Hubert von Goisern
DE
EN
 

WIEVIEL MACHT HAT KUNST?

Vermischtes: 2016

Wieviel Macht hat Kunst?

Medien.Mittelpunkt Ausseerland 10. Juni 2016 | Text: Stefanie Mayer und Sara Noémie Plassnig | Foto: Daniela Schmid

Alpenrocker, Revoluzzer und Grüner

Der Ausnahmekünstler in Hubert von Goisern möchte die Herzen seiner Fans öffnen. Der Sturschädel polarisiert mit seiner gesellschaftskritischen und extravaganten Volksmusik. Hubert von Goisern bedient auch beim Medien.Mittelpunkt im Ausseerland, unweit seines Geburtsorts Bad Goisern, alle Erwartungen.

Hubert von Goisern"Als ich begonnen hab' zu musizieren, gab's diesen heftigen Gegenwind" – Der Alpenrocker Hubert von Goisern wollte bereits in jungen Jahren seine eigene Art von Musik machen. Dinge neu interpretieren, wie etwa die Ziehharmonika. Das erste Akkordeon war ein Geschenk seines Großvaters, das er im Schnapsrausch beinahe zerrissen hätte. Damals war das Instrument für den Liedermacher noch ein Symbol des "ewig Gestrigen". Heute ist die Ziehharmonika nicht mehr aus seinen Auftritten wegzudenken. Der frühere Straßenmusiker hat mittlerweile großen internationalen Erfolg. Eines hat sich trotz seiner jahrzehntelangen Bühnenerfahrung nicht geändert: Nervös ist er immer noch vor jedem Auftritt, sagt er.

Vom Orchester zu den jodelnden Kopfjägern

Hubert von Goisern, mit bürgerlichem Name Hubert Achleitner, wurde 1952 in Bad Goisern im Salzkammergut geboren. Im Vorschulalter träumte er davon, Dirigent zu werden. Seine Kindheit beschreibt er als "sehr glücklich", bis zu dem Moment, als der damals Siebenjährige zur Schule gehen musste. "Diese Zeit war schrecklich, denn Unterricht ist Nichts für einen Träumer", meint Hubert von Goisern. "Mein Leben ist erst wieder weiter gegangen, als ich mit der Schule fertig war. Dort habe ich zum ersten Mal Normierung kennen gelernt", sagt der mittlerweile 63-Jährige. Als Jugendlicher wurde er aus dem Orchester geworfen, seine Haare waren zu lang. Damals hatte Hubert von Goisern noch nichts mit Volksmusik am Hut. Das änderte sich in den 80ern, als er sechs Monate auf den Philippinen lebte. Dort brachte er mit großer Begeisterung Kopfjägern das Jodeln bei.

Musik und Kunst spielen für den Vollblutmusiker eine entscheidende Rolle, die er viel größer als diejenige von Religion und Politik beschreibt: "Für mich ist Kunst ein Zauber. Ich möchte daher den Menschen mit meiner Musik keine Antworten geben, sondern einen Freiraum in deren Köpfen schaffen, in dem sie sich selbst die Antworten geben können." Die eigene Freiheit ist dem Alpenrocker schon seit Kindheitstagen wichtig, umso mehr schätzt er sie nun als Musiker: "Kunst ist etwas Zweckfreies. Einer Idee nachzugehen und sie in die Realität umzusetzen, diese Chance hat man als Künstler."

Beim Medien.Mittelpunkt Ausseerland 2016 stellte sich Hubert von Goisern gemeinsam mit hochrangigen Kunstschaffenden der Frage, wie viel Macht Kunst hat. Für den Alpenrocker jedenfalls kommt "Macht" von "machen": "Wenn man immer nur zusieht, kann man sich nicht das Recht herausnehmen und bestimmen, was jemand anderer tun soll. Ich bin sehr froh, dass mir niemand sagen kann, was ich zu tun habe. Für mich ist die größte Macht überhaupt die Freiheit."

Musik, die Herzen öffnet

Kein Hehl macht Hubert von Goisern aus seiner politischen Einstellung, schon seit vielen Jahren ist er bekennender Grüner. Wenig überraschend war daher seine Unterstützung für Alexander Van der Bellen im Wahlkampf zur Bundespräsidentenwahl. Ihm fiel die Entscheidung jedoch nicht leicht: "Ich tu' mir sehr schwer, anderen zu sagen, dass sie eine bestimmte Person wählen sollen. Das muss doch jeder selbst wissen. Ich bin erst aktiv geworden, als der Wahlkampf immer schmutziger geworden ist." Der Grünen-Sympathisant hält Anschuldigungen, die während des Wahlkampfes von den Freiheitlichen getätigt wurden, für "Nazi-Methoden". "Das hat Haider vorgemacht, weil's hängen bleibt."

Hubert von Goiserns Management hat das Solidaritätskonzert "Stimmen für Van der Bellen" mitorganisiert. Musiker unterschiedlichster Genres unterstützten gemeinsam mit ihrem Auftritt den grünen Präsidentschaftskandidaten. Als der Ausnahmekünstler darüber erzählt, gerät er ins Schwärmen: "In der Musikbranche ist der Konkurrenzneid oft sehr groß. Aber bei Stimmen für Van der Bellen hat jeder sein Ego in den Hintergrund gerückt und sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Das war ein tolles und beeindruckendes Erlebnis." Auch sein Hit Heast as nit war im Wahlkampfvideo zu hören. Im Gegensatz dazu will er nicht, dass seine Lieder auf FPÖ-Veranstaltungen gespielt werden. 2006 schrieb Hubert von Goisern einen offenen Brief an HC Strache. "Ich möchte nicht, dass FPÖ-Botschaften in Herzen versenkt werden. Meine Musik wirkt nun mal, indem ich Herzen öffne." Diese Art der Politik "hoid" Goisern "afoch ned aus".