Hubert von Goisern
DE
EN
 

AUSLAND

AUSLAND >> Reviews: 1 2

Zum Runterkommen, zum Abheben

Neues Deutschland 3. Januar 2015 | Text: Marion Pietrzok
Trad Special Edition

TRAD Special Edition Box Set

[...] Für von Goiserns musikalische Herkunft, einen Teil seiner Quellen, liefern die Trad-Platten berührende Beispiele. Die Melodien, die er quasi direkt vom Volks(lied)mund weg ins "Von-Goisern'sche" übersetzt hat, seien "so etwas wie die Ursubstanz" seines musikalischen Ausdrucks, sein "abc in Noten".

Am besten, sich gleich die CD-Box zu kaufen, die neben den drei Platten – zwei Trad-CDs und die CD Ausland mit der Dokumentation der Live-Konzerte der Trad-Tour 2004 – eine DVD enthält: den Film über die Konzertreise nach Mali zum Festival au Desert 2005 in Timbuktu. Mit Jägerhütchen auf dem Kopf jodeln in der Wüste neben den Kamelen der Tuareg. Seltsame Erfahrung. Aber von Goisern glaubt an die Musik und an eine Welt, in der es respektvoll und solidarisch zugeht.

Diesmal auch in Wien und Timbuktu

Concerto 6/2005 | Text: Werner Leiss | Foto: Herbert Höpfl

Hubert von Goisern war wieder im Ausland

HvGSehr viele Konzerte wollte Hubert von Goisern ursprünglich ja gar nicht geben auf der vorjährigen Trad-Tour, die seine Volkslied-Phase abschließen sollte, nämlich nur dreißig, aber über hundert sind es dann doch geworden. Und wo haben er und seine Band nicht überall konzertiert: In Bad Aibling, Würselen, Freiburg, Oldenburg, Trier, Soest und Wien sind jedenfalls die Live-Aufnahmen der CD entstanden, die sich deshalb auch Ausland nennt. Denn Wien wäre für diese Art von Musik auch Ausland, meint Goisern. Obwohl, auch in Wien wird gejodelt, wenn auch anders. Dort wird halt gedudelt. Hervorragendes Beispiel dafür ist Trude Mally.

Aber egal, die Lieder auf diesen Aufnahmen stammen natürlich aus dem Salzkammergut und klingen live weniger introviert als auf den beiden Studio-Trad-CDs. Den Musikerinnen und Musikern ist die Spielfreude anzumerken, und das vorhandene Material funktioniert wohl live naturgemäß lebendiger und einfach besser. Zu den bodenständiger Instrumenten gesellen sich wieder einige exotisch anmutende, aber insgesamt wirken die Lieder und Jodler da am intensivsten, wenn sie sich nahe am Ursprünglichen bewegen. Ausland kann jedenfalls als gelungener Abschluss dieser Phase zeitgemäßer Aufarbeitung dieses speziellen traditionellen Liedguts gesehen werden.

Und dann gibt es ja auch noch die DVD mit dem Titel Warten auf Timbuktu, einem 45 Minuten dauernden Film über die Konzertreise nach Mali zum diesjährigen Festival au Desert in Mali. Dieses Festival findet seit 2001 statt und entwickelte sich seither zu einem Ort der Begegnung zwischen Tuaregs und Künstlern anderer Teile Malis, Afrikas und der Welt. Mühevoll und strapaziös war die Anreise, langsam und mit etlichen Tagen des Wartens quälten sich die Musiker samt Crew mit kleinen Booten ohne Motor, einem kleinen kirgischen Flugzeug mit russischer Besatzung, mit Lastwagen und Bussen, schließlich einem Taxi zum Ort des Geschehens. Und hier auf der Bühne mitten in der Wüste Essakane treten Hubert von Goisern und seine Band im Jänner 2005 schließlich ein letztes Mal auf. Ein würdiger Abschluss.

Mit dieser Veröffentlichung wird es wohl für langere Zeit Schluss mit neuem Material gewesen sein, denn in den nächsten Jahren gönnt sich Hubert von Goisern wieder einmal eine Auszeit. Sicher wird er aber wieder reisen, und so brauchen wir uns wahrscheinlich keine großen Sorgen machen. Zumindest die von ihm komponierte Klubhymne des neu gegründeten Fußballvereins Red Bull Salzburg bliebt uns wohl in der Zwischenzeit erhalten.

Bad Goiserns Sand in der Wüste Sahara

Drehpunktkultur 21. November 2005 | Text: Gerti Krawanja

Hubert von Goisern und seine Erlebnisse in Afrika: ein Höhepunkt des Bergfilmfestivals im "Das Kino" am Freitag

Hubert von Goisern ist Individualist in jeder Hinsicht. Wer sonst würde bis ans Ende der Welt reisen, um seine Musik zu präsentieren? Im Zuge seiner Trad II Tournee reiste er mit Band und Kameramann Peter Pfund Anfang des Jahres zum Festival au desert in die Wüste Afrikas. Dort entstand Hubert von Goiserns Debütfilm Warten auf Timbuktu, der am Freitag (18.11.) im Das Kino uraufgeführt wurde.

In Warten auf Timbuktu lernt man das Warten in anderen Dimensionen kennen. "In Mali steht die Zeit still", erklärt Hubert Achleitner (wie der Goiserer tatsächlich heißt) am Anfang des Films. Beeindruckend und bewegend skizziert er den Alltag dieses Volkes, so gut dies in einer Stunde eben möglich ist. Alles ist langsam. Fahrgewohnheiten ohne Verkehrsschilder, Zeltabende im Freien, einsame Kamelritte in der Wüste... Ein Film, der dazu einlädt, sich diesen Kontinent einmal genauer anzuschauen.

Die Eindrücke der Mitreisenden werden von Hubert von Goisern teils zynisch, teils humorvoll kommentiert. Die Bühne wird Festival au desert tatsächlich mitten in der einsamen Wüste aufgebaut. Tausende Menschen, Europäer wie Einheimische, sitzen rund um die Lagerfeuer. Während Hubert von Goisern sein Hiatamadl zusammen mit einem farbigen Sänger aus Burkina Faso anstimmt, stolzieren Reitkamele mit ihren Tuareg-Reitern wie Fabelwesen hinaus in die Wüste. Soundmann Wolfgang Spannberger schaffte mit der dürftigen Anlage Unmögliches.

Afrika sei seine große Liebe, sagt Hubert von Goisern. Doch beim anschließenden Interview erfährt man Gegenteiliges. Diese Liebe werde oft nicht erwidert. Auf Einladung sei man gekommen, doch letztendlich sei man von den Veranstaltern nur abgezockt worden und habe alles selbst bezahlt. Der Film als Schönfärberei? "Manchmal ist es gut, nicht das zu bekommen, was man will", das Zitat vom Dalai Lama im Vorspann des Films ließe einiges vermuten. Doch das lässt Hubert von Goisern nicht gelten. Die Anklage gelte lediglich einer Minderheit. Das könne man nicht verallgemeinern, denn umgekehrt würde auch der Afrikaner in Europa oft ausgenommen. Tatsächlich: Wenn man sich den Film genau ansieht, spürt man auch die Spannung, wenn Hubert von Goisern etwa sagt, dies sei seine letzte Reise.

Er kritisiert die ungerechte Verteilung der Investitionsgüter, denn "die Afrikaner haben viele Exportgüter und wären durchaus nicht auf Entwicklungshilfe angewiesen". Dies würde aber weder von den Europäern noch von den Amerikanern erkannt und vermittle den Menschen in Afrika Geringschätzung und Minderwertigkeitsgefühl.

Warum er die Strapazen auf sich nimmt? Er wolle den Menschen seine Traditionen näher bringen. Und: "Man muss reisen, wenn man Neues und Unbekanntes spüren will." Gereist sei er viel in seinem Leben: von Kanada bis Tibet. Seine Biografie liest sich wie ein Roman. Die exotischsten Instrumente hat er gelernt, die unglaublichsten Erfahrungen gesammelt. Aber seiner Heimat ist er treu geblieben. Auf dem Video zu Trad II präsentiert er Bad Goisern und Umgebung in seiner ursprünglichsten Form, inmitten der Berge, Salzbergwerke und Flüsse. Ganz angepasst an die Musiktitel und sehr originell und anmutig fotografiert von Julian Pölsler.

Jetzt macht Hubert von Goisern erst mal Pause für ein Jahr. Doch als "Getriebener" wird er weiter reisen und hoffentlich noch viele Erlebnisse dieser Art dokumentieren.

Weltmusik mit Alpin-Appeal

Youngflash November 2005

Hubert von Goisern - Ausland

Seit Jahren schon mischt der österreichische Sänger und Musiker Hubert von Goisern sehr erfolgreich alpine Klänge mit Zitaten aus verschiedenen Genres der Weltmusik und formt daraus einen eigenständigen Stil, der Rock- und Ethno-Fans gleichermaßen begeistert. Auf DVD (mit Bonus-CD) führt er nun noch einmal vor, wie das live klingt.

Spannend wie gewohnt pendelt er zwischen Ziehharmonika und Bluesgitarre, und eine interessante Reportage zeigt die Reise der Band zum Festival Au Desert 2005, einem Treffen von Ethno-Bands, das in der Wüste des westafrikanischen Mali stattfand.

Ausland

Musiczone 24. Oktober 2005

Seine Musik war immer etwas Besonderes und sein Umgang mit Traditionen, einer der interessantesten. Nun veröffentlicht er ein Live-Album bei dem vor allem sein letztes Werk Trad II Berücksichtigung findet. Ein Weltklasse-Produkt an dem man nicht vorübergehen sollte, sondern für das man sich Zeit nehmen muss! Mit dabei auch eine fein produzierte DVD - dieses Doppelpack ist wahrlich ein Geschenk an alle Fans.

Ausland

Musicprint November 2005 | Text: H.G. Zabel

... Zusammenarbeiten sind auch für Hubert von Goisern von jeher das Salz in der Suppe. Seine aktuelle Veröffentlichung ist in erster Linie Audio-CD: Ausland (Lawine) lässt Ausschnitte seiner erfolgreichen Trad-Tournee mit ausschließlich neu arrangierten volksmusikalischen Liedern hören. Doch die anhängende DVD mit dem Film Warten auf Timbuktu - ein Film über die Konzertreise des Mannes mit der bewegten Biografie nach Mali - macht das Doppeldisk-Paket erst so recht spannend.

Von Bad Aibling nach Mali

PNP 4. November 2005 | Text: Uwe Käding | Foto: Ronald Zak

"Ausland" - Hubert von Goisern (Lawine/SonyBMG)

Hubert von GoisernMit traumwandlerischer Sicherheit hat Hubert von Goisern traditionelle Musik aus den Alpen für ein Ensemble mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Ziehharmonika übersetzt. Die beiden Trad-Alben wurden dabei nicht zu bloßer Volksmusik im Popkontext, und das war eine besondere Leistung, die er auf seiner Trad-Tour sogar noch übertraf. Das Live-Album dazu hat er nun Ausland genannt. Von Goiserns kleine Ansprachen im Konzertsaal, in denen er mit viel Hintersinn über die scheinbare oder vielleicht auch tatsächliche Sinnlosigkeit von Jodlern philosophierte, sind leider rausgeschnitten worden. So bleibt von einer Lehrstunde in alpiner Tradition die Musik, und die ist von besonderer atmosphärischer Dichte, wie sie selten ein Live-Album transportiert.

Als ob Auftritte "in Bad Aibling, Würselen, Freiburg, Oldenburg, Trier, Soest und Wien (für diese Musik nicht weniger Ausland)" nicht international genug gewesen seien, hat der Goiserer zum Abschluss noch eine Einladung zum Festival au Desert in Mali angenommen. Darüber berichtet ein Enttäuschungen und Frustrationen nicht kaschierender Film-Essay auf einer DVD des Doppelpacks. "Afrika - das ist wie eine große Liebe, die oft nicht erwidert wird", schreibt er dazu. "Eine Prüfung für die Standhaftigkeit meiner Ideale und Träume, meiner Utopie von einer globalen, solidarischen, respektvollen Gesellschaft."

Aus dem Land, für das Land

Salzburger Nachrichten 29. Oktober 2005 | Text: Bernhard Flieher

Hubert von Goisern dokumentiert seine umjubelte Trad-Tour, die Reise zur volksmusikalischen Essenz seines Werkes, auf der CD "Ausland". Als Draufgabe gibt's als DVD den Reisefilm "Warten auf Timbuktu".

"Und i hear di nit wischpern/und i hear di nit schrein/ja du wirst halt schon längst/über d'granitzn sein." Dann noch ein Jodler. Dann ist es still. Kein Laut mehr. Pause. Ende - zumindest vorläufig. Die letzten Worte auf Ausland (Lawine/SonyBMG) klingen nicht nur wie ein Abschied, sie sind es auch. Die Beschäftigung mit der reinen Lehre, also der Erarbeitung traditionellen Liedguts in Goisernscher Interpretation, ist vorerst vorbei. Überhaupt will Hubert von Goisern bis 2007 nichts tun. Was freilich nur bedeutet, dass er nichts von dem tut, was sein auffälligster Job ist: eigene Musik aufnehmen und auf Konzerttour gehen.

Mehr als die Studioaufnahmen Trad (2001) und Trad II (2003) hält Ausland (weil dort aufgenommen und zwar in "Bad Aibling, Würselen, Freiburg, Oldenburg, Trier, Soest und Wien - für diese Musik nicht weniger Ausland", wie im Booklet steht) für eine CD lang den Ort fest, an den Hubert von Goisern geraten ist.

Die Essenz einer zwei Jahrzehnte andauernden Suche nach einem adäquaten Ausdruck für Heimat und Ferne, für sehnsüchtig gewünschtes Dort und gar nicht so schlechtes Hier, für Weggehen(-müssen) und Daheimsein(-wollen) gelingt auf höchstem Niveau.

Die Lieder - allesamt aus der volkskulturellen Schatztruhe seiner engeren Heimat im inneren Salzkammergut - stammen aus einer Welt lange vor unserer Zeit. Die Sounds wurzeln in den Erfahrungen, die Hubert von Goisern gesammelt hat. Mantrahafte Schleifen, arabische Sprengsel und afrikanische Rhythmen bekommen da die gleiche Bedeutung wie Polka und Zwiefacher. Die Welt in ihren wesentlichen Bestandteilen ist überall die gleiche. Nur hören muss man das halt.

Auf Ausland klingt Goiserns Volksmusik in ihrer bisher intensivsten Ausformung, die immer persönlich daherkommt und sich nie anbiedert. Die Präzision der Band (Bernd Bechtloff, Max Lässer, Arnulf Lindner, Monika Drasch), das Gespür von Soundmann Wolfgang Spannberger und vor allem das klar definierte Ziel, die Musik der Heimat mit den Mitteln globaler Klänge zu vermessen, ohne in "Traditionsdümmelei" oder in Weltmusikwahnsinn zu verfallen, bestechen.

Als Draufgabe nach rund 100 Konzerten der Trad-Tour zog Hubert von Goisern mit seinen Musikern im Jänner dieses Jahres in die Sahara in Nordmali zum Festival au Desert. Die Zugabe zum Live-Mitschnitt ist eine bei diesem Tuareg-Festival vom Salzburger Kameramann Peter Pfund gedrehte und von Hubert von Goisern gestaltete Dokumentation. Warten auf Timbuktu heißt sie. Der Titel ist Programm. Einerseits geht es um die Sehnsucht, in der Nähe der mythologisch verklärten Wüstenstadt Timbuktu eine fremde Welt kennen zu lernen. Anderseits zeugt das "Warten" im Titel von der schieren Unmöglichkeit eines solchen Unterfangens.

An einem gern als Ende der Welt definierten Ort treffen (Musik-)Kulturen aufeinander, um sich am Ende der Reise ein klein wenig besser zu verstehen, was freilich - und auch davon erzählt dieser Film - unter anderem durch Missverständnisse und Enttäuschungen passiert. Ein stiller, nachdenklicher Reisefilm ist es geworden, der sich vor allem der Frage widmet, warum man glaubt, aufbrechen zu müssen. Warum? Weil wir nicht anders können, wenn wir Neues wissen und Unbekanntes spüren wollen.

Am 18. November wird Warten auf Timbuktu (im Paket mit dem bereits im TV gesendeten Film Trad) im Rahmen des zwölften Bergfilmfestival "Abenteuer Berg - Abenteuer Film" im Salzburger "Das Kino" seine Leinwandpremiere feiern.