Hubert von Goisern
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Allein auf dem Berg

Tips Oktober 2001 | Text: Horst-Peter Meyer

Hubert von GoisernWas hat er nicht alles versucht, um der der spießigen Idylle von Bad Goisern im schönen Salzkammergut zu entkommen. Der Auswanderer (gleich zweimal!) und Weltenbummler Hubert Achleitner musst erst auf den Philippinen von einheimischen Musikern in der Kunst der Nasenflöte unterwiesen werden, um seine Zuneigung zur österreichischen Volksmusik zu entdecken. Trotzig nahm er den Namen seiner Geburtsstadt an, brachte mit Steirischer Ziehharmonika und einer kräftigen Prise Rock & Soul einheimische Jodler auf Trab und seine Alpinkatzen bis nach Austin, Texas. Dann hatte er 1995 einfach keine Lust mehr auf den Stress, stieg aus und reist wieder. Zum dalai Lama und nach Tibet, von wo er InExil mitbrachte, zur legendären Primatenforscherin Jane Goodall nach Kenia, wo er sich zu Gombe inspirieren ließ. Beide ungewohnt weltmusikalisch, beid 1998. Um in letzten Frühjahr kehrte er plötzlich zurück: Erst Fön, eine Art Acid-Jazz-Remix der alten Alpinkatzen, und dann Trad, eine spröd-feierliche Lektion in österreichischer Folklore.

Jetzt kommt er nach Bielefeld. Vorher wollten wir mit ihm telefonieren. Und Hubert von Goisern wollte am liebsten morgens zwischen 8.00 und 10.00 angerufen werden. Kein Problem, denn TIPS ist ja ein ausgeschlafenes Stadtmagazin.

Man bekommt nicht alle Tage einen Interviewtermin morgens zwischen 8.00 und 10.00 Uhr angeboten...

Ich bin Frühaufsteher, aber das ist manchmal gar nicht so gut (lacht)

Warum das?

Ich bekomme dann manchmal einfach nicht genug Schlaf, weil ich spätestens ab 9.00 Uhr nicht mehr schlafen kann. Das heißt, wenn ich bis 4.00 Uhr auf bin, weil ich arbeite, dann schlafe ich nur fünf Stunden. Und wenn das eine Woche so dahingeht, bekomme ich ein Defizit.

Was gab's denn heute zum Frühstück?

Ich trink immer eine Riesentasse starken, schwarzen Tee mit Milch und Zukker und dazu ein Brötchen mit selber eingekochter Marmelade.

Du hast in den letzten Jahren fast immer "Doppelalben" veröffentlicht: das Live-Album beim Abschied der Alpinkatzen, dann gleichzeitig InExil und Gombe und jetzt mit kurzem Abstand Fön und Trad. Wie lange willst du diese kreativ Powerplay noch durchziehen?

Puh, das weiß ich nicht. Das ist wie das Frühaufstehen: Es kommt einfach daher. Und wenn's nicht kommt, dann halt nicht. Ich habe ja eh' eine Zeit lang Pause gemacht. Jetzt habe ich Musik für die nächsten drei, vier Alben im Kopf und auch schon mit der Produktion begonnen. Ich hoffe, dass ich im Winter genug Zeit finden werde, die nächsten zwei fertig zu machen.

... die dann auch wieder mehr oder weniger gleichzeitig erscheinen?

Ich weiß noch nicht. Fön und Trad hätten eigentlich auch gleichzeitig erscheinen können. Wir haben beschlossen, das lieber ein paar Monate auseinander zu ziehen. Aber bei mir ist das schon so, wenn es fertig ist, will ich auch, dass es rauskommt. Wenn es ein Jahr irgendwo liegt, dann höre ich es mir noch mal an, bevor es rauskommt, und dann will ich nur wieder was ändern.

Ich dachte, dass deine Plattenfirma vielleicht mal auf die Bremse tritt. Oder hast du da so ein Standing, dass die alles machen, was Hubert von Goisern sagt?

Ich habe schon ein gutes Standing und kann ihnen sagen: Traut's Euch was! Die Plattenfirma gestaltet das dann schon so, wie ich das gern haben möchte. Es kennt sich ja eh' keiner wirklich aus, wie und wann was geht. Und da sind sie ganz froh, wenn einer ihnen Vorgaben macht.

Als Nordlicht hier in Ostwestfalen fand ich Trad schwerer zugänglich als Fön. Wo legst du beim Konzert deinen Schwerpunkt?

Wir spielen das ganze Fön-Programm und einen Großteil des Trad-Programms. Wir haben ja schon im Sommer rund 60 Konzerte damit gespielt und sind dabei bis Berlin, Dresden, Bremen oder Hamburg rauf. Und gerade die Sachen von Trad sind total angekommen! Da war es muckmäusenstill, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Natürlich kommt live mehr Dynamik dazu und die Lieder bekommen einfach mehr Schub. Aber auch meine Musiker hatten vermutet, dass das Trad-Programm die Leute verjagen würde. Und es war dann jeder total erstaunt, dass es funktioniert hat. Ich selber eigentlich auch. Denn wenn da 1.500 Leute stehen und es zu besinnlich wird, denkt man, kannst du das machen? Aber es funktioniert sehr gut. Gott sei Dank.

Mit den letzten beiden Alben schließt du ja wieder mehr an die Alpinkatzen-Zeit an. Gombe und InExil fallen da musikalisch deutlich raus. Ist das für dich ein abgeschlossenes Kapitel?

Von Gombe finden sich so über den Daumen gepeilt 15 Minuten Musik auch im Live-Programm! Beide Alben sind natürlich mit einem ganz anderen Anspruch als Fön enstanden. Bei Fön hatte ich den Anspruch, Musik zu schreiben, mit der ich auch auf Tournee gehen kann. Sowohl Gombe und InExil - wie übrigens auch die Filmmusik für Schlafes Bruder - waren nie für die Bühne geplant. Ich konnte da also anders arbeiten - und kann mir darum auch sehr gut vorstellen, dass ich mal wieder Musik komponiere und produziere, die nicht für ein Konzert geeignet ist.

Du hast gerade Schlafes Bruder angesprochen. Gibt es demnächst auch mal wieder Filmmusik von dir?

Zur Zeit habe ich keine Kapazitäten frei, aber vielleicht im nächsten oder übernächsten Jahr. Ich würde gerne mal wieder damit spielen, denn das Medium Film ist schon spannend. Aber da kenne ich noch zu wenig oder nicht die richtigen Leut'.

Die kennen doch dich und können auf dich zukommen...

Na, was ich da bislang für Angebote bekommen habe, die interessieren mich nicht. Aber wenn's passieren soll, dann passiert's scho'.

Wenn du dich in der deutschsprachigen Musikszene umschaust, wo findest du da Geistesverwandte?

(zögert) Wolfgang Ambros, André Heller, im deutschsprachigen Raum ist da auch der Lindenberg, die Nina Hagen oder Thomas D. (kurze Pause) Dass mir jetzt nicht mehr dazu einfällt, ist natürlich auch ein Armutszeugnis für das Radio. In Österreich oder in Bayern weigern die sich einfach standfest, was Deutsches zu spielen. Da hört man immer nur diesen Einheitsbrei, dieses musikalische McDonalds, und freut sich schon, wenn mal Eros Ramazzotti auftaucht. Ich bin nun auch nicht jemand, der einmal in der Woche in den Plattenladen geht und alles durchhört, was sich da so an Neuem ereignet. Darum weiß ich nicht, ob die musikalische Landschaft wirklich so armselig ist, wie sie mir vorkommt.

Kann man sich Hubert von Goisern eigentlich auch auf der Loveparade vorstellen?

Wenn ich eingeladen werde, dort irgendwas zu machen, dann schon. Aber ich bin kein Mensch, der zu Massenereignissen kommt. Solche Aufläufe sind mir einfach zu viel. Ich gehe lieber allein auf den Berg als mich ins Getümmel zu werfen.

Du hast dich immer wieder mit dem Jörg Haider auseinandergesetzt. Nach der ganzen Aufregung um die Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen ist das Thema aber schnell wieder aus den Schlagzeilen verschwunden.

Das war immer schon ein Scheingefecht. Wir haben doch jetzt in Italien mit Berlusconi eine Situation, die um nichts besser ist als bei uns in Österreich, und keiner regtsich darüber auf. Da höre ich auch nichts vom - von mir sehr geschätzten - Außenminister Fischer. Wen ich daran denke, wie er sich bei Österreich engagiert hat, warum tut er jetzt nicht dasselbe bei Italien? Die Sanktionene, das habe ich von Anfang an gesagt, waren kontraproduktiv. Sie haben nur ein engeres Zusammenrücken und eine EU-Feindlichkeit bewirkt. Ein Haider als Landeshauptmann da unten in Kärnten ist im Grunde genommen nicht schlimmer als es ein Fraz Josef Strauß in Bayern war. Die Einstellung, die Haider repräsentiert, ist doch nicht neu. Sie war schon immer latent da, sie war nur unterm Deckel. Es hat immer schon gestunken. Jetzt kann es jeder riechen, jetzt muss man sich damit auseinandersetzen. Und das hat auch sein Gutes. Man kann nicht mehr sagen: Ach, die werden eh' nix. Jetzt sind sie da und das schafft ein größeres politisches Bewusstsein als wir es noch vor zwei Jahren gehabt haben. Wo das hinführt, weiß ich nicht. Aber (lacht) mögen wir gesunden an dieser bitteren Pille!

Du spielst ja nicht zum ersten Mal in Bielefeld. Verbindest du irgenwelche Erinnerungen mit der Stadt?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Bielefeld der Ort war, wo sich der Schlagzeuger nach dem Konzert die Daumensehne durchgeschnitten hat. Wenn ich den Laden wiedersehe, weiß es ganz genau.

Habt ihr da etwa die Tournee abbrechen müssen?

Nein wir hatten dann noch einen Termin am nächsten Tag und danach eine Woche Pause. Der Daumen musste genäht werden, aber mit einer Hand konnte er noch spielen. In der freien Woche haben wir dann mit einem Musiker das einstudiert, was unser Schlagzeuger mit der anderen Hand nicht spielen konnte. Aber diesmal passe ich gut auf ihn auf!

Hubert von Goisern

SiSA 2001 | Fotos: SiSA

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr - nach März und Juni - machte Hubert Achleitner aus Bad Goisern Station in Augsburg. SiSA-Redakteurin Christine Tassinger hatte Gelegenheit vor dem Auftritt am 21.10.01 ein Gespräch mit dem charismatischen 49-jährigen Musiker zu führen.

Sie waren ja in diesem Jahr bereits zwei Mal in Augsburg, im März und im Juni. Haben Sie hier besonders treue Fans?

Ja, es muss wohl hier viele und vor allem viele treue Fans geben, anders kann ich mir das auch nicht vorstellen, dass das dreimal in einem Jahr klappt.

Ihr Konzert ist ja eine musikalische Weltreise, die im zweiten Teil wieder bei der Stubenmusik und damit in ihrer Heimat ankommt. Was bedeutet für sie Reisen?

Na ja, ich mach das einfach gerne, gewinne dadurch auch einen Abstand zu mir selbst und meinen Traditionen und kann das ganze einmal von außen sehen. Am liebsten fahre ich irgendwohin, das muss auch nicht weit weg sein, wo ich noch nie war und wo ich, um mich zurechtzufinden so richtig mit all meinen Sinnen im Hier und im Jetzt sein muss. Das ist es, was mir am Reisen am meisten taugt. Es ist null Routine. Es ist zwar anstrengend, wenn es null Routine gibt, wenn du jeden Schritt, den du machst, schaust was passiert und nicht weißt, was um's nächste Eck ist, aber das macht es für mich eigentlich so spannend. Das ist ein ähnliches Gefühl, wenn ich auf die Bühne gehe. Da ist auch kein Gedanken, wie es vor einer Stunde war oder wie es morgen sein wird, sondern es ist einfach nur Hier und Jetzt."

HvGIst da noch Platz für Heimatgefühle? Leben Sie eigentlich noch in Goisern?

Nein, ich habe dort ein Haus, in das ich mich ab und zu zurückziehe, aber meine Familie, meine Frau und meine beiden Kinder sind in Salzburg. Dort verbringe ich die meiste Zeit, wenn ich nicht auf Tour bin.

In dem Lied Katholisch lästern sie über den Pfarrer, der hinter dem Altar ein Mädchen hat, das ihm schöne Augen macht. Wo fühlen sie sich religiös zuhause? Sie haben ja auch schon den Dalai Lama getroffen.

Ähm, ja mir geht's wahrscheinlich wie vielen Leuten, dass sie sich nicht mehr in einer Religion zuhause fühlen können. Weil die Gottesbilder, die die jeweiligen Religionen haben für mich nicht passen. Grundsätzlich finde ich die Aussage aus dem Alten Testament richtig: Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott. Und in dem Moment, wo Gott als eine Vaterfigur angebetet wird, funktioniert's schon nicht mehr. Mir geht das manchmal ab, dass es da so eine Glaubensgemeinschaft gibt, die sich versammelt und wo ich hingehen kann, weil das einfach die meinen sind. Aber auf der anderen Seite fühle ich mich trotzdem eingebettet und geborgen in dem was ich glaube. Ich glaube an Gott, habe aber mit dem Begriff Probleme, da er bereits maskulin klingt. Aber ich glaube an Etwas, was größer ist, als ich. Etwas, worin ich geborgen bin, ganz egal, was ich mache.

Sie sind ja aus Österreich, und lieben bekanntermaßen die Bergwelt. Fahren sie eigentlich Ski, oder betreiben sie einen anderen Sport?

Skifahren tu ich liebend gerne. Es ist das einzige, was ich noch an Sport betreibe. Ein bisschen Klettern noch im Sommer, das wird aber auch immer weniger. Jetzt gehe ich schon mehr Bergwandern, weil zum Klettern braucht man einfach so eine richtige Partnerschaft, die man ständig pflegt und dazu bin ich zu wenig zuhause. Und jetzt mit irgendeinem Bergführer klettern gehen, das war noch nie so das meine.

Was macht ihnen außer Musik noch Spaß? Mit was beschäftigen sie sich in ihrer Freizeit?

Lesen tu ich gern, Reisen, gehe gern in die Sauna oder ins Kino. Den letzten Film, den ich gesehen habe, war The Gift. Den fand ich aber nicht so toll. Ganz wunderbar hat mir Brot und Tulpen gefallen. Mit meinem Sohn Nick war ich auch in Schuh des Manitu, das war zwar witzig, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich reingegangen wäre ohne Kinder. Aber mit Kindern hat man irgendwie so 'nen Ausweis. Ich lese fast alles, im Moment lese ich Selim oder die Gabe der Rede von Sten Nadolny, den mag ich einfach sehr. Das ist ein ganz brillianter Geist. Es gibt ganz, ganz wenige Bücher, die ich zweimal gelesen habe, dazu gehört Hesse Siddharta, und Die Entdeckung der Langsamkeit von Nadolny. Das beste Buch, das ich je gelesen habe, ist, bilde ich mir zumindest ein Die Vertreibung der Dunkelheit von Peter Hoeg. Ganz ganz packend. Es gibt einfach Leute, wo du merkst, denen ist die Gabe des Schreibens in die Wiege gelegt worden. So wie es Leute gibt, die einfach musizieren können, und sonst kann man nicht recht viel mit denen anfangen (lacht).

HvGHaben sie eine Lebensphilosophie?

Ähm, wie soll ich sagen, auf der einen Seite planlos zu sein, weil Pläne immer vom Momentanen ablenken. Ein Plan bedeutet immer eine Perspektive und den Blick nach vorne und man vergisst dann oft das zu sehen, was da ist und kann das nicht annehmen, weil es vielleicht nicht in den Plan passt. Dazu gehört auch, keine Ideologien zu haben, ich finde Ideologien zu haben einfach einschränkend. Es gibt Phasen, wo ich mir das Feld, das ich mir bestelle eng stecke, um mich nur auf eines zu konzentrieren und nicht zu sehr auszuufern oder zu viele Möglichkeiten zu haben. Aber im Grunde genommen sind das nur ganz kurze Phasen, wo ich genau plane. Sonst bin ich sehr offen und bin der Meinung, dass jeder dann am besten ist, wenn er zu dem steht, was aus ihm oder ihr herauskommt. Und das machen eigentlich viel zu Wenige. Es gibt zu viel Orientierung an Vorbildern und Äußerlichkeiten und zu wenig Mut bei den Menschen das woran sie glauben zu leben. Das muss auch nicht immer stimmen, aber nur so komme ich weiter. Also ich versuch' die Dinge zu leben und dadurch an Erfahrungen reicher zu werden. Ich glaube ein glorreiches Scheitern kann ein größerer Erfolg sein, als ein mittelmäßiger Erfolg.

Was sind ihre nächsten privaten und beruflichen Wünsche oder Ziele?

Privat wünsche ich mir, dass ich auch in Zukunft genug Zeit für Freunde und meine Familie finde und dass wir weiterhin den Mut haben zusammenzuleben und auch wenn es mal unharmonisch ist, das trotzdem genießen. Beruflich habe ich vor, im Winter eine neue CD aufzunehmen. Ob wir damit bis im Frühjahr fertig sind, weiß ich noch nicht. Für´s nächste Jahr sind Tourneen außerhalb Europas geplant nach Afrika, Damaskus und Beirut. Was ich gerade in diesen Zeiten sehr spannend und auch wichtig finde. Jetzt gibt es wirklich einen Grund, z.B. nach Beirut zu fahren, Menschen zu treffen und Brücken zu schlagen, die über wirtschaftliche Pläne hinausgehen. Ansonsten hätte ich mal Lust, englisch zu singen, das kann man aber nur machen, wenn man auch kulturell in ein Umfeld eintaucht, wo englisch gesprochen wird. Es gibt darüberhinaus noch immer einen großen Wunsch und Traum einen Film zu machen, als Schauspieler, Komponist, gerne auch als Co-Autor und Regisseur. Träume gibt es noch genug.

Zum Schluss noch 5 Fragen zum Ergänzen:

Freundschaft ist: Wunderbar
Geld ist: Auch wunderbar, wenn ich das zweimal hintereinander sagen darf
Meine größte Stärke ist: Je größer die Krise, desto kühler der Kopf
Meine größte Schwäche ist: Vielleicht der Umkehrschluss. Wenn sich der Esel zu sicher fühlt, dann geht er auf's Eis tanzen
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich: mir wünschen, dass meine vielen Träume in Erfüllung gehen

Aufgelöste Horizonte

Salzburger Nachrichten 28. Oktober 2000 | Text: Bernhard Flieher

Am 6. November erscheint Fön, das neue Album von Hubert von Goisern. Sechs Jahre ließ er sich nach der Auflösung seiner Erfolgspartie Alpinkatzen Zeit, um ein Album zu schreiben, das vor dem Hintergrund regional bestimmter Idione wieder eine verscheidenen Musiklieben vereint. Versuch der Annäherung an ein Phänomen zwischen Tradition und Popmoderne.

Hubert von Goisern sitzt im Restaurant des Bahnhofes von Bad Ischl. Ein Ort des Kommens und Gehens. Idealer könnte der Ort für ein Gespräch gar nicht sein, wenn einer nach langer Zeit wieder über ein fertiges Werk, eine Zieldestination spricht, für den unterwegs sein "von enormer Bedeutung ist".

Goisern hat vor sechs Jahren seinen eigenen, erfolgsverwöhnten Stamm verlassen. Er fühlte schon oft, dass er das tun muss. In Südafrika lebte er, in Kanada und in Pfahlbauten auf den Philippinen. Dann gründete er 1987 die Alpinkatzen, tat sich lange schwer, trennte sich von seinem Urpartner, und dann kam das Hiatamadl. Es kamen die Hitparaden, ausverkaufte Säle und Kritiker, die nicht recht wussten, wo der Goiserer hingestellt werden könnte.

Neue Stimmen und Orte halten Lieder am Leben

Gut, dass so genannte "Neue Volksmusik" gerade als neue Terminologie erfunden worden war, denn so richtig zum Pop wollte der Goiserer nicht passen, und auch der reinen Volksmusiklehre war er nicht zuzuordnen. Eine müßige Diskussion. Künstlerisch bediente sich der Goiserer in beiden Lagern. Gemessen am Erfolg erreichte er absolut Popstar-Höhen. Dennoch bewegte er sich auch in klassischer Volksmusik-Tradition. Vor allem in der Hinsicht einer als deutliches Merkmal für "Volksmusik" geltenden mündlichen Tradierung und einer damit einhergehenden ständigen Veränderung des "Urmaterials". "Lieder brauchen immer wieder neue Stimmen, die sie an Orten singen, an denen sie niemals zuvor gesungen wurden. Nur so können sie am Leben bleiben," sagt die US-amerikanische Country-Sängerin Emmylou Harris.

Goisern hob altes Material (auch das Hiatamadl war die Neubearbeitung des alten Liedes) in eine neue Zeit, in eine Form und erfüllte damit eine der Grundbedingungen der Volksmusik, die allgemein als Ausdruck oft auf sehr engem Raum beschränkter Tradition und Herkunft definiert wird. Während neue Formen des Volksliedes bis dahin im deutschsprachigen Raum nur allmählich passierten, änderten Goisern und andere Protagonisten der sogenannten "Neuen Volksmusik" über Jahrzehnte nur mit geringfügigen Veränderungen weitergegebenes Material recht radikal.

Erfolg von "Hiatamadl" brachte Freiheit

Die kritische Betrachtung bekam Erklärungsnotstand. Bei Hubert von Goisern bescherte der millionenfache Erfolg die gute Gelegenheit, ihn wenigstens als verdächtig einstufen zu können.

Nach drei Erfolgsjahren waren die Diskussionen um Goisern ohnehin beendet. Denn er verließ seinen Stamm. Mit dem Live-Album Wia die Zeit vergeht... verabschiedete er die Alpinkatzen, wollte - wie er es heute sagt - "nicht mehr länger einfach glatt/verkehrt und mit den Muskeln nach vorne spielen." Schön blöd, denkt sich der Marktwirtschaftler. Da wäre noch einiges zu holen gewesen. Es war und ist jedoch genug da, dass eine Prolongierung ewiger Tourneen und Plattenaufnahmen nicht notwendig war. Bierzelt-Hymne hin, Schunkelklassiker her: "Die Freiheit, zu tun, was ich will, mir finanziell keine Sorgen machen zu müssen, verdanke ich dem Hiatamadl."

"Wünschlos glücklich" sei ihm vor dem Erfolg immer "als Idealzustand, als erstrebenswerte Form des Daseins erschienen." Das änderte sich rasch. "Ohne Ziel, ohne eine Herausforderung" habe es keinen Spaß, sondern "ziemlich schnell unglücklich" gemacht.

Er begann - zufällig und auch mit dem stets vorhandenen Willen eines Aufgeschlossenen, eines Interessierten sich zu engagieren - zu erleben, was er unter Freiheit versteht. Und profitierte so ganz nebenbei auch von seiner ungeheueren Popularität. Er traf Leute wie Jane Goodall, "die ich ohne meine Erfolg nie kennengelernt hätte". Afrika war eine Zwischenstation. Und dann Tibet. Und beides wurde Musik. Sonst aber hatte er "die Ziehharmonika nie in der Hand". Zu viel gab es zu entdecken, viel wollte er noch sehen - und zu sehr war der Drang "etwas zu erleben" in der Zeit des großen Erfolges zu kurz gekommen. On The Road - um einen Mythos des (Rock)Musikmachens zu bemühen - ist ohnehin ein stabiler Ort. Noch mehr ist er das, wenn sich eine Gesellschaft recht einfach in weiten Räumen bewegen kann und wenn sinnentleerte Universen sich allmählich leerendeer Container oder Taxler-Unterkünfte zum massenbeobachteten Mittelpunkt werden.

Vor gut einem Jahr endete für Hubert von Goisern die Zeit mit wenig Musik. Nur für die eigenen Kinder, beim Musikunterricht in einer Hauptschule und in Trinidad hatte er ein paar Mal aufgespielt. Aus einem "guten halben Jahr", in dem er pausieren wollte, waren sechs Jahre geworden, als er wieder zu komponieren begann. Allein. Ohne Band. Und "nicht mit dem Vorsatz, eine CD zu machen".

Ländliche Tradition, Rock- und Pop-Attitüden

Vor die Leute wollt er wieder. "Einfach aussigeh'n und spielen." Weil die Mechanismen des Musikmarktes das aber schwermachen, wenn nicht ein "Produkt" daliegt, musste eine CD her. Außerdem sei eine CD-Produktion mit genauerer, fein abgestimmter Arbeitsweise verbunden. Schließlich fand er "Musiker, die alles so spielen konnten, wie ich mir das vorstellte". Während des vergangenen Sommers wurde Fön aufgenommen.

Die Schwierigkeit einer eindeutigen Einordnung stellt sich - vom Künstler absolute gewollt - auch dieses Mal. War zu Alpinkatzen-Zeit alpenländisches Liedgut mit Rockgitarren und Pop-Attitüden versehen worden, so geht die Reise dieses Mal weiter. Ein bisschen vom Calypso, vom Funk, vom Blues und freilich auch Rock und Pop vereinen sich vor dem mächtigen Hintergrund der Tradition des Salzkammergutes. "Es kommt etwas dazu, und es fällt immer was weg", sagt er. Wer einen Schnitt, die Abkehr von sattsam bekannten Grundmustern erwartet, liegt falsch. Wieder sind es Neubearbeitungen alter Weisen und Eigenkompositionen, deren Wurzeln in der musikalischen Tradition der goiserischen Heimat liegen. Die Texte sind sorgfältiger und melodischer. Die Musik ist umfangreicher, detaillierter, ernsthafter. "Aus der Zurückgezogenheit, dem Alleinsein mit den eigenen inneren Räumen" entstehe das halt so.

Und wieder definiert Goisern den Heimatbegriff nicht als Ausdruck von Bodenständigkeit, sondern als Lebensgefühl. "Ich will - besonders in politischen Zeiten wie diesen - keine Nabelschau halten", und Hubert von Goisern, immer wieder als Kämpfer gegen die aktuelle politische Rechtsströmung aufgetreten, fügt hinzu, dass er das nicht nur sich, sondern auch "den Leutenzeigen musste". Der geografischen und auch der geistigen Enge der heimatlichen Täler sei eben nur mit dem vorübergehenden Verlassen, mit dem Erkennen anderer Wahrheiten beizukommen. Dem gegenüber steht die "extreme Exotik" der eigenen musikalischen Kultur. Und so wie er Musik verschiedener seiner Reiseziele einfließen lässt, hat er sich vorgenommen, Schwellenängste zu dieser Exotik abzubauen. Die Schnittmenge dieser Pole ist Fön. Es ist eine mehr als zu Alpinkatzen-Zeit erfolgte Globalisierung goiserischer Ausdrucksform. "Ich will - schon gar nicht in politischer Hinsicht - auf eine Regionalität festgenagelt sein, auch wenn ich klar sage, woher ich komme. Ich brauche das Gefühl, überall daheim zu sein", sagt er und: "Ich könnte auf die Volksmusik eher verzichten als auf die Beatles, weil die mein Lebensgefühl vielmehr treffen."

Popmusik ist Volksmusik der westlichen Zivilisation

Von einer "Auflösung der Horizonte" sprechen seit den 80er Jahren Kulturanthropologen. Weite ist dank rasch weltumspannender Verkehrsverbindungen und durch unendliche Möglichkeiten der Telekommunikation kein Hindernis für kulturellen Austausch. Die Beweglichkeit regionaler Eigenheiten hat so zu dieser Auflösung geführt. In diesem Sinn erübrigen sich verzweifelte Versuche, Goiserns Musik dem einen oder anderen Lager zuzuordnen. "Es is', wia's is'", sagt er nicht nur in Bezug auf seine Musik. "Popmusik ist die Volksmusik der westlichen Zivilisation", sagte David Bowie einmal.

Stimmig

Auto 2/01 | Text: Daniela Gregoranz-Pramberger | Fotos: Auto

Hubert von Goisern"Es gibt kein Richtig oder Falsch. Das einzige, was man falsch machen kann, ist zu sagen: "So ist es richtig"." Hubert von Goisern ist wieder da - unter anderem mit diesem Zitat, zu lesen auf seiner jüngsten CD - und außerdem on Tour mit seinen zwei neuen Alben Fön und Trad.

Die Nervosität wieder aufzutreten war groß, vor allem nach sechs langen Jahren Bühnenabstinenz. Mit einer komplett neuen Truppe, neuen Liedern, einem neuen Hubert von Goisern. "Wir sind noch nicht so eingespielt, es läuft noch nicht alles automatisch wie bei der letzten Tour mit den Alpinkatzen, das ist klar - wir müssen uns in dieser Situation erst kennen lernen." Über die Zeit mit den Alpinkatzen spricht er weiter nicht. Er weiß um die Erfolge, die Erfahrungen und schönen momente, die ihm diese eingebracht hat. Er ist jemand, der nicht wehmütig in die Vergangenheit, sondern mit Tatendrang in die Zukunft blickt. Trotzdem: Die Angst, vielleicht nicht mehr anzukommen, mit seiner anderen Art von Musik im Zeitalter der Popmoderne und elektronischen Musik nicht gehört zu werden, blieb. Bis zum Tourneestart Anfang März.

Hubert von Goisern und seine Band spielen in perfektem Einklang, als hätten sie nie was anderes gemacht und entfachten beim Publikum einen wahren Besgeisterungssturm. Alle waren sie gekommen - über die Jahre treu gebliebene Fans und viele neue dazu - und ließen sich mitreißen von den Melodien, die unter die Haut gehen. Trotz seiner musikalischen Erneuerung und Distanzierheit su früheren Hits wie Hiatamadl scheint sein Stil genaus das zu sein, worauf die Menschen gewartet haben: Eine Anregung, nachzudenken, sich auf Werte und Traditionen zu besinnen, dem Gefühl zu folgen - über alle Alters- und sonstigen Grenzen hinweg. Hubert von Goisern macht einfach "Volksmusik", neu interpretiert, angereichert mit eigenen, kritischen Gedanken und viel Gefühl, kombiniert mit Rock- und Popklängen, Blues- und Funkrhythmen - eine Musik fürs Volk eben.

Wanderjahre

Angefangen hat alles am 17. November 1952, da wird er als Hubert Achleitner in Bad Goisern geboren. Schon bald ist ihm die Welt in seiner Heimatgemeinde zu klein, es zieht ihm in die Ferne. Er geht zunächst als Chemilaborant nach Südafrika, später ist Kanada Ziel seiner Entdeckungslust, wo er als Musiker arbeitet. Während einer ausgedehnten Asienreise entdeckt er beim Musizieren mit den Philippinos seine Interesse für die heimatliche Volksmusik. "Ich habe, egal wo ich gewesen bin, immer etwas gefunden: andere Perspektiven."

Zurück in Österreich lernt er auf der Steirischen Ziehharmonika zu spielen - verschiedene Blasinstrumente und Gitarre kann er schon zeit Jugendjahren - und beschäftigt sich intensiv mit volkstümlichen Liedern und Jodlern. Er sucht und findet seine eigene Auffassung von Volksmusik: für ihn ist sie nicht alt und ehrwürdig, sondern das, was die Leute zu ihrer Musik machen. Und dass jede Musikrichtung wie auch das Leben wandlungsfähig ist, betont er besonders. In Wien trifft er dann den Szenemusiker Wolfgang Staribacher, mit dem er 1988 das erste Alpinkatzen-Album Alpine Lawine veröffentlicht und in deren Live-Programm bereits der spätere Hit Koa Hiatamadl sowie das lyrische Heast as nit zu hören ist. Doch der erhoffte Durchbruch gelingt noch nicht.

Hubert von GoisernMit seiner 1991 neugegründeten Band Die Original Alpinkatzen und der Tiroler Jodlerin Sabine bringt Hubert von Goisern die CD Aufgeigen statt niederschiassen auf den Markt und den Stein des Erfolgs ins Rollen. Erstklassige Hitparadenplatzierungen, ausverkaufte Berichterstattungen sind die Folge. Die Fangemeinde breitet sich vom deutschsprachigen Raum in ganz Europa bis über den Großen Teich in die USA aus. Doch drei Jahre später beschließt Goisern auf der Spitze des Erfolges zum Staunen aller das Kapitel Alpinkatzen mit der Tournee Omunduntn und dem Live-Album Wia die Zeit vergeht. Er möchte wieder was anderes machen: komponiert unter anderem die Filmmusik zu Josef Vilsmaiers Schlafes Bruder, gibt sein Schauspieldebüt als zwielichtiger Bauer in Die Hölleisengretl und schreibt am Drehbuch zum Fernsehfilm Eine steirische Fernsehgeschichte (sic).

1996 reiste er nacht Tibet und an den ostafrikanische Tanganijkasee, sieht sich as dem einen Ort mit brutalen Menschenrechtsverletzungen konfrontiert und am anderen mit faszinierenden Erkentnissen der Verhaltensforschung an Schimpansen, lernt den Dalai Lama kennen, der ihn stark beeindruckt und Jane Goodall, mit der ihn noch heute eine tiefe Freundschaft verbindet. Dass aus all diesen Eindrücken Musik ensteht, ist bei Hubert von Goisern klar. Die Ergebnisse seiner Begegnung mit den fremden Kulturen heißen InExil, aufgenommen mit tibetischen Musikern, und Gombe - beide als Anstoß gedacht, "nicht zu ignorieren, was anderswo passiert".

Gipfelstürmer

Nach über sechs Jahren Bühnensabstinenz und einer Zeit mit weniger Musik meldet er sich Ende 2000 wieder zurück. Mit dem Album Fön, dem er mit Trad gleich ein zweites folgen lässt, als hätten sich die Ideen bereits gestaut und herausgewollt aus ihm. Dass er ohne Bedenken an die Erfolge früherer Jahre anknüpfen kann, dass seine Musik nichts an Kraft und Begeisterungsfähigkeit verloren hat, beweist auch die Verleihung der Goldenen Schallplatte für Fön Anfang dieses Jahres in Salzburg.

Kaum zu glauben, dass man einem wie ihm vor rund 10 Jahren keine Chance geben wollte, dass nur ganz wenige an ihn glaubten. Nur seiner Hartnäckigkeit und dem Glauben an seine Art der Musik verdanken wir, dass es ihn und seine Lieder gibt. Begriffe wie Ursprünglichkeit, Tradition und Heimat erfahren durch ihn eine neue Bedeutung. "Nirgends ist es schöner als daheim", erfährt man oft erst, wenn man weg gewesen ist, alles mal von außen betrachtet. Gott sei Dank ist er jetzt wieder da.

Wie enstehen deine Texte, singst du aus Erfahrung?

Ich kann nur das schreiben, was ich durchlebt habe, Geschichten, die passiert sind. Es ist alles wert, besungen zu werden. Am Anfang ist eine Idee, die dann zum Lied wird.

Hubert von GoisernWelches Lied aus dem Album Fön könnte ein Hit werden?

Ich glaube eher keines, am ehesten noch "katholisch", das aber zu extrem sein könnte, dass es bei einigen vielleicht nicht so gut ankommt.

Das Album Trad ist wieder ganz anders als Fön.

Ja, dort sind nur reine Volkslieder, keine Eigenkompositionen darauf. Das wollte ich schon vor ein paar Jahren machen, der Mut dazu hat mir aber noch gefehlt. Da war die Angst, die Leute könnten denken, dem fällt nichts Neues mehr ein.

Hast du persönlich aus diesen zwei CDs einen Favoriten?

Das ist schwer zu sagen. Lieder sind wie Kinder, man hat sie alle gleich gern.

Gibt es schon Pläne für die Zeit nach der Tour?

Keine fixen - einen Film zu machen vielleicht oder ein Buch zu schreiben, aber einen Roman oder eine Erzählung, was Fiktives, wo man die Fantasie spielen lassen kann.

Empfindest du dich und deine Musik als anders?

Insofern anders, dass ich mich durch meinen Erfolg und das, was ich mache, von den anderen unterscheide, im Grunde jedoch bin ich gleich wie alle. Der Erfolg verändert schon einiges, die Leute gehen anders auf mich zu. Ich habe aber nicht das Gefühl mehr Talente zu haben.

Welche Musik hörst du gerne?

Fast jede, ich leg mich da nicht so fest. Es gibt in allen Sparten qualitativ gute Musik. Nur ist das Angebot schon derart groß, dass ich die guten Sachen oft gar nicht mehr finde.

Hubert von GoisernWie lautet dein Lebensmotto?

Ich bin der Meinung, wenn man das nicht tut, woran man glaubt, wird man - auf lange Sicht gesehen - nicht glücklich. Dafür braucht man natürlich ein gewisse Risikobereitschaft, aber es zahlt sich aus.

Wie charakterisierst du dich selbst?

Am liebsten gar nicht. Als meine Stärke sehe ich, mit Stress-Situationen gut umgehen zu können. Wo die anderen schon das Handtuch werfen, bewahre ich Nerven und mach einfach weiter.

Welche Aussage gibst du deinen Kindern mit auf ihren Weg?

Es ist schon schwer einen Vater wie mich zu haben, da möchte ich ihnen keinen Leitzsatz vorgeben. Sie sollen ihren eigenen Weg finden, mit allen schönen und unangenehmen Situationen, die entstehen können.

Welche Eigenschaften am anderen schätzt du?

Charakter - im weitesten Sinn des Wortes. Wenn jemand zu dem steht, was er kann und ist, und nicht versucht ein anderer zu sein. Geradlinigkeit gehört für mich da auch dazu.

Was bedeutet Glück für dich?

Momentan bedeutet Glück trotz dem Druck, der auf mir lastet fuur mich, dass es mir möglich ist, Lieder zu schreiben, Leute zu finden, die sie mit mir aufnehmen und von vielen unterstützt werden. Generell bin ich glücklich, so was wie ein Nest zu haben, eine Familie, wo ich hin kann, auch gedanklich gesehen.

Gibt es etwas, wovor du besonders Angst hast?

Naja, eher so die gallische Angst, dass mir der Himmel auf den Kopf fällt...

Hubert von Goisern und Band

Hubert von Goisern ist wieder zurück - mit "Fön" im Gepäck

SZ 21. September 2000 | Text & Fotos: Josef H. Handlechner

Die neue CD kommt Anfang November und auf die Bühne kehrt der wohl prominenteste Vertreter
der "neuen Volksmusik" im Frühjahr zurück

Sonnblick

Bad Ischl (SZ) Fast auf den Tag genau sechs Jahre, nachdem er und die Alpinkatzen sich in Münster von der Konzertbühne verabschiedet haben, meldet sich Hubert von Goisern mit einem kräftigen Lebenszeichen zurück - mit neuer Band und der neuen CD Fön. Untätig war er ja auch in der Zwischenzeit nicht gewesen, die Auseinandersetzung mit der Musik Tibets und jener Afrikas (die ihren Niederschlag u.a. in den CDs Gombe und InExil fand), etliche Filmprojekte (Schlafes Bruder) und das Engagement in vielen anderen Bereichen liesen die Jahre schnell vergehen, doch dabei kam der Musikant in Hubert auf Dauer dann doch etwas zu kurz.

SonnblickAls einer, der mit seiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten hat, meldete er sich auch zur blau-schwarzen Regeierung zu Wort und wußte schon Anfang des Jahres, dass er auf die Bühne zurückkehren wolle. Denn dort fühle er sich zu Hause, von Angesicht zu Angesicht mit seinen Zuhörern, sagte er damals zur SZ, und alles andere, "das bin nicht wirklich ich".

Und so ist es auch kein Zufall, dass eine der Nummern auf der neuen CD Kålt heißt und sich ganz bewußt auf die aktuelle politische Situation in Österreich bezieht.

Die Texte der (mit einer Ausnahme - Mercedes Benz - durchwegs) neuen Songs sind übrigens alle im Dialekt, "denn das paßt einfach viel besser". Niemand sollte freilich glauben, dass ein Hubert von Goisern heute genau dort anknüpfen werde, wo er vor sechs Jahren aufgehört hat.

"Man muss erst einmal einen Schnitt machen, um dann, nach einiger Zeit, nachschauen zu können, wo man damals stand und wo man heute steht" freut sich einer auf sein Comeback, der Wesentliches dazu beitrug, den abgestandenen Volksmusik-Mief wegzublasen und die Konturen zu schärfen, wie es dem Fön nun einmal so zu eigen ist - auch wenn er / es ab und zu für Kopfweh sorgt.

Der frische Wind, der von der CD kommt, der wird im kommenden Frühjahr auch von der Bühne wehen - und da ist auch das Salzkammergut fix eingeplant: Voraussichtlich im März gastiert Hubert mit seiner neuen Band im Kongress & TheaterHaus in Bad Ischl.