Hubert von Goisern
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Vermischtes: 2016

Offener Brief an die John Otti Band und Norbert Hofer

22. November 2016 | Text: Hubert von Goisern

Am 4. Dezember 2016 wählen die Österreicher ihren neuen Präsidenten. Der unabhängige, von den Grünen unterstützte Kandidat Alexander van der Bellen tritt gegen Norbert Hofer von der FPÖ an. Obwohl Hubert von Goisern sich öffentlich dazu bekannt hat, Alexander van der Bellen zu unterstützen, wird bei Wahlkampfveranstaltungen der FPÖ seine Musik entgegen seines ausdrücklichen Wunsches eingesetzt.

Sehr geehrter Herr Otti, sehr geehrtes Wahlkampfteam von Norbert Hofer,

immer wieder werde ich in letzter Zeit darauf angesprochen, warum meine Lieder – zum Beispiel dargeboten von der John Otti Band - bei Wahlkampfveranstaltungen von Norbert Hofer zu hören sind, obwohl ich bekennender Van der Bellen – Unterstützer bin. Auch die Medien haben sich schon mit diesem Thema befasst, was Unmut bei mir auslöst. Schließlich habe ich mich schon in der Vergangenheit immer sehr deutlich und öffentlich gegen die vereinfachende, reaktionäre Denke der blauen Wortführer und deren aufwieglerische Sprache gestellt.

Da ich die unbelehrbare Art und die fremdenfeindlichen Ansichten Hoferscher Politik nicht teile, bitte ich Sie und alle anderen Hofer-Wahlkämpfer, von einer weiteren Verwendung meiner Musik Abstand zu nehmen. 

Ich stehe für eine offene, tolerante und solidarische Gesellschaft, für den Abbau der Ängste vor dem Fremden und Neuen und nicht für das Schüren derselben.

Ich stehe dafür, den Veränderungen ins Auge zu schauen und nach vorne zu blicken, nicht für den Versuch, die Zeit aufzuhalten oder gar zurück zu drehen. Darum geht es in meiner Musik und meinen Texten, und diese Gedanken finde ich bei Herrn Hofer nicht wieder.

Gezeichnet

Hubert von Goisern

Musik für Gedankenfreie

Salzburger Nachrichten 26. November 2016 | Text: Bernhard Flieher

Das kommt davon, wenn das Hinhören vom Schunkeln ersetzt wird. So kam's, dass Hubert von Goisern einen Brief schrieb. Darin steht, dass er die FPÖ bittet, bei ihren Kundgebungen auf seine Musik zu verzichten. Das ist kurios, weil es grundsätzlich überraschend ist, dass des Goiserers Musik dort genutzt wird. Weil: Goiserer und FPÖ, das geht sich schon immer weltanschaulich gar nicht aus. Darauf hätte man als FPÖ-Kundgebungsbeauftragter leicht kommen können. Dazu braucht man bloß ein paar Takte darüber nachzudenken, was diese Musik bedeutet, was dahintersteckt, ob sie gar zu mehr gemacht ist als zur guten Laune im Bierzelt. Beim Goiserer ist sie das schon immer. Beispiel? Iawaramoi von 1994. Im Fall des Goiserers steckt eine Lust auf das Fremde, auf Veränderung dahinter. Dass er sich mit einer solchen Grundhaltung bei der FPÖ nicht am richtigen Platz wähnt, ist nachzuvollziehen. Oder anders gesagt: Wenn ich eine Trauerkapelle für eine Hochzeit engagiere, habe ich Wesentliches nicht kapiert. Oder so: Als einst in einem US-Präsidentschaftswahlkampf Bruce Springsteens Born in the USA als patriotische Hymne eingesetzt wurde, war klar: Den Song hat sich keiner richtig angehört, geht es doch um eine harte Abrechnung mit dem Land. Aber es zählt nicht der Inhalt, sondern die Parole, der Titel. Echtes Hinhören hört sich offenbar auf, wenn's um Hits geht. Der Goiserer-Brief lässt sich als mehr lesen als ein Scharmützel im Kampf gegen kleingeistige Verknappung. Manifest wird ein trauriger Umstand: Es hört keiner zu, was ein anderer wie erzählt. Stattdessen werden die Nachdenklichen weggeschunkelt von gedankenfreien Unterhaltungsgaudi-Gauklern. Es gibt aber Musik, die des Goiserers muss dazugezählt werden, die nicht bloß Ablenkungsmanöver zur Steigerung der Konsum- oder Wahllust ist. Solche Musik wird nicht durch oberflächlichen Klang bedeutend, sondern durch das, was dieser Klang transportiert. Darum hat bedeutende Musik, gewachsen aus Gedankentiefe und Taktgefühl, in einem Wahlkampf grundsätzlich keinen Platz.

Nachsatz: Die John Otti Band, die gern den Goiserer-Hit Brenna tuats guat bei ihren Auftritten für die FPÖ spielte, hat den Song "natürlich mit sofortiger Wirkung" aus ihrem Programm genommen.