Steirisches Akkordeon meets arabische Laute
Hauptsache Kultur!: Der Almrocker Hubert von Goisern und der ägyptische Popstar Mohamed Mounir
Der ägyptische
Popstar Mohamed Mounir und der österreichische Alpenrocker Hubert
von Goisern - ein ungewöhnliches Musikergespann. Ungewöhnlich
ist auch ihre Geschichte: Auf Vermittlung des Goethe-Instituts trafen
sich die beiden vor einem Jahr im ägyptischen Assiud, einer einstigen
Fundamentalisten-Hochburg, und zwar gerade mal drei Stunden vor einem
gemeinsamen Konzert. Die Profis rauften sich zusammen und begannen zu
improvisieren. Die Musiker fanden schnell einen gemeinsamen Rhythmus,
das Steirische Akkordeon harmonierte mit der arabischen Laute Oud.
Der Alpenrocker Hubert von Goisern holte sich schon oft Anregungen in anderen Kulturen. Als Idealist träumte er den Traum, dass Musik die Völker verbindet. In Assiud schien sich der Traum zu erfüllen. Das Konzert war ein Riesenerfolg.
Gestern in Frankfurt. Der Krieg tobt in der Ferne und ist doch überall präsent hier. Hubert wartet auf seinen Freund Mohamed. Aber der steht heute wieder spät auf. "Ägyptischer Tagesrythmus," sagt Hubert. Chance für einen Bummel über den Römerberg. Eine Postkarte vom zerstörten Frankfurt. Deutsche Zeitungen. Und arabische für den Sänger. Inzwischen ist es 13.00 Uhr, der Nachtmensch Mohamed ist jetzt wach. Seitdem die Bombardierung Bagdads begonnen hat, reden die beiden immer wieder über den Krieg. Hubert zeigt Mohamed die Postkarte: "Dieses Bild von Frankfurt habe ich gefunden, das ist vom Ende des Krieges. Die Leute hier haben erlebt, was Zerstörung bedeutet. Auch deshalb sind sie gegen den Krieg."
Hubert
und Mohamed sehen sich nicht als Politische Botschafter. Ihre Botschaft
ist die Musik. Für naiv wollen sie deshalb nicht gehalten werden: "Es
ist noch viel naiver," sagt Hubert, "dass man glaubt, durch
Krieg Frieden herbeizuführen, und das ist wohl allen klar. Ich denke,
Musik zu spielen, wie wir das im Sommer machen werden, zwei Wochen lang,
gemeinsam auf Tournee gehen, gemeinsam auf der Bühne stehen, vor
vielen Tausend Leuten singen. Das ist ein Gefühl des Zusammenseins.
Nicht nur für uns, sondern auch für die Leute, die das miterleben.
Es ist ein großes Fest der Verbrüderung."
In Assiud gab's Verbrüderung nicht zuletzt zwischen steirischem Akkordeon und arabischer Laute. In Frankfurt: Bilder vom Krieg in deutschen und arabischen Zeitungen. In beiden Ländern Entsetzen über die Gewalt. Und Wut auf die USA. Vor allem in Ägypten scheint die Abscheu vor dem irakischen Diktator dabei immer mehr in den Hintergrund zu treten.
"In Ägypten," sagt Mohamed, "gibt es viel Mitgefühl für das, was im Irak passiert. Das zeigt sich durch tägliche Demonstrationen, durch lauten Protest. Aber ich möchte dazu auch selbst etwas sagen. Ich glaube, dieser Krieg ist völlig unfair. Weil auf der einen Seite eine riesige Macht steht und auf der anderen Seite gar nichts. Aber ich hoffe, wir, die Menschen, die diesen Krieg nicht wollen, sind in der Mehrheit. Deshalb müssen wir uns am Ende durchsetzen, das hoffe ich."
Der
Dialog der Kulturen hat zumindest in Assiud hat funktioniert, und 17
000 jubelten. "Ich glaube nicht," sagt Hubert, "dass uns
ein Zacken aus der Krone bricht, den wir eh nicht haben wollen, nur weil
wir uns auf eine andere Melodie einlassen, auf eine andere Art Rhythmus.
Es ist nur bereichernd. Wir stellen uns nebeneinander hin und zeigen,
dass es funktioniert. Jede Stunde, die ich mit Mohamed zusammen verbringe,
lerne ich ein bißchen mehr über ihn und auch von ihm."
Und Mohamed: "Es gibt sehr viele Sachen, die wir noch lernen sollten. Wir müssen verstehen, was um uns herum passiert, offen sein. Aber Ignoranz und Diktatorenregime müssen wir bekämpfen."
Kämpfen mit Worten und Musik - in diesen Tagen ein fast rührendes Ansinnen. Im Juni und Juli gehen die beiden Musiker nun gemeinsam auf Deutschlandtournee und spielen u.a. auch auf dem Hessentag in Bad Arolsen.
Hauptsache Kultur!, HR, 27.3.03



