Hubert von Goisern
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INTERVIEW

Vermischtes: 1995

Smalltalk

Information Gasteinertal 1995 | Text: Doris Maier

Hubert von Goisern ein Star zum Angreifen, ein Mensch wie Du und lch

Hubert von Goisern"Jodeln ist eine Kunstform". So Hubert von Goisern, gern gesehener Gast in Gastein und der international derzeit wohl erfolgreichste Jodler der Alpenrepublik. Seine jüngste Platte (Obenundunten) wurde zum Teil auf einem Bauernhof in Gastein aufgenommen, und letzten Sommer gab der Hiatamadl-Interpret mit seiner Band Alpinkatzen ein Open-Air in Sportgestein.

Ein Spitzenkonzert mit Riesenstimmung. Schade, daß der Goiserer nun zumindest für ein Jahr von der Konzertszene Abschied nehmen will. Eine kreative Pause für neue Ideen. Schon jetzt ist der Wählsalzburger aktiv in Sachen Film und Mode. Hubert von Goisern wechselt also die Branche, wir wechseln Worte und Themen: Ein Wort-Wechsel zu ganz speziellen Stichwörtern.

Hubert von Goisern übers Jodeln

Ich hab' das Jodeln von einer Musikkassette gelernt und zwar von einem Bandl, worauf die Sabine, unsere Sängerin bei den Alpinkatzen, gejodelt hat. Damals war die Sabine 12 oder 13 Jahre alt, und schon damals hab' ich mir gedacht, das Jodeln hat so was Perkussives und Treibendes, das muß ich auch lernen. Als Pragmatiker hab' ich dann mit Kassette und Walkman probiert, aber der berühmte Schnackler wollte noch nicht so recht.

Es war auch fürchterlich für meine Mitbürger, ähnlich, wie wenn jemand Geige lernt. Es kracht und quiekt, daß es einem die Schuhe auszieht, genau so ist es auch beim jodeln. Dann bin ich auf einer Tournee in Regensburg auf eine Eisenbahnbrücke gegangen und hab' dort eine Stunde lang gejodelt. Dort hab' ich mich vor lauter Lärm rund herum nicht einmal selbst gehört, aber von da an war ich dann frei und befreit. Wenn man also etwas übt, dann darf man sich nicht schämen, wenn es nicht gleich optimal funktioniert.

Obenundunten

Die Platte Obenundunten ist sehr hoch oben und sehr tief unten produziert worden. Die höchsten Aufnahmen waren auf 2.100 Meter am Hundstoa im Pinzgau, die tiefsten Aufnahmen im Flachland bei Köln. Wir haben auch Lieder in Böckstein aufgenommen, Und auch in meinem Leben war diese Zeit ein oben und Unten. ich war plötzlich berühmt und mußte lernen, damit umzugehen Es gab auch familiäre Hochs und Tiefs, daher ist der Titel also psychisch und geografisch gemeint.

Gold und Platin

Wenn man's hat, so wie ich, dann ist es sicher nicht so wichtig, wie wenn man es noch nicht erreicht hat. Gold und Dreifach-Platin ist mir heute also nicht mehr so wichtig wie früher, Mir ist viel wichtiger, daß die Dinge, die ich mit meinen Liedern sagen will, an die Frau und an den Mann kommen. Hauptsache, ich hab' das auf meinen Platten an die Leute rübergebracht.

Schuhbandln

Das ist etwas, was Zeit nimmt. Es dauert einfach zu lange, sich die Schuhe zu binden. Bei einem Goiserer kann man nicht mit zugebundenen Bandln raus- oder reinschlüpfen, drum hab' ich keine Schuhbandln. Mir taugt der Goiserer auch, weil ich immer das Gefühl hab', ich kann einfach "donnigehen", ins Gelände, denn ich gehe nicht gern auf der Straße.

Bei anderen Schuhen hat man immer die Angst: nur nicht dreckig werden. Und beim Goiserer, wenn er gut gepflegt ist, wird man nicht einmal naß. Wegen der Bandl-Binderei aber hab' ich meine Goiserer früher nur ganz selten angezogen. Dann hab' ich mir beim Schuster ein Paar Goiserer ohne Zunge und Schuhbandl bestellt. Und ohne Schuhbandl ziehe ich meine Goiserer jetzt fast jeden Tag an.

Gamsbart

Irgendwie ein Relikt, dieser Wedl da oben, vielleicht ist es der Auswuchs einer Tradition, aber irgendwie auch lustig, wenn man drüber steht. Ein skurriles Symbol männlicher Potenz.

Dreitagesbart

Find' ich fürchterlich, wenn man sich einen Rasierer kauft, um damit einen immer gleich langen Bart zu pflegen. Ich hatte zehn Jahre lang Bart, weil mir das Rasieren am Geist gegangen ist. Nur einmal im Jahr hab' ich mich rasiert, um zu schauen, ob drunten alles noch gleich ausschaut. Dann wollte ich einfach mein Gesicht öfter sehen, und seither halte ich es so, daß ich mich einmal in der Woche rasiere.

Zeitvertreib

Zeit will ich überhaupt nicht vertreiben. Ich möchte eher, daß die Zeit kommt, und daß sie mehr wird, als daß ich sie vertreibe, Entspannung ist sicher eine sehr wichtige Zeit, die man einfach braucht. Es kommen auch wieder Zeiten, wo man mehr Zeit zur Verfügung hat, zum Lesen, Spazierengehen, Bergwandern oder Klettern.

Auch diese Zeit - und wieder mehr Zeit für seine Familie - will sich Hubert von Goisern in Zukunft nehmen. Daher der vorläufige Abschied von Tourneen.