Hubert von Goisern
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INTERVIEW

Vermischtes: 2007

Bis zur Edelweissglut

Der Standard 30. Mai 2007 | Text: Sascha Aumüller | Foto: Martin Fuchs

Hubert von Goisern spricht mit Sascha Aumüller über Aufgeblasenheit,
österreichische Selbstdarstellung und eine Blume

Hubert von GoisernBraucht das österreichische Lied das Edelweiß?

Spontan fällt mir nur dieses Lied aus dem Musical Sound of Music ein, und das ist halt kein österreichisches. Möglicherweise ist es auch keine Symbolik, die wir selber, sondern nur andere für uns verwenden - um uns irgendwie greifbar zu machen. Das ist schwierig, weil bei uns im Salzkammergut gibt's überhaupt kein Edelweiß - zumindest nicht dass ich wüsste. In Matrei in Osttirol hab ich wohl ordentliche Plätschen am Hut gesehen, aber was soll das, man findet es genauso gut im Himalaja, nur eben noch größer.

Nicht nur im Himalaja, sondern auch in der Schweiz. Warum soll das gerade für Österreich stehen?

Das ist wohl nicht mehr als eine Innenwahrnehmung, die gerade einmal bis nach Europa oder vielleicht noch in die USA reicht. Fragen Sie einmal einen Chinesen, der verbindet mit Österreich wahrscheinlich andere Dinge. Da brauchen wir uns jetzt nicht einbilden, dass das jetzt so einzigartig ist und Essenzielles über uns aussagt.

Woher kommt dann diese Austro-Edelweiß-Essenz?

Für mich vielleicht noch über eine andere Schiene. Das Edelweiß ist eine geschützte Pflanze, und wenn man schon über essenziell Österreichisches spricht, fällt mir ein, dass wir ein kernkraftfreies Land sind. Wenn das Edelweiß dafür oder für den Naturschutz steht, soll's mir recht sein.

Können Sie das transportieren?

Ich werde es versuchen. Wir beginnen ja bald unsere zweijährige Reise mit dem Schiff auf der Donau. Der ökologische Aspekt auf dieser Tour durch die Donauländer ist ein ganz wichtiger, weshalb wir mit dem WWF zusammenarbeiten. Und es geht eben auch einmal nicht um den alpinen Raum, sondern darum, den Lebensraum der Menschen an der Donau zu schützen. Da braucht man nicht mehr weiter ausbaggern oder aufstauen, da kann man die Schiffe selbst adaptieren. Meine Musik nehm ich jedenfalls einmal mit, diesen Hintergedanken auch, und dann schauen wir einfach, was passiert.

Brauchen Sie da das Edelweiß für diese Botschaft?

Wahrscheinlich nicht, und wir haben's bislang eigentlich nur einmal verwendet für das Cover von Omunduntn, weil es so eine schöne Pflanze ist - ein strahlend weißer Stern. Und so selten. Und natürlich wahnsinnig gefährlich, dort hinzugehen, wo es wächst. Das symbolisiert auch Mut, weil man immer dieses Bild im Kopf hat, wo jemand "auffigeht und obifallt", weil er es halt nicht ganz geschafft hat. Das hat seinen Charme.

Symbolisch ist es jedenfalls ein Exportschlager, wie das schon erwähnte Lied Edelweiß aus Sound of Music zeigt. Was transportiert man damit?

Nur die Hälfte von Österreich, eben nur den alpinen Teil. Aber ich repräsentiere ja auch nur einen Teil von Österreich, wenn ich in Berlin oder Hamburg spiele. Ich fühl mich schon wohl in Wien oder Salzburg, aber diese Kultur vertrete ich halt gerade auswärts nicht. In meinen Texten hab ich das Edelweiß jedenfalls nie exportiert.

Und als Kulisse für das alpine Österreich?

Da hat mir eigentlich immer ein Bergpanorama als angemessener Rahmen gereicht. Oder maximal noch ein aufblasbarer Hirsch auf der Bühne. Der war billig und hat fesch ausgeschaut. Während des Konzerts ist ihm dann langsam die Luft ausgegangen, und das Geweih hat begonnen herunterzuhängen. Ich glaube, dass dieses Spiel mit aufblasbarem Plastik der natürlich Majestätik einfach das richtige Gegengewicht gibt. Wenn man diese Symboliken so überstrapaziert, ist irgendwann die Luft draußen.

Aber Tatsache ist, dass Sie diese Kulisse und ihre Symbole gerne mitnehmen für Konzerte.

Ja, vor allem als Schwarz-Weiß-Fotopanorama. Das mag für uns ästhetische Gründe haben, aber unterwegs repräsentiert das vielleicht wirklich ein alpines Schwarz-Weiß-Bild. Volkslieder sind da wie heuriger Wein: Wenn ich den am Kahlenberg oben trink, schmeckt er besser. Wenn ich jetzt etwas über die Herkunft der Bilder in meinen Liedtexten sagen will, nehm ich sie am besten einfach mit.

Funktioniert dieser Symbol-Transport universell?

Bei den Konzerten in Afrika haben wir die Bilder nicht mitgehabt. Obwohl mir die Idee gefallen hätte, das Bergpanorama in der Wüste von Mali aufzustellen und es dann einfach dort stehen zu lassen. Aber wir haben ohnehin schon so viel Übergepäck gehabt. Und andererseits ist es ja nicht nur Kulisse, was ich da mitnehme, sondern auch eine Art "innere Landschaft".

Eine Landschaft, die äußerlich intakt ist?

Ich kann auch in einer Umgebung spielen, die kaputt ist, wenn Sie das meinen. Aber ja, ich wollte eine Zeit lang nur an "schönen, intakten Orten" spielen. Nur wird das mit der Zeit fad, diese Plätze sollen die Leute selber entdecken. Über die Kommunikation der Schönheit kann man diese Schönheit auch zerstören.