Hubert von Goisern
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"IM GESPRÄCH" IM GREITH HAUS

Vermischtes: 2017

Hubert von Goisern im Gespräch mit Frido Hütter

23. Januar 2017 | Foto: © Kurt Jammernegg/Greith-Haus
Frido Hütter und Hubert von Goisern

"Musik, die in keine Schublade passt"

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist Hubert von Goisern auf den Bühnen Europas unterwegs – als musikalischer Botschafter Österreichs, als Volksmusikerneuerer, als Entstauber und Individualist. Und dabei immer auch: als er selbst. Hubert von Goisern hat nie das gemacht, was von ihm erwartet wurde, und war damit konsequent erfolgreich. Musikalisch wird er von vielen der "Neuen Volksmusik" zugerechnet; geläufiger ist speziell zur Beschreibung seines Stils der Begriff "Alpenrock" – in vielen Kreisen gilt er als Erfinder dieses Genres.

Unter dem Motto "Musik, die in keine Schublade passt" wird Hubert von Goisern mit dem ehemaligen Kulturchef der Kleinen Zeitung Frido Hütter über Traditionen, Ideologien, kulturelle Grenzen und deren Festigung und Überschreitung sprechen und sich mit dem Spannungsfeld "Weltmusik versus Volksmusik" auseinandersetzen. Der ausgewiesene Musik- und Filmexperte Hütter wird das Gespräch aber nicht alleine führen – die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, die Diskussion zu bereichern und sich am Gespräch zu beteiligen.

Ein Abend mit Hubert von Goisern

Kleine Zeitung 12. Februar 2017

Ein Abend mit Hubert von Goisern wird zur Begegnung mit einem menschenfreundlichen Weltbürger

Kürzlich hatte ich das Vergnügen, einen Abend mit Hubert von Goisern zu verbringen. Wir saßen im famosen Greith-Haus im südsteirischen St. Ulrich und redeten. Rund 250 Besucher hörten mit Sympathie und Aufmerksamkeit zu. Der Bad Goiserer, Hubert Achleitner mit bürgerlichem Namen, verfügt über eine faszinierende Mischung aus Geduld und Zielstrebigkeit. Nachdem er längere Zeiten in Südafrika, Kanada und auf den Philippinen verbracht hatte, gründete er erst mit 34 Jahren seine erste Band, die Alpinkatzen. Sechs weitere sollte es zum ersten Hit Hiatamadl dauern. Aus dieser Zeit stammt auch Heast es net, eines der schönsten Lieder seit Franz Schuberts Winterreise. Zwischen Hiatamadl und dem Mega-Hit Brenna tuats guat lagen 19 (!) Jahre. Kein Problem. Statt auf Erfolgen auszuruhen, wandte sich Hubert der Weltmusik zu, besuchte Afrika, traf die Primatenforscherin Jane Goodall und machte Musik rund um den Tanganjikasee. Er engagierte sich für Tibet. Und er fuhr mit einem Lastenkahn von der Rheinmündung bis ins Donaudelta, um mit lokalen Kollegen zu musizieren. Jenseits des Polarkreises besuchte er ein Joik-Festival der Samen (früher nannte man sie Lappen), um diese mystischen Gesänge besser zu verstehen. Das einzige Hotel vor Ort war ausgebrannt und so rollte er allabendlich seinen Schlafsack dort aus, wo man ihn ließ. Als kleinen Dank bot er einen Jodler an, den die Samen mit stoischem Schweigen quittierten. Im dünnstbesiedelten Ost-Grönland gab er sogar ein eigenes Konzert. Hubert von Goisern ist ein echter Weltbürger. Jetzt will er zwei Jahre Auszeit nehmen, in seiner Schreibhütte arbeiten, mit seiner Tochter nach Asien und mit seiner Frau nach Kalifornien reisen. Gute Reise, Hubert, und auf ein Wiedersehen anno 2019!

Hubert von Goisern im Greith-Haus

Mein Bezirk 6. Februar 2017 | Text & Foto: Susanne Veronik

Im persönlichen Gespräch mit Journalist Frido Hütter hat der multitalentierte Ausnahmemusiker
die vielen Besucher im Greith-Haus fasziniert

Hubert von GoisernST. URICH IM GREITH. Das war ein Auflauf im ehrwürdigen Greith-Haus, hat das Greith-Haus Team rund um die leider verunfallte Obfrau Corinna Löw doch zu einer Gesprächsrunde der besonderen Art geladen: Unter dem Motto: "Musik, die in keine Schublade passt" hat der Grazer Journalist Frido Hütter den Musik-Rebell Hubert von Goisern zu einem Gespräch begrüßt. Sogar Lokalmatador Gerhard Roth und der ehemalige Landeshauptmann Franz Voves sowie Bgm. Franz Silly haben sich dieses Zugstück an Kultur in der Peripherie nicht entgehen lassen.

Rebellisches Liedgut

Brenna tuats guat - diesen Videoclip gab es gleich einmal als Einleitung, schließlich saß man einem musikalischen Rebell gegenüber. "Den Song haben alle verstanden, sogar Leute im Bankinstitut haben unter vorgehaltener Hand gemeint: "Sie haben ja eh recht...'", schmunzelte Hubert Achleitner wie der Musiker aus Bad Goisern mit bürgerlichem Namen heißt.

Linkshänder und Chemielaborant

Viel Persönliches war von dem Ausnahmemusiker aus dem Salzkammergut zu erfahren, der sich mit 27 Jahren zur Musik bekannt und nach einer Lehre zum Chemielaboranten und weiteren beruflichen Versuchen mit 30 Jahren endgültig der Musik verschrieben hat. "Wenn ich Künstler bin, dann möchte ich das zu 100% sein", betonte Achleitner, der sich laut eigenen trockenen Schilderungen als Chemielaborant in einigen gefahrvollen Situationen befunden hat.

Anfang der 70-er Jahre ist Achleitner nach Südafrika ausgewandert und hat dort Musik verschiedener Kulturen kennen gelernt. Die verfeindeten Stämme versuchte er über die Musik bei diversen Festln zu verbinden. Das war dann ja auch die Intention zu einem völkerverbindenden Schiffsprojekt, das er gemeinsam mit seinem Freund Didi Mateschitz auf die Beine gestellt hat, der ihm allerdings vorgeworfen hat, "eben kein Steirer zu sein".

Nachdem Achleitner früher die Volksmusik eher als abartig altväterisch abgetan hatte, fand er später gerade in dieser Musik seine Mission, so wie er in vielen Auslandsaufenthalten die jeweilige volkskulturelle Verwurzelung in musikalischer Form zu schätzen gelernt hat. So auch das Joiken bei den Ureinwohnern Lapplands, denen er sogar versucht hat, mit einem Jodler ein persönliches Geschenk zurückzugeben. "Dort bekommt jeder Same und jede Samin ab der Geburt seinen eigenen Joik", ist Achleitner von dieser Art des Jodelns als allerpersönlichsten Ausdruck begeistert.

Seinen Zugang und die Begeisterung für das im Dialekt gesungene Lied hat ihm André Heller vermittelt, den der Musiker aus dem Salzkammergut sehr schätzt. Somit ist mit dem Hiatamadl wohl der erste Ohrwurm der anderen Art über den Äther gezogen.

Verbogene Nägel und philippinische Töne

Hubert von Goisern ist zwar Linkshänder, ist aber dennoch der Steirischen Harmonika mehr als nur Herr, nachdem er zuerst mit der Gitarre durch die Lande gezogen ist. "Mein Vater hat's eben geschafft, mich umzuschulen. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als die linke Hand noch pfui war", so Hubert Achleitner, der sich an viele verbogene Nägel im Zuge des Heimwerker-Daseins mit seinem Vater erinnerte.

Ein zartes philippinisches Lied war der einfühlsame Abschluss zu diesem intensiven Abend rund um Hubert von Goisern, der übrigens ein bekennender Schilcher-Fan ist.