Hubert von Goisern
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HUBERT VON GOISERN: TOUR 2014

TOUR 2014 >> Konzert-Reviews: 1 2


Hubert von Goisern: Live in Wien - 10. November 2014

24. November 2014 | Fotos: © Servus TV / Philip Felbermayr

Hubert von Goisern @ Posthof Linz

Subtext 20. November 2014 | Foto: © Christoph Thorwartl / www.subtext.at
Hubert von Goisern

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Falters Zoo - Menschen der Woche

Falter 47/14

HvGZurück von einer Reise nach Nashville, Tennessee, und New Orleans, füllte Hubert von Goisern nach zwei Jahren wieder die Halle E im MQ und brachte von seinem US-Trip jede Menge Folk, Blues, Country und Steve Fishell mit. Der Amerikaner mit Hut und Pedal-Steel-Gitarre war laut Hubert von Goisern da einzig Brauchbare, das in den Staaten zu finden war. Der Musiker wechselt die Quetschen wie Lady Gaga die Outfits, jodelt, spielt Mundharmonika, Trompete, Gitarre, Klavier, und als die bei Brenna tuats guat endlich doch beschwingt mitklatschende Menge nach zwei Stunden noch immer nicht gehen will, bläst von Goisern das erstaunlich lederhosenarme und fast völlig dirndlfreie Publikum schließlich mit einem Alphorn aus dem Saal.

Gelungene Überraschung mit intensivem Alpenblues

Nürnberger Nachrichten 15. November 2014 | Text: Stefan Gnad | Foto: © Horst Linke
Hubert von Goisern

Stilsicher und uneitel: Der österreichische Liedermacher Hubert von Goisern beglückte in Fürth sein Publikum

Nicht erst seit gestern ist Hubert von Goisern ein umtriebiger Mensch. Zuletzt war der oberösterreichische Liedermacher in Sachen Film und Ausstellung unterwegs. In der vollbesetzten kleinen Fürther Stadthalle ist dann aber plötzlich wieder alles ganz anders.

Zwei neue Tonträger hat Hubert von Goisern im laufenden Jahr veröffentlicht. Einmal den Soundtrack zum neuen Film von Joseph Vilsmaier (Österreich: Oben und Unten, kommt im Januar 2015 in die Kinos), für den er eine Auswahl seiner Lieblingslieder aus eigener Feder neu mit Orchester arrangiert hat. Zum anderen den Sampler Steilklänge, auf dem sich eine Auswahl an alpenländischer Musik aus den letzten 150 Jahren findet. Goisern hat sie für die von ihm kuratierte Alpenliebe-Ausstellung auf dem Großglockner zusammengetragen. Reichlich Stoff für eine weitere Gastspielrundreise des weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus beliebten Klangbotschafters, will man meinen. Doch von wegen.

In Fürth gibt es weder Kino noch Neuentdecktes aus den Archiven, sondern Blues. Mississippi-Delta, Sümpfe, Hitze, Alligatoren - und Steve. Nur Steve. Lap-Steel-Gitarrist aus New Orleans, dessen Soli so wunderbar mit der Ziehharmonika des Meisters zusammenfinden, als wär' diese Kombi seit Jahrhunderten erprobt.

Im konzentrierten Bandformat mit Bass, Schlagzeug und Stromgitarre klingt das so intensiv, als hätte von Goisern nie etwas anderes gemacht; und öffnet ein weiteres Kapitel in seinem ohnehin schon nach allen Seiten sperrangelweit offenen Weltmusik-Sound-Spektrum. Bei allem Respekt für das bisherige Schaffen: Die neuen Alpenblues-Nummern, die es noch gar nicht zu kaufen gibt, zählen zum Besten, was er je gemacht hat.

Im zweiten Teil gibt es dann den Hubert, den man kennt: Gassenhauer und Powerballaden, die ein wenig abstinken gegen das, was man in der ersten Halbzeit erlebt hat. Doch beim Brenna tuats guat, dem schönen Heast as nit oder dem finalen dreistimmigen Jodler, für den der 61-Jährige das Alphorn auspackt und die Trommelfelle flattern lässt, kommen alte und neue Fans auf ihre Kosten.

Was der weitgereiste Traditionsvermittler und Volksmusik-Dekonstrukteur scheinbar mühelos an musikalischem Crossover auffährt, ist so stilsicher, uneitel und unaufgesetzt, dass man immer nur wieder staunen kann. Ein Lebenswerk, das noch lange nicht abgeschlossen ist, wie es scheint. Ruckzuck sind zweieinviertel Stunden rum, und mit glücklichen Gesichtern strömt das Volk hinaus in die kühle fränkische Herbstnacht. Man darf sich auf die neue Platte freuen - und auf das Wiedersehen im Sommer auf Burg Abenberg.

Hubert von Goisern in Erfurt

Alive Erfurt 15. November 2014 | Foto: © [a]live: promotion / Maik Gaede
Hubert von Goisern

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Wandersackerl aus dem Wilden Westen

Nürnberger Zeitung 15. November 2014

Menschen, die Hubert von Goisern immer noch lediglich mit "Volksmusik" verbinden und darob gelangweilt abwinken, ist eh nicht mehr zu helfen. Diejenigen, die akkurat aufgrund dieser Assoziation am vergangenen Donnerstag den steinigen Weg in die Fürther Stadthalle auf sich genommen habe, in Dirndl und Lederhose als Hommage an ihren Helden, dürften mittlerweile klüger sein.

Die vielen anderen hatten vermutlich genau das bekommen, was sie sich erhofft hatten: ein weltmusikalisches Überraschungsei, bei dem man nie so recht weiß, was diesmal wieder drinsteckt. Aber bei dem man sich darauf verlassen kann, dass es gut wird.

Hubert von Goisern ist ein Musiker von Format. Brücken will er bauen, reist durch Länder und Welten, gern mal zu Schiff auf der Donau, um überall dort, wo er ankert oder campiert, zu lernen, zu spielen, zu schauen, was so passieren kann. Dabei heraus kommen seit über 20 Jahren die wunderbarsten Kompositionen. Ob Samba oder Funk, Polka oder Rock - was bleibt, sind mindestens eine Ziehharmonika und der Jodler. Und das, nun ja, das Stigma Hiatamadl, das in den Köpfen derer sitzt, die sich sonst nicht näher mit seiner Musik befassen.

Weil aber unlängst einer wundersamen Fügung zu verdanken war, dass das wie die meisten von Goiserns Stücken mit stark sozialkritischem Text versehene Brenna tuats guat zum biertischtanztauglichen Gassenschlager geriet, kommt der Mensch in die Fürther Stadthalle und freut sich auf holleradulliöh.

Da hat er sich insofern geschnitten, als von Goisern und Band zuletzt im Wilden Westen unterwegs waren und alles, was sich da so an musikalischem Kulturgut findet, im Wandersackerl mit ins Steierische gebracht haben - inklusive Steve Fishell, der mit dem Pedal Steel die Band begleitet.

Ein bisschen Ska, ein bisschen Reggae, und vor allem Country und Blues finden sich da, Louisiana, New Orleans, Tennessee, da kann so ein aufgeregt geplustertes Dirndl schon mal schnell in sich zusammenfallen und verwirrt dreinschauen. Zugutehalten muss man aber, dass von Goisern "ausschließlich neue Lieder vom neuen Album spielt" - das ja noch gar nicht veröffentlicht ist.

Und das mit Fleiß: "Weil jetzt kann keiner von euch mitsingen, und das ist manchmal ganz gut so", steiert der 61-Jährige vergnügt ins Mikro wie er nicht minder vergnügte Schwänke aus seinem Globetrotterleben verzählt.

Es ist gerade die Mischung aus Akkordeon und Blues-Beat, das Hackbrett im Country-Step, die so Spaß macht, und dann verirrt sich im Themenabend "USA" die Amazing Grace ins Repertoire, woraufhin der Gast erleichtert mitsingt. Endlich kennt er was. Und weil Spannung (und womöglich Leidensdruck) bei vielen gar so groß zu sein scheinen, entlädt sich die in Klatschekstase, als nach sanfteren Tönen der große Kärwa-Hit da ist.

Vor Erschöpfung und Dankbarkeit verzeiht man dann auch die an- und abschließenden wunderbaren Darbietungen alter Stücke, die melancholischen Klänge und traurigen Zeilen und das Alphorn, dieses großartige Instrument, das so wandelbar ist zwischen filigran und dröhnend. "Heast as nit, wia die Zeit vergeht"? Nein, über zwei Stunden nicht. Gar nicht.

Jubel für den Jodler

Rhein-Neckar-Zeitung 14. November 2014 | Text: Arndt Krödel | Foto: © Rothe

Hubert von Goisern gastierte mit seiner "Neuen Volksmusik" in der Heidelberger Stadthalle
– und brachte auch Südstaaten-Blues mit

HvG & BandEinige fesche Dirndl und stramme Lederhosen mischten das Publikum auf, das sich ebenso zahlreich wie erwartungsvoll in der Heidelberger Stadthalle eingefunden hatte: Ein Outfit, mit dem der eine oder die andere dem Star des Abends und seiner Musik schon vorab huldigte.

Doch man täusche sich nicht – es drohte kein Musikantenstadl oder "Fest der Volksmusik". Wenn Hubert von Goisern die Bühne betritt, bringt er zwar die Ziehharmonika und das Jodeln mit, aber in einen musikalischen Stil integriert, der durch seine leidenschaftliche Kreativität mitreißt und nicht dumpf mitklatschen lässt. Mit seiner originellen Synthese von Rockmusik und traditionellen Elementen der alpenländischen Volksmusik ist er einer der erfolgreichsten Musiker Österreichs.

Für einige Zeit hatte er sich zurückgezogen, stand seit zwei Jahren nicht mehr live auf der Bühne. Der aus Bad Goisern im österreichischen Salzkammergut stammende Künstler – daher dessen Name – war wieder einmal in der weiten Welt unterwegs, diesmal in den Südstaaten der USA, auf der Suche nach neuen Erfahrungen und Inspirationen. Das merkt man vielen seiner in Heidelberg gespielten Stücke an: Der Blues bringt einen anderen Rhythmus in sein Programm, verlagert ein Stück Südstaaten nach Österreich – oder umgekehrt. Aus Nashville brachte der 61- jährige Protagonist der "Neuen Volksmusik" zudem einen interessanten Musiker für seine Band mit: den Pedal-Steel-Gitarristen Steve Fishell, der sein musikalisches Können schon 1979 beim Knebworth Festival zeigte, als er bei einem Konzert der legendären Band Led Zeppelin auftreten durfte.

Vom Blues und anderen eher ruhigen, melodischen Stücken geht es übergangslos zu den rockigen Nummern mit rasend schnellem Beat, fetzig, elektrisierend. Die Ziehharmonika, von der Hubert von Goisern – je nach Tonart – eine ganze Kollektion einsetzt, behauptet sich in diesem mächtigen Sound, mehr noch, bildet dessen führende Stimme und ist eigentlich der instrumentale Star des Abends, ohne den Part der anderen schmälern zu wollen. Die österreichischen Texte bieten durchaus anspruchsvolle Inhalte – wenn man sie denn versteht. Der österreichische Künstler hat auch Bekanntes mitgebracht wie Amazing Grace, die zu den beliebtesten Kirchenliedern der Welt zählende und häufig interpretierte Hymne, die er in einer rhythmisch-gefälligen Version vorstellt. Hank Williams' Südstaatenlied Jambalaya erhält seinen ganz besonderen Akzent durch die Jodelsequenz. Und natürlich darf auch ein Stück wie Heast as nit im Programm nicht fehlen.

Das altersmäßig durchaus gemischte Publikum zeigte sich begeistert: tosender Applaus immer wieder für den "Alpenrocker" und Weltmusiker Hubert von Goisern und seine Band, neben dem bereits erwähnten Steve Fishell Alexander Pohn (Schlagzeug), Helmut Schartlmüller (Bass) und Severin Trogbacher (Gitarre). Als Zugabe zeigte der Meister, dass er auch dem Alphorn wunderbar kraftvolle Töne entlocken kann.

Servas Heidelberg, Griaß Eich!

Heidelberg24 13. November 2014 | Text & Foto: Christian Roth
Hubert von Goisern

Heidelberg - Lang war Hubert von Goisern schon nicht mehr in Heidelberg. Zehn Jahre um genau zu sein. In der Zwischenzeit hat sich bei ihm viel getan. Vor allem musikalisch.

Volksmusik macht er, wenn auch nicht mehr nur die Alpine. Er ist weit gereist, daran ließ er am Mittwoch in der Stadthalle überhaupt keinen Zweifel: Er erzählt nicht nur gerne davon, er lässt es seine Gäste auch hören, mitfühlen. Und um ganz sicher zu gehen hatte er auch einen Musiker aus Amerika dabei: Steve Fishell an der Pedal-Steel Gitarre, mit ihrem unverwechselbaren Südstaaten-Sound.

Allein der Blues sei eine Reise nach New Orleans wert, denn "dort ist jeder ein Meister an seinem Instrument" sagte der Weltmusiker respektvoll "da outet man sich nicht als Musiker. Ich hab gsagt ich bin Bäcker, denn vom Backen haben's keine Ahnung..." Entsprechend Blueslastig war der Abend. Aber mit der Quetschn von Hubert von Goisern klang es eben doch immer nach "HvG" und das manchmal ganz schön Heavy.

Natürlich hatte er auch aus der Heimat zu berichten, oder besser, was Steve mit seinem Jetlag nach der Ankunft in Österreich so erlebt hat. In aller Kürze: Steve war mit seinem Jetlag von Schnee und Schweinsbraten und Schnaps auf der Holleralm so begeistert, dass gleich am Abend nach dem Kinderkrampus, den er auch nicht kannte ein Lied geschrieben werden musste: Schnaps.

Aber natürlich hat Hubert von Goisern auch Klassiker gespielt: Brennen duats guat oder das wunderbare Heast as nit zum Abschluss.

Dankschön fürs kommen, Dankschön fürs zuhören und für einen Schönen Abend, so "HvG". Hoffen wir, dass er sich nicht wieder zehn Jahre Zeit lässt.

Federn, Schnaps & Blues: Hubert von Goisern besuchte Wien

Salzburger Nachrichten / APA 11. November 2014 | Foto: © APA/Herbert Pfarrhofer
Hubert von Goisern & Band

Weit, weit weg war er in den letzten zwei Jahren, der Hubert von Goisern, filmmusikalisch in Österreich, ausstellungsmäßig am Großglockner und horizonterweiternd in den USA. Mitgebracht hat er viele neue Lieder, kompakt und mutig am Montag in der bummvollen Halle E des MuseumsQuartiers in Wien mit viel erzählerischem Witz präsentiert. Ein fast grandioses Konzert.

Er habe nicht vor, in den nächsten Jahren auf die Bühne zu gehen, postete Von Goisern 2012 nach Ende der letzten Tour. Wäre auch nicht das erste Mal gewesen, dass er so etwas sagt, und es klang sehr nach längerer Abstinenz, wie jene nach dem Aus seiner Alpinkatzen 1994, als er für fast sechs Jahre verschwand. Er reiste u.a. nach Tansania, Tibet und Indien - lieferte dabei wohl weltmusikalische Tondokumente ab, aber ein richtiges "HvG"-Album gab's erst wieder 2000 (Fön).

Auch wenn er von der Bildfläche verschwindet, Faulenzer ist er keiner. Diesmal nutzte er die Auszeit, um erneut einen Joseph Vilsmaier-Film zu vertonen (Österreich - Oben und Unten startet im Jänner; CD Filmmusik bereits erschienen), die heurige Alpenliebe-Ausstellung am Großglockner mit von ihm ausgewählter Musik zu umrahmen (CD Steilklänge bereits erschienen) und um zu reisen. Diesmal ging's raus aus dem beengten und beengenden Alpenraum in die Weiten der US-amerikanischen Südstaaten, "um Freunde zu finden, Brücken zu schlagen". Dass aber dort die Borniertheit größer sein könnte als daheim, damit hat er nicht gerechnet.

Schweinsbraten, Schnaps und Jungkrampustreiben

"Ich hätt' mir nicht gedacht, dass wir so schnell wieder da sind", bestätigte Von Goisern zur Begrüßung den Eingangsverdacht, eine längere Abwesenheit geplant zu haben. Aber die Erlebnisse in Tennessee und Louisiana, wo er sich auf die Suche nach Mitmusikern begab, hätten ihn wieder zurück zum Arbeiten getrieben. Angetan war man nämlich dort nicht sonderlich von ihm. Also packte er zwei Kollegen ins Flugzeug und ab nach Österreich. Vielleicht ginge ja da was weiter. Aber nichts geschah. Selbst das von "HvG" versöhnlich angestimmte Amazing Grace half nichts. Sie seien Katholiken und spielen keine Protestanten-Hymne oder etwas, das ein Schwarzer komponiert hat. Das Experiment scheiterte trotz mehrerer Anläufe, obwohl es dort so "saugute Musiker" gäbe, dass Von Goisern seine eigene Profession verleugnete und sagte, er sei Bäcker, "weil vom Brot versteh'n die nix".

Einen Musikus hat er aber doch mitgebracht: Steve Fishell, der immerhin mit Led Zeppelin die Bühne teilte und Grammy-Preisträger ist, seines Zeichens Pedal Steel- und Lap Steel-Gitarrist - das ist diese irgendwie an Hawaii gemahnende, Stahl-/Gummi-Gewaber erzeugende Tischgitarre. Und der Rest der Band? Wieder die drei wunschlos unerbittlichen Oberösterreicher, die schon bei den letzten drei Tourneen die Hintermannschaft bildeten, und das, obwohl "HvG" sonst seine Musiker wechselt wie andere ihre Unterwäsche (also alle drei bis vier Jahre). Fishell, schwer mit Jetlag behaftet, wurde übrigens gleich nach seiner Ankunft in Österreich mit Schweinsbraten, Schnaps und beim heiteren Jungkrampustreiben im frisch angeschneiten Hallstatt zurechtkalibriert.

Songs aus unveröffentlichtem Album

80 Minuten lang begeht Von Goisern marketingmäßiges Harakiri, spielt der Kerl doch ausschließlich Material seines neuen Albums Federn, das erst im nächsten Frühjahr (!) erscheinen soll. Aber: Eine Nummer besser als die andere! Unbekannte Hits inklusive dem "Einiraunzer"-Cover Corrina, Corrina, bei denen der Blues in allen Farben (okay, hauptsächlich in Blau) durchschimmert und die Disziplin Rock scharfkantiger gar nicht sein könnte. Sagenhaft! Dann aber die restlichen 50 Minuten: eine Talfahrt.

Das einleitende und akustische Omunduntn klang noch vielversprechend, Brenna tuat's guat - geschenkt, Heast as nit - heimliche Hymne aller Söhne und Töchter und das war's dann aber auch. Viel Unbekanntes aus der Abteilung Romantik, balladeskes Schwächeln, wenig neu gewandetes und Schlusspunkt per Alphorn mit einer schräg-tonalen Jodelvariation. Ein bisschen Umändern in der Setlist und das Konzertattribut "fast grandios" kommt ohne das "fast" aus.

Der Blues der Ziehharmonika

Kurier 12. November 2014 | | Foto: © APA/Herbert Pfarrhoffer

HvGEs gibt keinen aktuellen Hit, kein neues Studio-Album, das es zu bewerben gilt, und somit auch kein fantasievolles Motto für die aktuelle Show: Nur ein nüchternes "Tour 2014" stand auf den Eintrittskarten zum Wien-Konzert von Hubert von Goisern.

So durfte es Montagabend im Museumsquartier nur um die Musik gehen. Denn nach wie vor entzieht sich der 61-Jährige wie kein anderer gängigen Marktstrukturen, geht mit der Fusion österreichischer Volksmusik mit der musikalischen Traditionen anderer Länder (wie einst Tibet und Tansania) konsequent und integer seinen eigenen Weg.

Nach dem Super-Hit Brenna tuat's guat von 2011 war von Goisern – "obwohl ich erst einmal drei oder vier Jahre darüber nachdenken wollte, was ich als nächstes tun könnte" – in den USA auf der Suche nach musikalischen Freunden.

Von dort hat er den Pedal-Steel-Gitarristen Steve Fishell mitgebracht. Und ein Programm, das weitgehend von Blues und Cajun bestimmt wird – von neuen Songs, die auf dem Album sein werden, an dem er gerade noch arbeitet.

Daran muss sich das Publikum, das in Dirndl, Nadelstreif-Anzügen und Metallica-T-Shirts aus allen möglichen Fan-Lagern ins Museumsquartier gekommen ist, offenbar erst gewöhnen. Jedenfalls dauert es diesmal eine ganze Weile, bis Goisern und seine vierköpfige Band ihre Zuhörer packen können. Obwohl es an dem Gebotenen eigentlich nicht viel auszusetzen gibt.

Leidenschaftlich

Ja, der Bass ist viel zu laut, ein tonloses Vibrieren, das man mehr spürt als hört. Aber von Goisern singt so leidenschaftlich wie eh und je. Und Songs wie Snowdown (über Flüchtlinge, Kriege und Krisen) oder Am helllichten Tag zeigen einmal mehr, wie einfühlsam er unterschiedliche Musikstile zu vereinen weiß, daraus eine echte Symbiose macht, anstatt nur eines dem anderen überzustülpen. Sein Blues ist variantenreich, mal wütend, mal traurig, hier leise klagend, dort besinnlich und friedvoll, wenn er von Freiheit und erfüllter Liebe singt.

Dazwischen erzählt von Goisern von seinen Erfahrungen in den USA. Von der Enttäuschung, feststellen zu müssen, dass es dort genauso engstirnige Musiker gibt wie in den Alpentälern daheim. Dass es kein Scherz war, als sich einige weigerten, Songs zu spielen, die von Schwarzen geschrieben wurden. Trotzdem scheint das Publikum erst aufzuwachen, als der Oberösterreicher bei der Zugabe Bekanntes wie Heast as nit auspackt.

Dann aber will man ihn gar nicht mehr von der Bühne lassen. Die zweite Zugabe (nach dem die erste schon eine halbe Stunde gedauert hat) ist ein so mühelos ins Heute gebrachter Alphorn-Jodler, der allen 1600 Wienern – egal ob in Dirndl oder Nadelstreif – Gänsehaut einjagt. 

Hubert von Goisern in Wien

Schnappen 11. November 2014| Foto: © Annemarie Prinz
Hubert von Goisern

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Goisern goes America

Kleine Zeitung 11. November 2014 | Text: Bernd Melichar

Ein fulminantes Konzert im Grazer Orpheum

Graz. Es war einmal, lang, lang her: das Hiatamadl. Dort hätte Hubert von Goisern weitermachen können und sich in den Mainstream ergießen. Hat er aber nicht. Stattdessen wählte er die verschlungenen Pfade, den großen Horizont und die weite Welt. Kurz: Er wählte die musikalische Wahrheit.

Nach Abstechern auf den afrikanischen Kontinent, nach Tibet und einer Reise der Donau entlang ist dieser Fusion-Großmeister jetzt in den amerikanischen Südstaaten angekommen. Dort hat er mehrere Monate damit verbracht, in den Sümpfen Louisianas nach Gemeinsamkeiten zwischen Cajun und (echter) österreichischer Volksmusik zu suchen. Er wurde fündig, wie ein fulminanter Auftritt Sonntagabend im ausverkauften Grazer Orpheum zeigte.

Im ersten Teil des Konzertes präsentierte Goisern ausschließlich Material der neuen CD, die erst im kommenden Jahr erscheinen wird. New Orleans harmoniert mit Aussee, Nashville mit Hallstatt. Da wird Amazing Grace auf der Harmonika gejuchzt, das passt Oh! Susanna in ein alpenländisches Konzept ohne Kitsch und Kommerz, da fügen sich frische, kräftige Eigenkompositionen nahtlos in eine lustvolle Abenteuerreise ohne Grenzen.

Heast as net?, hat der Goisern zum Schluss gesungen. Doch, wir haben es gut gehört. Weltmusik vom Allerfeinsten von einem Weltenbürger mit Herz und Hirn und Harmonika.

Hubert von Goisern: Live in Karlsruhe - 31. Oktober 2014

12. November 2014 | Fotos: © Winfried Reinhardt www.reinhardt-fotografie.de

Fast wie daheim

Allgäuer Zeitung 10. November 2014 | Text: Markus Noichl | Foto: Matthias Becker

Hubert von Goisern - Der österreichische Musiker fühlt sich im Allgäu wohl, verkündet er beim Konzert in Kempten. Er hat hier eine große Fangemeinde: 3500 Menschen wollen ihn hören

HvG und Helmut SchartlmüllerImmenstadt Er hat sich nicht neu erfunden. Auch nach seiner zweijährigen Bühnenpause bringt Hubert von Goisern in die Kemptener Big Box das, was die Fans von ihm erwarten und lieben: angerockte Alpenklänge, Volksmusik und Jodeltöne – nicht aus dem Museum, sondern als Spiegel unserer Zeit. Tief verwurzelt wie eine Zirbelkiefer in steiler Wand, aber auch von dort oben weit in die Welt hinaus blickend, Horizonte erweiternd. Heimat und Fernweh.

Dieses Fernweh verkörpert in der aktuellen Goisern-Band Steve Fishell aus Nashville aus dem US-Bundesstaat Tennessee. Der spielte schon bei verschiedenen Country-Größen die Steel-Guitar. Jene Art von Zither, die man rassig zupfen, mit der man aber die Töne auch herrlich schmalzig in die Länge ziehen kann. Mit Cowboy-Hut sitzt er wie der Fels in der Brandung zwischen Hubert und seinen umtriebigen Wienern, Weggefährten seit langem. Helmut Schartlmüller macht Dampf am E-Bass, Severin Trogbacher auf der E-Gitarre, Alex Pohn am Schlagzeug. Allesamt Multi-Instrumentalisten. Am auffälligsten das Hackbrett in seiner Ur-Fassung als persisches Santur.

Hubert von Goisern selbst wechselt die Quetschen fast nach jedem Stück. Einen eigenen Zuträger hat er, der ihm die verschiedenen Modelle anliefert. Zwischendurch jault er bluesig in die Mundharmonika oder zupft die Gitarre.

Dass es mit Weltmusik und Crossover nicht so leicht ist, wie man vielleicht denkt, dazu hält Hubert Anekdoten bereit. Als er sich Richtung USA orientierte auf der Suche nach weißen Flecken auf der Musik-Landkarte dieses Planeten, die er noch nicht bereiste, traf er zunächst mal Cajun-Musiker aus den Sümpfen Lousianas. Die wollten aber als brave Katholiken nicht Amazing Grace mit ihm spielen; das sei eine Protestanten-Hymne.

Auch sein nächster Vorschlag wurde abgelehnt, weil das Lied ein Schwarzer geschrieben habe. "Du moanst, sowas gibt’s nimma", kommentiert Hubert diesen Zusammenstoß mit Geisteshaltungen ewig Gestriger. "Jeds Johr gehds weida, aba net jeda weard gscheida", lautet einer von Huberts Songtexten; er passt gut zu seinen Erfahrungen in den USA. Zu seiner Herkunft stehen, zum Stallgeruch – das gehört für ihn dazu. Aber sich deshalb als was Besseres vorkommen? Das nicht. Im Allgäu fühle er sich "wia dohoam", sagt er zu Beginn des Konzertes. Als ihm der Jubel der 3500 Besucher entgegenbrandet, wird nachgeschoben ein cooles, ab- geklärtes "Des is hoit so, da brauch ma se nix einbuidn."

Dass Bob Dylan den Folksong Corrina, den Hubert auch spielt, nur gecovert, aber nicht geschrieben hat, darauf legt er Wert. Das habe ein Journalist falsch geschrieben, und das macht jetzt die Runde. "Do siaht ma, wia di obschreim. Wenn a Zeitungs-Schreiba do is, de soll iatzt aufpassn." Wir waren aufmerksam. Du sollst dich ja im Allgäu weiterhin "wia dahoam" fühlen, Hubert.

Hubert von Goisern in der bigBOX Kempten

Allgäuer Zeitung 10. November 2014 | Foto: © Matthias Becker
Hubert von Goisern

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Der sich wieder neu erfindet

Schwäbische Zeitung 9. November 2014 | Text: Dirk Augustin | Foto: Roland Rasemann

Hubert von Goisern begeistert mit bluesigem Alpenrock-Country

Hubert von GoisernKempten sz "Es klingt alles ein bisserl anders", verspricht Hubert Achleitner, besser bekannt als Hubert von Goisern, am Samstagabend dem Publikum in der BigBox in Kempten – und er hält Wort. Denn Blues und Country gab es in der Musik des Alpenrockers bisher nicht. Der 61-Jährige überrascht seine Fans wieder einmal, weil er im Kern gleich bleibt, außen rum aber einiges anders macht.

So hat der Konzertabend zwei Teile: In der ersten Stunde hört das Publikum zu. Mitsingen geht nicht, denn diese Songs kennt keiner. Die CD ist noch nicht fertig, er arbeitet im Studio daran. Auf der vor zwei Wochen gestarteten Tour stellt von Goisern aber schon mal vor, was fertig ist. Und er erzählt, woher die Einflüsse kommen.

Denn der 61-Jährige war 50 Tage in den USA. In der Heimat von Blues und Country wollte er Musiker treffen, mit ihnen in Sessions jammen, und den ein oder anderen fürs neue Album und die Tour mit nach Europa nehmen. Tatsächlich traf er am ersten Tag auf Steve Fishell, der dem bekannten Alpenrock nun mit seiner Pedal-Stell-Gitarre einen Hauch von Lagerfeuer und Cowboy-Leben gibt.

Danach aber traf von Goisern 49 Tage lang in Louisiana und Nashville auf keinen mehr, mit dem er konnte und mochte. Er brachte stattdessen die Erkenntnis mit, dass es nicht nur in tiefen Alpentälern engstirnige Menschen gibt. Das gibt es in weiten Steppen oder in Sümpfen ebenso. Zwischen den Songs erzählt von Goisern, was er in den Südstaaten erlebt hat. Erhoffte Sessions mit guten Musikern sind unmöglich, wenn die sich verweigern. Ein paar stellen sich als katholisch heraus und spielen von Amazing Grace nicht eine Note, weil es angeblich ein evangelisches Lied ist. Die Weißen mochten keine schwarzen Songs und umgekehrt. Für von Goisern ist das umso mehr ein Grund, diese Songs erst recht ins Repertoire aufzunehmen.

So klingt es ein bisschen neu, aber nicht so sehr, wie er es eigentlich vorhatte. Hubert von Goisern hat Steve Fishell zu dem Trio gesteckt, mit dem er seit Jahren zusammenarbeitet: Severin Trogbacher (Gitarre), Helmut Schartlmüller (Bass) und Alexander Pohn (Schlagzeug) brauchen niemandem mehr zu beweisen, welch ausgezeichnete Musiker sie sind.

Neues Album erscheint im Mai

"Frei wia der Wind" fühle er sich, singt von Goisern und beweist das vielfach. Offensichtlich passen die Elemente aus Blues, Country und Folk gut zur rockigen Volksmusik, die von Goisern schon vor Jahren mit Klängen aus Afrika, Asien und Osteuropa angereichert hat. Regelmäßig nimmt er sich solche Auszeiten, reist und lernt von anderen Musikern und bleibt dabei doch der "Steirer Bua". Beeindruckend ist, wie er das alles aufsaugt und auf seine besondere Weise verschmelzt.

Die Fans dürfen sich auf Mai freuen, wenn das neue Album erscheint, vor allem auf Corinna, Corinna, Oh Susanna oder Schnaps. Wobei auf der CD sicher die Geschichte zu Schnaps fehlen wird: Als Fishell am 4. Dezember des vergangenen Jahres in Goisern ankam, bekämpfte er seinen Jetlag mit Schweinsbraten und einem guten Schnaps. Als kurz darauf die Kinder des Ortes als Krampusse verkleidet auftraten, wusste der Amerikaner nicht mehr, was Realität und was Rausch war. Auf jeden Fall nahm er gleich eine Flasche des guten Stoffes an sich.

Freuen dürfen sich die Fans auch auf Snowdown, in dem sich von Goisern Gedanken über Flüchtlinge macht und die hierzulande leider herrschende Stimmung angesichts all der Kriege und Katastrophen zusammenfasst: "Nur nicht da bei mir, nicht da, mitten vor meiner Tür." Weil er eben immer auch politisch ist, fällt von Goisern durch die üblichen Raster der Volksmusik. Dabei waren die Musiker des Volkes früher immer direkt, derb und aufmüpfig.

Nach gut einer Stunde verließen von Goisern und seine vier Musiker die schlichte Bühne und kamen nach kurzer Umbaupause zurück. Und dann ging es ab mit seinen Klassikern. Auch wenn das Hiatamadl fehlte, das Publikum sang mit und feierte bei Brenna tuats guad und Heast es nit. Dabei ist klar, dass in ein paar Jahren auch einige der jetzt unbekannten Songs Klassiker des Hubert von Goisern sein werden. Deshalb war das Urteil des begeisterten Publikums einhellig: "Schee woas!"

Die Alpen treffen Nashville

Kölner Stadt Anzeiger 7. November 2014 | Text: Alexandra Spürck | Foto: Christoph Hennes

Hubert von Goisern im E-Werk

HvG

Baumwollfelder auf alpinen Steilhängen. Landwirtschaftlich ist das noch Utopie, aber Hubert von Goisern hat schon die Musik dazu. Der Begründer des Alpenrock – der auch ein emsiger Filmkomponist ist – hat ein neues Bandmitglied. Gemeinsam mit Steve Fishell aus Nashville und drei weiteren Musikern spielt von Goisern am Mittwoch im gut besuchten E-Werk. 1600 Zuschauer hat das Gipfeltreffen von Steirischer Harmonika und Steel Guitar angelockt.

Fishell, der unter anderem auch in der Band von Emmylou Harris spielte, gleitet mit dem Bottleneck über die Saiten, während von Goisern die Harmonika spielt. Keine Frage, der Neue harmoniert gut mit der Band. Aufgelesen hat ihn von Goisern in dessen Heimat, den Südstaaten der USA. Von Goisern, ein Bauernsohn aus dem österreichischen Salzkammergut, ist ein weit gereister Mann und hat bereits allerlei Einflüsse von Weltmusik in seinem Schaffen verarbeitet. Nach Tansania und Tibet entdeckt von Goisern nun Amerika und betreibt Völkerverständigung mit Volksmusik: Aus Amazing Grace macht er ein, ebenso besinnliches, So a Segn und jodelt zu Hank Williams' Südstaatenhymne Jambalaya.

Steve Fishell scheint die Band zu entschleunigen; Blueskompositionen in schleppendem Takt stehen auf dem Programm. Wird der Alpenrocker von Goisern, der in wenigen Tagen 62 Jahre alt wird, nun gemütlich? Unbequem bleibt er allemal. Als Fishell einmal pausiert, nimmt von Goisern an Tempo auf: Mit Alexander Pohn am Schlagzeug, dem Bassisten Helmut Schartlmüller und dem Gitarristen Severin Trogbacher stimmt er Brenna tuats guat an, mit antikapitalistischem Text der zum Geld verbrennen einlädt und – Ironie des Schicksals – 2012 ein großer Hit auf dem größten und kommerziellsten aller Volksfeste, dem Oktoberfest, wurde.

Im E-Werk bleiben die interkulturellen Missverständnisse aus; nach mehr als zwei Konzertstunden bläst von Goisern eine dankend aufgenommene Zugabe ins Alphorn.

Wieder daheim

Abendzeitung 5. November 2014 | Text: Arno Frank Eser

Hubert von Goisern erzählt im Circus Krone von Amerika, wo er den Blues entdeckt hat

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist in Wahrheit ziemlich begrenzt und beschränkt, auch was die Musik angeht. "Die leben und arbeiten alle in ihrem kleinen und überschaubaren Biotop", erzählt Hubert von Goisern im ausverkauften Circus Krone seine Fans.

Und wenn da so ein Freigeist wie er daherkommt, dann wissen die Musiker in den USA erstmal nichts damit anzufangen. Zumindest die nicht, die er getroffen hat. Ein Reisebericht aus erster Hand. Nicht verbittert, nicht frustriert, eher mit Augenzwinkern. Denn schließlich hat der Multi-Instrumentalist ein sehr wertvolles Souvenir mit nach Hause gebracht: den Blues!

Und der klingt in diesem Fall natürlich Hubert-von-Goisern-typisch, nicht nur vom Text und Dialekt her, sondern auch an der Ziehharmonika, auf der Gitarre, Mundharmonika und vor allem in der Art des Gesangs. Genau so, wie er einst gedacht war: als Ventil, die Traurigkeit rauszulassen, bevor sie einen angreifen kann. Man hört die Einflüsse des Louisiana-Blues, spürt aber auch die alpinen Wurzeln.

Und außerdem ist es ja nicht so, dass die ganze USA-Reise nur mit vergeblichen Zusammenspiel-Versuch vertan wurde. Gleich am ersten Tag gab es ein Meeting mit Steve Fishell an der Steel-Guitar - und den hat er auch gleich mitgebracht. Beeindruckend, wie die weinende Gitarre mit dem bluesigen Akkordeon harmonieren, und wie sich Schlagzeug, Bass und Gitarre in solchen magischen Momenten gekonnt zurückhalten.

Ein ungewohntes Programm: kaum Bekanntes, stattdessen Blues und auch amerikanische Standards wie Jambalaya, Amazing Grace und eine schräge Version von Corinna, Corinna. Dazu launige Geschichten von der Reise, zum Schmunzeln und Nachdenken.

Am Schluss dann doch noch der Hit Brenna tuats guat und der Klassiker Heast es net, wie die Zeit vergeht. Als letzte Zugabe dann noch ein gefühlvoller Jodler im Team, dazu ein wuchtiges Alphorn - und der Hubert von Goisern und seine Band sind wieder daheim.

Hingabe mit Haut und Haaren

Münchner Merkur 5. November 2014 | Text: Zoran Gojic | Foto: © Oliver Bodmer
Hubert von Goisern

Hubert von Goisern war im Süden der USA unterwegs
- die Klangeindrücke dieser Reise präsentierte er jetzt in München

Hubert von Goisern ist ein musikalischer Grenzgänger, der Einflüsse aus aller Welt in seine Arbeiten integriert. Jetzt hat er die Südstaaten der USA bereist. Und obwohl nicht überall der Funke übersprang, ist von Goisern doch mit vielen Klang-Eindrücken in sein Tonstudio zurückgekehrt.

Einige Musiker wollten "Amazing Grace" nicht spielen

Seit jeher versucht sich Hubert von Goisern am Möglichmachen des Unmöglichen, am Überschreiten von Grenzen und dem Bauen von Brücken mit Hilfe der Musik. In diversen Ländern Afrikas hat das wunderbar funktioniert, auf dem indischen Hochland ebenso und auch in den Anrainerländern der Donau. Aber ausgerechnet im Mutterland der populären Musik, in den USA, ist er verzweifelt. Jedenfalls erzählt er das im ausverkauften Münchner Circus Krone, in dem er das komplette, noch nicht veröffentlichte Album vorstellte, das er nach seinem USA-Trip aufgenommen hat.

Auch wenn der Funke bei den amerikanischen Kollegen nicht so recht zünden wollte - von Goisern hat wie immer Einflüsse, Klänge und Stimmungen in sich aufgesogen und wirken lassen. Und weil er im Süden der USA war, spielt er jetzt stampfenden Blues, Country, Bluegrass und Zydeco, alles wunderbar durcheinander und mit dem unverwechselbaren Goisern-Sound.

Nun ist die Vorstellung eines Oberösterreichers, der sich jodelnd und mit Ziehharmonika traditionelle Südstaaten-Musik einverliebt, zugegebenermaßen auf den ersten Blick zumindest irritierend. Schon nach den ersten Takten verfliegen aber die Zweifel, weil von Goisern nie so tut als ob, sondern sich dem Experiment mit Haut und Haar verschreibt. Es klingt ungewohnt, aber gut. Wie bisher bei jedem seiner Ausflüge in neue musikalische Welten. Außerdem kommt von Goisern zugute, dass insbesondere Country maßgeblich von mitteleuropäischen Einwandern geprägt wurde. So weit weg ist diese Musik in Wahrheit also gar nicht, und von Goisern nutzt diese Tatsache geschickt, um zwischen heimatlicher Musik und amerikanischen Weisen zu balancieren.

So klingt dann ein Blues-Standard wie Corrina, Corrina bei von Goisern, als hätte er immer schon in Mundart und auf Alpenart musiziert werden müssen. Und Amazing Grace, das der Musiker ganz allein an der Ziehharmonika anstimmt, hat man so noch nie gehört. Bei diesem Lied habe er gemerkt, dass die Amerikaner, wenigstens die im Süden, mindestens so verbohrt sind wie seine Landsleute aus Goisern, und das habe ihn sehr ernüchtert, erzählt er im Krone: Die Musiker dort weigerten sich nämlich, mit von Goisern zu spielen. Sie seien Katholiken und Amazing Grace ein protestantisches Kirchenlied. Zunächst habe es das für sehr schrägen Humor gehalten, "wie Helge Schneider". Aber die meinten das ernst. Lieder, die von Schwarzen komponiert wurden, spielen auch nicht alle weißen Musiker aus Nashville - all das hat den Weltenbummler von Goisern dann doch ziemlich schockiert. Die Musik freilich, die mag dieser Freigeist trotz all dieser merkwürdigen Erlebnisse während seiner USA-Reise trotzdem. Die kann schließlich nichts dafür.

Es ist diese entschlossene Hingabe zu allem, was er anpackt, die von Goisern nicht zuletzt zu einer Live-Sensation macht, auch im Alter von nunmehr 61 Jahren. Die Verve, mit der er bislang völlig unbekannte Titel spielt und sich die Aufmerksamkeit des Publikums gelegentlich regelrecht ertrotzt, ringt einem großen Respekt ab.

Den ersten Teil des Konzerts mit den noch unveröffentlichten Stücken beendet er mit einer leisen Ballade, einer Miniatur eigentlich, und erntet dennoch tosenden Beifall. Aufrichtigen Applaus, nicht das Takt-Klatschen, das oft einsetzt, wenn bekanntere Titel angespielt werden. Die kommen natürlich auch und werden entsprechend gefeiert - aber den Status eines Musikers, bei dem jedes einzelne Konzert lohnt, den hat sich von Goisern mit Auftritten wie in der ersten Hälfte des Münchner Konzerts erarbeitet. Er wagt etwas und traut den Zuhörern auch etwas zu. Als Zugabe gibt es dann Alphorn und sphärisches Jodeln, das muss man sich auch erst einmal trauen.

Das Amerika-Album erscheint im Mai nächsten Jahres. Gleichzeitig kommt der Dokumentarfilm Brenna tuats schon lang von Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt ist länger tot) in die Kinos, der das Konzert im Circus Krone für Dreharbeiten nutzte. Man darf sich wohl auf beides sehr freuen.

Der Fön von Louisiana

Süddeutsche Zeitung 5. November 2014 | Text: Michael Zirnstein

Hubert von Goisern überrascht im Circus Krone mit Blues aus den Südstaaten

München – Ist das alles? Hat nicht sein Manager Hubert von Goiserns "präsentestes Jahr ever" angekündigt? Erwartet man da nicht, der Alpenmusikkönig präsentiere den Vasallen im Circus Krone all seine laufenden Großtaten? Ausschnitte aus dem Rosenmüller-Film über sein Leben; das Orchester, mit dem er seine Hits für Vilsmaiers Austria-Prachtporträt neu vertont hat; und von der ethnologischen Musiksammelreise anlässlich der Großglockner-Ausstellung und der CD Steilklänge hätte er ja zumindest den Jodlerchor Wattwill aus der Schweiz antanzen lassen können.

Hat er nicht. Dem 62-Jährigen folgen nur vier Kerle auf die karge Bühne. Drei Oberösterreicher wie er, aber halb so alt, und ein sehniger Kauz mit Hut. Dieser, als Steve Fishell aus Nashville vorgestellt, ist von Goiserns einziges Mitbringsel. Er war, wie er launigst erzählt und was kaum einer mitbekommen hat, ja auch noch 50 Tage in den USA, um Brücken zu schlagen in dieses ihm entfremdete Land. Doch keiner der begnadeten Kollegen dort wollte sich auf Goiserns Fusions-Gesuch einlassen. Nur der Pedal-Steel-Gitarrist mit Hut, der prompt im Salzkammergut in Krampus-Riten und Haselnuss-Schnapssaufen eingeführt wurde. Jetzt kann man sich vorstellen, was die fünf fürs neue Album ausgetüftelt haben: Männermusik. Stadlgesellig, Cowboyaloans, Bullen-stark und Indianer-furchtlos: "Die Wahrheit sucht Asyl, aber kriagn tuat se’s nie, weil ma z’feig san dafür" aus dem apokalyptischen Stück Snowdown ist einer der großen neuen Texte.

Rock war dem Goiserer nie fremd, aber nun taucht er tief ein in dessen Ur-Sumpf: Jambalaya, Country, Neil-Young-Orgien, Lambchop-Streichler, Cajun, "und wannst an Blues mitbringst, dann ja von Louisiana". Fishells Slide-Fäden verweben mit Goiserns Ziachern, Severin Trogbacher Georgel an Strom- und Western-Gitarren duelliert sich mit den Jodlern, auch Drummer Alex Pohn und Bassist Helmut Schartlmüller suchen mehr als Rhythmus: klangliche Weite nämlich. Selten war einem Amerika näher.

Zwischen Schnaps und Corinna

tz 5. November 2014 | Text: Matthias Bieber | Foto: © Bodmer

HvGDa fährt der Goisern 50 Tage in die Vereinigten Staaten, um ziemlich schnell festzustellen: Die Amis und die Goiserner haben viel gemeinsam - zum Beispiel, dass sie glauben, es gäbe nix außerhalb ihres Lebens. Zum Glück ist Hubert von Goisern auch mit 61 ganz anders: Er saugt auf, er ist neugierig, er will probieren statt studieren. Wie großartig, intensiv und abwechslungsreich die Ergebnisse sind, konnten die Fans im knackvollen Circus Krone jetzt wieder mal erlaben: Goisern mixt Südstaaten-Sound mit Rock und Volksmusik. Fürs Blues-Feeling sorgt zudem der Nashville-Import Steve Fishell, den Goisern drüben kennengelernt hat. Als einzigen Musiker, der Hirn und Horizont genug hat, um durch Goiserns fabelhafte Welt der Klangräume mitzureisen, ja mehr: seine ganz persönliche Pedal-Steel-Note einfließen zu lassen. Und so vergehen über zwei stunden wie im Flug. Goisern, Ton-Tausendsassa und Multiinstrumentalist, irrwischt sich mit seiner starken Band zwischen hart und zart durch seine Stilblüten. Besingt Schnaps und Corinna, lässt's natürlich auch mal gut brennen und macht wieder mal klar: Die Feier vom Steirer ist einzigartig. Keiner kann ihm das Wasser reichen. Eben weil seine Aneignung verschiedenster Stile und Einflüsse niemals anbiedert, niemals tümelt, sondern tief empfunden ist. Goisern ist gelebte Völkerverständigung. Jubel und zum Schluss das berühmte Alphorn. So geht Kultur.