Hubert von Goisern
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Vermischtes: 2006

Offener Brief an HC Strache

4. April 2006

Während Rainhard Fendrich und Hubert von Goisern aus dem Lautsprecher ertönen, startet Patrick Haselwanter als Vorredner: "Ich bin hier aufgewachsen und habe die Entwicklung miterlebt. Die Stadt hat die türkischen Familien hier angesiedelt. Das ist eine systematische Ghettobildung." Es sei eine bodenlose Frechheit, der "Islamisierung" müsse Einhalt geboten werden.

Strache schließt an und will es sich nicht gefallen lassen, dass ein "Österreicher nichts mehr wert ist". Die Bürgermeisterin fahre über ihre Bürger drüber, die Genossen seien keine Alternative, frei nach den Plakatsprüchen: "Die Indianer konnten die Einwanderer nicht stoppen, heute leben sie in Reservaten. Willst du eine Wohnung haben, musst du ein Kopftuch tragen...." (Tiroler Tageszeitung)

Sehr geehrter Herr Strache,

es freut mich zu hören, dass Sie ein Bewunderer meiner Musik sind und sich so sehr mit den Inhalten meiner Lieder identifizieren, dass Sie diese bei Ihren Wahlveranstaltungen einsetzen.
Da ich aber im umgekehrten Fall, Ihre unaufgeschlossene Art und Ihre fremdenfeindlichen Ansichten nicht teile, bitte ich Sie, von einer weiteren Verwendung meiner Musik bei Ihren Veranstaltungen Abstand zu nehmen.

Ich stehe für eine offene, tolerante Gesellschaft, für den Abbau der Ängste vor dem Fremden und Neuen, und nicht das Schüren derselben.

Ich stehe dafür, den Veränderungen ins Auge zu schauen und nach vorne zu blicken, nicht für den Versuch die Zeit aufzuhalten oder gar zurück zu drehen, das ist der Inhalt von "Heast as nit..."

gezeichnet

Hubert von Goisern

Patrioten ist nichts verboten

Ö3 MusicBlog 5. April 2006 | Text: Clemens Stadlbauer

HC Strache mag Hubert von Goisern. Jörg Haider mag Wolfgang Ambros. Josef Pühringer mag Christina Stürmer. Wenn Politiker ihre Liebe zur Musik entdecken, haben Künstler oft keine andere Wahl als zu klagen.

Hubert von Goisern ist ein höflicher Mensch. In einem gestern veröffentlichten Brief bittet er HC Strache, bei Wahlkampfveranstaltungen der FPÖ künftig nicht mehr seine Musik als Untermalung einzuspielen. Er hätte auch klagen können. So wie das Management von Rainhard Fendrich, das sich voriges Jahr dagegen verwehrt hat, dass der Haider-Klon aus Wien I am from Austria, die heimliche Nationalhymne Österreichs, für seine Propagandazwecke missbraucht.

Auf tirol.com ist das Management von Hubert von Goisern auf einen Bericht gestoßen, in dem über eine FPÖ-Wahlkampfveranstaltung in Innsbruck vor einigen Tagen folgendes zu lesen war:

Während Rainhard Fendrich und Hubert von Goisern aus dem Lautsprecher ertönen, startet Patrick Haselwanter als Vorredner: "Die Stadt hat türkische Familien hier angesiedelt. Das ist eine systematische Ghettobildung." Es sei eine bodenlose Frechheit, der Islamisierung müsse Einhalt geboten werden. Strache schließt an und will es sich nicht gefallen lassen, dass "ein Österreicher nichts mehr wert ist". Und so weiter.

Nun die Antwort des Künstlers. Gepflegt formuliert. Dadurch leicht zynisch in der Anmutung. Was sicher nicht Absicht war. Wie gesagt. Hubert von Goisern ist ein höflicher Mensch. [Siehe Brief oben]

Ich bezweifle, dass HC Strache solch subtile Gedankengänge kapiert. Bei Politikern, die Reden wie Holzhämmer schwingen, scheint mir die poetische Ader nicht sehr ausgeprägt zu sein. Da muss man wahrscheinlich schon ein bissl direkter vorgehen. So wie voriges Jahr das Watzmann-Ensemble, das nach der Aufführung des Kultmusicals auf der Klagenfurter Seebühne Landeshauptmann Haider den Handshake verweigert, seine Premierenfeier ignoriert und stattdessen lieber woanders gebechert hat. Jörg allein im Gasthaus. Aus den geplanten Werbefotos ist nichts geworden. Zu gequält das Lächeln.

Schön blöd geschaut hat auch Christina Stürmer als sie vor drei Jahren ihr Konterfei in einem Prospekt der ÖVP Oberösterreich entdeckt hat. Landeshauptmann Josef Pühringer wollte sich mit der prominenten Sängerin ein bissl bei seinen Jungwählerinnen einschleimen. Christinas Management hat sofort rechtliche Schritte angedroht. Leider waren die Drucksorten schon draußen.