Hubert von Goisern
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Neues von Hubert von Goisern

Concerto 5/11 | Text: Werner Leiss

Nach seiner Donautournee, die von vielen Musikerinnen und Musikern opulent begleitet wurde und seinem doch sehr epischen letzten Album S' Nix überrascht Hubert von Goisern zur angenehmen Abwechslung mit einem reduziert instrumentierten Album. Zuletzt spielte er, kurzfristig angekündigt, in Provinzgasthäusern. Zum Gespräch empfing er allerdings in einem Ringstraßenhotel.

Die neue Platte ist als eine Reaktion auf die insgesamt vier Jahre Europatour zu verstehen. Eine Zeit, in der er sich selbst sehr zurückgenommen hat, damit Platz ist für andere Leute, für die vielen Gäste, die mit auf dem Schiff waren. Der Kompositionsprozess in der Vergangenheit war auch so, dass alle mit eingebunden waren. Zwar habe er die Texte geschrieben, aber die Musik wurde gemeinsam komponiert. Das neue Album versteht er nun als "Notwendigkeit, das Pendel zurück schwingen zu lassen, damit es in Bewegung bleibt." Er wollte eine intime, persönliche Produktion. Komponiert hat er alles selbst. Als es soweit war, hat er die Lieder dann der Band vorgestellt, um es gemeinsam zu arrangieren. Kleine, in sich geschlossene Geschichten sollten es werden. Mit dieser inhaltlichen und formalen Reduktion, die er sich vorgenommen hat, hat sich auch die Band dann mehr oder weniger von selber reduziert. "Die drei Mädels aus Südtirol haben ihr eigenes Projekt (Ganes) vom Stapel getreten. Sie haben zwar alle damit gerechnet, wieder dabei zu sein, es war auch so geplant, sich gemeinsam wieder auf die Bühne zu stellen. Als ich gesehen habe, dass das aber ganz gut läuft, was sie da selber machen, habe ich zu ihnen gesagt: Seid mir nicht bös, aber ich glaube, es ist auch für euch gescheiter, wenn ihr euer Ding macht und da dran bleibt. Ich bin ein eifersüchtiger Gott, und wenn ihr bei mir mitspielt, dann will ich, dass ihr euch meinen Terminplänen und Tourneeplänen unterordnet. Da könnt ihr nicht davon ausgehen, dass ihr nebenbei noch euer Projekt betreiben könnt. Das wäre ja nicht gegangen, dass sie ein, zwei Jahre Pause gemacht hätten und dann mit Ganes wieder anknüpfen hätten können. Sie waren schon ein bisschen traurig, aber ich glaube, sie wissen es auch zu schätzen, dass sie sich abnabeln konnten. Der Keyboarder der letzen Produktion hat von sich aus gesagt, er wäre zu lange weg von seinem Freundeskreis und dem musikalischen Umfeld, in dem er sich bewegt, und er möchte lieber nicht mehr dabei sein. Also habe ich mir gedacht: Ja, OK, jetzt hab ich wirklich die kleine geile Rock-Besetzung. Den Rest der Band hat fast der Schlag getroffen, als wir uns das erste Mal getroffen haben. Wo sind die anderen, haben sie gefragt? Wir sind´s, wir Vier. Das geht sich nie aus, bei den Nummern, die wir spielen, haben sie gemeint. Es waren Bedenken, die aber sehr schnell zerstreut werden konnten. Eine kleine, überschaubare Gruppe zu sein, macht alles einfach viel einfacher. So hat sich das eben auch von der Instrumentierung her so ergeben, wo ich dann gesagt habe: Ich will jetzt keine Studiomusiker dazu holen, diesen Sound, jene Orgel. Jeder von uns ist multiinstrumental veranlagt, und wenn wir was brauchen, dann spielen wir das selber, aber am liebsten wär´s mir, wenn wir´s so aufnehmen könnten, dass wir es dann auch auf der Bühne spielen können, ohne Schnickschnack.
Ich bin irrsinnig stolz drauf, dass es mir gelungen ist, das, was ich mir vorgenommen habe, auch umzusetzen, denn das war nicht immer so. Oft tut sich ja plötzlich etwas ganz anderes in eine andere Richtung auf, und das ist dann auch OK. Aber diesmal freut es mich, dass es eben nicht so war".

Stilistisch geht es innerhalb des Albums recht rund.

"Es hat mich selbst gerissen, irgendwann mitten drin. Es gibt wirklich sehr Unterschiedliches. Ich habe mich dann aber darüber hinweg gerettet, indem ich als Arbeitstitel Mosaik ausgedacht habe. Viele kleine bunte Steine, jeweils ein in sich geschlossener Kosmos, die aber als Ganzes dann doch dieses Bild ergeben, das eben gerade mein Lebensgefühl reflektiert. Aber als Titel des Albums wäre Mosaik ungeeignet gewesen, da gibt es schon zu viel. So ist es dann Entweder Und Oder geworden. Einfach, weil ich mich wirklich nicht entscheiden habe können. Es gibt einerseits dieses kompromisslos Punkige drinnen, dieses Zornige. Aber auch sehr Persönliches, auch Country-Lagerfeuer. Die Polarität macht das Album auch aus. So wie die Menschen, so wie wir alle halt sind und verschiedene Seiten in uns tragen."

Goisern im STOL-Interview: "Es groovt wie Sau"

STOL 8. November 2011 | Text: Barbara Raich

Er ist Weltmusiker und verbindet Rock und Volksmusik wie kein Zweiter: Hubert von Goisern.
Der 58-jährige Weltmusiker ist derzeit ganz oben in den Charts.

Hubert von GoisernMit seinem Hit Brenna tuats guat ist er erstmals auf Platz 1 der Austria Top40 – SingleCharts gelandet. Das Hiatamadl, mit dem er 1992 große Erfolge feierte, kam im Vergleich nicht über Platz 2 hinaus. Dabei gibt sich Goisern in Brenna tuats guat einmal mehr von seiner kritischen und politischen Seite.

Südtirol Online hat den Oberösterreicher in Bozen getroffen und mit ihm über sein neues Album Entwederundoder, über seinen Platz im Musikbusiness und den Hype um seinen Hit gesprochen, der "groovt wie Sau", wie er selbst sagt.

Ihr aktueller Hit Brenna tuats guat stürmt gerade die österreichischen Charts. Auch in Südtirol wird der Song gespielt. Nach über 20 Jahren Musikgeschäft erstmals mit einem Hit auf Platz 1: Was bedeutet Ihnen das?

Es ist schön, so viel Anerkennung zu bekommen. An meinem Lebensgefühl ändert sich eigentlich nichts. Die Wahrnehmung ist jetzt natürlich eine größere. In der Vergangenheit haben meine Musik und mein Schaffen ausschließlich Kulturinteressierte wahrgenommen. Die Konzerte waren trotzdem alle ausverkauft, daran hat sich nichts geändert. Jetzt hat halt rundherum alles eine erhöhte Betriebstemperatur, alles ist ein bisschen fiebriger und ein bisschen hektischer. Aber das hört auch wieder auf.

Freuen Sie sich über den Erfolg oder sagen Sie, es ist eben ein Hype?

Es ist beides. Ich freue mich darüber, bin mir natürlich auch bewusst, dass es ein Hype ist und dass die Art der Aufmerksamkeit eine übertriebene ist. Aber so ist eben die Medienlandschaft gestrickt: Alles oder nichts.

Im Refrain von Brenna tuats guat singen Sie: "jeder woass, dass a geld nit auf da wiesen wachst und essen kann ma's a nit aber brenna tat's guat, aber hoazen toan ma woazen und de ruabn und den kukuruz, wann ma lang so weiter hoazen brennt da huat".

Es geht in erste Linie um die sehr bedauerliche und fatale Entwicklung, dass wir Lebensmittel zu Energie machen. Aber nicht zu Energie, die die Menschen nährt und sie am Leben hält, sondern für Maschinen, die wir damit betreiben. In Zeiten wie diesen, wo Menschen an Hunger und Unterernährung sterben, Lebensmittel zu verheizen und zu Treibstoffen zu verarbeiten ist einfach unglaublich. Wir haben als mündige Bürger die Möglichkeit, uns gewissen Dingen zu verweigern. Mein Beitrag ist es, das Bewusstsein auf diese Sachen zu lenken.

In Brenna tuats guat hauen Sie der Finanzwelt auf den Deckel. Sie schimpfen und sind wütend. Passt das zusammen – kritischer Text und Charts?

Offensichtlich. Ich glaube, man unterstellt dem Publikum zu Unrecht ein niedriges Niveau, was die intellektuelle Belastbarkeit anbelangt. Die Menschen sind sehr wohl zugänglich für kritische und auch für tieferschürfende Texte oder Aussagen.

Was macht Brenna tuats guat zum Hit? Sprechen Sie den Leuten aus der Seele?

Es groovt wie Sau. Es hat echt einen guten Drive und es trifft von der Aussage her den Nerv. In diesem Lied verdichtet sich das Lebensgefühl vieler Leute. Trotz der Problematik gibt es auch Kraft und Mut. Darum, glaube ich, funktioniert es.

Einige Radiosender in Deutschland haben sich geweigert, das Lied zu spielen, weil sie sagen, Sie seien zu kritisch?

Da gab es einige, die gesagt haben: In Zeiten wie diesen braucht es keine gesellschaftskritischen Lieder. Das sei etwas, das aus der Hippie-Bewegung kommt. Eine absurde Aussage. Ich kann es nur so verstehen, dass es gewisse Sender gibt, die wollen, dass die Zuhörer alles vergessen und in eine heile Welt eintauchen. Aber damit machen wir uns etwas vor. Ich bin auch ein sehr harmoniebedürftiger Mensch, aber Probleme ganz auszuschließen geht auch nicht.

Sie thematisieren in dem Song auch die Finanzkrise. Was machen Sie mit Ihrem Geld?

Ich bin keiner, der nach der besten Rendite sucht. Seit ich Geld habe, das ich in irgendeiner Form irgendwo deponieren muss, schwöre ich die Leute, die das für mich machen, darauf ein, dass es ethisch in Ordnung sein muss. Wenn es was zu investieren gibt, investiere ich in Sachen, von denen ich überzeugt bin. Etwa Mikrokredite oder in die sogenannten grünen Industrien.

Sie bezeichnen Ihre Band als "Guerilla der Musik"…

Wir sind vier Leute auf der Bühne. Das ist die kleinste Band, mit der ich je unterwegs war – sieht man von den Anfangsjahren ab. Mein letztes Ensemble zwischen 2007 und 2009 bestand aus neun Musikern. Dadurch entstehen eine Opulenz und eine Komplexität, die viel Planung bedarf. Danach hatte ich den Wunsch, eine kleine, sehr flexible musikalische Einheit zu formen – eine "musikalische Guerillaeinheit", die sich sehr schnell in jede Richtung bewegen kann.

Sie setzen bei ihrem aktuellen Album Entwederundoder auf das "Weniger ist mehr"-Prinzip: eine kleinere Band, einfachere Texte und Melodien.

Ich bin weg von dieser Komplexität und habe während des Komponierens und auch Textens gemerkt, dass es viel komplizierter ist, etwas Einfaches zu machen. Ich musste mir da selber immer wieder die Zügel anlegen, um es nicht wieder zu verkomplizieren.

Zufrieden mit dem Album?

Es ist das herausgekommen, was ich mir gewünscht und mir vorher ausgedacht habe: Lieder, die in ihrer Einfachheit auch von jemandem vorgetragen werden können, der Klavier, Gitarre oder Ziehharmonika spielt. Zu dieser Geradlinigkeit des Musizierens wollte ich hin.

Es ist ein recht buntes Album geworden.

Genau. Dem ist auch der Titel Entwederundoder geschuldet, weil so eine Bandbreite an Farbigkeit da ist. Der Arbeitstitel war Mosaik, weil ich schon während des Entstehungsprozesses gemerkt hab, dass es sehr viele bunte, verschiedenartige Lieder sind. So wie Steinchen, die erst im Gesamtbild den Sinn ergeben bzw. mein Lebensgefühl zum Ausdruck bringen. Aber es gibt schon so viele CDs, die Mosaik heißen, unter anderem eine meiner Lieblings-CDs von den Gipsy Kings (Mosaique, Anm.d.Red.). Entwederundoder spricht auch die Polarität an und die Spannung, in der wir leben. Das Leben ist für mich nie eine Entscheidung zwischen "so oder so", sondern immer diese Dualität "entweder und oder". Die Spannung zwischen den beiden Polen ist wie eine gespannte Seite – auf der kann man als Musiker super spielen.

Auf der CD finden sich Einflüsse mehrerer Musikstile: Blues, Country und auch Reggae. Wie sind Sie dazu gekommen?

Das ist Teil der musikalischen Sozialisierung, mit der ich aufgewachsen bin. Mit 16 hatte ich mein erstes großes Aha-Erlebnis bei einer Blues-Band. Ich habe gemerkt, es gibt diese Freiheit in der Musik, das zu spielen, was gerade passiert und dass es nur eine Frage der Toleranz ist zu sagen: Das ist gut oder das ist Scheiße. Jazz war die Fortführung dieser musikalischen Freiheit. Und Country ist auch so ein Spielgefühl, das der Volksmusik sehr nahe ist.

Die Basis für Ihre Musik ist trotz allem die Volksmusik geblieben. Welcher ist Ihr Zugang dazu?

Volksmusik ist eine gewachsene Sache. Wenn sie einen Sinn im Hier und Jetzt haben soll, darf dieses Wachsen nicht aufhören. Die Volksmusik vor 100 Jahren war eine andere, als sie vor 50 Jahren war. Und sie muss jetzt eine andere sein, als sie vor 20 Jahren war. Volksmusik ist immer ein Ausdruck eines Lebensgefühls der Gegenwart. Ich sehe Volksmusik als eine lebendige Musik. Wir leben in einer Zeit, in der wir sehr viel reisen und lernen Musik aus anderen Kulturen kennen – das geht nicht spurlos an uns vorüber.

Immer wieder wird Ihre Musik in die "Volksrock"- oder "Alpenrock"-Schublade gesteckt. Als was würden Sie sie selbst bezeichnen?

Ich lehne es gar nicht ab, wenn jemand sagt, ich mache Volksrock oder Weltmusik oder weiß der Teufl was. Das sind im Grunde genommen alles Begriffe, die auf mich zutreffen, aber es macht nur einen Teil von mir aus. Viele meiner Lieder haben mit Rock überhaupt nichts zu tun. Wenn ich es mir aussuchen kann – und das kann ich ja Gott sei Dank – würd ich meiner Musik keine Schublade geben.

"Der Goisern" also.

Ja genau. Der erste Kommentar meiner Plattenfirma war, ich hätte mich erfolgreich zwischen alle Stühle gesetzt. Inzwischen habe ich so das Gefühl, ich habe meinen Stuhl und der passt mir ganz gut. Manchmal stehe ich auf und setze mich auf einen andern. Und auch wenn ich manchmal keinen Stuhl erwische: dann bastle ich mir einen.

Wie finden Sie Inspiration, woher stammen die Ideen zu Ihren Songs?

Ich bin in einer anderen Welt, wenn ich komponiere und texte. Ich ziehe mich in die Einsamkeit zurück – gerne in mein kleines Komponierhäuschen in Goisern. Hier brate ich in meinem eigenen Saft und begebe mich in eine Traum- und Phantasiewelt. Das sind Tage und Nächte, in denen ich alles zulasse, was an Ideen und Assoziationen daherkommt. Ich sag dann eigentlich nur Ja oder Nein zu den Ideen. Ich notiere sehr viel, streiche und greife Verworfenes wieder auf. Dabei ist es für mich unerlässlich, dass ich mit der Hand schreibe. In Salzburg, wo ich mit meiner Familie lebe, habe ich mein Studio.

Mit Südtirol haben ja Sie eine besondere Verbindung: Ich sage nur Ganes.

Ich hatte das Glück Marlene Schuen (aus dem Gadertal, Anm.d.Red) kennenzulernen und sie in meine musikalische Welt einzubauen. Über die Jahre habe ich dann ihre Kusine, Maria Moling, und ihre Schwester Elisabeth dazugenommen. Drei Jahre haben wir gemeinsam gespielt. Das war ein sehr großes Geschenk. Jetzt haben sie sich selbständig gemacht, treten unter Ganes auf. Ich finde das, was sie machen, wunderbar. Es hat aber auch dazu geführt, dass sich unsere Wege getrennt haben, denn sie haben selbst viel zu tun. Das ist gut so. Ich freue mich für sie, dass es aufgegangen ist und dass sie von dem leben können, was sie machen.

Besteht immer noch viel Kontakt?

Es gibt natürlich noch Kontakt. Sie arbeiten gerade an ihrer dritten CD. Ab und zu mailen wir. Sie sind aber glaube ich mehr Facebook-mäßig unterwegs. Das ist etwas, das ich für mich nicht haben will. Aber wir telefonieren und sehen uns auch ab und zu. In den vergangenen Jahren haben wir auch bei einigen Konzerten zusammen musiziert. Mal sehn, ob das nächstes Jahr auch der Fall sein wird.

Ab Jänner sind Sie auf Tournee. Ist auch Südtirol auf dem Spielplan?

Ja, leider mit nur einem Konzert am 19. Oktober 2012. Wir spielen in der Stadthalle in Bozen.

"Heimat ist da, wo man sich einbringt"

Wer darauf wetten wollte, was Hubert von Goisern musikalisch als nächstes einfällt,
sollte sich keine allzu grossen Chancen auf einen Gewinn ausrechnen.
Ein Mann zwischen Alpenrock, Grönland und seinem neuen Album "Entwederundoder".

Hubert von GoisernDu kommst jetzt gerade aus Grönland. Was war der Anlass deiner Reise?

Eine Einladung von Robert Peroni, der seit fast 30 Jahren in Ostgrönland zu Hause ist. 1983 hat er zu Fuß, ohne Schlittenhunde oder Unterstützung aus der Luft, das Inlandeis Grönlands überquert. Er hat so eine Liebe zu diesem Land entwickelt, dass er dort geblieben ist und sich jetzt für die Menschen einsetzt. Die leben wirklich an einer Schnittstelle der Zivilisation. Das ist eine sehr wilde, eigentlich unbewohnbare Natur. Unglaublich, dass sich je Menschen dort angesiedelt haben. Seit vielen tausend Jahren lebt man hier von der Jagd. Aber seit dem Einfuhrverbot der EU für Robbenfelle und ähnliche Produkte leben die Menschen von der dänischen Wohlfahrt. Das trägt nicht gerade zum Selbstwertgefühl bei. Die Selbstmordrate ist in Grönland sehr hoch, vor allem unter Jugendlichen.

Könntest du dir vorstellen, dort zu leben?

Eine Frau aus Deutschland hat dort zu mir gesagt: "Ich könnte keine zehn Sekunden hier leben." Und ich hab' geantwortet, "Jetzt bist du aber schon drei Tage hier." (Schmunzelt). Es ist alles relativ. Ein Inuit, der in Grönland aufgewachsen ist, würde vielleicht das Gleiche sagen, wenn man ihn in ihre Heimat nach Düsseldorf mitnehmen würde.

Hast du dort Musik gemacht?

Habe ich. Das eigentliche Ziel der Reise waren Workshops mit Jugendlichen zu den Themen Musik und Tradition. Die sprachliche Barriere hat es nicht leicht gemacht, du kannst die Leute nicht so gut packen, wenn du immer über einen Dolmetscher kommunizieren musst. Aber Musik ist ja eine Sprache, die ohne Worte auskommt. Das möchte ich bei meinem nächsten Besuch noch mehr erreichen, dass wir mehr ins Musizieren kommen. Aber diese Reise war erst der erste Schritt, nämlich um mich vorzustellen bzw. einander kennenzulernen.

Mit welcher Musik hast du dich denn vorgestellt? Dein Spektrum ist ja gross!

Ich hab' einen Teil meiner Musikbibliothek mitgenommen, um ihnen zu zeigen: Das gibt es alles auf der Welt. Ich hab' ihnen aber auch Unterwassertonaufnahmen von Walgesängen vorgespielt, auch so was hatten sie noch nie gehört. Diese Tiere sind ja fester Bestandteil ihrer Kultur.

Du hast ja auch in Südafrika zur Zeit der Apartheid gelebt. Ist das ein Teil von dir, dorthin zu gehen, wo es nicht nur angenehm ist?

Nein, mir war es damals wurscht, wohin – Hauptsache weg. Ich wollte einen anderen Geruch, ein anderes Klima, eine andere Sprache. Von der Situation dort habe ich erst erfahren, nachdem ich dort angekommen war.

Täuscht der Eindruck, dass Erfolg dich schnell langweilt? Denn wenn man einen Blick auf deinen Lebenslauf wirft, hast du, sobald etwas richtig erfolgreich war, etwas anderes gemacht.

Im Gegenteil. Ich finde Erfolg etwas Wunderbares. Aber ich denke und handle projektbezogen. Ich habe die Idee eines Klangbildes. Danach komponiere ich, und dann suche ich mir die richtigen Leute, um das umzusetzen. Nachdem es veröffentlicht worden ist und die Konzerttournee abgespielt, ist es für mich zu Ende. Dann sage ich danke, es war sehr schön und höre in mich hinein, was an Neuem entsteht.

... andere Bands leben 40 Jahre von einer Masche, einem Sound ...

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie glücklich damit sind. Erfolg allein macht nicht glücklich.

Du hast den Drang, immer wieder etwas Neues schaffen zu wollen ...

Ja, ich kann mich nicht dauernd wiederholen. Das ist so, als würdest du sagen: Mein Lieblingsessen ist Wiener Schnitzel. Und dann isst du es jeden Tag. Über Jahre. Irgendwann wird's dann zum Feindbild. Bevor es dazu kommt, lass' ich die Finger davon, damit ich später noch eine gute Resonanz zu diesen Sachen hab'. Es muss immer etwas Spannendes, Neues geben, das das Fieber weckt. Wo die Angst kommt, ob es hinhaut oder nicht. Ein bisserl an Grusel braucht's scho' (lacht).

Damit wären wir bei deinem neuen Album ENTWEDERundODER, das ja wieder ganz anders ist als die Alben davor. Ihr seid jetzt nur noch zu viert. Und die Musik ist bodenständiger als die Weltmusik, die du zuvor gemacht hast ...

Zuerst: Ich empfinde ENTWEDERundODER weder als bodenständig noch das zuvor als Weltmusik. Auf der Linz-Tournee ist durch die Künstler aus den vielen verschiedenen Ländern diese Aura von Weltmusik entstanden. Für mich ist Weltmusik aber etwas ganz anderes. Zum Beispiel, wenn die Hohtraxlecker Sprungschanznmusi (Anm.: eine Band aus Bad Ischl) die gewachsene Musik einer Landschaft spielt, ohne Schnörkel und Modernitätsanspruch. Das ist Weltmusik. Nach dieser Definition empfinde ich mich auch als Weltmusiker. Das, was meistens unter Weltmusik verstanden wird, ist für mich Allerweltsmusik, dieses ein bisschen was von hier und ein bisschen was von da, dazu der Klang von einem exotischen Instrument. Nur ein Element aus einer Tradition mit einem Element aus einer anderen Tradition zu vermischen, ist mir zu wenig.

Was ist mit Deinen früheren Projekten mit tibetischen und afrikanischen Künstlern?

Bei der Musik selbst, die ich mit Musikern aus anderen Kulturen gemacht habe, habe ich mich immer sehr zurückgehalten. Ich habe vielleicht bei zwei oder drei Liedern mitgespielt, das war es dann aber auch. Im Grunde war ich nur Produzent, eine Art Geburtshelfer, um die Ideen der Musiker umzusetzen. Am Anfang stand immer der persönliche Zugang zu den Menschen, eine gegenseitige Neugier. Erst der nächste Schritt war "Mach ma was miteinand".

Sind diese Projekte also eher zufällig entstanden?

Ich habe immer Leute gesucht, die spannend sind. Die Musik hat sich dann von selbst ergeben.

Ist das eines deiner Grundprinzipien, das Leben einfach auf dich zukommen zu lassen?

Ich glaube, ich habe eine gute Balance zwischen Plan und Laissez-faire. Ich hab' bei vielem eine ganz konkrete Vorstellung. Wie beim jetzigen Album. ENTWEDERundODER ist vielleicht die Produktion, die am meisten meinen ursprünglichen Vorstellungen entspricht. Nämlich schlichte Lieder zu schreiben, man sich selbst begleitend darbieten kann. Im Gegensatz zur letzten Produktion, wo ich für die Umsetzung acht Leute oder mehr gebraucht habe.

Die Wirtshaustour, bei der du bewusst Gasthöfe auf dem Land als Bühnen ausgewählt hast, war eine neue Erfahrung für dich. Weg von den grossen Hallen, wieder näher zum Publikum.

In der Tat (lächelt). Für die Wirtshäuser in den kleinen Dörfern hatte ich zwei Auflagen: Sie müssen mindestens eine Stunde von einer Stadt entfernt sein, an der wir auf einer regulären Tour vorbeikommen. Und es darf nur kommunal kommuniziert werden. Ich wollte keinen Konzerttourismus. Deshalb hat es pro Dorf nur zwei Plakate gegeben. Eins fürs Wirtshaus. Und eins fürs Gemeindeamt. Sonst nichts. Auch kein Internet. Ich wollte die Leute, die dort wohnen, erreichen. Und soll ich dir was sagen? Wir haben richtig arbeiten müssen, um die Wirtshäuser mit ihren 300, 350 Plätzen voll zu kriegen. Ich war nicht darauf vorbereitet, wie schwer es ist, die Leute vom Ofen – oder besser vom Fernseher – wegzulocken und zu einem Konzert zu bewegen.

Du bist viel in der Welt herumgekommen. Du hast u. a. in Südafrika, Kanada und den Philippinen gelebt. Was ist für Dich Heimat? Ist das Österreich?

Ja, ist es schon, auch wenn es erst zur Heimat geworden ist. Ich hatte nicht immer das Gefühl, auch wenn ich die ersten 20 Jahre meines Lebens hier verbracht habe. Ich war sieben Jahre am Stück weg. Und in dieser Zeit bin ich Kosmopolit geworden, d.h. ich habe angefangen, mich schnell überall zu Hause zu fühlen. Weil ich nie ein Reisender war, der kurz vorbeigeschaut hat, Speisen probiert, Schnappschüsse gemacht und dann wieder heimgefahren ist. Ich habe überall immer gelebt. Das hat es notwendig gemacht, die Orte auch zur Heimat zu machen. Für mich ist Heimat da, wo ich mich einbringe. Solange man das Gefühl zulässt "das geht mich hier alles nichts an, weil ich die ja eh hier zu Hause bin", so lange bleibt man immer Gast. Wenn man diese Distanz aufgibt, dann ist man zu Hause. Dann wird man zum Teil der Gesellschaft und der Landschaft. In Grönland bin ich mir am Anfang als Fremdkörper vorgekommen. Gegen Ende kannte ich die Gesichter, man weiß ein bisschen mehr voneinander, man lächelt sich an. Wenn ich beim nächsten Mal aus dem Helikopter steige, wird es auch ein Stück nach Hause kommen sein.

Gibt es für dich Luxus?

Ja, mein Leben, das ich führe. Zeit für so etwas wie das Grönlandprojekt zu haben. Luxus ist in erster Linie eine Zeitfrage. Es geht nicht um den größeren Fernseher oder mehr PS. Sondern darum, frei zu sein, sich Zeit für jene Angelegenheiten und Dinge nehmen zu können, die einen wirklich faszinieren.

Was kommt nach Grönland?

Wir spielen nächstes Jahr um die 100 Konzerte, vielleicht 80, vielleicht 120. Und danach soll wieder mal Pause sein.

Was bedeutet "Pause" für einen so umtriebigen Menschen wie dich?

Pause heißt für mich, nicht auf der Bühne zu stehen, nicht in der Öffentlichkeit zu sein. Also Öffentlichkeitspause. In der Zeit, wo ich auf Tour bin, kann ich nicht komponieren. Um neue Projekte zu kreieren, muss es leise um mich sein.

Hast Du einen Traum, den du unbedingt verwirklichen willst?

Es gibt noch viele Ideen. Ein langgehegter Traum ist, eine Oper zu schreiben, das scheint mir aber von Jahr zu Jahr absurder. Film ist die moderne Oper, das lässt mein Herz schneller schlagen. Vielleicht muss ich einmal einen Film machen.

Was für ein Genre oder Thema hätte er denn?

Jede Form von Kunst, ob Film oder Musik, muss eines tun: verzaubern. Die Leute müssen anders rausgehen, als sie reingegangen sind. Verzaubert eben. Das ist alles.

"Wut motiviert mich!"

News Nr. 42 | Text: Janina Lebiszczak | Foto: Günter Freund

Hubert von Goisern ist mit seinem Song "Brenna tuats guat" zum ersten Mal auf Platz 1.
Privat bleibt er bei den stillen Tönen.

Hubert von GoisernGefeiert hat er nicht, nur seinen Band-Kollegen gratuliert. Am Telefon. Trotzdem ist die Freude über die Nummer-1-Platzierung seiner Protestsong-Single Brenna tuats guat bei Hubert von Goisern groß. "Ich kann den Erfolg sehr genießen", sagt der Ausnahmekünstler im NEWS-Gespräch. Und: "Das Lied beweist, dass Populäres auch gehaltvoll sein kann."

Mit knapp 58 Jahren ist der Alpen-Rocker wieder obenauf, sein Megahit Hiatamadl kletterte vor 19 Jahren "nur" auf Platz zwei. In Brenna tuats guat geht es allerdings nicht um üppige Waden, sondern um die Verschwendung von natürlichen Ressourcen, Gier und schonungslosen Kapitalismus. Und trotzdem spielt auch der eher dialektfeindliche Radiosender Ö3 das Lied in Heavy Rotation.

Wird der Oberösterreicher jetzt Fahnenführer der medial so gern zitierten "Wutbürger", die sich gegen die Willkür der Macht auflehnen? Goisern: "Nein, sicher nicht, selbst wenn mein Zorn mich auch sehr motiviert. Wutbürger – das ist doch bloß eine Wortkonstruktion. Viel gefährlicher sind die 'Gegen-Bürger', all jene, die immer kontra sind!"

Emotionen pur. Ausgrenzen will Hubert von Goisern allerdings niemanden, weder die Wütenden noch die Bewüteten. Und freut sich, dass das erste positive Feedback auf seinen Song, in dem er auch Banker heftig angreift, "ausgerechnet von meinem Bankberater kam". Ob seine mittlerweile erwachsenen Kinder das Lied mögen? Der Musiker kurz: "Sie bekommen halt mit, was ich so produziere, da wir in einem Doppelhaus leben." Privates war Hubert von Goisern, der im namensspendenden Bad Goisern lebt und als Hubert Achleitner geboren wurde, immer heilig. Mit seinen Auszeiten verhält es sich ähnlich. Bevor er 2012 auf Tournee geht, widmet er sich Arbeiten in Haus und Garten – insbesondere der Pflege seiner Apfelbäume. Dann meldet er sich auch wieder bei Familie und Freunden, denn unterwegs fühlt er sich "wie ein Mensch auf Standby".

Traditionen sind ihm wichtig, so auch das Weihnachtsfest im Kreise seiner Lieben. Eines hat der sonst so Willensstarke allerdings noch nicht durchgesetzt: "Dass wir alle gemeinsam so richtig gut gesungen haben. Dazu müssten wir wahrscheinlich mehr üben. Wer weiß, vielleicht klappt es dieses Jahr!"

"Essen verbrennen ist ungeheuerlich"

Kurier 23. October 2011 | Text: Daniel Voglhuber | Foto: Petschenig/Picturenews.at

Hubert von Goiserns Lied "Brenna tuats guat" erklimmt mit kritischen Texten die Charts.
In Deutschland weigern sich ein paar Sender, es zu spielen.

Hubert von Goisern

Sehr kritisch und erfolgreicher denn je stürmt Hubert von Goisern mit seinem Lied Brenna tuats guat an die Spitze der heimischen Single-Hitparade. Mit wütenden Textzeilen zur Finanzkrise wie "wo is des geld/des was überall fehlt/ja hat denn koana an genierer/wieso kemman allweil de viara/de liagn" dürfte er genau die Stimmung vieler Menschen getroffen haben.

Beschwerden aus der Finanzwirtschaft wegen des scharfen Texts seien bei ihm noch nicht eingelangt. "Mein Kundenberater bei der Bank hat mir sogar gratuliert, den Nagel direkt auf den Kopf getroffen zu haben." Wer in dem Lied genau mit den Falotten gemeint ist, die stehlen und die der Teufel holen soll, verrät der Musiker aber nicht. "Das kann man sich denken. Aber die hat sich der Teufel ohnehin schon geholt und hat sei bei den Eiern gepackt."

Essen

Anlass, das Lied zu schreiben, sei die Verarbeitung von Lebensmittel zu Treibstoff gewesen, das er in einer Strophe von Brenna tuats guat heftig geißelt. "Ich finde das ungeheuerlich, vor allem wenn es so viele Menschen auf der Welt unter Mangelernährung leiden." Jeder wisse, dass das ein großer Blödsinn sei. Dennoch werde es gemacht, weil das eben funktioniere. "Das Thema brennt mir schon seit Jahren unter den Nägeln. Nur, das Problem ist nicht wegzusingen."

In Deutschland haben sich ein paar Radiostationen geweigert, den Song über den Äther zu schicken. "Es gab Rückmeldungen, das ist Gesellschaftskritik, das brauchen wir nicht. Aber wenn nicht jetzt, wann ist dann Kritik angebracht?", fragt sich der streitbare Volks- und Rockmusiker. Hat er beim Schreiben von Brenna tuats guat bereits gespürt, dass es ein Hit wird? "Ich habe mir gedacht, dass ist ein super Refrain. Wo sich dann eine Nummer hinentwickelt, kann man aber im Vorhinein nicht wissen."

Auch das aktuelle Album Entwederundoder verkauft sich derzeit hervorragend. Aktuell liegt es auf Platz zwei der österreichischen Longplayer Charts.
Im Gegensatz zur vorangegangenen Platte S'Nix und der Linz-Europa Tour mit vielen Instrumenten und Musikern, kommt die aktuelle sehr minimalistisch daher.

Wunsch

Ziehharmonika, Bass, Gitarre und Schlagzeug sind die einzigen Klangwerkzeuge, auf die Hubert von Goisern mit seiner jungen Band zurückgreift. "Das war ein neues Bedürfnis von mir, etwa so wie manche ans Meer fahren oder auf einen Berg gehen. Mich hat nach der Opulenz der vergangenen Zeit gereizt, wie weit ich die Musik runterreduzieren kann, ohne dass sie zur Kleinkunst wird."

Ab Jänner 2012 geht es dann auf Tournee für das neue Album. Rund 100 Konzerte sind bis 2013 eingeplant. "Dann möchte ich das Projekt abgeschlossen haben. Ich brauch danach wieder ein paar Jahre, um mir etwas Neues einfallen zu lassen." Gefahr, dass ihm bei so vielen Auftritten einmal langweilig werden wird, bestehe nicht. "Ich will am Stück spielen, weil ich eine Zeit lang brauche, bis ich warm bin" Der Konzertbetrieb schließe dann fast alles andere aus. "Ich kann nichts anderes tun und geile Konzerte spielen, obwohl es mich anfangs Überwindung kostet rauszugehen."

Hubert von Goisern: "Der Nr. 1 ist wie ein Wunder"

OÖN 21. Oktober 2011 | Text: Bernhard Lichtenberger | Foto: Volker Weihbold

Hubert von Goisern"De Falotten soll der Teufel hol'n", singt Hubert von Goisern in Brenna tuats guat – und spricht damit in einer Zeit der Finanzkrisen und Nehmerpartien den Menschen aus der Seele. Sie danken es ihm mit der Nummer 1 in der österreichischen Single-Hitparade.

"I gfrei mi natürlich", sagt der 58-Jährige im Interview mit den OÖNachrichten im Café Valdez in Linz. "So etwas kann man nicht programmieren, aber wenn es passiert, ist es wie ein Wunder."

Eines, das neu für ihn ist. Selbst das Hiatamadl, das ihn und seine Alpinkatzen 1992 als Verbinder von Rock und Volksmusik auf die musikalische Landkarte zauberte und belagerte Skihütten in einen Wadel-Taumel versetzte, blieb auf Platz 2 hängen. Aber, so Hubert gelassen und lässig: "I fühl' mi eh grundsätzlich als Nummer 1." Die Alben Aufgeigen statt niederschiassn (1992) und Omunduntn (1994) bestätigen das.

Und es gibt ihn doch

Dass Brenna tuats guat ganz oben angekommen ist, verrückt, wie der Goiserer wahrgenommen wird. Bis vor wenigen Wochen gab es welche, die ihn ansprachen: "'Es ist so schad', dass Sie aufgehört haben, damals, 1994." An ihnen waren neue Projekte, musikalische Expeditionen von Tibet bis Afrika, frisch aufgezogene Traditionen, die ausgedehnte Linz-Europa-Tour auf der Donau, neue Alben und bestens besuchte Konzerte spurlos vorübergegangen. "Was ich seit damals gemacht habe, nahmen halt nur die Kulturinteressierten wahr, darüber hinaus habe ich nicht stattgefunden", sagt Hubert von Goisern.

Jahrelang hat Ö3 den Liedermacher und seine Kollegen aus der heimischen Sängerzunft ignoriert. 2001, als Hubert von Goisern den Amadeus für sein Album Fön erhielt, nutzte er die Bühne, um die Rückgratlosigkeit der Hitradio-Obersten aufzudecken, die sich nicht um die heimische Szene scherten. Er habe nicht darunter gelitten, dass sie ihn nicht gespielt haben, sagt er heute: Dafür habe er seine "Konzerte ausverkauft und auf Tour jeden Tag ein paar Tausend Leute mit glänzenden Augen heimgeschickt".

Im Herbst 2011 fand sich bei Ö3 endlich wieder ein offenes Ohr für das Album Entwederundoder. Das probieren wir jetzt aus, entschied einer, und ließ Brenna tuats guat auf die Hörerschaft los. Das Echo forderte Wiederholung, und so hob man den Song in die sogenannte Power-Rotation, die keine Tages- und Nachtzeit auslässt. Eine neue Nummer 1 war geboren.

Das Lied "trifft wohl die Befindlichkeit der Menschen, viele Leute fühlen sich aus dem Herzen gesprochen", mutmaßt Hubert von Goisern. "Der Kundenberater meiner Bank hat mir gratuliert, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe. Das zeigt mir, dass wir alle unter der Situation leiden – nur ein paar profitieren davon." Persönlich stehe er der Krise nicht ohnmächtig gegenüber: "Man muss mit der Lebenssituation umgehen, das ist wie's Wetter. Hier gibt es Inflation, dort gibt es Tiefdruckgebiete und Überschwemmungen."

Gestern kam er noch dem Wunsch von Ö3-Chef Georg Spatt nach einem Gespräch nach. Und was wünscht sich der Goiserer? "Dass sie Brenna tuats guat nicht so oft und lang wie das Hiatamadl spielen, bis sich die Leute anspeiben, weil sie es nicht mehr hören können." Auf dem Album gebe es ja noch Lieder, "die genauso lässig sind".

"Schon lässig, aber nicht nur"

Salzburger Nachrichten 19. Oktober 2011

Spitze. Hubert von Goisern führt zum ersten Mal die Charts an. Ist das gut?

Hubert von Goisern und Severin TrogbacherHubert von Goisern gibt es nicht. Ausverkauft. "Da hab ich mich gefreut und auch gewundert", sagt Hubert von Goisern, als er vor ein paar Wochen feststellte, dass sein neues Album Entwederundoder für kurze Zeit nicht lieferbar war. Der kommerzielle Erfolg war schon zu ahnen, sein Ausmaß nicht: Hubert von Goiserns Brenna tuats guat ist Nummer eins der österreichischen Single-Charts – zum ersten Mal, seit vor 23 Jahren das Debüt Alpine Lawine erschienen war.

Das Gefühl einer Premiere empfindet er aber gar nicht. "Ich hab dazu gar kein Gefühl, weil ich es gar nicht glauben kann, dass das Hiatamadl damals nicht auch Nummer eins war", sagt er im SN-Interview. Koa Hiatamadl, mit dem er als Verbinder von Rock- und Volksmusik bekannt wurde, schaffte es Ende 1992 auf Platz zwei. Auf Platz eins landeten bisher nur die beiden Alben Aufgeigen statt niederschiassen (1992) und Omunduntn (1994).

Die Zeit war damals reif für die Verbindung von Rock- und Volksmusik. Nun ist die Zeit reif für den Song Brenna tuats guat. Wie einst entsteht da aus Rock und Volksmusik große Dringlichkeit, auch im Inhalt: "Wo is des Geld, des was überall fehlt? Ja hat denn koana an Genierer, wieso kemman allweil de viara, de liagn ..." In ehrlichem Ärger wird erzählt von der Ohnmacht, die angesichts von Eurokrise, Schuldenberg und Politikerunfähigkeit viele fühlen. Der Song ist – wie der Rest des Albums – reduziert auf das Nötigste. Er trifft die Zone, in der Popsongs ideal leben können: eingängig im Sound, verständlich, aber nicht einfältig in der Analyse eines prekären gesellschaftlichen Zustands. Der Song läuft in Heavy Rotation auf vielen Sendern, wird von vielen Anrufern gewünscht – auch bei Ö3. Der Sender ignorierte den Goiserer und andere heimische Musiker über Jahre gnadenlos. Umso mehr bleibt Hubert von Goisern im Erfolg nachdenklich: "Es ist lässig, aber nicht nur."

Vor der aktuellen Existenz als Nummer eins liegt ein gutes Jahrzehnt totaler Nichtbeachtung. Zumindest gilt das, wenn die Existenz gemessen wird an einer von Ö3 versorgten sogenannten breiten Masse, der Laufkundschaft, die im Trend schwimmen will. "Immer wieder gab es Leute, die mich ansprachen und meinten: Schad', dass sie aufgehört haben." Die bekamen nicht mit, dass der Goiserer nach der heftig erfolgreichen Zeit mit den Alpinkatzen (bis 1994) ab 1999 kontinuierlich Alben aufnahm. Er spielte Hunderte Konzerte, unternahm große Musikexpeditionen. "Es war schon auch bis zu dem Punkt, da ich jetzt Nummer eins bin, sehr schön – und für mich reicht es ja, wenn bei einem Konzert von den 2000 Leuten ein paar mit einem Glänzen in den Augen heimgehen", relativiert Hubert von Goisern die neue, an Hiatamadl-Zeit erinnernde Hysterie um die angebliche Bedeutung der Chartspitze und den "Störfaktor, dass jetzt wieder viele daherkommen, die mich angeblich immer schon so gut kennen".

Der aktuelle Erfolg, so schön er sein mag, lasse erkennen, wie "eindimensional und monopolistisch Dinge bei uns passieren, weil so viele halt nur das Kleinformatige lesen und wahrhaben wollen und weil sie nur Ö3 hören". "Und wenn du – so wie ich – da wie dort nicht auftauchst, dann gibt es dich schlicht und einfach nicht." Jetzt gibt es Hubert von Goisern wieder für mehr Leute als die jahrelang Treuen. "Es ist schon ein recht gutes Gefühl, das geschafft zu haben, ohne irgendetwas anders gemacht zu haben als sonst."

Hitparade: Von Goisern schlägt Lady Gaga

OÖN 17. Oktober 2011 | Foto: Weihbold

HvGMehr als zwanzig Jahre ist Hubert von Goisern schon im Musikgeschäft tätig – so ein Erfolg ist dem Oberösterreicher aber bis jetzt nicht gelungen. Mit seiner aktuellen Single Brenna tuats guat steht der 58-Jährige auf Platz eins der österreichischen Singlecharts, noch vor David Guetta und Lady Gaga.

Damit übertrifft Goisern den Erfolg von Koa Hiatamadl, das im November 1992 bis auf Platz zwei der Charts kletterte. Auch das dazugehörige Album EntwederUndOder steht bereits auf Platz zwei der Albumcharts, Tendenz aufsteigend. Gelingt in der nächsten Woche der Sprung an die Spitze, wäre es nach Aufgeigen statt niederschiassen (1992) und Omunduntn (1994) das dritte Nummer-eins-Album in Hubert von Goiserns Karriere.

Und brenna tuats no immer guat

Kleine Zeitung 15. Oktober 2011 | Text: Thomas Golser | Foto: Markus Kucera

Hubert von Goisern stellte sich mit knapp 59 Jahren einmal mehr neu auf.

HvGWo is des Geld, des was überall fehlt? Ja hat denn koana an Genierer, wieso kemman allweil de viara, de liagn, de die Wahrheit verbieg'n? Und wanns nit kriagn was woll'n, dann wird's g'stohln. De Falotten soll der Teufel hol'n", schimpft da ein gewisser Hubert Achleitner, in der Alpenrepublik und weit darüber hinaus besser als Hubert von Goisern bekannt: Die Botschaft über "die da oben" kam an, der Titel Brenna tuats guat wurde zur Nummer eins der Charts. Sogar Ö3, sonst nicht gerade Fackelträger heimischer Künstler, die auch noch im Dialekt singen, entdeckte ihn wieder.

"Die Trennlinie zwischen einfach und einfältig ist fließend", bemerkte HvG in den Notizen zu seinem neuen Album EntwederUndOder: Er hat sie nun einmal mehr punktgenau eingehalten, auch wenn er sich gegen Bezeichnungen wie "Volksrock" oder "Alpenrock" seit Beginn der Karriere nicht wehren kann.

Nach Jahren musikalischer Weltreisen und allzu opulenter Projekte wie der Beschallung ganzer Landstriche im Rahmen der Linz-Europa-Tour entlang Donau, Rhein und Main setzte der Oberösterreicher an sich selbst den Rotstift an und traute sich zu reduzieren: In Quartett-Besetzung tourt der Musiker bis an die Ostsee und wechselt zwischen E-Gitarre, Ziehharmonika und Trompete, als sei dies das Normalste der Welt. Erdiger als zuletzt, nicht selten bestechend wie in seiner "ganz großen Zeit".

Vieles am "neuen Goiserer" erinnert an die glorreiche Periode der Alpinkatzen, mit denen er ab 1988 aktiv war und die er 1994 am Zenit samt dem Hiatamadl ins (frühe) Ausgedinge schickte.

Danach wurden die Farben seiner musikalischen Palette bunter - Rock, Jazz, Funk, Volkslieder -und nun auch ein Hauch von Country. Der 58-Jährige bringt mit einer Leichtigkeit zusammen, was zuvor nur artverwandt war.

HvG war zu keiner Zeit Bestandteil der heimischen Bussi-Bussi-Gesellschaft, er verkaufte sich nie für Seitenblicke und bewahrte sich Glaubwürdigkeit. Politisch engagiert, ließ er dafür Privates privat. Wer etwas über den Menschen erfahren will, ist immer noch auf seine Musik angewiesen, und das ist auch gut so.

Endlich Nummer eins

Kleine Zeitung 14. Oktober 2011

Hubert von Goisern hat es geschafft: Er steht mit seiner neuen Single "Brenna tuats guat" an der Spitze der heimischen Charts. Mit "Hiatamadl" schaffte er es 1994 "nur" auf den zweiten Platz.

Lang hat's gedauert, aber jetzt ist es so weit: Hubert von Goisern steht mit seiner neuen Single Brenna tuats guat auf Platz eins der Ö3 Austria Top 40. Für den österreichischen Musiker ist es das erste Mal in einer langen Karriere, dass er die Single-Charts in seinem Heimatland anführt. Sein legendäres Hiatamadl, das er noch mit seinen Alpinkatzen aufnahm, hatte es 1994 "nur" auf den zweiten Platz der Top-Charts geschafft. Oben und unten blieb zwei Jahre später auf Platz 23 stecken. Neben dem Erfolg des kritischen Brenna tuats guat gibt es für Goisern aber einen weiteren Grund zum Feiern. Das aktuelle, sehr erdige Album Entwederundoder hält sich auf Platz zwei der Album-Charts.

"Es macht gewaltig Spaß, wieder ein Guerilla der Musik zu sein", sagte er kürzlich zur Kleinen Zeitung, "das hat eine Dimension, die sehr lustvoll ist." Hubert von Goisern ist wieder auf der Höhe seiner Schaffenskraft.

Hubert von Goisern erstmals Nummer eins

Salzburger Nachrichten 14. Oktober 2011 | Text: kli

Hubert von Goisern hat den ersten Nummer-1-Hit seiner langen Karriere eingefahren:
"Brenna tuats guat" lacht seit Freitag von der Chartspitze der "Austria Top 40"

Hubert von Goisern Hubert von Goisern hat es geschafft: Erstmals in seiner langen Karriere steht der Sänger auf Platz eins der Single-Charts. Seine Alpen-Rockpolka Brenna tuats guat schaffte es in kürzester Zeit an die Spitze der "Austria Top 40". Vor zwei Wochen war der Song noch auf Platz 58 der Hitparade zu finden. Zum Vergleich: Goiserns bekanntestes Lied Koa Hiatamadl kletterte vor 19 Jahren bis auf Platz zwei der österreichischen Verkaufscharts.

Dauerrotation auf Ö3

Die unerwartete Spitzenposition in den "Top 40" hat der Sänger auch Österreichs größtem Radiosender Ö3 zu verdanken: Schon wenige Tage nachdem der Sender Brenna tuats guat in sein Programm aufnahm, stieg der Song in die Charts ein. Bereits in der dritten Platzierungswoche steht Hubert von Goisern nun seit Freitag auf Platz eins. Auch sein Album Entwederundoder liegt im Spitzenfeld der Hitparade, wird aktuell auf Rang zwei gelistet.

Ab Jänner 2012 auf Tour

Schon in wenigen Monaten ist der Musiker auch wieder live zu bewundern, im Jänner 2012 startet Hubert von Goisern seine Entwederundoder-Tour. Über 32 Konzerte in Österreich, Deutschland und der Schweiz sind bereits fixiert. Ein Auftritt in Salzburg findet sich nicht auf dem Tourplan, ein Hinweis auf der Webseite von Hubert von Goisern lässt jedoch hoffen: "Weitere Termine im Sommer folgen"...

Ganz schön gespannt

Badische Neueste Nachrichten 1-3. Oktober 2011 | Text: Michael Ludwig | Fotos: Alà̀biso

Hubert von Goisern Dieser Mann lässt sich nicht verbiegen. Im Gegenteil. Mit jedem neuen Lebensjahr wird Hubert von Goisern geradliniger – und zugleich immer offener für Einflüsse aus allen Richtungen.

Von Goisern sitzt auf der Terasse der BNN- Kantine neben einem Raben aus Metall und schlürft einen Kaffee. Seit Jahren bricht der oberösterreichische Volks-/Folk-/Rockmusiker, mittlerweile 58-jährig, eine um die andere Lanze für mutiges und kongeniales Vermengen unterschiedlichster Musikstile. Früher mit seinen Alpinkatzen, hinterher mit größeren Combos. Und heute im Quartett. Wobei Hubert von Goisern sagt, dass er seine minimalisierten neuen Songs vom Album Entwederundoder (Sony Music) sogar alleine auf der Klampfe vortragen könnte. Will er aber nicht. Dennoch scheint es ihm wichtig, nach vielen Jahren des äußerst komplexen Songwritings zur Nabelschnur zurückzukehren. Soll heißen: Einfache Songs zu schreiben, die kurz dauern, dabei aber um so besser die Zeiten überdauern könnten. Denn das ist, nicht nur seiner Ansicht nach, der Knackpunkt: Einfache Lieder zu komponieren, die den Hörer in ihren Bann ziehen. Schwierig, das. Das ist in etwa, wie aus einer aufs Minimale reduzierten Speise einen Zungenschnalzer zu kreieren. "Die Spannung machts's aus", sagt Hubert von Goisern, "so wie eine Gitarrensaite, die gut gespannt ist!"

Hubert von GoisernEr fuhr die neue europäische Welt mit seinen schönen Liedern beschallend die Donau und den Rhein mit dem Konzertschiff hinauf und hinunter, ankerte an diversen Orten und begeisterte die Massen. "Im Nachhinein erscheint es mir als noch größeres Abenteuer als zuvor. Aber nach vier Jahren hatte ich den Wunsch, mich wieder zurückzunehmen und mich voll einzubringen." Es gab zwischendurch eine herzerfrischende Wirtshaus-Tour. Und nun eben das neue Album. "Ich musste einfach über meinen eigenen Schatten springen", sagt der charmante Künstler. "Aber es ist letztlich so geworden, wie ich mir's vorgestellt hab'".

Textlich ist der neue Longplayer mindestens genauso bunt wie die dazu gehörige Musik. Indianer thematisiert das Klischee vom "Schmerzfreien", während Halt nit an vom Unterwegssein handelt, ein Lied bestens für Lagerfeuer-Romantik geeignet. Sogar Heidi bekommt eins ab. Da geht es um einen Jodel-Rocker, der die Liebe auf der Alm wie in einem Heimatfilm beschreibt. Hubert von Goisern bleibt spannend. Hoffentlich noch lange!

Ursprung

Salzburger Nachrichten 22. September 2011 | Text: Bernhard Flieher | Foto: SN/Kolarik

Hubert von Goisern wird ungeniert persönlich – und landet in Deutschland höher als je zuvor in den Charts.

Hubert von Goisern(SN). In Österreich hat's Hubert von Goisern traditionell schwerer als auswärts. Daheim galt für den 58-Jährigen oft der Spruch vom Propheten im eigenen Land. Schwer ist es auch, daheim eigene Rekord zu übertreffen. Seine Alben Aufgeigen statt niederschiassen (1992) und Omunduntn (1994) waren Nummer eins. Zur Internationalität, die Hubert von Goisern seither kontinuierlich und selbstverständlich ausstrahlt, passt, dass sein aktuelles Album Entwederundoder eine Woche nach Erscheinen mit Platz 13 – die höchste Platzierung in den deutschen Charts – einstieg. Ob das noch Wellen der Linz-EuropaTour sind, lässt sich nicht sagen. In der Ästhetik des neuen Albums wirkt die Mammuttour der Jahre 2007 bis 2009 jedenfalls nach – als Antithese. Entwederundoder ist eine schmal instrumentierte Sammlung von Miniaturen. Die Songs klingen wie Gegenentwürfe zur Breite, mit der an der Donau gespielt wurde, und die sich vor drei Jahren im epischen Album S'Nix niederschlug.

"Nach der Opulenz wollte ich Transparenz haben, Songs, die in sich geschlossene Geschichten ergeben", sagt Hubert von Goisern im SN-Gespräch. Nichts ist orchestral aufgeblasen. Von der Donau-Breitwandband bleiben nur Gitarrist Severin Trogbacher, Bassist Helmut Schartlmüller und Schlagzeuger Alex Pohn. Sie spielen mit hoher Konzentration wenig. Die Töne aber, die da sind, entwickeln starken Sog – egal ob als harter Rock, Country, Blues oder Ballade und freilich mit alpinen Sprengseln.

Bei vielen neuen Nummern hatte Hubert von Goisern "das Gefühl, dass ich mir das jetzt erlaubt habe". Es taucht an manchen Stellen – in Zurückhaltung gleichermaßen wie in Heftigkeit – eine Reduktion, ja eine Naivität auf, die er sich "vor 20 Jahren einfach nicht getraut hätte". "Früher dachte ich, dass manche Dinge zu einfach klingen. Ich wollte das alles neu erfinden." Leicht war es nicht, eine andere Form zu finden und zuzulassen. Ein Jahr lang hörte er in sich, ohne einen Ton zu spielen, hörte, was in ihm passiert. "Ich habe mich zu einer gewissen Gelassenheit treten müssen, um dann ganz ungeniert spielen zu können." Die Welt, die er sonst im Auge hat, rückt thematisch ein Stück weg. Die Offenheit für Klänge und Stimmungen blieb.

"Es ist ein sehr persönliches Album und wenn ich mich auf meine persönlichen Sachen zurückziehe, wenn es intim wird, dann schiebe ich freilich die Welt weiter weg." Die Interpretation, das Album klinge als Gesamtsound nach Weltverdruss, nach einem skeptischen, distanzierten Blick auf eine unruhige Welt, teilt er nicht. "Es ist keine Abkehr von der Welt, keine Anklage. Es ist eher so eine Haltung, die sagt: 'Lasst's mich in Ruhe.'" Wird nicht passieren. Im kommenden Jahr stehen rund 100 Konzerte auf dem Programm. Ein paar davon in Österreich – eines davon als Open Air in der Salzburger Altstadt.