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Botschafter für Kulturhauptstadt

Kronen Zeitung September 2007

Von Goisern zurück!

Hubert von Goisern
Foto: Chris Koller

Mit 27 Konzerten von Regensburg bis zum Schwarzen Meer rührte Hubert von Goisern die Werbetrommel für die Kulturhauptstadt '09. Am Samstag ertönte das abschließende Konzert dieser (Ost-)Europatournee auf der Linzer Donaulände: spätsommerlich harmonische Stimmung zwischen Sprungschanznmusi und Jazztönen.

Den Beginn machte die Ischler Hohtraxlecker Sprungschanznmusi; traditionelle Volksmusik mit dreistimmigem Männergesang. Ganz anders der "Turbo-Folk" des montenegrinischen Sängers "Rambo Amadeus", der seinen Crossover vom Rap bis zur Oper auch als Heilmittel für politische Miseren versteht.

Voller Ungeduld erwartete das Publikum, durch Chöre unterstützt, die Volksmusik-Rock-Combo. Nur mit einer Ziehharmonika betrat Hubert von Goisern schließlich die Bühne, um das erste Lied anzustimmen. Nacheinander folgten die Musiker. Gerade der multikulturelle Mix seiner Band macht die besondere Qualität des Volksbarden aus. Egal, welchen Stil er mit seinen virtuosen Musikern spielt, das alles ist Musikgenuss!

"Fürchtet euch nicht!"

OÖN 5. September 2007

Von Goisern bilanzierte mit Heller

Geplant war ein Bilanzgespräch von Hubert von Goisern mit Linz-'09-Intendant Martin Heller anlässlich des ersten Teils der Linz Europa Tour des Musikers. Geworden ist es ein mitreißender Erlebnis- und Stimmungsbericht, der das Auditorium am Montag im Linzer Lentos zum Staunen und oft auch zum Lachen brachte.

Hubert von Goisern erinnert sich, wie das Konzertschiff stromaufwärts von einer alten Dame auf einem Waffenrad überholt wurde und kommentiert trocken: "Soll fahren, wenn sie's drawig hat." Als größten Luxus der Reise beschrieb der Weltenbummler nämlich die Langsamkeit der Donau. Mit festem Boden unter den Füßen dauere es seine Zeit, bis man sich wieder an das Leben an Land gewöhne.

Reise auch mit Problemen

"Ich glaube, wir haben euch keine Schande gemacht und haben einiges hingetragen, wo ich denke, dass Samen gedeihen können", so der Oberösterreicher weiter. Mitgebracht habe er aber nicht nur fruchtbaren kulturellen Austausch, sondern auch die Erkenntnis, dass sein Projekt mancherorts nicht nur positive Unterstützung seitens der Politik fand.

Für Teil zwei der Tour 2008 Richtung Westen wünsche er sich, alles richtig machen zu können. Intendant Heller ermutigte zum Abschluss: "Fürchte dich nicht, Stadt Linz!"

Hubert von Goisern: Live in Linz - 1. September 2007

7. September 2007

Fotos © Elli Christl | Klick zum Vergrößern

Wieder zurück mit Freunden

Linz 09 3. September 2007

Abschlusskonzert der Osttour am 1. September 2007 im Linzer Donaupark

Mit einem furiosen Konzert im Heimathafen in Linz feierte Hubert von Goisern gemeinsam mit Freunden den musikalischen Abschluss der ersten Linz Europa Tour-Etappe.

Hubert von Goisern
Hubert von Goisern

8.000 Menschen kamen zur schwimmenden Bühne vor dem Brucknerhaus, dem schlechten Wetterbericht zum Trotz. "Wir haben so viel erlebt, dass muss ich jetzt erstmal verarbeiten", meinte Goisern und überließ die Bühne die ersten zweieinhalb Stunden seinen musikalischen Freunden, die u.a. auf der Reise mit an Bord waren: die Hohtraxlecker Sprungschanznmusi aus Bad Ischl bestach mit frischer Interpretation alpiner Volksmusik. Bei Rambo Amadeus, dem Singer, Songwriter und Gitarristen aus Montenegro sprang auch ohne Textverständnis sein Turbo-Folk auf das Linzer Publikum über.

Hubert von Goisern und seine Band begeisterten gemeinsam mit der weltweit ersten Kniegeigerin Darinka Tsekova aus Bulgarien die Konzertbesucher im Linzer Donaupark bis spät in die Nacht. Mit Heast as net beendete Hubert von Goisern mit seinen Freunden in stimmungsvoller Weise die erste Etappe der Linz Europa Tour.

Die erste Etappe der Linz Europa Tour 2007 – 2009 ist geschafft

Zweieinhalb Monate war Hubert von Goisern mit seiner Band auf der Donau in Richtung Schwarzes Meer und retour unterwegs – als Botschafter der Kulturhauptstadt Linz. Dabei hat er in zehn Ländern 22 Konzerte gemeinsam mit lokalen Künstlern und Künstlerinnen gegeben – mit dem Ziel, Musik als wortlose Kommunikation einzusetzen, die Grenzen überwindet. Am 1. September 2007 schließlich lief der Schiffsverband im Heimathafen Linz zu einem großen Abschlusskonzert ein.

Fortsetzung folgt 2008

Nächstes Jahr folgt die zweite Etappe der Tour. Sie führt in den Westen entlang Donau, Main und Rhein bis nach Rotterdam. 2009 soll die Tour ihren finalen Höhepunkt in einem mehrtägigen Festival mit allen beteiligten Künstlern und Künstlerinnen im Linzer Hafen finden.

Käpt'n Hubert is back

Planet Linz 3. September 2007

Rambo Amadeus und Hubert von Goisern
Schauen Sie den "Planet Linz"-Bericht an

Vom Abpfiaten und Ankommen

Volksblatt 3. September 2007

"Schee war's": Hubert von Goisern für "Linz 09" live vor 8000 Besuchern im Linzer Donaupark

Hubert von Goisern und Band

"Es hat's net wegen uns do, und wir san net wegen Eich do". Mit diesen geraden Worten begrüßte Samstagabend die Hohtraxlecker Sprungschanznmusi aus Bad Ischl die 8000 Besucher im Donaupark. Auch sie selbst seien auf Einladung des Hubert da, den sie im Juni, zum Start seiner Konzertreise auf der Donau, "Abpfiat"" hatten.

Danach hatte sich Hubert von Goisern auf einem 77 Meter langen Lastkahn, mit Hubbühne, Videowänden, Licht- und Tonanlage zum Konzertschiff umgebaut, "Go East!" gesagt und stromabwärts eingeschifft.

In den neun durchquerten Ländern stieß er auf unterschiedliches Interesse: Während die Auftritte in der Ukraine dort noch lange Tagesgespräch waren, lockten sie in Kroatien nur jeweils 400 Besucher an.

Nach 21 Konzerten durften die Hohtraxlecker den Hubert nun jedenfalls zum Finale des ersten Teils seiner Tour als "Linz 09"- Botschafter - 2008 bereist er die Ströme im Westen bis Rotterdam, 2009 gibt's ein Festival im Linzer Hafen - wieder zurück in OÖ willkommen heißen. Nach einer halben Stunde zünftiger Volksmusik sagten sie "Pfiat' di Gott, du schöne Hüatt'n", überließen die schwimmende Bühne Rambo Amadeus. Der singende Gitarrist lieferte mit seiner Combo ein jazzig-funkiges Set ab, mit dem er die musikalische Fracht auf Goiserns Begegnungstour schon in Serbien lokal gefärbt hatte.

Noch mehr als er ließ es dann zum Abschluss Hubert selbst krachen, mit Stromgitarre, Akkordeon und vielköpfiger Begleitband samt bulgarischer Kniegeigerin. Und mit einer erdigen Mischung aus Dialektrock und Volksmusik, die nach einer rein "Trad"itionellen (Albumtitel) Phase des Goiserer Weltenbürgers nun wieder recht rockig daherkommt. In ihren besten, den melancholisch-leisen Passagen, wurde sie diesmal gar mit feinen Jazz-Linien veredelt, auf der Trompete von Hubert selbst mit einem Ton geblasen, der schon fast die Seele des Cool Jazz atmete.

Insgesamt einmal mehr der Beweis, wie weit der Blick von den Bergen den musikalischen Horizont des Weltmusikers geweitet hat. Und wie schön es sich zu schnellen Rockriffs, fröhlichen Arrangements aus aller Welt und selbst zu einer Hatz aus jazzigen Synkopen jodeln lässt.

Andreas Hutter

Hubert von Goisern: Live in Bratislava - 29. August 2007

3. September 2007

Fotos © Sarah Marchant | Klick zum Vergrößern

Abschlusskonzert Hubert von Goisern

ORF 2. September 2007

Hubert von Goisern
Schauen Sie den "Oberösterreich heute"-Bericht an

Kilometer 1879, wieder daheim

Salzburger Nachrichten 1. September 2007

Hubert von Goisern

Heute, Samstag, endet mit einem Konzert in Linz die erste Etappe der "Linz Europa Tour" von Hubert von Goisern. Eine Reportage.

Zäh geht es stromaufwärts. Die Donau leistet natürlichen Widerstand. Kraftwerke und Schleusen verstärken ihn künstlich. Das geringe Tempo ist gut für die Gedanken, sie hängen ohnehin zurück. Die Gedanken mögen sich um die baldige Heimkehr drehen. Per Handy mögen erste Treffen auf festem Boden vereinbart werden. Den Bezugsrahmen aller Gespräche aber bieten die Erlebnisse der vergangenen zweieinhalb Monate.

"Keine Ahnung, wie das Leben nachher sein wird", sagt Hubert von Goisern. "Ich komm zwar auch von einer Reise zurück. Vor allem aber komme ich vom Wasser zurück. Ich hab ja nur wenige Stunden an Land verbracht, hab immer auf dem Schiff geschlafen. Ich hör immer das Rauschen der Donau und das Ächzen des Bootes. Ohne das kann ich es mir im Moment nicht vorstellen." Die Donau, dieses Binnenreich, das "auch im Sinne des Europas", wie er es verstehe, "ein freier Fluss bleiben muss, der jede Art von Grenzen leicht überwindet", wurde sein Daheim.

Linz-Konzert, dann Pause für die nächste Schifffahrt

Mit einem Konzert in Linz endet heute, Samstag (18.30 Uhr, an der Donau beim Brucknerhaus; Eintritt frei), der erste Teil der "Linz Europa Tour 2007 bis 2009" Hubert von Goiserns. Auf europäischen Flüssen werden der Goiserer und sein Team bis Juni 2009 rund 12.000 Kilometer zurückgelegt haben. Beendet wird die Reise mit einem Festival im Rahmen von "Linz 09 - Europäische Kulturhauptstadt".

Bevor Ende Juni kommenden Jahres die Reise Richtung Westen und Norden weitergeht, wird der ORF im Frühjahr 2008 in drei Dokumentationen den nun abgeschlossenen Ostteil der Reise Revue passieren lassen.

Gespielt wird auch bei der Reise im kommenden Jahr auf dem multifunktionalen Bühne mit einer Soundanlage für etwa 5000 Menschen umgebauten Schiff. Neben der fixen Crew und der Band werden auf Donau, Rhein und Main an allen Häfen zwischen Basel und Amsterdam Gastbands an Bord gehen. Fix ist noch nichts, aber es werden bereits Namen kolportiert - darunter Xavier Naidoo, Tote Hosen und Sportfreunde Stiller.

Das Vorhaben kostet knapp vier Millionen Euro. Jeweils ein Drittel des Geldes kommt von Red Bull und "Linz 09 - Europäische Kulturhauptstadt". Den Rest muss der Goiserer unter anderen durch Eintrittsgelder für Konzerte, die auf der Nord-West-Route im kommenden Jahr eingeplant sind, selbst einbringen.

HvG

Seit Mitte Juni leben Hubert von Goisern, seine Band und die Schiffscrew an Bord. Zehn Länder haben sie mit ihrer Musik entlang der Strecke des ersten Teils der auf drei Jahre angelegten "LinzEuropaTour" (siehe Kasten) verbunden. Im kommenden Jahr geht es auf Donau, Rhein und Main in den Nordwesten. "Daran kann ich noch nicht denken", sagt Hubert von Goisern und schaut durch die Regennacht auf den schwarzen Fluss.

Es war Goiserns bisher längste Tour. "Am Stück war ich nie so lange weg. Da gab's sonst zwar mehr Konzerte pro Jahr, aber zwischendurch auch immer Tage, an denen man heimkommt. So weit weg wie auf dieser Reise war ich nie."

29 Konzerte. Über ein Dutzend Sprachen. Ungezählte, ungeordnete Erinnerungen bleiben - an die Landschaft des Deltas, an erdrückende Hitze in der Ebene, durch die sich der Fluss in Rumänien und Bulgarien wälzt. An herzliche Aufnahme, an politische Ungereimtheiten und nicht nachvollziehbaren Umgang mit ethnischen Minderheiten. An intensive Begegnungen mit lokalen Künstlern. Aber auch an Schnellschüsse, als manche Band nur für den Auftritt an Bord kam. An ungeplante, spontan vereinbarte Auftritte in kleinen Dörfern wie in Donji Milanovac. "Einen Tag vorher wurde das ausgemacht. Der ganze Ort war auf den Beinen. Wunderbar", sagt Geigerin Marlene Schuen.

Bittere Momente ereigneten sich in den Ballungsräumen. Es gab desolat organisierte, kaum angekündigte und deshalb schlecht besuchte Großstadtauftritte. Hier passierten Fehler. "Unsere eigenen zuerst, weil wir andere Leute engagieren und in den Städten eine andere Strategie hätten wählen sollen." Die Gratiskonzerte hatten den Nachteil, dass für lokale Veranstalter "jeder finanzielle Anreiz, sich ins Zeug zu legen", wegfiel.

Nichts, was aus ist, muss auch vorbei sein

Zum Konzert in Pressburg am vergangenen Mittwoch, dem letzten jenseits von Österreich, kamen ein paar hundert Leute. Wieder haben die lokalen Organisatoren in dieser Stadt wenn schon nicht versagt, so sich wenig angetan. Die musikalische Leistung bleibt davon unberührt.

Im Best-of-Programm, bei dem aus knapp 20 Jahren Goisern'schen Schaffens geschöpft wird, entwickelten sich ein paar neue Songversionen, etwa Neuer Tag. Die Hoffnung gebende Ballade über die Ambivalenz, dass nichts, was aus ist, auch vorbei sein muss, wuchs zu einem betörenden Statement - mittlerweile angereichert durch melancholische, ladinisch gesungene Chorpassagen und der geigenden Gastmusikerin Darinka aus Bulgarien - für das Gesamtunternehmen.

Begonnen werden alle Auftritte mit einem Paket älterer Songs, in denen die Quintessenz der Bedeutung des Goiserers nachzuvollziehen ist: alpenländische Tradition, mit Respekt behandelt, aber keineswegs zu Tode beschützt, sondern mit Elementen von Rock, Pop oder Jazz und der offensiven Haltung eines selbstsicheren Performers angeboten. Druckvoll spielen der Goiserer und seine Band das vom Schiff in Richtung Land. Der Auftritt in Bratislava untermauert das Bild einer fulminant eingespielten, immer noch hochkonzentrierten Truppe.

Flusskilometer 1879. Die meisten schlafen noch. Eine Fanfare aus dem Kuhhorn dröhnt in den grauen Himmel, während die Crew die Fahne hisst. Am Bug muss die Fahne des Landes wehen, in dessen Hoheitsgebiet man schippert. Unter der slowakischen Befestigungsanlage Devin vorbei wird die Grenze zu Österreich überquert. Rund 40 Stunden reine Fahrzeit sind es von hier bis Linz. Es regnet. Die Hitze der vorigen Wochen - "wir sind fast die ganze Strecke durch einen Jahrhundertsommer gefahren" - wich den Vorboten des Herbstes. Wieder daheim. Oder noch weit weg?

Viele Schiffe, viele Abenteuer, neue Welten

Heimwärts geht es immer zäh, weil der Rucksack mit Erinnerungen schwer ist. Der Regen verjagt alle vom Dorfplatz, der über Wochen der Kommunikations-, Ruhe- und Ess-Ort war. In der mittlerweile unbenutzten Gästekajüte wird auf der Play-Station ein Fußballturnier gespielt. In der Messe werden Filmmitschnitte für die geplanten TV-Dokus studiert. Über der Wachau reißt dann der Himmel auf. Die Sonne sendet am vorletzten Schiffsmorgen doch noch wärmende Strahlen. Ein mächtiges Passagierschiff mit Namen "Austria" passiert den Goisern-Schiffsverband.

Zu viele Schiffe, zu viele Abenteuer, zu viele neue Welten haben die Bordbewohner im Kopf, als dass die "Austria" einer Bemerkung wert wäre. Die Speicherplätze sind gefüllt. Hochwasser im Gedanken- und Gefühlsaufnahmebecken. "Schau, das Schiff da. Die kommen aus Constantia. Schwarzes Meer", so machte Marlene Schuen ein paar Stunden zuvor beim kurzen Halt in Wien auf das noble Riesenteil am Nachbarponton aufmerksam. Ton der Stimme und leichtes Glänzen in den Augen verraten Wehmut. Ein paar Stunden noch bis daheim. Aber die Melodien klingen noch von ganz woanders.

Bernhard Flieher
© SN
Fotos: SN / Zeitenspiegel

Abschluss Donautour

ORF 31. August / 1. September 2007

Hubert von Goisern

Schauen Sie den "Oberösterreich heute"-Bericht an
Abschlusskonzert: 1. September / Donaupark, Linz / Eintritt frei

Hören Sie den "Morgenjournal"-Bericht an

Hubert von Goisern: Live in Belgrad - 23. August 2007

www.nadlanu.com 26. August 2007

Hubert von Goisern und Band
Photo: © Telekom Srbija
Mehr Fotos unter www.nadlanu.com

Goisernlog

Süddeutsche Zeitung 21. August 2007

Als er am 5. Juni des Jahres 2007 das erste Mal mit seinem Schubverband MSS Josef Brandner in Budapest festmachen wollte, wurde Hubert von Goisern am verabredeten Anlegesteg Batthyány Tér von einem Einheimischen mit den Worten begrüßt: "Wenn ihr hier anlegt, schlage ich euch die Zähne ein."

Dabei war eigentlich alles organisiert und fest abgemacht. Also wurde die Wasserwacht um Hilfe gerufen. Die kam und klärte die Sache, indem sie den Musikern, die in der ungarischen Hauptstadt ein Gratiskonzert geben wollten, eine Anlegegebühr von 2800 Euro aufbrummte. Eine Pressekonferenz war nicht vorbereitet. Auch das war eigentlich ganz anders besprochen. Und weil, wie es hieß, Journalisten und Medienvertreter in Budapest auf überhaupt gar keinen Fall mehr nach 15 Uhr arbeiten, machte es auch keinen Sinn mehr, etwas zu improvisieren. Die Gastband Beshodrom hatte den Termin ohnehin komplett vergessen oder verdrängt oder was auch immer für ein lukratives Gastspiel im Ausland ...

"Das ist nicht das Europa, von dem ich träume", schreibt Hubert von Goisern am Abend in sein Logbuch. "Es ist vielleicht das Europa der Abzocker und Ausgrenzer, aber nicht meines."

Es ist schon ein paar Jahre her, als ich das Bordbuch des Christoph Kolumbus gelesen habe, und bald danach mit heißer Seele John Steinbecks The Log from the Sea of Cortez.

Seit diesem Sommer aber weiß ich erst wieder, warum dieses neudeutsche Wort Blog, die Abkürzung von Weblog, sich von Log(- buch) ableitet, dieser Erfindung der christlichen Seefahrer, ihre Navigationsdaten und Erlebnisse täglich in einem Buch aufzuzeichnen. Zu meinen langjährigen und immer sehr empfehlenswerten Lieblingsblogs (Bildblog.de, Perlentaucher.de und die Seiten der Else Buschheuer) gesellt sich deswegen in diesem Sommer das Goisern-Logbuch, der Bericht einer musikalischen Expedition ins unbekannte Europa.

Einmal die Donau hinunter von Linz bis ins Schwarze Meer und dann wieder zurück. Da erfüllt sich ein moderner Abenteurer, Phantast, freier Mensch, Träumer und Intensivmusiker mit großer Leidenschaft einen Lebenstraum: den Traum vom neuen, einigen Europa. Flussabwärts hat der Menschen- und Melodienfischer Goisern gesammelt: Musiker, Musiken, und vor allem Erfahrungen mit Behörden und Beamten. Jetzt fährt er seine erstaunliche Beute zurück in den Heimathafen Linz.

Und weil er sein Logbuch nicht nur schreibt, sondern gleich ins Internet stellt, lesen wir: die Geschichte von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen. Was sind Hitze, Unwetter und die naturgemäßen Widrigkeiten der christlichen Binnenschifffahrt gegen die europäischen Bürokraten, Bornierten, Uniformträger und Oligarchen. Die Donau mit Musikdampfer scheint heute ein größeres Abenteuer zu sein als jede Atlantiküberquerung.

Dienstagabend nun, im Organisationswindschatten des ungarischen Nationalfeiertags, dem Red Bull in diesem Jahr die Flügel einer bombastischen Fliegerschau verliehen hat, gab es tatsächlich ein Konzert in Budapest. Auch Beshodrom sind angetreten. Ein paar VIPs waren zufällig von der großen Flugschau übriggeblieben, ein paar zufällig dazugekommene Budapester waren da, und etwa hundert nachgereiste Goisern- Fans und Logbuch-Leser aus Österreich, Bayern und Recklinghausen. Ein großes und auch sehr lautes Konzert vor zauberhafter Kulisse.

Beinahe wäre es unter den Zuhörern trotz der gewaltigen indogermanischfinn-ugrischen Sprachbarriere zu europäischen Verbrüderungen und Adressenaustauschen gekommen. Dann sorgte ein gewaltiger Platzregen dafür, dass alle ernüchtert und erschrocken auseinander liefen, wohlgeordnet nach Nationalitäten, Landsmannschaften und Unterkunftskategorie.

Eveyn Roll

Link: Hubert von Goisern - Logbuch

Pure Anarchie

Thüringer Allgemeine 14. August 2007

Hubert von Goisern

Mit seinen Alpinkatzen wurde er in den 90er-Jahren zum Potentaten der "Neuen Volxmusik", einer Mischung aus alpinem Volksgut, Pop und Punk: Hubert von Goisern. Geboren wurde er 1952 als Hubert Achleitner in Bad Goisern im Salzburger Land. Derzeit tourt er bis 2009 mit einer 77 mal 12 Meter langen Barke auf seiner bislang spektakulärsten Musikreise durch Ost- und Westeuropa. An jedem Anlegepunkt tritt er mit einheimischen Musikern auf.

Glauben Sie, dass Musik auch immer den Nutzwert haben sollte, ein Kontrapunkt zum Existierenden zu sein?

Meinem Verständnis nach ja. Europa, wie wir es tatsächlich erleben, ist von Angst geprägt. Bei uns daheim, in den österreichischen Medien, heißt es immer: "Jetzt kommen auch noch die Osteuropäer, obwohl wir die gar nicht hier haben wollen. Die nehmen uns die Jobs weg, die Frauen sowieso und bringen kranke Haustiere mit". Auf osteuropäischer Seite hat man ähnliche Ressentiments. Was uns verbindet, ist die Angst voreinander. Mir als Musiker dient sie als überwindenswerter Ausgangspunkt der Schiffstour.

Sind Sie ein Sozialromantiker, der glaubt, die Grenzen in den Köpfen mittels Musik abbauen zu können?

Ich glaube nicht, dass jeder mit jedem können muss. Ich habe aber den Anspruch, dass man einander kennen lernt. Den Bedarf nach Verständigung sollte man nicht klein reden. Mein Projekt ist in zweierlei Hinsicht purer Antagonismus, pure Anarchie. Zum einen weil man die Berührungsängste voreinander tatsächlich mittels gemeinsamen Musizierens relativ schnell abbauen kann. Das weiß ich von meinen Tourneen durch Westafrika und Ägypten. Zum anderen aber auch im Hinblick auf die Kulturförderung der Europäischen Union. In Brüssel sitzen Leute, die viel reden, aber kneifen, wenn es konkret wird, wie im Fall meines Projektes.

Weil Ihnen die Förderung der Europäischen Union verweigert wurde?

Ich bin eigentlich überzeugter Europäer. In der Vorbereitung dieses Projektes ist mir der Gedanke an ein praktikabel regiertes Europa aber leider abhanden gekommen. Die Tournee streckt sich über einen Zeitraum von drei Jahren. In diesem Jahr bin ich und meine Band in Osteuropa, wo wir jeweils mit einheimischen Musikern kostenlose Konzerte spielen. Für mich ist diese Tour ein Musterbeispiel für den grenzüberschreitenden kulturellen Austausch, den sich die EU auf die Kulturfahnen schreibt. Für die Tour im Westen, die 2008 stattfindet, brauchen wir keine Fördergelder.

Und wie ist es im Osten?

Der förderwürdige Teil im Osten würde, wenn es nach der EU ginge, am bürokratischen Aufwand scheitern, der von Brüssel verlangt wird. Das ist paradox.

Offensichtlich gibt es einen erheblichen Bedarf nach einer Praktikabilität zwischen den Machern und Brüssel?

Ich bin sehr enttäuscht von Brüssel und habe nicht das Gefühl, dass die EU zum Gelingen des Projekts auch nur einen kleinen Finger bewegen würde oder kann. Wir berühren mit der Tour vierzehn europäische Staaten und Brüssel sagt lediglich, dass es das Projekt toll findet. Es gibt keine finanzielle Unterstützung, keine politische Hilfestellung in Sachen Erleichterung der Grenzformalitäten.

Schreckt man damit Kulturschaffende nicht eher ab?

Ich würde gerne 2008 auch in Brüssel spielen, aber ich habe nicht den Eindruck, dass wir dort wirklich willkommen sind. Ganz anders sieht die Situation in Städten wie Novi Sad aus, wo die offizielle Seite von der Idee total begeistert ist, aber beim besten Willen keine Fördergelder locker machen kann.

Wer wird die Tour in Osteuropa jetzt letztlich finanzieren?

Wir haben mit Martin Heller, dem Intendanten der europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009, einen Sponsoren gefunden. Die Tour heißt ja auch Linz Europa Tour, weil sie 2009 mit einem mehrtägigen Festival in Linz enden wird, zu dem ich die osteuropäischen Musiker, die wir jetzt kennen lernen, noch mal einladen werde. Darüber hinaus gibt es einen Softdrink-Hersteller, der den größten Teil der Kosten übernehmen wird. Den Rest werden wir mit den Eintrittsgeldern der Tour im Westen 2008 begleichen.

Müssten Sie nicht gerade im Hinblick auf die doch noch geglückte Finanzierung des Projekts der EU zum Trotz im nächsten Jahr auf jeden Fall in Brüssel spielen?

Noch steht die Finanzierung ja nicht komplett, da wir nicht wissen, wie erfolgreich die Etappe im Westen sein wird. Aber ich hatte eine Idee als wir versuchten, in Wien etwas aus den Fördertöpfen zu kratzen, die es dort gar nicht mehr gibt, weil alles nach Brüssel geht. Es gibt sehr viele Leute, die in die EU drängen und bis zu 1000 Euro zahlen, damit man sie nach Österreich bringt. Wir haben ein sehr großes Schiff mit einer Küche. Also könnten wir in Moldavien und der Ukraine gut 100 oder sogar 200 Leute aufnehmen, um sie zu den genannten Konditionen wohl ernährt nach Österreich zu bringen. Damit wäre unser Projekt teilfinanziert und vielleicht reichen die Gelder sogar für einen Auftritt in Brüssel.

Michael Loesl   

Per Konzertschiff die Donau abwärts

Frankfurter Rundschau 14. August 2007

Wenn die Donau ihrem Delta zufließt, wird sie breit und träge. Auf den weiten Wiesen am Ufer grasen Kühe, hier und da hüpfen ein paar nackte Kinder ins Wasser. Nach und nach kommen Musiker und Schiffscrew aus ihren Kojen, setzen sich an den großen Tisch, essen, lesen, entspannen. Leise Klänge mischen sich in das Rauschen der Sonnensegel: Jemand spielt Bandura, eine Art Zither, wie sie die Kosaken in der Ukraine verwenden, ein anderer zupft ein paar Töne auf einer akustischen Gitarre.

Hubert Achleitner, als alpiner Weltmusiker bekannt unter dem Namen Hubert von Goisern, gönnt sich lachend eine Dusche aus dem Wasserschlauch. Die Sängerin Maria aus Wien rollt sich müde zwischen den Equipment-Kisten auf der Konzertbühne zusammen. Hier ist es am kühlsten.

Am Abend vorher hatte auf dieser Bühne noch die Euphorie pulsiert. Die moldawische Band Zdob Si Zdub hatte die Menge am Hafen der ukrainischen Stadt Ismajil längst zum Hüpfen gebracht, als Hubert von Goisern per Akkordeon seinen alten Hiatamadl-Hit ins Spiel brachte. Das Jodeln hüpfte auf den moldawischen Beat und wurde vom Zdob-Si-Zdub-Sänger Roman souverän mit einem Rap gekontert, dessen Inhalt den Besuchern aus dem Westen zwar schleierhaft bleiben musste - aber wie hatte man noch nachmittags bei der hochoffiziellen Pressekonferenz mit Bürgermeister und Dolmetscherin vor der ukrainischen Presse gesagt? Die Sprache der Musik ist universell.

Für genau solche Momente hat sich Hubert von Goisern auf seine lange Reise begeben. Anfang der neunziger Jahre wurde der Österreicher mit seinem gleichzeitig frechen und sehr ernst gemeinten Update der traditionellen Musik seiner Heimat bekannt, seitdem hat er sein Konzept von Weltmusik auch gemeinsam mit Musikern in Tibet oder Afrika ausprobiert. Und nun ist Osteuropa dran.

Ende Juni hat die Goisern-Band ihr schwimmendes Tour-Gefährt bestiegen, bestehend aus Wohnschiff und ausfahrbarer Bühne in Festival-Format mitsamt Lichtshow und Leinwänden für Filme und Visuals. Bis zum 1. September reisen sie damit die Donau ostwärts und zurück und geben unterwegs gut 20 Konzerte, zu denen sie lokale Musiker einladen. Im kommenden Sommer geht die Tour über den Rhein-Main-Donaukanal nach Westen bis Rotterdam, 2009 soll ein gemeinsames Festival aller beteiligten Bands in Linz den Abschluss machen.

Zwei Jahre lang hat Hubert von Goisern an der Realisierung dieses Traums von der völkerverbindenden Donau-Tour gearbeitet - die Idee ist ihm beim Fischen gekommen, so erzählt er, während sein Schiff wieder ostwärts tuckert. "Wenn man nichts fängt, dann kommt man so auf seine Gedanken." Er sei zwar nicht der erste gewesen mit dieser Idee, aber umgesetzt hat sie vor ihm keiner. Man braucht viel Geduld, um nicht an den störrischen Bürokratien der unterschiedlichen Donauländer zu scheitern. Und man muss Geld mitbringen, denn von den Menschen in Novi Sad oder im kleinen Ismajil in der Ukraine wird man für solch ein Konzert keinen Eintritt verlangen können.

Vier Millionen Euro kostet die Reise, die Hälfte bezahlt ein österreichischer Getränkehersteller, eine Million sollen die Konzerte in Westeuropa einspielen, und eine Million kommt aus dem Etat der Stadt Linz, die 2009 europäische Kulturhauptstadt wird und Hubert von Goisern mit dieser Ost-West-Tour vorab zu ihrem Botschafter gemacht hat.

So reist auch Martin Heller, Intendant des Kulturhauptstadtprogramms Linz, zum Termin mit den Journalisten auf Hubert von Goiserns Boot mit. Für ihn ist dessen Tour der ideale "Content", um die Stadt an der Donau als kulturelle Mitte zwischen Europas Osten und Europas Westen zu profilieren. Wenn das Kulturhauptstadtjahr losgeht, wird man eine Film-Dokumentation haben, man wird Hubert von Goiserns Logbuch haben, in dem er im Internet von seiner Reise berichtet, man wird ein Stück europäischer Wirklichkeit zum Anfassen und Anhören haben.

Und Hubert von Goisern würde einen Begriff wie "Content" zwar niemals gebrauchen, aber wenn sich seine Interessen mit denen der Kulturhauptstadt Linz decken, ist er dabei. Mit einer effektiven Mischung aus Spiritualität und Pragmatik hält er dieses Unternehmen, das man nicht anders als abenteuerlich nennen kann, zusammen. Das Schlimmste bislang sei die Hitze gewesen, die mehrere Wochen lang 40 Grad betrug - man könne der Natur eben nicht ausweichen, sagt Goisern ruhig. Das zu erfahren und dabei festzustellen, ja, man kann immer noch weiter und Konzerte geben und seine Sinne offen halten für alles, was passiert, das habe ihn und die Band stark gemacht.

Natürlich weiß Hubert von Goisern auch, dass nicht alle auf ihn gewartet haben hier im Osten. Wann immer das Schiff vor Anker geht, warten neue Überraschungen: Mal ist das Konzert von den lokalen Autoritäten gegen aller Absprachen nicht angekündigt, wie in Kroatien, und es kommen nur einige hundert Menschen; mal ist der ursprünglich ausgesuchte Ankerplatz längst verbaut. In der bulgarischen Kleinstadt Silistra wollte man Goisern vor der Privatterrasse eines Hotels mit wenigen eingeladenen Gästen auftreten lassen - er ließ kurzerhand die Anker lichten und spielte ein paar hundert Meter weiter für die Menge am Strand.

Auch die Begegnungen mit den fremden Musikern sind nicht immer so locker wie die mit den Moldawiern Zdob Si Zdub. Manche haben gar keine Lust auf gemeinsame Proben und Verbrüderungen am Wasser. Und je kleiner der Ort ist, in dem sie auftreten, desto bizarrer kann der Besuch dieses High-Tech-Konzertschiffes wirken. Es hilft, dass Goisern bescheiden auftritt, den Gastmusikern bei den Konzerten stets den Vortritt lässt, geduldig den lokalen Journalisten und dem Publikum sein Projekt erklärt - und die Haltung, mit der er seltsam bemalte Vasen als Gastgeschenke annimmt, kann nicht anders als professionell bezeichnet werden.

Die Vase aus Ismajil zumindest hat einen Ehrenplatz auf dem Buffet bekommen, als es weiter geht in Richtung Schwarzes Meer. Die Band Haydamaky aus Kiew ist zugestiegen, sie reisen bis zum nächsten gemeinsamen Konzert mit und fühlen sich sichtlich wohl auf dem sonnenbeschienenen Schiff.

"Ich bin noch zu Sowjet-Zeiten aufgewachsen, mit Led-Zeppelin-Platten, die wir von irgendwoher bekommen haben, und einem rumänischen Sender, der Volksmusik spielte - der einzige, der keine Propaganda machte", erzählt Sascha, der glatzköpfige Haydamaky-Sänger.

Ergebnis dieser musikalischen Sozialisation ist ein mitreißender Karpaten-Ska, den die Band neuerdings auch auf dem Berliner Label EastBlock veröffentlicht; deutlich intelligenter als die wodkaselige Techno-Polka, die hierzulande gelegentlich unter dem Label Russendisko verkauft wird. Als er nach Huberts Jodeln gefragt wird, muss Sascha erst einmal lachen: "Ach, ich mag Gipsy-Musik lieber - aber es ist ein authentischer Ausdruck von Huberts Kultur, das ist schon okay."

Abends in dem Städtchen Vilkovo findet man das offensichtlich auch - selbst wenn den Menschen das Staunen ins Gesicht geschrieben steht, als sie das Konzertschiff sehen, das einige Meter vom Ufer entfernt seine Lichtershow auf sie abfeuert.

8000 Menschen wohnen hier, das Plastik-Spielzeug auf dem kleinen Markt kommt aus China, und die silberne Lenin-Statue in der Stadtmitte sieht aus wie frisch gestrichen. Die Donau flutet regelmäßig in die Stadt und steigt an den Häusern hoch, das sind die Menschen gewohnt. Aber solch ein Sound wie an diesem Abend ist wohl noch nie vom Wasser herüber gekommen. Mütter sind mit ihren halbwüchsigen Töchtern am Arm gekommen, in Blumenkleidern und mit der schönsten Haarspange im Haar. Kleine Kinder kuscheln sich an ihre Großväter, Paare halten sich im Arm, hier und da fängt eine Gruppe lachend an zu tanzen. Vielleicht werden sie sich den Namen des verrückten Österreichers, der sie da besucht hat, nicht gemerkt haben. Aber vergessen werden sie diese Nacht trotzdem nicht.

Elke Buhr
© FR-online.de 2007

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