Hubert von Goisern
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HUBERT VON GOISERN: FEDERN TOUR 2016

FEDERN TOUR 2016 >> HvG in den USA

Hubert von Goisern auf Tour in Amerika

15. Februar 2016 | SPRINGE ZU: GOISERN GOES USA | FOTO-REISETAGEBUCH | VIDEO | PRESSE
Hubert von Goisern in Amerika

Im März trug Hubert von Goisern die Federn-Tour 2016 über den großen Teich dorthin zurück, wo alles begonnen hatte: Amerika. Musikalische Entdeckungen in den Südstaaten waren damals die Inspiration hinter dem Album Federn, das nach seiner Veröffentlichung bis auf Platz 2 der Charts kletterte. Was Hubert aus Tennessee und Louisiana mitbrachte war meisterhaft komponiert, von den kraftvollen Rocknummern und schwingenden Countrysongs bis zu den herzensschweren Balladen. Pedal Steel und E-Gitarre, Cajun und Ziehharmonika. Alles ist Goisern - wie das amerikanische Publikum in New York, Washington DC und Austin/Texas herausfand.

Datum Ort Venue
09.03.16 USA - New York Austrian Cultural Forum
10.03.16 USA - New York Rockwood Music Hall
12.03.16 USA - Washington D.C. Austrian Cultural Forum
19.03.16 USA - Austin/Texas South by Southwest

Goisern goes USA

9. September 2016 | Fotos: © Servus TV

Eine musikalische Reise durch Amerika auf Servus TV

Amerika inspirierte Hubert von Goisern zu seinem letzten Album Federn. Nun zog es ihn 2016 als Weltenbummler und musikalischen Botschafter in jenes Land, über das derzeit so viel geschrieben und gesprochen wird. Gemeinsam mit seiner Band und Pedal-Steel-Gitarrist Bob Bernstein bereiste der Oberösterreicher die USA. Neben der Motivation, seine Mischung aus alpinen Klängen und Südstaaten-Sound erstmals am amerikanischen Publikum auszutesten, bewog ihn dazu vor allem eines: der Wunsch, eine Brücke zu schlagen. "Ich finde es sehr schade, dass es zwischen der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten und Europa so eine Entfremdung gibt, ein gegenseitiges Unverständnis", so der Musiker vor Beginn der Reise.

Goisern reiste von New York über Washington D.C. und Los Angeles bis zum weltweit bedeutendsten Treffen der Musikindustrie, dem South by Southwest-Festival (Texas). Besonders inspirierend waren für ihn die Begegnungen mit Musikerkollegen wie Richard Gibbs oder Tito von der Band Tito & Tarantula. Goisern nimmt Stellung zu Themen wie dem US-Wahlkampf oder der Schwierigkeit, eigene Vorurteile abzulegen.


Hubert von Goisern hört auf in der Stille

Salzburger Nachrichten 13. Oktober 2016 | Text: Bernhard Flieher

Zehn Konzerte gibt er noch bis Ende des Monats.
Dann wird Hubert von Goisern für längere Zeit von der Bühne abtreten.

Hubert von Goisern hat schon einmal - vor 22 Jahren - gesagt, dass er zwei Jahre Pause machen werde. Dann wurden daraus sieben Jahre. So lang werde es dieses Mal nicht dauern, meint der 63-jährige Musiker.

Dieser Tage steht noch einmal Österreich auf dem Tourplan. Linz und Wien sind auf der Federn-Tournee schon erledigt. Am Montag kommt er ins Große Festspielhaus nach Salzburg. Dann gibt es noch sieben Auftritte in Deutschland.

"Es werden meine letzten Konzerte für längere Zeit sein", sagt Hubert von Goisern. Nicht, dass er "der Bühne und des Tourlebens müde geworden" sei. Aber das Programm Federn sei "in die Jahre gekommen". Vor knapp zwei Jahren ist das Album erschienen. Davor hatte er die Songs schon live gespielt. Damit nun etwas Neues entstehen könne, brauche er "Stille", um in sich zu hören, ob "da noch etwas zwingend nach draußen will".

In der neuen Dokumentation Goisern goes USA, die heute, Donnerstag, bei Servus TV zu sehen ist, lässt sich ein Anhaltspunkt erkennen, in welche Richtung sich etwas entwickeln könnte. Da taucht am Ende die Idee auf, einmal mit einem Mariachi-Orchester zu spielen.

Vier Konzerte gab es im März in den USA - zwei Mal New York, Washington und bei der Musikmesse South by Southwest in Austin, Texas. In Austin und New York hatte der Goiserer auch schon 1994 - am Höhepunkt des Erfolgs mit den Alpinkatzen - gespielt.

Eigentlich hätten die US-Termine schon die Pause einläuten sollen und so auch das Ende für die langjährige Zusammenarbeit mit seiner Band Severin Trogbacher, Alex Pohn und Helmut Schartlmüller. Rund 400 Konzerte spielten sie seit der ersten Probe im November 2006 gemeinsam. Drei Studioalben und zwei Live-Alben entstanden.

Der Goiserer machte sich in den USA jenseits der Konzertbühnen wieder auf musikalische Spurensuche in einem Land, dessen Musikwurzeln das Album Federn mehr als jedes andere Goiserer-Album geprägt hatten. Vor Jahren hatte der Goiserer begonnen, sich mit US-amerikanischen Musiktraditionen wie Cajun oder Country, mit Roots-Musik, zu beschäftigen. Er folgte dem Wunsch, "Amerika besser zu verstehen", dieses Land, das sich für ihn über lange Zeit vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in "ein Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten" verwandelt hatte. Und er versuchte in Nashville und auch New Orleans für eine Spurensuche zwischen Mississippi-Delta und Hallstätter See auch Mitstreiter vor Ort zu finden. Statt Offenheit war ihm aber teils "unfassbare Ignoranz" begegnet. So sei er "entfremdeter" zurückgekehrt, als er vor der Reise schon gewesen sei. Nun - einige Jahre nach dem ersten, gescheiterten Versuch, vielen Konzerten und dem Erfolg der Kinodokumentation Brenna tuats scho lang- zeigt Goisern goes USA, dass es im Land der sogenannten unbegrenzten Möglichkeiten doch auch besser laufen kann.

Regisseur Jens Pfeifer hat ihn begleitet. Goisern goes USA kommt dem Goiserer in manchen Szenen sehr nahe - etwa dann, wenn er über die Unfassbarkeit des aktuellen Wahlkampfs spricht, über seine Idee einer Brückenfunktion von Musik oder über die Last der Vorurteile dem Unbekannten gegenüber.

Immer reise ja der Zweifel mit, sagt Hubert von Goisern in der Doku, deren Manko ist, dass manche lohnenswerte Ansätze vom Regisseur nur gestreift werden. Offenbar muss es immer rasch an den nächsten Schauplatz weitergehen, damit bloß auch alle Stationen der Reise (inklusive Alphornspiel im Joshua Tree National Park) gezeigt werden können. Deutlich wird hingegen, dass sich nach früheren Enttäuschungen die Stimmung dreht.

Begleitet von Pedal-Steel-Gitarrist Bob Bernstein, der mit dem Goiserer auf der aktuellen Tournee auf der Bühne steht, erfüllt sich die Hoffnung auf Offenheit. Da jammt der Goiserer dann in Los Angeles mit Texmex-Musikern, die wie er die Verwandtschaft in den Musiken der Welt erkennen. Zwischen diesen Welten entfaltet dann bei einer kurzen Session ein grundsätzlich rein alpin verorteter Song wie Krippensteiner eine grenzenlose Weite. Und der Satz eines mexikanischen Musikers scheint eine gute Basis zu bilden, auf der in der Pause des Goiserers Neues wachsen könnte: "Er hält sich an keine Regeln."

So hält es der Goiserer nun auch mit Aussagen über die Länge seiner Pause. "Zwei Jahre hab ich mir vorgenommen - na ja, der Bühne fernzubleiben."

Live: Großes Festspielhaus Salzburg, 17. Oktober. | Doku: Goisern goes USA. Servus TV, Donnerstag (20.15 Uhr).

Hubert von Goisern auf Tour in den USA: Foto-Reisetagebuch

März 2016 | Fotos: © Hubert von Goisern / Jens Pfeifer / Stefan Schröder / Thomas Leitl

Hubert von Goisern: 25 years live on stage

Hubert von Goisern: Live beim SXSW Festival - 19. März 2016

Rock Paper Scissors 20. März 2016 | Foto: © Samantha Brickler
Hubert von Goisern

Hubert von Goisern und Enrique Martinez im Studio

17. März 2016

Nach den Konzerten in New York und Washington, D.C. ging Hubert von Goiserns Reise weiter zur amerikanischen Westküste. In Kalifornien stattete er den Red Bull Studios in Santa Monica einen Besuch ab, wo es eine fruchtbare Jam-Session mit dem Pedal Steel-Gitarristen Bob Bernstein und vielen weiteren Vertretern der Amerikanischen und Südamerikanischen Musikszene gab: René Camacho (Bass), Enrique Martinez (Keyboards/Akkordeon), Freddy Ramos (Gitarre), Martin Flores (Schlagzeug). Als die Musiker zusammen spielten, sah man die musikalischen Traditionen Österreich, Spaniens, Mexikos und Amerikas sich treffen und miteinander verschmelzen.

"Alpiner Grunge" oder doch "Volks-Rock-'n'-Roll"?

Music Information Center Austria 16. März 2016 | Text: Markus Deisenberger

Was hat man diesem Mann nicht schon alles vorgeworfen: dass er die Volksmusik verunglimpfe, dass er Kulturimperialist und überhaupt unbequem sei. Aber sind wir mal ehrlich: All diese Vorwürfe prallten an Hubert von Goisern stets ab wie die Gummibälle an der Squash-Wand. Und während sich die meisten dieser Anschuldigungen heute noch lächerlicher als damals anhören, ist dieser Mann nach wie vor einer der erfolgreichsten österreichischen Pop-Künstler, ohne dass er das je gewollt hätte.

Seine erste Karriere erlebte Hubert von Goisern mit der Band Alpinkatzen, deren Durchbruch wohl das Album Aufgeigen stått niederschiassen (1992) war. Mit Heast as nit, Weit, weit weg und nicht zuletzt dem unvermeidlichen Koa Hiatamadl gelangen ihm Hits, die auch heute noch Gültigkeit haben: von Ö3 bis Austropop, von Radio Wien bis Bierzelt. Die Mischung aus erdigem Rock und Volksmusik nannte damals jemand in einer Kurzdokumentation doch tatsächlich "Alpine Grunge" – ja, es war die Zeit, als Bands wie Pearl Jam und Nirvana ihren Siegeszug antraten und man auch die Musik eines Hubert von Goiserns, die damit erst einmal wenig zu tun hatte, in diesem Fahrwasser vermarkten wollte.

Geläufiger wurde später der Begriff "Alpenrock". Aber egal wie man die Musik von Hubert von Goisern und den Alpinkatzen auch bezeichnen mag – Hubert von Goisern selbst waren diese Genre-Bezeichnungen immer herzlich egal –, Tatsache ist, dass damit ein völlig neuer Musikstil erfunden war. Im Nachhinein lässt sich sagen, dass mit diesem Album auch die Tür für so unterschiedliche Acts und Künstler wie Broadlahn und Bluatschink aufgestoßen wurde.

Heute ist Hubert von Goisern längst zu einer Marke geworden, die Strahlkraft weit über die Grenzen des austro-dialektalen Sprachraums hinaus besitzt. Er füllt Säle in Deutschland, und aufgrund seiner zahlreichen Tourneen und Reisen ist er auch in vielen anderen Ländern dieser Welt ein Begriff. Unter anderem tritt Hubert von Goisern heuer (Samstag, 19. März 2016) beim renommierten texanischen Musikfestival South by Southwest auf, was allein schon zeigt, welch große Wertschätzung diesem Künstler international entgegengebracht wird. Es folgen Termine in Österreich und eine ausgedehnte Deutschlandtour.

Im Laufe seiner Karriere hat Hubert von Goisern mehr als 20 Alben veröffentlicht, zuletzt das im Mai 2015 erschienene Federn, mit dem in etwa zeitgleich der biografische Dokumentarfilm Brenna tuat's schon lang von Filmemacher Marcus H. Rosenmüller Premiere feierte. In diesem erklärt Goisern unter anderem, dass sein Künstlername von Anfang an als Racheakt angedacht war, weil er sich dort, wo er herkam, nie akzeptiert fühlte, und dass er Musik seit jeher nur aus einem einzigen Zweck heraus macht: um eine Brücke zwischen den Menschen zu schlagen.

Das Fernweh als lebenslanger Begleiter

Kaum ein Bühnenfoto gibt es heute, auf dem Goisern ohne seine Steirische Harmonika zu sehen ist. Es scheint fast, als seien die beiden zu einem einzigen Instrument verschmolzen. Dabei lernte er die Steirische Harmonika eigentlich erst relativ spät zu spielen, nämlich mit dreißig. Das erste Instrument, mit dem er vertraut wurde, war die Trompete. In der örtlichen Blasmusikkapelle spielte Hubert Achleitner sie, und schon damals zeigte sich der Eigensinn dieses Künstlers: Nach Streitereien um Repertoire und Länge des Haupthaares nämlich schied Goisern aus der Blaskapelle aus und brachte sich andere Instrumente (Gitarre und Klarinette) bei. Die Harmonika, die er sich im Selbststudium beibrachte, sollte erst viel später dazustoßen. In seinen Zwanzigern zog es Goisern erst einmal ins Ausland. So lebte er in Südafrika und studierte in Toronto, Kanada. Das Fernweh, es sollte ihm zum lebenslangen Begleiter werden. Man denke nur an sein Engagement für die Jane Goodall Stiftung und für ein freies Tibet, die ihn nach Tansania bzw. den Sitz des Dalai-Lama in Dharamsala/Indien führten und Publikum und Fans immer auch spezielle Bandprojekte und/oder Tondokumente von diesen Reisen schenkten. Kaum eine Reise also gab es im Leben Goiserns, die ihn und in weiterer Folge auch uns musikalisch bereichert hätte.

Keine Frage: Hubert von Goisern ist ein Weltbürger. Und er nimmt fast jede Gelegenheit wahr, das unter Beweis zu stellen. Viele werden sich noch an die Linz Europa Tour erinnern, eine für zwei Jahre anberaumte Tournee durch viele Länder Europas zur Bewerbung des Projekts Linz 2009 – Kulturhauptstadt Europas: Mit einem zur Bühne umgebauten Lastschiff samt Schubschiff und Wohnschiff, Band und Crew schipperte er von Linz aus die Donau stromabwärts bis zum Schwarzen Meer und danach Richtung Westen bis zur Nordsee. Auf dieser Reise wurde vielerorts angelegt, um mit lokal bekannten Künstlerinnen und Künstlern Konzerte an Bord zu spielen – Konzerte bei freiem Eintritt für ein begeistertes Publikum an Land. Ihren Abschluss fand die Tour dann im Juli 2009 beim Linz Europa Hafenfest.

Passend dazu hat Hubert von Goisern einmal gesagt, Heimat sei für ihn überall, wo er Leute kenne. Am stärksten sei das Gefühl aber natürlich im Salzkammergut, wo er nicht nur herkomme, sondern wo er auch immer noch regelmäßig Konzerte spiele.

Trotz aller Gigantomanie ist Goisern nämlich immer dem kleinen Format, dem mehr oder weniger spontanen Konzert in überschaubarem Rahmen – sprich dem "Wirtshauskonzert" – treu geblieben, wovon übrigens auch ein wunderbarer Film erzählt: Mit Hubert von Goisern auf Wirtshaustour. Mit kleiner Band tingelte er vom Großarltal über den Pass Gschütt ins Salzkammergut, von Frankenreith bis Leopoldsschlag an der tschechischen Grenze, von Ottenheim bis Weng. Mit dabei war ein kleines Kamerateam, das ihn und seine Mitmusiker beim intimen Dialog mit dem Publikum in der österreichischen Provinz einfing. Herausgekommen ist eine sehr gelungene Dokumentation, die den Künstler in einem besonderen Licht zeigt: Als nahbaren Künstler, als Menschen und Naturliebhaber. Dort fühle er sich, hat er einmal gesagt, der göttlichen Schöpfung näher als in jeder Kirche. Um zu musizieren allerdings brauche er die Stadt. In der Natur sei ja alles perfekt, das Rauschen, das Zirpen. Musik als Ausgleich für die Imperfektion, die uns in der Stadt umfängt? Vielleicht. Ein Versuch, die Natur und ihre Transzendenz in das städtische Umfeld, das dem weitaus überwiegenden Anteil der österreichischen Bevölkerung Heimat ist, hinüberzuretten.

Die Dokumentation Mit Hubert von Goisern auf Wirtshaustour zeigt aber noch eine Facette Goiserns, die den Vorwurf, dass er die Volksmusik verunglimpfe und sie modernisiere, wo sie doch gar keiner Modernisierung bedürfe, dem sich der Künstler seit seinen ersten Tagen ausgesetzt sieht, direkt widerlegt: Sein unbedingtes Wollen, eine bestimmte Empfindsamkeit in der Volksmusik zu bewahren. So ist auch sein Projekt Steilklänge zu verstehen, für das er sich sprichwörtlich durch etliche Musikarchive grub und einen äußerst informativen Querschnitt durch unverfälschte alpenländische Volksmusik zusammenstellte, und zwar aus allen Alpenregionen (Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Slowenien und Bayern).

Im Mai 2001 wurde Hubert von Goisern als bester "Künstler Pop/Rock national" erstmals mit dem Amadeus Austrian Music Award ausgezeichnet. In seiner Dankesrede kritisierte er damals die österreichische Musikbranche und vor allem die heimischen Radiosender, sie ließen nationalen Künstlern nicht genug Unterstützung angedeihen – eine Kritik, die angesichts der Quotendiskussion der letzten Jahre aktueller denn je ist.

Hubert von Goisern war und ist ein intensiver Mensch, der sich Themen entweder mit Haut und Haar widmet, oder es einfach sein lässt. Eines der vielen Geheimnisse, warum er auch nahezu ein Vierteljahrhundert nach seinen ersten großen Erfolgen immer noch so erfolgreich ist, ist seine Wandlungsfähigkeit. Er hat es bislang geschafft, sich mehrere Male neu zu erfinden, und er wird das auch – jede Wette – weiterhin tun.

Und Hubert von Goisern war immer auch ein Künstler, der mit seiner politischen Meinung nicht hinter dem Berg hielt. Dass ihm das nicht nur einmal als "unbequemer" Wesenszug ausgelegt wurde, spricht nicht unbedingt für den Umgang, den man hierzulande mit der Meinung und ihrer Freiheit pflegt.

Fakt ist: In einer Welt, in der sich Volksmusik und Niveau nicht gegenseitig ausschließen, in einer Welt, in der auch die Töchter besungen werden, ist Hubert von Goisern der wahre und echte "Volks-Rock-'n'-Roller".

Hubert von Goisern: Live im Austrian Cultural Forum, Washington D.C. - 12. März 2016

www.bguthriephotos.com 14. März 2016 | Foto: © Bruce Guthrie

Ziehharmonika, Pedal Steel Gitarre und Alphorn – sie waren alle neben Schlagzeug, Gitarre und Bass im Einsatz, als Hubert von Goisern und seine Band am Samstagabend zeigten, was in ihnen steckt. Ihr drittes Konzert in den USA führte sie ins Austrian Cultural Forum Washington D.C. – eines von dreißig solchen kulturellen Foren weltweit. Nach einem kurzen Abstecher nach Los Angeles geht die Tour Ende nächster Woche in den Lone Star State: Texas. Dort treten HvG und seine Musiker am Samstag, 19. März beim 30. SXSW Festival in Austin auf.

Hubert von Goisern

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Hubert von Goisern: Live in der Rockwood Music Hall, New York - 10. März 2016

12. März 2016 | Foto: © Scott Friedlander

Für seinen zweiten Gig in der Stadt, die niemals schläft, machte sich Hubert von Goisern auf den Weg zur Lower East Side. Seit der Eröffnung 2005 war die Rockwood Music Hall Gastgeber für zahlreiche Künstler. Am Donnerstagabend brachten HvG und seine Band die Klänge der Alpen gemischt mit Country, Rock und Blues auf die Bühne und wurden mit Begeisterung vom New Yorker Publikum empfangen. Der nächste Stopp für die Musiker am Samstag liegt 360km südwärts: in der Hauptstadt Washington D.C.

Hubert von Goisern und Band

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Hubert von Goisern unterwegs in den USA

Music Information Center Austria 10. März 2016 | Text: Michael Ternai

Auf seinem letzten Album Federn (Blanko Musik) widmete sich Hubert von Goisern den traditionellen Musikklängen Amerikas. Dorthin führt den Salzburger Weltmusiker mit internationaler Geltung nun auch eine ausgedehnte Tour. Hubert von Goisern gastiert mit seiner Band unter anderem in New York und Washington D.C. Den Höhepunkt seiner US-Tournee bildet ein Auftritt am renommierten Festival South by Southwest in Austin, Texas.

Er zählt ohne Zweifel zu den ganz großen Vertretern der heimischen Musikszene der Gegenwart, und das mittlerweile seit vielen, vielen Jahren: Hubert von Goisern. Nicht viele österreichische KünstlerInnen können von sich behaupten, sich so lange erfolgreich an der Spitze gehalten zu haben, wie es der Salzburger Ethnomusiker getan hat. Das Erfolgsgeheimnis von Hubert von Goisern, der vor allem als Mitglied der legendären Formation Alpinkatzen zu großer Bekanntheit gelangte, liegt in seiner unstillbaren Neugier nach dem Neuen. Er gehört zu jener seltenen Gruppe von Musikerinnen und Musikern, die die Gabe besitzen, sich aufgrund ihrer Offenheit immer wieder in innovativer und genialer Weise neu zu erfinden. Sozialistiert in der alpinen Volkmusik ist gebürtige Bad Goiserner in seiner Karriere in fast schon alle musikalischen Stile und Traditionen eingetaucht. Er war und ist ein Weltenbummler, den es mittlerweile beinahe schon überallhin verschlagen hat und der seine auf den Reisen gemachten Erfahrungen und Eindrücke - wie man es auf seinen mittlerweile zahlreichen Veröffentlichungen sehr schön hören kann - auf vielfältige und spannende Weise in seine Musik einfließen lässt. So geschehen auch auf seinem aktuellen Album Federn (2015).

Hubert von Goisern und die traditionelle amerikanische Musik

Die Inspiration für dieses Album holte sich Hubert von Goisern, der in den 1980er-Jahren Elektroakustik und experimentelle Musik an der Wiener Musikhochschule studierte, in den USA, der Geburtsstätte des Jazz, Blues, Bluegrass, Rock 'n' Roll und Country. Die traditionelle Musik Amerikas ist wohl eines der letzten Puzzlesteine, die in seinem universellen Weltsound noch gefehlt haben und die er nun in seine Lieder hat miteinfließen lassen. Einmal mehr hat sich der Salzburger darangemacht, vermeintlich Gegensätzliches auf seine ganz eigene Art miteinander zu verschmelzen, die Volksmusik Österreichs mit den Klängen der Südstaaten. 

Herausgekommen ist eine Sammlung sehr mitreißender und abwechslungsreicher Nummern, die mit druckvollen elektrischen Gitarren auch schon einmal richtig rockig daherkommen können. An anderer Stelle wiederum packt der musikalische Freigeist dann schwungvoll den Swing aus, um im nächsten Moment plötzlich eine ruhige und berührende Ballade anzustimmen. Das Besondere an Hubert von Goisern ist, dass - egal in welche stilistische und klangliche Umgebung es ihn verschlägt - seine Musik stets seine unverkennbare Handschrift trägt, was sie auch auf Federn einmal mehr in beeindruckender Weise tut.

Hubert von Goisern: Live im Austrian Cultural Forum, New York - 9. März 2016

ACFNY 10. März 2016 | Foto: © Christina Haller

Hubert von Goiserns Federn Tour 2016 feierte am Mittwochabend ihre Premiere in Amerika. Im Austrian Cultural Forum New York spielte die Band vor ausverkauftem Haus. Nach einem zweiten Konzert im Big Apple in der Rockwood Music Hall geht die Reise weiter nach Washington D.C. und schließlich zum renommierten South by Southwest-Festival in Austin/Texas.

Severin Trogbacher und Hubert von Goisern

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Gig Alert: Hubert von Goisern

Soundcheck 9. März 2016

Ein wildes, interkulturelles Musikfeuerwerk - heute Abend im Österreichischen Kulturforum,
morgen in der Rockwood Music Hall

Hubert von Goisern hat in einem südafrikanischen Chemielabor gearbeitet, in Kanada Flamencogitarre gelernt, traditionelle Philippinische Instrumente gespielt und zur selben Zeit immer enthusiastisch Jimi Hendrix, Ravi Shankar und Miles Davis gehört. Kurz gesagt. Er ist besessen von Klängen. Am meisten von den tiefen musikalischen Traditionen seines Heimatlandes Österreich, die er mit Western-Rock und Blues vermengt. Hubert von Goiserns neues Album heißt Federn.

Die Rückeroberung der Lederhosen - auf den Spuren der Klänge

Rock Paper Scissors 5. Februar 2016

Der Österreicher Hubert von Goisern, vom Alpinen Enfant Terrible zum Amerikanischen Musik-Störenfried

Für einen Mann, der unermüdlich die Grenzen der österreichischen Volksmusik gesprengt und dabei Hit um Hit in Europa gelandet hat, hält Hubert von Goisern es einfach: "Ich mag Klänge", betont er. "Ich mag es, aus allem Töne herauszubekommen". Deswegen findet man in seiner Arbeit alles, von der Ziehharmonika zur Nasenflöte. "Ich schlage auf Dinge, ich zupfe, blase…..ich liebe es, Dinge zum Schwingen zu bringen. Ich bin kein Virtuose, auch wenn ich Virtuosität schätze. Ich bin nur versessen auf Klänge."

Hinter dieser bescheidenen Behauptung liegt ein großes Interesse, ein brennendes Verlangen: Tradition zu erschüttern, sowohl in seiner Alpenheimatregion und weltweit, sowohl als Teil einer bahnbrechenden Band und als zum Denken anregender Solist. Lange hat von Goisern seine Faszination für Amerikas viele Geräusche genährt, auf seinem neuen (21.) Album Federn erkundet er sie. Er hört die Alpen in Amazing Grace, er vermischt Cajunklänge mit bekannten und ungewöhnlich ähnlichen Melodien aus Arnold Schwarzeneggers Heimatregion, der Steiermark (Stoansteirisch).

In diesem Frühjahr macht sich von Goisern wieder auf den Weg in die USA. Im Rahmen einer kurzen Tournee, die ihn nach New York, D.C. und Austin führen wird.

"Ich selbst lebe von der Vielfalt der Musik, die unsere Welt zu bieten hat. Die Alpine Tradition ist nur ein faszinierender Teil ", sagt von Goisern."Ich denke, in Zeiten wie diesen müssen wir für einander ein Ohr haben."

Von Goisern wuchs in einer kleinen, österreichischen Bergstadt auf, wo Alpine Musik - die nationalistisch angehauchte, der Volks-Schmalz - überall war. Er hasste es. Das Radio bot ein dringend benötigtes Fenster in andere Welten von Rock, Pop und Blues. In die funkigen Klänge, die zu dieser Zeit auf dem europäischen Äther gefunden werden konnten.

Nur: hören war nicht genug. Von Goisern wanderte als junger Mann weit durch die Welt, er inhalierte die musikalischen Elemente, die ihm unterwegs begegneten. Seine Reisen durch Südamerika und Asien führten ihn zu einer Offenbarung über sein eigenes Erbe. "Meine Faszination für andere musikalische Traditionen hat sich während dieser Zeit entwickelt. Ich habe begonnen, zu  hinterfragen und über meine Ablehnung meiner eigenen Tradition gegenüber zu reflektieren. Während meines Aufenthalts auf den Philippinen beschloss ich. die alpine Musik zu dekonstruieren und ihr eine neue Perspektive zu geben. Einer unserer Slogans damals war: zieht den Nazis die Lederhosen aus ".

Den Nazis keine Chance. Von Goisern startet ein Ringen mit Mitteleuropas eigenartiger Vergangenheit, er entreißt die wilden, frischen Seiten aus der süßlichen Verdorbenheit. Er nahm die alte Ziehharmonika, die ihm sein Großvater vor Jahren gegeben hatte, und zwang alle Arten von inspirierenden Klängen aus dem Instrument. Mit ein paar gleichgesinnten Musikern startete von Goisern die Alpinkatzen, eine Gruppe, die die Volksmusik einriss, nur um etwas wieder aufzubauen, das sowohl mit jungen Österreichern als auch mit der Musikindustrie eindrucksvoll aufging. Der Musiker spielte als Straßenmusiker in der Innenstadt von Wien, als ein Musikmanager von CBS Records ihn hörte und ihm einen Deal anbot.

"Es gab ein Verlangen nach grenzenloser, entfesselter Musik, nach einer Musik, die eine Verbindung zu unserer Vergangenheit hatte, aber ohne die Scham, nach einer Musik ohne die klebrige Süßigkeiten-Süße, die in der volkstümlichen Musik so präsent war", erinnert sich von Goisern. "Es gab den Wunsch nach Identität ohne die Verengungen und Abgrenzungen, die in der Regel mit Traditionen einhergehen."

Das zweite Album der Band brachte mehrere große Hits in deutschsprachigen Europa und unglaublich viel Aufmerksamkeit. Aber: nach mehreren Jahren der Tourneen und großem überregionalen Ruhm spielte die Band ihre letzte Show.

Von Goisern hat sich dennoch nicht damit begnügt, sich auf seinen Pop-Lorbeeren auszuruhen. Er schrieb Soundtracks für Spiel- und Dokumentarfilme (wenn er nicht gerade selbst in populären Dokumentationen mitwirkte). Er wandte sich an die Welt zurück mit  seiner Zusammenarbeit mit Künstlern aus Tibet und Ägypten (Mohamed Mounir). Er verwandelte ein Frachtschiff zu einer schwimmenden Bühne und spielte eine Reihe von Konzerten mit lokalen Musikern vom Linzer Hafen bis zum Schwarzen Meer, ein Zwei-Jahres-Projekt der Europäischen Union. Von Goisern erkundete die regionalen Traditionen, er feierte den europäischen Geist in 15 Ländern und wurde dabei von Künstlern wie Zap Mama, Rambo Amadeus, BAP und Klaus Doldinger unterstützt.

Aber die Alpen blieben in ihm stecken. Nachdem er an der Schule seines Sohnes unterrichtete, tauchte von Goisern noch einmal in die österreichische Volksmusik, um sie als musikalische Grundlage zu hören. "Wenn man gemeinsam singen will, muss man einen  Pool von gemeinsamen Liedern haben, und Volkslieder sind wie das ABC der Musik. Es gab nur anspruchsvolle oder peinliche Volksmusik-Aufnahmen zu dieser Zeit, so dass ich versuchte, eine Musik zu schaffen, die sich ganz anders anfühlte", erzählt er.  "Nur zum Spaß bat ich mein Management, ein paar Konzerte in kleinen Hallen zu organisieren, um dieses Projekt abzurunden.

"Was als ein paar einmalige Shows gedacht war, wurde eine Tournee durch Hunderte von Theatern, wurde zu Konzerten vor Tausenden. Die Tour endete in Timbuktu, auf dem Festival in der Wüste, wo österreichische Traditionen die Bühne mit Tamashek, Musikern aus Mali und allerlei anderen Künstlern und Musikfreunden aus der ganzen Welt teilten.

Doch eine von Goiserns frühesten und nachhaltigen musikalischen Vorlieben war die Roots-Musik des amerikanischen Südens und der Jazz, sowie neue Musik von Innovatoren wie Cage, Glas und Bernstein. Er reiste viel in den Staaten, suchte Fackelträger zum gemeinsamen Musizieren, sog die Klänge im Zusammenspiel auf.

Das Ergebnis war Federn, ein Blick auf die unerwarteten Schnittpunkte der mitteleuropäischen und amerikanischen Volksmusik. Von Goisern hielt diese unheimliche Verbindung zwischen dem Honky Tonk und dem Dorf fest, mit pumpender Harmonika (Es ist wahr) roher Gitarre (Ich bin ganz alloan), glitzerndem Lap Steel (So a Segen) und verwirrenden Riffs (Am hell-lichten Tag). Es ist witzig und grobkörnig, und irgendwie durch und durch amerikanisch, obwohl im österreichischen Dialekt gesungen.

Die Klänge auf beiden Seiten kommen ganz natürlich zu Goisern, und sie sind ein Teil von dem, dessen Erschaffung er Jahrzehnte gewidmet hat. "Ich bin besorgt um unsere transatlantische Entfremdung, und meine Erfahrung ist, dass die Musik in der Tat hilft, Brücken zu bauen", sinniert der Musiker. "Es gibt so viele Gemeinsamkeiten, und das kann hörbar gemacht werden."