Hubert von Goisern
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AMADEUS AUSTRIAN MUSIC AWARDS 2003

Vermischtes: 2003

Bauchweh zuvor, Herzklopfen danach

Kleine Zeitung 4. Mai 2003 | Text: Christian Ude

Am Mittwoch wird der Amadeus verliehen, u. a. an Herbert Grönemeyer. Hubert von Goisern erklärt,
warum er nicht zur TV-Gala kommt.

Die Amerikaner haben ihren Grammy, die Engländer den Brit Award, die Deutschen den Echo - und die Österreicher seit drei Jahren den Amadeus. Knapp 400 Juroren aus der Musik- und Medienbranche haben ihre Stimmen bereits abgegeben. Die von Andi Knoll moderierte Verleihung des "Amadeus Austrian Music Award" (so die komplette Bezeichnung des Musikpreises) geht am 7. Mai im ORF-Zentrum über die Bühne; ORF 1 strahlt die Gala einen Tag später um 22 Uhr aus.

Zwei Gewinner können wir Ihnen schon heute verraten: Da Herbert Grönemeyer und Robbie Williams nicht zur Gala nach Wien kommen können, haben sie ihren Amadeus schon vorab erhalten.

Herbert Grönemeyer schlug in der Kategorie "Album des Jahres international" die Red Hot Chili Peppers, Shakira, Eminem und auch Robbie Williams und nahm die Auszeichnung vor wenigen Wochen in Berlin entgegen. Seine Dankesrede wird in der Show per Video zugespielt. Robbie Williams erhielt den Sonderpreis der Fachjury als bester internationaler Künstler und wird ebenfalls per Videobeitrag danke sagen bzw. singen (Come Undone).

Kritik am ORF

In seiner jungen Geschichte war der Amadeus nicht frei von Misstönen. Vor zwei Jahren etwa, als Hubert von Goisern einen Amadeus als bester Solokünstler national gewann, fand er in seiner Dankesrede sehr scharfe Worte über die geringe Präsenz heimischer Musiker in den Programmen des ORF.

In der TV-Ausstrahlung der Gala fiel seine Kritik der Schere zur Opfer, worauf der Österreichische Musikrat mit Recht Protest einlegte: Der ORF würde auf diese Weise seinem Publikum die Wahrheit vorenthalten und eine Rede "zurecht- frisieren".

Auch diesmal ist Hubert von Goisern, der gerade zwei DVDs veröffentlicht hat (Grenzenlos und iwasig), wieder als Künstler des Jahres Pop/Rock national nominiert, reist jedoch nicht an: "Für mich war diese Veranstaltung in den letzten zwei Jahren ein Spießrutenlauf, wo ich schon Tage zuvor Bauchweh und noch Tage danach Herzklopfen hatte. Daher bleibe ich heuer zu Hause", erzählt er im Interview mit der Kleinen Zeitung.

Steife G'schicht

Geändert habe sich in der Programmpolitik des ORF nämlich nichts. "Zabine gewann im Vorjahr gleich in zwei Kategorien den Amadeus. Gespielt wurde sie deshalb im Radio aber auch nicht öfter", erklärt er. "Es könnte und sollte ja ein schönes Fest und Miteinander der Musikschaffenden sein. Aber es ist leider eine fürchterlich steife G'schicht. Über den Preis selbst habe ich mich total gefreut, da er ja von einer breit gefächerten, vielköpfigen Jury vergeben wird."

Was den Alpinrocker und Weltmusiker auch stört: "Es ist de facto eine ORF-Veranstaltung im Heiligtum auf dem Küniglberg. Dabei boykottiert der ORF das ganze Jahr die heimische Szene, die hier ausgezeichnet wird. Es kommt so rüber, als ob man den Preis vom ORF bekommt - und das stimmt einfach nicht." Als Laudatoren werden u. a. Arabella Kiesbauer, Nina Proll, Stermann & Grissemann und die EAV erwartet; die Musikblöcke zwischen den Preis-Übergaben bestreiten Simply Red, die Seer, Manuel Ortega, Michael Tschuggnall, Sarah Connor und Nena. Als Überraschung ist ein Duett der Sportfreunde Stiller mit Christina geplant.

Amadeus für Robbie und Gröni

Kurier 8. Mai 2003

[...] Abzuwarten bleibt, ob es diesmal zu kritischen Worten in den Dankesreden kommt und wie der ORF damit umgeht. Vor zwei Jahren übte Preisträger Hubert von Goisern Kritik an der Programmpolitik des ORF, die heimischen Künstlern zu wenig Chancen biete. In der TV-Ausstrahlung wurde seine Rede dann entschärft.

Das Problem mit dem Amadeus bleibt der seltsame Vergabe-Modus. In jeder Kategorie werden die meistgekauften Künstler des Jahres nominiert - und nur aus ihnen darf die Jury dann den Sieger wählen. Das heißt, hier entscheidet nicht die reine Qualität, sondern den Preis bekommt der Beste unter den Kommerziellsten. Was dem Sinn einer durch eine Jury ermittelten Auszeichnung widerspricht: Dabei sollte es ausschließlich um Qualität gehen. Denn die kommerziell Erfolgreichsten haben ihre Preise ja schon bekommen - in Form von Goldenen Schallplatten und Geld.