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HUBERT VON GOISERN - S'NIX : Reviews

S'Nix

Folker! 4/2008

Wenn man monatelang durch den "Wilden Osten" über die Donau schippert, dann geht man hinterher nicht einfach ins Studio und produziert ein normales Album. Zum ersten Mal brachte Hubert von Goisern keine fertigen Stücke mit, stattdessen erlebten die Songs in langen Sessions die ersten Geburtswehen, so wie die Band es vom Schiff her gewohnt war. Und was für eine Band: jung, dynamisch und neugierig auf fremdes Terrain. Die bulgarische Kniegeigerin Darinka Tsekova hat von Goisern auf der Donautour vom Fleck weg engagiert, die restlichen Musiker kommen aus den Alpenländern und haben unterwegs begeistert in fremde Kulturen hineingeschnuppert. Und doch klingt eine Hommage an die Schifffahrt nur beim Stück Herschaun an, wo der Sound an Balkantraditionen anknüpft. "Es war noch zu früh, die ganzen Eindrücke zu verarbeiten", meint von Goisern. "Dennoch hat das Album etwas Episches. Wer mit so einem großen Schiff so lange auf einem so breiten Fluss unterwegs ist, der macht keine kleinen Gesten mehr." Vielleicht beginnt das Album mit der Rocknummer Showtime deswegen so ungestüm und voller Ungeduld. Aber auch hintergründige Texte wie Regen und sanfte Töne bei Die Liab, alpines Erbe mit dem klassischen Jodler bei Sieger und eine Collage der legendären Radioübertragung des WM-Spiels Österreich gegen die Schweiz Rotz & Wasser finden sich auf S’Nix. Was beweist, dass das Nichts eben doch etwas ist, was man zwar nicht anfassen, aber spüren und empfinden kann. Und wenn S’Nix so intensiv daherkommt wie bei Hubert von Goisern, dann immer her damit.

Suzanne Cords

Legendäres Fußballmatch

Nürnberger Zeitung 25. Juni 2008

In der kommenden Woche (Dienstag und Mittwoch) gastiert Hubert von Goisern auf einer "schwimmenden Bühne" am Nürnberger Hafen, mit musikalischer Unterstützung von Konstantin Wecker (nichts gegen den guten Konstantin, aber "Flusszigeiner" Wolfgang Buck hätte doch eigentlich noch besser gepasst).

Zur Einstimmung geben wir hier schon einmal Auskunft über den "neuen" Hubert von Goisern, der auf seiner aktuellen CD S’Nix wesentlich rockiger daherkommt als bisher gewohnt.

"He des kann do’ no vü’ lauter werd’n" fordert er schon eingangs in dem Rock’n’Roll-Stück Showtime, das die totale Kehrtwende im Vergleich zu den meditativ heimat verbundenen Trad-Scheiben ankündigt.

Danach nimmt er sich – wie überaus passend derzeit – des Themas "Fußball" an und baut eine Live-Reportage des Spiels Österreich-Schweiz ein. Diese als "Hitzeschlacht von Lausanne" bis heute bekannte Begegnung mit dem ebenso legendären Kommentar von Heribert Meisel fand im Rahmen der WM 1954 statt, war mit insgesamt zwölf Toren die bislang torreichste Begegnung einer WM-Endrunde und endete 7:5 für die Österreicher.

Ist dieser Auftakt stilistisch schon allerhand, so wird es im Verlauf der CD noch bunter: Bei der bluesig-souligen Ballade Siagst es meldet sich Xavier Naidoo als Gastsänger zu Wort, an anderen Stellen klingt es afrikanisch, dann wieder nach osteuropäischer Folklore.

Auch wenn man beim ersten Durchhören den Eindruck hat, das der "typische Hubert von Goisern" fast keinen Platz hat zwischen all diesen Stil-Mäandern, schälen sich beim zweiten oder dritten Mal Nischen und Ecken heraus, bei denen seine sattsam bekannten Jodler erklingen oder Musikzitate aus früheren Produktionen eingewoben sind. Und irgendwann passt alles so gut zusammen, dass man sich gar keinen anderen "Goiserer" mehr vorstellen kann – mindestens bis zur nächsten CD.

Clemens Helldörfer

Hubert von Goisern: S'NIX

Laut Juni 2008

Eine TV-Doku von 2003 zeichnet nach, wie Hubert Von Goisern einige westafrikanische Staaten bereist, um offizielle Konzerte mit heimischen Künstlern zu bestreiten und in abgelegeneren Dörfern auszuloten, ob sich schwarzes Rhythmusverständnis spontan mit alpenländischen Jodlern kreuzen lässt: ein sehenswertes Stück Musikfernsehen [Grenzenlos].

Seine neue Platte weist die gewohnt hohe textliche Qualität aus, hat mit derlei Weltmusik-Experimenten aber weniger zu tun als sonst. Natürlich bleibt der gerne als Vater des Alpenrocks titulierte seinem Crossover schon aus Mundartgründen treu. Allerdings öffnete er sich mit neu zusammen gestellter und verjüngter Band deutlich in Richtung populärer Genres: Der Kopfnickfaktor wird heuer groß geschrieben.

Tough groovende Rocknummern (Showtime und Leben) - selten dürfte sich ein Drummer in Huberts Studio mehr verwirklicht haben - stehen neben elektronisch orientierten Tracks. Rotz & Wasser etwa instrumentiert Ausschnitte aus einer Radioübertragung des österreichischen Kult-Sportreporters Heribert Meisel vom WM-Viertelfinalspiel Österreich gegen Schweiz 1954.

Dazu kommen synkopiert und lässig groovende Offbeat-Soundscapes (Auseinandertreiben), ein Dancehall-Gerüst mit Rockgitarre, Akkordeon und östlicher Folklore (Herschaun) oder einfach waschechter Pop (Weltuntergang). Die alpenländischen Verweise scheinen zwar immer wieder durch, fallen im Verhältnis aber relativ spärlich aus.

Stattdessen klingen Hubert und Band streckenweise eher nach De-Phazz (Hermann), und die Strophen von Haut & Haar könnte die Peppers-Rhythmus-Sektion verwenden.

S'Nix wurde ungewohnt rau eingespielt - trotz entspannten Tracks wie Regen oder der Balladenkoop mit Xavier Naidoo (Siagst As). Die Platte weist eine große Bandbreite aus, bleibt aber aus einem Guss - ein weiterer Beweis für Goiserns Expertise.

Jene kommt aber nicht technokratisch daher, sondern mit Wärme und Herzblut. Und dazu instrumentiert der Chef-Alpenrocker auf Tracks wie Die Liab zuweilen frischer und experimenteller als manch seiner Ziehkinder.

Eberhard Dobler

Hubert von Goisern - "S'Nix"

Kulturküche 24. Juni 2008

Hubert von Goisern

Sich stets weiter entwickeln, verschiedene Stilrichtungen mitein-ander verbinden, ist schon lange das erklärte Motto von Hubert von Goisern. Diesem Leitbild folgt auch sein neues Album S'Nix (Sony BMG) mit 12 Tracks. Die CD ist ein Halbzeit-Ergebnis der im Juli letzten Jahres gestarteten Linz Europa Tour 2007-2009 mit der der Österreicher Berührungsängste vor der weiteren EU-Erweiterung zerstreuen möchte - das Verbindende suchen, es sichtbar und hörbar machen. Und so bestieg Goisern im vergangenen Sommer in Linz ein Schiff Richtung Osten. Die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine lagen auf seiner Route. Welche positiven Eindrücke diese Reise auf Goisern hatte, kann man auf seiner wunderbar stimmigen CD S'nix erahnen. Zum Beispiel beim Song Herschaun - "Ich will nimma singn, ich will schreien, dann kommen alle bei mir vorbei ..." - ein temperamentvolles Lied mit ungarisch-bulgarischen Einflüssen. Das Album ist rockig, mit vielen Stimmungs- und Stilwechseln, mit Jazz-, Reggae- und auch mit Elektronik-Elementen. In Rotz & Wasser werden Fußballkommentare von Heribert Meisel aus der Fußballreportage Österreich-Schweiz 1954 eingespielt. Und in der ruhigen Jazz-Ballade Siagst as tritt von Goisern mit Xavier Naidoo im Duett an.

5/5

Rock & alpine Weltmusik oder: das austrische 'White Album'

Schallplattenmann 9. Juni 2008

Hubert von Goisern - "S'Nix"

Oft bewundert und oft wieder aus den Augen verloren, muss ich zugeben, dass mich Hubert von Goiserns neues Album mit offenem Mund dastehen lässt. Dass sich der Oberösterreicher mit seiner rebellischen Knopferlharmonika erneut zu steigern vermag, hatte ich nicht einmal im Kleingedruckten auf meinem Laufzettel. S'Nix, das austrische 'White Album', macht dort weiter, wo die überzeugende Anlaufschanze Fön (2000) mit schon signifikantem Akkordeon hin wollte.

Hubert von Goisern hat schon immer ein außerheimatliches Image- (Volksmusik) und Verständigungsproblem (Dialekttexte). Das ficht den Vielseitigen allerdings nicht an. Mit beneidenswerter Gelassenheit, Subtilität und Überzeugungskraft reichert er seinen Sound, der inzwischen längst nicht mehr ausschließlich auf Rock und alpine Volksmusik zurückgreift, auch mit Reggae, Soul, Rap, Weltmusik und Jazz an. Auf dem neuen Album zeigen sich romantische Popmelodien, üppige Rockgitarren, wuchtige Percussion-Elemente und ein emotionaler Sänger, der ganz offensichtlich mit seinem Leben, aber nicht mit der Welt zufrieden ist.

Mit Ausnahme von Weltuntergang und dem Jodler bei Sieger gibt es überraschend wenig Alpenländisches. Der Opener Showtime bezieht gesellschaftspolitisch Stellung und verleiht dieser mit heftigem Big-Band-Glanz und deftigem Rock auch Nachdruck. Regen fällt als handgeschüttelte Lebensphilosophie herab und streift, melancholisch geworden, Geige und Piano. Dafür geht in Auseinandertreiben nicht nur der Synthesizer mächtig Richtung Südstaaten-Gospel ab. Temperamentvollen Volkrock mit und ohne Puszta-Einfluss bekommt man beim spitzzüngigen Herschaun und den leidenschaftlichen Liebesbeschwörungen Die Liab (dahintreibend), Haut & Haar (atemlos) und Leben (all inclusive).

Ob Rotz & Wasser wegen der stattfindenden Europameisterschaft auf die CD kam, müsste beim Zuständigen erfragt werden. Witzig ist diese Collage mit Reporter Heribert Meisel und seiner legendären Radioübertragung des Fußball-Matches Österreich vs. Schweiz allemal und selbst Naidoo-Allergiker werden beim viel später folgenden, herzerweichenden Soul-Duo Hubert & Xavier in Siagst as (inklusive Sehnsuchtstrompete) nach Taschentüchern graben. Am Ende lässt uns der Instrumental-Track Hermann wortlos einfach davonschweben. Habe die Ehre.

Hubert von Goisern (eigentlich Hubert Achleitner) tritt mit neuer, verjüngter Band an und legt mit S'Nix nicht nur das bislang interessanteste, sondern auch gewichtigste Album seiner Karriere vor. Im Rahmen seiner Linz-Europa-Tournee ist HvG übrigens zwischen Juli und August 2008 in Deutschland auch live zu erleben.

gw: @@@@

Volk-Experimente

Morgenweb 12. Juni 2008

Hubert von Goisern zwischen den Stilen

Wer sich an Hubert von Goiserns angerockte Volkslieder seit Trad (2001) gewöhnt hat, muss umdenken: Auf S'nix erfindet sich der 55-jährige Oberösterreicher wieder mal neu und platziert sich lustvoll zwischen allen musikalischen Stilen. Die Extreme: Der aberwitzig schnelle Opener lamentiert über einer röhrenden Lenny-Kravitz-Gitarre, dass es "ka deitsches Wort für Showtime gibt". Es folgt eine Art Sound-Installation, die - passend zur Fußball-EM - einen unglaublich melodischen, militanten und emotionalen ORF-Kommentar des legendären Edi-Finger-Vorgängers Heribert Meisel von der WM 1954 über eine Mixtur aus ambientartigen Rhythmen und Volksmusik-Elementen legt - mit dem treffenden Titel Rotz und Wasser macht Goisern die Gefühlsachterbahn, die Fußball bedeuten kann, auch für Laien sinnlich erfahrbar. Gegen Ende wird es sphärisch und philosophisch, am interessantesten im dezent angejazzten Siagst As, bei dem Xavier Naidoo einen der stärksten seiner derzeit wieder überhand nehmenden Gastauftritte absolviert. Die stilistischen Ausflüge, die von Goisern seinen "traditionellen" Fans zumutet, machen durch die Bank Sinn, auch wenn sie nicht gerade Easy-Listening bedeuten. Von daher ist S'nix alles andere als nix.

Die permanente musikalische Weiterentwicklung von Hubert von Goisern trägt neue Früchte

Kulturwoche 11. Juni 2008

Mit dem Album "s'Nix" gelingt dem österreichischen Weltenbürger das bisher beste Album in seiner Karriere. 

Das Album beginnt mit dem harten Rock von Showtime, das Achleitner in Wien erstmals beim Amadeus Award 2008 live präsentierte und die Grundaussage "...bitte gib ma mehr von dera musi/he des kann do' no' vü' lauter werd'n" enthält. Eine Irritation auf hohem, sehr hohem, Niveau, eingepeitscht mit einem Gitarren-Kracher und inklusive der Glaubensvermittlung, dass Rock & Roll die Volks- bzw. Weltmusik schlechthin ist. Dieses elementare Grundverständnis schiebt sich durch das gesamte Album und dort wo sich doch vermehrt alpenländische Kürzel breit machen ist auch die Ironie nicht weit. "Da oan kann nit reden/Und da andere nit singen", heißt es z.B. in Weltuntergang, bei dem er zudem ein selbst persiflierendes Zitat von Koa Hiatamadl unterbringt. Und gleich noch ein Zitat, weil es grad so schön dazu passt. In einem der stärksten Lieder des Albums, in Herschauen, geht es um eben dieses Herschauen, Hinschauen, Vorbeischauen, Zuschauen, Wegschauen, und um die maßvolle Textzeile "I wü neama singa, i wü schrein/Weil dann kemman alle bei mir da vorbei."

Das Außergewöhnlichste an S'Nix ist die Unvorhersehbarkeit, einerseits das Auseinandertreiben und andererseits die Integration diverser Genres, sowie der Mut nicht auf Vertrautes zu setzen, sondern erneut neue Wege zu gehen. Ungewöhnlich und witzig (bei manch anderen wäre es vermutlich nur peinlich) sein Fußball-Lied Rotz & Wasser. Hubert von Goisern tritt hier als Sänger zurück und lässt via Sample die Stimme des 1966 verstorbenen Radioreporters Heribert Meisel erklingen. Zu hören bekommt man die witzige Schnittmenge zum legendären WM-Länderspiel Österreich gegen Schweiz im Jahr 1954, das als "Hitzeschlacht von Lausanne" (Endstand 7:5 für Österreich) in die Fußballgeschichte einging. Unglaublich, wie es Hubert von Goisern schafft, die gesprochene Reportage zum Singen zu bringen. Hinzu kommt generell die musikalische Beweglichkeit von HvG auf S'Nix, die ihn als ganz Großen der Musikszene bestätigt. Reggae, Soul, Rap, alpenländische und andere Weltmusik und Jazz, und, wie eingangs beschrieben, in erster Linie Rock. Laut, hart, schnell und knüppeldick. Dicht und unangestrengt vital. Es ist ein gelassenes Album, das Selbstzufriedenheit und Selbstsicherheit ausstrahlt und es ist ein Album, das große Themen ebenso versiert und gekonnt abhandelt wie verspielte Lautmalereien. Gigantisch.

Manfred Horak

Hubert von Goisern - S'Nix

NMZ 2008/06

Vom aufgesetzten Rock zur wahren Volksmusik. Präsentiert seit vielen Jahren von Hubert von Goisern. S'Nix nennt sich der neue Tonträger. Selbstverständlich wieder völlig anders als man das erwartet hätte. Es verbietet sich bei von Goisern von Stilrichtungswechsel zu sprechen. Denn einen Stil hatte er wohl nie. Es war stets nur Musik, die er anbot und die dankbar angenommen wurde. Ob das mal weltmusikalische, bluesige, heimatliednahe oder volksmusische Klänge waren oder wie diesmal rockigere Klänge sind. Ihm kauft man das ab. Weil er ehrlich ist. Weil Gefühle musikalischen Ausdruck finden und Musik von ihm Gefühlsausbrüche erzeugt. Eine wunderbare Platte, die man ohne Vorbehalte hören kann. Ein plattes Lob: großartig!

Hubert von Goisern - S'Nix

Amazon.de Mai 2008

Wenn der eher wortkarge Österreicher Hubert von Goisern ein Album S'Nix nennt, dann ist das Untertreibung schlechthin. Ein Wortspiel dazu, denn immer, wenn man sich auf seinen Text-Kosmos einläßt, entdeckt man Großartiges, sperrig Verquertes, knapp auf dem Punkt gebracht. Bestes Beispiel dafür ist Herschaun mit den übersetzten Zeilen "Ich will nimma singn, ich will schreien, dann kommen alle bei mir vorbei ...", ein herrlich temperamentvoller, jodeliger Volk-Rock, auf dem die ungarisch-bulgarischen Einflüsse seiner ersten Donau-Linz-Reise auf einem zur Bühne umgebauten Schiff einfließen, bei der er auch Darinka Tsekova kennenlernte, die Gadulka spielt.

Auf diesem unglaublich kraftvollen und zugleich nachhaltig romantischen Album zeigt sich Hubert von Goisern gesanglich so emotional wie nie und musikalisch wenig alpenländisch, obwohl er seine Wurzeln nie verleugnet. Was insbesondere für Weltuntergang gilt, das ironisch das Hüttenmadl zitiert. Die insgesamt 11 Songs neben dem Instrumental Hermann breiten sich lange und abwechslungsreich aus, mit vielen Stimmungs- und Stilwechseln, ohne Hektik und jener Muse, die wohl so eine lange Schifffahrt mit sich bringt. Die neue, junge Band rockt fröhlich drauf los, viele Passagen sind vom Jazz geprägt, von Reggae - und auch die Elektronik übernimmt bisweilen die Führung. Der Opener Showtime mit heftigem Big-Band-Rock'n'Roll zum Orgelwald macht Partylaune, ähnlich druckvoll sind Leben und das leidenschaftliche Liebeslied Haut & Haar ausgefallen.

Ganz anders hingegen Auseinandertreiben mit Synthesizer-verwobenen Beschwörungschören der Südstaatenmusik, das Paradestück Sieger, übers Siegen und Verlieren, eine Gesangshymne, die frösteln läßt. Ähnlich intensiv ist die fast beiläufig fabulierte Lebensphilosophie Regen, eine halbakustische Ballade mit Geige und jazzigen E-Pianoläufen. Zwei Songs fallen völlig aus dem Rahmen und passen trotzdem gut ins Konzept. Rotz & Wasser, die "aktuelle" Collage aus alter Fußballreportage Österreich-Schweiz anno 1954 zur EM und einem Instrumentalhintergrund samt Zwiefachem, und die wunderschöne, soulige Jazz-Ballade Siagst as im Duett mit Xavier Naidoo zu einer wehmütigen Trompete, wo kantig auf kuschelig trifft - mitten ins Herz. Sanft und unbändig wild ist S'Nix mehr als genug.

Ingeborg Schober

Goisern reloaded

The Red Bulletin Mai 2008

Lang erwartet, überraschend laut und vielfältig: Auf dem neuen Album "s'nix" offenbart Hubert von Goisern unbekannte Seiten, Sounds und Klänge.

Wenn ein Goisern-Album S'Nix heißt, könnte man ohne weiteres falsche Schlüsse ziehen. Man könnte glauben, der Goiserer kümmere sich auf sanfte Weise um sein Innenleben, um religiöse Themen, um Schwingungen aus dem Fernen Osten oder das Schweigen des Salzbergs. Das Gegenteil ist wahr. Goisern hat nichts anderes getan, als nach langer Zeit des kreativen Abschweifens (Live-, Filmmusik-, Konzeptalben) wieder ein veritables Goisern-Album auf den Markt zu bringen.

Die Machart freilich war außergewöhnlich. Goisern lud die Band der Donau-Tournee (Severin Trogbacher, David Lackner, Helmut Schartlmüller, Alex Pohn, Marlene und Elisabeth Schuen, Maria Moling, Darinka Tsekova) in sein Salzburger Studio. Dann wurde die Tür zugemacht und gespielt. Das Ergebnis: ein außergewöhnlich lebendiges Album, abwechslungsreich und niemals auf einen einzigen Stil, ein einziges Thema festgelegt.

Klar, Goisern hatte ein paar Versatzstücke mitgebracht, die sich zu Liedern entwickeln sollten, die Tonbänder einer legendären Fußball-WM-Radioübertragung oder die Hymne für den Fußballklub Red Bull Salzburg, die er geschrieben hatte. Daraus entstanden höchst unterschiedliche Songs, höchst unterschiedliche Instrumentierungen, höchst unterschiedliche Stimmungen, so dass es dem Album am besten gerecht wird, Song für Song zu beschreiben.

Hubert von Goisern
Foto: Manfred Klimek

1. Showtime
Lang hält sich Goisern nicht auf, bis er zur Sache kommt: eine unaufhaltsame Schweinegitarre gibt den Ton an, und ein Heavy-Metal-Sänger – Goisern! – schreit sich in den Song hinein, sprechsingend, reimend, den frechen Chor übertönend. Wild ist der Rock 'n' Roll, und Goisern tritt den Beweis an, dass er nicht nur mit dem Jodeln, sondern auch mit dem Rock 'n' Roll per du ist.

2. Rotz und Wasser
Montage einer historischen Fussballübertragung, und nein, es ist nicht Edi Finger sen. aus Córdoba. Es ist Heribert Meisel, der bekannte Sportjournalist, der für das österreichische Radio das legendäre WM-Viertelfinale 1954 Schweiz gegen Österreich übertragt. Das Ergebnis lautete bekanntlich 7:5 für Österreich, und Goisern unterlegt die neuralgischen Passagen mit Rhythmus und dem Klang seiner Harmonika. Schöne Erinnerung an eine Zeit, als Österreichs Radioreporter noch über brasilianisches Temperament verfügten.

3. Weltuntergang
Der erste konventionelle Popsong des Albums. Goisern als Crooner, der sich nach dem schönen Refrain daran erinnert, wie gut er jodeln kann. Schöne, sentimentale Ballade, die sich sogar einen Ausflug in die Gstanzlwelt leistet, leisten kann. Der Weltuntergang als Metapher, als Drohung, aber auch als Versprechen. Goisern, wie man ihn gern hat und kennt.

4. Auseinandertreiben
Wenn sich die Trennung abzeichnet. Wenn das Vertrauen schwindet. Wenn aber noch immer Hoffnung da ist, dass es vielleicht mit uns beiden weitergehen könnte: herzlicher, funkiger Blues, der an seinen Rändern in die österreichische Countrymusik ausfranst. Goiserns Stimme stark, nah und präsent. Seine abgedämpfte Trompete, ein wunderbares Irrlicht.

5. Die Liab
Endlich ein Liebeslied. Über der Gitarre elektronisches Zirpen, das sich in Konkurrenz zur Melodie stellt und diese davor bewahrt, zu süss zu werden. Goisern meditiert über das ewige Thema: "Die liab, die liab, sie gibt koa ruah / Und jeden tag will s' mehr / Und weil's uns gar so guat tuat / Darum kann i' mi a nit wehr'n."

6. Haut & Haar
Ein Schäuferl nachgelegt: Das ist Goiserns Hymne für die Leidenschaft. Ein entschlossener Rocksong, der den Sieg des Begehrens über die Vernunft orchestriert. Schnell muss es gehen, heut Nacht. Ungeduldig ist er, der Sänger. Kraftvolle, muskulöse Nummer.

7. Leben
Das Bekenntnis zum Hier und Jetzt, und wieder gibt der Rock 'n' Roll das Tempo vor. Hinter schweren Gitarren meditiert Goisern über den Sinn des Lebens: "Es g'hört uns eh nix und des Nix is umsonst / Drum is' des / Ganze Leben für uns a die größte Kunst."

8. Herschaun
Der vielfältigste Titel des Albums. Ein entschlossen rappender Goisern kippt ins Jodeln und wird von Balkan geigen aufgefangen. Könnte als Resümee der Donaufahrt gehört werden oder aber als was es angelegt ist: als Sammelbecken reichlich vieler musikalischer Motive über dem moralischen Imperativ des Dichters: hinschaun, herschaun, zuschaun. Auf keinen Fall jedoch, wie Goisern anmerkt: blöd schaun.

9. Sieger
Vom Pathos und der Wucht der Red Bull-Salzburg-Stadionhymne gleitet Goisern in ein wunderschönes, besinnliches Melodram: Die Freude am Gewinnen trifft den Schmerz des Verlierens. Eindrucksvolles akustisches Breitwandkino.

10. Siagst as
Plötzlich die ätherische Stimme von Xavier Naidoo, die diesen Titel vom Boden hebt und im Duett eine luftige Ergänzung zu Goiserns Bariton abgibt. Der funktioniert die Worte seines Salzburger Dialekts auch im gemäßigten Tempo zu interessanten Rhythmusinstrumenten um: So hebt Siagst as ab und segelt davon, Schmachtfetzen höherer Ordnung, extralange Spezialanfertigung für fernwehkranke Träumer.

11. Regen
"Wia des wasser is, so bin i / I treib und treib nur so dahin": so kommt eine märchenhafte Ballade früh auf den Punkt. Schönes, besinnliches Lied, kammermusikalisch instrumentiert, und Goisern zeigt, wie ein Salzburger Erzähler Geschichten verpackt, während seine Band vorführt, wie vielschichtig Intimität daherkommen kann.

12. Hermann
Der nicht sehr entschlossen versteckte "Hidden Track" dieses Albums. Goiserns leise Trompete übernimmt das Kommando über den Ausklang eines vielfältigen, hörintensiven Albums. Nachdenkliches Tempo, blaue Akkorde. Was sonst. So ähnlich könnte "S'Nix" klingen, aber dann rufen die Sirenen nach Hermann, und das große Rätsel bleibt ungelöst.

Christian Seiler

s'Nix kann gar viel sein

OÖN 28. Mai 2008

Stellen wir uns vor, dass sich einer monatelang auf dem Schiff die Donau Richtung Delta hinuntertreiben lässt. Irgendwann muss ihn die fließende Langsamkeit auf sich selbst zurückgeworfen haben. Was war, wurde zu einem reinen Weiß, das man s'Nix nennen kann. s'Nix gefiel als frischer Nährboden für etwas, das einfach zu wachsen begann. Bei Hubert von Goisern waren es Lieder, die ihn ein Stück auf seinem Weg weiterbringen.

Kraftvoll fahren die Finger in E-Gitarren-Saiten, wenn in Showtime die rattenfängerische Wirkung des Rock 'n' Roll zum Songbild wird. Wie überhaupt das Verbindende, Zusammenführende durchdringendes Thema ist – im stil- und taktbrüchigen Weltuntergang ebenso wie im weltoffenen, sinnscharfen Herschauen, das südosteuropäische Rhythmen einflicht. Von der Gewalt eines Wasserstrudels zehrt das fetzige Leben. Dafür lässt sich Siagst as im Duett mit Xavier Naidoo im ruhigen Soulfahrwasser treiben. Prickelnd das lustvolle Begehren in Haut & Haar. s'Nix ist ganz viel!

Hubert von Goisern & Band müsste es heißen!

Pop Info Mai 2008

Aus dem faszinierendsten Live-Projekt, das jemals von Österreich aus gestartet wurde, gibt es nun auch das passende Album mit neuen Songs. Die intensive Zeit am Konzertschiff von Wien bis zum Schwarzen Meer im Sommer 2007 war der Nährboden für ein unverwechselbares Album. Ein Album, das erst in Studiosessions mit sämtlichen Musikern (David Lackner, Alex Pohn, Helmut Schartlmüller und Severin Trogbacher) in Gemeinsamkeit komponiert und von Hubert von Goisern betextet wurde. Nach den musikalisch eher sanfteren Jahren von Herrn Achleitner präsentiert er sich in alter Urkraft. Viel Rock 'n' Roll, weniger Ziehharmonika. Ein gehaltvolles Album, das nach und nach neue Facetten preisgibt.

Hubert von Goisern zeigt auf "S'Nix" Mut zum Rock

Tagblatt 23. Mai 2008

Ein großer Wurf, ein mutiger zugleich: Hubert von Goisern hat sich auf seinem neuen Album S'Nix (Blanko Musik) neu erfunden. Mit dem soghaften Neunminüter Siagst as, hier singt zudem Xavier Naidoo, hat er eine kleine, faszinierende Popsinfonie geschaffen. Andere Songs lassen Widerborstigkeit und Lebensfreude ungebremst spüren, brennen in den Ohren und auf der Haut. Echte Rocknummern, die kratzen und sich verkanten wollen, überraschend intime Balladen, Jodeln im Soul-Kontext und doch fast kein Trad. Die Band pumpt mächtig, ein zusammengeschweißter Haufen, und der Chef singt so intensiv, wie zuvor noch nie gehört, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Ein weiter Sprung nach vorne.

Udo Eberl

Hubert von Goisern: "S'Nix"

www.weltmusik-magazine.de 23. Mai 2008

Man meint die falsche CD eingelegt zu haben, wenn die ersten Töne des neuen Goisern-Albums erklingen. Völlig ungewöhnlich für den Österreicher ist der Opener von S'Nix eine harte Rocknummer. Wer Hubert von Goisern kennt, weiß, dass er Abwechslung braucht und ausgelatschte Pfade hasst, wie der Teufel das Weihwasser. Diese Suche nach dem Unbekannten und Neuen hat ihn Zeit seines Lebens gedrängt, immer weiter zu gehen als andere. Dadurch gelang ihm eine beeindruckende Karriere als Musiker und Künstler.

So kann man S'Nix denn auch als ein hervorragendes Beispiel für diese Neugierde sehen. Es ist abermals ein Aufbruch zu neuen musikalischen Ufern. Und wieder hat er in seiner Musik verarbeitet, was ihm in den letzten Jahren begegnet ist. Spuren der Zusammenarbeit mit anderen Musikern etwa. Auf seiner letzten Tour, bei der er auf der Donau schippernd von Regensburg bis zum schwarzen Meer gereist ist, hat er mit vielen Bands aus den jeweiligen Regionen zusammengespielt. Dass darunter einige härtere Bands waren, wie Haydamaky oder Zdob Si Zdub, lässt sich nun nachhören. Doch weit gefehlt, wenn man nun denkt, Hubert von Goisern würde vorgenannte Bands kopieren oder ihnen nacheifern wollen. Auf S'Nix findet sich eindeutig "seine" Musik, so wie er momentan empfindet. Dass er dabei auch zitiert, wie beim Stück Herschaun, ist nur logisch. Nebenbei: Herschaun ist unser Höhepunkt des Albums!

Die ruhigen Nummern sind auf dem neuen Album in der Minderzahl, doch stehen sie qualitativ den lauten nicht nach. Hier kommt wieder die Gabe des Österreichers zum Tragen, sanfte Ohrwürmer zu schreiben, ohne schnulzige Balladen zu fabrizieren. Aber aufgepasst: So manch leiser Beginn eines Stücks erweist sich hier als Täuschung. Österreichische Fußballgeschichte verarbeitet er sehr humorvoll in Rotz & Wasser, das er wohl als Hymne für die in Kürze beginnende Europameisterschaft verstanden wissen will.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass Hubert von Goisern mit S'Nix abermals ein überraschendes Album veröffentlicht hat. Überraschend im eindeutig positiven Sinn.

Norbert Jäger
© Weltmusik-Magazin

Hubert von Goisern: "S'Nix"

www.musicheadquarter.de Mai 2008

Hubert von Goisern wurde als Hubert Achleitner 1952 in Bad Goisern, Oberösterreich geboren. Seinen Namen legte er sich zu, als er gemeinsam mit Wolfgang Staribacher 1986 die Original Alpinkatzen gründete. Auf seinen vielen Reisen und in den Jahren, die er im Ausland verbrachte, lernte er die unterschiedlichsten Musikrichtungen und Instrumente kennen, die ihm zu seinem absolut offenen, eigenen Musikstil verhalfen. So gilt er als DER Alpenrocker schlechthin.

Gemeinsam mit Wolfgang Ambros, Joesi Prokopetz und Manfred Tauchen ging er 1991 auf die Watzmann-Tour, einer Bühnenadaption des legendären Hörspiels Der Watzmann ruft. Seit 1988 veröffentlich Hubert von Goisern in regelmäßigen Abständen Alben, die auch immer die Eindrücke seiner zwischenzeitlichen Reisen aufgreifen und verarbeiten. Ersten grossen Erfolg hatte er 1992 mit dem Album Aufgeigen statt niederschiassen, er schrieb und spielte den Soundtrack zu dem Film Schlafes Bruder und war Gast auf dem Album Dreimal Zehn Jahre (bei Rita mir zwei) von BAP.

Um hier dem bewegten Leben dieses Mannes gerecht zu werden, reicht der Platz nicht. Doch ist auch sein neues Album S'Nix wieder Zeugnis seiner unbändigen Neugier und Offenheit geworden. Für seine Linz-Donau-Tour durch den Südosten Europas im Juni 2007, scharte Hubert von Goisern neue Musiker um sich, die nicht nur seine alten Stücke umsetzen, sondern für die neue Platte auch in andere Richtungen gehen konnten.

Und das ist gelungen. Anklänge an die Musik seiner Heimat sind nur noch vereinzelt auszumachen, S'Nix rockt an allen Ecken und Enden, manches Mal ist auch der Pop nicht all zu fern. Schon der erste Song Showtime kommt mit krachenden Gitarren und der Hörer kann es kaum fassen, dass dies Hubert von Goisern sein soll. In Leben gibt er dann ein klares Statement zu seiner Lebensfreude ab, die keinen Widerspruch duldet. Mit jedem Hören gewinnen die Songs und es ist ein reines Vergnügen, diese Spielfreude und Lebensenergie auf die Ohren zu bekommen. Als besonderen Gast hat Hubert von Goisern Xavier Naidoo zu Gast (Siagst As).

Dieser wird auch bei einer Show seiner bis 2009 dauernden Linz Europa 2007 - 09 Tournee zu Gast sein. So wie auch einige andere örtliche Künstler, wie beispielsweise BAP, Konstantin Wecker und Klaus Doldingers Passport. Dabei fährt von Goisern mit einem Schiff den längsten Strom Europas entlang. Sein Beitrag zu Linz 2009, Kulturhauptstadt Europas.

Günther Schuhbäck

Hubert von Goisern ist mit "S'Nix" zurück

APA 15. Mai 2008

Hubert von Goisern lässt wieder von sich hören. Ab 23. Mai findet sich sein neues Studioalbum S'Nix in den Verkaufsregalen. Was der Titel befürchten lässt, trifft aber nicht zu: Das aktuelle Werk, gespeist mit Impressionen der bisherigen Donau-Tingelei in Südosteuropa, bietet einen reichhaltigen Stilmix und etliche Perlen - also sicher nicht nix.

Obwohl: "S'Nix ist nicht nix. S'Nix ist überall, auch da wo nix ist. S'Nix ist ein Zustand", präzisiert Hubert von Goisern im Booklet. Die Band des Linz09-Botschafters, die für die LinzDonauTour wieder einmal neu zusammengestellt wurde, hat er vom Schiff gleich ins Studio verfrachtet. Lediglich eine "alte" Bekannte ist wieder mit dabei: Die Südtirolerin Marlene Schuen, die schon bei Iwasig sowohl auf Platte und vor allem auf der Bühne gute Figur gemacht hat.

Erfrischend-nostalgisch und angesichts der nahenden EURO 2008 brandaktuell geriet Rotz & Wasser - eine Montage von Kommentaren der Reporter-Legende Heribert Meisel zum Fußball-WM-Viertelfinalspiel Österreich-Schweiz 1954, untermalt mit dampfend-hypnotischem Sound und rustikalem Grundthema. Auch Showtime, Auseinandertreiben und der instrumentale Ausklang Hermann gehen in Herz und Hirn, zum epischen Siagst as steuert Xavier Naidoo eine Gesangsspende bei. S'Nix ist die wohl spannendste Arbeit des Goiserers seit Fön, obwohl dazwischen definitiv nicht nix gewesen ist.

Showtime für Hubert von Goisern

Musikmarkt 16. Mai 2008

"Showtime" für Hubert von Goisern. So heißt nicht nur der Opener auf S'Nix, dem neuen Album des Österreichers, das im Mai erscheint. Auch live startet der Ausnahmemusiker in diesem Jahr wieder durch.

Er setzt ab Juni gemeinsam mit vielen Gästen seine Linz Europa Tour fort und fährt mit dem schon im letzten Jahr erprobten Schiff die Donau aufwärts und über den Rhein-Main-Donau-Kanal in Richtung Nordsee. Mit seiner Band wird er nicht nur die besten Lieder der letzten Jahre in neuen Versionen präsentieren, auch neue Songs von S'Nix stellt Hubert von Goisern bei seinen Live-Shows vor. Unterstützt wird er dabei von Künstlern wie Konstantin Wecker, BAP und Xavier Naidoo. Letzterer ist auch auf einem Song des neuen Albums zu hören (Siagst as).

Ähnlich wie bei der Tour stehen auch beim Album die Zeichen auf "Verstärker an!" Mit seiner vergleichsweise jungen Band im Rücken zeigt sich Hubert von Goisern auf der neuen CD rockig und kraftvoll. Satter Sound, verzerrte Akkorde und rauer Gesang wie in Showtime stehen neben Balladen wie Die Liab, eingängigen Popsongs wie Haut & Haar, einer Collage der Moderation während der Radioübertragung des WM-Spiels zwischen Österreich und Schweiz durch Heribert Meisel (Rotz & Wasser) und einem Titel wie Herschau'n, der deutlich Referenzen an den Balkan und seine musikalischen Traditionen aufweist. Und auch die alpenländische Musik kommt nicht zu kurz, denn der charakteristische Dialektgesang sowie Jodel und volksmusikalische Akzente klingen immer wieder an.

Nomaden im Bauch des Schiffes

Salzburger Nachrichten 14. Mai 2008

Eisen und Stahl, Gelassenheit und Langmut – das sind die Elemente, die Hubert von Goiserns neue Songs prägen. Nicht zufällig klingt das neue Album wie eine Schiffsfahrt.

Schwer dröhnt zu Beginn eine E-Gitarre. Und da werden die ersten erschreckt auf das Cover blicken und noch mal nachlesen, ob sie tatsächlich eine CD von Hubert von Goisern eingelegt haben. Sie haben. Laut geht es zu in einigen Songs. Es regiert harter Rock. Das erinnert an selige Alpinkatzen-Zeiten, als Hubert von Goisern Mitte der 1990er Jahre unerbittlich zur Sache ging, um Unvereinbares zu versöhnen, um Volksgut und die Weltsprache Pop gleichermaßen zum Klingen zu bringen. Musikalische Weltbegehungen und Alpensound ereignen sich auch dieses Mal. Sie aber bilden nicht den Herzschlag der zwölf neuen Songs. Vielmehr klingen sie wie das Echo seiner Donaureise vom Vorjahr.

S'Nix heißt das Album. Dieses "Nix" spielt auf jene Momente an, da aus einem Meer von Gedanken und Ideen Songs werden. Ein Herumsitzen sei das, sagt er, ein Warten, das von der Umgebung als Nichts empfunden werde, ihm aber als erfüllter Zustand gelte.

Warten? Herumsitzen? Geduld üben? Das klingt nach Schiffsreise. "Ich hab gehört von Leuten, die bei einem Schiffsunfall dabei waren, wie eigenartig langsam sogar dieser vonstatten geht. Da schaut man minutenlang zu, wie zwei Schiffe aufeinander zu schwimmen und kann gar nichts dagegen machen", sagt Hubert von Goisern.

Die stählerne Kraft des Schiffes und der Langmut, den eine Schiffsreise provoziert, liegen den neuen Songs zu Grunde.

Weltuntergang, Auseinandertreiben und Siagst As sind die Songs, an denen sich Grundstimmung und Quellen dieses Album am deutlichsten erkennen lassen. Um die Gelassenheit, mit der in Siagst As - unter Mithilfe von Xavier Naidoo - die Welt seelenvoll betrachtet wird, scheinen sich alle anderen Songs wie in einem Wasserstrudel zu drehen.

Neun Minuten lang regiert gespannte Erwartung. Erzählt wird von "Nomaden auf neuen Pfaden". Die Banalität, dass "nach jeder langen Nacht irgendwann wieder das Licht kommt", entpuppt sich als tiefer Glaube daran, dass nichts zählt, was war, aber alles, was sein kann, dass jede erdenkliche Anstrengung lohnt - und sei es die Anstrengung, die unendliche Geduld vom Reisenden verlangt. Aus weiter Ferne treffen die Stimmen auf eine symphonisch anmutende Instrumentierung. Und was sanft wogend beginnt, entwickelt sich zu einem heftigen Sturm, der sich in der Unruhe der Stimme spiegelt. In einer Sporthalle ließ Tonmeister Wolfgang Spannberger viele Gesangsspuren aufnehmen. Ein extrem natürlicher Sound entstand dort, ein Stimmklang, der fast bedrohlich nahe an den Hörer herankommt und gleichzeitig, weil man auch manches Luftholen zwischen den Zeilen hören kann, die drängende Lust am Vorankommen andeutet.

S'Nix gerät zum Statement für immer währende Bewegung im Kopf und in den Beinen. Dieses Statement aber wird nicht allein mit der Gewalt und der Herrlichkeit von Lautstärke und Muskeln formuliert. Vielmehr liegt die Kraft von Siagst As in der Langsamkeit, die von Weltuntergang in einer überlegten Dosierung des Tempos und die von Auseinandertreiben in der Ungewissheit des Zusammenlebens.

Dass aus dem an Bord erlebten Langmut in den Songs niemals Langweile wird, liegt an der Präzision und Intensität, mit der sich die Stimme des Goiserers mit der Mächtigkeit seiner Band verbündet. Nach der Rückkehr von der Donautour wurde in langen Sessions rund fünf Monate an den neuen Songs gearbeitet. Man hat die Kraft, mit der im vergangenen Sommer von der Schiffsbühne aufs Land hinüber gespielt wurde, mit ins Studio genommen. Selbst in den zurückhaltenden Nummern macht sich eine Vorwärtsbewegung bemerkbar, die seit der Rückkehr des Goiserers nach der Alpinkatzen-Erfolgszeit vor neun Jahren so nicht mehr zu hören war (und auch deshalb von Bedeutung ist, weil im kommenden Sommer wieder von der Schiffsbühne für große Menschenmengen gespielt wird). Episch werden Geschichten ausgebreitet. Es herrschen Unruhe und Ungewissheit. Bisweilen werden die Geschichten dann herausgehämmert. Als müssten sie aus dem Bauch eines Schiffes gegen die Stahlwände donnern, um freizukommen. Öfter aber entwachsen die großen Erzählungen der Art der Vorwärtsbewegung. Gezwungen zum Zuschauen ist man auf einem Schiff. Da entdeckt man Langsamkeit als Lebenszustand. Es bleibt viel Zeit zum Denken.

Hubert von Goisern hat diesen Raum genutzt. Nie waren die Kompositionen dichter und umfangreicher. Auf keinem Album zuvor waren die Worte besser überlegt.

Bernhard Flieher

HUBERT VON GOISERN - S'NIX

www.sweetjanemusic.com 10. Mai 2008

Hubert von Goisern galt bereits in den letzten Jahren als Tausendsassa dieser unseren Nation. Dem jedoch nicht genug, wird der aus Österreich stammende Musiker doch als Erfinder des Alpenrock gehandelt, der zudem ein Klangbild definiert, das seine Vielfalt aus den verschiedensten musikalischen Stilarten speist. Und so ist auch sein neues Werk S'nix ein in der Volksmusik beheimatetes Rockalbum, das mal sehr forsch, dann wiederum auch sehr handzahm wirkt und mit dem sich der Musiker erneut als Freidenker zu behaupten weiß. Auch die Tatsache, dass Hubert von Goisern in der jüngsten Vergangenheit mit tibetischen, afrikanischen und arabischen MusikerInnen zusammen arbeitete, hört man den zwölf neuen Kompositionen noch an, denn dieser wagemutige Ansatz macht Goisern auf seine Art einzigartig. Songs wie Rotz & Wasser, Weltuntergang, Haut & Haar und nicht zuletzt das mit der Hilfe von Xavier Naidoo entstandene Siagst As entstanden auf einer mehrere Monate andauernden Schiffsreise, auf der sich Hubert von Goisern mit dem wirklich Wesentlichen beschäftigt zu haben scheint.

Mit seinem neuen Werk S'nix verbindet Hubert von Goisern Traditionelles und Modernes, Leises und Lautes und zeugt zudem von einem Künstler, der eine ganz klar definierte Vision verfolgt. Die zwölf auf S'nix vertretenen Songs werden somit zu ausgetüftelten Klangexperimenten eines Mannes, der für das Genre ungemein wichtig und mit den Jahren unverzichtbar geworden ist.

Dennis Grenzel

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