Hubert von Goisern
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Das "Hiatamadl" vermisst niemand mehr

www.oberpfalznetz.de 16. Oktober 2001 | Text: Andrea Proells | Fotos: © Witt

Hubert von Goisern begeistert mit seinem neuen Programm das Publikum in der Weidener Mehrzweckhalle

Weiden. Stimmungsvolle Nebelschwaden und eine in mystisches Blau getauchte Bühne erwarteten am Sonntagabend die Besucher der Mehrzweckhalle. Hubert von Goisern gastierte im Rahmen seiner Herbsttournee in Weiden und die Besucher kamen in Scharen, um den Sänger des Hiatamadls auf der Bühne live zu erleben. Auf diesen Song, der vor zehn Jahren aus allen Radios dröhnte, warteten an diesem Abend jedoch viele vergeblich.

Dafür gab es Klänge aus Jamaika, Ostafrika und Volkslieder aus den Tiroler Bergen. Hubert von Goisern gelang Anfang der 90er Jahre mit seiner Band Alpinkatzen der Durchbruch in Sachen Alpenrock. Mit der bis dahin ungewöhnlichen Mischung aus Volksmusik, Pop und Rock eroberten er und seine Band nicht nur die österreichische Musikszene, sondern feierte auch Erfolge im Ausland. 1994, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, kam das für viele überraschende Aus. Nach drei Abschiedskonzerten trennte sich Hubert von Goisern von den Alpinkatzen um sich Neuem zuzuwenden.

Ein langgezogener Jodler

Er schrieb die Filmmusik zu Schlafes Bruder und war als akkordeonspielender Schauspieler in dem Film Hölleisengretl zu sehen. Wichtige Stationen in diesem Lebensabschnitt waren seine Reisen nach Tibet und nach Ostafrika. Mit dem Anspruch "etwas vollkommen Neues, etwas Anderes zu machen", meldete Goisern sich 1998 wieder zurück. Sein neuer Sound, beeinflusst durch die kulturellen Begegnungen in Afrika, Asien und Amerika, schlägt sich in seinem alpin-jazzigen Album Fön nieder, dessen Lieder er im ersten Programmteil des Konzertes in Weiden vorstellte.

Goisern beginnt den Abend mit einen Jodler, lang und wunderschön gefühlvoll. Und schon bald wird allen klar, dass er die Musik der Alpinkatzen um viele neue Facetten bereichert hat. Er erweitert die traditionellen Formen und das Instrumentarium der österreichischen Volksmusik mit Rock, Soul, Funk und Jazz, aber auch mit Klängen fremder Kulturen. Mit Gitarre, Knopfharmonika, Flöte, Flügelhorn, Mundharmonika und Trommel stellt Goisern seine mitreißende Musikalität unter Beweis.

Ein witziger Moderator

Der einst "rebellische Alpenrocker" hat sich auch zum guten Unterhalter gewandelt, der vor allem im ersten Teil zwischen den Liedern mit viel Spaß und Witz moderiert. So lästert er nach Katholisch über Pfarrer und Kirche, wünscht sich einen weiblichen Gott. Und was er sich so alles wünscht, erfährt man in einer ungewöhnlichen und originellen Reggaeversion des Janis Joplin-Klassikers Mercedes-Benz: Nicht nur ein Auto, sondern auch einen Heiligenschein, denn "oans des is g'wiss, mit'n Heiligenschein hast an weit bessern Riss" bei den Frauen.

Dabei sind es für Goisern vor allem die Katholiken, die am leichtesten den Zugang zum Blues finden. Denn "Beim Blues ist es wichtig, dass er erst weh tut", sinniert er und die Leidensfähigkeit der Katholiken ist von Haus aus ausgeprägter als die der Protestanten.

Die musikalische Umsetzung seiner Leidenserfahrungen zeigt sich in der wunderschönen gefühlvollen Ballade Weh toan tuat's auf jeden Fall. Den ersten Teil seines Konzertes beschließt er mit Musik aus Tansania, in dessen Mittelteil, alle auf der Bühne anwesenden Musiker trommeln, rasseln, klappern, bis schließlich der ganze Saal vom Rhythmus erfasst wird.

Im zweiten Teil stellt Goisern überwiegend Titel seines im März dieses Jahres erschienenen Albums TRAD vor. TRAD steht für Tradition. Für den 49-jährigen Österreicher ist es eine musikalische Heimkehr zu den Wurzeln. Alte Bauernlieder aus seiner Heimat, dem Salzkammergut, die längst in Vergessenheit geraten sind, werden von Goisern und seiner Band wieder ins Leben gerufen.

Zärtlich und inbrünstig

Lieder von schlichter Schönheit, Zwiefache und Landler, erstrahlen im neuen Glanz. Zärtlich und innbrünstig singt Goisern vom Burschen, der "Stoandln" ans Fenster seiner Liebsten wirft, Liebeslieder, die die Liebste besingen: Dirndl woaßt no den Bam, wo ma z'samm kemma san.

Mit dieser Musik verabschiedet er sich endgültig vom Hiatamadl, das nachdiesen Abend keiner mehr vermisste. Mit donnernden Applaus und Standing Ovations feierte das Publikum den neuen Hubert von Goisern.

Der hoch musikalische Tausendsassa

www.bayreuth.de 11. Oktober 2001 | Text: Olaf Stocker

Hubert von Goisern gastierte in der Oberfrankenhalle: Jodler mit Keyboardklängen, Blues mit Urschrei-Therapie

Bayreuth: Schwierig, bei einer so spannenden Biographie nicht abzuschweifen und nur über das Konzert in Bayreuth zu berichten. Österreicher und Weltenbummler, studierter Musiker und Autodidakt, Volksmusiker und Rebell: Hubert von Goisern hat schon in Clubs vor fünf Leuten und in Mehrzweckhallen vor 5000 gespielt. Doch zurück in die Oberfrankenhalle. Das Publikum, zu einem guten Teil ältere Semester, bahnt sich seinen Weg zu den durchnummerierten Sitzplätzen auf dem abgedeckten Parkett der Halle. Nach vorne erstreckt sich der Blick auf die noch leere Bühne, auf der außer einer Milchkanne nur das übliche Bandequipment zu sehen ist. Hinten hinaus befindet sich das Mischpult, begrenzt von einem Vorhang, mit dem die Rückwand der Halle abgehängt ist.

Mehrzweckhallen auf einer Tournee abzumischen, ist eine diffizile und undankbare Aufgabe, die an diesem Abend - was auch sonst immer über die Halle gesagt werden mag - vollends gelungen ist. Auch kleinere Details wie ein Triangel oder eine Ratsche sind auf der Bühne nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören, was beweist, das die wichtigsten Bandmitglieder manchmal gar nicht vorne auf der Bühne, sondern versteckt im Hintergrund zu finden sind.

Tracht und Trägerhemd

Das Licht geht pünktlich auf die Minute genau aus, und Hubert von Goisern betritt mit seiner fünfköpfigen Band die Bühne. Jeder hat an, was er halt mag. Das reicht vom Trachtenkleid bei Burgi Höller (Geige, Gesang) bis hin zum Trägerhemd bei Wolfgang Blümel (Gitarre, Gesang), den man sich so auch jederzeit auf der Baustelle vorstellen könnte, wie er nach dem nächsten Bier langt. Die Stücke stammen vor allem von der neuen CD Fön und auch vom Album Trad.

Gleich zu Beginn taucht von Goisern tief in die Klangwelt der Alpen ein. Die linke Hand völlig entspannt oder die Musik in der Luft nachzeichnend, verschmilzt seine Stimme mit sphärischen Keyboardklängen - er jodelt. Eher weniger wie im Musikantenstadel denn den einzelnen Klangfarben der Instrumente nachspürend. Einen nicht unerheblichen Anteil am Eindruck dieser Eröffnung hat die professionell bis ins kleinste Detail durchgeplante Lichtshow, die durch das gesamte Farbenspektrum die Stimmungslagen in der Musik aufnimmt und mit ihnen spielt.

Von Goisern wäre nicht von Goisern, wenn es nicht beizeiten auf der Bühne so richtig abginge. Ein Blues ist ohne Urschrei-Therapie nicht denkbar, Folksongs mischen sich mit Reggae und nehmen Anleihen beim Heavy Metal. Neben den unzähligen Instrumenten, die von Goisern an diesem Abend spielt, besticht vor allem seine Stimme, die streckenweise an die Experimente von Deep Purple auf ihrer Japan-Tournee erinnert.

Beinahe schon unheimlich mit anzusehen ist, wie die Band immer mehr Fahrt aufnimmt und das Publikum friedlich auf seinen Plätzen sitzt. Verschämt wippt hier und da ein Fuß mit, aber irgendwann hat von Goisern sie dann doch gepackt. Charmant plaudernd stützt er sich bei den Comedy-Einlagen auf sein Akkordeon, und spätestens beim Schlagzeugsolo von Bernd Bechtloff, bei dem auch besagte Milchkanne zum Einsatz kommt, springt der Funke über. Am Ende dürfte jeder auf seine Kosten gekommen sein, bei den Zugaben befand sich das Publikum jedenfalls nicht mehr auf den Sitzen, sondern dicht gedrängt vorn an der Bühne.

Hubert von Goisern in Feldkirch

PartyPeople 26. September 2001 | Fotos: © PartyPeople

Sein Comeback im Frühjahr war sensationell und sein Publikum eroberte er im Sturm. Am Mi. 26. September 2001 kommt Hubert von Goisern & Band ins Feldkircher Montforthaus.

Sechs Jahre hatte man auf ihn gewartet. Diese Jahre seiner Schaffenspause nutzte Hubert von Goisern um weltweit gesammelte musikalische Erlebnisse und Erfahrungen auf sich wirken zu lassen. Anfang Mai wurde er mit dem "Austrian Music Award 2001" in der Kategorie "Solokünstler Rock/Pop national" für sein Album Fön ausgezeichnet.

Nach eigener Aussage wird Hubert von Goisern nur aktuelle Songs spielen. Es erwarten uns neue Töne aus Bad Goisern - ein Fönsturm aus den Alpen.

Töne, nicht von dieser Welt

Südkurier 2001 | Text: Jörg Braun

Darüber Jodeln, statt darüber sprechen: Hubert von Goisern in Pfullendorf

Sicher, für alles gibt es Worte. Alles lässt sich beschreiben, charakterisieren, erklären. Doch das, was im Seepark-Zelt in Pfullendorf am Donnerstagabend fast 2000 Besucher hörten und erlebten, lässt sich kaum in Worte kleiden. Geschweige denn, in Schubladen pressen. Ein Konzert, freilich. Mit Band und Sänger: Hubert von Goisern, der einstige Mitbegründer des österreichischen Alpenrocks, früher mit den Alpinkatzen erfolgreich auf Tour, jetzt gereifter, nach Reise-Jahren in aller Welt. So weit, so gut.

Doch dann wird's kompliziert. Wie beschreibt man einen, der in nie gehörten Tönen jodelt, stöhnt und schreit? In Tönen, die in ihren Spitzen nicht mehr von dieser Welt sind. Wie nennt man einen aus Bad Goisern im Salzkammergut, der volkstümliche Weisen und Melodien aus den Tiefen seiner Heimat rücksichtslos verrockt, verbluest, verpoppt, verjazzt, Reggae drüber streut und afrikanische Trommelklänge wild daruntermixt? Da passt nichts Herkömmliches, kein Korsett.

Knapp 50 ist er, der Goiserer. Kein auffallender Typ. Würd' er mit dem Traktor vor dem Seepark-Gelände Gülle fahren, keiner würde ihn erkennen. Er ist äußerlich unscheinbar, doch musikalisch ein Unikum. Er singt, er jodelt, schreit und pfeift, spielt Gitarre, Flügelhorn, Althorn, Mundharmonika und natürlich seine "Steirische", die diatonische Ziehharmonika. Aus ihr quetscht er eingängige Rhythmen und viele fremde Laute. Wie im Liebesrausch schiebt er sich mit ihr über die Bühne, mal sanft und zärtlich, dann wild und heftig.

Mitte der 90-er Jahre, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zog sich Hubert Achleitner, der von Goisern, aus der Musikszene zurück. In Tibet entdeckte er neue Horizonte, die er nun auch seinen Zuhören eröffnet. Viele Stücke auf der aktuellen Scheibe "Fön" sind ruhig, besinnlich, fast schon meditativ. "Was g'wesen is, des war amal", haucht er in die Zeltkuppel. Vorbei die Zeiten des fetzigen Alpen-Rocks, als die Berge noch wackelten. Heute lässt Hubert seine Konzerte bestuhlen. Schön für die vielen älteren Besucher, grausig für alle unter 40, die in Pfullendorf auf Bierbankreihen ausharren müssen.

Politische Botschaften blitzen weit seltener durch das neue Programm als früher. "Ob Araber, ob Jud, ob I oder Du, ob Serb' oder Kroat', um ein jeden is schad", aktualisiert er einen älteren Refrain. Doch viel mehr sagt oder singt er nicht zu aktuellen Ereignissen. Abseits der Bühne, im Gespräch sagt er auch, warum: "Niemandem ist geholfen, wenn man jetzt nur mehr dasitzt und den Kopf hängen lässt und alles andere aufgibt, das lustvoll ist und eine Freude macht. Wenn ich am Anfang eines Konzertes über den Terror reden würde, wäre es schwer, darauf ein Lied zu spielen. Würde ich am Schluss etwas sagen, würde ich viel von dem zunichte machen, was ich mit einem Konzert erreichen will: dass die Leute mit einem schönen Gefühl heimgehen."

Von Goisern hat seine eigene Sicht der Welt - und seine eigene Auffassung von volkstümlicher Musik. Das begreifen die Zuhörer in Pfullendorf. Manche sind enttäuscht, die meisten aber fordern laut Zugaben und sind hell begeistert. Etwa, wenn er Fia di anstimmt, ganz kurz vor Schluss, das schönste Liebeslied, da je durch den Linzgau-Seepark hallte.

Der Hubert von Goisern läßt selbst die Geige jodeln...

Bad Ischler Rundschau 8. März 2001 | Text & Foto: Josef H. Handlechner

Nach dem Warm-Up im Lehár-Filmtheater wird heute abend weiter geFÖNt

Agnes Grasberger und Hubert von GoisernBad Ischl. Ganz hat er sie nicht zurücklassen können, die Nervosität - immerhin war es das erste Mal seit dem Abschied von den Alpinkatzen, dass er wieder auf der Bühne stand. Aber was bei anderen in Unsicherheit ausartet, das entlädt sich bei einem Vollblutmusiker wie dem Hubert von Goisern als Spannungsbogen, als elektrisierendes Pulsen zwischen ihm und Publikum.

Dass da just bei "Buama stehts zam im Kroas" kurzfristig der Faden reißt, das ist für Hubert fast eine Erleichterung. Denn schließlich ist eine "öffentliche Probe" - und darum ging es am Aschermittwoch im Lehár-Filmtheater - noch nicht die Premiere, die folgte erst drei Tage später im Linzer Brucknerhaus (der "richtige" Auftritt in der engeren Heimat folgt am heutigen Donnerstag im Kongress & TheaterHaus und ist seit Wochen ausverkauft; dann geht's über Graz nach Deutschland mit zwei Dutzend Konzerten bis Mitte April).

Fön und Trad

Die Uhren still stehen zu lassen und jenen Nagel nicht neu zu definieren, an den er vor mehr als sechs Jahren das Mikro gehängt hatte, das würde zu Hubert Achleitner nicht passen. Natürlich ist er seither kein gänzlich Anderer geworden, aber mit dem Hiatamadl hat er nichts mehr am Hut, da fährt er schon lieber "Mi da Zilln übern See".

Heast es net wiederum gibt es noch, als Draufgabe. Alles andere ist mehr oder weniger neu, auch wenn Fön schon ein halbes Jahr am Markt (und mittlerweile bereist vergoldet ist). Dafür gibt es Trad, Huberts neueste CD, erst seit Anfang dieser Woche - und damit gräbt er ganz tief hinab in den Boden unverfälschter Volksmusik (u.a. begleitet von der Hohtraxlecker Sprungschanzenmusi), zeigt sich als "Trad"itionalist im besten Sinn.

Mut zum Risiko

Auf der Bühne zu singen und zu spielen, was sonst im kleinen Kreis ("so was kannst net zwinga") ensteht, das ist ein Risiko, räumt Hubert ein. Aber es ist ihm zu wichtig, um darauf zu verzichten. Und das Publikum gibt ihm recht - und nicht nur in diesem Punkt.

Ein wenig "einwendiger" geworden ist das, was der Goiserer serviert. Es bleibt mehr Zeit, sich damit zu beschäftigen, was er zu sagen hat - in engagierten Texten wie mit Musik. Jodlerin gibt es keine mehr, dafür Agnes Grasberger und ihre Geige.

Sie zählt wie Arnulf Lindner (Bass), Bernd Bechtloff (Schlagzeug) und Burkhardt Frauenlob an den Tasten zu den Jungen in der Band, in die Heli Punzenberger als "Urgestein" kreative Routine einbringt. Auf Technik-Firlefanz wird bewußt verzichtet, zählen tut nur die Musikalität.

Denn keiner versteht's wie Hubert von Goisern, Weltmusik und Volksmusik unter (s)einen Hut zu bringen. Message statt Mode. Das tut gut.

Hubert von Goisern: Live in Gleisdorf - 15. Juni 2001