Hubert von Goisern
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Starker Fö(h)n in der Bregenzer Bucht

Südkurier 2001 | Text: Roland Demmerle

Standing Ovations für Hubert von Goisern und Band in der Inselhalle Lindau

Um Acht Uhr soll das Konzert losgehen, aber da drängt sich noch ein Pulk von Menschen vor der ausverkauften Inselhalle. 200 Fans müssen weggeschickt werden. Dass es am 30. Juni in Konstanz ein Zusatzkonzert geben wird, wissen sie noch nicht. Viertel nach Acht eröffnet Hubert von Goisern in roter Frackhose mit breiter, schwarzer Biese und schwarzen Hosenträgern mit Jodelgesang das Programm. Sein neuer Sound, durch kulturelle Begegnungen in Asien, Afrika und Amerika in Richtung Ethnomusik gewandelt, ist berauschend. Und was er in einem Interview kürzlich sagte spüren viele. Wenn in seiner Heimat Instrumentalmusik ertönt, drängt alles zur Tanzfläche, wenn aber gesungen wird, packt einen die Melancholie. Auf das Hirtenmadl werden viele heute vergeblich warten, dafür gibt es Klänge aus Jamaika, Ostafrika, und den Volkslieder aus den Tiroler Bergen.

Musik

Die Band ist vom Start weg gut zusammen. Und der Bandleader beweist auf Gitarre, Knopfakkordeon, Flöte, Blech, Mundharmonika und Trommel, dass es reine Koketterie ist, wenn er sich in Interviews als Universal-Dilletant darstellt. "Augen tief und klar wie ein See und ich bin ganz hinabgefallen", singt der Songpoet in Reggaetakt und viele verträumte Blicke aus dem Publikum schauen ihn an. Die Zwischenpassage ist zwar weit nicht so jazzig, wie die Tourpromotion glauben machen will, aber es ist eine wunderschöne Ballade.

Sarkastische Ansagen und Spottlieder folgen, gegen katholische Moralvorstellungen, über das Politgroßmaul Jörg Haider, zur versteckten Haschischkultur. Mercedes Benz als Reggaeversion hat man so noch nie gehört. Und was sich der Tiroler alles wünscht: Nicht nur ein Auto, sondern auch einen Heiligenschein, denn damit hat man, wie er meint, "einen besseren Riss". Dann gibt Hubert von Goisern Lebenshilfe mit Flügelhornsolo. "Alles was Du willst, das geht, wenn Du weißt, was Du willst", singt er und die langsame Titelmelodie der CD Fön, vor allem ein swingender Einschub hat es in sich.

"Beim Blues ist es wichtig, dass es erst wehtut", philosophiert er. Aber das könnten nur Katholiken verstehen. Und weil der Beifall ihm zu protestantisch erscheint gibt es gleich Nachhilfe: Weh toan tuat s auf jeden Fall. Und um die Zuhörer nicht zu sehr in tiefe Gefühle zu verstricken, wird das Stück im Mittelteil mal kurz mit rockigen, schrägen Passagen angereichert, eine Guggenmusik des Blues. Der erste Teil schließt mit einem Stück ab, in dem sich tibetanische Flöten, afrikanische Harmonik und treibender Slapbass gegenseitig beflügeln. Langsam wird der Perkussionsteil ausgebaut, bis alle auf der Bühne mittrommeln, -rasseln, -klappern und der Rhythmus den ganzen Saal erfasst.

Funky eröffnen die Musiker das zweite Set. Mit Drawig kommt noch einmal ein Stück des Albums Fön, dann beginnt mit Zilln übern See die Vorstellung von Titeln aus dem zu Monatsanfang erschienen Scheibe Trad, auf der Hubert von Goisern Volkslieder seiner Heimat neu interpretiert. Lieder über die Balz der Auerhähne, das braune Bier, über den drängenden, angesäuselten Bursch unter dem Fenster einer feschen Maid. "Heute ist das alles ganz anders", witzelt er, meint aber damit die Schlusspassage, in der das Mädchen den Burschen bittet zurückzukommen. Alles lacht.

Die Musiker erhalten nach dem mitreißenden letzten Stück reichlich Beifall, bleiben auf der Bühne, spielen ihre Zugabe gleich. Hubert von Goisern schlägt den Bogen zurück zum Konzertbeginn. Sentimentaler Nachtgesang ertönt, zwei Stücke, dann ist Schluss. Standing Ovations in der Inselhalle.

Nach reichlich Beifall kommt der Bandleader allein auf die Bühne zurück, greift die Akustikklampfe und steigt noch einmal ins heimatliche Traditionsliedgut ein. Drei kurze Strophen, dann ist das Lied aus dem Tal der schönen Verflossenen zu Ende. Und mit ihm ein mitreißendes Konzert.

Raffiniert kombiniert

Süddeutsche Zeitung 2001 | Text: Ralf Dombrowski

Lederhosen sah man kaum. Ein paar versprengte Hirschhornknöpfe an den Revers im Foyer des Circus Krone deuteten darauf hin, dass auf der Bühne der frühere Star der neuen Volksmusik stand. Doch sie blieben die Ausnahme. Denn Hubert Achleitner, genannt von Goisern, der sanfte Stil-Revoluzzer aus dem Salzkammergut, hat es geschafft, sein Publikum umzupolen. Keiner plärrte Hiatamadl in den Raum, niemand erwartete im Ernst die Wiederkunft des lärmenden Landler-Rebellen, der vor sechs Jahren verschmähte, die Erfolgsleiter an die Spitze der Musikantenstadl zu erklimmen. Das Publikum harrte vielmehr der Experimente, die Goisern nach seiner kreativen Pause und ausgedehntem Weltenbummlertum zu präsentieren versprach.

Es wurde nicht enttäuscht. Der umtriebige Sänger und Songwriter packte ein raffiniert kombiniertes Sammelsurium der musikalischen Impulse aus, die er mit den eigenen regionalen Klangwurzeln verknüpfte. Da gab es viel Karibisches zu hören, Reggae und ein wenig Salsa als Gewürz. Außerdem Blues und eine Janis- Joplin-Hommage mit der Dialektversion von Mercedes Benz. Goisern sang voller Inbrunst Lieder von der ländlichen Liebe, jodelte kunstvoll und zuweilen in ätherische Synthieflächen gebettet. Er spielte Flügel- und Tenorhorn, Ziach und Gitarre, leitete souverän seine neue Combo und blieb doch zugleich der nachdenkliche Musikant mit den Thai-Chi-Bewegungen, der bedächtig über die Bühne schritt. Wahrscheinlich ist genau das der Schlüssel zu seinem Erfolg. Denn Hubert von Goisern verbiegt sich nicht zu Gunsten der Verkäuflichkeit. Die Menschen im Saal spürten diese Ehrlichkeit. Stehende Ovationen.

Hubert von Goisern in Erfurt

Thueringer Allgemeine 2001 | Text: Michael John

Das hätte sich Janis nicht träumen lassen. Dass da einer kommt aus dem inneren Salzkammergut und ihr berühmtes Gebet mit Ziehharmonika und Mundart bearbeitet: "Geh Herrgott hiazt kauf ma an Mercedes Benz." Doch muss sich Janis Joplin nicht im Grab umdrehen. Denn wiewohl Hubert von Goiserns Version so weit weg ist vom Original wie die Alpen von Kalifornien, so nah sind sie in der Sehnsucht und der mehr als nur Augen zwinkernden Ironie.

Überhaupt Janis. Mit ihr verbindet ihn wohl einiges, die Erfahrung einer moralinsauren Kindheit ganz gewiss. Aber die hatte auch Gutes, wie Goisern im ausverkauften Erfurter "Centrum" vor seinen begeisteren Thüringer Fans feststellte.

Wer mit der Bibel erzogen wurde, fühle im späteren Leben garantiert den Blues und weiß ihn auch zu singen wie Goisern in Weh toan tuat's auf jeden Fall. Wunderbar von der Seele geschmachtet. Der Blues war indes nur eine von vielen musikalischen Formeln im Fön-Programm. Ang'lacht etwa ritt im Dub-Reggae-Rhythmus auf einem Police-Gedächtnis-Riff und leistete sich nebenbei noch den Gag, im typischen Doors-Sound zu orgeln. Ganz anders das jazzige Drawig oder das breitbeinig rockende Die Strassn. Absoluter Exot jedoch war ein afrikainspiriertes Stück, obendrein gesungen in Kisuaheli.

Nachdem genug Abstand zu den sonstigen Jodelrockern gelegt war, pflegte die zweite Konzerthälfte die Heimatklänge um so mehr. Volkslieder, so traditionell, dass es schon wieder gut war, viel besser als die üblichen Krümel Folklore-Kitsch, die selbst Hubert von Goisern zwecks besserer Verdauung gelegentlich einstreut. Lieder übers Dirndl, das Fischefangen und die Hahnpfalz und einen Spottjodler für einen Jäger. Anmutig. Dass sich das Konzert satte drei Stunden hinzog, lag nicht zuletzt an den Ansagen des Goiserners, Ansagen von der Länge und dem Unterhaltungswert einer Kurzgeschichte. Immerhin, wer kann schon von sich erzählen, dass ihn Hunderte demonstrierender Tierschützer in wenig tugendhafter Absicht verfolgten und nur ein Sprint an die nah gelegene Grenze Rettung bedeutete. Steht zu vermuten, dass ihm da nicht mal das Beten geholfen hätte, höchstens ein Benz.

Aber den hat der Herrgott ihm noch nicht gekauft.

Der Jodeljongleur

Nürnberger Zeitung 2001 | Text: VG

Hubert von Goisern mischte Alpenrock und Weltmusik

Ein österreichischer "Alpenrocker", der durch Afrika und Tibet tingelt, um seinen Stücken neue Impulse zu geben - das klingt schwer verdaulich, doch wer Hubert von Goisern kennt, weiß, dass er aus den inkompatiblen Ingredienzen einen prickelnden Musik-Cocktail mixt. Der weltoffene Jodel-Jongleur stellt auf seiner aktuellen Tour sein viertes Studio-Album Fön vor und zeigte in Erlangen zusammen mit seinen fünf Mitstreitern eine vollgepackte Vorstellung mitsamt multikultureller Orchestrierung.

Violine, E-Geige, Bässe, Gitarren, Keyboard und eine Percussion-Wundertüte an exotischen Rhythmus-Instrumentenuntermalten Hubert von Goiserns tragende Stimme, die sich zu jubilierenden Jodlern in die Höhe schraubte. Doch der Vokalvirtuose mit dem vibrierenden Timbre griff auch selbst zum Instrument und bewies sein Können auf Ziehharmonika, Flöte, Bongo-Trommel, Trompete und Mundharmonika.

Gleich einem Pas de deux der Alpenrocker ging von Goisern auf die einzelnen Bandmitglieder zu und lud sie zum musikalischen Duell ein. Ob melodisch-leichte Geigen-Kaskaden, jazzige Gitarrenläufe, depressiver Bass oder das temperamentvolle Trommeln der rasanten Rhythmen - jeder Musiker prägte das Zusammenspiel mit seinem eigenen Stil, locker durchmischt wie die muntere Musik-Melange in von Goiserns Liedern.

Mit Schmäh und schwarzem Humor jingelte der Globetrotter aus dem Salzkammergut fröhlich durch die Musikrichtungen: ob Jazz, Blues, Samba, Rock, Volkslieder, Wiegenstücke, Balladen, Ländler, eine Austria-Adaption von Janis Joplin oder Kisuaheli-Musik - von Goisern montiert, puzzelt und bastelt, dass sich dem Zuhörer der Kopf dreht.

Beziehungsschmerz

Dazwischen philosophierte von Goisern über das Schmerzpotenzial zwischengeschlechtlicher Beziehungen, die latente Leidensbereitschaft der Katholiken und die Autarkie der "Quetsch'n"-Spieler, wenn er nicht im Städtevergleich die Entdeckung der Langsamkeit vorantrieb. Von Goisern bewies, dass sich ein derbes Idiom und musikalische Weltoffenheit zu etwas völlig Neuem verbinden lassen. Und eines ist sicher - der Mann hat das Jodeldiplom mit Auszeichnung bestanden.

Dem Nichts Raum geben

Hubert von Goisern gastierte in der Stadthalle

Lichtenfels. Hubert von Goisern ist kein Bühnen-Fex. Keiner, der wirbelt "wia a wiudä Hund". Der Musiker aus dem Salzkammergut steht dem Publikum zugewandt, bleibt in seinen Bewegungen sparsam und tut nur so viel in puncto Dynamik, was ihm das Spiel des Akkordeons abverlangt. Kein Vergleich dazu das, was er mit dem Mundwerk treibt. Von Goisern ist Vokalakrobat: Er singt, schreit, jubelt, juchzt, jodelt oder redet rasend schnell. Ein Energiebolzen, zweifellos. Aber auch einer mit Sinn für feine Zwischentöne, einer, der fähig ist, bewusst eine Pause zu machen, dem Nichts Raum zu geben.

Von Goisern ist nicht nur begnadeter Musiker, sondern auch Entertainer. In der Ausformung seines Dialekts wählt er, wenn die Instrumente schweigen, die moderate Variante des "Goiserischen" und weiß mit Witz sein Publikum zu unterhalten. Er redet über die Parallelen von Katholizismus und Blues, über den Schmerz, wenn eine Beziehung zerbricht und über die Singvögel, die die Bewohner des Salzkammerguts in Käfige sperren, um unterhalten zu werden.

In allem, was er auf der Bühne tut, wirkt er lässig. Und er weiß dem Publikum - 1200 kamen in die Stadthalle am vergangenen Donnerstagabend - ein Programm zu servieren, das nie abgeschmackt wirkt. Die Kunst, eine Story an just dieser Stelle schon 30-mal erzählt zu haben und beim 31. Mal sie wie frisch ausgepackt zu servieren - die kann er.

Von Goisern in eine Schublade stecken zu wollen, ist ein ergebnisloses Unterfangen. Einige Strukturen seiner Musik sind experimentell ausgelegt, was auch die Vielzahl an Instrumenten zeigt. Balladenhafte, von Geigerin Agnes Grasberger wirkungsvoll untermalte Songs wechseln sich ab mit Rhythmusgewittern, die aus karibischem und afrikanischem Gut schöpfen und für deren Inszenierung Schlagzeuger Bernd Bechtloff Narrenfreiheit genießt.

Kein Etikettenschwindel

Insbesondere der zweite Konzertteil zeigte von Goiserns Wurzeln. Das Akkordeon schwingend, Goiserisch singend und zur Krönung des Ganzen eine Jodelarie - Volkstümliches bleibt Konstante, durch Ausflüge in die Weltmusik erhöht von Goisern nur die Spannung. Wohltuend, wie in seinem Spiel Volkstümliches sich definiert. Kein Ton von dem anbiedernden Etikettenschwindel, den Hinterseer und Konsorten betreiben.

Und dann, in jenem zweiten Teil, war er schon hörbar, der Hit von den Hirtlmadln, der von Goisern und seine Alpinkatzen berühmt gemacht hat. Doch Deckel zu, nix da. "Ich habe schon den Anspruch gehabt, etwas vollkommen Neues zu machen", gab der Musiker vor seiner Tournee zu Protokoll. Das ist ihm, trotzdem, nicht gelungen. Zum Glück.

Hubert von Goisern im Circus Krone

Virgin Musik April 2001 | Fotos: © Virgin Musik

Hubert von Goisern hat in München am Abend des 18. April 2001 starke Konkurrenz, denn Bayern München spielt gegen Manchester United. Die Kameramänner vom BR, die das Konzert mitfilmen, improvisieren: Sie lassen sich vom Ü-Wagen das Fernsehsignal der Live-Übertragung auf die Kameras legen, um in der Pause das Spiel mitverfolgen zu können...

Anfangs scheint es, als ob sich das Publikum erst wieder daran gewöhnen muss, dass Hubert tatsächlich wieder live spielt, so abwartend-verhalten, unterschwellig gespannt war die Stimmung im nicht ganz ausverkauften Circus Krone. Im Bühnenhintergrund hängt ein geknittertes Tuch, das je nach Beleuchtung ausschaut wie die Berge im Sonnenaufgang oder wie eine visionäre, sich im Licht verändernde Traumlandschaft.

Hubert tritt auf, in leuchtend roter Hose mit schwarzen Seitenstreifen. Die ersten Titel sind sehr ruhig, und erst, als er seine Fans begrüßt und endlich die Ziehharmonika in die Hand nimmt, geht spürbares Aufatmen durch das Publikum - er ist wieder da!

Die erste Hälfte seines Sets besteht hauptsächlich aus Titeln seines neuen Albums Fön, ab und zu unterbrochen von hintersinnigen Entertainment-Einlagen, in denen Hubert über den Blues und die (katholische) Kirche philosophiert oder über seine Rolle im aktiven Tierschutz.

Nach der Pause sind vom Bühnen-Gewand der ersten Hälfte nur die roten Seitenstreifen an den Leinenhosen geblieben, sonst präsentiert sich Hubert auch musikalisch eher traditionell: Die zweite Hälfte seines Sets enthält fast ausschließlich Titel seines Albums Trad, wiederum garniert mit ein paar sehr unterhaltsamen Einlagen. Die widmen sich unter anderem der Entstehung des traditionellen Liedgutes, das Hubert von Goisern auf seine so intime und intensive Weise neu interpretiert.

Die Mitglieder der sehr engagierten Band erhalten alle die Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Da muss man natürlich neben Huberts altem Weggefährten Helmuth Punzenberger an den Stromgitarren vor allem den unwahrscheinlich versierten Mann am Schlagwerk, Bernd Bechtloff erwähnen, der entscheidend zur musikalisch-rhythmischen Gestimmtheit beiträgt. Entsprechend frenetisch applaudiert das Publikum nach seiner Solo-Einlage. Burkhardt Frauenlob an den Tasteninstrumenten und Agnes Grasberger, dieViolinistin, erzeugen im Zusammenklang mit Huberts Ziehharmonika überraschende Sounds, und Arnulf Lindner spielt nicht nur Bass, sondern auch Kontrabass.

Hubert macht seinem Ruf als Multiinstrumentalist alle Ehre, denn er spielt sich mühelos durch ein ganzes Orchester, und jedes Instrument wird da eingesetzt, wo Hubert seinen Klang stimmungsvoll entfalten kann - ob es das Flügelhorn oder die Flöte ist. Den Abend durchzieht gleichsam wie ein roter Faden die stille Leidenschaft in Hubert von Goiserns Bühnenpräsenz.

In der Ruhe liegt die Kraft, scheint er mit jeder Faser ausdrücken zu wollen, und das wird direkt spürbar, hörbar. Langweilig? - Eben nicht! Hubert von Goisern spielt auf der Bühne nach wie vor um sein Leben, aber eben - konzentrierter. Reifer. Man möchte, dass es nie aufhört!

Am Schluss zeigt Hubert mit dem letzten Titel noch einmal, wie nah die Musikkulturen dieser Welt beieinander liegen. Er bietet ein Lied auf Kisuaheli dar, das in Afrika immer am Ende eines Festes gesungen wird, - und jodelt dazu. Wenn Hubert von Goisern das macht, klingt es so, als ob es immer schon so gewesen ist.

Almdudler für Anspruchsvolle

Nürnberger Nachrichten 9. April 2001 | Text: Steffen Radlmaier

Rückbesinnung auf die alten Werte: Volks- und Weltmusik mit Hubert von Goisern in Erlangen

Der Anton aus Tirol und Hubert von Goisern sind so etwas wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde der österreichischen Volksmusik. Zwei Kunstfiguren wie Tag und Nacht. Anton steht für Hitparade, Kommerz und schenkelpatschende Volkstümlichkeit, Hubert für das Gute, Wahre und Schöne in der Volksmusik. Gaudibursch der eine, Rebell der andere.

Hubert Achleitner, wie der Querkopf aus Bad Goisern mit bürgerlichem Namen heißt, hat den Versuchungen des Musikgeschäfts widerstanden. Sein Hiatamadl, ein veritabler Alpenhit, kam ihm selbst verdächtig vor. Auf der Höhe des Erfolgs zog Hubert von Goisern 1994 die Bremse, löste die Alpinkatzen auf und legte eine Denkpause ein. Sechs Jahre, in denen er auf ausgedehnte Reisen ging. Unter anderem nach Tibet und Afrika, dokumentiert auf den Alben InExil und Gombe. Außerdem entstand in dieser Zeit die Filmmusik zu Schlafes Bruder, sowie ein Film mit der Verhaltensforscherin Jane Goodall.

Seit ein paar Monaten aber ist Hubert von Goisern wieder da und macht dort weiter, wo er vor Jahren aufgehört hat, nicht völlig anders, aber etwas subtiler und gereifter. Das buntgemischte Publikum in der seit langem ausverkauften Erlanger Stadthalle freut sich über die Rückkehr des Goiserers wie über das Wiedersehen mit einem alten Freund. Alt und jung sitzen da einträchtig nebeneinander, Rockfans ebenso wie Volksmusikliebhaber, Mannsbilder und Weiberleut. In Huberts Weltmusikantentstadl sind alle herzlich willkommen.

Das Konzert beginnt mit einer Art alpiner Urschrei-Therapie: Hubert von Goiserns schmerzerfüllter Sehnsuchtsjodler kommt aus tiefster Seele. Soul heißt das in der Popmusik, und singen kann er, der Hubert. Dann folgt ein Landler im Reggae-Rhythmus, wunderbar harmoniert die Steirische Ziehharmonika mit Jazz-Piano, Country-Fiddle und Rock-Gitarre: Die Welt ist ein Dorf im Salzkammergut.

Im kernigen Dialekt erzählt Hubert der Aufrechte vom Singvogelfang und vom Beten, das wirkt ein bisschen umständlich, aber spontan, und leitet immer über zum nächsten Lied. Und weil beim Hubert immer alles etwas anders ist, hat er kurz nacheinander zwei neue Alben veröffentlicht, die das Programm des Abends bestimmen: Die alpine Weltmusik von Fön den ersten Teil, die behutsam aufgefrischten Volkslieder von Trad den zweiten. Und gerade diese einfachen Stücke haben starke Wirkung. Aktuelle CDs: Hubert von Goisern, Fön und Trad (beide bei Lawine/Virgin).

Ruhig und bedächtig geht Hubert von Goisern die Sache an. Seine Konzerte sind so etwas wie musikalische Bergwanderungen und bieten Almdudler für Anspruchsvolle.