Hubert von Goisern
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LINZ EUROPA TOUR 2007 - 2009

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Ich habe oft genug gezweifelt

Echo 1. Mai 2007 | Text: Gerti Krawanja

Fremde Kulturen und Völkerverbindung sind für Hubert von Goisern mittlerweile zu einem Lebenselixier geworden. Entlang der Donau will der vielseitige Musiker nun mit seinem neuesten Projekt den Menschen im Osten die Angst vor der EU nehmen.

Hubert von GoisernSie begeben sich heuer als Botschafter für Linz als Kulturhauptstadt 2009 auf eine Schiffstour quer durch Osteuropa. Wie laufen die Vorbereitungen?

Ich tue seit zwei Jahren nichts anderes. Die Idee, mit dem Schiff und Musikern aus verschiedenen Nationen eine Konzerttournee zu machen, stammt aber schon aus dem Jahr 1989. Da habe ich den Intendanten Martin Heller gefragt, ob er interessiert sei, gemeinsame Sache zu machen und er hat zugesagt.

Wie wird diese Reise aussehen?

Von Linz aus werde ich mit meiner neuen Band - Musikern aus Österreich und Ladinien - auf der Donau bis zum Schwarzen Meer fahren und dabei etwa 25 Live-Konzerte spielen. Das ganze wird begleitet von einem Kamerateam, das die Reise auch filmisch dokumentiert. Bei jedem Konzert und in jedem Land werden wir auch lokale Musiker einladen, die dann sowohl alleine als auch gemeinsam mit uns musizieren können. Auf Wunsch kann sich jeder beteiligen. Ich bin schon bis zum Donaudelta gefahren und habe viel mit Leuten geredet und mich umgehört.

Was haben Sie dort erfahren?

Dass die Leute trotz oder wegen ihrer Armut eine Gelassenheit und gutes Lebensgefühl haben. Und dass sie sich vor der EU mindestens genauso fürchten wie die Leute hier, die Angst haben, dass diese südosteuropäischen Länder dazukommen und uns etwas wegnehmen. In Ländern wie Rumänien und Bulgarien zum Beispiel, die einen Großteil der Donauufer ausmachen, herrscht bei Mann und Frau von der Straße große Skepsis. Sie sagen, die EU werde alles noch schlimmer machen, als es die Politik im eigenen Land schon macht.

Wird das auch Teil Ihrer Mission sein, diesen Menschen die Angst zu nehmen?

Ja, weil ich überzeugter Europäer bin, der sich über jede gefallene Grenze freut. So wie ein Musikstück aus kleinen Phrasen besteht, die sich zusammenfügen, gibt es auch im Politischen die Familie, das Dorf, das Land, die Nation und Kontinente. Ich verstehe das Schutzbedürfnis aber nicht als Ausgrenzung. Wir sind Teil eines Wunderwerks und aufeinander angewiesen. Wir müssen solidarisch sein.

Die Donau soll also dieses Verbindungsglied sein?

Ströme haben von jeher eine große Bedeutung für die menschliche Zivilisation gehabt. Denken Sie an Mesopotamien oder den Nil. Ein Fluss hat nach zwei Seiten ein offenes Ende. Ich bin an der Traun aufgewachsen, ein Strom wie die Donau oder der Rhein ist aber nochmal anders. Ich habe gemerkt, dass die Leute, die entlang der Donau leben, eine gewisse Ergebenheit und Entspanntheit haben, so etwas wie 'im Fluss sein' und nicht dagegen. Denn gegen den Strom schwimmen kann man nicht lang. Diese Stimmung will ich einfangen und zum Klingen bringen.

Auch in der Musik haben Sie durch die Verschmelzung von Traditionen Brücken gebaut. Welche Bedeutung hat Volksmusik für Sie?

Volksmusik ist etwas Überliefertes, über viele Generationen Gereiftes und Geschliffenes, manchmal auch ungewollt Karikiertes.

Also kein "Museumsteil" ohne Gegenwartsbezug?

Wie gesagt, die Volksmusik ist etwas bis in unsere Tage Tradiertes, das sich immer weiterentwickeln muss. Es gibt so viele wichtige Erkenntnisse, die über Generationen weitergegeben wurden. Die Musik hat sich so entwickelt, die Sprachen, unser Gewand, die Architektur. Spannend wird es, wenn sich Traditionen treffen und gegenseitig befruchten wie etwa die aus der Volksmusik entstandene abendländische Harmonik.

Es wurde Ihnen aber auch vorgeworfen, Sie würden sich durch CD-Aufnahmen mit afrikanischer und tibetanischer Traditionsmusik mit fremden Federn schmücken.

Die Quellen waren immer angegeben. Ich habe die Projekte immer aus Eigenmitteln finanziert und die Künstler mit Tantiemen und Urheberrecht beteiligt. Außerdem, wenn mein Name draufsteht, hat das den Vorteil, dass sich mehr Menschen damit auseinandersetzen.

Wie erklären Sie Ihre Musik?

Meine Wurzeln liegen in der Volksmusik des Salzkammergutes, das ist eine spezielle Klangsprache und Melodik. Ich habe aber viele Zugänge, ob im Blues, Rock, Soul, Funk, Pop, aber auch Jazz oder E-Musik. Das sind klingende Lebensgefühle. Meine Musik entsteht aus dem Drang, etwas Neues zu machen und ist die Frucht meiner Auseinandersetzung mit der Welt. Dazu gehören nicht nur meine engere Heimat sondern auch ferne Länder, Menschen und deren Leben.

Steckt da nicht auch eine Portion Egoismus dahinter?

In gewisser Weise bin ich egozentrisch. Aber nicht immer und auch nicht so schlimm wie ich das von manch Anderem kenne.

Haben Sie je an Ihrem Tun gezweifelt?

Ich kenne die ganze Bandbreite von Enttäuschungen über Frustration bis hin zu Selbstzweifeln, habe vieles in Frage gestellt und nicht gewusst, wie ich das, was ich mache, einschätzen soll. Lange Zeit habe ich gedacht, Musik ist unpraktisch. Jedenfalls unpraktischer wie ein Schuster, der Schuhe macht. Aber ich weiß inzwischen, dass es diese Phasen gibt, so wie wenn man mit Grippe im Bett liegt. Ich erkenne jetzt den Sinn meines Schaffens.

Durch Reisen verändert sich ja oft der Heimatbegriff.

Es gibt viele Definitionen von Heimat und viele sind richtig. Für mich ist es immer auch ein Stück von Heimkommen, wenn ich dorthin fahre, wo ich schon einmal gewesen bin. Je öfter ich da hin komme, desto stärker fühle ich mich dort daheim. Der engere Begriff von Heimat ist für mich aber das Salzkammergut.

Ist Ihre Authentizität und Direktheit auf diese "enge" Heimat zurückzuführen oder hat das viel mit Lebenserfahrung zu tun?

Ich weiß nicht, was man dazu braucht. Das Reisen hat sicher zu meiner Lebenserkenntnis beigetragen. Es gibt Menschen, die reisen um die Welt und suchen ein Lokal, in dem es Wiener Schnitzel gibt. Für mich bedeutet Reisen immer die Suche nach der Eigenheit, dem Lebensgefühl des jeweiligen Landes.

In Ihrer Direktheit haben Sie auch in einem offenen Brief H.C. Strache aufgefordert, in Hinkunft bei Wahlkampfveranstaltungen nicht mehr Ihre Musik zu spielen.

Ich habe ihn gebeten, es fürderhin zu unterlassen, und geschrieben: "Ich weiß um die Kraft der Musik die Herzen zu öffnen, und ich möchte nicht Herzensöffner für die giftigen Worte sein, die auf Veranstaltungen der FPÖ seit vielen Jahren gesprochen werden."

Wie ist das Gefühl, wenn man, wie Sie, mitten in der Wüste Westafrikas vor Tausenden von Leuten seine Traditionsmusik spielt?

Man muss sich trauen und an Grenzen gehen. Das ist wie im Klettern: im Proberaum kletterst du am Seil, vor dem Publikum kletterst du ohne Seil. Miteinander singen und spielen ist eine unglaubliche Glücksausschüttung, man geht auf eine gemeinsame Reise und verlässt für eine Weile die greifbare Welt.

Tut es da nicht manchmal weh, dass die Leute nicht verstehen, wenn Sie in Mundart von Völkerverbindung, Konsumgesellschaft und falsch verstandenem Glauben singen?

Der Berührungspunkt ist die Poesie der Töne. Bei unserer Europa Tour werden wir aber die Schlüsselaussagen der Lieder in die jeweilige Landessprache übersetzen. Ich habe mir, ehrlich gesagt, noch keine Gedanken gemacht, was passiert, wenn ich hinunterfahre und die vielen verschiedenen Sprachen höre. Wenn ich Zugang finde, kann ich mir auch vorstellen, in Ukrainisch oder Rumänisch zu singen.

Haben Sie die Karriere, so wie sie Ihnen widerfahren ist, je angestrebt?

Ich hab mir immer vorgestellt, es wäre schon schön, bekannt zu sein. Wenn viele Leute das hören könnten, was man schreibt und singt und tut.

Musikexpedition auf Europas Flüssen

Südwest Aktiv 27. April 2007 | Text & Foto: Udo Eberl

KONZERTREISE / Ein Donauschiff-Verband wird für den Österreicher Hubert von Goisern zur fahrenden Bühne

Martin Heller und Hubert von GoisernZunächst schien die Konzerttournee auf europäischen Wasserstraßen zu gewagt. Doch nun ist es am 22. Juni so weit: Der Österreicher Hubert von Goisern startet in Wien, um zunächst auf der Donau mit wechselnden Musikern bis zum Schwarzen Meer zu reisen.

Ziemlich entspannt sitzt Hubert von Goisern bei der Pressekonferenz zu seinem Megaprojekt "Linz Europa Tour 2007-09" auf dem Podium im Studio 2 des Bayerischen Rundfunks. Gerade ist ein Film gezeigt worden. Er mit Ziehharmonika bei einer rockigen Jamsession mit den Musikern der moldawischen Band Zdob Si Zdub, und sein Mundart-Hit Hiatamadl eher in hautengem Leder als im Dirndl. Ein Vorgeschmack darauf, was sich der etwas andere Volksmusikant und seine neu zusammengestellte, junge Band von ihrer Expedition in den Südosten Europas erwarten.

Doch vor der Traum einer konzertanten Schiffsreise mit einer schwimmenden Bühne Wirklichkeit wird, die in diesem Sommer in rumänischen oder ungarischen Häfen genauso anlegen wird wie 2008 in Rotterdam oder via Neckar in Stuttgart und Heilbronn, galt es etliche finanzielle und organisatorische Wege zu ebnen. "Ich bin überzeugter Europäer, aber während der Vorbereitungen zu unserem Projekt, ist mir das abhanden gekommen. Die EU hat keinen Finger dafür gerührt, dass es bei uns flutscht - weder finanziell noch bei den Grenzformalitäten", ist der Musiker auf die Politiker in Brüssel nicht gut zu sprechen.

Letztlich mussten Hubert von Goisern und sein Manager Hage Hein beim Weg durch die Institutionen erkennen, dass "wir mit unseren Partnern in den östlichen Donauländern die in Brüssel geforderten Kriterien nicht erfüllen konnten, da dort alles auf perfekt funktionierte westliche Kulturämter ausgelegt ist." Subventionen hätte man absurderweise an Rhein und Main viel leichter haben können. "Aber dort wollen wir die Kosten sowieso durch Eintrittsgelder wieder hereinholen", meint Hein.

Von Ost nach West

Möglich gemacht hat die ungewöhnliche, musikalische Abenteuerreise die Stadt Linz, die im Jahr 2009 den Titel europäische Kulturhauptstadt trägt und deren Botschafter der Sänger nun sein wird. "Das Projekt bringt uns extrem viel. Wir können in der Stadt über Europa sprechen und wollen dazu beitragen, die Bilder und die Musik aus dem Osten in den Westen zu transportieren", sagte Martin Heller, Intendant für das Kulturereignis "Linz 09", gestern . Mindestens genauso wichtig: Im Sommer 2009 soll das Ergebnis der zwei Flussreisen mit den meisten Künstlern bei einem mehrtägigen, riesigen Hafenfestival zu erleben sein. Heller erhofft sich davon "eine musikalische Melange, wie man sie noch nie zuvor gehört hat."

Der zweite Großsponsor ist "Red Bull". Der Unternehmer Dietrich Mateschitz war von der Idee sofort begeistert und fördert das Projekt, obwohl die Goisern-Fans nicht unbedingt der Zielgruppe für sein koffeinhaltiges Getränk entsprechen. "Er unterstützt die Schiffsexpedition bedingungslos", erklärt Hein. Ohne die finanzielle Hilfe könnte der technische Aufwand nicht gestemmt werden.

Ein so genanntes Schubschiff wird ein Wohnschiff für die 24-köpfige Crew und zwölf Gäste sowie ein weiteres Schiff mit einer großen Bühne die Donau hinunter- und den Rhein hinauftransportieren. Eine große Verstärkeranlage, LED-Wände für mögliche Übersetzungen der Texte und Filmübertragungen, professionelles Licht, eigene Stromgeneratoren, Probemöglichkeiten, eine hydraulische Bühne, die an die Kaihöhe der jeweiligen Häfen angepasst werden kann - alles soll mit diesem Flussreisen möglich sein. Geprobt wird mit musikalischen Gästen aus den verschiedenen Ländern während der Fahrt, Konzerte gibt es in den jeweiligen Häfen - im Osten meist kostenfrei.

Unbeschreiblich

Bevor es an die praktische Arbeit ging, hatte sich Hubert von Goisern gleich zweimal in den eigenen VW-Bus gesetzt und war mit ein paar Adressen in der Tasche in die auch für ihn fremden, östlichen Länder gefahren, um seine Idee zu verbreiten und Musiker zu finden. Um einige Kilo schwerer - "bei jedem Treffen musst du essen und trinken" - und vielen Erfahrungen war er zurückgekommen. "Besonders beeindruckt war ich von der Fahrt auf einem Schiff, das Getreide transportierte. Diese eine Woche war unbeschreiblich", sagt der Alpinrocker, der während der 90-tägigen, ersten Reise das Schiff nicht verlassen will: "Ich freu mich schon so."

25 Konzerte hat sich die Crew für diesen Sommer vorgenommen, wenn der Wasserstand stimmt, die Natur und Hafenmeister mitspielen und die Grenzen nicht zu unüberwindbaren Hürden werden. "Ich freue mich bereits auf die Grauzonen. Was wir vorhaben, hat auch etwas mit Anarchie zu tun", sagt von Goisern, der sich der Herausforderung stellen und auch für die Donau stark machen will. Der Fluss könne keine weiteren Stauungen und Betonierungen mehr verkraften. "Die Donau ist für mich eine Wesenheit. Jede Staumauer macht sie ein Stück mehr tot."

Er versteht sich eben auch als politischer Botschafter, der 55-Jährige, der aber in erster Linie seine Musik verbreiten will: "Ich will unsere alpine Klangwelt hinunterbringen, unseren Lebensblues." Zusammenspielen will er mit Gästen, die eine eigene authentische Musiksprache haben. Das Verbale, einige Musiker sprechen nicht einmal Englisch, spiele da eine untergeordnete Rolle: "Ich glaube daran, dass man sich über Musik verständigen kann." Doch nicht jeder, der mit Hubert von Goisern zusammenarbeiten wollte, wird auch mit im Boot sein. Wenn er merkte, dass da einer nur vorhatte, ihn zu benutzen, um einen Fuß in die Tür zum westlichen Markt zu bekommen, war es mit der gleichen Wellenlänge rasch vorbei.

An die Vermarktung via CD oder DVD hat der Musikkapitän bisher kaum einen Gedanken verschwendet. Hauptsache die Fahrt beginnt. Am 22. Juni fällt der Startschuss für die Tournee auf der Wiener Donauinsel unter freiem Himmel und am Fluss vor erwarteten 10 000 Fans. Der Musiker sehnt den Auftritt und die Reise herbei: "Ich wills wissen."

Von Linz zum Schwarzmeerdelta

www.cityoffers.de April 2007 | Text: SB

Haindling und Hubert von GoisernAls Alpenrocker hat sich Hubert von Goisern in die Herzen der Fans gespielt, als Weltenbummler hat er Grenzen überschritten und als Künstler musikalische Traditionen aufgebrochen. In seinem neuen Großprojekt geht Hubert von Goisern, der das berühmte Hiatamadl längst hinter sich gelassen hat, als Botschafter für die Stadt Linz, europäische Kulturhauptstadt 2009, drei Jahre lang auf Fluss-Tournee - und macht am 29. Juni 2007 Station in der Donaustadt Regensburg.

[...] Bei seinem Halt im Regensburger Osthafen nimmt Hubert von Goisern Haindling mit an Bord, der dieses Jahr mit seiner Band 25-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Das musikalische Multitalent und der melodische Weltbürger dürfen getrost als Dream-Team bezeichnet werden, ein Publikumsmagnet ist diese Kombination allemal. Die beiden kennen sich schon seit einigen Jahren und haben außer der Musik auch noch etwas anderes gemeinsam: den Naturschutz. Und so ließen es sich beide auf der Pressekonferenz in Regensburg am 19. April auch nicht nehmen, gegen den weiteren Ausbau der Donau und die Vertiefung der Fahrrinnen zu plädieren. "Einen Löffel so groß zu machen, dass der Mund operiert werden müsste, das wäre in etwa das Gleiche, das macht doch auch keiner", veranschaulichte Hans Jürgen Buchner alias Haindling die Abstrusität - Hubert von Goisern beruhigte derweil die Anwesenden: "Der maximale Tiefgang unseres Schubschiffes beträgt ungefähr 1,30 Meter, wegen uns muss also keine Fahrrinne vertieft werden!"

In diesem musikalischen Experiment vereint sich der Musikgedanke mit einem Naturschutz- und einem Völkerverständigungsaspekt - "die treibende Kraft ist aber die Musik", so Hubert von Goisern, der zeitweise selbst beängstigt ist von der Größe seines Projekts. Neben der Abhängigkeit von Wetter und Wasserstand wird das Team auch nicht vorauszuahnende politische Hürden nehmen müssen, vor allem im östlichen Europa. Dieser Teil der Tour liegt dem Musiker aber besonders am Herzen: Dort soll ein Startpunkt für eine Konzertkultur auch außerhalb der Großstädte gesetzt werden, die Veranstaltungen sind bei diesem Teil der Fluss-Tournee deshalb auch kostenlos. (Regensburg liegt für diesen Extra-Service leider zu weit westlich, hier ist also Bezahlen angesagt!)

Was nach diesem Mammut-Projekt kommen soll, daran will Hubert von Goisern jetzt noch nicht denken: "Diese Sache beschäftigt mich schon so lange, es wäre blasphemisch, jetzt darüber hinaus zu denken!" Eine Vision für die Zukunft - wenn auch nicht ganz ernst gemeint - hat er aber doch: "Das wird sein wie beim Rattenfänger von Hameln: Nach jedem Konzert werden weitere Schiffe hinzukommen und am Ende werden alle ins Schwarze Meer hinausgeschwemmt, wo wir dann gemeinsam unsere eigene Republik gründen..."

Die treibende Kraft im Fluss der Musik

Mittelbayerische Zeitung 20. April 2007 | Text: Angelika Lukesch | Foto: altrofoto.de

Hubert von Goisern schippert zu 50 Konzerten in Europa / Haindling geht an Bord

Haindling und Hubert von Goisern

REGENSBURG. So ganz eindeutig kann Hubert von Goisern nicht sagen, was denn nun die treibende Kraft im Musik-Tournee-Projekt "Schiffsexpedition zwischen Schwarzem Meer und Nordsee" sei. Ist es die Musik? Ist es die Natur, die sich im dahintreibenden Wasser des Flusses als Sinnbild des Flusses des Lebens präsentiert? Oder ist es der Wunsch, sich treiben zu lassen zwischen Städten, Völkern, Kulturen und Traditionen?

Hauptsächlich, so meint von Goisern beim Pressegespräch zu seiner "Linz Europa Tour 2007-2009", sei es wohl die Musik, die ihn fortwährend treibe, neue Formen der Präsentation zu finden und vor allem auch den Kontakt mit anderen Musikern und mit der Musik anderer Kulturen Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam mit ihnen zu arbeiten. Doch auch die Donau hat es dem Österreicher angetan. Er liebe die Donau, meint von Goisern, und ganz besonders freue er sich auf "die bayerische Strecke", "die Strecke am Strudengau" und "alles nach dem eisernen Tor".

Der Fluss wird nicht geschädigt

Wichtig ist ihm, klar zu machen, dass diese Schiffexpedition, die ihn 2007 in mindestens 20 Hafenstädte der Donau und insgesamt in den drei Jahren in 50 Orte und vierzehn Länder entlang der Ströme Europas führen wird, der Umwelt, auch der geliebten Donau, keinen Schaden zufügen wird. Zwar ist ein großes umgebautes Frachtschiff mit einer hydraulischen Bühne unterwegs (die Konzerte finden auf dem Schiff statt, das Publikum bleibt am Ufer), doch es habe nur 1,20 Meter Schubtiefe.

"Dafür muss die Donau nicht ausgebaggert werden", so Goisern. Start- und Endpunkt ist Linz, die Kulturhauptstadt 2009, die auch ein Drittel der Mammut-Schiffs-Tournee sponsern wird. Das zweite Drittel kommt von Red Bull, "das dritte Drittel finanzieren wir aus denn Einnahmen", so von Goisern. In den Ostländern wird das Schiff, die "Goisern", übrigens auch an Orten anlegen, wo es noch nie ein derartiges Konzertereignis gegeben hat. Hier werde auch kein Eintritt verlangt. "Das wird spannend", meint Goisern, nicht zuletzt auch die Frage der noch zu lösenden bürokratischen Hindernisse, wie das Territorium des Schiffes, das als österreichischer Grund und Boden zählt, und das von Menschen aus Ländern, die nicht dem Schengener Abkommen angehören, eigentlich nicht ohne Visum betreten werden darf.

Am 22. Juni startet die Expedition mit einem großen Auftakt in Wien, dann geht es in Richtung Regensburg, wo das Schiff am 29. Juni am Osthafen ankern wird. An den einzelnen Konzertorten wird immer mit einheimischen Künstlern musiziert, in Regensburg übrigens mit Haindling. Danach geht es Richtung Schwarzes Meer, am 1. September wird die "Goisern" wieder in Linz eintreffen. Im Juni 2008 bricht das Schiff von Linz aus in Richtung Rotterdam auf, besucht wieder viele Städte und Länder. 2009 gibt es einen fulminanten Tourneeabschluss mit allen Künstlern in Linz. Auf die Frage, mit welchen Gefühlen er denn nun auf die turbulenten drei Jahre blicke, die nun vor ihm lägen, meint von Goisern lakonisch: "Erst wann's vorbei is, weiß ich, wie es gewesen ist!"

Auf und mit den Donauwellen

Passauer Neue Presse 20. April 2007 | Text: Edith Rabenstein | Foto: Geisler
Hubert von Goisern

13. Eulenspiegel Zeltfestival: Hubert von Goisern mit Großereignis in Passau

Das 13. Passauer Eulenspiegel Zeltfestival wartet in diesem Jahr mit einem Großereignis auf: Hubert von Goisern macht mit seiner Linz-Europa-Tour (zusammen mit Claudia Koreck) in Passau Station (30.6./1.7.). Gestern kam der oberösterreichische Musiker zur Pressekonferenz nach Passau und stellte das Projekt vor, das er im Rahmen der Kulturhauptstadt "Linz 09" entwickelt hat; 90 Tage lang wird er auf der Donau unterwegs sein und 25 Konzerte geben. Das Projekt, für das drei Schiffe - ein Bühnenschiff mit kompletter Technik - gebaut werden, ist mit 3,6 Millionen Euro veranschlagt. Hubert von Goisern: "Für mich ist das Projekt ein ganz, ganz großes Abenteuer mit offenem Ausgang." Er kommt zusammen mit sieben Musikern, darunter drei Musikerinnen aus Südtirol, in klassischer Besetzung (Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards, Violine - und natürlich Ziehharmonika). "Die Musik wird rhythmusorientiert und meine ganz persönliche Identität sein. Wie bei all meinen Konzerten werde ich mein eigenes Lebensgefühl umsetzen", sagt Hubert von Goisern. Das Konzert, bei dem die Zuschauer am Rathausplatz sitzen, wird wie die anderen Tourneestationen und die Flussreise gefilmt und abschließend als DVD präsentiert. In Deutschland wird es nur die beiden Stationen Regensburg und Passau geben. Da ist Till Hofmann, dem Eulenspiegel-Impressario, also wirklich ein Coup gelungen!

In Vielfalt geeint

Mittelbayerische Zeitung 14. April 2007 | Text: Mario Kunzendorf

Hubert von Goisern durchquert mit einem Konzertschiff den Kontinent

Hätte Hubert Achleitner vor zwei Jahren an der Donau einen Fisch gefangen, wäre das alles nicht geschehen. Doch der 54 Jahre alte Musiker, bekannt als Hubert von Goisern, erwischte beim Angeln nichts. So hatte er Zeit zum Denken, so erinnerte er sich an eine Idee, die er in den 90-er Jahren in Afrika verfolgt hatte: eine "völkerverbindende Musikreise" auf einem Schiff. Binnen Stunden stand das Konzept für eine Passage über Rhein, Main, Donau quer durch Europa, erzählt Hubert von Goisern im MZ-Gespräch. Und damit begab er sich - nein, nicht auf den Fluss; "auf einen langen, steinigen Weg".

Der Plan könnte aus einem Lehrbuch zur Integration der europäischen Völker stammen. Zwei Jahre lang wird Hubert von Goisern mit neuer, sechsköpfiger Begleitband auf einem zur Bühne umgebauten Frachtschiff quer durch 14 Länder fahren. Von Rotterdam bis zum Schwarzen Meer sind Konzerte geplant, stets "an Orten, die noch nie bespielt wurden", stets mit Gastmusikern aus der jeweiligen Region. Start ist Wien, Endpunkt Linz, das 2009 Kulturhauptstadt Europas wird.

Die erste deutsche Anlegestelle ist am 29. Juni Regensburg. Hier wird im Osthafen eine Tribüne für 3000 Besucher errichtet, die ein Auftritt von Hans-Jürgen Buchners Haindling und Hubert von Goisern erwartet - präsentiert von der Mittelbayerischen Zeitung. Das Programm beinhaltet ein "knackiges best of", also alles, womit der Multiinstrumentalist über die Jahre den Kern Volksmusik umwickelt hat - vom Alpenrock bis zum Karibikgewand. Der Vorverkauf läuft.

"Das wird das größte musikalische Abenteuer, das ich in meiner Biographie vorzuweisen habe", sagt Hubert von Goisern, der seine Lieder immerhin 20 Jahre lang von den USA über den Senegal bis nach Trinidad getragen hat. Der Österreicher trug die Ziehharmonika an die entlegensten Orte, spielte auf dem Dachstein in 3000 Metern Höhe ebenso wie im Chaos einer ägyptischen Straße - man sollte meinen, dass ihn nichts mehr überrascht. Gäbe es da nicht die europäische Bürokratie.

Offiziell schreibt Jan Figel von der EU-Kommission an Hubert von Goisern: "Derartige Projekte können als konkrete Umsetzung des EU-Mottos 'In Vielfalt geeint' angesehen werden." Jan Figel erklärt sich interessiert, wünscht Erfolg und erweckt nachgerade einen euphorischen Eindruck. Inoffiziell aber gerät "In Vielfalt geeint" eher zu: In Einfalt vervielfacht. Denn außer Papier trägt die EU nichts bei. Oder wie Hubert von Goisern sagt: Für diesen Brief "kriegst du nicht mal eine Wurstsemmel in Patagonien".

Dagegen bringen sich Bürokraten ein. Ein Beispiel: Formal stellt das Konzertschiff österreichisches Hoheitsgebiet dar, das etwa auf dem internationalen Gewässer Donau fährt. Was passiert jetzt beim Anlegen in Gebieten außerhalb des Schengener Abkommens? Müssen Goiserns Gäste Visa beantragen, ehe sie das Schiff betreten? Muss ein Militärposten auf dem Steg Österreichs Grenzen vor Ausländern schützen? Die Behörden sagen: Ja.

"Der Reflex, das Handtuch zu werfen, liegt nahe", sagt Hubert von Goisern angesichts dieses ihm "fremden Denkens". Mittlerweile ergründete er, dass 15 andere vor ihm ein ähnliches Projekt versuchten. "Keiner hat's geschafft. Jetzt weiß ich warum." Enttäuscht sei er vor allem von der Politik, die sich bei diesem "durch und durch politischen Projekt selbst ins Aus stellt".

Hubert von Goisern zieht sein Vorhaben durch. Wider alle Bürokratie: "Ich will den Schwachsinn, der sich da abspielt, an die Oberfläche bringen", sagt er. Was danach kommt, vermag er nicht zu sagen. "Vielleicht gehe ich nie wieder von dem Boot herunter", schmunzelt er.

"Das Ziel ist nie da, wo man ist"

Wiener April 2007 | Text & Fotos: Alex Schütz

Mit einem Hiatamadl hat er die Bierzelte erobert, jetzt will er mit einem Schiff die Donau erobern: Hubert von Goisern. Im wiener-Interview spricht er über Karriere, Familie und die Kunst, die Welt mit den eigenen Wurzeln zu verbinden.

Hubert von GoisernWir treffen uns in einem verrauchten Beisl im 14. Wiener Gemeindebezirk. Sehr ungewöhnlich, so ein gewöhnlicher Ort. Die letzten Male begegneten wir uns im Dachsteingebirge auf knapp 3.000 Höhenmeter, in der ägyptischen Wüste in einer Fundamentalisten-Hochburg, in seinem Tonstudio in Salzburg oder hinter der Bühne, während seiner Tourneen. Je nach Tageslaune, Nervosität und Anspannung war er mal gesprächiger, mal weniger. Und heute, an einem Wochenende, wo die Tochter gerade im Kino sitzt und der Papa zwei Stunden Zeit hat? Da ist Hubert von Goisern so richtig relaxed. Keine Tournee, kein Lampenfieber, kein Album, das es fertig zu produzieren gilt. Sondern einfach nur Zeit. Man sieht das gleich an seinen Augen und dem entspannten Gesichtsausdruck: Heute sitzt mir der Familienmensch Hubert von Goisern gegenüber, der Musiker, der locker 10.000 Menschen und mehr mitreißt, ist in seinen Gedanken gerade weit, weit weg. Noch. Denn dieses Jahr stemmt Goisern das vermutlich größte musikalische Projekt seiner Karriere. Und wenn er daran denkt, dann ist's mit der inneren Ruhe gleich vorbei ...

Die nächsten Sommer spielt ihr auf einer schwimmenden Bühne, legt in unzähligen Häfen an und gebt Konzerte in 14 Ländern. Da kann ziemlich viel schief gehen.

Stimmt, aber weil so viel schief gehen kann, ist es fast schon wieder wurscht. Es gibt zwar diese Momente, wo ich nachts schweißgebadet aufwache und mir denke: Eieiei - geht sich das alles aus? Andererseits: Ich spüre inzwischen genügend Rückenwind, das ist ein sehr gutes Gefühl. Ja, es kann während der Tour andauernd regnen. Ja, es könnte wieder ein Hochwasser geben. Aber schau: Wenn du es so betrachtest, dann dürftest du überhaupt nichts mehr machen. Oder ein Dach über die Welt bauen.

Oder eine gemütliche Hallentournee machen ...

Nichts, was wirklich spannend ist, ist ohne Risiko. Nimm zum Beispiel Kinder. Meine sind jetzt 13 und 18 Jahre alt. Da gab und gibt es viele Sorgen, Stress, Arbeit, das Leben wird mit ihnen komplizierter - aber: Ich möchte es nicht missen. Oder ein banaleres Beispiel, Haustiere: Auch die sind kompliziert, das fängt schon beim Urlaub an, wo du sie kaum mitnehmen kannst. Selbst Pflanzen sind doch schon kompliziert, wenn du wegfährst. Aber das ist doch kein Grund, sich keine Katze anzuschaffen oder auf eine schöne Staude daheim zu verzichten. Schließlich bereichern sie - und machen dafür eben ein bisserl a Sauerei. Aber das ganze Leben ist eine Sauerei! Alles is' a Sauerei.

Die nächsten zwei, drei Jahre spielen sich für dich also fast hauptsächlich auf der Donau ab ...

... und auf der Drau, dem Main und dem Rhein. Ja, wenn's losgeht, dann geht's dahin. Ich habe viele Ideen mit meiner neuen Band, will im nächsten Winter wieder produzieren, ein Album herausbringen. Schauen wir mal. Es gibt diese unbekannte Größe der musikalischen Begegnung, ich weiß nicht, welche Einflüsse durch die Donau-Tournee auf mich zukommen. Aber ganz ehrlich: Ich möchte keine Prognose abgeben, denn in den nächsten beiden Jahren wird unglaublich viel passieren, das weiß ich. 2009 treffen sich dann alle Musiker, die bei der Donau-Tournee mitgemacht haben, auf einem Festival in Linz. 2010 könnte so gesehen dann wieder Zeit für eine Pause sein ...

Kurz vor deinem 60. Geburtstag ...

Der ist im Herbst 2012! Aber es gibt etwas, das man noch draufsetzen könnte. Ursprünglich wollte ich ja auf dem Tanganjikasee in Afrika eine Boots-Tournee machen. Bis jetzt habe ich das nicht da'hebt. Aber das war mal die Idee, zusammen mit Künstlern aus Sambia, Kongo, Ruanda, Burundi und Tansania eine Schiffs-Tournee machen und an den Häfen dieses gigantischen Sees anlegen. Aber für so was bräuchte ich dann eine große afrikanische Integrationsfigur. Da darf kein Hubert von Goisern daherkommen und verzapfen, dass alle einander die Hand geben sollen. Da braucht's jemanden vom Schlag eines Nelson Mandela oder Kofi Annan.

So unbekannt bist du auch wieder nicht. Wolltest du eigentlich schon als Kind berühmt werden?

Ich wollte immer berühmt sein - nicht werden! Dass ich das tatsächlich erreichen könnte, war nur als Traum vorstellbar.

Jetzt spricht dich der Ober, der Taxifahrer, der Portier an ...

Manchmal. Das freut mich auch. Schau, der Portier gerade, der hat gelächelt, der war begeistert. Da freu ich mich dann auch. Andererseits, sein Nachsatz - "Sie ham oba scho lang nix mehr gmacht" - war schon ein Dämpfer für mich. Aber gut, wie soll er auf Ö3 oder Radio Wien auch was von mir hören, das auch nur ansatzweise zeitgenössisch ist. Für mich ist das jetzt keine große Krise, ich will mich auch nicht aufregen, meine Konzerte waren ja trotzdem ausverkauft ...

Aber?

Schade finde ich es schon. Da sitzen in den Sendern Leute an den Schaltknöpfen, die anders handeln als sie reden. Erzählen G'schichten, dass der Computer das Formatradio programmieren würde, dass es gar nicht anders gehen würde. Das hat mich früher aufgeregt. Wenn ich mir meine Kinder und deren Freunde anschaue, merke ich, dass die sehr gerne Texte hören, die sie auch verstehen, Texte, in denen Poesie drin ist, Texte, die witzig sind. Im Radio bekommen sie das nicht zu hören. Diese Musik ist aber da, genauso wie das Interesse an ihr. Aber es ist natürlich Arbeit, sich mit der Musikszene zu beschäftigen. Ich meine, Schrott, oder, verbindlicher gesagt, liebloses, unnötiges Zeug gibt's schließlich überall, in den USA, in Rumänien, in Österreich.

Gutes Stichwort. Wie steht's um die Musik aus Österreich?

Wir reden nicht über Starmania, oder? Die können ja alle wahnsinnig gut singen, das finde ich beeindruckend. Noch mehr beeindruckt mich: Da dauert eine Musik-Sendung eineinhalb Stunden - und ganze zwölf Minuten davon wird musiziert! Das ist, wie wenn du einen Spritzer bestellst und das Achterl auf zwei Liter aufgespritzt wird. Mir persönlich geht das Kreative total ab. Ich mein', was machen die guten Stimmen denn, bitteschön? Das erinnert mich an Aristoteles und Phaidros. Aristoteles soll ihm die Kunst der Rede beibringen. Und Aristoteles sagt ihm: Bevor man reden kann, soll man wissen, was man zu sagen hat - sonst nutzt die beste Rhetorik nichts. Mit den Stimmen ist es ähnlich. Wenn du nichts zu transportieren hast, dann ist das Wagerl eben leer. Ich wünsch mir einen Wettbewerb der Liederschreiber, einen richtigen Songcontest.

Hubert von GoisernWir wollten eigentlich über Austropop ...

Ja. Österreichische Musik. Also da fallen mir Bauchklang ein. Ganz spannend, was die machen. Und Attwenger, die sind nach wie vor hervorragend.

Sonst?

Sonst fällt mir grad nix ein. Außer Olga Neuwirth, aber das ist eine andere Baustelle.

Bist du ein Querschädel? Ein Querdenker?

Nein. Aber ich würde gerne einer sein. Mitläufer zu sein, das interessiert mich nicht. Ich will nichts machen, was schon hundert andere gemacht haben. Ich will neue Erkenntnisse gewinnen. Ich will etwas vorantreiben.

Du hast zwei Kinder und bist sehr viel unterwegs. Wie geht sich das mit der Familie aus?

Wenn ich da bin, dann bin ich da. Und wenn ich weg bin, dann bin ich weg. Ganz einfach. Bin ich da, bin ich 24 Stunden am Tag für die Familie da. Wenn ich weg bin, rufe ich nach einer Woche nicht einmal mehr daheim an. Natürlich zerreißt es mich am Anfang, wenn ich wegfahre. Jeder Aufbruch ist auch ein Abschied. Da ist dann dieses mulmige Gefühl, dieses Abschiednehmen, dieses Loslassen ...

Willst du weg, wenn du daheim bist, und heim, wenn du weg bist?

Da ist was dran. Das Ziel ist per Definition nie da, wo man grad ist. Damit habe ich zu leben gelernt - und auch mein Umfeld, also meine Familie.

Wie lange hältst du es daheim aus?

Na ja, zum Beispiel sieben Jahre, zwischen 1994 und 2001, während meiner Bühnenpause. Gut, ich war da schon mal einen Monat in Tibet oder in Indien oder in Afrika. Aber meistens war ich daheim. Versteh' mich nicht falsch: Ich finde es daheim spannend - da gibt es immer genügend zu tun, ganz abgesehen vom Skifahren oder in den Wald gehen, um Schwammerl zu suchen.

Sieben Jahre Bühnenpause. Ein ausgedehnter Urlaub?

Überhaupt nicht. Ich war nur im Hintergrund. Ich habe produziert, komponiert, Filmmusiken geschrieben. Endlich war ich aus der Mühle des Tourens draußen. Das Touren hat zwar was Lässiges, weil alles vorgegeben ist und du einen Raster hast, wo du wann zu sein hast. Nie stellst du dir die Frage: Was mache ich heute mit meinem Tag? Auf einer Tournee werden dir alle Entscheidungen abgenommen. Das hat was.

Während der Bühnenabstinenz nie Entzugserscheinungen bekommen?

Klar fehlt dieses direkte Feedback. Wenn ich produziere und komponiere, gibt's dieses Glücksgefühl der unmittelbaren Bestätigung von außen nicht. Aber: Bequem ist so eine Tour nicht. Du schläfst im Bus, in einer Koje, kannst dich nicht ausstrecken, das Essen reduziert sich auf Nahrung. Trotzdem lässt dich das Feedback des Publikums gut einschlafen.