Hubert von Goisern
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LINZ EUROPA HAFENFEST

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Schluss, aus, doch nicht vorbei

OÖN 7. Juli 2009 | Text: Bernhard Lichtenberger | Foto: Volker Weihbold

Das hat die Welt noch nicht gesehn, Linz schon: Hubert von Goiserns Traum erfüllte sich im Hafenfest. 

Hubert von Goisern

Seit Sonntagmitternacht eint 10.000 Menschen das innige Gefühl, bei Einzigartigem dabei gewesen zu sein: Hubert von Goiserns Traum des musikalischen Zusammenrückens erfüllte sich im Linz Europa Hafenfest.

Die swingenden Volxjazzer Stelzhamma, Willi Resetarits & Stubnblues, die peitschenden moldawischen Stimmungsmacher Zdob și Zdub sind sich der Leihgaben des Goiserer Kulturverbinders ebenso sicher wie Liedermacher Konstantin Wecker, der sich mit dem grandiosen Linzer Spring String Quartett zu fetzig-feinen Neuinterpretationen seines Schaffens hochschaukelt. Da geht Genug ist nie genug in Smoke on the water über, drängen sich kubanische und klassische Rhythmen in Wenn der Sommer nicht mehr weit ist. Die Goisern-Band gesellt sich dazu, treibt Lang mi net an an. Und dann, als Wecker ein junges Lied über die zärtlichste Liebeserklärung ankündigt, den befruchtenden Text des Dichters Fernando Pessoa liest und Hubert ganz behutsam einstimmt, versinkt das Publikum in stiller Hingabe.

Es stimmt alles an diesem Abend. Als der Gastgeber, ganz in Weiß, zur großen, verbindenden Session die Bühne betritt, zwängt sich die Sonne durch die satten Wolken und taucht ihn in strahlendes Gelb. "I hoff, dass des Durcheinaund a weng größer wird, durch die Reise", sagt der Musiknomade und lässt die wunderbaren Schiffsbegegnungen noch einmal zu. Mit Willi Resetarits pflegt er den Fön-Blues, mit Wecker und den hingerissenen Hafen-Pilgern wird ein vielstimmiges Wann i durchgeh durchs Tal gejodelt. Überraschend hat in letzter Minute Soul-Bruder Xavier Naidoo den Weg auf die Landzunge zwischen Donau und Hafenarm gefunden, um in Duetten mit dem Goiserer und mit BAP-Kölsch-Rocker Wolfgang Niedecken zu heulen und zu improvisieren.

Nach zwei Sommern auf dem Wasser und drei Tagen Hafenfest geht ein großes Kulturabenteuer mit dem Lied Schluss, Aus, Okay zu Ende. Vorbei geht es nicht.

Hubert von Goisern & Freunde: Live im Linzer Hafen - 5. Juli 2009

21. Juli 2009 | Fotos: © Sarah Marchant

Köpfezähler

OÖN 7. Juli 2009 | Text: Bernhard Lichtenberger

Hubert von Goisern beendet in Linz seine Tournee

Mit verbalen Spitzen hat man Hubert von Goisern für seine Linz Europa Tour auf den Wasserstraßen zwischen Ost und West gepiesackt. Der Häme begegnete er stets mit kernigen Worten: "Das ist der Neid. Und der Neid ist ein Hund." Der hat am vergangenen Wochenende wieder gebellt, nachdem in Linz die Köpfezähler am Werk gewesen waren: mehr als 50.000 bei den Ärzten im Stadion, 11.000 am Gratiswochenende im Schlossmuseum mit dem Südflügel, 10.000 beim dreitägigen Hafenfest.

Nur zehntausend. Nur? Was sagt die Zahl über das Besondere des Gewesenen aus? Nichts. Natürlich hätte sich niemand beschwert, wären mehr Menschen dem Ruf auf ein abgelegenes Gelände gefolgt, das mit der untergehenden Sonne über dem Pöstlingberg, den vorbeiziehenden Donauschiffen und einem aufgehenden Mond über der Industrie liebäugelte.

Wer dabei war, hat für sich etwas mitgenommen. Etwa die friedliche Stimmung einer 40plus-Generation, die sich hinter einem sanften Lächeln Werte bewahrt hat - ja, sollen sie uns doch Gutmenschen, Sozialromantiker, Woodstock-Altspatzen und Träumer nennen! Oder die musikalischen Begegnungen, die über Monate und Jahre gewachsen sind und so gar nichts mit der Abspul-Mechanik im üblichen Festival-Getriebe zu tun hatten. Und die Stimmen, die zu den Künstlern riefen: Danke!

Den Raunzern antworten wir mit einer Liedzeile Konstantin Weckers: Es geht ums Tun, nicht ums Siegen.

Linz Europa Hafenfest: 5. Juli 2009

Manfred Scheucher 6. Juli 2009 | Foto: © Manfred Scheucher

Hubert von Goisern & Freunde: Live im Linzer Hafen - 5. Juli 2009

19. Juli 2009 | Fotos: © Sarah Marchant

Linz Europa Hafenfest

Rundschau 6. Juli 2009 | Foto: Alex Davies/Linz09

Mehr als 10.000 pilgerten an drei Tagen zu den Konzerten am Linzer Hafen.
Gut 100 Künstler aus sechs Nationen feierten mit den Fans ein großes Fest.

Linz - Ein Hafen. Drei Tage. Über 100 Musiker aus sechs Nationen: Das Linz Europa Hafenfest erlebten an den drei Tagen mehr als 10.000 Besucher. Es war der abschließende Höhepunkt der Linz Europa Tour 2007 - 2009 mit Hubert von Goisern & Freunden.

Naidoo: "Linz, ich liebe dich!"

Am Sonntag begeisterte Überraschungsgast Xavier Naidoo das Publikum mit seiner spontanen Teilnahme am Festival und einer Liebeserklärung an die Kulturhauptstadt: "Linz, ich liebe dich!"

Erstmals war der Linzer Hafen Schauplatz eines Festes dieser Dimension. Das Publikum trotzte den mitunter fast tropischen Regengüssen. Zum Abschluss brachten Xavier Naidoo, Konstantin Wecker und Wolfgang Niedecken gemeinsam auf der Bühne die Fans zum Kochen.

Naidoo war Samstag Nacht spontan mit dem Wohnmobil angereist, um dabei sein zu können. "Die Linz Europa Tour war so ein großartiges Erlebnis in meinem Leben, und ich wollte beim Abschluss in Linz in jedem Fall mit dabei sein. Ich konnte es im Vorfeld nur nicht versprechen, bin aber froh, dass es sich doch noch ausgegangen ist", so Xavier Naidoo.

"Schluss, aus und vorbei"

Gastgeber Hubert von Goisern und seine Band rockte mit Wolfgang Niedecken mit BAP, Klaus Doldingers Passport, Loredana Groza, Haindling, Haydamaky, Karandila, Claudia Koreck, Philipp Poisel, Willi Resetarits & Stubnblues, Stelzhamma und das Dorfmusikantenquintett, Konstantin Wecker & Spring String Quartett und Zdob și Zdub den Hafen was das Zeug hielt und zelebrierten die farbenfrohe Vielfalt Europas.

Am Ende versammelten sich alle Musiker aus sechs verschiedenen Nationen nochmals auf der Bühne und sangen gemeinsam den Refrain des letzten Songs Schluss, aus und vorbei.

Hubert von Goisern und Klaus Doldinger

Xavier Naidoo auf Überraschungsbesuch am Linz09 Hafenfest

LT1 6. Juli 2009

Endstation einer langen Konzertreise

Der Standard 6. Juli 2009 | Text: Gerhard Dorfi

Das "Linz Europa Hafenfest" mit Hubert von Goisern und seinen Gästen

Linz - "In Linz beginnt's" lautet ein Spruch, und manchmal ist in der Landeshauptstadt auch Endstation. Etwa für Hubert von Goiserns "Linz Europa Tour Ost und West", bei der er samt Band auf einem umgebauten Frachtschiff 2007 zuerst die Donau abwärts zum Schwarzen Meer reiste, im Jahr darauf dann Richtung Nordsee.

12.000 Stromkilometer legte das Konzertunternehmen so zurück, im Zuge der Reise durch zwölf Länder wurden etwa 60 Gigs auf der Schiffsbühne gespielt. Konzerte, zu denen Hubert Achleitner (wie der Goiserer wirklich heißt) immer lokale Musikanten eingeladen hatte. Schließlich geht es dem einstigen Volksmusikerneuerer darum, Grenzen niederzureißen und neue Freundschaften zu schließen - ein Kulturaustausch im vereinten Europa, der für einen Vollblutmusikanten wie Hubert von Goisern neben dem inhärenten Spaßfaktor auch ästhetischen Mehrwert liefert - schließlich lebt seine Musik von Adaption und Inspiration durch "fremde" Sounds.

Dieses Wochenende lag der Musikdampfer im Linzer Heimathafen vor Anker, wo der letzte Akt der Reise, das dreitägige Linz Europa Hafenfest stattfand: Der Goiserer spielte samt Begleitband noch einmal mit ausgesuchten Gästen auf. Das Finale am Sonntagabend bestritt - neben Konstantin Wecker und Willi Resetarits - Xavier Naidoo als Überraschungsgast.

Leitmotive: Wasser und Straße

Den Auftakt hatte natürlich der Gastgeber selbst gemacht: Mit einem Jodler entert Hubert von Goisern die Bühne, die gut aufgelegte Begleitcombo spielt soliden Rock mit funkigen Elementen, bis im dritten Song mit Die Strass'n das Tempo gedrosselt wird. Neben dem "Wasser" ist die Straße, das Unterwegssein samt dem Ankommen, das zweite Leitmotiv.

Immer wieder packt der Goiserer die Quetschn aus, manchmal bläst er ins Flügelhorn. Etwa wenn er die Roma-Kapelle Karandila für eine gemeinsame Nummer auf die Bühne holt. Auch die bayerische Liedermacherin Claudia Koreck und der Münchner Fusion-Veteran Klaus Doldinger (mit seiner Band Passport) geben einen Vorgeschmack auf ihre Auftritte - es gilt das Prinzip Kooperation.

Das gut zehnköpfige Ensemble Karandila kommt aus der südostbulgarischern Stadt Sliven. Gründer ist Trompeter Angel Michailov Tichaliev, der in seinen abenteuerlichen Arrangements und Kompositionen nicht nur die bekannten Hochgeschwindigkeits-Hochzeitsklänge liefert, sondern auch überraschende Jazzphrasierungen. So entsteht ein polyphones Gebräu, das Swing, Bebop-Elemente, Klezmer und Mardi-Gras-Marschmusik zu einem ebenso intensiven wie rauen, auf- und abschwellenden Groove-Tsunami werden lässt.

Hubert von Goisern & Freunde: Live im Linzer Hafen - 4. Juli 2009

17. Juli 2009 | Fotos: © Sarah Marchant

Reger Konzertreigen und -regen auf der "Donauinsel light"

Neues Volksblatt 6. Juli 2009

Linz09-Hafenfest brachte gestern Stars wie Konstantin Wecker, Wolfgang Niedecken
und als Überraschungsgast: Xavier Naidoo

Hubert von Goisern und Willi Resetarits

Zwei Sommer lang war Goisern mit einer schwimmenden Konzertbühne als Linz09-Botschafter auf der Donau durch Europa geschippert. Beim Hafenfest präsentierte er die musikalischen Bekanntschaften, die er dabei gemacht hat. Mit an Bord: Claudia Koreck, die mit Hubert dessen Hit Weit, weit weg gab, oder der Ludwigsburger Philipp Poisel, dessen Entdeckung wir Herbert Grönemeyer verdanken.

Sechs Stunden Musik am Freitag, je achteinhalb am Samstag und Sonntag, moderiert vom Gastgeber in der für ihn typischen selbstironischen Goiserer Eloquenz, verlangten dem Publikum durchaus Kondition ab. Als musikalischer Iso-Drink erwiesen sich freitags die bulgarische Gypsy-Brass-Band Karandila und die Sängerin Anita Kristi, Samstagabend etwa die erdigen Kölsch-Rocker BAP. Sie heizten dem Publikum tüchtig ein - gerade rechtzeitig, als die ersten Augenlider schwer und die ersten Zehen kalt zu werden drohten.

Danach waren alle wieder moralisch gestärkt für Highlights wie Altmeister Klaus Doldinger, der am Freitag mit seiner Jazzformation Passport jüngeren Kollegen zeigte, wo der Bartl den Most holt. Spätestens mit seinem Welthit Das Boot - als Reminiszenz an Goiserns Schiffsreise - hatte er das Publikum in der Tasche. Als Zuckerl gab's ein witziges Vokal-Sax-Duett mit dem Gastgeber: Goisern.

Gestern wartete das Hafenfest dann mit einem Überraschungsgast auf: Der deutsche Sänger Xavier Naidoo war neben Hubert von Goisern, Willi Resetarits und BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken angekündigt.

Wecker: Bekenntnis und Liebeserklärung

An einem milden Sommerabend, vor entspanntem Publikum und in einer nun ziemlich vollen Arena. Zuvor legte der bayerische Liedermacher Konstantin Wecker ein Bekenntnis zu seiner "alten Liebe" ab, der An-, An- Anarchie, gefolgt von einer neuen Liebeserklärung an die Menschheit in Form eines Duetts mit von Goisern.

Mit der Veranstaltung testete Linz09 auch eine neue Konzert-Location, eine Landzunge im Hafen direkt an der Donau. Der Platz hat durchaus das Potenzial, sich zu einer "Donauinsel light" für Linz zu entwickeln. Auch die Verkehrslösung mit Shuttle-Bussen funktionierte gut.

Hubert von Goisern & Freunde: Live im Linzer Hafen - 4. Juli 2009

15. Juli 2009 | Fotos: © Sarah Marchant

Der Abschied am Fluss

Salzburger Nachrichten 6. Juli 2009 | Text: Bernhard Flieher | Foto: SN/APA

Hubert von Goisern beendet in Linz seine Tournee

Hubert von GoisernHubert von Goisern erinnert sich an schlichte, schöne Momente. Die wolle er behalten, jetzt, da es aus ist. Sie hätten "aus einer Schnapsidee ein erfüllendes Erlebnis" gemacht, sagte er zum Abschluss des Linz-Europa-Hafenfests am Wochenende in Linz.

Einen solchen Moment erlebte auch das Publikum, als am Samstagabend Klaus Doldingers Saxophon einsetzte. Das Instrument bewegte sich so behutsam wie die deutsche Jazzlegende selbst. Kurz bevor Doldinger mit der Band Hubert von Goiserns den Kohler spielt und diesen Jodler mit bedächtigen Tönen in erhabene Ferne führt, steht er am Ufer der Donau. Hinter der Bühne fließt sie vorbei. Vor der Bühne stehen zwei-, dreitausend Besucher. "Wo sich etwas bewegt, lassen sich bereichernde Momente finden", sagt der 73-Jährige mit Blick aufs Wasser.

Ein paar Meter weiter flussabwärts liegt die "MS Stadt Wien" vor Anker. Sie dient drei Tage lang als Backstagebereich. Zum letzten Mal ist die Goiserer-Truppe an Bord. Zuvor war das Schiff eine gute Woche lang Proberaum und Treffpunkt all der Künstler, die Hubert von Goisern zum Abschluss einer vier Jahre dauernden Herausforderung eingeladen hatte. Unter den 15 Solokünstlern und Bands waren Willi Resetarits, Konstantin Wecker, BAP, Haindling, die ukrainischen Folkrocker Haydamaky und ihr moldawisches Pendent Zdob și Zdub.

Das Linz-Europa-Hafenfest war ein Abschied in vielen Sprachen. Im Herbst 2005 hatten die Planungen begonnen. Als Botschafter der "Kulturhauptstadt Linz 09", die - mit dem Goiserer selbst und Red Bull - das etwa 4,5 Mill. Euro teure Abenteuer finanzierte, war der 56-jährige Goiserer zwei Sommer lang auf Donau, Rhein und Main unterwegs gewesen. In Linz waren an drei Tagen die meisten der Bands zu sehen, die auf der Fluss-Tour gespielt hatten. Xavier Naidoo reiste noch spontan an, um am Sonntag aufzutreten.

Beeindruckend wurde vor allem die Kooperation der Künstler, etwa Songs des Goiserer mit BAP, sein Zusammenspiel mit dem jungen deutschen Sänger Philipp Poisel, das Duett mit der Rumänin Loredana Groza und die kraftstrotzenden Einlagen mit Zdob și Zdub.

Reif für das Hafen-Woodstock

OÖN 6. Juli 2009 | Text: Lukas Luger und Bernhard Lichtenberger | Foto: Volker Weihbold

Mehr Happening als Konzertabfolge, mehr Fest als Festival. Hubert von Goiserns Linz Europa Hafenfest setzte als Finale seiner musikalischen Schiffsbegegnungen mit Ost und West ab Freitag einen Meilenstein im Sinne eines Hafen-Woodstocks.

Den Auftakt macht am Freitag der Gastgeber höchstpersönlich: Begleitet von exzellenten Musikern und drei stimmkräftigen Sängerinnen spannt Hubert von Goisern einen Bogen über sein Werk. Ein explosives Gemisch aus Volksmusik, Jazz, Dub und östlicher Folklore. Distanz unmöglich, man ist mittendrin, etwa bei Herschaun, für das er die Unterstützung des bulgarischen Gypsy-Brass-Ensembles Karandila holt.

Sentimentaler Favorit

Auftritt Philipp Poisel: Mit seinen poetischen Alltagsgeschichten, vorgetragen in sparsam arrangierten Akustiksongs, gelingt es dem 25-jährigen Sänger/Songwriter aus der schwäbischen Provinz, die Besucher tief zu berühren. Leise, zurückhaltend und völlig unpeinlich singt er von der Sehnsucht nach Zweisamkeit, der Freude und der Unmöglichkeit der Liebe. Der sentimentale Favorit des ersten Festival-Tages.

Claudia Koreck ist das Kontrastprogramm zu den introspektiven Liedern Philipp Poisels. Wie ein quietschfideler bayerischer Gummiball hüpft die 22-jährige Traunsteinerin über die Bühne. Die Lieder sind eine Mischung aus Softrock, etwas Blues und Soul. Höhepunkt: Das Liebeslied I mog die Dog widmet sie einem sichtlich verdutzten ORF-Kameramann.

Zwischen den Auftritten fungiert Gastgeber Hubert von Goisern als Conferencier und unterhält mit Anekdoten der mehrmonatigen Bootsfahrt als Linz09-Botschafter. Launig erzählt er von dem heftigen Unwetter, das kurz nach dem Ablegen beinahe die ganze Bühne auf dem Deck des Schiffes zerstörte. Seelenruhig schlafend "wie ein Ratz" habe er es geschafft, trotz Windböen und turbulentem Seegang das allgemeine Chaos an Bord einfach zu ignorieren.

Eine muntermachende Kombination aus New-Orleans-Jazz, Funk und Roma-Hochzeitsmusik bieten Karandila. Das Blechbläser-Orchester verkörpert reine Lebensfreude. Dass nicht jeder Ton perfekt sitzt - geschenkt. Gypsy-Musik in vergnüglicher Schräglage.

Musik trifft Publikum

Mit dem Auftritt der 73-jährigen Jazzlegende Klaus Doldinger (er komponierte unter anderem die Titelmusik des Filmklassikers Das Boot) schließt ein Abend, an dem vor allem eines im Mittelpunkt stand: die Musik. Auf der Hafenbühne in Linz ist kein Platz für Egoisten, es geht einzig um das gemeinsame Musizieren und den Austausch mit dem Publikum. Die musikalischen Paarungen der Musiker aus ganz Europa sind manchmal überraschend, aber trotzdem in jedem Moment spannend.

Zwischen Disco-Pop, Gypsy-Rock und Karpaten-Dance bewegt sich Loredana Groza, die den schwülen Samstagnachmittag mit feuriger Präsenz auflädt. Daheim genießt sie den Titel "rumänische Madonna", hier kleideten wir sie in das bodenständige "a wüde Federn", die sich des Gitarristen schon einmal als Go-Go-Stange bedient.

Bloßfüßige Begegnungen

Wie eine Druckwelle dringt der geradlinige Ska-Rock der ukrainischen Kombo Haydamaky mit fetzigem Akkordeon, reschen Bläsern und den "Wir sind alle gleich"-Parolen des Sangesspringinkerls Sascha in die Körper der Hörerschaft und bringt sie in Bewegung.

Dann ist wieder der bloßfüßige Goiserer mit seiner Edel-Truppe an der Reihe, der Janis Joplins Mercedes Benz in eine bluesige Dialektform gießt, mit Haut & Haar die Lust an der Lust steigert oder seinen alten Wildschütz-Rap ausgräbt. "Ja, singts eich ei", begegnet er Wunschzurufen, "owa den Rhythmus gib i vor."

Erneut nutzt er die Bühne für seine Kulturpaarungen mit Ost und West, lässt sich mit Loredana in ein schier endloses I bi an treiben, mischt Wolfgang Niedeckens Kölsch mit herzhaftem Salzkammerguatlerisch und tobt sich mit Haydamaky aus. Hier wird kein Festival abgespult, sondern ein Fest gefeiert.

Der kritisch-ironische Charme der formidabel musizierenden Bayern-Jazz-World-Pop-Kapelle Haindling umgarnte das reife Fan-Volk und trieb es sogar in ein allgemeines Walzer-Schunkeln, weil ein Spaß muss auch sein, wenn er mit einem weltverbessernden "Leit, hoits zsamm" verknüpft ist.

Die laue Nacht klingt mit den Kölsch-Rockern BAP aus, die Fußball, Leben, Dylan und Philosophie zu einem berauschenden Ganzen verknüpfen, das in ein herzhaftes Für immer jung-Duett von Wolfgang Niedecken und Hubert von Goisern mündet. Nimmt man die Inbrunst, die dazu Tausenden Kehlen entstieg, zum Maß, dann sprach dieses Stück einem wunderbaren Publikum aus der Seele, die noch immer den Geist von Woodstock birgt.

Loredana Groza & Hubert von Goisern

Mehr Fotos unter www.nachrichten.at

Xavier Naidoo Überraschungsgast bei Hubert von Goisern

Regionews 6. Juli 2009

Über 9.000 Besucher beim Multikulti-Fest

Musikerfreunde aus Ost und West: Mit einem Konzertschiff bereiste Hubert von Goisern zwei Jahre lang die Donau in beiden Richtungen, gab mit lokalen Gastbands Konzerte. Als Höhepunkt und Abschluss dieser Reise haben nun über 9.000 Besuchern an drei Konzerttagen eine geballte Ladung west-östlicher Top Acts gehört und erlebt.

Überraschungsgast Xavier Naidoo

Zum Finale gab es ein ganz besonderes Highlight: Neben Konstantin Wecker, Willi Resetarits, BAP, die bayerische Durchstarterin Claudia Koreck, Klaus Doldinger, Haindling sowie zahlreiche Künstler aus Osteuropa trat - wie bei der Linz Europa Tour West auch schon - der deutsche Sänger Xaiver Naidoo, der am Samstag spontan nach Linz gefahren ist, mit Hubert von Goisern auf und riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Hubert von Goisern

Mehr Fotos unter www.regionews.at

Hubert von Goisern & Freunde: Live im Linzer Hafen - 3. Juli 2009

12. Juli 2009 | Fotos: © Sarah Marchant

Hafenfest: Xavier Naidoo Überraschungsgast

Rundschau 5. Juli 2009 | Foto: Alex Davies/Linz09

Am letzten Tag des Festivals gibt es ein einzigartiges Konzert mit dem deutschen Superstar
und Gastgeber Hubert von Goisern

Linz - Das heutige Finale verspricht einige ganz besondere Highlights: Neben Konstantin Wecker und Willi Resetarits mit seinem Stubnblues wird, wie bei der Linz Europa Tour West auch schon, Xavier Naidoo mit Hubert von Goisern auftreten.

Gestern setzte er sich spontan ins Auto, um bei diesem einzigartigen Konzert dabei zu sein und die Emotionen der Schiffsreise wieder aufleben zu lassen. Am Nachmittag probte er für seinen Auftritt mit Hubert von Goisern und BAP-Sänger Wolfgang Niedecken.

Naidoo, Niedecken und Goisern

Hubert von Goisern & Freunde: Live im Linzer Hafen - 3. Juli 2009

10. Juli 2009 | Fotos: © Sarah Marchant

Kulturhauptstadt Linz09 im Romantikhafen

Die Presse 6. Juli 2009 | Text: Georgia Meinhart
Hubert von Goisern

Eine schöne Utopie: Zwei Sommer am Fluss, mit einem Schiff die Donau und andere Ströme Europas entlang, dabei Musik, die die Welt oder zumindest doch Europa verbindet. Hubert von Goisern hat diese Utopie gelebt, gefördert und promoted von Linz09 einerseits und Red Bull andererseits. Zwei Sommer lang, auf Flüssen schippernd, war er als Kulturhauptstadt-Botschafter zwischen Schwarzem Meer und Nordsee unterwegs.

Einige seiner musikalischen Partner auf dieser Reise kamen am vergangenen Wochenende auch zum dreitägigen Linz Europa Hafenfest, das als großes Finale der Reise angekündigt worden war und auch dem Selbstverwirklichungstrip auf dem Schiff - laut Goisern der größte Kraftaufwand, aber auch die größte Erfüllung seiner Karriere - ein Ende setzte.

"Unlängst in Schweden gewesen"

In der Goisern'schen Utopie hat alles Platz: Da steht am ersten Tag des Hafenfests mit dem deutschen Singer/Songwriter Philipp Poisel einer auf der Bühne, der seine Geschichten mit Sätzen wie: "Ich bin unlängst in Schweden unterwegs gewesen, da lernte ich einen Pastor kennen", beginnt. Er singt von der unerwiderten Liebe zur Pastorentochter, von der "Eisenbahn", die durch "unbekanntes Land" fährt, von wunderbaren Mädchen "mit sonnengelbem Haar". Die MS Stadt Wien, aktuelles Wohnschiff der Musiker, liegt dahinter vor Anker, der Ort des Fests, eine bis dahin als Modellflugplatz genutzte Landzunge im Hafen von Linz, im regenfeuchten Dunst dieses Sommers.

Später träumt die bulgarische Brass-Band Karandila vom menschlichen Sozialismus, Hubert von Goisern überbrückt die Wartezeit auf die nächste Band mit Erzählungen von der Idee der Begegnung durch die Musik, vom Leben auf dem Schiff, vom Regen, von den Behörden und davon, wie dann doch alles geklappt habe. Dann, als Saxofonist Klaus Doldinger seinen Hit Das Boot als Hommage auf Goiserns Schiffsreise spielt und mit diesem ein heiteres Vokal-Saxofon-Duo bildet, zählt die Polizei immerhin schon 1800 Gäste (die Veranstalter sagen, es seien 3000 gewesen).

Am Samstag ist von Beginn an immerhin ein Großteil der Ränge im Sitzbereich gefüllt. Die rumänische Pop-Prinzessin Loredana Groza, die ukrainischen Ska-Proleten von Haydamaky, die Kölner Altrocker von BAP, Haindling (bekannt durch Du Depp) und vor allem Hubert von Goisern verwirklichen ihren Traum von der Fusion der Stile, Rhythmen und Stimmen auf der Bühne. Jeder spielt ein bisschen mit jedem: BAP zum Beispiel mit Goisern (Rita), Loredana Groza improvisiert, man hört von Goisern ein Cover von Hasta siempre comandante Che Guevara, eine Mundartversion von Janis Joplins Mercedes Benz, aktuelle Nummern wie Haut und Haar, auch immer wieder alte Hadern wie Weit, weit weg. Am Sonntag sollten noch Xavier Naidoo, Stelzhamma, Willi Resetarits & Stubnblues oder Konstantin Wecker dazukommen.