Hubert von Goisern
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LINZ EUROPA TOUR 2007 - 2009

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"Zum Reden gehören immer zwei"

Der Standard 31. Juli 2007 | Text: Christian Schachinger

Im Rahmen des Projekts "Linz Europa Tour" für Linz 2009 machte Hubert von Goisern während seiner musikalischen Donauraumerkundung in der Ukraine Station

Hubert von GoisernUkraine - Auf die Frage, ob sich nach über einem Monat auf dem Schiff Vision und Wirklichkeit noch immer halbwegs decken würden, antwortet Hubert von Goisern auf der Fahrt zwischen den ukrainischen Spielorten Ismajil und Vilkovo nahe dem Donaudelta pragmatisch: "Genau so, ganz anders. Innen schmeckt es, wie ich es mir erträumt habe, nur die Kruste ist beim Kochen nicht so wie geplant geraten."

Ende Juni ist Goisern mit einem knapp 80 Meter langen, 350 Tonnen schweren Schiffsverband im niederösterreichischen Wallsee gestartet. Als Hauptprojekt der Kulturhauptstadt Linz 2009 will er im Rahmen einer Linz Europa Tour jetzt im Sommer 2007 die Donau Richtung Osten bis ins Delta und in einer zweiten Tranche 2008 die Wasserwege im Westen bis nach Amsterdam musikalisch erkunden. Und er versucht dabei mit seiner Band auf der Bühne des Schiffs vor allem auch, an den jeweiligen Haltestellen seiner Reise mit lokalen Musikern in den Dialog zu treten.

Während das Schiff bei drückender Hitze an heruntergekommenen Braunkohlehäfen und wild wucherndem Augebiet vorbeigleitet, erzählt Goisern von den bisherigen Eindrücken seiner Reise. Die gut 40-köpfige Besatzung (Schiffsleute, Goiserns Band, ein Filmteam, die Musiker der frisch dazu gestoßenen ukrainischen Band Haydamaky ...) versucht zur selben Zeit, sich im Schatten möglichst verhaltensunauffällig zu geben.

Nicht immer, so Goisern, habe das Zusammenspiel mit den Bands entlang der Donau so gut geklappt wie gestern vor 5000 restlos begeisterten Zuschauern im charmant desolaten Industrieort Ismaijl. Von Goisern schwärmt einerseits vom mehrtägigen Austausch mit der wilden Gypsy-Brassband Karandila in Bulgarien. Zuvor aber habe sich die Kommunikation mit den in Kroatien eingeladenen Künstlern als Katastrophe erwiesen. Auch aus organisatorischer Sicht.

Hubert von Goisern: "Zum Reden gehören immer zwei. Und wenn von der anderen Seite zu wenig Selbstvertrauen und deshalb zu wenig Bereitschaft herrscht, in den Dialog zu treten, muss man es lassen. Wir hatten es dort nur mit Desinteresse und Lethargie zu tun - die Musiker suchten dann auch die wildesten Ausreden, um, abgesehen von Soundcheck und Konzert, bloß nicht das Schiff betreten zu müssen, verweigerten das gemeinsame Musizieren. Und der lokale Veranstalter hatte weder die zugeschickten Plakate aufgehängt noch die Presse informiert."

Die grüne Kugel

Einige hundert Kilometer stromabwärts in Ismajil dagegen funktioniert alles ganz prächtig. Dort wurde von Goisern am Nachmittag vom Bürgermeister die, nun ja, grüne Kugel der Stadt überreicht und mit einer blumigen wie länglichen Rede begrüßt. Während dieser erfuhr man über die Vorzüge der dortigen Zellstoffwerke und die universelle Kraft der Musik.

Die aus dem benachbarten Moldawien kommenden, dank ihrer Teilnahme beim Eurovisions-Songcontest 2005 mittlerweile auch in der Ukraine und in Russland als Superstars geltenden Zdob și Zdub sorgten schließlich am späten Abend mit einem mitreißenden Konzert auch dafür, dass im Anschluss Hubert von Goiserns alpiner Rocksound vom Publikum zwar speziell während der Jodelpassagen etwas befremdet bis belustigt, aber dennoch dankbar aufgenommen wurde.

Die von Zdob și Zdub praktizierte Technik, regionale Volksmusikinstrumente, -melodien und -tänze mit Rock 'n' Roll, HipHop und bretterharten Metalgitarren kommerziell gefällig zu kombinieren und zusätzlich mit "im Osten" als Polka gedeutetem, heißgeliebtem Reggae und Ska aufzufrisieren, ist schließlich dem Ansatz des Hubert von Goisern nicht unähnlich.

Wie zum Abschluss ein gemeinsam vorgetragenes Hiatamadl zeigte, handelt es sich beim einst aus Amerika eingeflogenen Rock 'n' Roll, neben den Errungenschaften des aktuell in Form von Die Hard 4.0 auch in der Ukraine heftig plakatierten Hollywood-Kinos, um den mit Sicherheit größten aller Mittler zwischen fremden Kulturen.

Hier heftiges Jodeln, da wildes Kasatschok-Gebrüll: Die unterschiedlichen populären Ansätze in den regionalen Kulturen zwischen Bad Goisern und Odessa bilden hier, abgesehen von der Sprache, nur noch die zunehmend kleiner werdende Zuckerhaube einer möglicherweise in 20 Jahren gar nicht mehr unterscheidbaren musikalischen Ausdrucksweise außerhalb das Alte bewahrender Brauchtumsgruppen.

Auch Hubert von Goisern mag das ahnen. Immerhin hat er jahrelang sehr intensiv und mit erheblichem Einsatz von Eigenkapital daran gearbeitet, dass er diese Reise unternehmen kann. Vier Millionen Euro kostet dieses "möglicherweise letzte Abenteuer, das man in Europa bestehen kann". Ein Drittel davon steuerte die Stadt Linz im Rahmen der Kulturhauptstadt 2009 bei, ein Drittel kommt vom Hauptsponsor Red Bull, ein Drittel hat Goisern selbst aufgebracht. Er hofft auf die gelungene Vermarktung eines während dieser Reise produzierten Films mit anschließender DVD-Verwertung.

Tags darauf wird das Schiff im dank seiner winzigen, jetzt im Sommer ausgetrockneten Kanäle vollmundig als "Venedig des Ostens" bezeichneten Vilkovo von einer aus Odessa inklusive der dortigen Kulturbeauftragten angereisten Jugendtanzgruppe begrüßt. Dieser überreicht Goisern im Rahmen eines schulischen Austauschprojekts einen aus Wien mitgebrachten Medienkoffer. Freundschaft der Völker, Musik ist die größte Kraft. Europa muss zusammenwachsen. Gute Sache. Und so weiter.

Am Ende der Leiter

Kurz zuvor gab Sascha, der auf der Bühne martialische und privat melancholische Sänger der in der Ukraine beliebten Rockband Haydamaky, zu Protokoll, dass sich die Ukraine gemeinsam mit Portugal am unteren Ende der europäischen Hühnerleiter befinde. Pech, wer hier leben muss. Auch hier muss noch viel Wasser die Donau hinunterfließen, damit zusammenwächst, was bis heute nicht zusammen kann.

Der ganze Ort ist dann beim gemeinsamen Konzert von Haydamaky und Hubert von Goisern draußen am Hafen bis tief in die Nacht auf den Beinen. Man lauscht den über das Wasser getragenen Jodlern als Nachrichten aus einer zukünftigen, hoffentlich besseren Welt. Hubert von Goisern jedenfalls hat an diesem Tag kein Heimweh nach dem Altbekannten: "Nein, die Berge daheim fehlen mir nicht. Die Berge sind da. Die hat es während der letzten Jahrtausende hier im Donaudelta ja eh alle angeschwemmt."

"Eines der letzten großen Abenteuer"

Kurier 30. Juli 2007 | Text & Fotos: Werner Rosenberger

Hubert von Goisern auf Linz Europa Tour

Hubert von GoisernDas Flugzeug ist jünger als ich selber. Und viel besser in Schuss. Die Kolbenmotoren der vier-propellerigen DC 6, Baujahr 1958, Oldtimer-Kronjuwel der Luftflotte von Softdrink-Hersteller Red Bull, tragen uns über den großen Friedhof zur Landebahn von Odessa.

Während der vierstündigen Bus-Fahrt ins hinterste Winkerl im Donaudelta sieht die Landschaft der Ukraine ein bisschen aus wie Ungarn in den 1960er-Jahren. Ohne Balaton. Aber dafür mit Hubert von Goisern.

Der ist auf der Linz Europa Tour 2007 - ein Programmpunkt des Kulturhauptstadtjahres - jetzt am Schwarzen Meer angekommen. Der Alpenrocker erfüllte sich, was für ihn "vor zwei Jahren noch ein ganz entfernter Traum" war: Die Donau hinunterzufahren, mit einem Schiff voller Musik.

Abenteuer

Die Europa-Fluss-Tour sei das weitaus Spannendste, was er je gemacht habe, sagt von Goisern. Die musikalische abwechslungsreiche Reise auf dem Wasser "ist vielleicht eines der letzten wirklich großen Abenteuer auf diesem Kontinent". "So anspruchsvoll und intensiv wie nichts vorher in 20 Berufsjahren", bestätigt Lichttechniker Hans Duchan.

Für das mit vier Mio. Euro budgetierte Mammut-Unternehmen wurde ein ehemaliger Frachter, 77 Meter lang, mit hydraulisch hochfahrbarer Bühne samt Licht- und Tonanlage, eigener Stromversorgung und zwei LED-Wänden ausgestattet. Außerdem an Bord: Küche, Lager und Wohncontainer. Und auf Deck am Wohnschiff thront eine weiße Badewanne gleich neben der Satellitenschüssel.

Über den Zwiebeltürmen des Kirchleins neben dem Hafen von Ismail geht langsam die Sonne unter, im Hafen warten schon Tausende Besucher gespannt, während an Deck auf dem "Showboat" an der Kai-Mauer noch der Sound-Check zur musikalischen Ost-Erweiterung abläuft.

Wucht

HaydamakyDas explosive Gebräu der ukrainischen Band Haydamaky wurzelt dann im Folk, mit Anleihen bei Punk und Reggae. Nicht weniger fulminant Zdob și Zdub aus Moldawien, ehe nach Mitternacht Hubert von Goisern die Bühne entert und mit seiner neuen Band mit der vollen Wucht des Rock auf die Polka rappt und dann Jodler zu Hymnen steigert.

Das hat's noch nie gegeben. Nein, so was hat man hier, wo Europa am äußersten Rand ausfranst, noch nie erlebt. Duchan: "Und die Leute sind unglaublich dankbar." Tatsächlich: In Vilkovo, dem letzten Städtchen vor der Donau-Mündung, liebevoll übertrieben auch "Venedig des Ostens" genannt, wirkt das Konzert auf die Einheimischen wie die Landung von Außerirdischen.

Dass die Region im Lauf ihrer Geschichte abwechselnd zu Russland, zur Türkei und auch zu Rumänien gehörte, spiegelt sich in der Architektur wider. Und in der Musik.

Zdob și ZdubUnd dass die als verbindendes Element jenseits von stereotyper Folklore und unterschiedlicher kultureller Prägung nicht nur in der Theorie funktioniert, beweist von Goisern sich, den Gästen und den oft zum Tanzen aufgelegten Zuhörern an zwei Dutzend Konzert-Stationen am Donauufer.

"Musik dient der Freundschaft der Völker." Die Übersetzerin bringt die Botschaft ins vor Ort Verständliche. "Wenn Freundschaften entstehen und wachsen, so wie ein ins Wasser geworfener Stein Wellen aussendet, dann wird dieser Kontinent auch zusammenwachsen."

Begegnungen der Goisern-Art

OÖN 30. Juli 2007 | Text: Bernhard Lichtenberger | Foto: Rainer Kwiotek/Zeitenspiegel

Hubert von Goisern und Zdob și ZdubHalbzeit in der ersten Etappe von Hubert von Goiserns Linz Europa Tour - die OÖN haben den musikalischen Botschafter der Kulturhauptstadt 2009 bei seinen Begegnungen im ukrainischen Donaudelta besucht.

Begegnungen bedeuten oft Mühsal. Dreieinhalb Stunden rumpelt der Bus von der Schwarzmeermetropole Odessa auf einem brüchigen, holprigen Asphaltband durch flache Gegend, vorbei an Straßendörfern. Auf dem staubigen Bankett hocken Bauernfamilien, bieten aus Steigen und Kisten Paradeiser, Gurken, Melonen an - alles, was der Boden hergibt.

37 Tage, nachdem sich der 350 Tonnen schwere Schiffskörper mit dem alten Flößerspruch "Lasst aus, in Gottes Namen!" aus der Brandner-Werft in Wallsee gelöst hat, ankert der 76,5 Meter lange, schwimmende Riese vor dem Hafengebäude in Ismajil.

Feldherrn und Volksmusik

Der Bürgermeister liest bei einer Pressekonferenz vom Zettel, redet vom "Stolz, dass unsere Stadt mit weltberühmten Feldherren verbunden ist" und rühmt die Zellstoffindustrie. Schließlich kommt er zur "universellen Sprache der Musik", die es dort braucht, "wo Politiker keine gemeinsame Sprache finden". Und dem "Herrn Goisern" drückt das Stadtoberhaupt die Dankbarkeit aus "für die Verbreitung der Volksmusik und die Verfestigung der Freundschaft europäischer Länder".

Begegnungen passieren. Während der Sonnenball rot im Wasser verglüht, strömen etwa 5000 Menschen ans Ufer, vornehmlich, um ihre Bands zu sehen und zu hören. Die ukrainische Kombo Haydamaky flötet im Reggae, quetscht ein Ska-Akkordeon, trommelt ein Hackbrett. Sänger Sascha gefällt Huberts Ansatz, die europäische Vielfalt als Einheit zu leben. "Seine Musik", sagt er, "enthält Gutes, nämlich die Liebe zur Heimat".

Der charismatische Roman führt Zdob și Zdub aus Moldawien an, ein Stimmungsmacher, aufwühlend, einpeitschend, Partyrock. Mit dem Kulturverbinder aus Goisern treiben sie ein fetziges Hiatamadl ans Gestade. Auch wenn sich die Reihen später lichten, den Gstanzlvers "In Palästina schiaßns a scho wieda, i hoit des nimma aus und sauf mi nieda" hier keiner versteht - die Menschen tanzen ausgelassen, jubeln, werden bei den leisen Tönen zwischenmenschlich "eiwendi".

Hier ist die Idee der Linz Europa Tour aufgegangen - den Menschen Musik zu schenken, Freundschaften zu schließen, Grenzen im Kopf niederzureißen.

Zaghafte Begegnungen können scheitern. In Kroatien erschüttert Hubert das Desinteresse und die Lethargie, die Tamara Obrovac und ihre Musiker umhüllt. Sie suchen krude Ausreden, um nicht an Bord gehen zu müssen. Nach dem Konzert hockt man sich dennoch am "Dorfplatz" auf der Barge zusammen, "aber die haben sich nur unter sich unterhalten". Da nützte es nichts, die burgenländisch-kroatischen Lieder von Willi Resetarits anzustimmen. "Bitte, nur keine Tonalitäten", verwehrten sich die Gäste.

Fremde Berührung

Im beschaulichen ukrainischen Vilkovo löst das Anlegen der Musikdampfers hingegen eine familiäre Völkerwanderung aus. Am Nachmittag rückt ein Bus aus Odessa mit der Kulturbeauftragten an, die den Linz-Botschafter mit der folkloristischen Vorführung einer Jugendgruppe willkommen heißt. Eine dralle Frau wiegt ihren schweren Körper im Rhythmus, auf kleinen Motorschinakeln geben sich Menschen den fremden Klängen hin, die sie doch berühren.

Am frühen Samstagmorgen schiebt die 750 PS starke "MS Wallsee" Bühnen-, Wohn- und Aufenthaltsschiff in die Mitte des Stromes, um die Konzertreise donauaufwärts fortzusetzen, deren erste Etappe am 1. September in Linz konzertant endet. Eine Begegnung, auf die man sich einlassen soll.

Hubert von Goisern: "Innen schmeckt es so wie erträumt"

OÖN 30. Juli 2007 | Text: Bernhard Lichtenberger | Foto: Rainer Kwiotek/Zeitenspiegel

In einer schattigen Ecke auf dem Schiffsverbund, auf der Donaufahrt zwischen Ismajil und Vilkovo, sprachen die OÖN mit Hubert von Goisern.

KonzertschiffWie läuft es bisher mit den Gruppen?

Die Kroaten waren, sowohl von den Künstlern wie von der Organisation, eine Katastrophe. Da gibt es so wenig Selbstvertrauen. Für eine Begegnung muss man sich selbst sicher fühlen. Ich glaube, das ist eine Sache des Traumas, und ich werfe ihnen das überhaupt nicht vor. Da hätten wir mehr Zeit gebraucht. Aber schön langsam gewinnen wir Vertrauen in unsere Fähigkeiten, dass wir da durchdringen.

Haben eingeladene Musiker auf die tibetischen Gebetsfahnen reagiert, die den "Dorfplatz" auf dem Schiff schmücken?

Einer von der ukrainischen Band Haydamaky hat mir gesagt, dass er Buddhist ist. Er wollte wissen, welcher Linie ich angehöre. Ich hab' ihm gesagt, gar keiner, ich bin noch immer ein Moskitotöter.

Wie geht es Ihnen damit, dass die regionalen Bands für das Publikum der eigentliche Hauptakt sind?

Mit dem Alter kommt eine Art Weisheit daher, dass man sich in solchen Situationen wirklich zurücknehmen muss. Wir sind Gastgeber und geben den anderen alles, was wir haben. Würden wir als die Wichtigsten und Besten auftreten, tät's überhaupt nicht.

Über die Sprache ist mit dem Publikum nicht zu kommunizieren...

Das ist echt fürchterlich, eine Prüfung, dass ich nicht mit den Leuten reden kann. Da muss man wirklich mit der Musik auskommen.

Mit einer Frage wird man zu Hause häufig konfrontiert: Was hat das Ganze mit Linz zu tun?

Die sollen nachdenken, sich hineinmeditieren und nicht dauernd Antworten verlangen. Wenn man sich das nicht vorstellen kann, nützt es auch nichts, wenn man es ihnen erklärt. Das ist der Neid, und der Neid ist ein Hund.

Grenzen drosseln die Kultur

Info-Prim Neo 28. Juli 2007

Interview mit dem Österreichischen Musiker Hubert von Goisern und Zdob și Zdub's Bandleader Roman Iagupov

Roman Iagupov und Hubert von Goisern

Der österreichische Musiker Hubert von Goisern ist der Initiator des Linz Europa Tour 2007-2009 - Projektes, das das Ziel verfolgt, Musiker aus verschiedenen Ländern entlang der Donau zusammenzubringen. Die Künstler besteigen ein Schiff, auf dem sie Schulter an Schulter leben und schaffen; von Zeit zu Zeit gehen sie in einem von 20 Häfen entlang der Donau vor Anker, verwandeln das Schiff in eine mit hochentwickeltem Soundsystem, Licht und Monitoren ausgestattete Bühne und beginnen die Show.

Sie erreichten den Hafen von Ismaijl am 26. Juli. Das Konzert gemeinsam mit den berühmten Zdubs wurde auch von Info-Prim Neo's Reporter besucht.

Es erfordert viel Mut, ein solches Projekt zu starten. Wie haben Sie sich dafür entschieden, so viel Verantwortung zu übernehmen?

Hubert von Goisern: Das Projekt ist ein alter Traum von mir, und niemand glaubte am Anfang an seinen Erfolg. Ich habe viel gearbeitet, und jetzt sehe ich es wahr werden.

Wir sind an Bord des Schiffs gegangen und haben die Segel stromabwärts der Donau gesetzt. Das hauptsächliche Ziel unseres Projektes ist, Musiker aus verschiedenen Ländern und Kulturen zu treffen, um den gewünschten Erfahrungsaustausch möglich zu machen. Wir haben unsere Reise am 22. Juni in Wien begonnen und seitdem unter anderem in Melk und Passau, Orsova, Braila und Galati (Rumänien) geankert, in einigen Städten entlang der Donau in Bulgarien, und dann werden wir nach Rumänien zurückkehren - Tulcea und Sulina. Die nächsten auf der Liste sind Budapest, Belgrad, Novi Sad und Bratislava. Beenden werden wir diesen Sommer mit einem Konzert in Linz (Österreich). Im nächsten Sommer werden wir die Segel für die Städte stromaufwärts von Linz ausgehend setzen, bis wir die Nordsee erreichen. Das komplette Projekt wird 2009 mit einer riesigen Show in Linz, der Kulturhauptstadt Europas, enden, wo alle Bands, die am Projekt beteiligt waren, zusammengebracht werden. Auf diese Weise wollen wir die kulturelle Partnerschaft der Regionen entlang des 2889 Kilometer langen Flusses nach Osten erweitern. Musik ist immer ein vereinendes Element gewesen, das keine Grenzen kennt, und kulturelle Verbindungen können zu einem besseren Verständnis zwischen Menschen beitragen.

Roman Iagupov: Die Musik hat Hubert befreit, und er teilt nun seine Freiheit mit anderen Menschen. Wir haben uns sehr stark gegenseitig beeinflusst. Wir hatten gemeinsame Proben und haben sogar gemeinsam gespielt. Für uns ist die Donau ein Naturphänomen, das weder von der Zivilisation beeinträchtigt werden sollte, noch Grenzen entlang seines Laufes haben sollte. Die Donau muss frei sein. Musik ist eine Sprache, die jeder verstehen kann, egal woher er kommt. Musik sollte ohne Visa und ohne Grenzen reisen und nicht von Stacheldraht aufgehalten werden. Ich habe genug von Grenzen, davon, erklären zu müssen, wer ich bin, wohin ich gehe, für wen ich singen möchte; ich habe genug von Stempeln in meinem Pass und von allem, was die Freiheit von Menschen eingrenzt.

Hubert von Goisern: Die Art, wie Europa lebt, und seine Versuche, sich zu vereinen, sind sehr wichtig, spannend und sogar unterhaltsam. Doch im Vergleich zu den USA ist Europa ethnisch und kulturell vielfältiger und hat mehr Traditionen. Deswegen ist es offenkundig, dass jedes Land in seinem Streben nach Vereinigung seine eigene Kultur behalten muss. Niemand hat das Recht, seine Prinzipien, Traditionen und Menschenwürde zu veräußern. Die Kultur muss Frieden zwischen den Menschen erhalten. Die Fähigkeit, diese musikalische Vielfalt zu akzeptieren, wäre eine große Errungenschaft.

Hat vorher schon jemand versucht, ein ähnliches Projekt umzusetzen?

Hubert von Goisern: Während der letzten 10 Jahre gab es 15 Versuche, ein solches Vorhaben umzusetzen, es ist aber nicht einfach, ein so großes Projekt zu realisieren. Anscheinend hatte ich großes Glück, mit diesem Pan weitermachen zu können. In den 60ern und 70ern gab es ein ähnliches Projekt, es war aber nicht so bedeutend und hatte einen anderen Vorsatz.

Wie haben Sie die Bands, die in den Konzerten spielen, ausgewählt?

Hubert von Goisern: Wir sind zwei Rechercheschritte gegangen, um die Bands auszuwählen. Zuerst haben wir die Bands ausgewählt, die mir am besten gefallen haben, die die gleichen Vibes haben wie ich. Ich habe die Auswahl nicht auf Logik oder Strategie gestützt, Ich bin nur meinem Herzen gefolgt. Es war wichtig, gut zu kommunizieren, um in der Zukunft zusammenarbeiten zu können. Ein weiteres Kriterium war, dass die Band von einem Ort entlang der Route unseres Schiffes kommt.

Wie haben Sie die Menschen an den Orten, an die Sie gekommen sind, aufgenommen?

Hubert von Goisern: Oh, ich habe sehr gute Eindrücke bekommen. Dieses Ereignis war den Aufwand wert, auch wenn es einige Städte gab, die mich nicht sehr beeindruckt haben und an die ich mich nicht erinnern möchte. Alles läuft sehr gut und ich bin froh, mich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben.

Was hat sie an diesem Projekt angezogen?

Roman Iagupov: Das Projekt für sich ist phänomenal. Ich denke, es gibt och viel Raum für Verbesserungen im osteuropäischen Showbusiness. Es gibt nicht sehr viele wertvolle Darbietungen, die in Moldavien, der Ukraine oder Rumänien produziert werden. Die besten Shows passieren im Rest von Europa. Obwohl es einige Konzerte ähnlich wie dieses in der Gegend gibt, sind sie meistens von kommerzieller Seite her populär. Huberts Projekt hat mir das Gefühl gegeben, ein Musiker zu sein, der künstlerisch mit anderen wertvollen Musikern kommunizieren kann, der sein künstlerisches Potential innerhalb bedeutender kultureller Projekte ausführen kann. So findet Erfahrungsaustausch statt; so können wir den Geist der Freiheit, den Geist Europas und den Geist einer Hochkultur fühlen. Und das ist das Wichtigste. In mechanischen Konzerten mitzuwirken, bei denen man nichts lernen kann und bei denen man keine spirituelle Befriedigung oder künstlerische Erfüllung erfährt, langweilt mich. Wir haben unsere Zusammenarbeit gerade erst begonnen. Wir planen, einige gemeinsame Songs aufzunehmen und einen Videoclip, den wir denen hinterlassen können, die nach uns kommen. Eine moderne Kombination aus österreichischer und rumänischer Volksmusik könnte ein sehr interessantes Ergebnis haben. Wir werden etwas erreichen, was bislang nicht mal Politiker bekommen konnten.

An was arbeiten Sie außer an den Konzerten für die "Linz Europa Tour 2007-2009"?

Roman Iagupov: Derzeit spielen wir sehr viele Konzerte, die meisten Open Air. Nächste Woche werden wir zum B'ESTIVAL nach Rumänien fahren. Wir spielen auch Konzerte in der Ukraine, Russland, Rumänien und wir beginnen bald unsere Deutschlandtour. Wir reisen die ganzen Zeit. Wir hätten gerne eine Pause, um in unserem Studio ein paar neue Songs aufzunehmen, aber unser Tourplan ist sehr voll und wir haben momentan keine Zeit dafür. Wir hoffen, wenigstens den Song, den wir mit Hubert von Goisern geschrieben haben, aufnehmen zu können. .

Das war eine sehr beeindruckende Zusammenarbeit. Wie lange haben Sie an dem Song gearbeitet?

Roman Iagupov: Hubert hat im März 5 Tage mit uns verbracht, da hat alles begonnen, Wir hatten auch ein paar Proben vor den Konzerten. Alles hat so gut funktioniert weil wir alles geplant hatten.

Tatsächlich haben die Zdubs einige Songs gemeinsam mit Hubert gespielt. Dabei waren Miorita (ein Song aus dem Repertoire der Band), ein Song der Osoianu Sisters, der von den Sängerinnen in Hubert von Goisern's Band vorgetragen wurde und einer aus dem Repertoire der österreichischen Band.

Sind Sie es nicht Leid, so viel zu reisen? Haben Sie nicht schon genug von der Tour?

Hubert von Goisern: Nein, ich bin es nicht leid. Menschen und Musik geben uns so viel Energie, dass wir keine Zeit haben, der Sache überdrüssig zu werden. Es ist gut, resonant zu sein; ansonsten könnten die Menschen denken, dass man keinen Spaß an dem hat, was man macht. An verschiedenen Orten haben Menschen verschiedene Mentalitäten und reagieren unterschiedlich. Ich bin glücklich, dass ich mit diesen Musikern schon seit sechs Wochen zusammen bin, dass wir auf der Donau reisen und dass das eine Art reinigender Energie hat. Die Donau verjagt die bösen Geister und erhält unsere gute Laune.

Roman Iagupov: Hier habe ich verstanden, dass Liebe und Freiheit keine Mythen sind, dass sie wirkliche existieren. Hubert hat eine einzigartige Philosophie, und je mehr ich mit ihm spreche, umso mehr verstehe ich diese Wahrheiten. Das Leben ist nicht nur schwierig, mit vielen Problemen; ich habe auch die schöne Seite des Lebens gesehen. Das Zusammenspiel mit Hubert war eine sehr gute Erfahrung für mich.

Hubert von Goisern: Live in Ismail - 26. Juli 2007

www.moldova.net 27. Juli 2007
Hubert von Goisern und Zdob și Zdub

Hubert von Goisern: Live in Ruse - 18. Juli 2007

www.ruse-news.com 19. Juli 2007
Hubert von Goisern und Band

Verärgerter Hubert von Goisern

Der Standard 23. Juli 2007 | Text: kl

Silistra - Hubert von Goisern hat sich auf seiner Donau-Tournee mit einer schwimmenden Bühne in der bulgarischen Kleinstadt Silistra mit der lokalen "Macht" angelegt. Sein Schiff lag vor dem Luxushotel Drustar. Mit dem Hotelbesitzer Stefan Rajtschew war ausgemacht, dass für das Konzert die Tische des Restaurants weggebracht werden, um Platz für Zuschauer zu schaffen. Der Hotelboss, dem fast ganz Silistra gehört, reservierte jedoch die Tische für geladene Gäste. Das ließ sich von Goisern nicht bieten. Das Bühnenschiff wurde 300 Meter flussaufwärts gefahren, wo das Konzert vor einer begeisterten Menschenmenge sozusagen zum Jodler gegen die "Mafia" geriet. Von Goiserns Linz Europa Tour führt in 22 Konzerten bis ins Donau-Delta und endet am 1. September in Linz.

Hubert von Goisern: Live in Osijek - 8. Juli 2007

www.osijek031.com 9. Juli 2007
Hubert von Goisern und Band mit Tamara Obrovac

HvG & Band mit Tamara Obrovac | Mehr Fotos unter www.osijek031.com

Behutsam sich den Ufern nähern

Salzburger Nachrichten 12. Juli 2007 | Text: Bernhard Flieher | Foto: Jonas Steckel

Der Schiffsverband ist mächtig. Die Idee braucht Behutsamkeit. Reportage über die ersten Ost-Konzerte auf der Linz-Donau-Tour von Hubert von Goisern. Bernhard Flieher berichtet aus Vukovar.

Hubert von GoisernDie Annäherung passiert allmählich. Behutsam muss das gehen. Keine übertriebenen Aktionen, keine Hektik, die der ohnehin vorhandenen Anspannung ihre positive Kraft nehmen könnte. Wo Neuland betreten wird, muss das Terrain vorsichtig ausgelotet werden. Kapitän Peter landet den Schiffsverband in Vukovar an einer steilen Uferpromenade. Das Publikum wird am Abend im Schlosspark sitzen, inmitten zerschossener Gebäude. Hier gibt es erst seit vergangenem Jahr wieder eine Fähre, die Kroatien mit Serbien verbindet. Gut 15 Jahre lang war die Donau nach dem Ende Jugoslawiens und dem Krieg eine sich mächtig wälzende, Länder trennende Gewalt.

Osijek: Der Anfang nach dem Sturm

Hubert von Goisern bewegt sich entlang dieser Grenze Richtung Osten: "Linz-Europa-Tour 2007-2009" heißt das Riesen-Unternehmen. Der Schiffsverband - knapp 110 Meter lang bestehend aus Schub- und Wohnschiff und einer Barke, auf der rund 60 Tonnen Bühne, technisches Material, Küche, Lager und zusätzliche Wohncontainer untergebracht sind - bewegt sich heuer in den Osten, 2008 in den Westen. In jeweils drei Monaten werden je gut zwei Dutzend Konzerte mit wechselnden lokalen Musikern gespielt. 2009 legt die Schiffsbühne in Linz an, zu einem Abschlussfestival im Rahmen von "Linz 2009 - Europäische Kulturhauptstadt".

Der Weg der Tour entlang der Donau führt von der Gegenwart in die Vergangenheit, von hoch entwickelten Industrieländern in strukturschwache, ländliche Hoffnungsgebiete. Osijek, 130.000 Einwohner, hat den Anschluss schon gefunden. Als letzte Zeugen von Straßenkämpfen während des Kroatienkriegs blieben einige Einschusslöcher in der Mauer eines festungsartigen Gebäudes. Vom Strandbad Copa Cabana auf der anderen Flussseite sind sie gut zu erkennen. 15 Kilometer von hier weg hat die Drau noch Eigenleben. Dann wird sie von der Donau geschluckt. Sonntagnachmittag, 36 Grad, Osijek geht baden. Stufenförmig fällt die Böschung vom Bad zum Fluss ab, wo der Goisern-Schiffsverband vor Anker liegt und erstaunte Blicke auf sich zieht. Die Bühne hat Festivalgröße. Sie wird aus dem Bauch des Transportschiffs nach oben gefahren für jeden Auftritt. In Osijek wird das erste Konzert im Osten gespielt. Nicht nur deshalb steht ein Härtetest bevor. Erstmals kommt das gesamte für die Tour entworfene Equipment zum Einsatz. Alle schwitzen - nicht nur der Hitze wegen. Die Technikcrew schwitzt am meisten - und das seit Tagen. Es ist ein Schweiß aus Ärger und Arbeit.

Rückblick flussaufwärts: Der Sturm kommt

Wien, Melk, Regensburg und Passau waren die ersten Stationen. Gewohntes Terrain war das. Das kann der Promotion ebenso dienen wie dem Finden einer Sicherheit im Zusammenspiel aller Kräfte. Die Bühne war erst kurz vor dem ersten Auftritt fertig geworden. Erstmals aufgebaut wird sie Ende Juni für das Donauinsel-Konzert. Zwei Stunden vor Showbeginn kommt der Sturm. Alles hin. Erst perfektes Funktionieren der Kombination "Schiff-Anlage" aber lässt auf einer solchen Tour jenen Freiraum zu, in dem menschliche und künstlerische Annäherungen stattfinden können.

In den vorigen eineinhalb Jahren reiste Hubert von Goisern zwecks Entdeckung, vor allem aber zwecks Organisation immer wieder in die Donauländer. Es müssen Grenzen überwunden werden, dafür brauchen Zoll, Polizei oder Hafenbehörden immer wieder Papiere - der Goiserer braucht Geduld. Der Aufwand hört an Bord nicht auf. Und schließlich hängt man auch von der Unberechenbarkeit des Wassers ab. Loslassen. Kennenlernen. Schöne Ideen. Aber wie soll das funktionieren, wenn das Schiff eine Werkstatt ist und die grundsätzliche Idee, mit Musik Begegnungen zu Stande zu bringen über alle Grenzen hinweg, in den Hintergrund rückt?

Ab Osijek zählt es. Und Osijek gibt Hoffnung. Alles funktioniert. Tamara Obrovac, poetische Jazzerin aus Slowenien, eröffnet den Abend und singt bei zwei Songs des Goiserers mit. Der Weg in die Vergangenheit, den diese Reise darstellt beim Blick auf die angesteuerten Länder, liegt auch der Reise zu Grunde.

Die Idee zu so einer Tour auf dem Wasser hatte der Goiserer in Afrika am Tanganjika-See. Das war in den 90er Jahren, kurz nach der Auflösung der Alpinkatzen, mit denen er berühmt geworden war. Nun hat er eine neue Band, die in Osijek so kraftstrotzend spielt wie einst die Alpinkatzen. Viele Nuancen aber sind feiner, das Repertoire ist umfangreicher, der Blick geht weiter hinaus, und doch steht alles fester als auf Fön (1999) und Iwasig (2002), den ersten Alben nach der Alpinkatzen-Zeit, auf alpinem Boden. Fremdes Terrain wird mit alten Tugenden erkämpft. Weniger eine weite, zwischen Tibet und Afrika angereicherte Klangwelt, als ein Konzentrat bisherigen Goisernschen Schaffens: Alpinrock, der schier mühelos einer Opernstimme ebenso Platz bietet wie versponnenen Lautmalereien.

Vukovar: Auf der Fähre in die Hoffnung

Aufmerksam sitzen rund 200 Zuschauer im Schlosspark von Vukovar. Nein, so eine Musik habe er noch nie gehört, sagt Josip. Am Vormittag erzählte er im Café Lav am Marktplatz davon, als Vukovar zwischen Mai und November 1991 von serbischen Truppen belagert war. Kein Haus in der 30.000-Einwohner-Hafenstadt war verschont geblieben von den Granaten. Vukovar wurde ein Symbol der Sinnlosigkeit dieses Kriegs. Immer noch ist es eine Stadt der Löcher. Auch im Zentrum, wo vieles neu erbaut wird, klaffen Löcher, wo einst Häuser standen. In den Nebenstraßen stehen Häuser leer, durchsiebt von Einschüssen. Aus Dächern wachsen Stauden. Als Mahnmale wurden ein zerstörtes Einkaufszentrum und die verwüstete Schlossanlage oben an der Donaupromenade stehen gelassen. Sie schauen über den Fluss nach Serbien, von wo Vukovar unter Beschuss genommen wurde.

Am Abend wird das Schloss vom Licht der riesigen LED-Leinwände neben der Bühne angestrahlt. Die Ziehharmonika des Goiserers atmet das erste Mal und setzt zu Solide Alm an. Wenn man an den Leinwänden vorbei ins Dunkel über die Donau schaut, sieht man am anderen Ufer zwei Lichter. Dort legt die Fähre an. "Ich war nicht dort", sagt Josip, während Hubert von Goisern das Lied Strassn singt. Was singt er da?, will Josip wissen. Dass es die gleichen Straßen sind, die einen heimführen oder auch fort. Josip findet das schön, aber: "Manchmal ist das auch unmöglich, dass man heimkommt." Beim Konzert in Vukovar ersetzt der Goiserer das Wort "Strassn" durch das Wort "Wassa".

Im Fluss bleiben: Das nächste Ufer wartet

In der Morgendämmerung hat der Schiffsverband nach dem Konzert in Osijek abgelegt Richtung Donau. Die dichte Aulandschaft ringsum schützt Fluss und Schiff. Knapp vor der Mündung der Drau in die Donau geht die Sonne auf. Das Licht des roten Balls fällt auf den Nebel, der vom Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser erzeugt wird. Die Strahlen wärmen und geben Hoffnung. Ein paar Stunden später - noch sind es Stunden bis zum Konzert in Vukovar - schaut Hubert von Goisern während des behutsamen Anlegemanövers über die Donau. Zwischen Auwäldern sieht man einen kleinen Sandstrand. "Immer legen wir am falschen Ufer an", sagt er mit augenzwinkerndem Lächeln. Nicht Enttäuschung liegt in diesen Worten, sondern eher die Lust auf die andere Seite, auf den nächsten Schritt. Das Schiff wird ablegen. Donji Milanovac hieß gestern, Mittwoch, der Spielort. Der findet sich auf keinem Tourplan. Spontan wurde das Konzert eingeschoben. Der Bürgermeister des serbischen 300-Einwohner-Dorfes war begeistert. Die nächste Annäherung passiert. Wie sie sein wird? Behutsam jedenfalls.