Hubert von Goisern
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NACHHALTIGE MODE

Vermischtes: 2005

Hubert von Goisern und nachhaltige Mode

6. Juni 2005
Hubert von Goisern

Markus Rogan, Margit Fischer und Hubert von Goisern flankiert von
zwei Studenten der Modeschule Hetzendorf Wien

Modell und Designerin

 

Hubert von Goisern und Sophie PollakAspekt: Dauerhaftigkeit, Tradition
Sophie Pollak für Hubert von Goisern
Kleidungsstück: Jacke
Material: Baumwolle
Die Umsetzung: Ein schlichter Schnitt, angelehnt an chinesische Arbeitskleidung, grauer Baumwollstoff mit dünnen, schwarzen Streifen, Kanten teilweise offen teilweise verstürzt. Die Nähte sind mit einem regional typischen Stickstich verbunden, um einen Bezug zur Handarbeit und Tradition herzustellen. Die Druckmotive wurden händisch, mit Hilfe von alten Tapetenwalzen aufgetragen. Die Motive sind Blumen und kleine - an Tracht angelehnte - Blütenranken. Schlussendlich wurde das Teil noch mit Wolle bestickt.

Hubert von Goisern:
"Zwischen Trend & Tradition: Über das Gewand Position beziehen!"

"Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern ihm die Richtung zu geben, in die es rollen soll. Die Frage ist nicht: welcher Stil, sondern: Hat es überhaupt Stil?

Dazu gehören für mich die Auseinandersetzung mit Traditionen und die Prüfung auf ihre Gegenwartstauglichkeit ebenso, wie die Lust an der Mitgestaltung dieser Welt.

Und: Kleidung ist immer auch Verkleidung, ist Schutz und Schild, Aushängeschild oder Tarnung, ein Spiel mit der eigenen und kollektiven Identität. Über das Gewand beziehe ich Position, im Idealfall eine selbstbewusste und offene, dynamische Position."

Mode mit Zukunft : Nachhaltigkeit zieht an

Wien - Einer Mode, die sowohl soziale als auch ökologische Verantwortung trägt und dabei auch noch auf dem Markt bestehen kann, sollte die Zukunft gehören. Diese Meinung unterstützten heute prominente ÖsterreicherInnen wie u.a. Markus Rogan, Hubert von Goisern oder Vera Böhnisch durch "Statements in Stoff".

Auf einem Presse-Event, veranstaltet vom FORUM Umweltbildung und der Mode Schule Wien, präsentierten Prominente im Beisein von Margit Fischer nachhaltige Kleidung, die von Hetzendorfer ModeschülerInnen entworfen und hergestellt worden war. Die Zeichen der Zeit für einen "Stoffwechsel" stehen gut, einiges scheint gerade zusammenzutreffen, aus dem sich mehr als nur ein vorübergehender Trend entwickeln könnte. Neue technische Möglichkeiten in der Faser-Herstellung treffen auf Designer-Interesse und immer mehr KonsumentInnen, denen es nicht genügt, einfach nur "gut auszusehen".

Handwerk

Kurier 7. Juni 2005 | Foto: Martin Gnedt

Hubert von Goisern und Sophie Pollak"Ich möchte Tradition und Handarbeit in einen modischen Kontext bringen", ist das Anliegen von Sophie Pollak aus Wien. Für den Musterdruck auf ihrer Leinenjacke für Hubert von Goisern hat sie auf eine alte Malertechnik zurückgegriffen. Das Werkzeug dazu fand sie in einem Maler-Archiv: Eine Tapetenwalze.

Weiße Flecken, ausgetretene Pfade

Über den Globus wegträumen und sich einmischen ...

Hubert von Goisern und Sophie PollakVom zu Hause und unterwegs sein, über Zeit, Kindererziehung und Mode und was das vielleicht mit Nachhaltigkeit zu tun hat - oder auch nicht - sprach Monica Lieschke mit Hubert von Goisern anlässlich des FORUM-Presse-Events: "Mode mit Zukunft".

Wie "gehst" du deine zahlreichen Reisen an, wie planst du sie, wie suchst du dir deine Ziele oder - anders gefragt - was führt dich dort hin?

Das Leben ist ein Weg - einen Schritt vor den anderen setzen - und der Weg ergibt sich zumeist in der Bewegung, in der man immer ist. Manchmal "auferlege" ich mir aber auch eine Periode - wie grad jetzt - wo ich mir sag: "Aus, keine Touren mehr jetzt - still sitzen, hinsetzen, einfach ins Narr'nkastl schauen", ... die Ideen kommen lassen und dann schon auch wieder Ziele setzen. Aber so ganz trennen kann man die Ziele für die Zukunft nicht von der Vergangenheit: Da liest man etwas, erfährt etwas, hört man eine Musik und denkt sich: "Ma, ich kann mich auch über den Globus wegträumen, auf die Karte schauen ... welche Länder gibt's da? Welche Bucht, wo vielleicht noch keine Straße hinführt...? Ich such' eigentlich schon eher die weißen Flecken und nicht so sehr die ausgetretenen Pfade, wobei "weiße Flecken" einfach für jeden etwas anderes bedeuten.

Werden deine Reiseziele dabei auch von deinem Interesse für die dortige Musik geleitet?

Die Musik spielt dabei schon eine große Rolle, aber nicht nur. Es ist vielleicht eher das besondere Lebensgefühl in einem Kulturraum, von dem ich etwas erfahren habe, das mich reizt und von dem ich wissen will, wie sich das anfühlt. Ich reise gerne wohin, wo es anders ist als bei uns. Ich bin nicht einer, der die Ähnlichkeiten sucht, sondern eher die Verschiedenheit, um auch über mich reflektieren zu können. Das kann man am besten, wenn man sich aus dem Kreis herausbewegt, in dem man sich sonst normalerweise bewegt, um dann einen Blick von außen auf die eigenen Traditionen und auf das eigene Tun werfen zu können.

"Heimat ist auch der Platz, wo ich mich einbringe."

Was ist im Gegensatz dazu für dich "zu Haus sein" oder auch "Heimat"? Verwendest du denn diesen etwas heiklen Begriff?

Ich verwende den Heimatbegriff eigentlich nicht, aber bin immer wieder gezwungen, mich mit ihm auseinander zu setzen, und hab mir in den letzten 20 Jahren dazu viel denken müssen, weil die Musik, die ich mache, sehr regional bezogen ist und sich der Begriff da automatisch einschleicht.

Und was bedeutet Heimat dann für dich?

Heimat hat für mich zwei Bedeutungen. Das eine ist ein Gefühl von zu Hause sein. Das kann sich auch dort entwickeln, wo ich nicht aufgewachsen bin - zumindest für mich. Heimat ist für verschiedene Menschen verschieden groß, verschieden klein.

Ich bin aufgewachsen in einer Welt, in der man relativ einfach und schnell überall hinkommen kann, und dadurch fühl ich mich auf irgend eine Weise auf der ganzen Welt "dahoam". Denn: Heimat ist auch Erinnerung: An einen Platz zurückzukommen, wo ich schon mal war, wo ich Freunde habe, das muss nicht unbedingt mein Geburtsort Goisern, oder mein Wohnort Salzburg sein.

Heimat ist auch der Platz, wo ich mich einbringe und nicht, wo ich mich nur als Gast fühle, wo mich die Dinge "nichts angehen" und ich nicht das Recht dazu habe, mich hier zu äußern. Heimat ist immer auch das Gefühl, es geht mich was an, ich bringe mich da ein, ich äußere mich zu Dingen, die mir nicht gefallen und ändere sie auch, wenn es in meiner Macht liegt.

Welche Rolle spielt dabei die Zeit, die du an einem Ort verbringst? Zeit um die Menschen, die Situation, die Kultur kennen zu lernen?

Man kann sich sofort einbringen. Es gibt natürlich Dinge, die brauchen länger, aber man kann sich immer einbringen auch im Hier und Jetzt - anstatt sich auf die Gastrolle zurück zu ziehen. Aber es reicht nicht, nur ein wenig zu "brennesseln" und zu sagen: "Schaut's, wie ihr mit der Sache fertig werdet." Man muss schon auch eine Zuneigung und Liebe zu dem Platz, zu den Menschen haben, um sich einzumischen.

"Jeder hat einen eigenen Rhythmus ..."

Monica Lieschke und Hubert von GoisernNoch mal zur zeitlichen Dimension der Nachhaltigkeit: Hat Nachhaltigkeit für dich auch mit Langsamkeit der gar mit Entschleunigung zu tun?

Ja, ganz sicher. Aber es hat natürlich auch keinen Sinn, so zu entschleunigen, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind oder wie sie waren. Es gibt ja auch den Ansatz von manchen konservativen Menschen, die gern hätten, dass sich das Rad zwar dreht, aber nicht weiterbewegt. Das ist genauso daneben wie eine dauernde Beschleunigung. Außerdem hat jeder einen eigenen Rhythmus, das sollte man auch berücksichtigen, nur weil einer schneller oder langsamer ist ...

Zeit ist für mich sicher der größte Luxus: Sich die Zeit zu nehmen, um nachzudenken über eine Frage bevor man den Mund aufmacht. Seitdem ich gemerkt habe, dass ich mir das herausnehmen kann, empfinde ich das als unglaubliches Privileg. Manchmal erlaube ich mir auch, keine Antwort zu geben auf die vielen Fragen, die es gibt. Wenn die Frage zwar interessant ist, mir aber nix G'scheits dazu einfällt, muss ich mich erst damit beschäftigen. Manchmal kommt mir die Antwort erst zwei Tage später. Ein bisserl mehr zurücklehnen tut mir gut und würde auch unserer geschäftigen und betriebsamen restlichen Welt gut tun.

"Gott sei Dank gibt es mehr als nur einen Groove!"

Dieser Trend zur Vereinheitlichung, den du oben angesprochen hast, siehst du den auch in der Musik, z.B. der so genannten Weltmusik bzw. der Mode?

Das, was man vielfach als "Weltmusik" bezeichnet, ist zum Teil zu einer Allerweltsmusik geworden, aber dieser Hype scheint bereits überschritten. Das war schon immer so mit Trends, auf die sich alle stürzen, weil dies so ein Wir-Gefühl erzeugt, wo man sich sagt, da möchte man dazugehören: "Ja, ich bin ein Weltbürger und mache Weltmusik." Und dann gibt es andere, die ganz dezidiert eine streng traditionelle Linie verfolgen, ob das jetzt die Tracht betrifft oder auch die Musik. Für die ist das halt auch ein Lebensgefühl. Gott sei Dank gibt es mehr als nur einen Groove.

Zur Tracht: Ich hab so das Gefühl, dass das, was ich jetzt anhabe (Anm. d. Red.: SchülerInnen der Mode Schule Wien/Hetzendorf hatten HvG im Rahmen des Projekts "Mode mit Zukunft" nachhaltig eingekleidet), im Grunde ein wunderbarer Beweis dafür ist, dass man auf Elementen einer Tradition aufbauen kann, und diese weiterentwickelt und weiterverwendet - sich einfach damit auseinandersetzt. Aber man sollte das nicht zur Religion erheben.

Gibt es noch andere Aspekte neben deiner Musik, deiner Karriere, deinem "Gwand", wo du Nachhaltigkeit zu leben versuchst?

Was mir dazu am ehesten einfällt ist der Anspruch, den ich an mich selber habe, ein Vorbild für meine Kinder zu sein - eines, das aber auch Raum lässt für anderes, auf das ich vielleicht gar nicht käme, das ich manchmal vielleicht sogar ablehn'. Meinen Kindern zu vermitteln, dass man seine eigenen Träume und Ideen und Vorstellungen leben soll , ohne dass dabei die anderen, die nicht so sind, für mich zu Feindbildern werden ... Dass man sich in einem Kollektiv befinden kann, ohne ständig kollektiv handeln zu müssen. Denn ich glaube, dass das Kollektiv, wenn es nur mehr kollektiv ist, schnell zum Mob wird. Und dann gehen die einzelnen geistigen Ressourcen verloren, die die Menschen haben, und die wir brauchen, um mit den Herausforderungen des Lebens, der Natur fertig zu werden.