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"Zwischen Panik und explodieren"

FOCUS Online 31. Juli 2007

Hubert von Goisern im Interview

Hubert von Goisern

Seit gut einem Monat ist Hubert Achleitner, besser bekannt als Hubert von Goisern, mit Band und Crew als europäischer Klang-Botschafter auf der Donau Richtung Osten unterwegs. FOCUS Online traf ihn im ukrainischen Flussdelta, kurz bevor sich der europäische Strom ins Schwarze Meer ergießt.

Tiefbraun gebrannt sitzt er mit einer dunklen Sonnenbrille an Deck der "MSS Josef Wallner". Die Nacht war kurz, am Anfang spricht Achleitner sehr leise. Im Lauf des Gesprächs kommt jedoch zunehmend Leben in ihn. Es sind die ausladenden Gesten eines Menschen, der viel auf der Bühne steht. Schon ist sie zu spüren, die Energie, die den Musiker aus dem österreichischen Salzkammergut in den vergangenen Jahren um die halbe Welt trieb.

Sie sind in den vergangenen Jahren sehr viel und weit gereist, nach Asien und Afrika. Erst jetzt entdecken Sie eine Region, die geografisch näher liegt. Muss man erst weggehen, um zurückkommen zu können?

Als junger Mann hab ich mir gedacht: Alles, was in der Nähe ist, kannst du später machen. Ich ging so weit weg wie möglich. Das Leben ist eine Spirale: Man kommt dem, was man sucht, immer näher.

Was suchen Sie auf dieser Reise, mit der Sie Bewusstsein schaffen wollen für Einheit und Vielfalt der europäischen Kultur?

Ich suche das Abenteuer. Nicht als Voyeur, sondern bei mir selbst. Ansonsten finde ich lieber. Ich mag nicht gern auf Wegen gehen, schon gar nicht immer auf denselben. Und ich mag Situationen, wo ich gezwungen bin, all meine Sinne ganz wach zu halten. Bei so vielen neuen Eindrücken ist das der Fall.

Dennoch sehen Sie sich das Neue immer mit der Volksmusik des Alpenraums im Gepäck an. Was bedeutet Tradition für Sie?

Sie ist wie ein Rucksack, den wir durchs Leben tragen. Bei manchen ist er sehr schwer, und sie kommen deshalb nicht vorwärts. Ich hab als Jugendlicher auch gemerkt, dass ich da ganz schön was umgehängt bekommen hab und begann irgendwann auszupacken und zu entrümpeln. Wenn der Rucksack ganz voll ist, passt nichts mehr rein.

Wie gehen die Musiker, die Sie bei der "Linz Europa Tour" treffen, mit Tradition um?

Ich habe Brüder und Schwestern im Geiste gefunden – eine wunderbare Bestätigung. Man bildet sich oft ein, ganz allein den Stein des Weisen entdeckt zu haben und die anderen nicht. Dann stellt man verblüfft fest: Die anderen haben auch Steine. Das gefällt mir.

Sie musizieren in diesen drei Monaten mit mehr als 100 Kollegen, haben wenig Zeit zum Proben. Mit welchem Gefühl stehen Sie auf der Bühne?

Es ist alles zwischen Panik und explodieren. Manchmal hab ich das Gefühl, mich in meine Atome aufzulösen. Ich versuche, alles mitzubekommen und gleichzeitig loszulassen. Man muss das passieren lassen, was passiert.

Hätten Sie gedacht, dass Ihr Jodeln und der Karpaten-Ska ukrainischer Bands sich so gut ergänzen?

Ja, zumindest bei allen Polka-Sachen. Aber es gibt natürlich keine Gewissheit, dass es immer so gut passt.

Bei den Konzerten gewinnt man den Eindruck, dass der Balkan besonders energiegeladen ist. Nur ein Klischee?

Nein, das hat Tradition hier. Dieses Cha-Cha-Cha-Cha (er ballt die Faust, unterstreicht den Rhythmus mit dem Unterarm), ich mag es, wenn das voll auf den Off-Beat drauf geht: Mta-mta-mta! Bei uns ist alles direkt auf dem Beat drauf, Bum-bum-bum, damit die Leute mitklatschen können und sich auskennen: Dei-didi-dadam … (er singt, klatscht, lacht, wiegt den Oberkörper dazu)

Hubert von Goisern

Was ist passiert in diesem Monat, den Musiker und Crew jetzt schon an Bord verbringen?

Wir haben Selbstsicherheit und Vertrauen gewonnen, dass das, was passiert, schon seine Gültigkeit und Richtigkeit hat. Die Erfahrung, die Donau hinabzugleiten, ist unglaublich. Der Fluss übt einen sanften Zwang aus, dem man sich nicht entziehen kann. Dieses Projekt ist natürlich anstrengend in vielerlei Hinsicht. Aber wir werden immer stärker, und durch die Stärke entsteht Gelassenheit.

Sind Sie zufrieden mit der Resonanz?

Es wird immer besser. Kroatien war unser erster Ost-Stopp. Ich war geschockt über das mangelnde Interesse, vor allem seitens jener, die die lokale Infra-Struktur stellen sollten. Ich interpretiere es mit dem Kriegstrauma. Man hat nicht den Mut, sich aufzurichten, weil vor Kurzem noch geschossen wurde. Es war eins der berührendsten Konzerte, das wir dort vor etwa 350 Leuten spielten, zwischen zerschossenen Ruinen und verkohlten Baumstümpfen.

Sie sagten einmal: "Das Hiatamadl spiel ich nicht mehr." Jetzt doch?

Ich sagte, ich wüsste nicht, wann ich es wieder spielen würde. Ich hab das und andere Lieder so oft gespielt und mag nicht, wenn es mechanisch wird. Um etwas Neues entstehen zu lassen, brauche ich Abstand. Der ist jetzt da.

Zum ersten Mal bieten Sie eine Art "Best of". Warum?

Die Leute hier kennen mich nicht, und ich möchte mich vorstellen. Wir haben ein dreistündiges Programm, spielen davon etwa eineinhalb Stunden. Ich kann also relativ spontan entscheiden, was gerade zum Ambiente passt. Gestern (Konzert mit Haydamaki und Zdob si Zdub) wären mehr Balladen fehl am Platz gewesen. Die Leute waren elektrisiert.

Sind Sie noch nervös, wenn Sie nach dem Act der Lokamatadore auf die Bühne treten?

Es ist jedes Mal ein Sprung vom 10-Meter-Brett in der Nacht ins Wasser, wenn du einen Jodler anfängst. Du weißt nicht, wie du aufkommst. Bisher hat es aber immer hingehauen.

Sandra Zistl

"Koa Hiatamadl" auf kalifornisch

Salzburger Nachrichten 31. Juli 2007

Im ärmlichen Hinterland des Donaudeltas angekommen sind Hubert von Goisern und Band:
Reportage vom fast letzten Winkel, den die "LinzEuropaTour" erreicht.

Hubert von Goisern und Zdob si Zdub
Foto: SN / Zeitenspiegel

In der Nacht, wenn musiziert wird, funkelt das Bühnenschiff und rundherum das Donauwasser. Licht und Leinwände, mit denen sich jedes Stadion beschallen ließe, strahlen über der Südukraine.

Technischer Aufwand und logistische Anstrengung treffen auf das Hinterland einer Nation, die 16 Jahre nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion unter Schmerzen versucht, sich zu finden. Nach Russland ist die Ukraine flächenmäßig größtes Land Europas. Dementsprechend schwierig verteilen sich wirtschaftliche Kräfte. In Kiew ereignen sich Revolutionen, qualmt der Wohlstand aus Schloten, führen internationale Bankkonzerne das Geschäft. Im südlichen Eck des Oblast (Verwaltungsbezirk) Odessa aber steht die Zeit still, auch wenn es nicht ruhig ist. Aufgemotzte Westautos röhren. Coca-Cola, Handy, billige Discomusik und Sat-TV haben schon gewonnen. Sonst aber trifft man kaum Sieger.

Das Venedig der Ukraine, ein Weltende-Dorf

"Die Krim, die Hauptstadt, darum kümmern sich unsere Politiker", sagt Iwanka, die im 8000-Seelen-Dorf Vilkovo, wegen seiner (Hoch-) Wasserkanäle "Venedig der Ukraine" genannt, einen Lebensmittelladen führt. Ihr Mann pendelt zur Arbeit gut 1000 Kilometer nach Donezk - ein Mal im Monat sieht sie ihn. In fünf Jahren wird die Ukraine mit Polen die Fußball-EM ausrichten. Donezk wird Spielort. Hier in Vilkovo wird man davon so viel mitbekommen wie in Bad Goisern: Man wird das TV-Gerät einschalten. Nur ist hier nicht immer sicher, ob es Strom gibt.

Der Mond ist da wie dort der gleiche. In diesen wolkenlosen Tagen begleitet er die Goisern-Tour als Beobachter. Mühelos und kitschig schön dient er als Symbol grenzenloser Verbindung, ja Zusammengehörigkeit. Auf dem Schiff muss diese Verbindung zwischen Musikstilen und Lebensarten härter erarbeitet werden.

Er suche Musiker, die das Gleiche suchten wie er, erläutert Hubert von Goisern auf einer Pressekonferenz in Ismajil das künstlerische und menschliche Anliegen der Tour. Es ist später Nachmittag. Am Abend werden rund 6000 der 79.000 Bewohner der Stadt am Hafen das Konzert anschauen.

Die Leute am Abend kommen nicht nur wegen des Goiserers. Sie kommen wegen Zdob si Zdub und Haydamaky. Die beiden Bands haben mit ihrem Mix aus Ethno und Rock in der Region Heldentum erworben. Besonders gefeiert werden die Moldawier Zdob si Zdub, angeführt vom charismatischen Roman Iagupov, der in seinem Vermögen, das Publikum einzunehmen, einem Bruder von Bono von U2 oder von Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers gleicht. Mit dem Stil der kalifornischen Rockstars, deren dynamischen, einmal hämmernden, dann wieder balladesken Sounds, lässt sich auch die partytaugliche Musik der "Zdobsis" vergleichen. 2005 nahmen sie beim Songcontest teil. Heuer gab es Pläne, das wieder zu tun - und zwar mit Hubert von Goisern. Daraus wurde nichts. Was blieb, ist eine gemeinsame Version von Koa Hiatamadl, die intensiver rockt als je zuvor. Das liegt auch an der Freude, die die Musiker aneinander haben. Hier wird der Sinn der Unternehmung "LinzDonauTour" augenscheinlich: Musik als verbindendes Element, als Annäherung von Welten. Auch mit Haydamaky funktioniert diese Kontaktaufnahme ideal. Ins Schwärmen kommt Hubert von Goisern, wenn er von der Zeit mit der Roma-Blaskapelle Karandila erzählt, die wenige Tage zuvor an Bord war.

Und doch ist der Zugang zur Volksmusik hier ganz anders. Der Goiserer musste sie daheim aus den Händen der Bewahrer neu erkämpfen. In Moldawien oder der Ukraine schuf traditionelle Musik zu Sowjetzeiten regionale Identität jenseits des Einheitsstaates. "Folk war für unsere Väter ein Akt des Widerstandes", sagt Haydamaky-Sänger Sascha. Die Anreicherungen mit Pop-Elementen diene nun einerseits der Popularisierung der Tradition und gleichzeitig einer Gegenbewegung zur Vereinnahmung des Volksgutes durch wachsende nationalistische Tendenzen.

In Vilkovo spielt solch politischer Hintergrund kaum eine Rolle. Rund ein Viertel aller Bewohner ist auf den Beinen. Auf dem Markt habe es seit Tagen kein anderes Thema gegeben als die Ankunft des Schiffes, sagt Ivanka. Am Ende des Abends wird sie mit einem der vier zur Bewachung abgestellten Polizisten tanzen. Im Gegensatz zu Ismajil ist kaltes Bier vorbereitet. Es gibt auch keinen von der örtlichen Nomenklatura errichteten VIP-Bereich. Wenn hier schon einmal was passiert, müssen alle hin.

Tagsüber kehrt Ruhe ein auf dem Schiffsverband - und nach fast 40 Tagen an Bord auch Routine. Auf dem Weg von Ismajil nach Vilkovo wird sie unterbrochen. An Bord kommen 25 Journalisten, eingeflogen von Sponsor Red Bull. Diese Annäherung folgt den Gesetzen der Branche. Schnell hin. Aufnahmegeräte und Kamera zücken. Weg. Und dabei auch noch das Glück haben, ein Stück des Weges mitzubekommen, an dem sich die politische Idee der Tour ebenso erkennen lässt wie die musikalische. Hier im Hinterland wird die Botschaft des Flusses als einende Kraft, als "Symbol der Freiheit", wie "Zdobsi"-Sänger Iagupov erklärt, wohl verstanden. Und hier werden - wenn auch mehr zu den bekannten Sounds der lokalen Bands als zu den fremden, alpinen Klängen der Goiserer-Truppe - Partys gefeiert. Für stille Reflexion bleibt an beiden Tagen wenig Zeit.

Die Schönheit des nächsten Flusskilometers Das Schiff bietet wenig Rückzugsraum, der sich mit den emotionalen Ladungen von Eindrücken füllen ließe, die sich aufstauen bei einer langen Reise. Sammeln, das gehe, auch wenn er sich "bisweilen fühlt wie ein Fass ohne Boden", sagt Hubert von Goisern. Und bewerten? Ordnen? Ablegen? Jede Aussage könne nur eine Momentaufnahme aus frischen, unsortierten Gefühlen sein, sagt der Goiserer, ein Schnappschuss, der morgen durch die nächste Band, den nächsten Flusskilometer, die Schönheit oder die bürokratischen Hürden des nächsten Ortes abgelöst werde. 18 Kilometer noch bis zum Schwarzen Meer, wo der Donauarm aufhört, in dem die "Wallsee" vor Vilkovo ankert und der den nördlichen Rand des Deltas bildet - und so eine seit Rumäniens EU-Beitritt für Ukrainer (auf offiziellem Weg) kaum überwindbare Barriere.

Euphorisch schaut Kapitän Peter Werner der Tour zu. "Wer uns entgegenkommt, funkt uns an", sagt er. Es gibt Glückwünsche für die Idee, diesen Irrsinn durchzuziehen. Und manche fragen nach, ob das stimme, was sie gehört hätten, dass da ein Schiffsverband unterwegs sei, um Konzerte zu spielen an Orten, die weder an der Touristenstrecke lägen noch Handelsstützpunkte seien.

Vilkovo symbolisiert dieses Betreten von Niemandsland. Wer mit dem Schiff so weit vordringt, steuert gleich Sulina an. Dort steht der Leuchtturm, an dem die Donau anfängt. Als einziger Fluss wird sie stromaufwärts in Kilometer geteilt. Dort spielt die Musik in zwei Tagen.

Bernhard Flieher

Konzertschiff
Foto: SN / Zeitenspiegel

"Zum Reden gehören immer zwei"

Der Standard 31. Juli 2007

Im Rahmen des Projekts "Linz Europa Tour" für Linz 2009 machte Hubert von Goisern während seiner musikalischen Donauraumerkundung in der Ukraine Station

Hubert von Goisern

Ukraine - Auf die Frage, ob sich nach über einem Monat auf dem Schiff Vision und Wirklichkeit noch immer halbwegs decken würden, antwortet Hubert von Goisern auf der Fahrt zwischen den ukrainischen Spielorten Ismajil und Vilkovo nahe dem Donaudelta pragmatisch: "Genau so, ganz anders. Innen schmeckt es, wie ich es mir erträumt habe, nur die Kruste ist beim Kochen nicht so wie geplant geraten."

Ende Juni ist Goisern mit einem knapp 80 Meter langen, 350 Tonnen schweren Schiffsverband im niederösterreichischen Wallsee gestartet. Als Hauptprojekt der Kulturhauptstadt Linz 2009 will er im Rahmen einer Linz Europa Tour jetzt im Sommer 2007 die Donau Richtung Osten bis ins Delta und in einer zweiten Tranche 2008 die Wasserwege im Westen bis nach Amsterdam musikalisch erkunden. Und er versucht dabei mit seiner Band auf der Bühne des Schiffs vor allem auch, an den jeweiligen Haltestellen seiner Reise mit lokalen Musikern in den Dialog zu treten.

Während das Schiff bei drückender Hitze an heruntergekommenen Braunkohlehäfen und wild wucherndem Augebiet vorbeigleitet, erzählt Goisern von den bisherigen Eindrücken seiner Reise. Die gut 40-köpfige Besatzung (Schiffsleute, Goiserns Band, ein Filmteam, die Musiker der frisch dazu gestoßenen ukrainischen Band Haydamaky ...) versucht zur selben Zeit, sich im Schatten möglichst verhaltensunauffällig zu geben.

Nicht immer, so Goisern, habe das Zusammenspiel mit den Bands entlang der Donau so gut geklappt wie gestern vor 5000 restlos begeisterten Zuschauern im charmant desolaten Industrieort Ismaijl. Von Goisern schwärmt einerseits vom mehrtägigen Austausch mit der wilden Gypsy-Brassband Karandila in Bulgarien. Zuvor aber habe sich die Kommunikation mit den in Kroatien eingeladenen Künstlern als Katastrophe erwiesen. Auch aus organisatorischer Sicht.

Hubert von Goisern: "Zum Reden gehören immer zwei. Und wenn von der anderen Seite zu wenig Selbstvertrauen und deshalb zu wenig Bereitschaft herrscht, in den Dialog zu treten, muss man es lassen. Wir hatten es dort nur mit Desinteresse und Lethargie zu tun - die Musiker suchten dann auch die wildesten Ausreden, um, abgesehen von Soundcheck und Konzert, bloß nicht das Schiff betreten zu müssen, verweigerten das gemeinsame Musizieren. Und der lokale Veranstalter hatte weder die zugeschickten Plakate aufgehängt noch die Presse informiert."

Die grüne Kugel

Einige hundert Kilometer stromabwärts in Ismajil dagegen funktioniert alles ganz prächtig. Dort wurde von Goisern am Nachmittag vom Bürgermeister die, nun ja, grüne Kugel der Stadt überreicht und mit einer blumigen wie länglichen Rede begrüßt. Während dieser erfuhr man über die Vorzüge der dortigen Zellstoffwerke und die universelle Kraft der Musik.

Die aus dem benachbarten Moldawien kommenden, dank ihrer Teilnahme beim Eurovisions-Songcontest 2005 mittlerweile auch in der Ukraine und in Russland als Superstars geltenden Zdob si Zdub sorgten schließlich am späten Abend mit einem mitreißenden Konzert auch dafür, dass im Anschluss Hubert von Goiserns alpiner Rocksound vom Publikum zwar speziell während der Jodelpassagen etwas befremdet bis belustigt, aber dennoch dankbar aufgenommen wurde.

Die von Zdob si Zdub praktizierte Technik, regionale Volksmusikinstrumente, -melodien und -tänze mit Rock 'n' Roll, HipHop und bretterharten Metalgitarren kommerziell gefällig zu kombinieren und zusätzlich mit "im Osten" als Polka gedeutetem, heißgeliebtem Reggae und Ska aufzufrisieren, ist schließlich dem Ansatz des Hubert von Goisern nicht unähnlich.

Wie zum Abschluss ein gemeinsam vorgetragenes Hiatamadl zeigte, handelt es sich beim einst aus Amerika eingeflogenen Rock 'n' Roll, neben den Errungenschaften des aktuell in Form von Die Hard 4.0 auch in der Ukraine heftig plakatierten Hollywood-Kinos, um den mit Sicherheit größten aller Mittler zwischen fremden Kulturen.

Hier heftiges Jodeln, da wildes Kasatschok-Gebrüll: Die unterschiedlichen populären Ansätze in den regionalen Kulturen zwischen Bad Goisern und Odessa bilden hier, abgesehen von der Sprache, nur noch die zunehmend kleiner werdende Zuckerhaube einer möglicherweise in 20 Jahren gar nicht mehr unterscheidbaren musikalischen Ausdrucksweise außerhalb das Alte bewahrender Brauchtumsgruppen.

Auch Hubert von Goisern mag das ahnen. Immerhin hat er jahrelang sehr intensiv und mit erheblichem Einsatz von Eigenkapital daran gearbeitet, dass er diese Reise unternehmen kann. Vier Millionen Euro kostet dieses "möglicherweise letzte Abenteuer, das man in Europa bestehen kann". Ein Drittel davon steuerte die Stadt Linz im Rahmen der Kulturhauptstadt 2009 bei, ein Drittel kommt vom Hauptsponsor Red Bull, ein Drittel hat Goisern selbst aufgebracht. Er hofft auf die gelungene Vermarktung eines während dieser Reise produzierten Films mit anschließender DVD-Verwertung.

Tags darauf wird das Schiff im dank seiner winzigen, jetzt im Sommer ausgetrockneten Kanäle vollmundig als "Venedig des Ostens" bezeichneten Vilkovo von einer aus Odessa inklusive der dortigen Kulturbeauftragten angereisten Jugendtanzgruppe begrüßt. Dieser überreicht Goisern im Rahmen eines schulischen Austauschprojekts einen aus Wien mitgebrachten Medienkoffer. Freundschaft der Völker, Musik ist die größte Kraft. Europa muss zusammenwachsen. Gute Sache. Und so weiter.

Am Ende der Leiter

Kurz zuvor gab Sascha, der auf der Bühne martialische und privat melancholische Sänger der in der Ukraine beliebten Rockband Haydamaky, zu Protokoll, dass sich die Ukraine gemeinsam mit Portugal am unteren Ende der europäischen Hühnerleiter befinde. Pech, wer hier leben muss. Auch hier muss noch viel Wasser die Donau hinunterfließen, damit zusammenwächst, was bis heute nicht zusammen kann.

Der ganze Ort ist dann beim gemeinsamen Konzert von Haydamaky und Hubert von Goisern draußen am Hafen bis tief in die Nacht auf den Beinen. Man lauscht den über das Wasser getragenen Jodlern als Nachrichten aus einer zukünftigen, hoffentlich besseren Welt. Hubert von Goisern jedenfalls hat an diesem Tag kein Heimweh nach dem Altbekannten: "Nein, die Berge daheim fehlen mir nicht. Die Berge sind da. Die hat es während der letzten Jahrtausende hier im Donaudelta ja eh alle angeschwemmt."

Christian Schachinger

"Eines der letzten großen Abenteuer"

Kurier 30. Juli 2007

Hubert von Goisern auf Linz Europa Tour

Hubert von Goisern

Das Flugzeug ist jünger als ich selber. Und viel besser in Schuss. Die Kolbenmotoren der vier-propellerigen DC 6, Baujahr 1958, Oldtimer-Kronjuwel der Luftflotte von Softdrink-Hersteller Red Bull, tragen uns über den großen Friedhof zur Landebahn von Odessa.

Während der vierstündigen Bus-Fahrt ins hinterste Winkerl im Donaudelta sieht die Landschaft der Ukraine ein bisschen aus wie Ungarn in den 1960er-Jahren. Ohne Balaton. Aber dafür mit Hubert von Goisern.

Der ist auf der Linz Europa Tour 2007 - ein Programmpunkt des Kulturhauptstadtjahres - jetzt am Schwarzen Meer angekommen. Der Alpenrocker erfüllte sich, was für ihn "vor zwei Jahren noch ein ganz entfernter Traum" war: Die Donau hinunterzufahren, mit einem Schiff voller Musik.

Abenteuer

Die Europa-Fluss-Tour sei das weitaus Spannendste, was er je gemacht habe, sagt von Goisern. Die musikalische abwechslungsreiche Reise auf dem Wasser "ist vielleicht eines der letzten wirklich großen Abenteuer auf diesem Kontinent". "So anspruchsvoll und intensiv wie nichts vorher in 20 Berufsjahren", bestätigt Lichttechniker Hans Duchan.

Für das mit vier Mio. Euro budgetierte Mammut-Unternehmen wurde ein ehemaliger Frachter, 77 Meter lang, mit hydraulisch hochfahrbarer Bühne samt Licht- und Tonanlage, eigener Stromversorgung und zwei LED-Wänden ausgestattet. Außerdem an Bord: Küche, Lager und Wohncontainer. Und auf Deck am Wohnschiff thront eine weiße Badewanne gleich neben der Satellitenschüssel.

Über den Zwiebeltürmen des Kirchleins neben dem Hafen von Ismail geht langsam die Sonne unter, im Hafen warten schon Tausende Besucher gespannt, während an Deck auf dem "Showboat" an der Kai-Mauer noch der Sound-Check zur musikalischen Ost-Erweiterung abläuft.

Wucht

Haydamaky

Das explosive Gebräu der ukrainischen Band Haydamaky wurzelt dann im Folk, mit Anleihen bei Punk und Reggae. Nicht weniger fulminant Zdob si Zdub aus Moldawien, ehe nach Mitternacht Hubert von Goisern die Bühne entert und mit seiner neuen Band mit der vollen Wucht des Rock auf die Polka rappt und dann Jodler zu Hymnen steigert.

Das hat's noch nie gegeben. Nein, so was hat man hier, wo Europa am äußersten Rand ausfranst, noch nie erlebt. Duchan: "Und die Leute sind unglaublich dankbar." Tatsächlich: In Vilkovo, dem letzten Städtchen vor der Donau-Mündung, liebevoll übertrieben auch "Venedig des Ostens" genannt, wirkt das Konzert auf die Einheimischen wie die Landung von Außerirdischen.

Dass die Region im Lauf ihrer Geschichte abwechselnd zu Russland, zur Türkei und auch zu Rumänien gehörte, spiegelt sich in der Architektur wider. Und in der Musik.

Zdob si Zdub

Und dass die als verbindendes Element jenseits von stereotyper Folklore und unterschiedlicher kultureller Prägung nicht nur in der Theorie funktioniert, beweist von Goisern sich, den Gästen und den oft zum Tanzen aufgelegten Zuhörern an zwei Dutzend Konzert-Stationen am Donauufer.

"Musik dient der Freundschaft der Völker." Die Übersetzerin bringt die Botschaft ins vor Ort Verständliche. "Wenn Freundschaften entstehen und wachsen, so wie ein ins Wasser geworfener Stein Wellen aussendet, dann wird dieser Kontinent auch zusammenwachsen."

Text und Fotos: Werner Rosenberger

Begegnungen der Goisern-Art

OÖN 30. Juli 2007

Hubert von Goisern
Foto: Rainer Kwiotek/Zeitenspiegel

Halbzeit in der ersten Etappe von Hubert von Goiserns Linz Europa Tour - die OÖN haben den musikalischen Botschafter der Kulturhauptstadt 2009 bei seinen Begegnungen im ukrainischen Donaudelta besucht.

Begegnungen bedeuten oft Mühsal. Dreieinhalb Stunden rumpelt der Bus von der Schwarzmeermetropole Odessa auf einem brüchigen, holprigen Asphaltband durch flache Gegend, vorbei an Straßendörfern. Auf dem staubigen Bankett hocken Bauernfamilien, bieten aus Steigen und Kisten Paradeiser, Gurken, Melonen an - alles, was der Boden hergibt.

37 Tage, nachdem sich der 350 Tonnen schwere Schiffskörper mit dem alten Flößerspruch "Lasst aus, in Gottes Namen!" aus der Brandner-Werft in Wallsee gelöst hat, ankert der 76,5 Meter lange, schwimmende Riese vor dem Hafengebäude in Ismajil.

Feldherrn und Volksmusik

Der Bürgermeister liest bei einer Pressekonferenz vom Zettel, redet vom "Stolz, dass unsere Stadt mit weltberühmten Feldherren verbunden ist" und rühmt die Zellstoffindustrie. Schließlich kommt er zur "universellen Sprache der Musik", die es dort braucht, "wo Politiker keine gemeinsame Sprache finden". Und dem "Herrn Goisern" drückt das Stadtoberhaupt die Dankbarkeit aus "für die Verbreitung der Volksmusik und die Verfestigung der Freundschaft europäischer Länder".

Begegnungen passieren. Während der Sonnenball rot im Wasser verglüht, strömen etwa 5000 Menschen ans Ufer, vornehmlich, um ihre Bands zu sehen und zu hören. Die ukrainische Kombo Haydamaky flötet im Reggae, quetscht ein Ska-Akkordeon, trommelt ein Hackbrett. Sänger Sascha gefällt Huberts Ansatz, die europäische Vielfalt als Einheit zu leben. "Seine Musik", sagt er, "enthält Gutes, nämlich die Liebe zur Heimat".

Der charismatische Roman führt Zdob si Zdub aus Moldawien an, ein Stimmungsmacher, aufwühlend, einpeitschend, Partyrock. Mit dem Kulturverbinder aus Goisern treiben sie ein fetziges "Hiatamadl" ans Gestade. Auch wenn sich die Reihen später lichten, den Gstanzlvers "In Palästina schiaßns a scho wieda, i hoit des nimma aus und sauf mi nieda" hier keiner versteht - die Menschen tanzen ausgelassen, jubeln, werden bei den leisen Tönen zwischenmenschlich "eiwendi".

Hier ist die Idee der Linz Europa Tour aufgegangen - den Menschen Musik zu schenken, Freundschaften zu schließen, Grenzen im Kopf niederzureißen.

Zaghafte Begegnungen können scheitern. In Kroatien erschüttert Hubert das Desinteresse und die Lethargie, die Tamara Obrovac und ihre Musiker umhüllt. Sie suchen krude Ausreden, um nicht an Bord gehen zu müssen. Nach dem Konzert hockt man sich dennoch am "Dorfplatz" auf der Barge zusammen, "aber die haben sich nur unter sich unterhalten". Da nützte es nichts, die burgenländisch-kroatischen Lieder von Willi Resetarits anzustimmen. "Bitte, nur keine Tonalitäten", verwehrten sich die Gäste.

Fremde Berührung

Im beschaulichen ukrainischen Vilkovo löst das Anlegen der Musikdampfers hingegen eine familiäre Völkerwanderung aus. Am Nachmittag rückt ein Bus aus Odessa mit der Kulturbeauftragten an, die den Linz-Botschafter mit der folkloristischen Vorführung einer Jugendgruppe willkommen heißt. Eine dralle Frau wiegt ihren schweren Körper im Rhythmus, auf kleinen Motorschinakeln geben sich Menschen den fremden Klängen hin, die sie doch berühren.

Am frühen Samstagmorgen schiebt die 750 PS starke "MS Wallsee" Bühnen-, Wohn- und Aufenthaltsschiff in die Mitte des Stromes, um die Konzertreise donauaufwärts fortzusetzen, deren erste Etappe am 1. September in Linz konzertant endet. Eine Begegnung, auf die man sich einlassen soll.

Bernhard Lichtenberger

Hubert von Goisern: "Innen schmeckt es so wie erträumt"

OÖN 30. Juli 2007

In einer schattigen Ecke auf dem Schiffsverbund, auf der Donaufahrt zwischen Ismajil und Vilkovo, sprachen die OÖN mit Hubert von Goisern.

Konzertschiff
Foto: Rainer Kwiotek/Zeitenspiegel

Wie läuft es bisher mit den Gruppen?

Die Kroaten waren, sowohl von den Künstlern wie von der Organisation, eine Katastrophe. Da gibt es so wenig Selbstvertrauen. Für eine Begegnung muss man sich selbst sicher fühlen. Ich glaube, das ist eine Sache des Traumas, und ich werfe ihnen das überhaupt nicht vor. Da hätten wir mehr Zeit gebraucht. Aber schön langsam gewinnen wir Vertrauen in unsere Fähigkeiten, dass wir da durchdringen.

Haben eingeladene Musiker auf die tibetischen Gebetsfahnen reagiert, die den "Dorfplatz" auf dem Schiff schmücken?

Einer von der ukrainischen Band Haydamaky hat mir gesagt, dass er Buddhist ist. Er wollte wissen, welcher Linie ich angehöre. Ich hab' ihm gesagt, gar keiner, ich bin noch immer ein Moskitotöter.

Wie geht es Ihnen damit, dass die regionalen Bands für das Publikum der eigentliche Hauptakt sind?

Mit dem Alter kommt eine Art Weisheit daher, dass man sich in solchen Situationen wirklich zurücknehmen muss. Wir sind Gastgeber und geben den anderen alles, was wir haben. Würden wir als die Wichtigsten und Besten auftreten, tät's überhaupt nicht.

Über die Sprache ist mit dem Publikum nicht zu kommunizieren...

Das ist echt fürchterlich, eine Prüfung, dass ich nicht mit den Leuten reden kann. Da muss man wirklich mit der Musik auskommen.

Mit einer Frage wird man zu Hause häufig konfrontiert: Was hat das Ganze mit Linz zu tun?

Die sollen nachdenken, sich hineinmeditieren und nicht dauernd Antworten verlangen. Wenn man sich das nicht vorstellen kann, nützt es auch nichts, wenn man es ihnen erklärt. Das ist der Neid, und der Neid ist ein Hund.

Bernhard Lichtenberger

Grenzen drosseln die Kultur

Info-Prim Neo 28. Juli 2007

Interview mit dem Österreichischen Musiker Hubert von Goisern und Zdob si Zdub's Bandleader Roman Iagupov

Roman Iagupov und Hubert von Goisern

Der österreichische Musiker Hubert von Goisern ist der Initiator des Linz Europa Tour 2007-2009 – Projektes, das das Ziel verfolgt, Musiker aus verschiedenen Ländern entlang der Donau zusammenzubringen. Die Künstler besteigen ein Schiff, auf dem sie Schulter an Schulter leben und schaffen; von Zeit zu Zeit gehen sie in einem von 20 Häfen entlang der Donau vor Anker, verwandeln das Schiff in eine mit hochentwickeltem Soundsystem, Licht und Monitoren ausgestattete Bühne und beginnen die Show.

Sie erreichten den Hafen von Ismaijl am 26. Juli. Das Konzert gemeinsam mit den berühmten Zdubs wurde auch von Info-Prim Neo’s Reporter besucht.

Es erfordert viel Mut, ein solches Projekt zu starten. Wie haben Sie sich dafür entschieden, so viel Verantwortung zu übernehmen?

Hubert von Goisern: Das Projekt ist ein alter Traum von mir, und niemand glaubte am Anfang an seinen Erfolg. Ich habe viel gearbeitet, und jetzt sehe ich es wahr werden.

Wir sind an Bord des Schiffs gegangen und haben die Segel stromabwärts der Donau gesetzt. Das hauptsächliche Ziel unseres Projektes ist, Musiker aus verschiedenen Ländern und Kulturen zu treffen, um den gewünschten Erfahrungsaustausch möglich zu machen. Wir haben unsere Reise am 22. Juni in Wien begonnen und seitdem unter anderem in Melk und Passau, Orsova, Braila und Galati (Rumänien) geankert, in einigen Städten entlang der Donau in Bulgarien, und dann werden wir nach Rumänien zurückkehren – Tulcea und Sulina. Die nächsten auf der Liste sind Budapest, Belgrad, Novi Sad und Bratislava. Beenden  werden wir diesen Sommer mit einem Konzert in Linz (Österreich). Im nächsten Sommer werden wir die Segel für die Städte stromaufwärts von Linz ausgehend setzen, bis wir die Nordsee erreichen. Das komplette Projekt wird 2009 mit einer riesigen Show in Linz, der Kulturhauptstadt Europas, enden, wo alle Bands, die am Projekt beteiligt waren, zusammengebracht werden. Auf diese Weise wollen wir die kulturelle Partnerschaft der Regionen entlang des 2889 Kilometer langen Flusses nach Osten erweitern. Musik ist immer ein vereinendes Element gewesen, das keine Grenzen kennt, und kulturelle Verbindungen können zu einem besseren Verständnis zwischen Menschen beitragen.

Roman Iagupov: Die Musik hat Hubert befreit, und er teilt nun seine Freiheit mit anderen Menschen. Wir haben uns sehr stark gegenseitig beeinflusst. Wir hatten gemeinsame Proben und haben sogar gemeinsam gespielt. Für uns ist die Donau ein Naturphänomen, das weder von der Zivilisation beeinträchtigt werden sollte, noch Grenzen entlang seines Laufes haben sollte. Die Donau muss frei sein. Musik ist eine Sprache, die jeder verstehen kann, egal woher er kommt. Musik sollte ohne Visa und ohne Grenzen reisen und nicht von Stacheldraht aufgehalten werden. Ich habe genug von Grenzen, davon, erklären zu müssen, wer ich bin, wohin ich gehe, für wen ich singen möchte; ich habe genug von Stempeln in meinem Pass und von allem, was die Freiheit von Menschen eingrenzt.

Hubert von Goisern: Die Art, wie Europa lebt, und seine Versuche, sich zu vereinen, sind sehr wichtig, spannend und sogar unterhaltsam. Doch im Vergleich zu den USA ist Europa ethnisch und kulturell vielfältiger und hat mehr Traditionen. Deswegen ist es offenkundig, dass jedes Land in seinem Streben nach Vereinigung seine eigene Kultur behalten muss. Niemand hat das Recht, seine Prinzipien, Traditionen und Menschenwürde zu veräußern. Die Kultur muss Frieden zwischen den Menschen erhalten. Die Fähigkeit, diese musikalische Vielfalt zu akzeptieren, wäre eine große Errungenschaft.

Hat vorher schon jemand versucht, ein ähnliches Projekt umzusetzen?

Hubert von Goisern: Während der letzten 10 Jahre gab es 15 Versuche, ein solches Vorhaben umzusetzen, es ist aber nicht einfach, ein so großes Projekt zu realisieren. Anscheinend hatte ich großes Glück, mit diesem Pan weitermachen zu können. In den 60ern und 70ern gab es ein ähnliches Projekt, es war aber nicht so bedeutend und hatte einen anderen Vorsatz.

Wie haben Sie die Bands, die in den Konzerten spielen, ausgewählt?

Hubert von Goisern: Wir sind zwei Rechercheschritte gegangen, um die Bands auszuwählen. Zuerst haben wir die Bands ausgewählt, die mir am besten gefallen haben, die die gleichen Vibes haben wie ich. Ich habe die Auswahl nicht auf Logik oder Strategie gestützt, Ich bin nur meinem Herzen gefolgt. Es war wichtig, gut zu kommunizieren, um in der Zukunft zusammenarbeiten zu können. Ein weiteres Kriterium war, dass die Band von einem Ort entlang der Route unseres Schiffes kommt.

Wie haben Sie die Menschen an den Orten, an die Sie gekommen sind, aufgenommen?

Hubert von Goisern: Oh, ich habe sehr gute Eindrücke bekommen. Dieses Ereignis war den Aufwand wert, auch wenn es einige Städte gab, die mich nicht sehr beeindruckt haben und an die ich mich nicht erinnern möchte. Alles läuft sehr gut und ich bin froh, mich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben.

Was hat sie an diesem Projekt angezogen?

Roman Iagupov: Das Projekt für sich ist phänomenal. Ich denke, es gibt och viel Raum für Verbesserungen im osteuropäischen Showbusiness. Es gibt nicht sehr viele wertvolle Darbietungen, die in Moldavien, der Ukraine oder Rumänien produziert werden. Die besten Shows passieren im Rest von Europa. Obwohl es einige Konzerte ähnlich wie dieses in der Gegend gibt, sind sie meistens von kommerzieller Seite her populär. Huberts Projekt hat mir das Gefühl gegeben, ein Musiker zu sein, der künstlerisch mit anderen wertvollen Musikern kommunizieren kann, der sein künstlerisches Potential innerhalb bedeutender kultureller Projekte ausführen kann. So findet Erfahrungsaustausch statt; so können wir den Geist der Freiheit, den Geist Europas und den Geist einer Hochkultur fühlen. Und das ist das Wichtigste. In mechanischen Konzerten mitzuwirken, bei denen man nichts lernen kann und bei denen man keine spirituelle Befriedigung oder künstlerische Erfüllung erfährt, langweilt mich. Wir haben unsere Zusammenarbeit gerade erst begonnen. Wir planen, einige gemeinsame Songs aufzunehmen und einen Videoclip, den wir denen hinterlassen können, die nach uns kommen. Eine moderne Kombination aus österreichischer und rumänischer Volksmusik könnte ein sehr interessantes Ergebnis haben. Wir werden etwas erreichen, was bislang nicht mal Politiker bekommen konnten.

An was arbeiten Sie außer an den Konzerten für die "Linz Europa Tour 2007-2009"?

Roman Iagupov: Derzeit spielen wir sehr viele Konzerte, die meisten Open Air. Nächste Woche werden wir zum B'ESTIVAL nach Rumänien fahren. Wir spielen auch Konzerte in der Ukraine, Russland, Rumänien und wir beginnen bald unsere Deutschlandtour. Wir reisen die ganzen Zeit. Wir hätten gerne eine Pause, um in unserem Studio ein paar neue Songs aufzunehmen, aber unser Tourplan ist sehr voll und wir haben momentan keine Zeit dafür. Wir hoffen, wenigstens den Song, den wir mit Hubert von Goisern geschrieben haben, aufnehmen zu können. .

Das war eine sehr beeindruckende Zusammenarbeit. Wie lange haben Sie and dem Song gearbeitet?

Roman Iagupov: Hubert hat im März 5 Tage mit uns verbracht, da hat alles begonnen, Wir hatten auch ein paar Proben vor den Konzerten. Alles hat so gut funktioniert weil wir alles geplant hatten.

Tatsächlich haben die Zdubs einige Songs gemeinsam mit Hubert gespielt. Dabei waren Miorita (ein Song aus dem Repertoire der Band), ein Song der Osoianu Sisters, der von den Sängerinnen in Hubert von Goisern’s Band vorgetragen wurde und einer aus dem Repertoire der österreichischen Band. 

Sind Sie es nicht Leid, so viel zu reisen? Haben Sie nicht schon genug von der Tour?

Hubert von Goisern: Nein, ich bin es nicht leid. Menschen und Musik geben uns so viel Energie, dass wir keine Zeit haben, der Sache überdrüssig zu werden. Es ist gut, resonant zu sein; ansonsten könnten die Menschen denken, dass man keinen Spaß an dem hat, was man macht. An verschiedenen Orten haben Menschen verschiedene Mentalitäten und reagieren unterschiedlich. Ich bin glücklich, dass ich mit diesen Musikern schon seit sechs Wochen zusammen bin, dass wir auf der Donau reisen und dass das eine Art reinigender Energie hat. Die Donau verjagt die bösen Geister und erhält unsere gute Laune. 

Roman Iagupov: Hier habe ich verstanden, dass Liebe und Freiheit keine Mythen sind, dass sie wirkliche existieren. Hubert hat eine einzigartige Philosophie, und je mehr ich mit ihm spreche, umso mehr verstehe ich diese Wahrheiten. Das Leben ist nicht nur schwierig, mit vielen Problemen; ich habe auch die schöne Seite des Lebens gesehen. Das Zusammenspiel mit Hubert war eine sehr gute Erfahrung für mich.  

Hubert von Goisern: Live in Ismail - 26. Juli 2007

www.moldova.net 27. Juli 2007

Hubert von Goisern und Zdob si Zdub
Mehr Fotos unter www.moldova.net

Hubert von Goisern: Live in Ruse - 18. Juli 2007

www.ruse-news.com 19. Juli 2007

Hubert von Goisern und Band
Mehr Fotos unter www.ruse-news.com

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