Hubert von Goisern
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Paris - Texas - New York

ME Sounds 1994 | Text: Hubert von Goisern | Fotos: Karl Forster

Reisetagebuch eines Grenzgängers

Hubert von Goisern, erfolgreichster Vertreter der neuen Jodel-Rock-Welle, und seine Alpinkatzen erfüllten sich den Traum aller Musiker. Sie spielten in den Staaten - und ernteten begeisterten Applaus.

Hubert von Goisern

Montag, 14. März 1994

Streß in München. Auftritt bei Live aus dem Alabama, der erste in einer großen Stadt mit dem Programm der neuen Platte Omunduntn. Lief ziemlich gut. Anschließend die Verleihung der 4. Platinplatte aus Österreich. Ein guter Tag, ein guter Anfang eines vielleicht aberwitzigen Unternehmens.

Alpinkatzen

Dienstag, 15. März 1994

Abflug nach Paris. Alle sind gut drauf, aber auch ein bißchen aufgeregt. Wir spielen zum erstenmal außerhalb des deutschen Sprachraums auf einem Festival am Stadtrand von Paris. Telefonat mit daheim. Casino Salzburg hat, im Viertelfinalspiel um den Europacup, gewonnen.

Hubert von Goisern in ParisMittwoch, 16. März 1994

Flug über den Teich. Dann der Zusammenbruch. Wir waren 26 Stunden unterwegs, kamen bei 20 Grad im Schatten in San Antonio an. Waren um 4 Uhr morgens im Hotel, haben alles ausgepackt und dann erfahren, daß es keine Zimmer gibt. Falsch gebucht. Wir packen wieder zusammen, finden irgendwie 13 Betten. Bin total am Ende.

Donnerstag, 17. März 1994

Sightseeing in San Antonio. Grauenvoll- Komme mir vor wie ein Sonnnerfrischler im Salzkammergut oder auf dem Salzburger Domplatz. Das ist eine Art von Tourismus, auf die ich überhaupt nicht steh. Bin eher depressiv. Das fürchterliche Essen im Flugzeug liegt mir noch im Magen. Hab' aber villeicht auch zuviel getrunken.

Freitag. 18. März 1994

Flug nach Austin. Hier ist es auch nicht besser Alles ist so funktionell. so rational. Alles ist Fassade. Überhaupt: Mir fehlt die Heimeligkeit die Gemütlichkeit. Ich komme leider nicht raus aufs Land. Texas countryside. Das stell' ich mir schön vor.

Alpinkatzen

Samstag, 19. März 1994

Vor dem Auftritt bin ich fürchterlich aufgeregt. Beim "South by Southwest-Festival" spielen schließlich mehrere hundert Bands 25 oder 30 Bars, jede Stunde ist Wechsel. Unser Auftritt ist um Mitternacht. Das Musikalische Niveau ist irrsinnig hoch. Die spielen alle wie die Weltmeister und grooven wie die Hölle. Wir sind natürlich die Exoten. Aber es ist schön zu spüren. daß wir genauso grooven wie die. Die Organisation ist miserabel. Im Club ist eine wunderbare Atmosphäre, unheimlich dicht, nicht nur, weil da vierhundert Leute drin sind und draußen noch hundert warten. Uns hat's getaugt, den Leuten hat's getaugt, es war Klasse.

Hubert von Goisern in New YorkSonntag, 20. März 1994

Wir fliegen mit gutem Gefühl nach New York. Wir wissen: Es funktioniert. Ankunft am JFK. Wir sind hundemüde. Aber Du spürst sofort die Energie dieser Stadt, die Impulse. Diese Kraft ist förmlich in uns hineingefahren. Wir gehen um 1 Uhr nachts nach dem Einchecken im Hotel noch auf die Straße. Spazieren herum und kriegen den Mund nicht mehr zu, daß es sowas gibt. Ich hab mir New York so gefährlich vorgestellt, doch all die gemischen Gefühle sind verschwunden, wenn du siehst, wie nett die Menschen miteinander umgehen. Ich spüre eine tiefe Sympathie für diese Leute, weil sie es in so einer Stadt schaffen, immer noch gut drauf zu sein.

Montag, 21. März 1994

Nachmittags Besuch bei BMG Ariola im Bertelsmanngebäude, 42. Stock, bei Heinz Henn. Einem der drei Bosse. Singen ein Gstanzl mit Blick über Manhattan. Lassen uns erklären, wie das Geschäft funktioniert in der großen, weiten Welt. Erfahren aber nichts Neues. Eine der wichtigsten Erfahrungen von New York: Ich habe niemanden getroffen, der noch verrückter gewesen wäre, als wir es sind. Wir haben dann ein bißchen Straßenmusik gemacht mit den Kuhglocken. zusammen mit einem Saxophonisten am Times Square.

Dienstag, 22. März 1994

Rauf auf das World Trade Center. Oben auf dein Dach. das ist wie ein Flug über die Stadt. Wie auf dem Gipfel stehen, mir. daß dieser Gipfel von Menschen gemacht ist. Und darin haben wir in New York gespielt. In einem Club. "The Cooler". Ich war so etwas von hypernervös, weil ich nicht gewußt habe: Geht das in dieser Stadt. in der das Angebot so irrsinnig groß ist, in der jeder mit sich selbst beschäftigt ist, in der jeder zum Egozentriker werden muß, nur um zu überleben. Ja. Wir haben gespielt. Vor etwa 200 oder 300 Leuten. Hochmnotiviert, hochkonzentriert. Wir wollten es denen zeigen. Und haben das auch geschafft. Die Leute waren total drauf, waren in einer Euphonie, wie ich es mir niemals er träumt hab'.

Hubert von Goisern