Hubert von Goisern
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Hubert von Goisern - Derweil

Sound and Image August 2006

Erst wenn man mal aus dem älplerischen Einzugsgebiet weggezogen ist, weiß man eigentlich erst so richtig zu schätzen, was es mit der Alpenmusi so auf sich hat. Erst recht, wenn sie sich, so wie die Musik von Hubert von Goisern, nicht auf dem konventionellen Misthaufen der sogenannten Volksmusik bewegt, sondern etwas nonkonformistisches, ehrgeiziges und liebevoll-heimatliches im cosmopolitischen Sinn aufweist. Als die Alpinkatzen 1988 ihr erstes Album vorlegten, brach eine neue Zeitrechnung in Sachen Heimatmusik an. Hubert von Goisern krempelte um, "Austropop" und "Volkslied" bekamen andere Vorzeichen und aus einem Geheimtipp wurde Kult. Der Goiserer tourte sich den Wolf, bereiste die Welt von Afrika bis Tibet und diese Doppel-CD ist die Zusammenfassung all dessen.

Eigentlich sträubte sich HvG gegen eine "Best of"-Zusammenstellung, aber die Erkenntnis "Zeit ist unvermeidbar … und darum brauchen wir auch die Erinnerung" führte dann doch zu Derweil – 1988 bis 2006.

34 Songs aus alten und weniger alten Zeiten hat er zusammengetragen, vom Hiatamadl bis Mercedes Benz, von Alben wie Alpine Lawine bis Ausland. Ein Weltmusik-Konzentrat voller Herzblut. Vom Salzkammergut in die weite Welt und zurück. Hubert von Goisern ist ein Österreicher mit Vorbildcharakter. Schön wäre es, sein Geist würde auf Schwachmaten wie Haider oder Schwarzenegger übergehen. Seine Musik kennt keine Grenzen und bläst das Gehirn frei. Derweil sollte jeder haben, ob in Flensburg oder Garmisch.

Hubert von Goisern verzückt mit "Derweil"

Krone 28. August 2006 | Text: Sebastian Räuchle

Wohl kaum einer hätte Anfang der Neunziger gedacht, dass sich mit einer Quetschkommode, Jodlern und Mundart-Texten fernab des Volksmusik-Genres Geld machen lässt. Dann betrat Hubert von Goisern die Bühne und rockte innerhalb kürzester Zeit jede Almhütte in Grund und Boden. 1,5 Millionen verkaufte CDs und gut 1.000 Auftritte später liefert einer der wohl interessantesten Künstler Österreichs einen Rückblick auf sein bisheriges Schaffen.

"Best of"-Alben eignen sich meist hervorragend, um den Werdegang eines Musikers zu verfolgen. Oftmals muss man jedoch frustriert feststellen, dass sich viele Bands über die Jahre hinweg musikalisch nicht gerade zum Besten gewandelt haben.

Nicht so bei Hubert von Goisern. Auf dem insgesamt 34 Songs umfassenden Doppel-Album Derweil bietet der Weltmusiker mit österreichischen Wurzeln einen Rückblick auf die Jahre 1988 bis 2006 und zeigt dabei eindrucksvoll, wie wandlungsfähig und vielseitig er ist.

So finden sich neben den Alpen-Rock-Stücken wie Solide Alm oder dem Hütten-Kracher Koa Hiatamadl auch besinnliche und gefühlsbetonte Stücke wie Heast as nit, Weit, weit weg oder Schau, schau auf dem Album. Reisen nach Afrika und Asien förderten schließlich meditative Songs wie das wunderschöne Kham-Lu oder die Afrika Ouvertüre zu Tage.

Doch damit ist der musikalischen Vielfalt des Musikers noch lange nicht genüge getan. Vom besagten Alpen-Rock über Jazz (Fön), seine bluesige Interpretation von Janis Joplins Mercedes Benz, dem karibisch-angehauchten Da Dasige oder dem vom Spiritual und Gospel geprägten I bi an: Hubert von Goisern setzt sich keine Grenzen und das ist auch gut so. Zwar führt die Experimentierfreudigkeit nicht immer zum Erfolg, langweilig oder schlecht sind die Songs deswegen noch lange nicht.

Fazit: Derweil ist ein kleines und sehr feines Stück österreichischer Musikgeschichte, wie es abwechslungsreicher und interessanter nicht sein könnte und mit dem Hubert von Goisern seinen Status als Ausnahme-Musiker beweist. Bleibt nur zu hoffen, dass auch in Zukunft noch viel von ihm zu hören sein wird.

10 von 10 Juchitzern

CD der Woche

WDR5 13. August 2006 | Text: Peter Krause

derweil - Hubert Von Goisern

Bayern machen gerne Witze über ihre Nachbarn, die Österreicher. Umgekehrt ist das genauso, schließlich pflegen beide ihre Traditionen, laufen im Dirndl durch die Gegend und lieben ihre Berge. Und sie haben noch eine Gemeinsamkeit, die sie vom Rest Deutschlands unterscheidet: sie verstehen sich, wenn in Mundart geredet wird. Denn was Hubert von Goisern mit dem Titel seines aktuellen Albums derweil meint, weiß jeder in München und Umgebung, darüber hinaus wird es mit der Verständigung schon schwieriger.

Mit "In der Zwischenzeit" oder "während" könnte man "derweil" übersetzen. So verweist der Mann aus Bad Goisern im Salzkammergut auf seine über 20 Jahre andauernde Karriere als Musiker und auf die bisher 13 Tonträger, die er seit 1988 veröffentlicht hat. "Derweil" sagt Hubert von Goisern, denkt er über ein großes Projekt nach, das er im nächsten Jahr gemeinsam mit vielen anderen europäischen Künstlern plant. Aber er lässt sich auch damit Zeit. Davon hat sich der Akkordeonist, Sänger und Gitarrist im Laufe seines Lebens schon viel genommen.

Als die Heimat dem 20-jährigen zu eng wird, wandert er nach Südafrika aus, kehrt ein paar Jahre danach zurück, lernt eine Kanadierin kennen und verlässt sein Land erneut, diesmal Richtung Toronto. Dann verschlägt es den unruhigen Geist auf die Philippinen, wo er den Einheimischen alpine Volkslieder vorspielt und im Austausch dafür die Traditionen der Ureinwohner beigebracht bekommt. Wenn so weit auseinander liegende Kulturen musikalisch miteinander kommunizieren können, dann muss auch Volksmusik und Rock unter einen Hut zu bringen sein, denkt sich der österreichische Querkopf und macht sich auf den Weg zurück in die Heimat.

Da ist er bereits weit über 30, in einem Alter, wo bei den meisten die Midlife Crisis beginnt und mancher Popstar schon längst den Höhepunkt seiner Karriere überschritten hat. Und plötzlich ist er da, der Hubert von Goisern mit seinen Alpinkatzen. Er singt im Dialekt von Mädchen, von der Alm, vom Kokain, von der alpinen Lawine und "räpt den Wildschütz".

Er holt sich seine Ideen bei der Volksmusik, lässt ihr aber nur noch das Akkordeon und haut ihr E-Gitarre, Schlagzeug und Bass um die Ohren. Das kommt so gut an, dass er bis 1994 unumschränkter Herrscher der alpinen Rockmusik ist. Doch von Goisern wäre nicht von Goisern, wenn er den Zustand nicht reflektieren würde. Erfolg und Routine langweilen ihn, er schmeißt alles hin und geht 6 Jahre lang nicht mehr auf die Bühne.

Macht wieder etwas ganz anderes, Mode zum Beispiel, oder einen Besuch in Afrika bei der berühmten Schimpansen-Forscherin Jane Goodall. Auch als Produzent tritt er in Erscheinung, geht mit tibetischen Musikern ins Studio und modernisiert ihre Lieder, wofür er stark angefeindet wird. Aber der Musiker fragt sich zurecht: Warum sollen sich tibetische Traditionen nicht auch verändern dürfen?

2000 erscheint endlich die neue CD Fön. Hubert von Goisern ist leiser geworden, nachdenklicher, aber wenn er singt, ist er immer noch der Mann aus Bad Goisern. Außerdem hat er mittlerweile entdeckt, dass seine Musik in Afrika genauso gut funktioniert, wie hierzulande. Er tritt mit Musikern aus Mali, Senegal, Burkina Faso und Ägypten auf. Lernt Mohamed Mounir kennen und geht mit dem ägyptischen Star auf Tournee. Schließlich ist alpenländische Musik außerhalb Europas genauso exotisch, wie Außereuropäische hierzulande.

Und irgendwie scheinen die Gemeinsamkeiten zu überwiegen. Jedenfalls ist Hubert von Goiserns Entwicklung vom "Alpenbua" zum Weltbürger auf der Best of CD gut zu hören.

Hubert Von Goisern: Derweil (1988-2006)

Soundbase Online August 2006 | Text: SK

Wo andere Künstler gar nicht schnell genug etwas extra Reibach widmen und am Besten gleich nach zwei Alben schon mal vorsichtshalber ein bis zwei Best of Scheiben raus hauen, da lässt sich ein Mann wie Hubert von Goisern schon mal gerne 18 Jahre bitten bevor er sich zu einer solchen Veröffentlichung hinreißen lässt. Und das tut er dann wahrscheinlich noch nicht einmal des Geldes wegen, sondern vielleicht dafür, dass sich Goisern-Frischlinge nicht gleich eine komplette Diskographie zulegen müssen, um mitreden zu können.

Denn mit Derweil bekommt man wirklich die ultimative Kurzfassung der musikalischen Geschichte des sympathischen Künstlers präsentiert, der sich auf seinen Alben von volkstümlich-rockig über jazzig-groovend bis hin zu multikulturell verbindend präsentiert hat. Persönlich kann ich jetzt nicht unbedingt jeder Phase seines Schaffens volle Begeisterung abgewinnen, aber ich muss gestehen, dass ich von der stetigen Wandlung in seiner Musik unglaublich fasziniert bin. Diese Faszination liegt vielleicht am Ehesten darin, dass man den Songs durch die Bank anhört, dass von Goisern die jeweiligen Stücke mit jeder Faser seiner Seele und absoluter Hingabe zelebriert.

Fazit: Hubert von Goisern war, ist und wird wahrscheinlich auch immer ein Künstler bleiben, der sich in einer Sparte von Musik zu Hause fühlt, die nie die Massen erreichen wird. Mit Derweil (1988 – 2006) lädt er alle Interessierten ein, in seine persönliche Musikstube einzukehren und in aller Ruhe all die musikalischen Kostbarkeiten, die er während seiner gesamten Karriere gesammelt hat, zu betrachten.

Das Beste derweil auf CD

Music Channel Juli 2006 | Text: Georg Schulz

Hubert von Goisern ist eines der ältesten österreichischen Alpenmusik- Gesteine, vielmehr ein ganzes Gebirge! Obwohl es schon ein "Best Of" gibt, ist dieses eine vollständigere Sammlung seiner Musik. Zweimal siebzehn Nummern auf zwei Silberlingen geben ein umfassendes Gesamtbild ab. Seit Juli ist das Album im Handel: derweil: 1988 – 2006 heißt es und rückt den einzig wahren Goiserer in das richtige Licht.

Eigentlich wollte er ja Dirigent werden. Doch in der Kappelle, wo er sein erstes Instrument lernte, flog er raus - es waren die langen Haare die dem Kappellmeister ein Dorn im Auge waren. Seine Trompete musste er im Ensemble lassen. Er lernte sich selbst akustische Gitarre, die war im zu leise also kaufte er sich eine elektrische. Doch die war seiner Umgebung zu laut! Mit der Ziehharmonika wollte er noch nichts zu tun haben. Überhaupt war ihm die österreichische Enge zu viel, und er beschloss mit seiner damaligen Freundin nach Südafrika zu ziehen. Rassentrennung ließ ihn auch dort nicht zur Ruhe kommen, vielleicht würde er, mit neuer Frau, in Kanada besser fahren. Dort entschloss er sich auch endgültig die Laufbahn eines Berufsmusikers einzuschlagen. Nach diversen Musikstudien ging es dann Schlag auf Schlag. Auch seine Phillipinenreise – bei der er einige Zeit bei Kopfjägern verbrachte – trug zu seiner musikalischen Reifung bei.

Mit der Alpinen Lawine ging es richtig los, obwohl von Durchbruch noch keine Rede sein konnte. Erst das nächste Album, mit dem Superhit Hiatamadl brachte durchschlagenden Erfolg und von da an ging es nur noch bergauf. Neben Alben auf denen sich die Goiserer- typische Mischung aus traditionellen und modernen österreichischen Klängen findet (z.B: Omunduntn, Iwasig), hat er sich auch der Filmmusik gewidmet (Schlafes Bruder), der Worldmusic, die stark von seinen Reisen beeinflusst ist (Gombe, Inexil), sowie den traditionellen österreichischen Volksliedern (Trad I + II).

Auf derweil finden sich seine größten Melodien sowie eine unveröffentlichte Aufnahme und 3 Neumischungen. Das macht diese Scheibe wohl zum idealen Einstieg für Menschen die den Goiserer kennen lernen wollen, sowie für Fans, deren alte CDs schon langsam den Geist aufgegeben haben. Und vielen Österreichern dürfte bei den neo-rustikalen Klängen des Goiserers ein "Juchitzer" auskommen!

Hubert von Goisern: derweil (1988-2006)

OMM Juli 2006 | Text: Frank Becker

...angekommen (eine Bilanz)...

Er ist ein musikalischer Globetrotter, Oberösterreicher aus dem schönen Salzkammergut, Kosmopolit, Multiinstrumentalist und Alleskönner: Hubert von Goisern (vulgo: Hubert Achleitner) hat jetzt nach 18 Jahren, 1.000 Konzerten und 14 Alben ein erstes "Best of" vorgelegt, das er lakonisch derweil nennt. Es soll also weiter gehen. Das Doppelalbum mit 34 Titeln und insgesamt mehr als zweieinhalb Stunden Musik ist ein gelungener und technisch einwandfrei zusammengestellter, teils sogar neu arrangierter Querschnitt durch das (bisherige) Lebenswerk des erfolgreichen Weltreisenden in Sachen Musik, der damit die Verschnaufpause nach seiner großen Afrika-Tournee und dem wunderbaren Doppelalbum CD/DVD Ausland kreativ überbrückt.

Der Barde, der auch die Kaiserhymne "Gott erhalte Franz den Kaiser" als Heavy Metal-Nummer bruchlos in sein Repertoire einfügt, ohne Jimi Hendrix Konkurrenz machen zu wollen, gehört zum Salzkammergut wie Theo Reisner und Helmut Peter, wie das "Weisse Rössl", der Kaiserschmarrn und ein sommerlich frisches Trumer Pils. Achleitners schon höchlichst gelobte Mischung von Rock mit Elementen traditioneller oberösterreichischer Volksmusik und internationaler Folklore machte ihn noch vor vielen Epigonen zu einem der wichtigsten Vertreter des Austropop, bzw. -rock. Dabei beherrscht er mit leichter Hand Blues und Rock, das Jodeln, das ihm verdienstvoll Sabine Kapfinger beigebracht hat, er sog Elemente tibetanischer, kanadischer, philippinischer, süd-, zentral- und nordafrikanischer Folklore auf, drehte Kulturfilme und schrieb die Musik dazu. Seine ursprüngliche Band, die Alpinkatzen löste sich auf, eine neue Formation fand sich und begeisterte Afrika auf einer grandiosen Tournee.

Hubert von Goisern ist überall gewesen und angekommen. Doch z'Haus ist er in Bad Goisern, das ihm schließlich die Ehrenbürgerwürde verliehen hat. Das Erstaunlichste an seinem Erinnerungs-Album derweil ist vielleicht die Beobachtung, daß quasi jedes einzelne dieser 34 Stücke zwischen Alpenrock und alpiner Weltmusik aus 18 Jahren eine Perle in Klang und Performance ist und sich jede neue Idee in Arrangement oder Instrumentation als erfrischende Bereicherung erweist. Daß trotz im Laufe der Zeit wechselnder Besetzung und Stilwandel diese hohe Qualität gehalten werden konnte, ist zweifelsohne Hubert von Goisern selbst zu verdanken, der sich anders als z.B. Ringswandl nicht zur schrillen Parodie gemendelt, sondern wie Haindling stetig in der Arbeit an seiner Musik und an sich an Bodenständigkeit gewonnen und damit auch nach großen Erfolgen hat.

Hubert von Goisern - derweil

Fresh Music 27. Juli 2006

[...] Für Freunde des Künstlers eine willkommen Retrospektive über das Schaffen des Musikers aus Bad Goisern, für Einsteiger in Huberts Musikwelt ist Derweil wohl die beste Möglichkeit, diesen Mann näher kennen zu lernen. Spannend bleibt es, wo ihn der Wind in Zukunft noch überall hin treiben wird. Eines steht aber ganz sicher fest, Österreichs Musikwelt wäre ärmer ohne ihn.

Beispiellose Karriere

OÖN 21. Juli 2006

Weil er "derweil nix tut", gibt es wahrscheinlich diese CD. Schlichter, aber wahrer Kommentar von Hubert von Goisern zu seinem Doppel-Album "Derweil 1988-2006".

Der Ausnahmemusiker, der sich nie darin genügte, einem Image gerecht zu werden, sondern stets ausbrach, um musikalisch neue Entdeckungen zu machen, hat sich heuer eine Auszeit verordnet. "Derweil gibt es eine kreative, erholsame, Ideen suchende Zwischenphase", kommentiert der 53-Jährige die selbst auferlegte Pause. Doch 2007 sollte es wieder etwas Neues geben. Wer Hubert von Goisern kennt, weiß, dass es wahrlich neu werden wird.

Mit dem Doppel-Album, das er selbst zusammengestellt hat, blickt der Musiker auf seine erstaunliche Karriere zurück. 34 Lieder vom fetzigen Hiatamadl über Schleiniger, Fön und Afrika bis zu Kohler. Alle musikalischen Blickwinkel, die Hubert von Goisern gesucht und gefunden hat, sind hier verewigt. Es ist eine Reise durch den akustischen Horizont eines Menschen, den seine Energie immer dazu anspornte, über enge Genregrenzen hinwegzublicken, sich nie die Freiheit nehmen zu lassen, Neuland zu betreten.

"Die Realität ist um einiges noch ausgeflippter, als meine Vorstellung vor 20 Jahren gewesen ist, wo ich vielleicht hinkommen könnte. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, dass ich zu so einem Erfolg komme und so viele Menschen mit meiner Musik anspreche." Es sei eine Art Rausch gewesen und als er 1994 aufhörte, war er sich sicher, dass er irgendwann wieder weitermachen werde, aber "ganz woanders" hinkommen würde. Das habe aber nur zum Teil gestimmt. "Die Phantasie war konservativer als das Leben. Im Endeffekt sehe ich heute schon, dass es eine Kontinuität gibt in meinem musikalischen Leben."

So sei ihm zum Beispiel früher die Lautstärke viel wichtiger gewesen. "Jetzt werden mir die Pausen in den Stücken immer wichtiger, die Momente, in denen man ein Blatt Papier zwischen zwei Töne schieben kann." Genau diese Haltung prägt seine Werke. Hubert von Goisern lässt nicht kalt. "Derweil" hört man dies an - und wartet auf seine neuen Taten.

CD der Woche: Hubert von Goisern - Derweil 1988-2006

Regensburg Kultur 17. Juli 2006 | Text: SF

Schnöde Zahlen: 18 Jahre Hubert von Goisern. 1000 Konzerte. 1,5 Millionen verkaufte Alben. 34 Songs auf zwei CDs, die das bisherige zusammenfassen.

Dahinter steckt natürlich mehr. Mehr als Zahlen und Business konnte Hubert von Goisern immer Authentizität und Realismus vermitteln. Der ist einfach so, wie er ist. Hätte er 80 Millionen Platten verkauft würde er so sein, verkaufte er nur 100 Platten wäre er der gleiche. Das hat man ihm immer abgenommen.

Und: Wo andere Kulturmusiker sich und ihre selbst verliehenen Kulturwurzeln mit dem Vorschlaghammer unters Volk auf allen Kontinenten dreschen wollten, da schien Hubert von Goisern stets wie selbstverständlich dazuzugehören.

Er passte nach Amerika wie nach Afrika. Fügte sich bei Einheimischen wie Fremden so ein, als wäre er nie wo anders gewesen. Das ist das großartige, das uns Hubert von Goisern mit Musik nicht nur transportiert, vormacht und lehrt. Er zeigt uns wie man das lebt! Sicher manchmal etwas arg melancholisch und für uns Außenstehende oft vielleicht etwas verbissen. Doch er meinte es stets gut und hatte recht.

Hubert von Goisern - Derweil

Teleschau 14. July 2006 | Text: Jochen Overbeck © teleschau - der mediendienst GmbH

"Es gibt Zustände, in denen falsche Töne schlichtweg nicht existieren." Das sagt Hubert von Goisern, und er muss es wissen. Der Österreicher ist seit Jahren Grenzgänger zwischen den so schwammig bezeichneten Genres Volks- und Weltmusik, beschäftigte sich mit den Klängen Tibets, Afrikas und vor allem seiner Heimat, des Salzkammerguts.

Derweil ist eine Best-Of-Kopplung und eine spannende Reise durch das Ausloten musikalischer Identität. Wer Goisern immer nur als Randerscheinung wahrnahm, der dürfte sich über so einiges wundern, denn er wird einige jener Identitätsfindungen verpasst haben.

Man weiß, wie es begann, Ende der 80er-Jahre. Kurz war von Goisern Heilsbringer einer neuen Volksmusik, die unter von Labeln wie "Schräg dahoam" stimmig und kommerziell erfolgreich ausgewertet wurde. Der Sänger, der so wild, so archaisch dreinblickte, hatte mit den Schunkelkollegen der volkstümlichen Gruselsendungen so gar nichts zu tun, obwohl er anfangs ähnlich massenaffin funktionierte: Koa Hiatamadl war konsequenterweise der große Hit, die Pforte zum Erfolg. Dass der auch anders aussehen kann, Richtung Austropop, Blues und Rock'n'Roll ausschlug, das zeigen Songs wie das immer noch fantastische Heast as nit, Oben und unten oder Spinni.

Doch diese Wege verließ von Goisern schnell, und Derweil dient da als guter Chronometer: Panchen Lama und Kham-Lu irritieren immer noch wie damals, aber wenn in Akipenda afrikanische Kinderchöre zeigen, wie nah Österreich und Afrika liegen oder wenn Da Diab durch einen zeit- wie ortlosen musikalischen Unterbau wirklich zu Tränen rührt, weiß man, wie dankbar man von Goisern für diese Entwicklung sein darf.

Die Kreise schließen sich natürlich auch hier: Am Ende stehen die Songs von Trad und Trad II - Neuinterpretationen alter Weisen aus dem Salzkammergut, zumindest in den Augen des Rezensenten das Beste, was von Goisern je veröffentlichte. Zwei Stücke - Poika und Afrika, beide aus dem Iwasig-Album - bearbeitete er neu, dazu gibt's einen neuen Live-Mitschnitt von Neuer Tag. All das sind Schlaglichter auf ein schwer zu fassendes Kunst-Pensum, auf 18 Jahre Musik von einem, der vieles kann, was andere nicht können. Für den Fan ist der Erkenntnisgewinn eher niedrig - für Einsteiger ist das wohl die beste Möglichkeit, diesen Mann näher kennen zu lernen.

Bewertung: ausgezeichnet

Hubert von Goisern derweil

APA 12. Juli 2006

"Derweil tu i nix, darum gibt es wahrscheinlich diese CD", sagt Hubert von Goisern über seine eben erschienene Doppel-CD Derweil. 1988-2006 (Sony BMG). Die von ihm selbst zusammengestellte Compilation enthält 34 seiner populärsten Lieder, vom fetzigen Hiatamadl über Schleiniger bis zu Afrika und Kohler. In diesem Jahr verordnete Goisern sich eine Bühnenpause. 2007 plant er ein neues Projekt vorzustellen, über das er noch nicht viel sagen will: "Es ist ein riesiges Projekt. Und wenn uns das gelingt, ist es wirklich etwas ganz Besonderes".

Alle musikalischen Entwicklungen des oö. Ausnahme-Musikers sind auf Derweil vertreten, vom Anfang der Alpinkatzen über die Weltmusik-Projekte bis zu den letzten Ausflügen in die österreichische Volksmusik. Auch neue Bearbeitungen alter Lieder finden sich: Weit, weit weg, Kuahmelcher, Fön, Poika, Afrika und Neuer Tag. Goisern über die Auswahl: "Es sind Lieblingslieder von mir, aber es ist auch eine pragmatische Auswahl, denn es geht nicht um ein "Best Of" für mich, sondern für das Publikum".

"Derweil gibt es eine kreative, erholsame und Ideen suchende Zwischenphase", so Goisern über die Zeit bis zur nächsten neuen CD. Was sich für den 53-Jährigen in den vergangenen zwanzig Jahren generell verändert hat? "Zum Beispiel die Lautstärke, die war mir früher viel wichtiger. Jetzt werden mir die Pausen in den Stücken immer wichtiger, die Momente, in denen man ein Blatt Papier zwischen zwei Töne schieben kann."