Hubert von Goisern
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INTERVIEW

Vermischtes: 1995

Ich will kein Idol sein

Frau Aktuell 30. August 1995 | Text: Astrid Eichstedt

Hubert von GoisernEine gute Nachricht für alle, die immer noch über den Ausstieg von Hubert von Goisern (42) und seinen Alpinkatzen trauern: Die Höhepunkte der letzten vier Konzerte des eigenwilligen Volksmusik-Rockers sind nun im Kino zu sehen. Wia die Zeit vergeht heißt der Film, der vor zehn Monaten im Münchner Zirkus Krone gedreht wurde. Danach trennten sich die Wege der Musiker, die nach nur drei Jahren den Gipfel des Erfolgs erlangt hatten.

Wenn es Hubert auch weh tut, die Konzert-Ausschnitte von damals anzuschauen, bereut er seine Entscheidung dennoch nicht: "Mit den Alpinkatzen ist es aus und vorbei. Ich hatte einfach das Gefühl, alles erreicht zu haben oder sogar viel mehr als das. Ich war wider Willen zum Idol geworden und fand das in erster Linie belastend. Wir hätten endlos so weitermachen können. Aber ich bin ja immer auf der Suche nach etwas, das sich noch nicht bewährt hat, an dem ich neue Erfahrungen sammeln kann."

Dies gelingt dem Alpen Rapper jetzt unter anderem als Modemacher. Das Schildchen in seinem leinernen Trachtenanzug trägt seine Initialen HvG. In der Mode, die er zusammen mit einem New Yorker Designer entwickelt, verfolgt der Oberösterreicher ähnliche Ziele wie in der Musik. Er will Tradition mit Modernem verbinden und so etwas Neues schaffen.

Zu Hause in Bad Goisern schreibt Hubert in seinem kleinen alten Haus Noten für Film und Fernsehen. Seiner Feder entstammt auch die Musik zu Joseph Vilsmeiers neuer Roman-Verfilmung Schlafes Bruder, die im Oktober in die Kinos kommt.

HvGAls nächstes plant Hubert-Dampf-in-allen-Gassen einen eigenen Film, bei dem er Drehbuch, Hauptrolle, Musik und Regie in die eigene Hand nimmt. Fürs Kino hat er bereits seit seiner Kindheit viel übrig. "Ich mag es, wenn alles um mich herum dunkel wird und ich an nichts anderes mehr denk", erzählt er.

Bei so viel Umtriebigkeit kommt die Familie leider etwas zu kurz. Huberts anderthalbjährige Tochter und sein siebenjähriger Bub wachsen bei der Mutter auf, von der er sich inzwischen getrennt hat. "Sie ist", so versichert er, "die beste Mutter, die ich mir für meine Kinder wünschen kann."

Hubert-von-Goisern-Fans können sich, schon jetzt freuen. 1997 will der Musiker unbedingt auf die Bühne zurück. Vielleicht gar mit seiner ehemaligen Begleitband, den Alpinkatzen? Hubert: "Ich schließe nicht aus, daß wir irgendwann wieder in mehr oder weniger derselben Besetzung zusammenspielen. Aber ob, und mit welcher Art von Musik, das kann ich jetzt noch nicht sagen."