 2007

Mit einem Konzert vor mehr als 3000 Zuhörern im Regensburger Osthafen hat Hubert von Goisern auf seiner völkerverbindenden Schiffstour entlang der Donau erstmals in Deutschland geankert. Nach dem Auftritt der bayerischen Gruppe Haindling spielten die Musiker um den Österreicher von Goisern am Freitagabend ihre Mischung aus modernem Rock mit traditionellen und klassischen Elementen, die sie in den kommenden Monaten noch in zehn weiteren mittel- und osteuropäischen Ländern am Ufer des Flusses vortragen wollen.

Von Goisern ist dabei als Botschafter der europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009 unterwegs. Der Regensburger Auftritt wurde auch für eine Unterschriftenaktion gegen den Donauausbau genutzt. Mit seiner rund 20-köpfigen Band und Crew fährt der Musiker den Sommer über mit einem Schiffsverband auf dem Fluss, neben ihrem Wohnschiff hat die Truppe ein Schiff mit einer riesigen Bühne samt Licht- und Tontechnik dabei. Auf dieser schwimmenden Bühne will von Goisern jeweils mit lokalen Bands Konzerte geben. In Bayern waren noch zwei weitere Konzerte in Passau mit der Claudia-Koreck-Band (30. Juni und 1. Juli) geplant. Dann geht es Richtung Südosteuropa, bis in die Ukraine.

Foto: altrofoto.de

Reise auf dem Kulturstrom

Süddeutsche Zeitung 28. Juni 2007

Enzyklopädie der Klänge:Der österreichische Alpenrocker Hubert von  Goisern will zwei Jahre lang
auf einem Musikdampfer Europas Flüsse befahren

Der Musikdampfer war einst eine große Sache. Und doch ist er nahezu ausgestorben, als Amüsierschiff, das tanzendes Volk auf den Flüssen Europas hin- und herfuhr, und auch als Begriff. Jetzt gibt es ihn wieder, mit veränderter Bedeutung: Der neue Musikdampfer transportiert Musiker und Musik zu neuen Ufern. Er wird Europas Flüsse durchfahren und soll, geht es nach den Initiatoren, dem Zank der Mächtigen und Wichtigen dieser Tage die Magie der Klänge des Kontinents und deren Vielfalt entgegensetzen. Kommandant dieser Wasserfahrt ist ausgerechnet ein Gebirgsmensch: Hubert von  Goisern, gefeierter oberösterreichischer Alpenrocker und einer der großen Versöhner der Volksmusik mit dem Neugetöne unserer Zeit, hat sich zusammen mit dem Flussreeder Wolfram Mosser-Brandner diese Flüssetournee ausgedacht. Und Martin Heller, Intendant der Europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009, hat alles als zweijährige Kulturmission unter seine Fittiche genommen.

Die Sache mit dem Dampf ist natürlich nur Metapher. In Wallsee an der Donau in Niederösterreich ist dieser Tage kein Museumsstück der archaischen Nautik ausgelaufen, sondern ganz zeitgemäß ein Schubverband, wie sie heutzutage gewaltige Lasten die Flüsse hinaufboxen. Eine sogenannte Barge, die lange als Transporter von Schotter und Schlamm gedient hat, bildet als Konzertschiff den Kern des Konvois. Immerhin 77 Meter lang und 12 Meter breit, bietet das pontonartige Gefährt den nötigen Raum für eine Großbühne nebst allem Schall- und Beleuchtungsgerät. In der Werft der Brandner-Flusschifffahrt hat man die Schwimmbühne gebaut, die sich stets aufs Niveau des Ufers heben oder senken kann, ganz auf Augenhöhe mit dem Publikum, das dort zu Zehntausenden lagern wird. Das Bühnenschiff sollte seine Probe am vergangenen Sonntag beim Donauinselfest in Wien bestehen. Einen unfreiwilligen Orkan-Test hat es schon hinter sich: Ein wütender Sturm, der in Ostösterreich drei Menschenleben kostete, riss an Installationen und Aufbauten.

Auf dem Schiff gibt es noch ein paar Schlafcontainer für Musikergäste, die Küche und eine Art Piazza für die reisenden Spielleute. Längsseits hat man das Wohnschiff der achtköpfigen Goisern-Band vertäut. Auf Deck thront die weiße Badewanne gleich neben der riesigen Satellitenschüssel. Angeschoben wird das Gespann von der MS Wallsee, einem betagteren, wiewohl munteren Schubschiff mit 700 Pferdestärken. Allem voran flattert die Fahne mit einem Drachen.

Die musikalische Fracht wird jeweils ortsspezifisch ergänzt und gefärbt. In zwei großen Reisen will man erst den Osten, dann den Westen akustisch erkunden, wobei bei jedem der Konzerte am Fluss Musiker und Gruppen aus dem Gastland mitspielen, in dem man gerade festmacht. Es wird also keine reine Goisern-Tournee, sondern eine kleine Enzyklopädie des europäischen Volks-Rock.

Dieser Tage geht es zunächst einmal die Donau hinauf nach Regensburg (29. Juni) und Passau (30. Juni/1. Juli), wo zunächst die genialen Blasmusiker von Haindling dazukommen und in Passau die Claudia Koreck Band. Und dann geht es auf große Fahrt den großen Strom hinab durch den Balkan bis in den August hinein: Bratislava, Budapest, Serbien, Bulgarien, Rumänien, bis in die Ukraine. Mehr als 20 Auftritte sollen es werden, manchmal in Orten, wo es noch nie so etwas wie ein Rockkonzert gegeben hat. Aber Musikanten, die die junge Populärweltmusik mit Klangtraditionen ihrer Heimat würzen, die gibt es glücklicherweise überall.

Großes Finale in Linz

Im Sommer 2008 wird der ganze Konvoi die Donau hinauf durch den Rhein-Main-Donau-Kanal zum Rhein tuckern, zu Dutzenden weiteren Konzerten. Im Sommer 2009 wird im oberösterreichischen Linz, der Kulturhauptstadt dieses Jahres, ein Schlussauftritt alle Künstler vereinen, die man unterwegs getroffen, mit denen man musiziert hat. Tondokumentationen, Bildaufzeichnungen und Live-Übertragungen - das Österreichische Fernsehen und zahllose Stationen am Weg engagieren sich - sollen am Ende ein musikalisches Gesamtdokument ergeben.

Hubert von Goisern, im oberösterreichischen Bad Goisern 1952 geboren, hat im Lauf seiner Karriere schon mit Tibetanern, mit Afrikanern, mit Ägyptern beachtenswerte Musikprojekte gemacht. Dem Lauf der großen Flüsse Europas folgten schon immer die Kulturströme. Ihnen sollen die Stimmungen dieser Zeit abgelauscht werden. Kulturhauptstadt-Intendant Heller sagt es weit ausholend so: "Kulturell reicht die Linzer Donaulände bis ins Delta am Schwarzen Meer." Heller hat übrigens der musikalischen Schiffsbesatzung eine Kiste Bücher für die Mußestunden an Bord mitgegeben: Entdeckungen und Reisen, Homers Odyssee ist dabei und Dante, außerdem Forschungsreiseberichte der Neuzeit - und praktischerweise auch ein Kochbuch für Süßwasserfisch.

Michael Frank

Hubert von Goisern: Konzert in Melk - 26. Juni 2007

29. Juni 2007

Fotos © Elli Christl | Klick zum Vergrößern

Aufgeigen donauabwärts

Süddeutsche Zeitung 28. Juni 2007

"Die Möglichkeit des Scheiterns ist groß" - was Hubert von Goisern an seiner europäischen Flusstour reizt

Es ist sein bisher größtes Projekt: Zwei Jahre lang will Hubert von  Goisern mit Begleitern auf der Donau unterwegs sein. Als Botschafter für die Kulturhauptstadt Linz (2009) spielt er allein in diesem Sommer 25 Best-of-Konzerte mit musikalischen Gästen an Bord. Im Vordergrund steht die Begegnung, und so trifft der Österreicher, Jahrgang 1952, im Hafen von Regensburg auf Haindling (29.6., Telefon 21 83 91 82), in Passau auf Claudia Koreck (30.6., 1.7.). Bernhard Blöchl sprach vorab mit ihm.

Drei Schiffe, Hunderte Kilometer, viele Ideen. Was treibt Sie an?

Natürlich könnte ich mein Leben bequemer gestalten, indem ich eine traditionelle Tour spiele. Aber ob das schöner ist? Ich glaube, dass das Leben für mich dann einen Sinn ergibt, wenn ich Erfahrungen sammle. Ich bin ein neugieriger und abenteuerlustiger Mensch. Mit fortschreitendem Alter kann man sich an größere Dinge heranwagen. Dieses Projekt ist deshalb so spannend, weil die Möglichkeit des Scheiterns groß ist. Es gibt sehr viel, worauf wir keinen Einfluss haben. Man muss schon an ein Wunder glauben. Das Projekt ist so etwas wie eine Prüfung für das Selbstvertrauen.

Auf die Idee sollen Sie beim Fischen an der Donau gekommen sein ...

Ja, aber die Uridee entstand in Afrika. Ich wollte und möchte noch immer eine ähnliche Tour entlang des Ufers des Tanganjikasees machen. Diese Vision gibt es seit zehn Jahren. Aber das ist um einiges komplizierter.

Sie meinen, die Linz-Europa-Tour ist zu verstehen als eine Art Vorstufe?

Ja, obwohl es dort ganz anders funktionieren muss. Indem man aber zeigt, dass so etwas überhaupt möglich ist, ist es schon als Vorstufe zu verstehen. Hier bin ich mehr oder weniger zuhause. In Afrika braucht man eine afrikanische Integrationsfigur, die das trägt. Es wäre das falsche Signal, wenn da wieder ein Europäer kommt, so à la Geldof: Wir helfen euch, wir machen das jetzt für euch! Ich bin ganz stark für Selbsthilfe.

Hier geht es um den europäischen Diskurs und um die kulturelle Osterweiterung. Welche Rolle spielt die Musik?

Die zentrale Rolle. Denn die Sprache, in der die Menschen an Bord kommunizieren, wird die Musik sein. Musik ist eine Sprache, in der man nicht lügen kann. Man kann sich musikalisch nichts vormachen. Es wird immer ganz klar, wie jemand ist, wenn er anfängt zu singen und zu spielen. Musik ist etwas, in das sich sehr viele Menschen einklinken können. Die Musik ist ein Kristallisationspunkt für ein großes Gefühl des Miteinanders.

Hubert von Goisern: Live in Melk - 26. Juni 2007

28. Juni 2007

Fotos © Presseservice Donauarena | Klick zum Vergrößern

Der ganz andere Musikdampfer

Abendzeitung 27. Juni 2007

Hubert von Goisern tourt mit dem Schiff die Donau rauf und runter

Die schöne blaue Donau ist heute überhaupt nicht schön. Und blau war sie sowieso noch nie. Auf ihren Wellen bilden sich gefährliche Wirbel und weisse Gischtkrönchen. Nein, nicht schon wieder! Erst letzten Abend hatte es Hubert von Goisern und seiner Mannschaft die ganzen Bühnenaufbauten auf ihrem Schiff durcheinandergewirbelt - und heute soll das Eröffnungskonzert für die grosse Linz Europa Tour 2007 - 2009 auf dem Wiener Inselfest sein!

"Endlich geht's los", freut sich Hubert von Goisern. "Wenn wir gewusst hätten, wie komplex und vielfältig all die Probleme sind, hätten wir das Projekt vielleicht gar nicht erst angefangen. Es ist schon gut so, dass man nicht immer alles weiss." Das Projekt: in den nächsten beiden Jahren ist Goisern mit Band per Flussschiff auf Tour durch halb Europa.

Wenn der König des Alpenrock von Problemen spricht, dann meint er nicht nur die Widrigkeiten des Wetters, sondern viele kleine und grosse Stolpersteine wie Logistik, Behördengenehmigungen, Nautisches und auch Soundtechnik. "Und dennoch: Man kann nicht alles durchplanen. Es gibt vieles, was wir auf uns zukommen lassen müssen. Ob wir wollen oder nicht." Dass allerdings schon beim Eröffnungskonzert Improvisationskunst gefragt war, konnte keiner ahnen. Doch die Fans dankten es auch beim um zwei Tage verschobenen Wiener Debüt mit "Zugabe, Zugabe"-Rufen.

Die Linz Europa Tour 2007 - 2009 führt heuer durch Osteuropa bis ans Schwarze Meer, nächstes Jahr nach Norden bis Rotterdam; und im Jahr 2009 gipfelt das Ganze im Hafenfestival in Linz, das dann Europas Kulturhauptstadt sein wird. Alle Künstlerinnen und Künstler, denen Hubert von Goisern auf seinem Abenteuer entlang der Ströme Europas begegnet, sollen dann kommen.

Der Schiffsverband um die "MS Wallsee" besteht aus einem Schubschiff, zwei Aufenthalts- und Wohnschiffen und führt eine Barge mit schwimmender Bühne mit sich, von der aus Musik gemacht wird. Jeweils mit lokalen Musikern, die mit der Goisern-Band auftreten. An etwa 50 Hafenorten wird der Tross festmachen. Jetzt geht es erst einmal von Österreich nach Deutschland, dann nach Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, durch die Slowakei und die Ukraine.

Der Münchner Hage Hein, seit langen Jahren Goiserns Freund und Manager, wird schon am Tag nach dem Ablegen nervös: "Das Ding fährt doch viel zu langsam, ich muss unbedingt mit dem Kapitän sprechen, sonst schaffen wir den Zeitplan nicht!"

Insgesamt 25 Leute sind permanent an Bord, inclusive Crew, plus Gäste. Und alle haben sie Hunger, mehrmals am Tag. Eine Herausforderung für Küchenchef Holger Alt, der auf kleinstem Raum zaubern will. "Am Anfang hatte ich ja noch die Illusion, ich könnte über die Märkte bummeln und regional kochen. Aber das wird wohl zu knapp. Dennoch versuche ich immer, auch etwas Lokalkolorit in die Speisekarte einzubauen." Aus Holgers Kassettenrekorder tönt Hans Albers mit Seemannsliedern.

Kaum, dass man in Wallsee, dem selbsternannten "Florida des Mostviertels", abgelegt hat, machen schon die ersten Flüsterparolen die Runde: "Hat auch jeder genug Anti-Mückenmittel dabei? Die Viecher fressen einen auf, je weiter östlich wir kommen!" Die Mücken, auf österreichisch: die Gelsen, werden zu fliegenden Schreckgespenstern über unserem schwimmenden Dorf. Bis endlich Petra Hinterberger, zuständig für elektronische Bildverarbeitung, dem Ganzen einen Schlusspunkt setzt: "Ja, ja, ich weiss schon, Gelsen so gross wie Vögel und hungrig wie Vampire! Das werden wir dann schon sehen …!"

Schon am ersten Abend wird an Bord fleissig musiziert. Die Sängerinnen Marlene Schuen, Maria Moling und Maria Craffonara, allesamt Mitglieder der neu zusammengestellten Goisern-Band, verblüffen mit rumänischen Volksliedern. Und lachen sich schier schlapp, als sich eins der Sofas immer wieder auseinanderschiebt. "Deswegen hab' ich sie ja mitgenommen", sagt der Chef aus Bad Goisern, "weil sie so lustig sind!"

Das Schiff mit dem Open-Air-Gemeinschaftsraum ist liebevoll gestaltet, vom grünen Kunstrasen bis hin zu bunten Kübelpflanzen, alles sehr detailverliebt und geschmackvoll. "Da hat der Hubert selbst Hand angelegt", weiss Manager Hage Hein.

Klar, dass es sich in so einer Umgebung gut aushalten lässt. Gleich nach dem ersten Frühstück probt der Hubert mit seinen Vokalistinnen und seinem Kumpel Willi Resetarits, früher unter dem Namen "Ostbahn-Kurti" eine Wiener Szene-Grösse. Willi ist stolz, dass er bei diesem Projekt mitmachen darf, und der Schmäh geht ihm nicht aus: "Ich würde jetzt gern etwas ganz Bedeutungsvolles sagen. Aber mir fehlen einfach die Worte."

Allen an Bord ist klar, dass es um mehr geht als um einen Pfadfinderausflug. Die neuen EU-Länder sollen erkundet werden; und man will Spuren hinterlassen, nicht nur musikalische. Ins Zentrum rücken, so Goisern, sollen "die Menschen am Ufer und ihre Wünsche, Hoffnungen und Probleme."

Hage Hein bringt es auf den Punkt: "Dieses Projekt ist grösser als alle Beteiligten!" Und damit meint er nicht die vier Millionen Euro Gesamtetat für das Unternehmen, sondern den Geist dahinter.

Doch schnell holt ihn wieder der Schiffsalltag ein: "Was? Wirklich nur fünf Trinkwasser-Auffüllstationen bis zum Schwarzen Meer?" Tourmanager Jonas Steckel schlägt vor: "Sofort an alle den Appell raus, dass Duschen Luxus ist, und dass es ein morgendliches Bad in der Donau auch tut!"

Und was gibt es sonst für Spielregeln an Bord? "Den Dreck, den man macht, selber wegräumen. Mehr kann ich dir nicht sagen", erklärt Jonas, "denn für uns ist ja auch alles neu. Wir müssen also auch alles erst erarbeiten. Am Ende der Reise sind wir schlauer!"

Was aber schon von Anfang an klar ist: Wir müssen Müll trennen! Roter Sack, gelber Sack, blauer Sack. Denn schliesslich schmeisst man ja nicht gleich seine guten Vorsätze in Sachen Umwelt über Bord! Wir doch nicht!

Das bunt bemalte und beschriftete Schiff erregt Aufsehen. Überall am Ufer stehen Menschen und winken. Das Projekt hat sich herumgesprochen. Und einem Fan gelingt es, uns von einer Brücke runter eine grosse Kiste frischer Frühstückssemmeln abzuseilen.

Fröhliche Spannung kommt auf, als die ersten Gastmusiker an Bord kommen, die Ethnorock-Gruppe Zdob si Zdub aus Moldavien. Manager Igor Buzurniuk hat sich einen heftigen Sonnenbrand auf dem bunt tätowierten Rücken eingefangen und man hilft mit Cremes und guten Worten, so gut man kann. Ansonsten wird fröhlich parliert, englisch, deutsch, italienisch, mit Händen und Füssen. Es geht schon irgendwie. Man muss nur wollen. Igor ist hin und weg: "Sehr schön! Grosse Idee!" Auch er weiss natürlich, dass jede Idee nur so gut ist wie ihre Umsetzung. Hage Hein: "Es bleibt spannend bis zum Schluss!" So manche Schiffsreise ist am Lagerkoller unter der Besatzung gescheitert.

Hubert von Goisern hat sich von dem unwetterbedingten verzögerten Auftaktkonzert an der Wiener Donauinsel nicht beeindrucken lassen. Er freut sich auf alles Kommende: "Ich hoffe, dass wir alle wieder gesund zurückkehren und viele spannende Geschichten zu erzählen haben." Und als er zwischendurch die telefonische Nachricht bekommt, dass sein Sohn Niko das Abitur bestanden hat, ist er richtig happy.

Arno Frank Eser
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