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Mein Journal Juli 2008 Hubert von Goisern, gebürtig Hubert Achleitner, ist in keine Schublade zu stecken. Sein bewegtes Leben, seine Reisen ins Ausland sowie sein Wirken als Sänger und Schauspieler sprechen eine deutliche Sprache. Wie entstand die Idee, mit Schiffen eine Fluß-Konzertreise durch Europa zu machen? Die Idee, ein völkerverbindendes, schwimmendes Festival auf die Beine zu stellen entstand vor ca. 10 bis 11 Jahren in Afrika am Tanganjikasee. Allerdings wollte und will ich das in Afrika nicht selbst tun, sondern möchte eine integrative Person, einen Künstler, der von dort stammt, dafür gewinnen. Es gibt solche Persönlichkeiten dort bestimmt, aber ich habe noch keine gefunden. Ich als Ausländer habe das nicht in Afrika zu machen, ich habe nur die Idee. Was Europa angeht, so kam mir die Idee auf der Donau. Hier besteht auch Bedarf an völkerverbindenden Aktionen, um Misstrauen und Vorurteile zwischen EU-Bürgern abzubauen, gerade in Bezug auf den Osten und die Osterweiterung. Am 5.7. werden Sie gemeinsam mit Xavier Naidoo in Offenbach auftreten. Auf Ihrer aktuellen CD S'Nix ist ein Lied, das Sie mit ihm zusammen geschrieben haben. Wie haben Sie ihn kennen gelernt und was hat Sie an der Zusammenarbeit gereizt? Ich habe Xavier Naidoo vor Jahren in Oberösterreich auf der Burg Klamm kennen gelernt und ihn damals spontan gefragt, ob er Lust dazu hat, mit mir zusammen etwas zu machen. Mir gefiel sein Umgang mit dem Publikum und die Stimmung, die er erzeugt hat. Als meine Europa-Tour-Idee langsam Form annahm, habe ich ihn wieder gefragt und er hat sofort zugesagt. Was das Lied auf meiner CD angeht, muß ich zugeben, dass wir aus Zeitgründen nicht gemeinsam im Studio waren. Er hat einen Teil gemacht und mir zugeschickt und ich habe meinen Teil dazu getan. Wir haben uns gegenseitig immer wieder die Aufnahmen zugesendet, bis es fertig war. Auf Ihrer Tour treten Sie mit den unterschiedlichsten Künstlern auf. Nach welchen Kriterien haben Sie diese ausgewählt? Einfach nach meinen persönlichen Neigungen, nach Gefühl und Situation. Gibt es einen Künstler, von dem Sie einen Korb bekommen haben? Ja, aber den Namen werde ich nicht verraten! (lacht) Ich hoffe nur, dass sich derjenige mittlerweile richtig ärgert! Sie sind in Ihrem Leben bereits sehr viel und weit gereist, haben jahrelang im Ausland gelebt. Was reizt Sie an Ihrer Europatour? Na ja, für mich ist Deutschland immer noch Ausland (lacht). Ich bin sehr gerne hier und fühle mich wohl, aber zu Hause ist es für mich nicht. Dazu müsste ich eine Weile hier leben, was ich mir auch durchaus vorstellen könnte. Europa ist einzigartig, es bietet eine große Vielfalt auf engem Raum. Das "Experiment Europa", wenn man es so nennen will, das finde ich spannend. Und hier kann ich gut musizieren. Ihre Musik wurde ungefragt im österreichischen Wahlkampf verwendet. Gegen diesen Missbrauch haben Sie sich gewehrt. Steht man, wenn man in deutscher/ österreichischer Sprache singt, automatisch unter Verdacht, nationalistisch eingestellt zu sein bzw. bestimmten Parteien nahe zu stehen? Nein, nur für ein paar Leute scheint das eine Art Gedankenreflex zu sein. Selbstverständlich kann man in deutscher Sprache singen. Noch extremer ist es mit der Tradition, die oft mit Nationalismus gleichgesetzt wird. Aber diese Gleichsetzung ist falsch und ich wehre mich dagegen. Ihr Engagement für Minderheiten zieht sich seit vielen Jahren als Konstante durch Ihr Leben. Woher das Interesse? Ich denke, das sollte ein gesunder Reflex bei jedem sein. Wenn man Schwäche und Not sieht, sollte man, wenn man selbst stark ist, nicht wegschauen, sondern helfen. Sie haben Südafrika nach einigen Jahren aus Enttäuschung über die Apartheid verlassen. Die Apartheid ist nun seit geraumer Zeit abgeschafft. Käme eine Rückkehr für Sie in Frage? Nein, denn damals war ich unabhängig. Heute habe ich hier meine Familie und meine Wirkungsstätte. Südafrika ist davon zu weit weg und ich habe kein Verlangen danach, dort zu leben. Sie engagieren und interessieren sich stark für Tibet. Wie kam der Kontakt mit dem Dalai Lama zustande? Der Kontakt kam über eine Exiltibeterin zustande. Im Zuge der Zusammenarbeit mit ihr bin ich immer mehr in das Thema hineingekommen. Irgendwann wollte ich selbst in das Land reisen und mich nicht weiterhin auf Informationen aus zweiter Hand verlassen. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie die Zustände dort sind. Schon vor dieser Reise habe ich den Dalai Lama getroffen und seitdem öfter. Was ich in Tibet vorgefunden habe, ist traurig. Dort herrscht Unfreiheit. So ungefähr stelle ich mir das Leben in der DDR oder unter dem Nationalsozialismus vor. Man hat dort weder Meinungs- noch Bewegungsfreiheit. Ein Beispiel? Tibet besteht aus mehreren Bezirken, und ein Tibeter darf nicht von einem Bezirk in den nächsten gehen. Es herrscht dort eine unterdrückte und bedrückte Atmosphäre. Es ist ein karges Land mit warmen, herzlichen Menschen, die viel lachen, wenn man sie mal für eine gewisse Zeit aus dieser Situation herausbekommt und ablenken kann. Wie kann Ihrer Meinung nach eine Lösung für den Konflikt mit China aussehen? Ich bin nicht der Meinung des Dalai Lama, der sagt, dass Tibet weiter zu China gehören soll und dass China den Tibetern nur etwas mehr Freiheit zugestehen sollte. Die Lösung kann für mich nur sein, dass China aus Tibet abzieht und die beiden Länder wieder voneinander getrennt werden. Tibet hat eine eigene Schrift und Kultur, die sich von der chinesischen stark unterscheidet. Ich finde es außerdem schade, dass diese Sache ein schlechtes Licht auf die Chinesen als Volk wirft. China sollte im eigenen Interesse diese Sache zu einer Lösung bringen. Denken Sie, dass Musiker oder Künstler im Allgemeinen politisch engagiert sein sollten und ihre Popularität einsetzen müssen? Man muß essen, nicht wahr? Aber nur, weil jeder essen muß und will, heißt das nicht, dass auch jeder kochen kann, auch wenn das besser und gesünder wäre. Grundsätzlich finde ich es richtig, dass es eine bestimmte Gruppe Menschen gibt, die sich um das Zusammenleben und alle Belange der Menschen kümmern, eben die Politiker. Es ist deren Aufgabe. Als normaler Mensch sollte man sich für Politik interessieren, aber man muß nicht.
HR3 7. Juli 2008
Ein Konzert, das denkwürdiger kaum sein könnte: Hubert von Goisern, Xavier Naidoo und eine Bühne, die mitten auf dem Main schwamm. Alles zusammen ergab einen unvergesslichen Abend.
Frankfurter Rundschau 1. Juli 2008 Alpenrocker Hubert von Goisern ist per Schiff auf
Konzert-Tournee Sie touren mit dem Schiff. Was halten die Nautiker, die mit Ihnen an Bord sind, von Ihnen, dem alpenländischen Musiker? Da kann man schon von gegenseitiger Befruchtung sprechen. Ich denke, die Nautiker an Bord - zwei mit Kapitänspatent, zwei Matrosen, ein Maschinist -, haben jetzt auch ein erweitertes Vokabular. Etwa, was Instrumente angeht. Die Gadulka zum Beispiel (eine bulgarische Kniegeige, d. Red.) kannte von denen keiner vorher. Dann kam Darinka Tsekova zu uns aufs Schiff, die das Instrument spielt, und blieb ein paar Wochen. Da wussten bald alle, dass sie die Gadulka spielt - und nicht irgendein seltsames Ding. Wie ist Ihre Schiffstournee bisher gelaufen? Nun, die erste Halbzeit war organisatorisch manchmal spannend. Der Abenteuer-Faktor war ganz schön hoch. Man darf die Natur nicht unterschätzen. Wir bewegen uns ja seit vorigem Jahr auf dem Schiff fast pausenlos in der freien Natur. Du hast an Bord natürlich deine Koje. Aber die ist derart klein, dass du dich dort eigentlich nur zum Schlafen aufhältst. Ansonsten bist du draußen unterm Himmel. Wenn das Wetter widrig ist, hast du teils mehr Abenteuer, als dir lieb ist. "Titanic"-Momente blieben Ihnen erspart? Zwei, drei böse Stürme hatten wir. Einmal sind wir mit zwei blauen Augen davongekommen. Wir hatten Sturmböen mit 120 Stundenkilometern, und das bei ausgefahrener Bühne auf dem Wasser: Die ist zwölf Meter hoch und bietet damit eine Riesen-Angriffsfläche. Wir hatten Hagel, das Schiff sah aus wie zugeschneit, uns hat es alles zerfetzt. Wer mit Computern arbeitet, kennt den Horror, wenn oben Wasser reinläuft und unten wieder rausläuft. Das ist uns eine Stunde vor dem ersten Konzert passiert. Reizen Sie solche Extremsituationen? Hm, ich denke, ich versuche bewusst in Situationen zu kommen, in denen mir das Scheitern bewusst wird - oder besser: die Möglichkeit des Scheiterns. So wie ich eigentlich auch gern durchs Leben gehe und mir die Möglichkeit des Todes vergegenwärtige. Um möglichst richtig umzugehen mit dem Geschenk, was wir bekommen haben: zu leben auf dieser Welt, die ich hauptsächlich schön finde und spannend. Die Möglichkeit zu scheitern, ist nun mal immer gegeben. Worin liegt für Sie die Faszination an Pionier-Projekten wie diesem? Der Grundgedanke ist für mich der der Begegnung, einander kennen zu lernen. Ich finde, das gelingt immer noch am besten, wenn man etwas gemeinsam macht. Nicht nur ein gemeinsames Fläschchen zu öffnen - sondern: Hand anlegen. Beispielsweise Musik zusammen zu machen. Da lernst du, dich zurückzunehmen und dem anderen Platz zu machen. Umgekehrt musst du den Mut haben, dich einzubringen. Beides ist gar nicht so einfach. Wenn du etwa ein Stück hast und denkst, es ist perfekt, und es kommt jemand dazu - und plötzlich musst du etwas weglassen. Umgekehrt: Wenn du dazukommst zu jemandem, der ein vollkommen rundes, schönes Werk mitbringt. Da hinein zu singen oder mit dem Instrument hinein zu spielen - in dem Moment ist klar, dass ich es ihm kaputt mache. Es entsteht was Neues. Aber zuerst muss ich etwas zerstören: Ich greife in sein Stück ein, es beginnt zu wackeln, dann fängt es sich wieder - und es wird was Neues draus. Das braucht Mut. Ist diese Feinmechanik eine Angelegenheit, die einem erst mit den Jahren klar wird? In meinem Fall war das sogar meine Ur-Intention: zumindest mal die Volksmusik zu zerstören. Die wollte ich zu meiner persönlichen Volksmusik machen, sie nicht denen überlassen, die da wohnen, wo ich auch zu Hause bin, und die sie entsprechend für sich beanspruchen. Ich wohne schließlich auch dort, das ist auch meine Musik! Also wollte ich da mal reinfahren, es auseinander sprengen und schauen, was passiert, wenn man die Teile neu zusammensetzt. Ulrike Rechel
Offenbach Post 7. Juli 2008 Hubert von Goisern und Xavier Naidoo am Offenbacher Hafenanleger
"Hubert, Hubert" riefen die Fans, als der wunderbare Konzertabend unter freiem Himmel am Offenbacher Mainufer zu Ende ging. Eine halbe Stunde zuvor hatte Xavier Naidoo seinen Gastgeber Hubert von Goisern in eine "Getränkepause" entlassen, bis zum finalen Abschied, so hätte man es zumindest erwartet. Doch der fiel aus. Goisern blieb hinter den Kulissen verschwunden, ohne sich von seinem Publikum zu verabschieden*. Sein Konzertpartner aus Mannheim erzählte etwas vom bevorstehenden Gewitter und sagte: "Wir denken an eure Sicherheit". Kurz darauf begannen Helfer die Instrumente von der Bühne zu schaffen. Aber Enttäuschung oder gar Verärgerung konnten sich nicht breit machen. Dazu waren die drei vorangegangenen Stunden viel zu schön und vor allem viel zu gelassen gewesen. Schiffsgast Xavier Naidoo eröffnete den Abend pünktlich mit Ich kenne nichts und anstelle von "das so schön ist wie du" singt er beim letzten Refrain "das so schön ist wie Offenbach hier am Ufer". Und er hatte Recht. Die Bedingungen konnten nicht besser sein: Temperatur, Atmosphäre, Stimmung und Sound - alles stimmte. Zum Auftakt präsentierte Naidoo auf dem zur Konzertbühne umgebauten Frachtschiff "Brandner IV" eigene Stücke und solche der Söhne Mannheims. Immer wieder lobte er Hubert von Goiserns Band, die "über Nacht" seine Stücke einstudiert habe. Für intensive Momente sorgte Darinka Tsekova an der Gadulka, einem überaus prägnanten bulgarischen Streichinstrument. Nach einer kurzen Pause wurde Hubert von Goisern mit großem Jubel empfangen. Zuschauer strömten von den Rängen vor die Bühne. "Griaß Eich", sprach er knapp ins Mikrofon, bevor ein treibendes Akkordeon-lastiges Instrumentalstück erklang. Der Sänger - neben dem Akkordeon spielte er Trompete sowie Gitarre und jodelte - präsentierte sich mit flatterndem roten Hemd über roter Hose. Als ob er damit eine Entspanntheit signalisieren wollte, die ihm im Bezug auf ein vereinigtes Europa so sehr am Herzen liegt. Überwiegend kamen an der Anlegestelle am Main Stücke des neuen Albums S'Nix zu Gehör, wie etwa der von Chill-out-Rhythmen getragene Regen, der zwischen Volksfest und Disco changierende Weltuntergang oder die sanftmütige Ballade Die Liab. Der experimentierfreudige Oberösterreicher schreibt Musik, die im Breitwandformat daherkommt und in die Tiefe geht. Komplexe Klangbilder mitunter, die der Fantasie Bergpanoramen eröffnen, obwohl weit und breit kein Berg zu sehen ist. Aus Tagen mit den Alpinkatzen spielte der gebürtige Bad Goiserner das elegische Heast as net und Weit weit weg. Das Publikum stimmt unaufgefordert ein. Auf Hiatamadl, das ihm 1992 den Durchbruch bescherte, verzichte er, bevorzugte eine Mundart-Interpretation von Janis Joplins Mercedes Benz. Xavier Naidoo betrat zum gemeinsam produzierten Siagst as noch einmal die Bühne, übernahm für eine weitere halbe Stunde, um mit einer improvisierten "Offenbach Jam" den Abend zu beschließen. Anke Steinfadt * Anmerkung der HvG-Redaktion: Leider musste Hubert von Goisern seinen Auftritt wegen Erkrankung verkürzen.
DPA 6. Juli 2008
Erfolgreiches Popkonzert an einem ungewohnten Ort: Die Musiker Hubert von Goisern (55) und Xavier Naidoo (36) haben am Samstagabend in Offenbach auf einem Main-Frachtschiff gespielt. Mehrere tausend Zuschauer jubelten ihnen vom Ufer aus zu. Der Österreicher von Goisern ist mit dem Schiff bereits seit dem vergangenen Jahr auf europäischen Flüssen unterwegs. Er lädt zu den Konzerten jeweils andere Musiker ein. Der als Autonarr bekannte Naidoo zeigte sich angetan von der ruhigen Atmosphäre auf dem Schiff. Von seiner Heimatstadt Mannheim aus könne er sogar auf zwei Flüssen aufbrechen, meinte der Soulsänger.
Frankfurter Rundschau 7. Juli 2008 Hubert von Goisern mit seinem Musikkahn Ein Schiff wird kommen, liebe Karlsruher, Kölner, Amsterdamer, liebe Nordsee. Bei uns in Offenbach und in Mainz war es am Wochenende schon mit seiner Musik. Freut Euch - das macht Spaß und verdirbt nicht den Appetit. Schon voriges Jahr startete der Österreicher Hubert von Goisern als Botschafter der Stadt Linz, Kulturhauptstadt Europas 2009, seine Tour über osteuropäische Flüsse. Nun schippert er gen Westen und bringt gern einmal regionaltypische Künstler mit. Im Offenbacher Mainhafen ist es Xavier Naidoo. Und während Schwäne und Gänse schreihalsig Klage führen, weil sie ihre Stammplätze dem 140-Meter-Musikkahn samt Bühne mit allem Pipapo überlassen müssen, rät Naidoo: "Offenbach, kümmer Dich um Dein Leben, und dann kümmer Dich um uns." Sympathischer Auftritt des jungen Mannes. Allerdings behauptet er immer noch: "Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen." Jeder weiß, dass das schon bei der WM 2006 nicht geklappt hat, als es Fußballfans zwischen Passau und Pinneberg sangen, bei der EM nun wieder nicht, und auch wenn jetzt der Österreicher höchstpersönlich mit dem Schiff herüberkommt - nein, wir haben es alleine nicht geschafft und auch nicht 'zamm. Krachlederne mit Wurstbemmen schlendern übers Offenbacher Mainufer, Frauen mit "Betty-Ford-Clinic"-T-Shirts (die kalifornische Anstalt, in der US-Stars ihre Drogenpause nehmen). Dann Hubert von Goisern kurz und trocken: "Griaß Eich!" Spielt auf der Ziehharmonika Solide Alm, während die Bandkollegen das Bühnenschiff betreten, Bassist und Gitarrist im Schottenrock, und es krachen lassen. Ja, Servus. Das ist genau die Musik, mit der Hubert Achleitner, geboren in Bad Goisern, Oberösterreich, internationale Aufmerksamkeit errang. Der Alpenrock – seine Erfindung. Herkömmliche Volksmusik-Instrumente, Trachtentextilien, Jodelei gar, und dazu ein Rockbrett, ein derbes. In Offenbach am Main hat die Combo mit just dieser Musik ihre stärksten Momente, da zuckt es durch die tausendköpfige Menge am Ufer. Mei, aber der Hubert von Goisern ist nun auch fast 56, und das Wort vom Alpenrock hört er nicht mehr so gern. Den hat er mit seiner Band Alpinkatzen gespielt, damals. Heutzutage geht es bei ihm etwas weniger alpin zu. Und ruhiger. Wenn nicht unbedingt auf seiner neuen Platte S'Nix, so doch live in Offenbach. Zwei Bäume am Ufer vor der Schiffsbühne schlagen Schneisen
ins Publikum. "San hinterm Baum eh koa?", fragt der Mann am
Mikro. Naa, da sieht ma nix. So paradox es für einen Musiker klingen
mag: Es ist nicht notwendig, Hubert von Goisern wegen seiner Musik zu
verehren. Man kommt gar nicht drum herum, den Hut vor ihm zu ziehen,
ob Gamsbart oder Batschkapp, wenn man sieht, was er so hinter sich hat.
Erst darf er wegen der Kurgäste nicht laut Gitarre spielen in Bad
Goisern (1965), dann wird er dort Ehrenbürger und Hubert von Goisern ist von unermüdlicher Offenheit. Das steckt alles drin in seiner Musik und seiner Band, und das hört man auch heraus, nicht nur, wenn etwa Darinka Tsekowa die Gadulka spielt, ein bulgarisches Streichinstrument, zum Weinen schön. Boote fahren vorbei, halten an, die Leute in den Häusern am Mainufer stecken die Köpfe aus den Fenstern. Hubert von Goisern möchte vom Herrgott einen Mercedes Benz, wie ihn schon andere Künstler von ihm wollten. Aber wie er über "die Liab" singt und dass sie weit, weit weg ist - Mann, klingt das echt. Thomas Stillbauer
Offenbach 6. Juli 2008
Es war die gewünschte laue Sommernacht. Das Mainufer war eine großartige Kulisse. Die schwimmende Bühne auf dem siebzig Meter langen Frachter übertraf die Erwartungen. Zutaten für ein großartiges Konzert mit Hubert von Goisern, Xavier Naidoo und seine Söhne Mannheims am Samstagabend in Offenbach. Beide Künstler präsentierten sich spielfreudig, alleine und gemeinsam. Alte Titele wie Weit, weit weg, neue Stücke aus dem Repertoire der Weltkulturen wechselten und die rund 3.000 Zuschauer dankten für einen gelungenen Abend in der Konzertarena, aber auch davor. Vom Maindamm verfolgten viele Menschen durch Gucklöcher, quasi wie in der Peep-Show das Konzert. Der Alpenrocker von Goisern tourt seit einem Jahr als Botschafter der Kulturhauptstadt 2009 Linz mit der MS Wallsee vom Schwarzen Meer zur Nordsee. Rund 80.000 Menschen erlebten bislang seine Konzerte, die immer von heimischen Ensembles begleitet wurden. Mit ihnen probt der Künstler das gemeinsame Programm, während sein Boot im Fußgängertempo über Donau, Main und Rhein gleitet. Xavier Nadoo kam mit Musikern der Söhne Mannheims in Nürnberg an Bord. Zwei Tage Zeit um zwischen den Schleusen des Rhein-Main-Donau-Kanals um das gemeinsame Repertoire zu proben. Eine fünfzigköpfige Crew begleitet den Künstler auf seiner Flussreise. "Es hat viel Energie und Zeit gekostet, aber es hat sich ausgezahlt. Es hat geklappt, neue Brücken zu schlagen, mit der Musik Menschen zu berühren und uns gegenseitig ein bissl kennenzulernen", so Goisern.
Schweitzer 8. Juli 2008
Donau Kurier 4. Juli 2008
Perfekter Einstand für den Nürnberger
Hafen als Konzertarena: Bei zwei fulminanten Konzerten haben Hubert von
Goisern und Konstantin Wecker am Dienstag und am Mittwoch über 6000
Zuschauer begeistert. Es ist ja manchmal so, dass das, was man ganz einfach bekommt, weniger Achtung genießt als das, was nur unter Schwierigkeiten zustande gekommen ist. So war der Dienstag ein wunderschöner Sommertag, der abends nur langsam abkühlte. Ideal für ein lauschiges Konzert. Anders am Mittwoch. Drei Stunden lang tobt vor Konzertbeginn ein Gewitter über Nürnberg. Wassermassen ergießen sich, die Polizei sperrt wegen der Blitze die Tribüne, alles hängt am seidenen Faden. Umso größer ist die Begeisterung, als Wecker um 20 Uhr verkündet, dass man es nun doch versuchen werde und das Bühnendach hochfahre. "In 30 Minuten fangen wir an." Das Konzert im Nürnberger Hafen ist Teil eines Projekts für die Kulturhauptstadt Linz 2009. Dabei schippert Hubert von Goisern mit der 77 Meter langen Barge Brandner IV, die gleichzeitig Bühne ist, quer durch Europa. Begonnen hat es 2007 in Osteuropa, nun ist der Westen an der Reihe, Ziel ist 2009 Linz. "Die Musik war schon immer ein einendes Element, das keine Grenzen kennt", sagt von Goisern. In diesem Projekt werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten einer Musik erforscht und vorgeführt, die die europäische Kultur begründet hat. Bevor es am Mittwoch dann anfängt, bäumt sich der Himmel zwar noch ein paar Mal auf, doch am Ende siegt die bayerisch-kärntnerische Sturheit. Ein glänzend gelaunter Wecker legt passend mit Wenn der Sommer nicht mehr weit ist los und dieser scheint plötzlich wirklich nicht mehr weit. Der Münchner hat seinen kongenialen fränkischen Partner Jo Barnickel mitgebracht, beide haben keinerlei Mühe mit der spielfreudigen Goisernband Weckerklassikern wie Wieder dahoam oder Anna einen neuen Kick zu geben. Selten hat man Lang mi ned o so funky gehört. Auch aus dem neuen Projekt Gut'n Morgen Herr Fischer gab es Kostproben. Neben dem Titellied ein wunderbares altes Münchner Lied über die Zustände im Gefängnis. Mit seiner eigenen Geschichte kokettierend schrieb Wecker es auf Stadelheim um. Charmant. Eigentlich hat sich der Abend jetzt schon gelohnt, aber nun brennt Hubert von Goisern mit Gitarrist Severin Trogbacher, Bassist Helmut Schartmüller, Keyboarder David Lackner, Drummer Alex Pohn und den drei bezaubernden Frauen, Elisabeth und Marlene Schuen sowie Maria Moling (Gesang, Violine, Percussion) ein Feuerwerk ab. Kleine Lärm-Symphonien, die sich aus dem ganzen Spektrum der Musik bedienen. Mal ist es bombastischer Progrock, mal ist es Fusion, dann wieder ein wenig HipHop, natürlich Blues und Rock, aber ebenso auch Funk und es fügt sich alles zu einem großen Ganzen. Damit die Mischung nicht zu arg abhebt, baut von Goisern immer wieder alpenländische Elemente, aber auch Weltmusik ein. Leider ist mit Darinka Tsekova nur eine Gastmusikerin dabei, ihr unprätentiöses Spiel an der Gadulka mit den für uns so fremden Melodien lässt den Goisernexpress noch ein bisschen mehr Fahrt aufnehmen. Seinen ebenso konsequenten wie logischen Abschluss findet der Abend in einer vor Kraft nur so strotzenden Version von Heast as nit, bei der auch Konstantin Wecker wieder mit auf der Bühne ist. Ein kleines Duett am Klavier ist die letzte Zugabe, um 23 Uhr muss leider der Vorhang fallen, auch im unbewohnten Hafen mit der Autobahn in Rufweite. "Chapeau", sagt von Goisern dem Publikum, weil
alle trotz des Regens ausgeharrt haben. "Chapeau", sagt das
Publikum für ein fantastisches Konzert.
Nürnberger Nachrichten 2. Juli 2008
Gemeinsamer Auftritt mit Konstantin Wecker auf einem Konzertschiff Nürnberg liegt bekanntlich nicht am Meer, dafür hat die Stadt aber einen Hafen. Diese Tatsache nutzte der österreichische Weltmusiker Hubert von Goisern und legte im Rahmen seiner Linz Europatour 2007-2009 mit seinem Konzertschiff am Ufer des Kanals an. Mit an Bord: Konstantin Wecker. Alles fließt: Das gilt fürs Wasser ebenso wie für die Musik des Hubert von Goisern. Als Alpenrocker mit dem krachledernen Hit Koa Hiatamadl eroberte er Anfang der 90er Jahre die Herzen seiner Fans. Und nun? Gerockt wird immer noch, wenn auch etwas leiser. Und das Hiatamadl wird nicht mehr zwingend gespielt. Den größten Erfolg nicht zu bringen, das traut sich auch nicht jeder Musiker. Doch der 55-Jährige lässt sich von einer buddhistischen Gelassenheit treiben, trägt längst nicht mehr Tracht, sondern bequeme weite Baumwollkleidung und kam vor einigen Jahren auf die wahnwitzige Idee, mit einem Verband aus drei Schiffen über die Donau zu schippern, um gemeinsam mit den Menschen im Osteuropa die kulturelle Vielfalt zu zelebrieren. Finanziell endete die Aktion beinahe im Desaster. Jetzt muss das Fazit aber lauten: Havarie abgewendet.
Den Auftakt auf der 77 Meter langen Barge, einem zur Bühne samt Videoleinwänden umgebauten alten, bunt und mit Noten bemalten Frachter, macht Konstantin Wecker. Gemeinsam mit dem Nürnberger Pianisten Jo Barnikel ("Der beste Musiker, mit dem ich je gespielt hab'") bricht er zu einem einstündigen, launigen Rundgang durch seine Karriere auf. Und dann trifft Ziehharmonika auf E-Gitarre: Hubert von Goisern ruft gemeinsam mit seiner tollen jungen Band die "Showtime" aus, ein Stück von seinem letzten Album S'Nix. Was folgt, ist dann eher getragen von der schon erwähnten Gelassenheit. Chillig geht es zu, würde man wohl neudeutsch sagen. Es passt aber auch alles: Das ideale Wetter, die Hafenkulisse, der Sound; auch die zahlreich erschienenen kleinen Mücken, Käfer und Spinnen scheinen vor Freude zu tanzen. Angst in Ost und West Der Meister bewegt sich eher langsam und spricht nicht viel, aber was er sagt, das sitzt. Kleinster gemeinsamer Nenner der Menschen im Westen und der in Osteuropa sei die Angst: "Wir hier denken, die nehmen uns den Wohlstand weg. Und die denken, wir rauben ihnen noch das letzte Hemd." Das macht ihn aus, den Goisern: Er hat eine Mission, aber er ist nicht missionarisch und lässt auch nicht den Gutmenschen raushängen. Mit dem traumhaft schönen Heast as nit entlassen Goisern, Wecker, Barnikel und all die anderen Musiker das Publikum in die Nacht. Richtig nett wär's , wenn er das Konzertschiff einfach hierlassen würde. Als neue Open-Air-Stätte wäre der Hafen wirklich famos. Text: Susanne Helmer
Musik Kulturclub Lembach 3. Juli 2008
ZDF 3. Juli 2008
Nürnberger Zeitung 3. Juli 2008 Hubert von Goisern im Nürnberger Hafen
An der Schiffsanlegestelle im Nürnberger Hafen kommen vorzugsweise amerikanische Touristen ans fränkische Festland, um sich an einem Vormittag die Sehenswürdigkeiten Nürnbergs zu Gemüte zu führen. Für zwei Tage verwandelte sich dieser eher triste Platz nun in eine außergewöhnliche Konzertbühne: Hubert von Goisern, der zur Zeit als Kulturbotschafter der Stadt Linz kreuz und quer durch Europa schippert, hat hier mit der "Brandner IV" festgemacht, um seinen Alpenrock unters Volk zu bringen. Weil so etwas mit guten Freunden noch viel mehr Spaß macht, verstärkte beim Nürnberger Gastspiel Konstantin Wecker das maritime Hörvergnügen. Ein Schiff als Konzertbühne? Gar keine schlechte Idee, auch wenn der Fußmarsch vom Parkplatz lang und beschwerlich ist und sich am Einlass eine nervig lange Schlange bildet. Doch angesichts der außergewöhnlichen Atmosphäre nimmt man solch Unbill gerne in Kauf. "Ich singe, weil ich ein Lied hab'", verkündet Wecker gleich einmal seine Marschrichtung und verspricht einen "Querschnitt aus 40 Jahren Bühnenschaffen". Um seiner Rolle als "Lokalmatador" besser gerecht zu werden, hat er seinen langjährigen musikalischen Partner Jo Barnikel mitgebracht, den er dann gleich auch als "Frankens tollsten Schatz" anpreist. Gewürzt mit einer Prise Jazz, hört man sich die alten Lieder wie Genug ist nicht genug oder Wenn der Sommer nicht mehr weit ist gerne an. Nach einigen Songs hilft auch Hubert von Goiserns Band kräftig mit und macht aus Lang mi ned o einen echten Rock'n'Roll-Kracher. Damit zeigen sie schon, wo es an diesem Abend hingehen soll: Statt eines traditionsverbundenen Hubert von Goisern mit vielen Jodlern und Knopfharmonika, erleben wir den Alpenrocker Hubert von G., der seinen Ethnopop diesmal vor allem mit Funk, Soul und einer Prise Reggae abgeschmeckt hat. Rock am Hafen also, was Bassist Helmuth Schartlmüller und Gitarrist Severin Trogbacher optisch mit dem Tragen von Schottenröcken unterstreichen.
Viele Songs stammen aus dem aktuellen Album S'Nix, bei dem ebenfalls eine härtere Gangart im Vergleich zu den älteren Scheiben dominiert. Die Songs sind bereits auf dem Schiff entstanden, hat Hubert von Goisern einmal in einem Interview erklärt, und deshalb auch von großen musikalischen Gesten geprägt. Kein Vergleich zu den fast schon esoterischen Trad-Alben, die in der Stille eines leerstehenden Berghotels 2100 Metern über dem Meeresspiegel aufgenommen wurden. A propos Stille: An diesem Abend steht eindeutig die Musik im Mittelpunkt, der sonst so redselige "Goiserer" gibt sich fast schon wortkarg. "Je weniger ich rede, desto mehr können wir spielen", lautet sein Motto. Immerhin erzählt er aber doch noch, wie er die osteuropäischen Regionen seiner Schiffstour mit dem Auto abgeklappert hat und dabei auf die interessante Erkenntnis stieß, dass der gemeinsame Nenner aller Europäer in der gegenseitigen Angst voreinander besteht. Deshalb sei es auch sein Anliegen, den anderen zu zeigen, dass die meisten Leute doch "ziemlich harmlos" sind (Diese beiden Worte stehen übrigens auch als einziger Eintrag über die Menschheit im Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis"). Alle Musiker dieses Abends aufzuzählen, ist schier unmöglich, aber wie bei so gut wie jeder Tour gelingt es dem "Chef", eine sowohl hochkarätige wie auch extrem spielfreudige Truppe zusammenzustellen. Den Aufmerksamkeitsbonus verdiente sich auf jeden Fall die zierliche Darinka Tsekova auf der Gadulka, einem sehr prägnanten osteuropäischen Streichinstrument. Fazit dieses Konzerts an der "Waterkant": Junge, komm bald wieder! Text: Clemens Helldörfer
4. Juli 2008
Fotos © Elli Christl | Klick zum Vergrößern
Donau Kurier 30. Juni 2008 Über 2000 Besucher erlebten Konzert vor toller
Kulisse an der Donau in Deggendorf
Deggendorf. (jr) Um es gleich vorweg zu nehmen: Wohl der beste Hubert von Goisern, den es ja gab, trat am Samstagabend in Deggendorf auf. Instrumentalisch und musikalisch zwischen allen Musikstilen und dazu mit gewohnt hoher textlicher Qualität im Alpenrock verwurzelt, so präsentierte er sich an der Donau-Ufer-Promenade. Es war ein bewegendes und begeisterndes Konzert in vielerlei Hinsicht. Eigentlich sollte das Schiff, auf dem sich die Bühne und der Wohntrakt befinden, nachmittags um 16 Uhr anlegen, der Konzertbeginn war für 20 Uhr geplant. Das Schiff wurde bei der Anreise in Passau aufgehalten – "durch Ämterwirrwarr", wie das Management bekannt gab. Doch durch diese Verzögerung erlebten die Besucher hautnah, wie aus einem Schiff eine tolle Konzertbühne wird. So wurde dies ungewollt ein Teil der Show. Um kurz vor halb zehn Uhr, als die Sonne gerade am Horizont verschwand, kam der österreichische Ausnahmemusiker aus dem Salzkammergut auf die Bühne. Schon sein Outfit, er war ganz in rot gekleidet, deutete auf einen "neuen" Alpenrocker hin. Er sprach kaum etwas an diesem Abend, ließ seine Musik sprechen – und wie. Nach einem kurzen "Griaß Eich" hängte er sich sein Akkordeon um, und mit Alm begann ein fabelhaftes Konzert. Was dann folgte, war ein Querschnitt durch sein neues Album S'Nix, und mit brachialer Stimme erklärte er gleich, was die Zuschauer erwarten durften: "Für Showtime gibt's ka deitsches Wort." Und so folgte dem Showtime mit Herschaun ein musikalisch sehr vielfältiger Song. Hier rappte und jodelte Goisern und wurde von Geigen begleitet. Nach dem Weltuntergang, einer schönen Ballade, folgte die Goisern-Fassung von Mercedes Benz. Mit Siagst das überzeugte seine gesangliche Interpretation und man fühlte ein leichtes Schweben in sich. Bei allen Stücken, wie auch bei Die Liab oder Auseinandertreiben, brillierte Hubert von Goisern nicht nur mit der "Ziachn" und Gitarre, sondern auch mit seinem hervorragenden Trompetenspiel. Hier zeigte sich seine Virtuosität. Stilrichtungen vermischt Dazu kam eine Band, die mit ihrem "Chef" viele Stilrichtungen gekonnt vermischte. Ob Jazz, Reggae oder Blues – sie waren immer eine Ohrenweide. Nicht zu vergessen sind seine Backgroundsängerinnen, die voll und ganz zur herausragenden Stimme des Ausnahmemusikers passten. Als Hubert von Goisern zum Ende des Abends dann einige Klassiker anstimmte, war es um das Publikum geschehen. Ob bei Strassen oder dem Landlertanz, mitsingen und mitswingen war angesagt. Eine lange Version von Poika brachte die Stimmung auf den Höhepunkt und die Musiker dazu. Bei diesem letzten Stück zeigten der "Chef-Alpenrocker" und seine Begleitmusiker nochmals ihr ganzes Können. Doch so konnte sich der Weltmusiker nicht verabschieden: Nach minutenlangem Applaus und Zugaberufen betrat er nochmals die Bühne. Schon bei den ersten Klängen von Weit weit weg sangen seine Fans lauthals mit und jeder bewegte sich im Rhythmus. Den absoluten Höhepunkt und Glanzpunkt eines unvergesslichen Abends setzte der "Goiserer" mit Heast as nit. Das Publikum war begeistert von der stimmlichen und musikalischen Virtuosität des Hubert von Goisern.
Salzburger Nachrichten 1. Juli 2008 Körperlich angeschlagen eröffnete Hubert
von Goisern den zweiten Teil seiner dreijährigen LinzEuropaTour
Das Ende der Welt kann überall sein. Meist definiert sich das "Ende" im Zusammenhang mit Geografie über die Schwierigkeit der Erreichbarkeit. Südsahara, Kapverdische Inseln oder Berggipfel liegen in der Wertung weit vorn. Aber auch im Mühlviertel drängen sich Orte in letzte Winkel. Obermühl zum Beispiel. Eingezwängt sind ein paar Dutzend Häuser zwischen steil abfallenden Uferhängen und der Donau. Nur über eine enge Straße vom Norden oder eine kleine Fähre aus dem Süden lässt sich die Idylle an der Mündung der Kleinen Mühl erreichen. "Mit dem Rad, den Inline-Skates oder zu Fuß" - so beschreibt eine Tourismus-Homepage die besten Fortbewegungsarten in der Region. Mehr als Ruhe und Idylle ist hier nicht. Ein Ort - wie gemacht für Hubert von Goisern. An der Mündung der Mühl liegt jener Schiffsverband, mit dem er schon im vergangenen Jahr auf der Donau unterwegs war, um Konzerte zu spielen. Am Wochenende startete in Obermühl der zweite Teil seiner LinzEuropaTour. Zurückhaltend musste er es vor rund 2000 Besuchern angehen. Eine Verkühlung hatte ihn vor Tourbeginn außer Gefecht gesetzt. Das Konzert entpuppte sich so als Kraftakt, bei dem balanciert wird zwischen der problematischen körperlichen Verfassung und dem Willen, das Beste aus dem Moment zu machen. Die angeschlagene Stimme wankte bedrohlich nahe am Abgrund, aber sie stürzte nie. Gerade aus dieser Notsituation entstanden an diesem Abend eindringlich emotionale Augenblicke. Die Stimme wirkte zerbrechlich, eignete sich an diesem Tag nicht für mitreißende Animation. Stattdessen wurden in leisen Songs wie Die Liab, im bluesigen Mercedes Benz oder im Jodel Kohler Nuancen spürbar, die sonst bisweilen unter der präzisen Wucht, mit der sich seine aktuelle Band in die Songs schmeißt, unterzugehen drohen. Das Kämpfen gegen widrige Umstände erfolgte in Obermühl mit höchster Konzentration auf eine Essenz des Goisernschen Schaffens, die sonst gern vernachlässigt wird, sich aber spätestens seit den Aufnahmen traditioneller Volkslieder (Trad, 2001, und Trad II, 2003) zu einem bedeutenden Instrument entwickelt hat: seine Stimme. Beinahe als Gegenpol zu einer geradlinigen, präzisen und schnörkellosen Band (Maria Moling, Marlene und Elisabeth Schuen, Darinka Tsekova, Severin Trogbacher, Helmut Schartlmüller, Alex Pohn, David Lackner) emanzipiert sich die Stimme vor allem auf den Songs vom neuen Album S'Nix von ihrer Rolle als reiner Geschichtenerzähler. Sie dringt tief vor in jeden Vers, versteckt in ihren Abgründen Geschichten, die die Worte allein nicht erzählen können, kostet jeden Spielraum (vor allem auf den episch breiten, neuen Songs) aus. In Obermühl sind es aber vor allem die Zugabe-Balladen Weit, weit weg und Heast As Nit, in denen die Stimme, die Idylle des Ortes mit der Sehnsucht der Lieder zu einer Einheit verschmilzt. Die Abgeschiedenheit des Ortes erinnerte dabei an manchen Auftritt im vergangenen Jahr - etwa die kitschig-schöne Stimmung beim Konzert im ukrainischen Dorf Vilkovo im Donaudelta. Mit aller Kraft und viel Gefühl wurde damals - ähnlich wie in Obermühl - Neuland erobert. Das wird heuer nur selten der Fall sein. Bis Anfang September geht es auf Donau, Rhein, Main und Neckar zum größten Teil durch Regionen, in denen Hubert von Goisern seit Jahren für ein großes, treues Publikum spielt. Die Umstände allerdings bleiben auch in diesem Jahr außergewöhnlich: Nicht in den bestens bekannten Hallen wird gespielt, sondern in den Häfen wird festgemacht. Und dennoch bilden die Flüsse auf dieser Seite Europas nicht jene verschlungenen Pfade, die es im Vorjahr zu erforschen galt. Heuer geht es auf Fluss-Autobahnen dahin. Obermühl am südlichen Ende der Schlögener Schlinge war der einzige Ort, der auf dieser Tournee das Ende der Welt bedeutete. Bernhard Flieher
Linz 09 30. Juni 2008
OÖN 30.
Juni 2008
Obermühl, Donauufer, Freitagabend: 2000 Menschen warten auf Hubert von Goisern, der mit der "Brandner IV" anlegt, um ein Konzert zu spielen. Nur ein Mal macht er auf seiner linzeuropatour, die ihn bis nach Rotterdam führen wird, in Österreich fest. "Der Hubert ist einfach so relaxt. Deshalb sind wir hier", sagen vier Jungendliche, die auf einer Campingdecke die Vorband Stelzhammer genießen. Stress gibt es wahrlich keinen. Die Besucher haben es sich im Kollektiv auf der Liegewiese gemütlich gemacht. Endlich betritt Hubert die Bühne. Was hat dieser Mann, dass er Schüler wie Pensionisten bereits beim ersten Lied zum Toben bringt? Es ist wahrscheinlich sein rauer Charme. "Fesch, dass ihr a do seits und net nur mia", begrüßt er. Zwei Stunden rockt er. Viele neue Songs lassen einen weltbereisten Einschlag spüren. Jung springt und singt dazu, Alt schwingt und summt, alle sind mit Herz dabei. So schnell wie er gekommen ist, macht er sich wieder aus dem Staub. Nach den Zugaben - Weit weit weg und Hearst das net - zum Mitfühlen und Mitweinen, ist die Brandner IV abfahrbereit. Die begeisterten Konzertgeher jedoch bleiben noch bis in die frühen Morgen. eva
Main Netz 26. Juni 2008 Der österreichische Sänger Hubert von Goisern
kommt mit dem Schiff nach Lohr und nach Offenbach Eine Tournee quer durch Europa mit dem Schiff: Seit dem vergangenen Jahr ist der österreichische Musiker Hubert von Goisern auf der Donau unterwegs und gibt in Häfen und Anlegestellen Konzerte. Nun kommt er mit der MS Wallsee auch auf Rhein und Main. Dabei macht er in Offenbach am 5. Juli (mit Xavier Naidoo) und in Lohr am Main am 24. August Station. Mit Hubert von Goisern sprach Stefan Reis. Man kennt Sie als und nennt Sie einen "Weltmusiker". Ihr neues Album S'Nix klingt allerdings phasenweise wie Hard-Rock. Diesem Eindruck kann ich nicht widersprechen. Es ist schon richtig, dass S'Nix anders als die vorherigen Produktionen klingt: Da habe ich mich sehr stark mit Volksmusik beschäftigt, verstand mich eher als Arrangeur des Volkslieds. S'Nix mag da wie ein Schock auf den Zuhörer wirken - aber in meinem Schaffen ist das eine logische Entwicklung. Mögen Sie die Zuschreibung "Alpenrock"? Auf mich direkt bezogen, würde ich damit meine Zeit mit den Alpinkatzen bezeichnen. Jetzt gilt diese Zuschreibung sicher nicht mehr. Am liebsten ist mir - wenn schon Kategorisierung - eigentlich die Bezeichnung "Popmusik": allerdings nicht die kuschelweiche und glattpolierte Abteilung, eher das griffige Segment. Ich denke, damit ist mein momentanes Lebensgefühl auch sehr gut beschrieben: So bin ich ins Studio, so ist das Album - aus dem Nichts entwickelt. S'Nix hat als Titel oder Motto einen etwas resignativen Unterton? Nein, so ist das nicht gedacht - im Gegenteil: Da, wo nichts ist, da beginnt ja das Leben. Da kann ich meine Phantasie spielen lassen: Insofern ist die Leere an sich gut, weil sie positiv besetzt werden kann. Eine negative Assoziation ist mir da wirklich fremd. Richtig ist tatsächlich, dass es vor der Veröffentlichung des Albums mahnende Worte gab, dass der Titel falsch verstanden werden könnte. Aber für mich ist er stimmig - und was andere denken, ist mir wurscht. Nein, resignativ ist die Musik auf dem Album wirklich nicht. Sie basiert ja auf dem Linz-Projekt, das ein gemeinsames Leben auf dem Schiff bedingt und das die epische Kraft des Flusses dokumentiert. Da brauchst du robuste Leute, die auch robuste, eine druckvolle Musik zu machen verstehen: Bei unseren Open-Air-Konzerten können wir nicht die kammermusikalische Pinzette auspacken, weil zwischen uns Musikern und dem Publikum oft genug eine räumliche Distanz ist. Da müssen wir einfach auch laut sein - und das wollen wir auch. Bei Ihrem Konzert in Offenbach ist Xavier Naidoo zu Gast, der ein Lied - Siagst As - auf S'Nix mitsingt: Wie kam es zu dieser Konstellation Mannheim - Österreich? Wir wollen bei diesem Auftritt nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen, wir wollen da durchaus Unterschiede in unseren Ausdrucksweisen präsentieren: Das erzeugt ja eine gute Spannung. Naidoo habe ich bei einem seiner Konzerte in Österreich kennen gelernt: Er ist ein großartiger Sänger und hat seine eigene Identität. Deshalb habe ich ihn angesprochen und er fand die Idee sofort nachvollziehbar. Für die Linz Europa Tour treten Sie gerne mit Musikern der jeweiligen Regionen auf. Wer wird in Lohr dabei sein? In Lohr gibt es keinen Partner - aber das ist für uns Musiker auch eine schöne Situation, weil wir hier das Konzert alleine und in Gänze ausleben können: Wir spielen ja drei Stunden - was sich bei Gästen dann natürlich auf jeweils anderthalb Stunden reduziert. So entfalten wir in Lohr den ganzen Zauber unserer Musik. Sie haben vor einigen Jahren mit Trad eine Sammlung österreichischer Volkslieder veröffentlicht - ein Phänomen, das bei etlichen etablierten Vertretern der Rock-Musik zu beobachten ist: Was fasziniert an dieser traditionellen Musik? Wir schöpfen ja alle aus irgendwelchen Quellen: Da liegt es nahe, sich mit diesen Quellen auch zu beschäftigen. Mit zunehmender Reife fällt einem das auch leichter. Allerdings: Für volkstümliche Musik, wie sie teilweise heute verkauft wird, interessiere ich mich nicht. Mir geht es um die Volksmusik, mit der ich aufgewachsen bin. Natürlich habe ich die als Jugendlicher abgelehnt - aber Ablehnung zeigt ja auch eine Form der Beziehung. Als erwachsener Mensch, ist es für mich ein Segen, mit dem musikalischen ABC der Volksmusik aufgewachsen zu sein.
29. Juni 2008
Fotos © Elli Christl | Klick zum Vergrößern |
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