LINZ EUROPA TOUR 2007-2009
LINZ EUROPA HAFENFEST - 3. - 5. Juli 2009, Linzer Hafen
HvG: Ich hab mich bei dem Projekt immer in der Rolle des Gastgebers gesehen. Ein Gastgeber, der auf diesen Reisen stets zu jeder Schandtat bereit war, ebenso wie die Künstler, die mit weit offenen Ohren und Sinnen zu uns aufs Boot gekommen sind. Sie alle haben uns sehr inspiriert, weil sie uns vom ersten Moment an zu erkennen gegeben haben, wie großartig und einzigartig das ist, was wir machen. Denn nach einigen Wochen am Schiff vergisst man, in was für einem unheimlich schönen Ausnahmezustand man lebt. Die Gäste haben dieses Bewusstsein immer wieder aufgefrischt. Spätestens nach fünf Minuten auf dem Schiff haben alle leuchtende Augen bekommen.
Jetzt gibt es die Reisen in komprimierter Form als Fest, und wieder lassen wir uns zur Gänze auf das ein, was die Gäste mit einbringen. Das Fest dauert zwar nur drei Tage, aber mit den "Aufwärmproben" ist es eine Woche. So lange werden großartige Musiker aus Ost und West in Linz versammelt sein. Da gibt's sehr exotische Komponenten, explosive Spielfreude, großartige Künstler und Performer. Mehr als 100 Leute kommen auf engstem Raum zusammen und ein gewaltiges Feuerwerk an Kreativität wird sich entzünden.
Freitag, 3. Juli 2009
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Philipp Poisel & Band
Deutschland
Er ist ein unglaublich sensibler, leiser,
aber umso intensiverer Liedermacher aus dem schwäbischen Raum. Wo
auch immer wir aufgetreten sind, kam natürlich vor allem Hubert
von Goisern Publikum. Dann bekamen sie Philipp als Opener vorgesetzt
und er hat vom ersten Lied an alle gepackt, ohne schreien zu müssen,
ohne großartig auf die Pauke zu hauen. Philipp ist Seelenmassage. -
Claudia Koreck & Band
Deutschland
Kennengelernt habe ich sie als junge Liedermacherin.
Damals hat sie gerade ihr Debütalbum veröffentlicht. Sie ist
aus Bayern und so war es naheliegend, dass sie bei einem der "Donauschiffskonzerte"
im bayrischen Raum mit auf die Bühne kommt. Inzwischen hat sie ihr
zweites Album veröffentlicht und ich freue mich darauf, wieder gemeinsam
mit ihr auf der Bühne zu stehen. Denn sie ist eine junge Frau, die
im Hier und Jetzt lebt und Lieder schreibt, die das zum Ausdruck bringen,
was junge Leute, die jetzt aufwachsen, erleben und empfinden. Auch wenn
ich aus einer anderen Generation komme, finde ich ihre Lieder sehr spannend. -
Karandila
Bulgarien
Ein Fest. Ich freu mich riesig, sie wiederzusehen.
Sie waren am längsten mit uns an Bord. Sie sind wirklich ein Teil
unserer Familie geworden. Wir haben ja dadurch, dass wir viel Zeit am
Fluss miteinander verbracht haben und viel proben konnten, viele Stücke
gemeinsam erarbeitet, die müssen wir jetzt wieder auffrischen. Das
sind die, auf die ich mich (mit) am meisten freue. -
Klaus Doldinger's Passport
Deutschland
Klaus Doldinger ist ein ganz großes
Vorbild von mir, eine große Ikone, ein unglaublicher Musiker und
Komponist, der mit allen Wassern gewaschen ist. Er strahlt eine ungeheure
Ruhe und Selbstverständlichkeit aus und dann lässt er plötzlich
die wildesten Sachen raus. Er hat ganz liebe, großartige Musiker
um sich gescharrt. Lauter Champs auf ihren Instrumenten. Musikalisch
ist er immer noch der Alte. Das heißt: Jazz-Rock, sehr viele Einflüsse
aus dem Orient, ein exotischer Groove. Er nimmt dich mit auf eine Reise,
der du dich nicht entziehen kannst.
Samstag, 4. Juli 2009
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Loredana Groza
Rumänien
In Rumänien sagen die Leute: Das ist
unsere Madonna. Ob man Madonna nun mag oder nicht, sie ist eine Frau,
die nicht umsonst solche Erfolge eingefahren hat, die hat schon was drauf.
Ich habe Madonna nie kennengelernt, aber ich glaube nicht, dass sie so
nett ist wie Loredana. Auf der Bühne ist Loredana eine richtige
Rampensau, auf der Bühne lebt sie auf. Ich hab sie unter anderem
beim Linz-Fest vor drei Jahren erlebt. Das muss man erst mal schaffen,
sich vor ein fremdes Publikum hinzustellen und sich so unausweichlich
machen. Hut ab, wie sie sich da reingehaut hat. -
Haydamaky
Ukraine
Eine Band aus der Ukraine, ein außergewöhnliches
Soundbild. Sie klingen ganz einzigartig - finde ich jedenfalls. Haydamaky haben
einige Ausnahmemusiker in ihren Reihen. Die ganze Band, die ganze Musik
hat einen sehr fernen, exotischen, einen ausgesprochen melancholischen
Touch, der unter die Haut geht. Nachdem ich sie zum ersten mal live gesehen
habe, war mir klar: Genau DIE möchte ich gern haben. BAP
Deutschland
BAP sind wie
ein amerikanischer Rockklassiker. Nur sind die Sprache und die Geschichten,
die Wolfgang Niedecken erzählt, nicht amerikanisch, sondern "kölsch".
Auch wenn man eine BAP-Nummer nicht kennt,
hat man trotzdem das Gefühl, sofort mitsingen zu können. Das
können die! Auch da ist eine Verwandtschaft. Als ich damals anfing,
in Deutschland zu spielen und die ersten Kritiken in den Zeitungen erschienen,
haben alle nach Beispielen gerungen, um den Leuten klarzumachen, was
da jetzt abläuft. Da tauchte immer wieder der Name BAP auf.
Also habe ich mir eine CD von denen gekauft, um zu erfahren, mit wem
man mich da vergleicht - und ich habe überhaupt nichts verstanden.
Da habe ich mir gedacht: Aha, das meinen die. -
Haindling
Deutschland
Haindling muss
man genauso wenig beschreiben, wie man Willi Resetarits beschreiben muss.
Was Haindling aber auf jeden Fall auszeichnet,
ist dieses Elefantöse. Das trifft sowohl auf ihre bayrisch/afrikanischen
Elefantengrooves zu, als auch auf diese sehr speziellen Bläsersounds.
Man hört einen Takt Haindling - und
weiß: Haindling. Da braucht Hans-Jürgen
Buchner nicht mal singen. Er hat einfach über die Jahre und Jahrzehnte
seinen Stil entwickelt und der Erfolg bestätigt ihn in dem, was
er tut.
Sonntag, 5. Juli 2009
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Stelzhamma
Österreich
Oberösterreich, da sind wir zu Hause.
Vom Dichter Stelzhamer gibt es die großartige Beschreibung eines
Innviertler Dorfes.
"Vuan a Turm und hint' a Turm und mitten drinnen lauta Suam!" Das
darf nur einer sagen, der dort zu Hause ist. So sehe ich auch Stelzhamma.
Das ist eine Musik und eine Art des Musizierens, die etwas sehr Regionales
hat. Ist ja auch lustig, dass der Bandleader von Stelzhamma auch
der Bandleader von Russkaja ist. Ich wollt
sie dabei haben, weil sie dabei sein wollten! -
Willi Resetarits & Stubnblues
Österreich
Was kann man zum Willi sagen, was nicht jeder
weiß? Nichts. Mit dem Willi haben wir die Fahrt begonnen. Er war
2007 beim Ablegen mit an Bord. Wenn er jetzt nicht dabei wäre, hätte
ich das Gefühl, wir haben ihn verloren und mit dem Gefühl möchte
ich nicht in die letzte Runde gehen. -
Zdob și Zdub
Moldawien
Ethnopunk. Die Burschen haben eine unglaubliche
Energie. Wenn die loslegen, reißt es einem einfach die Füße
weg. Bei ihnen empfinde ich auch eine große Seelenverwandtschaft.
Auf der einen Seite sind sie mit der Tradition auf Du und Du. Andererseits
haben sie auch etwas Aufrührerisches und Unangepasstes. Sie sind
auch ein gutes Beispiel für das Einzigartige und Authentische, das
ich bei allen Gästen haben wollte. -
Konstantin Wecker & Spring String Quartett
Deutschland/Österreich
Wecker ist ein Geschichtenerzähler und
ein singender Poet. Man kann Wecker zumindest einmal im Jahr in Wien
erleben: Aber das, was passiert, wenn wir zusammen musizieren und gemeinsam
auf der Bühne stehen (und ein Programm erarbeiten, so wie das hier
der Fall sein wird), dann ist das noch einmal ganz was Anderes. Da entsteht
etwas ganz Außergewöhnliches. So wie der Wecker singt und
spielt, wenn er mit uns spielt, spielt er nur, wenn er mit uns singt
und spielt.
LINZ EUROPA HAFENFEST - 3. - 5. Juli 2009, Linzer Hafen
"Das Linz Europa Hafenfest wird ein einzigartiges Fest der Begegnung sowohl für das Publikum, als auch für die beteiligten Musikerinnen und Musiker. Ich kenne ja alle, die mich auf der Linz Europa Tour 2007 - 2009 begleitet haben, aber viele von ihnen hatten untereinander noch keinen direkten Kontakt. Ich hoffe, dass sich alle mit diesem Programm wohl fühlen und freue mich schon sehr auf das musikalische Miteinander. Ich bin an drei Tagen auf der Bühne und spiele jeden Tag ein anderes Programm. Die Gäste beeinflussen, was ich spiele, dadurch entstehen Synergien mit allen Bands, die noch nicht abzuschätzen sind." Hubert von Goisern
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Die Enge eines Schiffes lässt dem Eigensinn wenigPlatz. Doch der Spielraum,
der Hubert von Goisern und seiner Band während der zwei Sommer währenden Linz
Europa Tour zur Verfügung stand, wurde voll genutzt. Nach
außen wurden die Verstärker aufgedreht: Immer eine gute Methode,
fremdes Terrain in Schwingung zu versetzen. Nach gleichem Prinzip
erfolgte auch die innere Arbeit. Aus der Enge von Zeit und Raum, und
im Austausch mit Musikern, die unterwegs an Bord kamen, wuchs die
Energie. Das Zusammenspiel wird dem alpinen Erbe des Österreichers
und seiner Liebe zu traditionellen Klängen der Fremde ebenso gerecht
wie es sich in wilder, hart rockender Ungestümheit ausdrückt.
Im Sommer 2007 stürmte eine sehr junge Band mit dem Goiserer auf einer zur Konzertbühne umgebauten Barge los - zunächst über die Donau gen Osten, im Sommer 2008 dann unter anderem auf dem Rhein-Main-Donau-Kanal gen Nordwesten, wo David Lackner (Keys), Maria Moling (Percussion, Stimme), Alex Pohn (Schlagzeug), Helmut Schartlmüller (Bass), Elisabeth Schuen (Geige, Stimme), Marlene Schuen (Geige, Stimme) und Severin Trogbacher (Gitarre) und Darinka Tsekova (Gadulka) auf Zuruf virtuos mit den unterschiedlichsten Gästen loslegten.
Zdob și Zdub aus Moldawien mit ihrer Hiatamadl-Version, der serbische Querdenker Rambo Amadeus oder die "rumänische Madonna" Loredana Groza - um nur einige zu nennen - rückten den Osten Europas in greifbare Nähe. Der für viele weniger geheimnisvolle Westen wurde repräsentiert durch die großartigen Schiffgäste von 2008: unter anderem BAP, Xavier Naidoo, Konstantin Wecker, Klaus Doldinger und Zap Mama wagten das Abenteuer, auf dem Schiff zu musizieren.
Das Abenteuer Flussfahrt ist nun vorbei, die Konzertbarge ihrer ursprünglichen Bestimmung als Schottertransporter im Flußverkehr zurückgeführt - aber die Energie, die Spielfreude und die Freude an der Begegnung mit anderen Musikern und Menschen wird weitergetragen ins Jahr 2009, in dem Linz Kulturhauptstadt Europas sein wird.
Vom 3. - 5. Juli 2009 findet die Linz Europa Tour ihren Abschluss bei einem Festival, an dem fast alle Protagonisten der beiden ereignis- und musikreichen Jahre sich auf der Bühne zusammenfinden werden. Und jeder, der es nicht live mit bis zum Schwarzen Meer oder nach Amsterdam geschafft hat, kann erleben, wie die spannendsten musikalischen Begegnungen nochmals Revue passieren, zwar nicht mehr an Bord, aber doch gemeinsam mit Hubert auf der Bühne.
Getragen wird das dreitägige Programm von Hubert von Goisern und seiner Band, die nach dem Ende der gelassenen Fortbewegung auf der Barge in schnellerem Tempo eine fulminante Hallentournee in Angriff genommen haben. Es dröhnt harter Rock. Es perlt Pop. Es jodelt inneralpin. Niemals zerfällt die Üppigkeit in ihre Einzelheiten.
