Hubert von Goisern
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INTERVIEW

Vermischtes: 2011

Hubert von Goisern: "Solange Brennstoff da ist"

Kleine Zeitung 3. Februar 2011 | Text: Uschi Loigge | Foto: Haider

Hubert von Goisern, auf Arbeitsbesuch in Klagenfurt.
Im Interview mit der Kleinen Zeitung spricht er über das üben, die Politik und seine Zeit als "Musiklehrer".

Hubert von Goisern

Das kommt heraus, wenn ein aus besonderem Holz Geschnitzter einen anderen am linken Fuß erwischt: ein Workshop mit Hubert von Goisern am Kärntner Landeskonservatorium. Der Weltmusiker im Rang eines Volksmusikrebellen wollte nicht viel Aufhebens um seinen Arbeitsbesuch machen, zu dem ihn der Komponist Alfred Stingl auf Anraten von Maria Moling, ehemals Musikerin in Goiserns Band, überredet hat. Vor Beginn des Workshops (Thema: Musik nach 1945. Allgemeine und individuelle Aspekte), zu dem sich gut 50 Studierende und Konse-Lehrer angemeldet hatten, ließ sich der 58-Jährige gestern aber doch zu einem Kaffeetreff überreden.

Sind Sie nervös? Workshops gehören ja nicht zu Ihrem Alltag. Wie oft hat man Sie schon zu solchen Vorträgen überreden können?

Zu einem Workshop vor Studierenden überhaupt noch nie. Allerdings habe ich sogar einmal ein Jahr lang Musik unterrichtet. Damals war mein Sohn in der ersten Klasse Hauptschule und auf meine Frage: "Was macht's in Musik?" hat er gesagt: "Ja, nix." An der Schule gab es keinen Musiklehrer, sondern der Mathematiklehrer hat halt auch Musik unterrichtet. "Die wollen nicht singen," hat er mir erklärt. Meine Gegenfrage war: "Was machst, wenn sie nicht rechnen wollen?" Also habe ich den Musikunterricht dann für ein Jahr übernommen. Mein Respekt vor Lehrern ist in dieser Zeit sehr gewachsen. Der Bonus, den du als Popmusiker hast, nützt sich vor den Kindern nach drei Stunden ab.

Wie wollen Sie es beim Workshop in Klagenfurt angehen?

Ich unterrichte ja nicht, ich rede ja nur. über meinen Zugang zur Musik. Ich bin ja Autodidakt und habe mir alles selber beigebracht. Die zwei Semester Musikstudium waren für mich eher abschreckend.

Sie behaupten, üben sei generell ein Blödsinn. Bei Schülern bringt Ihnen das sicher Pluspunkte ...

Joe Zawinul hat gesagt: "Ich übe höchstens zwei Minuten, dann spiele ich schon." Das hat was. Ich übe nicht. Und wenn ich nicht auftrete oder produziere, dann tu ich überhaupt nichts. Nach meiner Zeit mit den Alpinkatzen habe ich sechs Jahre lang kein Instrument angegriffen. Und Klavier, das kann ich überhaupt nicht. Ans Klavier setze ich mich nur, wenn ich komponiere. Allerdings fluche ich, wenn ich lange Zeit nicht gespielt habe. Ich bin ja Bläser und grad beim Blasen, da ist der Einsatz ein Hund.

Derzeit produzieren Sie aber.

Seit November bin ich praktisch täglich 14 Stunden der Musik ausgesetzt. Ich vergleiche das Musizieren gerne mit einer Flamme. Das entzündet sich und brennt halt, solange ein Brennstoff da ist.

Ab April sind Sie auf Tournee. Steht ein Kärnten-Termin auf Ihrem Plan?

Einmal war von der Wörtherseebühne die Rede, aber da habe ich nichts mehr gehört. Aber wichtiger ist mir was anderes - ich spiele eine Wirtshaustour. Nachdem sie in Goisern den letzten Wirtshaussaal geschmissen haben, diese Trotteln, hab ich mir gedacht, ich suche die letzten alten Säle und komme zu den Leuten im hintersten Winkel. Mein Management hat zwar die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, aber ich bin überzeugt, dass das eine tolle Sache wird.

H. C. Strache hat Ihr Lied Heast es nit 2006 bei einer FPÖ-Veranstaltung spielen lassen, wogegen Sie sich in einem offenen Brief gewehrt haben. Sie haben Strache damals als Randerscheinung bezeichnet, mittlerweile gibt es Umfragen, die die FPÖ als stimmenstärkste Partei sehen. Was denken Sie da?

Der Strache ist ka Goiserer, den nehm ich nicht ernst. Ich glaube, dass den viele zum Fleiß wählen. Der Jörg Haider war ein anderes Kaliber. Der war ein Goiserer. Eigenartigerweise bin ich ihm nie persönlich begegnet. 1993 oder 1994 wollte die Zeitschrift "News" uns zwei zu einem Gespräch haben. Ich habe zugesagt, Haider hat abgesagt. Dieser Kelch ist also an mir vorübergegangen.