Hubert von Goisern
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INTERVIEW

Vermischtes: 1996

Doch kein Buddhist

Die Ganze Woche 26. Juni 1996 | Text: Hannes M. Pum

Hubert von GoisernVor mehr als einem Jahr hat Hubert von Goisern öffentlich seinen Rücktritt von der Bühne erklärt. Seither ist Pause mit erfrischenden neuen Klängen à la Hiatamadl. In der Zwischenzeit trieb es ihn kreuz und quer über den Globus. Bei der Präsentation eines zweiteiligen ORF-Projekts Eine steirische Fernsehgeschichte , für das Hubert die Filmmusik schrieb, schaute er letzten Freitag wieder einmal in der Heimat vorbei. Werden seine Fans weiterhin auf alte Platten angewiesen sein, wenn sie seine Musik hören wollen?

"Nein", verkündet Hubert überraschend im WOCHE-Gespräch, "es drängt mich zurück auf die Bühne! Wann genau ich wieder auftrete, weiß ich aber noch nicht. Das entscheide ich in den nächsten Monaten."

Und die Lieder, die Musik, gab es da eine neue Richtung? "Zur Zeit habe ich das Gefühl, daß es eine eher aggressive Musik sein wird." Wirkliche innere Ruhe hat er bei seinen Reisen anscheinend nicht gefunden.

"Ich habe sehr viel gesehen, war in Irland, in Afrika, jetzt sehr lange in Tibet. Ich habe dort vieles erlebt, was mich verärgert hat. Wenn man in buddhistisches Denken hineinkommt, dann gibt es so etwas wie Zorn oder Ärger nicht. Aber ich spüre das schon: Ich bin noch zuwenig Buddhist oder vielleicht überhaupt keiner. Ich bin der letzte, der sagt, man soll mit Waffengewalt irgendetwas verändern. Aber da ist dieses Land seit 50 Jahren von den Chinesen beherrscht, und die Welt schert sich einen Dreck drum. Das nervt mich total, das ärgert mich unbändig!"

Was zieht ihn dann überhaupt zum Buddhismus? "Weil sie nicht missionieren, so wie alle anderen Religionen. Weil sie gegenüber Andersgläubigen total tolerant sind. Das geht mir bei unseren Religionen ab." Und warum' scheitert bisher ein Beitritt, nur an seiner Aggressivität? "Ja, ich bin kein Buddhist, weil ich Gelsen hasse. Wenn mich eine Gelse in der Nacht sticht, dann drehe ich das Licht auf und bringe sie um, wenn ich sie erwische. So etwas dürfte ein Buddhist nicht machen." Freuen wirf uns also auf einen neuen, aggressiven, nachdenklichen Goisern.