| news • biografie • musik & projekte • linz europa tour • diskografie • lyrics • film • fanclub • vermischtes • shop • lexikon • links • kontakt | linz europa tour site |
| Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | |||||||||||||||||||||
Hubert von Goisern kehrt nach vier Jahren klangmalerisch zurück
Illegal nach Tibet gereist überwog in Afrika das Gefühl, waren es in Tibet eher die Emotionen. "Passiert" sei ihm Tibet, "weil es eine Anfrage und ein politisches Problem gab". Trotzdem sei er auch hier "über die Musik in dieses Thema reingekommen". Musik, die für ihn "nur spürbar - nicht nachvollziehbar" war! Eine in österreich lebende Exil-Tibeterin hatte ihn gebeten eine Tournee tibetischer Musiker und Tänzerinnen zu unterstützen. Um das Bewußtsein der österreichischen Bevölkerung darauf hinzuweisen, daß es ein Tibet gibt und dieses Tibet ein besetztes Land sei, habe er sich engagiert und war "ganz fasziniert von dieser Kultur". "Danach habe ich noch zwei Wochen gebraucht und zu der Exil-Tibeterin gesagt: Komm' wir fahren jetzt nach Tibet". Die Reise erfolgte "auf sehr abenteuerlichen Wegen", Kanäle, über die er "aus Sicherheitsgründen für andere Exil-Tibeter" nichts sagen könne. Mit Freunden hatte er vereinbart, daß er sich einmal wöchentlich telefonisch melden würde. Sollte der Anruf ausbleiben, hätten diese die öffentlichkeit alarmiert. Schwierig sie die Reiseentscheidung erst recht für die Exil-Tibeterin gewesen, die seit ihrem zweiten Lebensjahr nicht mehr in ihrer Heimat war, aufgrund ihres Schweizer Passes, dann aber doch alle Bedenken abstreifte. Hubert von Goisern: "Ich war überzeugt, daß es sich bei den Geschichten die ich vorher hörte zu einem beträchtlichen Teil auch um Propaganda handelt, genauso wie es massive pro-chinesische Propaganda gibt". Er fand "nicht nur alles Negative bestätigt", es sei vielmehr "alles noch viel schlimmer" gewesen. "Ich habe das erste Mal in meinem Leben erfahren, was Freiheit bedeutet, weil ich Unfreiheit bis dahin nicht erlebt hatte", schildert er voller Emotionen. In Tibet gebe es "ein Netz von Spitzeln und eine Willkür der Macht", der man "immer und jederzeit ausgesetzt" sei. Es müsse nichts passieren, aber es könne jederzeit etwas passieren: "Dieses Bewußtsein reibt dich auf". Ein noch immer aufgewühlter Hubert von Goisern: "Du weißt nie, ob du jetzt einem Freund oder einem Feind gegenüber stehst. Diese Unsicherheit und dieses Mißtrauen prägen dort alles! - es ist fürchterlich". Aufgeladen und "mit viel Mitteilungsbedürfnis" sei er damals aus Tibet zurückgekehrt. Er hat Reiseberichte verfaßt, Pressekonferenzen gegeben und merkte: "Ich drohe zu einem Journalisten zu werden, der über politische Verhältnisse berichtet". Hingegen sei er noch immer am verständlichsten und wahrhaftigsten", wenn er das was er spürt mit Musik ausdrucke. Er nahm dann mit dem "Tibetan Institute Of Performing Arts" im nordindischen Dharamsala und den Künstlern, die er noch von deren österreichtournee kannte, Kontakt auf und lud diese zu Aufnahmen nach österreich ein. Bei der CD In Exil / Tibet sah er sich eher in der Produzentenrolle. "Ich sagte zu den Tibetern: Laßt uns doch das was euch bewegt, eure derzeitigen Träume und Leiden mit euren musikalischen Traditionen ausdrücken - aber eben auch mit dem, was im Grunde genommen zu einem Teil eurer Tradition geworden ist". Aber damit war er mitten in einer elementaren Konfliktsituation. Nur zwei der Musiker seien je selbst in Tibet gewesen, der Rest wurde im Exil geboren. In Indien wurden sie tagsüber geprägt von Hindi-Pop und westlicher Musik. Was diese jungen Musiker abends auf der Bühne präsentieren, sei in seinen Augen "Traditionsbewahrung, vergleichbar mit einer Vitrine in einem Museum". Dieser Generationskonflikt unterscheide sich aber in nichts von Kulturen irgendwo anders auf der Welt: "Mich hat vieles daran erinnert, wie es vor 15 Jahren mit unserer Volksmusik war - eine reine Traditionspflege, die mit dem hier und jetzt auch nichts zu tun hatte". Die Arbeit mit den Tibetern erforderte Geduld. "Ich sagte, wenn ihr ein Lied singt, mit einem textlichen Inhalt und auch einer Melodie, die etwas bestimmtes transportiert, dann möchte ich, daß ihr das lebt!" Das sei für die "etwas ganz Neues" gewesen. Sherap habe gesagt: "Ich singe die Worte, aber ich fühle nichts, das ist nichts anderes, als wenn ich esse". Hubert von Goisern widersprach: "Das geht aber nicht! Man muß zu dieser Figur werden! Schauspieler machen es nicht anders und schlüpfen in eine Rolle hinein. Diesen Mut muß auch ein Musiker haben". So, wie Pasang sich mit dem gemeinsamen Song Kham-Lu bei einer Aufzeichnung des Bayerischen Fernsehens (Songs an einem Sommerabend, Sendetermin: 4. September, 19.45 Uhr) auf Kloster Banz in Oberfranken präsentierte und den 4.000 Besuchern ins Gefühlsleben drang, hat Huberts Arbeit dennoch Früchte getragen. "Die Pasang hat eine Magic, die unter die Haut geht" und Huberts eigene Begeisterung ist in seinen Worten spürbar. Sein Beitrag für Tibet könne insgesamt nur ein rein solidarischer sein. Mit Veröffentlichung der CD sei diese Phase für ihn zunächst einmal abgeschlossen. Er habe zwar Visionen und Ideen, wie es weitergehen könnte, aber ob die Tibeter wieder zu einer gemeinsamen Tournee nach Europa kämen oder eventuell bei seiner Tournee einen Block erhalten, das könne er nicht beeinflussen. Hubert: "Es muß ein Interesse der Tibeter kommen, damit diese Zusammenarbeit weitergeht". Zielpunkt: eigenes Album mit Tournee 1999 Noch habe er keine neuen Songs im Kopf, aber er spüre "ein immenses Musiziergefühl". Es gebe vieles was aus ihm heraus möchte. "Ich habe ein fast körperliche spürbares Gefühl von dem, was ich umsetzen möchte", gestikuliert Hubert von Goisern mit den Händen. Ab September müsse er "das identifizieren und hörbar machen", damit daraus konkrete Nummern würden. Im Winter möchte er soweit sei, die neue CD einzuspielen, damit er im Frühjahr 1999 die Zeit der Bühnenabstinenz mit einer Tournee beenden könne. Seine Beiträge zu Gombe und In Exil zeigen, daß der Tendenzpegel lautmalerischer ausschlagen könnte. Hubert von Goisern: "In mir ist ein gewisses Bedürfnis, die Musik internationaler zu machen. Wenn ich Dialekt singe, ist es sehr regional. Wenn ich dagegen jodle, die Stimme als Instrument einsetze, dann kann ich das in Afrika oder Tibet genauso machen, wie in Amerika." Grundsätzlich würde das aber nicht heißen, daß er sich von textlichen Inhalten verabschiede. Das sei eher eine Dimension, die er mal etwas zur Seite gelegt habe, weil er in erster Linie musizieren möchte: "Musik ist für mich die geilste Sprache - in dem Moment, wo Worte hinzu kommen, engt man seinen Interpretationsspielraum sehr ein, weil man den Leuten vorgibt, sie hätten jetzt etwas ganz Bestimmtes zu empfinden, weil das die Geschichte von was auch immer sei". Musik als solche sehe er viel freier und er wolle da auch noch viel tiefer eintauchen. Er will seine "alpine musikalische Tradition" auch weiterhin in die Musik einfließen lassen, artikuliert, daß er "nie tibetische Lieder selber singen" werde. Andererseits sieht er es als Glück an, durch Zufall nach Afrika und Tibet gelangt zu sein. Dadurch habe sich für ihn "jetzt alles wieder geöffnet": "Ich mußte meine tradierten Denk- und Handlungsweisen vollkommen vergessen, mußte sie zerschlagen, um in die anderen Traditionen eindringen zu können", reflektiert er und fährt mit innerer Zufriedenheit fort: "Ich fühle, daß ich mein Terrain wieder völlig zerpflückt habe, kein Stein mehr auf dem anderen ist und ich wieder bei Null anfangen kann. Ich werde neue Dinge anpflanzen und zusehen, was davon aufgeht". Drei Jahre hat er seine Ziehharmonika überhaupt nicht mehr in die Hand genommen: "Ich wollte nicht mechanisch in das hinein kippen, was sich für mich toll bewährt hat". Er sei ziemlich tolpatschig auf der Ziehharmonika geworden, aber "das tut mir unheimlich gut". Jetzt müsse er sich wieder einen ganz neuen Zugang zu diesen Klängen verschaffen. Außer seinem früheren Keyboarder wird von den Alpinkatzen aber niemand mehr dabei sein: "Ich muß mir jene Leute holen, die vom Grundtypus zu meiner neuen Musik passen und nicht erst eine Reinkarnation durchzumachen haben". Reinhard Stranzinger sei ein exzellenter Blues- und Rockmusiker, aber den könne er nicht in seine neue Musik zwängen, "ebensowenig, wie der österreichische Nationaltrainer Prohaska den genialen Mittelfeldspieler Andreas Herzog bei der WM nicht erfolgreich in die einsame Sturmspitze hat drängen können". Er hofft, daß ein Teil seines früheren Publikums neugierig genug sei, zu erfahren, was ihn im Moment beschäftigt, um dann "mit offenen Ohren unvoreingenommen zuzuhören". Vieles sei exotischer geworden und er spüre die Gefahr, daß die Fans denken könnten: "Jaaaa! Interessant! Aber wie weiter?". Diese Gefahr sei vorhanden, aber wenn er - anders als bei der 15minütigen BR-Aufzeichnung, die er eher als zweifelhaften Ausschnitt einschätzt - sein volles Programm spielen könne, habe er auch wieder die Chance, seine Musik dem Publikum zu vermitteln. Bernd Schweinar
2. Oktober 2002 Diese Fotos wurden 1998 aufgenommen, als Hubert von
Goisern mit einer neuen Band einige Lieder von Inexil vorstellte.
Diese Band bestand aus Pasang Lhamo (TIPA), Stefan Engel (Alpinkatzen)
und Roland Meyer sowie Burkhard Frauenlob, der bei Hubert
Fotos © Bernd Schweinar | Klick zum Vergrößern | Mehr Fotos: www.allmusic.de
Salzburger Nachrichten 8. November 1997 Hubert von Goisern produziert Tibetisches "Ich möchte den jungen Menschen die Volksmusik zurückgeben. Diejenigen, die sie hören wollen, werden immer weniger. Und wir, wir bewahren nur unsere Tradition - anstatt der jungen Generation zu folgen." Als Sonam Phuntsok das sagte, standen er und seine Freunde am Beginn eines kühnen Projektes. Sonam ist Opernsänger, einer der besten in seinem Ensemble. Ausgebildet wurde er in einer strengen Tradition, in einer, die seit Jahrhunderten unverändert blieb. Sonam ist mittlerweile selbst Lehrer. Und gibt weiter, was seine Lehrer ihm weitergegeben haben: Die Kunst der tibetischen Oper. Diese Kunst wird an einem einzigen Ort der Welt gepflegt. In Dharamsala, Nordindien, fanden sich vor der chinesischen Besatzung geflüchtete Tibeter zusammen, um ihre Kultur zu bewahren. In Salzburg haben es vier von ihnen gewagt, was noch niemand zuvor sich getraute: Die alte Musik ins 20. Jahrhundert zu führen. Ins alpine 20. Jahrhundert, um genau zu sein. Denn Produzent, Führer und Ideenlieferant ist Hubert von Goisern. Sechs Wochen lang lebten Sonam, sein Kollege Jamyang Choeden sowie die Sängerinnen und Tänzerinnen Shareb Wangmo und Passang Lhamo mit dem Goiserer unter einem Dach. Ort des Geschehens: das Haus Huberts in der Stadt Salzburg, bestückt mit einem bestens ausgerüsteten Aufnahmestudio. "Was wir jetzt an Material haben, ist der Traum eines jeden Musikers", beschreibt Hubert das Ergebnis wochenlanger Arbeit. "Es ist das erste Mal, daß so etwas geschieht. Wir werden sehen, wie die Menschen reagieren", kommentiert Sonam das musikalische Gipfeltreffen. Aufgenommen wurden ein gutes Dutzend Lieder. Sie handeln vom Panschen Lama, dem "jüngsten Gefangenen Tibets", einem fünfjährigen Buben, der zum nächsten Dalai Lama bestimmt ist und der von den Chinesen an einem unbekannten Ort festgehalten wird. Sie handeln vom 6. Dalai Lama, der im 17. Jahrhundert die Nächte lieber unten in der Stadt in den Schenken und bei den Frauen verbrachte als oben im heiligen Palast. Sie handeln von den Adlern, die die Juwelen des Himmels und den Wolken, die die Perlen sind. Und sie klingen märchenhaft fremd - wenn auch zumindest teilweise in gewohnten Rhythmen. "Wir haben nicht versucht, westlich zu singen und zu spielen", beschreibt Jamyang Choeden die Methode. "Wir haben unsere Musik mit der Euren harmonisiert." Und versucht, eine Sprache zu finden, ohne die traditionellen Muster zu verraten. "Erst die Hälfte der Arbeit ist geschafft", sagt Sonam. Die weitere Bearbeitung des Rohmaterials übernimmt der Goiserer. Bis Weihnachten soll alles abgemischt sein, im Frühjahr kommt die CD auf den Markt. Produzent Hubert von Goisern wird ebenfalls zu hören sein, mit Gesang und auch mit Instrumenten. "Die Herausforderung ist, daß es Weltmusik wird, aber keine Allerweltsmusik." Unverwechselbar soll es werden und einzigartig. "Ich kann mir nur noch selbst im Weg stehen, aber das glaub' ich nicht". Und doch: Es gab Tage, an denen "ich total verzweifelt war", erzählt der Goiserer. Zwei Wochen dauerte die Annäherung zwischen Tibet und Österreich, die Einigung auf gemeinsame mentale Spielregeln. Das war nicht zuletzt deswegen so schwierig, weil die Musiker vom Dach der Welt zwar sanft wie Samt sind, aber still wie ein Bergsee. "Wir haben viele Sachen ausprobiert, die wir dann wieder verschrottet haben. Aber plötzlich ist's dann gelaufen." Hubert von Goisern jedenfalls ist überzeugt und begeistert von dem, was entstanden ist. Seine Hoffnung für die Premiere als Produzent: "Daß es zu den Leuten kommt." Die vier Tibeter sind wieder zu Hause angekommen. "Da werden wir dann weiße Krähen sein", sagten sie einmal. "Weil weiße Krähen anders sind und nie mehr ganz dazugehören werden." "White Crows" - weiße Krähen - das wird der Name der Musikergruppe sein. Martin Stricker
Tiroler Tageszeitung 19. September 1997 Hubert von Goisern über seine Musikprojekte mit Tibetern und die Volksmusikübersättigung
St. Anton. "Wenn ich Volksmusik höre, geht es mir schlecht", sagt jener Hubert von Goisern heute, der mit verrockter Volksmusik und seiner Band Alpinkatzen sensationell erfolgreich war - biszu deren Auflösung. "Es herrscht totale Übersättigung an Volksmusik - dabei vermisse ich inhaltlichen Tiefgang", bekümmert Goisern, daß andere auf den Erfolgszug Alpenrock aufgesprungen sind, "sogar die Werbung. Ich habe da eine Lawine losgetreten..." Goisern hat seinen Schlußstrich gezogen unter jodelnden Hardrock, Kuhrufe, furiose Akkordeonshow mit Gletscherbrille und Hiatamadl. Auch seine neuen musikalischen Wege führen durch her-be Höhenluft - begleitet von Menschen, deren Leben und Musik von den Extremen der Berge geprägt ist. Zünftigen Alpenklängen folgt der Sound des Himalajastaates Tibet. Dies erzählte Goisern der TT während des Bergfilmfe-stes in St. Anton, wo er Ehren-gast war und nach langem wieder (Wia die Zeit vergeht, lautet der Titel des dort präsentierten Konzertfilms mit den Alpinkatzen...) in Sachen Musik mit Ziehorgel auf der Bühne stand. Mit den Sängerinnen Pasang und Sherab sowie den Sängern Jamyang und Sonam, Mitglieder des TIPA (Tibetan Institute of Performing Arts) im indischen Exil in Dharamsala. "Mit ihnen nehme ich derzeit auf, vor allem als Produzent, ich spiele und singe aber auch." Basis sind die (in Tibet selber verbotene) Folklore und die 500 Jahre alte Operntradition der Tibeter. "Ich möchte meinen Freunden helfen, diese Musik aus der Tradition herauszuholen, mit zeitgenössischem Sound und Inhalten zu verbinden." Die bittere Unterdrückung des tibetischen Volkes soll auch in Musik gefaßt werden, "darüber zu debattieren habe ich satt. Das ist die Sache von Politikern, ich bin Musiker!" Die Hörbeispiele: Zu scheuem Zirpen aus Goiserns Ziehharmonika klingt die unglaublich klare Kopfstimme Pasangs. Zirkulationsatmung hat im Himalaja höchste Perfektion erreicht - kaum enden wollend schweben Melodien in schwindelnden Höhen. Das klingt sehr herb für den westlichen Normalverbraucher. Ob da This land is my land, this land is your land - berühmt durch Woody Guthrie; in St. Anton vierstimmig tibetisch - vor allem eine "goldene Brücke" in westliche Ohren war? Thomas Böhm
Bad Ischler Rundschau 1997 "Seine Heiligkeit wird sich hier wohlfühlen" meint die Repräsentantin des Dalai Lama in Genf, Chungdak Koren. "Irgendwann möcht i in Lhasa a Konzert geben und dort an Juchiza außalass'n. Nur muaß ma si da lange g'nug akklimatisieren, sonst daschnauft ma's net." (Hubert von Goisern)
Bad Ischl (SZ) Auf verschiedenen Ebenen laufen zur Zeit Bemühungen, die verzweifelte Lage des tibetischen Volkes auch im Westen publik zu machen und China dazu zu bewegen, ernsthafte Verhandlungen mit Vertretern des Dalai Lama unter Aufsicht der UNO zu beginnen. Das Österreichische Komitee für Tibet (ÖKfT) etwa, in dem das innere Salzkammergut prominent vertreten ist, bemüht sich um die Gründung einer überparteilichen Tibet-Freundschaftsgruppe im Nationalrat - und in diesem Zusammenhang gab es am 15. Mai im Parlament in Wien ein von allen Parteien beschicktes Informationsgespräch. Mit dabei waren neben Hubert von Goisern und dem Kulturberater des Stadt Bad Ischl, Hannes Heide, auch die Repräsentantin des Dalai Lama in Genf, Chungdak Koren - und sie zeigt sich zu- mindest vorsichtig optimistisch. Vielleicht könnten mit der neuen chinesischen Regierung die Verhandlungen wieder in Gang kommen, hofft sie, doch Eile sei geboten: Denn unter der tibetischen Jugend mache sich Ungeduld breit und parallel dazu die Bereitschaft, den Konflikt auch gewaltsam auszutragen. Damit werde man das Problem nicht lösen, meint ÖKfT- Sprecherin Tseten Zöchbauer, aber die Reaktion kann sie verstehen, denn: "Man lobt zwar immer wieder unser friedliches Vorgehen, aber jene Unterstützung, die wir so dringend brauchen würden, die bleibt nach wie vor weitgehend aus." Das Ziel des Dalai Lama, über Autonomieverhandlungen die Sicherung der nationalen und religiösen Rechte! zu erreichen, sei richtig, aber auch sehr langwierig: "Ich habe mich mit eigenen Augen davon überzeugen können, daß dieses Volk nicht in Freiheit lebt. Aber es wäre schade", fürchtet Hubert von Goisern, "wenn der gewaltfreie Weg jetzt in Terror umschlagen würde." Er selbst freilich ist optimistisch, "daß alles gut wird - ich möchte es nur noch erleben." Denn das Leben in Tibet sei von den äußerem Umständen her von solchen Extremen gezeichnet, "daß es nur der auf sich nehmen wird, der dieses Land wirklich liebt." Daß das in erster Linie die Menschen sind, die dort geboren und auf-gewachsen sind, das ist für den Mitinitiator des Tibet - Komitees genausowenig eine Frage wie die Forderung, daß man sie unterstützen sollte, wo dies nur möglich sei. Das verlange oft viel Mut und Engagement, unterstreicht Tseten Zöchbauer diese Feststellung: "Deshalb ist es auch so positiv, daß sich oft einzelne Gemeinden oder Städte - wie etwa Bad Ischl trauen, was andere aus lauter Vorsicht oder Diplomatie lieber immer nur vor sich her schieben." Konkret meint sie damit die Einladung an den Dalai Lama zu einem Besuch in der Kurstadt, die - trotz Interventionen von chinesischer Seite bei Bürger-meister Helmut Haas - aufrecht ist. Im Juni kommenden Jahres soll das Oberhaupt der Tibeter in die ehemalige kaiserliche Sommerfrische kommen, und "er wird sich in dieser Landschaft und bei diesen Menschen wohlfühlen", ist Chungdak Koren überzeugt. Zur Vorbereitung dieses Besuches war sie Ende vergangener Woche in Bad Ischl und traf dabei unter anderem mit Bürgermeister Helmut Haas, Vize Andreas Niederauer sowie Vertretern von Rotary- und Lions-Club zusammen - im Gasthaus am Siriuskogel, wo nicht nur die tibetische Flagge die Gäste begrüßte, sondern auch Spezialitäten aus ihrer Heimat aufgetischt und das Versprechen abgegeben wurde: "Kommt der Dalai Lama ins Salzkammergut, dann wird er sicherlich auch Zeit finden, diesen wunderschönen Aussichtsberg zu besuchen!" Josef H. Handlechner
Salzburger Nachrichten 30. August 1997 Es wird hart gearbeitet. Zwei Herren und zwei Damen aus Tibet (allesamt ausgebildete Sänger ihrer heimischen Oper), Hubert von Goisern, Alpinkatzen-Keyboarder Stefan Engel und Tontechniker Wolfgang Spannberger werken an einem einzigartigen Projekt: Klassische tibetische Musik erhält mit viel Gefühl ein neues Outfit. Aufgenommen wird seit 14 Tagen in Goiserers Studio, er ist Produzent der CD, die vier Tibeter sind bei ihm zu Gast. Sonam Phuntsok ist einer davon. Allesamt sind Mitglieder des "Tibetan Institute of Performing Arts" in Nordindien. Dort wird sorgfältig bewahrt, was China im Heimatland unterdrückt - die uralte Kunst der Oper. Allerdings gibt es ein auch hierzulande bekanntes Problem. "Die Jungen hören immer weniger traditionelle Musik", sagt Sonam. Der Kontakt mit dem Goiserer und das Wissen um seinen Erfolg schien anregend: "Auch wir wollen die alte Musik wieder für die Jugend hörbar machen." PS: Wir haben kurz hineingehört: Das tibetischalpine Projekt läuft prachtvoll. |
|||||||||||||||||||||
| Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | |||||||||||||||||||||
| << AFRIKA & TIBET :: |