Hubert von Goisern
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Wie ruft der Berg

FAZ 14. Juni 2008 | Text: Andreas Lesti | Bild: Helmut Neie

Im Gespräch: Hubert von Goisern

Es ist Frühsommer auf der Haller Alm oberhalb von Bad Goisern, nur am Dachstein hängen Wolken: Der österreichische Volksmusikrebell Hubert von Goisern sitzt mit seinem Hund Bongo auf der Terrasse der Almwirtschaft.

Hubert von GoisernWie sagt man jetzt zu Ihnen? Herr von Goisern? Herr Achleitner? Hubert?

Hier sagt man einfach "der Hubert".

Sie leben seit einigen Jahren in Salzburg. Wie oft kommen Sie noch nach Bad Goisern?

Leider nicht oft genug. Ich habe so ein kleines Haus oberhalb von Bad Goisern, auf der Sonnenseite, nicht weit von hier. Das lieb ich heiß, es ist so eine Art Rentenversicherung. Da oben habe ich Wasser und Holz zum Heizen. Und wenn es sein muss, stell ich mich mit der Ziehharmonika einmal in der Woche auf den Markt, bis ich genug Geld habe. Dann kaufe ich ein und gehe wieder nach Hause. Das Haus habe ich mir mit dem ersten Geld gekauft, das ich 1992 mit dem Hit Koa Hiatamadl verdient habe, seither brauche ich nicht mehr zu arbeiten.

Ist Geld heute wichtig für Sie?

Geld hilft dir in der Umsetzung einer Idee überhaupt nicht weiter. Du musst es einfach machen. Du kannst dir mit Geld ja auch nicht kaufen, dass jemand für dich ein Buch liest oder auf einen Berg geht. Das wirklich Spannende im Leben musst du selber umsetzen.

Wollen Sie hier in Bad Goisern alt werden?

Ich kann es mir vorstellen. Hier ist ein guter Platz, um zu reflektieren. Aber ob es dann wirklich so wird, weiß ich nicht. Ich lebe in Salzburg und fühle mich sehr wohl. Meine Kinder sind vierzehn und zwanzig Jahre alt, und weil ich die Kontinuität, die mir meine Eltern in dieser Zeit gegeben haben, sehr geschätzt habe, möchte ich die meinen Kindern auch bieten. Ich weiß nicht, ob ich es unterbewusst gesteuert habe, dass ich immer wieder hier lande. Als ich in Toronto gelebt habe und das erste Mal in meinem Leben so weit weg von den Bergen weg war, bin ich depressiv geworden. Das war nicht meine Umgebung. Und ich habe lange gebraucht, um das zu begreifen.

Warum sind Sie damals weggegangen?

Ich hatte das Gefühl, das Tal hat mich ausgespuckt. Hat immer einen Brechreiz bekommen, wenn ich mich bewegt habe. Ich war und bin ein harmoniebedürftiger Mensch und habe darunter gelitten, dass ich immer und überall anecke mit meiner Lebens- und Denkweise. Ich habe mich hier nicht verstanden gefühlt und wollte die Streitereien nicht haben. Aber ich war keiner, der rebelliert und sagt: Die sind alle zu blöd und kapieren das nicht. Da bin ich gegangen.

Sie sind damals wegen Ihrer langen Haare aus der Blasmusikkapelle geflogen.

Die langen Haare waren nur eines von vielen Dingen. Aber diese dauernde Nörgelei hat mich genervt: Ich möge mir die Haare abschneiden lassen, weil die Leute sonst glauben, wir hätten jetzt auch schon Mädchen in der Kapelle - das war ja damals noch nicht der Fall. Ein paar wenige gab es, die spielten Klarinette oder Flöte. Da haben die Leute mit dem Finger auf sie gezeigt und gesagt: Das ist der Niedergang. Aber es gab auch richtig Zoff wegen der klaren Hierarchie: Die Älteren sagten den Jüngeren, was zu tun ist. Und irgendwann haben sie mich rausgeschmissen.

Sie haben das so hingenommen?

Ich habe Jahre später erfahren, dass der Kapellmeister sich immer gedacht hat, das würde ich nicht durchhalten und mich ein paar Tage später entschuldigen.

Was Sie nicht getan haben.

Nein, aber das war sehr schwer. Vor allem, weil ich die Trompete zurückgeben musste. Außerdem hatte ich damals einen wunderbaren, hochmusikalischen und sanftmütigen Musiklehrer. Der hat mich nie geschimpft und gesagt: Du hast schon wieder nicht geübt.

Sie haben nicht geübt?

Ich habe nie geübt. Ich kann nicht üben. Ich glaube, dass Üben generell ein Blödsinn ist. Irgendwelche Kadenzen und Etüden abzuspielen - da bricht der musikalische Charakter. Es gibt ein paar Sachen, die fallen mir im Kopf ein, aber meine Finger machen nicht mit. Dann muss ich das suchen. Aber das ist für mich mehr eine Trance, in die ich reinkippe.

Spielen ist bei Ihnen also auch Komponieren?

Ich bin mein erster und aufmerksamster Zuhörer und kann mich selber immer wieder in Staunen versetzen. Wenn das nicht passiert, wird mir selber fad. Und dann lasse ich es.

Sie spielen Trompete, Gitarre, Mundharmonika, Klarinette, Klavier und Ziehharmonika. Mit welchem Instrument komponieren Sie?

Mit allen. Heute habe ich mir die Trompete und die Ziehharmonika mitgenommen.

Zur Ziehharmonika sind Sie über Ihren Großvater gekommen.

Ja, und zwar sehr spät. Da war ich schon dreiunddreißig oder vierunddreißig.

Und wann haben Sie das Jodeln gelernt?

Das war noch später - mit siebenunddreißig. Ich war die ganze Zeit davon überzeugt, dass man da irgendeinen Defekt haben muss, ohne den es nicht geht. Aber irgendwann haben mich die langsamen Jodler, die es hier gibt, als Gesangstechnik so fasziniert, dass ich sie mir autodidaktisch mit einer Kassette beigebracht habe.

Und plötzlich konnten Sie es und haben hier über die Berggipfel gejodelt - oder wie muss man sich das vorstellen?

Nein, ich muss gestehen: Das Jodeln habe ich während einer Tournee auf einer Autobahnbrücke in Regensburg gelernt.

Wie romantisch.

Es war fürchterlich. Wenn du etwas machst, was du nicht kannst, klingt es erst mal ganz schlimm, ich wollte nicht, dass es jemand hört. Auf der Brücke war es aber so laut, dass ich mich selber nicht gehört habe. Und wenn du es nicht hörst, spürst du es. Sehr viel später haben mir tibetische Sängerinnen erzählt, dass sie zu einem laut rauschenden Wasserfall gehen, um ihre Gesangstechniken zu lernen.

Sie sind einer von zwei bekannten Männern aus Bad Goisern. Der andere ist Jörg Haider, der Landeshauptmann von Kärnten. Sie sind sogar zusammen in die Schule gegangen. Kennen Sie sich gut?

Nein, wir haben uns nie getroffen. Wir waren zwar in der gleichen Schule, aber er ist zwei Jahre älter als ich. Aber wir waren mehr oder weniger Nachbarn. Mein Großvater war ein sehr guter Freund seines Vaters. Ich bin erst viel später drauf gekommen, dass mein Großvater auch das war, was man als Nazi bezeichnen würde. Die beiden haben sich immer zu den Geburtstagen getroffen.

Haider gilt als radikaler Rechtspopulist, Sie als weltoffener Mensch. Unterschiedlicher kann man eigentlich nicht sein.

Aber wahrscheinlich gäbe es mich nicht, hätte es Haiders Vater nicht gegeben. Denn meine Großeltern sind 1945 als Flüchtlinge aus dem Sudetenland durch Zufall nach Goisern gekommen. Sie hatten vierundzwanzig Stunden Zeit, um eine Wohnung und einen Job zu finden, sonst hätten sie sofort wieder gehen müssen. Mein Großvater hat dann seinen Gesinnungsgenossen Robert Haider getroffen, und der hat ihm eine Wohnung und einen Job organisiert. Ich denke mir, wenn's was Gutes gibt, dann war es das.

Wie sind in einem kleinen Dorf wie Bad Goisern zwei so unterschiedliche Biographien möglich?

Für Jörg Haider gab es wahrscheinlich nur zwei Möglichkeiten: entweder vollkommen mit dieser Familie zu brechen oder dieses Erbe weiterzuleben. Da gibt es keinen Zwischenweg, oder er wäre sehr schwer und würde einen starken Charakter voraussetzen. Sein Vater hat meinem Großvater erzählt, dass Jörg nach der Matura nach Amerika gehen wollte - auswandern. Aber vielleicht sollten wir froh sein. Er wäre vielleicht Präsident der Vereinigten Staaten geworden.

Vor zwei Jahren sind Sie mit Heinz-Christian Strache von der FPÖ, Haiders früherer Partei, aneinandergeraten. Strache hatte eines Ihrer Lieder für einen Wahlspot benutzt. Sie haben daraufhin in einem offenen Brief geschrieben: "Ich stehe für eine offene, tolerante Gesellschaft, für den Abbau der Ängste vor dem Fremden und Neuen und nicht das Schüren derselben. Ich stehe dafür, den Veränderungen ins Auge zu schauen und nach vorne zu blicken, nicht für den Versuch, die Zeit aufzuhalten oder gar zurückzudrehen."

Hm, ja. Das war aber eher so eine Strafraumschwalbe. Da habe ich nicht drum herum können. Ich musste es als Chance wahrnehmen, um Stellung zu beziehen.

Strache steht für ausländerfeindliche Slogans wie "Daham statt Islam", "Deutsch statt nix verstehen" und "Pummerin statt Muezzin". Die Pummerin ist die größte Glocke des Stephansdoms in Wien.

Ja, das ist ganz schlimm. Aber vor so etwas muss man sich nicht fürchten. Da war Jörg Haider schon ein anderes Kaliber.

Im Jahr 2003 haben Sie das Lied Abend spat neu interpretiert. Es war eines der Lieblingslieder von Adolf Hitler.

Das wusste ich aber zuerst nicht. Ein guter Freund hat es mir erzählt, als wir im Studio waren und die Volkslieder aufgenommen haben. Als er gesehen hat, dass Abend spat auf dem Programm steht, hat er gesagt: Das darfst du nicht machen, das kannst du nicht machen. Aber für mich war das ein Grund mehr. Das kann man doch nicht diesen Leuten überlassen.

Sehen Sie in Ihrer Musik auch einen politischen Auftrag?

Musik ist a priori unpolitisch. Musik ist viel größer, als Politik es je sein kann. Und ein schönes Lied kann ja nichts dafür, wenn es jemandem gefällt, den man nicht mag.

Gibt es nicht auch Berührungspunkte zwischen Ihrer Traditionsauffassung und der von Rechtsnationalen?

Doch, zum Teil haben sich spannenderweise die Klientelen überschnitten. Dieses nationale und rückbesinnende Gedankengut ist nicht meine Art. Aber trotzdem: Ich habe Tradition im Hier und Jetzt verkörpert, und deswegen sind sicher zwanzig Prozent meines Konzertpublikums aus der rechten Ecke gekommen. Viele meiner Kollegen haben gesagt: Ah, das ist ja unangenehm. Aber ich empfand das nicht so. Ich finde das eigentlich toll, dass die nicht nur in ihren Bierzelten hocken, sondern bei mir ein Alternativprogramm bekommen. Da kommen sie nach dem Konzert anders heraus, als sie zuvor reingegangen sind. Das muss ihnen zu denken geben.

Auf Ihrer neuen CD S'Nix gibt es keine Volkslieder, sondern wieder im Dialekt gesungene Popmusik - wie früher.

Das Rockigere und Poppigere wird vielleicht ein gewisser Schock fürs Publikum, das ja mit mir älter geworden ist. Und nicht alle sind so experimentierfreudig, wie ich es bin. Aber ich kann nicht Volkslieder bis zum Abwinken spielen.

Dafür gibt es ein Fußball-Lied - die Bearbeitung einer WM-Reportage von Heribert Meisel aus dem Jahr 1954. Haben Sie das kalkuliert für die Europameisterschaft gemacht?

Die Idee für Rotz und Wasser gibt es schon seit 1991. Wenn wir es jetzt nicht gemacht hätten, dann wäre es nichts mehr geworden. Uns ist da etwas gelungen, was mit Fußball und Euphorie und Emotion zu tun hat. Außerdem lasse ich jemanden zu Wort kommen, der viel befugter ist als ich: den Hörfunkreporter Heribert Meisel.

S'Nix beginnt sehr laut mit viel Schlagzeug und Gitarre.

Die CD ist im vergangenen Sommer entstanden, als wir auf einem Schiff auf der Donau unterwegs waren und auf dem Deck gespielt haben. Die Bühne war immer sehr weit weg vom Publikum, da musst du mit großen musikalischen Gesten arbeiten.

Gegen Ende hin wird es aber immer ruhiger.

Wenn man die Platte durchhört, dann ist man beim Nichts angekommen: S'Nix. Es fängt mit einem Knall an, und dann wird es immer stiller bis zum letzten Instrumentalstück Hermann - dann ist man an der Stille angelangt und hört, dass es zu Ende ist. Dann ist es aus.

Ein Haus für das Nichts

Mittelbayerische Zeitung 31. Mai 2008 | Text: Mario Kunzendorf

Hubert von Goisern bereist wieder die Flüsse Europas - diesmal startet er in Deggendorf.

Wie hat Hubert von Goisern einmal gesagt: Ziel eines europäischen Miteinanders sei es nicht, dass am Ende alle Wiener Schnitzel essen. Ziel sei es, Unterschiede zwischen den Kulturen kennen zu lernen. Soweit geht der 55 Jahre alte österreichische Multiinstrumentalist mit der politischen Spitze der Europäischen Union (EU) in Brüssel konform. Aber dann müssen sich die Wege verzweigt haben. Oder wie Hubert von Goisern jetzt im MZ-Gespräch sagt: Wir können stolz sein, dass es Europa auch ohne Brüssel gibt.

Man muss den Mann verstehen. 12000 Kilometer wird Hubert von Goisern bis Ende des Jahres quer durch Europa zurückgelegt haben - nur auf Flüssen, auf einem Schubverband, mit einer schwimmenden Konzertbühne. 2007 begann die Reise in Regensburg und endete am Schwarzen Meer, 2008 führt sie von Deggendorf aus in Richtung Nordsee.

Rund vier Millionen Euro kostet das Projekt, das nicht nur Künstler und Techniker, sondern im Gefolge Bürokraten aller Länder in unbekannte Wasser verschlägt. Nur die EU-Regierung hält sich trocken und winkt mit Schriftsätzen der Begeisterung vom Ufer. Konkrete Hilfe findet das Vorhaben in Brüssel nicht, wiewohl es kein bloßer Kommerz ist: In Osteuropa etwa war bei den Konzerten der Eintritt frei. Aber so ist es eben, sagt Hubert von Goisern, schließt das Kapitel EU und freut sich darüber, wie erlebnisreich Auftritte in Serbien und der Ukraine waren. Die Bevölkerung ist dort sehr offen für Abenteuer.

Zwischenräume voller Geschichten

Der Titel seines neuen, elften Studioalbums S'Nix (Das Nichts) passt wie zufällig zur Bürokratie: Nach wie vor und oft für nix schwimmt der singende Schubverband gegen behördliche Wellenberge. Aber ernsthaft: S'Nix ist ein Zustand des Stillwerdens und Schauens in die Zwischenräume, in denen vermeintlich nichts los ist. Doch da spielt sich eigentlich alles ab. Und so ist die CD gemeint. Oder wie es in Leben heißt: Es g'hört uns eh nix und des Nix is umsonst, drum is des ganze Leben a die größte Kunst.

Musikalisch übersetzt äußert sich das in einer seltenen Vielfalt des Ausdrucks, in dem Mut, überraschend harten Rock mit Pop- und Volksmusik zu verbinden, im Dialekt zu singen, zu röhren und zu jodeln oder Stücken eine heute nachgerade episch anmutende Länge von neun Minuten Zeit zu lassen. Es ist nicht der geniale Loop, der S'Nix kennzeichnet. Sondern wie Hubert von Goisern sagt: Eine schlechte Komposition ist wie ein Denkmal - und sei es auch nur durch den einen Melodiebogen, der haften bleibt; anders eine gute Komposition, die wie ein Haus mit vielen Räumen ist, die man besuchen kann.

Geprägt sind die Stücke durchaus vom ersten Teil der Europa-Reise. Die Lieder klingen ortlos, sperren sich gegen ein Entwirren des tonalen Wurzelgeflechts. Kulturell betrachtet bleibt die Diskographie des Ehrenbürgers von Bad Goisern eine offene Frage. Aber das sind seine Fans gewohnt. Ich kann nur die Musik machen, die aus mir heraus kommt, sagt Hubert von Goisern. Und das unterscheidet ihn eben von der EU: Bei ihm kommt etwas Besonderes heraus, bei der Politik in Brüssel eben manchmal nur nix.

Hubert von Goisern ...

The Red Bulletin Mai 2008 | Text: Christian Seiler | Foto: Jürgen Skarwan

... kümmert sich um die Elemente, derzeit vor allem: das Wasser. Im vergangenen Sommer fuhr er die Donau hinunter, ab Juni folgt der Rhein. Dazwischen Feuer, Erde und Luft: S'Nix, das elementare, neue Album.

Hubert von Goisern

Aber diesmal machte es Hubert von Goisern anders, ganz anders. Er bestellte zuerst die Band ins Studio, und dann begann die Arbeit am neuen Album. Ein neues Album, das ist in der Lebensgeschichte des Musikers Ansporn und Belohnung, Bürde und Bestrafung zugleich. Gewiss, das ist die Möglichkeit, neue Klänge auszuprobieren, frische Geschichten zu erzählen. Aber was für Klänge, welche Geschichten? Wie findet die Melodie, die im Kopf noch so unerhört geklungen hat, ihr Instrument? Wo verstecken sich die wartenden Worte?

Hubert von Goisern hat schon viel ausprobiert. Die Liste seiner Lieder ist lang. Manche Melodien hat er beim Zusammenräumen im Salzburgischen gefunden, es entstanden Alben mit traditioneller, feiner Volksmusik von daheim. Manche brachte er aus der Welt mit nach Hause, aus Afrika, aus Tibet, und verheiratete sie mit dem Sound der Harmonika, mit dem herzprallen Gefühl, aus dem sein Jodeln gestrickt ist. Dann das Elektrogewitter. Hubert hat bewiesen, dass ihm die wilde Rockmusik so selbstverständlich ist wie die strenge Folklore, das rann in Hitparadenerfolgen und Hymnen zusammen. So wurde der Goiserer zur Leitfigur der österreichischen Musik. Doch nun sollte es um etwas Neues gehen. Eine Handvoll Leute, Tür auf, Regler öffnen. Lass uns Musik machen.

Bis zur Mündung. Im letzten Sommer war eine Reise zu Ende gegangen, eine Reise, die Hubert von Goisern angetreten hatte, um zu kontrollieren, wohin das Wasser hinter seinem kleinen, hoch über Bad Goisern gelegenen Haus fließt, in das er manchmal einen Apfelbutzen schmeißt. Dieser Bach wiederum fließt in die Traun, die findet ihren Weg durch den Traunsee, mündet bei Linz in die Donau, die Donau fließt ins Schwarze Meer.

Wie aber heißt der Ort, wo die Donau eine neue Gestalt annimmt, am mythischen Kilometer null?

Vielleicht hätte Hubert diese Preisfrage vor vier, fünf Jahren noch nicht beantworten können, ohne heimlich im Atlas nachzublättern. Das hat er jetzt nicht mehr nötig. Am 3. August 2007 vertäuten die Matrosen der Linztour das Bühnenschiff Wallsee am Pier von Sulina, und Hubert und seine Freunde holten die Instrumente aus dem Koffer, stimmten die Saiten und legten los, spielten ihr Zuhause­ist-sehr-­weit-­weg ­Konzert.

Das Konzert in Sulina war der Fernpunkt der Linztour, die höchste geographische Amplitude eines wagemutigen Experiments.

Auf einer Reise durch Afrika, als er mit dem Schiff verschiedene Küstenorte am Tanganjikasee ansteuerte, hatte sich Goisern das sehnsuchtsvolle Gefühl eingefangen, ein Schiff sei, wenn man es nur richtig anschaue, eine mobile Bühne, die zum Publikum kommen könne, nicht umgekehrt.

Dieses Gefühl bewahrte er, zurück in Österreich, auf. Dann fand er in einem Donauhafen zwischen Linz und Pöchlarn die Wallsee, und dann stand die Idee, ein Schiff in eine Bühne zu verwandeln, auf und begann zu gehen.

Es sollte um das Verstehen von Sprachen gehen, um das Suchen von Verborgenheiten, aber auch von Verbündeten. Es sollte darum gehen, in möglichst vielen Donauhäfen anzulegen und Konzerte zu spielen für Menschen, die für neue Klänge ein Ohr haben würden. Wo immer das Schiff lag, sollten Musiker zusteigen und mitspielen. Neue Klänge, neue Takte, ein neues Verständnis. Das war die Vision.

Am 22. Juni 2007 startete die Linztour in Wien. Von dort ging es zuerst nach Melk, Passau und Regensburg, dann stromabwärts. Der Wallsee­ Verband - das gedrungene, mit Containern und einer ausgewachsenen Bühne bepackte Konzertschiff, ein Wohnschiff und das Schubschiff - stampfte an Wien vorbei in die Slowakei, nach Ungarn, südostwärts nach Serbien, nach Rumänien, die ukrainische Station Ismail, nach Sulina. 23 Konzerte, unzählige Erlebnisse. 300 Zuschauer in Vukovar, 7000 in Ismail, 10.000 beim Abschlusskonzert in Linz.

Anstrengendes Glück. Hubert von Goisern mag seine Donau­Tournee nicht verklären. Sie lieferte starke Bilder. Sie lieferte starke Gefühle. Sie machte ihn glücklich, aber wer sagt, dass es nicht anstrengend sein kann, glücklich zu sein?

Je weiter wir von zu Hause weg waren, desto besser wurde es, sagt Goisern, während er im Bulls' Corner, dem Restaurant des Fußballstadions von Red Bull Salzburg, einen Menüsalat verzehrt, und damit meint er zum Beispiel, dass es auf den ersten Stromkilometern gar nicht so nett war, dass sich die Begeisterung nicht von allein auf die zusteigenden Musiker übertragen wollte; dass die Band an vielen Stellen die spezifische Kraft von Straßenmusikern entwickeln musste: so fesselnd musizieren, dass flüchtige Zuschauer sich von Song zu Song entschieden, noch immer nicht zu gehen, bis zur letzten Zugabe.

Chaotisch sei es gewesen, sagt Goisern, anarchisch: wunderbar.

Wenn er sein Verhältnis zur Donau in ein Wort übersetzen müsste? - Er nimmt einen kraftvollen, zischenden Anlauf auf nur einem Konsonanten: Ssssuper!

Nun ist nach der Tournee auch vor der Tournee. Die Linztour geht in diesem Sommer weiter. Sie wird von Linz aus die Donau stromaufwärts führen, dem Main-Donau-Kanal folgend Richtung Norden nach Bamberg, den Main entlang von Würzburg nach Mainz, schließlich den Rhein hinunter über Köln bis nach Rotterdam.

Teil zwei ist eine Expedition ins Bekannte, darin unterscheidet sich die zweite Etappe der Linztour von der ersten. Doch ist jedes Land, so gut man es auch kennen mag, vom Fluss aus gesehen, ein anderes Land. Mit dieser tröstlichen und verführerischen Perspektive wird sich Hubert von Goisern im Sommer auf den Weg machen.

Das neue Album. In der Zwischenzeit nahm das neue Album Gestalt an. Es entstand in nur vier Monaten. Nicht nur die Geschwindigkeit, die ganze Entstehungsgeschichte ist außergewöhnlich. Es gab, als sich die Truppe in Goiserns Salzburger Studio traf, kein Material. Keine Songs, keine Texte.

Dafür gab es eine Geschichte: die Geschichte der gemeinsamen Flussfahrt, der 23 gespielten Konzerte, der Stunden auf der Bühne, der Tage auf dem Schiff.

Als die Arbeit beginnen sollte, sagte Goisern seinen Kollegen: Wir werden ein Album machen, das von uns allen ist. Alle werden alles komponieren. Jeder wird als Komponist gewürdigt. Die bessere Idee gewinnt. Fangen wir an.

Oft reichte ein Rhythmus, energisch vom Schlagzeug eingepeitscht; eine Bassfigur; die Schweinegitarre. Goisern ließ seine Besatzung gewähren. Er verbot ihnen nur, zu oft von Dur-Tonarten hinüber nach Moll zu wechseln, Dur ist, sagt Hubert, zwingender.

So ist eine kräftige, aufgeladene CD entstanden, auf der Goisern seine üblichen Markierungen weit zurückstellt. Seine Ziehharmonika ist nur dann und wann im Einsatz, und gejodelt wird noch weniger. Stattdessen tauchen entschlossene Bläser auf und die merkwürdigen Sounds der Gadulka, einer dreisaitigen Urgeige, gespielt von der berückenden Roma-Künstlerin Darinka Tsekova.

Das Album heißt irritierenderweise S'Nix, salzburgerisch für Das Nichts. Doch was eine Meditation versprechen könnte, ist im Gegenteil ein Ganz-schön-viel an Beobachtungen, Stimmungen, Krachern und Pointen.

S'Nix ist kein folkloristisches Album, es ist ein Popalbum, ein selbstbewusstes, an aufmerksame Zuhörer gerichtetes Stück Popmusik, kein Berieselungsprogramm. Die Lieder umkreisen die ewigen Themen von Pop und Poesie, stellen einfache und schwierige Fragen, oft sind es im Salzburger Dialekt hinschraffierte Impressionen, die ohne explizite Botschaft ans Herz rühren, dann wieder erscheint ein Song als musikalisches Monumentalgemälde samt Klängen aus allen Teilen der Welt inklusive Balkan.

Goisern, der inzwischen den Salat besiegt hat, mag nicht verhehlen, wie zufrieden er ist. Wie erleichtert, dass die unkonventionelle Vorgehensweise beim Aufnehmen sich als fruchtbar erwiesen hat. Es haben sich alle darauf eingelassen, sagt er. Es haben alle als Chance gesehen.

Tatsache ist, dass Hubert von Goisern Gefallen an der Unberechenbarkeit seiner Projekte findet - wenigstens wenn sie gut ausgegangen sind. Die Donaufahrt. Die Arbeit an S'Nix.

Stimmt, sagt er, und ein sarkastisches Lächeln wandert von den Augen zu den Mundwinkeln. Das erste Gefühl, sobald's vorbei ist, ist immer: Gott sei Dank.

Und dann?

Dann kommt der Stolz. Der Stolz, wie gut sich alles ausgegangen ist.

An Grenzen gehen

SWP 23. Mai 2008 | Text & Foto: Udo Eberl

Hubert von Goisern setzt seine Linz-Europa-Tour fort

Hubert von GoisernVergangenes Jahr spielte Hubert von Goisern auf einem Bühnenschiff auf der Donau 30 Konzerte von Passau bis zum Schwarzen Meer. Nun führt die Linz-Europa-Tour über den Main auf Rhein und Neckar.

Hat sich mit der Linz-Europa-Tour für Sie ein Traum erfüllt?

Es gab ja vor unserem Projekt bereits 15 Anläufe, so etwas aufs Wasser zu setzen, aber so ein Vorhaben ist so komplex, das ist alles im Sande verlaufen. Für mich hat sich ein Traum erfüllt, der in der Realität noch größer geworden ist.

Sie sind auf dieser Reise bewusst kaum vom Schiff gegangen.

Dort ist man der Natur und den Elementen ausgesetzt. Wir haben draußen gelebt. Das ist etwas vom Schönsten dieser Tour. Die Donau ist ein Kontinent im Kontinent. Wenn man drin ist im Strom, ist die urbanisierte, zivilisierte Welt sehr weit weg. Das ist ein ganz anderes Lebensgefühl.

Das Wasser verbindet. War dies auch mit den Gastmusikern aus den verschiedenen Donauländern der Fall?

Viele Begegnungen habe meine Erwartungen übertroffen, wie die Konzerte mit Zdob Si Zdub, Rambo Amadeus oder Karandila. Manche Konstellationen sind auch nicht aufgegangen. In Ländern wie der Ukraine oder Serbien, also genau dort, wo wir dachten, da wirds haarig, erlebten wir unsere Highlights.

Haben Sie sich auch als europäischer Botschafter gefühlt?

Ich bin ein begeisterter Anhänger der europäischen Idee. Ich fand es sehr spannend, bei der Fahrt die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede zu suchen. Ich werde bulgarische Musik wohl nie so verstehen, dass ich wirklich mitspielen könnte.

Was erwartet Sie in diesem Sommer auf Main, Rhein und Neckar?

Die Latte liegt hoch, doch ich gehe davon, dass es wieder sehr abenteuerlich wird, denn wir treffen auf Musiker wie Xavier Naidoo, BAP, Konstantin Wecker, aber auch Passport.

Hat die Donau und Ihr Sound das neue Album S'Nix mitgeprägt?

Die Donau ist hörbar hineingepackt. Viele Songs haben etwas Episches wie auch die Donau als Strom. Aber es ist auch alles im Fluss, ich hatte im Studio nie das Gefühl unter Druck zu stehen. Wie auch auf der Reise wollte ich an Grenzen gehen, in Bereiche, die mir nicht vertraut sind.

Auf seiner Linz-Europa-Tour kommt Hubert von Goisern am 7. Juli zum Donaufest nach Ulm. Dort gibt er am 8. Juli auch ein exklusives Konzert mit seinen Donaufreunden Zdob Si Zdub, Rambo Amadeus und Karandila. Am 18. Juli tritt er im Stuttgarter Hafen auf.

S'nix stimmt gar nicht

Kleine Zeitung 18. Mai 2008 | Text: Bernd Melichar

Hubert von Goisern ist mit allen Wassern gewaschen: Seine Donau-Tour als Kulturbotschafter für Linz 09 führt ihn bald Richtung Nordsee. Und eine CD hat er auch aufgenommen.

Er ist so wohltuend geradwüchsig und echt und deftig, wenn er vor einem steht und im breiten Dialekt und mit leuchtenden Augen erzählt, was er so in nächster Zeit vorhat und in letzter Zeit getrieben hat; er, der Hubert von Goisern. Viel hat er vor, und viel hat er getrieben. In letzter Zeit. Dass man den Hubert von Goisern an Land erwischt, so ganz auf dem Trockenen, war in den letzten Monaten eher selten. Als Botschafter von Linz 09, der nächsten Kulturhauptstadt Europas, hat der Oberösterreicher im letzten Sommer ein völkerverbindendes Projekt gestartet, das seinesgleichen sucht: Mit einer Barge, umgebaut zu einem kombinierten Bühnen- und Wohnschiff, ist er von Linz aus die Donau abwärts bis ans Schwarze Meer geschippert und hat auf dem Weg dorthin 29 Konzerte gegeben.

Sonne und Schatten

Viel Sonne und ein bissl Schatten hat es in diesen Monaten gegeben, sagt der Meteorologe Goisern. Ich hab' mich schon g'fiacht vor diesem wilden Osten, in dem alles verhandelbar ist - und ich bin so sauschlecht im Handeln. Kurze Denkpause. Aber ma hat sich z'sammengeredet, manchmal gestritten, verhandelt und sich dann wieder umarmt. So war das.

Jetzt findet Goiserns Wassermusik ihre Fortsetzung. Am 27. Juni startet er den zweiten Teil der Erkundung Europas auf dem Flussweg und tuckert mit seinem Schiffsverband in die andere Richtung. Der Weg führt ihn diesmal über den Rhein-Main-Donaukanal, Main, Neckar und Rhein zur Nordsee. Geplant sind 25 Von-Schiff-an-Land-Konzerte, Partnerkünstler sollen aber auch mit an Bord genommen werden. Als Matrosen auf Zeit anheuern werden: BAP, Xavier Naidoo, Konstantin Wecker, Klaus Doldinger u. a. Dieser Teil der Reise wird ganz anders werden als unsere Osttour, glaubt Goisern. Weil in Deutschland zum Beispiel is' nix mit Verhandeln. Da brauchst fünf Stempel. Und wenn du einen davon nicht hast, dann geht halt nix. Begleitet wurde Goisern und seine Mannschaft zeitweise von einem Filmteam. Das Ergebnis, eine Art Road Movie auf der Wasserstraße, wird als fünfteilige Dokumentation voraussichtlich Juli/August im ORF zu sehen sein.

Scheibe mit Ecken

Weil der Hubert von Goisern aber nicht nur Botschafter und Schiffskapitän ist, sondern auch und vor allem Musiker, hat er so zwischendurch eine CD aufgenommen, deren Titel S'nix nicht programmatisch aufgefasst werden darf. Eingespielt mit jungen Musikern, die auch beim Donau-Abenteuer mit an Bord waren, legt der ehemalige Alpinkater eine Scheibe vor, die zwar rund ist, aber dennoch viele Ecken und Kanten hat. Viele haben gesagt, dass man die CD mindestens drei Mal hören muss, zwinkert er. Und das macht mir schon ein bissl Sorgen. Wie viele Menschen gibt es noch, die sich etwas drei Mal anhören?

Nicht sorgen, es gibt sie noch. Wassermusik? Mag sein. Aber nie plätschert es dahin, vielmehr prasselt es heftig runter. Harten Rock regnet es, dann luftigen Pop, dazwischen immer wieder erdige Jodlerpassagen. Weltmusik? Mag auch sein. Aber nicht von jener Sorte, die alle Kontinente vermanscht und wo man am Ende ein Gericht auf dem Teller hat, das fad schmeckt, weil die einzelnen Zutaten nicht mehr zu schmecken sind. Es ist eine sehr ... Musik geworden, sucht Goisern nach dem richtigen Wort - und findet es schließlich. Es ist eine sehr pralle Musik geworden.

Die zwölf Songs auf dem neuen Album wuchsen aus langen Sessions als Fortsetzung der Schiffsmusik. Einige Lieder lehnen sich weit aus dem bisherigen Goisern-Kosmos. In einer Collage der legendären Radioübertragung des Viertelfinalspieles Österreich gegen die Schweiz (Hitzeschlacht von Lausanne/WM 1954) wird Reporter Heribert Meisel zum Rapper. Am Ende erst fließen einige epische Werke, die so schön sind wie ein Sonnenuntergang an der Donau nahe Odessa.

S'nix? Stimmt überhaupt nicht! Stimmt eh, lächelt der Goisern, dass es nicht stimmt. Viel is' los im Moment.
Stimmt.

Überfordert von der Vielfalt der Welt

Kurier 16. Mai 2008 | Text: Brigitte Schokarth | Foto: Markus Kucera

Hubert von GoisernDie kulturelle Ost-Erweiterung, das Zusammenwachsen der Donauregion hat sich Hubert von Goisern mit der Linz Europa Tour auf die Fahnen geschrieben. Dabei legt er mit einem Schiff an ausgewählten Orten an, um mit Musikern aus der Region aufzutreten. Im Kurier-Interview zieht der Weltenbummler erste Bilanz und erklärt, warum die Reise das neue Album kaum beeinflusst hat.

Halbzeit der Linz Europa Tour. Ab 27. Juni geht es auf die Westroute. Wie waren die Erfahrungen der Ostroute?

Manches war mühsam, aber das meiste ist gut gegangen. Und je weiter wir in Richtung Schwarzes Meer gekommen sind, desto spannender ist es geworden. Denn die Freundlichkeit, mit der man uns dort empfangen hat, war weit größer als in Bratislava und Budapest. Wir haben ja überall Gratiskonzerte gespielt, und ich glaube, in den uns nahen Orten sind die Leute so verwestlicht, dass sie denken: Wenn's nichts kostet, kann es nichts sein. Aber ich wollte, dass jeder kommen kann. Denn mein Hauptanliegen mit der Tour war, Freundschaften zu schließen, damit ich nicht allein von den Informationen der Medien abhängig bin.

Um manipulierte Berichterstattung zu unterwandern?

Genau. Ein Beispiel: In Serbien war ich zu tiefst gerührt von der Offenheit und Freundlichkeit, mit der wir dort empfangen wurden. Und ich denke mir, das kann nur deshalb sein, weil ich etwas anderes erwartet habe. Also sind offensichtlich auch bei mir, obwohl ich mich sehr dagegen wehre, durch die jahrelange Berichterstattung, die Serben seien die Bösen, Vorurteile entstanden.

Auf dem neuen Album zeigen Sie sich härter, rockig und stark von der westlichen Musiktradition beeinflusst. Warum gibt es kaum musikalische Einflüsse aus den befahrenen Regionen?

Früher hatte ich das Gefühl, dass ich die Musiktraditionen aus fremden Ländern erlernen und in meine Musik integrieren will. Jetzt aber finde ich die regionale Identität spannender, als eine Überall-Und-Nirgendwo-Musik zu machen. Da könnte ich noch was mit den Kirgisen machen und den Inuit und und und. Die Welt ist so vielfältig und irgendwann hat mich die Flut von dem, was es noch alles gibt, überfordert.

Deshalb halte ich es jetzt für gescheiter, wenn ich daheim bleibe und das trage, was bei uns spannend ist. Der einzige Einfluss der Reise ist die neue Band: Weil ich wusste, dass bei der Schiffstour die Leute am Ufer weit weg sein werden, habe ich eine Band gebraucht, die Druck machen kann. Und S'Nix ist das Dokument davon, wie ich mit dieser Band klinge.

In dem Song Weltuntergang nehmen Sie den hoffnungslosen Zustand der Welt mit Humor. Sind Sie weniger zornig?

Ich bemühe mich. Denn Zorn steht nur der Jugend gut, ab einem gewissen Alter wird er aber lächerlich. Diese Nonchalance mit dem Ist-Zustand, die ich in dem Song beschreibe, ist eine Wunschvorstellung. Ich hätte gerne so eine Haltung, schaffe es aber nicht immer.