Hubert von Goisern
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WESTAFRIKA 2002

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Hubert von Goisern in Westafrika

HvGDrei Stationen hatte Hubert von Goisern für sich und seine Band im Zuge des Abenteuers Afrika eingeplant: Die kapverdische Hauptstadt Praia, Dakar und Burkina Faso. "Ich will Freunde finden, den musikalischen Austausch suchen und zeigen, welche Musik wir machen", stellte Hubert vor der Abreise fest. Dies gelang schon mit dem ersten Konzert in Praia mit über 4.000 Besuchern. Absoluter Höhepunkt wurde ein Auftritt in den Slums von Dakar. Trotz vieler Warnungen und Sicherheitsbedenken spielte die Band vor einem dankbaren und mitgehenden Publikum. Der Wunsch vom gemeinsamen Musizieren mit afrikanischen Musikern erfüllte sich auf eindrucksvolle Weise als die verschiedensten Musiker ihre eigenen Lieder und Rhythmen präsentierten.

Sehnsucht, Meer & Herzblut

Die Presse 27. Februar 2004 | Text & Foto: Fritz Kalteis
Tete Alhinho und Hubert von Goisern

Die Kapverdischen Inseln tanzen afrikanische Rhythmen und singen europäische Melodien. Ihre Hauptstadt Praia pflegt heitere Melancholie und ist dem Wiener Wesen gar nicht fern.

[...] Seit Ostern 2002 kennt man in Praia auch die Bedeutung des Wortes Jodeln - Hubert von Goisern war da. Gerhard Überbacher, damals Gitarrist in Goiserns Band, erinnert sich an eine der Nächte in der lebendigen Altstadt von Praia. "Der Club hieß Tex Mex und hat an diesem Tag extra für uns aufgesperrt, weil wir mit der Reggaeband des Musikers Vadu jammen wollten. Durch die Mundpropaganda hat sich's schnell herumgesprochen und der ganze Club hat bis 5 Uhr früh getanzt." Beim offiziellen Konzert tags darauf jubelten 20.000 Menschen, ein Jahr später beim riesigen Gamboa-Festival im Mai gar 90.000. "Jede der Inseln hat ihren eigenen Rhythmus", bestätigt Tete Alhinho, die Solostimme von Simentera, "alle Kapverdier haben die Musik im Blut".

"Über d'Alma" unter der Sonne Westafrikas

Bad Ischler Rundschau 25. April 2002 (Teil 1) | Text & Foto: Hannes Heide
Hubert von Goisern in Westafrika

Kulturaustausch / Hubert von Goisern und die Hohtraxlecker in Cap Verde

Die Kap Verden sind nicht Afrika und schon gar nicht Europa. Hier weht ein anderer Wind. Der dafür ständig. Ob die kapverdische Hauptstadt Praia deshalb der ideale Ausgangspunkt für eine musikalische Reise durch westafrikanische Länder ist, das weiß bei der Ankunft von Hubert von Goisern und seiner (neuen) Band noch keiner. Die Euphorie des kurz zuvor absolvierten Auftritts in Ägypten vor 15.000 begeisterten Fans, die tragen freilich noch alle in sich.

Aber kann sich ein solches Erfolgserlebnis innerhalb kürzester Zeit wiederholen?

Es tauchen Zweifel auf: "Warum steht einen Tag vor dem Konzert die Bühne noch nicht? Warum wurde nicht plakatiert? Wieviele Leute werden kommen?"

Es gibt keine befriedigenden Antworten. Kap Verde ist Afrika also nicht nur geographisch nah, sondern wohl doch auch mental.

Und doch: Langsam aber sicher werden alle Fragen (meist von selbst) beantwortet. Plakate hängen deshalb nicht, weil die Analphabetismusrate bei 30 Prozent liegt. Wichtig ist die Radiowerbung und die Radiostationen weisen schon seit Tagen auf das Ereignis hin: Simentera feiern den 10. Geburtstag und geben gemeinsam mit den österreichischen Gruppen Hubert von Goisern und der Hohtraxlecker Sprungschanznmusi ein "Free Concert".

Am Veranstaltungstag steht sie auch die Bühne, ausgelegt mit Brettern und dem einen oder anderen Loch. Und dennoch scheint alles, was hier aufgebaut wird, zwar improvisiert, aber durchdacht. Es ist zwar schon finster, aber noch ist das Licht nicht fertig montiert, geschweige denn eingeleuchtet. Und doch: bis zum ersten Auftritt, jenem der Hohtraxlecker, steht alles.

Jetzt müssen nur noch Leute kommen. Um 9 Uhr zum angekündigten Konzertbeginn ist die Kulisse schütter, vielleicht hundert Leute verteilen sich am riesigen Platz vor dem Fußballstadion.

Als die Hohtraxlecker zu spielen aufhören, ist das Publikum bereits deutlich angewachsen. Beim Auftritt von Simentera füllt sich der Platz langsam, ehe schließlich gegen 23 Uhr Hubert und seine Band vor einer Kulisse von gut und gern 4000 Zuschauern auftreten.

Und die Stimmung, für die sie sorgen, ist einmalig: Da springen Leute auf die Bühne und tanzen mit, die einzelnen Lieder werden eingeklatscht. Autofahrer, die auf der nahen Straße vorbeifahren, beteiligen sich am Konzert, in dem sie hupen.

Erinnerungen an Ägypten werden wach und dennoch wird es ein ganz einzigartiger Abend.

Ermutigender Auftakt für die Reise

Tété Alhinho von der Gruppe Simentera kommt auf die Bühne und singt gemeinsam mit Hubert über d'Alma. Eineinhalb Stunden dauert das Konzert, das ein würdiger und ermutigender Beginn für die Afrikareise werden sollte.

Hubert muss Autogramme schreiben und darf ein Reihe von Komplimenten entgegennehmen ("Bono, Bono, you are Bono Vox"). Warum er nach Afrika gefahren ist? "Ich will Freunde finden, den musikalischen Austausch suchen und zeigen, welche Musik wir machen."

Schon mit dem ersten Konzert ist das gelungen - denn war erst die erste Station einer dreiwöchigen Reise durch Afrika.

Danke Gerhard

"Alle, die a Stimm' haben, sollen singen!"

Bad Ischler Rundschau 2. Mai 2002 (Teil 2) | Text & Foto: Hannes Heide

KULTURAUSTAUSCH / Hubert von Goisern & Co in Westafrika

Hubert von Goisern in AfrikaAfrika ist nicht nur ein geografischer Begriff, sondern auch Einstellung, Mentalität. Das heißt auch, dass, so mancher, sich schon vierzehn Tage in Afrika aufhält, unter Umständen dort noch immer nicht angekommen ist.

"Ja, jetzt sind wir in Afrika" bilanziert Hubert von Goisern nach fünf Tagen im Senegal. Während Kap Verde doch kulturell ein Mittelding aus Europa und Afrika ist, fühlt sich Hubert in Dakar "in Afrika angekommen".

Auch wenn er schnell bemerken muss, dass die Aussage "das ist halt Afrika" oft als Ausrede dafür dient, dass das jeweilige Gegenüber etwas nicht tun will. Besonders das Konzert im Theater Sorano in Dakar, einem der herausragenden Konzertsäle des Kontinents, fällt in diese Kategorie: Miserable Anlage, eine vornehm ausgedrückt unglückliche Programmzusammenstellung (Hubert: "Ich habe zuerst gedacht, na ja, das richtet sich nach dem Geschmack der Senegalesen, bis mir auch Einheimische gesagt haben, wie schwach sie das Programm gefunden haben. Der Kulturminister wollte den Moderator verhaften lassen, wenn er gekonnt hätte!") und der schwächste Besuch (mit 250, bis 300 Leuten).

Nur: Im Nachhinein hatte auch dieses Konzert positive Auswirkungen - überschwengliche Kritiken in den Zeitungen, ein euphorischer Bericht im TV, der Hubert in ganz Senegal bekannt machen sollte, und ein vielleicht doch nicht so desinteressiertes Publikum, wie es anfangs vielleicht erschien.

Afrika hat sehr viele Gesichter

Entwickelte sich doch auch eine Freundschaft mit Oumou Sy Modeschöpferin und Designerin sowie Internetpionierin, die das erste Internetcafé in Dakar eröff- nete und den Internetzugang für Afrika propagierte. Persönlichkeiten wie Oumou Sy, die beuer bei der Ars Electronica) referieren wird, sind das positive Gesicht Afrikas.

Er sei ohne Erwartungen nach Westafrika gereist, sollte Hubert mehrmals feststellen. Erwartungen, meist sehr konkrete, hatten aber andere, die neue Band, aber vor allem auch mitreisende Journalisten. Musikalische Begegnungen, tägliche Sternstunden hatten sie offenbar erwartet. Nur dass der Hubert Erwartungen in ihn nicht erfüllt, das mussten die Mitreisenden - sofern sie in Afrika angekommen waren - schnell erfahren.

Stattdessen zog er oft die Auseinandersetzung mit der sozialen Situation vor und besuchte das eine oder andere Projekt der Entwicklungszusammenarbeit. Und genau aus diesen das eine oder andere Male nicht gleich nachvollziehbaren Schritten haben sich die bleibenden, die eindringlichen Eindrücke dieser Reise entwickelt und auch dafür gesorgt, Afrika von seiner "anderen" Seite kennenzulernen ... zu spüren.

Ex-Bürgermeister, Rudi Graf, Ebensee

Aber mutig zu sein oder irgend jemanden irgend etwas beweisen zu müssen, das war auch nicht der Beweggrund dafür. Die Menschen nahmen dieses Angebot dankbar an. Und es war ein Geist, der ähnlich wie in Assiut Musiker und Zuhörer, beseelte: Auch hier waren die Menschen ausgehungert und sehnten sich nach einer kulturellen Begegnung wie diesen Und unzählige afrikanische Musiker von traditioneller Musik bis hin zu Rappern gesellten sich zu den österreichischen Musikern, spielten gemeinsam auf und mit.

Das andere Mal wiederum riss der Besuch in einem Dorf nahe der Stadt Thies, in dem die österreichische Organisation EWA um den ehemaligen Ebenseer Bürgermeister Rudi Graf aktiv ist, die Reisegruppe aus ihrer Lethargie. Vor und mit den Frauen des Dorfes spielte Hubert auf der Ziehharmonika auf. Sehr rasch fanden die Dorfbewohner den Rhythmus von Volksliedern wie Stadltür oder Rote Wand "Alle die a Stimm haben, soll'n singa, alle die koane haben, sollen tanzen" heißt es im Text zu Huberts neuem Lied Afrika ...

28. Juli, Bad Ischl & der Geist von Ougadougou

Bad Ischler Rundschau 9. Mai 2002 (Teil 3) | Text: Hannes Heide

KULTURAUSTAUSCH / "Grenzenlos" ist das Motto der aktuellen HvG-Tournee

Da sitzt doch tatsächlich einer im französischen Kulturzentrum in Ougadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, und schreit "Hiatamadl". Der Mann hat noch mehr drauf: Er kann den Text auswendig, gelernt hat er das vor etwa acht Jahren, als er in Deutschland studiert hat. Das Hiatamadl gab es freilich nicht, aber dafür ein befreiendes, mitreißendes Konzert - eine kompakte Band, ein Duett zu Katholisch mit dem lokalen Star Bilaka Kora, der es mit seiner "Djongo"-Musik zum Topact des "Landes der Unbestechlichen" (ja, so heißt Burkina Faso übersetzt) gebracht hat.

Standing Ovations in Ougadougou und "plus, plus" ("Mehr")-Rufe. Nichts verdeutlicht besser, mit welcher Stimmung - sowohl beim Publikum als auch den Akteuren auf der Bühne - nicht nur das Konzert in Ouaga, sondern eine dreiwöchige Tournee geendet hat. Drei Wochen mit Stimmungshoch und -tiefs, mit Tiefschlägen, vor allem aber bleibenden Eindrücken und Erlebnissen. Solche wie dieses - vorläufig - letzte Konzert in Afrika.

Dabei begann der fünftägige Aufenthalt in Burkina Faso denkbar ungünstig: Ankunft 5 Uhr früh, nachdem der Flug aus Dakar mehrmals um Stunden verschoben wurde. Eine leicht lästige Reisegruppe weigert sich dem Programm nach ins Land der Sembla weiterzureisen, will erst schlafen. "Das könnt's versuchen. Nur bei der Hitze hier kann keiner länger als bis halb sieben Uhr früh schlafen!" Das Argument zählt. Wenig später zeigt das Thermometer 46 Grad Celsius und alle sind froh, im Reisebus bei offenem Fenster (die Klimaanlage funktioniert nicht, auch wenn der Fahrer felsenfest behauptet, sie funktioniere) eine kühl erscheinende Brise zu erhaschen.

Bobo Dioulasso ist das erste Ziel und Bouende, ein Dorf der Sembla. Die Sembla sind ein Volksstamm, der sich nicht nur durch das gesprochene Wort, sondern auch mit Musik, gespielt auf dem Balaphon, verständigt. In den Dörfern gibt es keinen Strom, zwischen den Dörfern keine Straßen. Ein Fußmarsch steht auf dem Programm, unterbrochen nur durch einen Regenguss.

Die Nacht wird am Boden verbracht, Ungeziefer lasst die wenigsten einschlafen. Auch das im Dorf gebraute Hirsebier macht nicht müde. Die Müdigkeit schlägt am nächsten Tag durch beim Konzert in Bobo. Eine Stunde vor Beginn nähert sich dazu ein Sandsturm. Das Equipment muss noch einmal zur Gänze ab- und später, der Sturm zieht vorbei, wieder aufgebaut werden.

In der schlappen Stimmung fällt den Akteuren gar nicht auf, wie mitreißend das Zusammenspiel mit der örtlichen Gruppe Farafina Ilemba, einet akustisch spielenden Truppe mit viel Percussion, Balaphon und zwei Sängerinnen, funktioniert.

"Burkina? Ich will nicht nach Burkina!" stellt Bassist Toni Porto eine Woche zuvor fest und kauft sich ein Ticket nach - Dakar. Er kann zum Bleiben bewegt werden. Und ist so - wie alle anderen - überrascht, was für eine positive Ausstrahlung Burkina Faso bietet: Freundliche Menschen auf der einen Seite, viel mehr grün als erwartet, geradezu mediterran - es fehlt nur noch das Meer. Und es ist Mangozeit: Die Früchte warten darauf, gepflückt und gegessen zu werden.

Tournee-Finale am 28. Juli in Bad Ischl

Das letzte Konzert wird in Bad Ischl stattfinden: Am 28. Juli im Lehartheater bewußt in kleinem Rahmen gehalten, als gewollte Erinnerung an den "Geist von Ouagadougou".

Musikalische Zusammenarbeit Nord-Süd: Hubert von Goisern und Bil Aka Kora im Konzert

L'Observateur Quotidien 10. April 2002

Österreichische Mitarbeit in Burkina. Am 14. April 2002 bietet Ihnen das französische Kulturzentrum und Radiopulsar ein komplettes Konzert an, das die musikalische Verbindung zwischen dem Norden und dem Süden, traditionelle Lieder und die Klangfülle der modernen Musik verbindet. Auf der Bühne wird Ihnen Bil Aka Kora die Stärke seines "Djongo System" zeigen und Hubert von Goisern wird Ihnen helfen, seine alpine Musik zu entdecken. Aber wer ist dieser österreichische Musiker, der sich mit unseren afrikanischen Melodien vermischt?

Kennen Sie Hubert von Goisern? Zweifellos nicht. Dennoch ist dieser Österreicher der Fahnenträger für eine verwegene, musikalische Kreuzung, eine Verbindung der traditionellen Lieder und moderner Musik. Es ist ganz einfach, er ist in Österreich einzigartig und spielt seine Konzerte vor vollen Häusern in seinem eigenen Land sowie in Deutschland und der Schweiz. Heute ist Hubert von Goisern einer der besten Botschafter für Weltmusik, mit einem reichen Wissen der traditionellen Töne von allen Kontinenten. Offensichtlich hat es Zeit, Energie sowie Glaube und Ausdauer seitens des Künstlers gebraucht, um diesen Punkt zu erreichen.

Geboren im Jahre 1952, in dem idyllischen Ort Bad Goisern, spielte Hubert zuerst die Trompete in einer traditionellen Kapelle. Aber wegen seinen langen Haaren, die dem Kapellmeister nicht gefielen, mußte er diese Musikgruppe verlassen. Danach stieß seine Liebe zur Gitarre mit der Gleichgültigkeit der Bevölkerung von Bad Goisern zusammen, die das Instrument laut und überhaupt nicht ästhetisch fand. Traurig und frustriert zog er mit seiner Frau nach Kanada und lebte dort für einige Jahre. Danach reiste er nach Asien und dann zu den Philippinen, wo er einige traditionelle Instrumente entdeckte und zu spielen erlernte, wie zum Beispiel die Nasenflöte. Aber Hubert von Goisern vergaß nicht die Musik seines Landes. "Es gibt auch anderswo wunderschöne Plätze, aber nichts kann so gut sein wie das eigene Land," gibt er zu, bevor er hinzufügt: "wenn Sie denken, daß Leute in Ihrem eigenen Land kompliziert sind, entdecken Sie, daß es woanders auch keinen Unterschied gibt."

Unser Mann kehrt dann nach Österreich zurück und erlernt das Spielen der Zieharmonika, ein traditionelles, österreichisches Instrument. Er singt auch traditionelle Lieder, die er, so gut er konnte, modernisierte. Dafür zog er nach Wien und arbeitete mit dem Musiker Wolfgang Staribacher in einem Duo zusammen, genannt Die Alpinkatzen. Durch den Unterschied zwischen den zwei Männern wird ein musikalischer Stil geboren, die alpine Musik, eine Verbindung der Stadttöne von Wolfgang und dem Gebirgshintergrund von Hubert. Der Erfolg kam aber nicht sofort. Die zwei Männer trennten sich und Hubert von Goisern fing an, nach neuen Musikern zu suchen. Verbunden mit viel Arbeit, mußte er bis 1991 warten, um schließlich die Begeisterung der Bevölkerung zu erlangen.
Seit damals häufen sich die Erfolge. Paris, New York, Texas... man ist begeistert über den bezaubernden Charme dieser alpinen Musik, die sehr subtilen, erfolgreich synthetisierten traditionellen Lieder, Jazz-, Blues- und Rockmelodien. Man findet sogar traditionelle afrikanische Musik auf seiner Gombe-CD, in der er seine reichen musikalischen Erfahrungen des dunklen Kontinentes einbrachte.
Man versteht, daß dieser hervorragende Künstler darauf brennt, auf einer afrikanischen Bühne aufzutreten. Ein Rendezvous wird vereinbart und für den 14. April 2002 im französischen Kulturzentrum Georges Méliès in Ouagadougou geplant. Neben Hubert von Goisern hat man das Glück, die neuen Titel von Bil Aka Kora zu hören, dem Liebling der Musikfreunde in Burkina, der ebenfalls eine schöne Synthese zwischen Traditionellem und Modernem bildet. Man könnte sagen, an diesem Tag, umwirbt der Alpinkater unseren nationalen Djongo mit einem allgemeinen Nahebringen der Weltmusik.

Jodeln am Limit in Afrika

Neue Vorarlberger

Mit seiner Band ohne Namen tourte Hubert von Goisern durch Westafrika.
Eine sich beschleunigende Reise in die Langsamkeit

Ferro Gaita und Simentera singer Tete Alhinho

Ferro Gaita und Simentera-Sängerin Tete Alhinho

Prolog

Abenteurer. Manchmal braucht es auch einen Rum und eine Toblerone, um das Abenteuer Afrika zu bestehen. Hubert von Goisern hat's zumindest damit probiert, wie unsere Kollegin Annelies Pichler auf der Tour mit seiner Band erfuhr. Drei Wochen war sie mit dem Musikertross unterwegs und durfte, wie ungläubige Kinder einer Landschule auch, darüber staunen, wie gut sich Jodeln etwa auf Kap Verde macht.

Bitta kocht gern. Während sie mit der Handkamera jede Bewegung Hubert von Goiserns folgt, auf die Musiker schwenkt und dann wieder aufs Publikum zielt, stellt sich weit hinten im Publikum, hier in Ouagadougou, Burkina Faso, mittendrin in Afrika, die Frage nach dem Rezept des deutschen Filmteams Bitta Börger und Oliver Bauer: Wie viel vom Süßen, Sauren, Pikanten, Salzigen, Bitteren und Prickelnden lagert im Filmmaterial? Was wird fallen in der Hexenküche Schneideraum?

Es ist der Tag vor der Heimreise nach drei Wochen Afrika: Kap Verde, Senegal und Burkina Faso. Musiker auf der Suche nach Zusammenklang.

Rückblende. Kap Verde, Beginn einer Reise in die trügerische Langsamkeit Afrikas. Verlorene Inseln vor der Westküste, Schönheiten, denen die portugiesischen Kolonisatoren einst Bewohner aufgezwungen haben, um Sklaven zu verschiffen. Wer hier lebt, träumt von anderswo. Die Inseln halten Menschen knapp: kaum Wasser, wenig Vegetation und das raue Meer verweigert sich selbst den Fischern. In der Musik aber liegt die Leichtigkeit derer, die nichts zu verlieren haben.

Gerhard Überbacher und Magou

Gerhard Überbacher und Magou

Schneller Schnitt. Und Jodler. Schüler der Landschule, einem Vorzeigeprojekt der Österreichischen Entwicklungzusammenarbeit, starren Hubert von Goisern an. Höflich wehren sich die Kinder loszuprusten. Wie aber? Bei den Tönen, die dem weißen Mann da aus der Kehle purzeln? Keine Chance, schon schlägt dem Exoten das Kichern entgegen. Und Sympathie.

Ganz anders klingen in der Nacht Huberts "Buam" ohne ihren Frontmann in der Hauptstadt Praia. Sie wirbeln das Lokal "Tex Mex" völlig jodlerlos auf. "Funky Stuff, das haben die da so nicht gekannt", erklärt der Grazer Gitarrist Gerhard Überbacher. Die Publikumsreaktion gibt einen Vorgeschmack auf den Von-Goisern-Auftritt vor dem Fußballstadion in Praia.

Dort packt die Partie das 3000-köpfige Publikum im Nu. Sobald die Songs ruhiger werden, schlägt, was an Tanzlust da ist, vereinzelt in Aggression um. In Österreich würde die Security wohl brutal durchgreifen, hier aber ersticken andere Zuhörer die Wut in verständnisvollen Umarmungen.

Hauptakt Dakar, Senegal. Unbeirrbar will Hubert ins Afrika der Millionen: in die Slums. "Fast spontan ist das Konzert im Armenviertel entstanden. Gegen den Widerstand aller, die wir in Dakar kannten. ,Spielt ja nicht nach Sonnenuntergang! Dort ist es gefährlich`, trichterten sie uns ein, bis ich dann selber den Hubert gewarnt habe: ,Pass auf, das ist echt nicht ohne, wir müssen schnell spielen, bevor es finster wird", schildert Bernd Bechtloff. Seit Jahren ist er nicht nur Sänger seiner Band Seven Ages, sondern auch Perkussionist beim Goiserer. Aber diesmal lässt Hubert ihn einfach abprallen: "G'fährlich, ah so."

Village concert

Dorf-Konzert: Hubert von Goisern, Bernd Bechtloff und Hannes Peithner

Der 50-Jährige verlässt sich trotz aller Warnungen lieber auf die eigene Urteilskraft. Schließlich hat er als ganz Junger vier Jahre in Südafrika gelebt, damals, als er sein Geld noch als Spezialist für Kunstkohle und Kunstgraphit verdiente und seinen vergeblichen Kampf gegen die Mechanismen des Apartheidregimes focht. Dazu kam später eine Ost-Afrika-Tour.

Affenbrotbaum

Unterm Baobab, dem Affenbrotbaum

Oliver und Bitta

TV-Team

Als das Konzert im Armenviertel beginnt, geht die Sonne unter und die Atmosphäre auf. Immer wieder spielen sich Musiker aus dem Publikum ihren Platz auf der Bühne frei, immer mehr öffnen sich Huberts Klänge den anderen bis zum kuriosen Schluss: We Are The World. Dann rascher Abzug. Schwups ist die Welt ohne Musik gleich weniger rund.

"Senegal ist das Energetischste überhaupt auf dieser Reise. Da bist' wie von einer Walze überfahren", drückt's die Band aus. Im Tonstudio "Maison Yes", das den Musikern auch Hotel war, brachte sich Magou ins Spiel. "Er ist ein Star, ein Superstar, er weiß es nur noch nicht", schwärmt der brasilianische Bassist Antonio Porto von dem Sänger und Perkussionisten, der von einer Insel vor Dakar stammt. "Eines Nachts hat er mit unserem Schlagzeuger getrommelt. Das war reine Magie und doch nur so eine kleine Balkon-Session", erzählt Bitta, die Spezialistin für das filmische Wachhalten von Zauber.

"Was sollten wir denn von der Musik hier lernen? Ich will Freunde finden. Austausch passiert von Person zu Person, nicht von Musik zu Musik", will Hubert Achleitner alias von Goisern senegalesischen Pressevertretern versichern.

In Afrika, wo der Schritt langsamer, die Gegenwart länger und das Leben immer unberechenbarer wird, da will einer Freunde finden und gleichzeitig den straffen Reiseplan einhalten? "Es war Huberts Traum, dass wir herkommen. Und wie in einem Traum kann alles passieren", sagt Porto, den sein eigener Albtraum in Dakar fast schon wieder auf die Heimreise geschickt hatte: "Das war die Nebenwirkung dieser Malaria-Prophylaxe, dieses Lariam. Eine Depression. Ich hab es dann durch ein anders Medikament ersetzt."

In Huberts Traum aber tritt Oumou Sy, die Modeschöpferin. Nach einem weiteren Konzert in Dakar "ist sie hinter die Bühne gestürmt und mir um den Hals gefallen. Unglaublich, ich habe da eine Schwester gefunden", ließ sich Hubert überwältigen.

Hubert von Goisern und Oumou Sy

Hubert von Goisern und Oumou Sy

Obwohl die 49-Jährige Analphabetin ist, hat sie neben vielen sozialen Projekten als Erste das Internet nach Senegal gebracht. Längst ist die fünffache Mutter eine moralische Institution. "Wir sind da gestanden wie die Bauernbuam - und sie die Königin", waren die Österreicher ganz baff.

Balaphonspieler

Balaphon-Spieler

Die heiße Phase. "Zehn Stunden Wartezeit auf dem Airport in Dakar, der Flug nach Ouagadougou, Burkina Faso, dann acht zermürbende Stunden im Bus nach Bobo Dioulasso, danach die Anlage aufbauen und dann ein Konzert geben. In jedem anderen Zusammenhang wär' das unvorstellbar", ächzt Huberts Co-Produzent Wolfgang Spannberger. "Kein Schlaf, kaum Kraft, aber Kopfweh bei mindestens 35 Grad. Das bringt eine irre Dynamik", sinniert Bitta Tage später hinterm Objektiv. Schnelle Rhythmen, dazu Tänze - barfuß, exakt und kraftvoll - gleichen jede Anstrengung aus.

Ausflug ins Dorf Bouende, wo das nur 3000 Kopf starke Volk der Sembla seine Musiktradition hoch hält. Hier gilt das Prinzip der Schule. Das heißt: Wer Musiker werden will, muss als kleines Kind bei den Eltern in die Lehre. "Das bringt zum Teil irrsinnige Virtuosität", ist Keyboarder Burkhard Frauenlob für die Nacht auf dem Boden in der Sembla-Hütte entschädigt. Und Hubert, der lässt seinen Jodler auch in Bouende los. Diesmal gibt's kein Glucksen, dafür Lachen mit Schulterklopffunktion.

Irgendwo zwischen Erschöpfung und luzidem Wachtraum geben die Musiker in Ouagoudougou ihr krönendes Abschlusskonzert. Und schon quält ihre Begleiterin zum Afro-Abschied auch noch der Goiserer-Entzug. "Unsere neue CD kommt ja bald", beschwichtigt Spannberger. Sein Wort in Huberts Ohr.

Hubert von Goiserns Afrika-Tournee

Auftakt in Ägypten: 17.000 Zuhörer bejubeln Hubert von Goisern im Niltheater in Assiut. Sie haben ein gutes Konzert und die Premiere seines neuen Programms in der aktuellen Besetzung 2002 erlebt. Nach einer Woche Pause in Österreich fliegt die Formation nach Afrika.