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HUBERTS SCHREIBTISCH

In Erinnerung an Heinz Nußbaumer

28. Oktober 2025 | Text & Fotos: Hubert von Goisern

Hubert von Goisern und Heinz Nußbaumer

Vor einem guten Vierteljahrhundert muss es gewesen sein – am Währinger Gürtel, im Tibet Restaurant unserer gemeinsamen Freundin Tseten –, als Heinz Nußbaumer und ich uns das erste Mal begegnet sind. Unsere Sorge um Tibet und das gemeinsame Engagement für das tibetische Volk und dessen Kultur brachte uns immer wieder zusammen – und näher.

Eines Tages lud Heinz mich zur Präsentation seines Buches Der Mönch in mir ein. Er erzählt darin von seinen persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen in der geheimnisvollen Mönchsrepublik am Berg Athos. Zu Hause angekommen, las ich es gebannt zu Ende. Es waren Atemzüge für die Seele. Es war der Geschmack von Ewigem. Ich war begeistert und ergriffen, rief ihn gleich am nächsten Morgen an und fragte, was ich tun müsse, um hinzukommen. Heinz bot mir an, sich um die Formalitäten zu kümmern; und, wenn ich wolle, könne ich ihn auf seiner nächsten Athos-Reise begleiten.

Siebenmal hatte ich das Glück, an seiner Seite die griechisch-byzantinische Mystik kennenzulernen. Einzutauchen in eine von Chorälen, Kerzenduft und Weihrauch durchtränkte Welt der Gebete. Ein Geschenk, aus seinem Munde die tausendjährige Geschichte der Klostergemeinschaften erzählt zu bekommen.

Heinz war voller Geschichte und Geschichten, und er war ein großartiger Erzähler. Unvergessen die abendlichen Stunden am Balkon unseres Klosters. Das Meer zu Füßen, den fliegenden Tanz der Schwalben vor Augen, in uns und die Welt hineinhorchend, einander Geheimnisse erzählend, uns offenbarend.

Eine große Seele ist von uns gegangen. 🖤🤍🖤 Mein Freund Heinz Nußbaumer war der rücksichtsvollste, wahrhaftigste und unvoreingenommenste Mensch, dem ich je begegnet bin. Er war für alle die ihn kannten, eine verlässliche Instanz im respektvollen Umgang mit Andersdenkenden und Andersgläubigen, ein Mahatma, eine große Seele.

Heinz Nußbaumer