Hubert von Goisern
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AMADEUS AUSTRIAN MUSIC AWARDS 2001

Vermischtes: 2001

Hubert von Goisern - Amadeus Awards 2001

2001 | Fotos: © P Schaller, R Eckharter
Hubert von Goisern

Huberts Rede

(ungefährer Wortlaut)

"Ersten 2 Redner war schon ziemliche Selbstbeweihräucherung des ORF und der Industrie ... vielleicht symbolisiert Preis das rosa Rauschen, das manchmal durchkommt ... bezeichnend dass GI Weisz nicht zugegen ist... Roscic hat mir gesagt: wir spielen, was Leute hören wollen, wir sind die Überbringer der schlechten Botschaften ... das ist auch sehr kleinmütig und ruckgratslos ... habe das sagen müssen für alle, die nicht da sind und nichts bekommen haben."

"Ein bisschen viel Selbstbeweihräucherung vom ORF und von der Musikindustrie"

APA Mai 2001

Hubert von Goiserns kritische Worte bei der "Amadeus Award"- Verleihung wurden zusammengekürzt

Wien - Im allgemeinen Jubel hatten seine Worte eher herb gewirkt: Hubert von Goisern hatte bei dem am Mittwoch abgehaltenen "Amadeus Austrian Music Award 2001" in seiner Dankesrede für die Auszeichnung als bester Solokünstler von "bisschen viel Selbstbeweihräucherung vom ORF und von der Musikindustrie" gesprochen und den ORF-Verantwortlichen vorgeworfen, sich zu wenig um österreichische Popmusik zu kümmern und nur zu spielen, was die Leute hören wollten. Bei der ORF-Aufzeichnung tags darauf wurde diese Kritik jedenfalls nicht in ihrem vollen Wortlaut gesendet.

Dagegen protestiert der österreichische Musikrat nun in einer Aussendung "aufs Schärfste". "Hubert von Goisern hat anlässlich der Verleihung des Amadeus-Awards 2001 in seiner Dankesrede sehr scharfe und sehr mutige Worte über die geringe Präsenz österreichischer Musiker in den Programmen des ORF gefunden: Der stürmische und einhellige Beifall des dort anwesenden, zum Teil sehr prominenten Publikums hat gezeigt, wie aktuell und brisant das Thema ist", heißt es in der von Musikrat-Präsidenten Harald Ossberger unterzeichneten Stellungnahme. "In der am folgenden Tag (10. Mai) ausgestrahlten Aufzeichnung der Veranstaltung fehlte der größte und wesentlichste Teil der Rede und wurde damit vom ORF auf eine relativ harmlose Kritik zurechtfrisiert. Der österreichische Musikrat protestiert aufs Schärfste dagegen, dass der ORF auf diese Weise seinem Publikum die Wahrheit vorenthält und damit seiner Informationspflicht nicht nachkommt." "Der österreichische Musikrat stellt sich nachdrücklich hinter Hubert von Goisern, der sich mit vorbildlicher Zivilcourage der Situation seiner um ihre Existenz ringenden Kolleginnen und Kollegen angenommen hat", heißt es abschließend.

ORF-Reaktion zu österreichischem Musikrat

APA Mai 2001

Zur "Stellungnahme des österreichischen Musikrats zur Aufzeichnung des 'AMADEUS-Awards 2001'" hält der ORF fest:

Die Aufzeichnung der Gala "AMADEUS" am Mittwoch, dem 9. Mai 2001, dauerte exakt 125 Minuten und musste um 20 Minuten und 45 Sekunden auf die vorgesehene Sendelänge von 104 Minuten und 15 Sekunden gekürzt werden. Wie bei jedem Schnitt war es primäres Ziel, für die Zuseherinnen und Zuseher Atmosphäre und Unterhaltungswert des Galaabends zu erhalten. Mit größter Behutsamkeit wurden daher sowohl Show-Acts und Moderation, als auch die Sequenzen mit Laudatoren und Gewinnern gekürzt - so etwa die Statements von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil, Dagmar Koller und Lou Bega. Nach denselben Kriterien ist es auch beim Statement von Hubert von Goisern zu Kürzungen gekommen. Die prinzipiell kritische Aussage seiner Worte blieb erhalten. Lediglich jene Passagen des Hubert von Goisern-Statements, in denen persönliche Angriffe auf Personen erfolgten, die im Rahmen einer Unterhaltungssendung nicht antworten und reagieren konnten, mussten geschnitten werden. Zudem war eine umfängliche Diskussion zum Musikformat von Ö3 - zu der selbstverständlich auch Beiträge mit dem Standpunkt von Ö3 gehört hätten - in diesem Umfeld weder vorgesehen noch möglich.

Es kann daher nicht die Rede davon sein, dass - wie der "österreichische Musikrat" behauptet - "der ORF auf diese Weise seinem Publikum die Wahrheit vorenthält und damit seiner Informationspflicht nicht nachkommt".

Goisern: ORF

Kurier 18. Mai 2001

Handelte korrekt

Bei der Gala zur Verleihung des Musikpreises Amadeus war Hubert von Goisern mit einer mutigen Dankesrede aufgefallen, in der er die mangelnde Präsenz österreichischer Musik im ORF, vor allem in Ö3, kritisiert hatte. In der ORF-Aufzeichnung der Gala fehlten große Passagen dieser Rede, wogegen wieder heimische Musikervertreter protestierten. In einem offenen Brief erklärte Goisern nun, seine Rede sei vom ORF "korrekt" editiert worden, seine Kritik habe ohnehin ihre Adressaten erreicht.

Huberts Antwort auf die Ankündigung des Musikrates den ORF wegen der Verkürzung von Hubert's Rede zu verklagen:

Sehr geehrte Damen und Herrn vom Musikrat,

ich habe bei der Amadeusverleihung meine Enttäuschung über den ORF zum Ausdruck gebracht und bin dabei nicht drum herum gekommen, zwei Personen, die Herren Weis und Roscic, beim Namen zu nennen. Es liegt mir nichts daran jemanden zu verletzen, aber eine allgemein formulierte Kritik wäre an den Verantwortlichen abgeperlt; das haben die Gespräche, die ich mit den beiden letztes Jahr führte, gezeigt.

Niemand kann aber vom ORF verlangen, diese meine Rede ungekürzt wieder zugeben. Und das ist auch nicht notwendig - den Reaktionen nach zu urteilen sind die Worte angekommen, dort wo sie ankommen sollten.

Ich fand es korrekt, wie man meine Aussagen editiert hat.

MfG
Hubert von Goisern

"Was abgeht, ist Rückgrat und Mut"

OÖN 12. Mai 2001 | Text: Ludwig Heinrich

Vor laufender Kamera zeigte sich Hubert von Goisern bei der "Amadeus"-Verleihung am vergangenen Mittwoch "unbotmäßig" und attackierte Ö3. In der Aufzeichnung am folgenden Abend fehlten einige Sager. Dazu ein Interview mit dem Entertainer, der heute Abend in Bad Ischl ein Seminar gibt.

Fühlen Sie sich zensiert?

Nein, ich bin da nicht böse, die mussten die ganze Veranstaltung ja ordentlich kürzen.

Sie erzählten im nicht gesendeten Text von Besuchen bei GI Gerhard Weis und Ö3-Chef Bogdan Roscic?

Ich habe Herrn Weis gesagt, dass ich die Situation bei Ö3 für österreichische Künstler nicht gut finde, und er meinte, er wäre der glücklichste Mensch, würde ich bei Ö3 durchsetzen, dass mehr heimische Musik gespielt wird. Ich möge zu Herrn Roscic gehen.

Und wie war's dort?

Bogdan Roscic meinte, er würde halt das spielen, was die Leute wollen. In diesem Sinn sei er eben Überbringer der schlechten Botschaft. Dieses "Was die Leute wollen" wird meiner Meinung nach dadurch ad absurdum geführt, dass der "Amadeus" ja nach Verkaufserfolgen vergeben wurde, dass aber von Ö3 alles außer Marque nicht gespielt wird. Was mir bei Roscic, der ein kluger Gesprächspartner war, abgeht, ist Rückgrat und Mut, mehr als nur Erfüllungsgehilfe zu sein. Ö3 ist ja kein Privatsender, sondern ein öffentlich-rechtlicher, und daher gibt es auch einen Auftrag.

Ihr heutiges Seminar in Bad Ischl?

Ich bin Lehrbeauftragter an der Uni Salzburg, und dieses Seminar "Tradition und Brücke" über die Identität Heimat/Volksmusik mache ich mit einem Philosophieprofessor. Um nicht im akademischen Elfenbeinturm zu bleiben, gehen wir nun raus aus dem Hörsaal, und gerade in Ischl, denke ich, ist die Tradition spür- und hörbar.

Ihre nächsten Pläne?

Touren, touren, touren. Die Winterpause nütze ich für die Produktion einer neuen CD. Das Gesamtbild habe ich schon im Ohr, es ist nur schwer, es zu schildern. Wie heißt es doch so schön? Musik beschreiben ist wie Architektur tanzen.

PS. Inzwischen protestiert der Österreichische Musikrat gegen die Kürzung des vollen Wortlautes von Huberts "Amadeus"-Kommentar. Der ORF, heißt es, enthält seinem Publikum auf diese Weise "die Wahrheit vor und kommt seiner Informationspflicht nicht nach".

"Endlich sagt es einer!"

OÖN 12. Mai 2001

"Ich glaube, dass sie das, was der Hubert gesagt hat, nicht schneiden, denn wenn sie es tun, gibt es Bürgerkrieg in der Szene", sagte Rainhard Fendrich im OÖN-Gespräch vor der Ausstrahlung der "Amadeus"-Aufzeichnung im ORF - und irrte. Fendrich, als Laudator und Musikstar mit seiner Single Entsetzlich hetero bei der Verleihung dabei, über den Moment, als Hubert von Goisern die kritischen Worte gegenüber ORF und Musikindustrie fand: "Der Kolonovits und ich haben uns angeschaut und gesagt: Ja, endlich sagt es einer! Ich hab' dem Hubert ein Solidaritäts-Mail geschickt, damit er weiß, dass er nicht allein ist.

Amadeus: Hubert von Goisern sagte die Wahrheit

OÖN 11. Mai 2001

Rund 1000 Gäste versammelten sich am Mittwoch nach der Verleihung des Amadeus Austrian Music Award in mehreren Hallen des ORF-Zentrums am Küniglberg und plauschten beim Do&Co-Buffet bis spät in die Nacht. Etwa über den "aufmüpfigen" Hubert von Goisern, der vor laufender Kamera den "Staatssender" Ö3 wegen dessen österreicher-Feindlichkeit attackiert hatte. Hubert nachher: "Mich stört vor allem, dass sich alle bis hin zu Ö-3-Chef Bogdan Roscic darauf berufen, nur Erfüllungsgehilfen fürs Kohlemachen zu sein. Sie sollten sich nicht nur abputzen, sondern auch den Mut haben, eigene Vorstellungen durchzusetzen."

Hubert von Goisern bester nationaler Solokünstler

ORF Mai 2001

Seinen Unmut über die mangelnde Unterstützung heimischer Medien und der Industrie für heimische Acts machte Hubert von Goisern (bester "Solokünstler national") vor laufenden Kameras kund: Der Künstler sprach sogar von "Selbstbeweihräucherung". Der Amadeus "symbolisiert vielleicht das rosa Rauschen, das manchmal durchkommt."

"Man behandelt uns oft wie Aussätzige, als hätten wir einen Ausschlag und müssten unter Quarantäne gestellt werden", präzisierte Hubert von Goisern. Zwar könne es ihm als erfolgreichen Künstler mittlerweile egal sein, ob er von den Radiostationen gespielt wird oder nicht, doch habe er sich zuletzt - insbesondere nach Gesprächen mit Sendungsverantwortlichen - "fürchterlich geärgert".

Danke, Hubert!

Es ist wieder ruhiger geworden. Das Rauschen im Medienwald hat sich gelegt. Herr und Frau Österreicher wissen jetzt aus etlichen Zeitungsartikeln, dass es schlecht steht um Musik aus unserem eigenen Land, dass der Österreichische Rundfunk Talente verhindert und mögliche Erfolge im Keim erstickt. Es mag ein schwacher Trost für Sänger, Komponisten und Texter aus Österreich sein, dass die Schweizer in der Statistik noch hinter uns liegen. In der Schweiz wird nämlich die im eigenen Land geschaffene Musik vom dortigen Rundfunk noch weniger eingesetzt als "unsere" Lieder vom ORF. Was gesagt werden muss, kann gar nicht oft genug gesagt werden. In diesem Sinne: Dankeschön, Hubert von Goisern! Danke für deine mutige Wortmeldung zu einem Thema, das weder dem österreichischen Publikum noch den Künstlern gleichgültig ist.