Hubert von Goisern
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INTERVIEW

Vermischtes: 2007

"Berge sind Mauern"

Brigitte Woman 05/07 | Text: Stephan Handel | Foto: Walter Oczlon / Lawine

Hubert von Goisern, der Revolutionär der Volksmusik, über das Leben in und mit den Bergen

Hubert von Goisern

BRIGITTE WOMAN: Was macht es mit einem Kind, in den Bergen groß zu werden?

Hubert von Goisern: Ich habe es immer als Glück betrachtet, in den Bergen zu Hause zu sein. Sie waren mein erster Zugang zur Natur, zum Leben als Gesamtheit mit all seiner Über- und auch Unmenschlichkeit. Ich weiß nicht, was gewesen wäre wenn ich wo anders aufgewachsen wäre.

Sie haben aber auch lange in Großstädten gelebt.

Ja, etwa ein dutzend Jahre. Und ich habe mich immer wohl gefühlt in urbaner Umgebung. Man findet auch dort Biotope samt Wildtieren - aber das ist nicht vergleichbar.

Beruhigen Berge? Oder können sie einen auch erdrücken?

Mich beunruhigen Berge jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Trotz all der Gefahren und Unberechenbarkeiten bedeuten sie mir Geborgenheit, und die hat mit Schutz zu tun. Berge sind Mauern - warum haben Burgen Mauern und sind auf Anhöhen gebaut? Weil sie Schutz bieten.

Gibt es eine perfekte Zeit für die Berge?

Natürlich ist es mehr als sonst wo der anbrechende Tag - in den Bergen wirst du automatisch zum Frühaufsteher. Die Welt liegt dir zu Füssen, das Leben steht dir offen - das ist das Besondere am frühen Morgen, in den Bergen und sonst wo.

Verändert der Berg die eigene Wahrnehmung?

Die große Natur - Berge, Wüste, das Meer, ein großer Wald - eignet sich im Allgemeinen wunderbar zum reflektieren. Es heißt ja auch: Wie man in den Wald hineinruft, so hallt es zurück. Umso mehr tut es das in den Bergen.

Wann ist das Glück in den Bergen am Größten?

Es gibt keine "falsche" Zeit für die Berge. Ich bin jedes Mal reichlich beschenkt worden, wenn ich Zeit auf und mit ihnen verbracht habe. Damit, nach einer langen, schweißtreibenden Bergwanderung auf eine kalte Quelle zu stoßen; damit, die Gedanken mit den dahin ziehenden Wolken in die Ferne ziehen zu lassen.

Was bedeuten die Berge für Ihre Musik?

Sie haben nur eine Bedeutung für mein Lebensgefühl, für die Musik direkt nicht. Ich habe in der Natur nie das Verlangen zu musizieren oder zu komponieren. Alles ist perfekt so wie es ist. Ich höre lieber zu: den Vögeln, den Insekten, dem Wind, dem Wasser...