Hubert von Goisern
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HOCHWASSER-BENEFIZKONZERT 2002

Vermischtes: 2002

Hubert von Goisern: Live in Linz - 30. August 2002

1. Oktober 2002 | Fotos: © Christian Deinhammer

Danke!

OÖN 3. September 2002

Auf Einladung der Grünen und mit medialer Unterstützung der OÖN gab Hubert von Goisern am Freitagabend im ausverkauften Linzer Posthof ein Benefizkonzert. Vom Kartenverkauf gehen 50 Prozent an die OÖN-Hochwasserhilfe, 50 Prozent auf ein anderes Spendenkonto: Einen Scheck in der Höhe von 8373,71 Euro überreichten Rudi Anschober, Madeleine Petrovic, Hubert von Goisern und die gesamte Band an OÖN-Kulturredakteurin Silvia Nagl.

Solidarität hilft, nicht der Totstellreflex

OÖN 29. August 2002 | Text: Bernhard Lichtenberger

Hubert von Goisern über Hochwasserhilfe, UNO-Gipfel und neue Träume

"Ausverkauft!" meldet der Linzer Posthof für das von den Grünen organisierte morgige Hochwasser-Benefizkonzert mit Hubert von Goisern und Band. Die OÖN, die die Veranstaltung für die Katastrophenopfer unterstützen, sprachen mit dem Welt-Volks-Musikanten.

Warum hast du dich so kurzfristig für das Benefizkonzert zur Verfügung gestellt?

Von so einer Sache ist jeder betroffen, wenn schon nicht in seiner Lebenssubstanz, so auf jeden Fall moralisch. Egal wo auf der Welt: Wenn man ein Unglück sieht, ist man betroffen. Und je näher das ist, umso mehr hat man das Gefühl, dass man etwas tun möchte. Das einzige, was hilft, ist Solidarität und ich möchte nicht, dass das nur ein Wort ist.

Ist das auch ein Zeichen für jene, die sich erregen, wenn für Afrika gespendet wird?

Es macht keinen Unterschied, ob das in Afrika passiert, in Russland an der Schwarzmeerküste, bei uns im Mühlviertel oder in Bangladesch. Man kann nicht sagen, weil das Desaster so groß und nicht mehr überschaubar ist, tut man gleich gar nichts. Man könnte sich von der Größe der Tragödie überwältigen lassen, in einen Totstellreflex verfallen oder nur mehr beten. Man muss schon angreifen auch, damit sich die Dinge ändern.

Das Hochwasser hat die Frage aufgeworfen, wer schuld daran ist. Der Mensch, sein Umgang mit der Umwelt?

Wir leisten schon unseren Beitrag dazu, aber so etwas, was da jetzt passiert ist, das ist auch früher schon vorgekommen, als wir noch keine industrielle Revolution hatten. Katastrophen werden immer eintreten, gegen die kann man sich weder durch vernünftiges Handeln oder Versichern schützen. Da können nur die Leute zusammenhelfen, um wieder heraus zu kommen.

Ist die Katastrophe eine Chance, das Umweltthema wieder stärker in die Öffentlichkeit zu bringen?

Ich glaube nicht, dass man so eine Katastrophe hernehmen kann, um den Leuten zu sagen, seht's, wir müssen da jetzt was tun. Diese Art von Katastrophe kann man nicht nur an der globalen Erwärmung festnageln.

In Johannesburg tagt gerade der UNO-Gipfel, wo es um eine Bekämpfung der Armut bei gleichzeitiger Schonung der Umwelt geht. Was erwartest du dir davon?

Ich erwarte mir von solchen Sachen nicht viel, aber es genügt oft, wenn bei einem entscheidenden Menschen der Groschen fällt und er es anders macht als bisher, weil er zum Nachdenken gebracht wurde. Es ist immer schön, wenn Leute zum Reden zusammenkommen, aus verschiedenen Erdteilen und Ländern und einen Erfahrungsaustausch machen. Da muss am Ende nicht unbedingt etwas Messbares herauskommen.

Hast du jemanden in deinem Freundes- und Bekanntenkreis, der ein Hochwasseropfer wurde?

Ich kenn' einen in Oberösterreich, dem es alles weggerissen hat und der jetzt mit dem Bagger versucht, das hinzukriegen. Und fünf Zentimeter, bevor es mein Studio in Salzburg überflutet hat, hörte das Wasser auf zu steigen.

Wann erscheint dein neues Album?

Am 16. September.

Der Titel?

Iwasig. Das heißt "Oberhalb".

Ist dir seit deinem Comeback wieder einmal der Gedanke wie damals mit den Alpinkatzen gekommen, dass du sagst, Schluss, aus, das mag ich nicht mehr?

Ja, klar. Das hat nichts mit mögen zu tun. Wenn man tourt und die Art von Leben führt, dann hat links und rechts nichts mehr anderes Platz. Das ist dann so ausschließlich und so will ich mein Leben nicht gestalten. Voriges Jahr um die Zeit hab' ich mir schon gesagt, jetzt mach ich noch das Album "Iwasig", dann noch eine Tour damit und dann lass' ich es wieder. Nächstes Jahr spiel' ich noch ein paar Open-airs und dann ist für mich wieder ein Kapitel abgeschlossen.

Was wirst du dann machen?

Es gibt genug Pläne und Träume, für die ich Zeit brauche, um sie zu verwirklichen, aber darüber mag ich nicht reden. Für mich sind das so Sachen, die reifen müssen, und die Energie, die so ein Gedanke hat, wird weniger, wenn man immer darüber redet.

Aber du wolltest doch noch Trad 2, ein weiteres Album mit deinen Interpretationen von alten Volksliedern herausbringen?

Ich hoffe, dass ich es bis März aufgenommen habe, bis zum Sommer fertig mische und es in einem Jahr erscheint.