Hubert von Goisern
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"Wie eine brennende Fackel"

Rosenheimer Nachrichten 30. Juni 2009 | Interview: Catriona Hansbauer und Sven Eisermann | Foto: Eisermann
Hubert von Goisern

Vergangenen Freitag begeisterte Hubert von Goisern seine Fans in Maxlrain. Davor nahm er sich Zeit für einen Zwischenstop auf unserem Roten Bankerl.

Tuntenhausen. Ohne Pause präsentierte der Künstler mit seiner jungen Band beim fast dreistündigen Konzert sowohl Titel aus seinem neuesten Album S'Nix als auch die großen Hits aus seiner Zeit mit den Alpinkatzen.

Hier in der Region haben Sie eine große und treue Fangemeinde. Ist das Konzert in Maxlrain für Sie als Oberösterreicher fast so etwas wie ein Heimspiel?

Fast. Für mich gibt es eigentlich vier Plätze, die etwas ganz Besonderes an sich haben. Das ist bei mir daheim in Goisern, das ist in Wien, in Salzburg und in München. Maxlrain stresst mich nicht so. Aber ich bin eigentlich lieber nicht gestresst als gestresst und spiele gerne dort, wo ich das Gefühl habe: Da hört man das Gras nicht so stark husten.

Vom 3. bis 5. Juli findet in Linz das große Abschlusskonzert der zweijährigen Europatour statt. Spielen Sie sich hier in Maxlrain schon warm für dieses Großereignis und freuen Sie sich auf dieses Fest?

Ich freue mich schon sehr darauf, abgesehen davon, dass es danach leider wirklich aus ist. Es waren vier Jahre Arbeit, aber es war eine sehr schöne Zeit mit spannenden Begegnungen und es schwingt natürlich auch Wehmut mit.

Ihre Europareise sollte Menschen und Künstler verbinden. Haben Sie den Eindruck, dass Europa langsam zusammenwächst oder sind Sie eher frustriert, dass immer noch Gräben zwischen den Völkern bestehen und Vorurteile in den Köpfen?

Es ist normal, dass es auch Skeptiker gegenüber Europa gibt und dem muss man Rechnung tragen. Aber Europa ist ein großartiges Projekt, wenn auch noch eine Baustelle. Wenn einem an dieser Baustelle etwas nicht passt, muss man sich einbringen. Aber ich habe schon das Gefühl, dass aufgrund der gefallenen Grenzen mittlerweile ein lockererer Umgang unter den Menschen herrscht.

Gab es auf Ihrer Flüssetour zum Schwarzen Meer und nach Rotterdam eine Station, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist beziehungsweise einen Höhepunkt?

Fast jeder Tag war ein Höhepunkt. Dass es überhaupt passiert ist, war das große Wunder.

Sie selbst haben einmal Wien zu einer Ihrer liebsten Städte erklärt. Stellt die Stadt vielleicht so etwas wie eine Symbiose zwischen Ost und West dar?

Ja, das tut sie auf jeden Fall. Allein der Völkermix aus Zeiten der Monarchie schwingt bis heute mit. Und das mag ich gerade an einer Stadt, dass es nicht so eine Inzucht gibt sondern eine Befruchtung - auch vom Land natürlich.

Apropos Wien. Den in Wien sehr erfolgreichen FPÖ-Politiker Hans Christian Strache haben Sie 2006 aufgefordert, das Lied Heast as net nicht für Wahlkampfzwecke zu verwenden. Der deutsche SPD-Politiker Martin Schulz hat Strache kürzlich öffentlich als Nazi bezeichnet. Teilen Sie seine Auffassung?

Ich mag den Ausdruck grundsätzlich nicht und ich würde ihn nicht auf jemanden heute anwenden; denn das war eine besonders schlimme Zeit damals, die man mit nichts vergleichen kann. Aber er ist auf jeden Fall ein Zündler und solche Leute gehören eigentlich nicht in die Politik.

Während Ihrer gesamten Karriere haben Sie immer die Natur in Ihre Projekte miteingebunden, sei es die Donau oder der Dachstein auf einer Pressekonferenz 1992. Die Natur scheint für Ihr Leben und Ihre Musik eine besondere Rolle zu spielen.

Ohne Natur könnte ich nicht lange auskommen, da würde ich depressiv.

Sie sind bereits in jungen Jahren ein Weltenbummler gewesen. In Ihrer Biographie kann man lesen, dass Sie mit Kopfjägern auf den Philippinen zusammen lebten. Wie ist es denn dazu gekommen? Hatten Sie keine Angst?

Ich wollte einfach in die Gegend, weil ich gehört hatte, dass dort noch Instrumente gespielt werden, die es sonst nirgends mehr gibt. Angst hatte ich keine. Man kann auch bei uns über die Straße gehen und von einem Verrückten zusammengefahren werden.

Auf den Philippinen haben Sie die Nasenflöte gelernt. Bei all den Instrumenten, die Sie spielen: haben Sie eigentlich ein Lieblingsinstrument?

Das wechselt ab. Wenn ich eine Melodie suche, spiele ich zum Beispiel gerne Trompete. Wenn ich nach Harmonien suche, setze ich mich eher ans Klavier oder spiele Gitarre. Ziehharmonika liegt so dazwischen. Ich mag eigentlich alle Instrumente sehr gerne - auch die, die ich nicht spiele.

Von den Philippinen wieder nach Bayern. Wie ist generell Ihr Verhältnis zu Bayern?

München ist sicher vom Publikum her meine Hauptstadt. Dort gibt es die meisten Leute, die mit meiner Musik und dem, was ich mache, etwas anfangen können.

Das Hiatamadl, einer Ihrer größten Hits, ist ja ein ähnliches Phänomen wie Schiefoan von Wolfgang Ambros und Fürstenfeld von STS. Können Sie das Lied noch hören beziehungsweise werden es die Zuschauer heute Abend hören?

Das weiß ich noch nicht. Das liegt daran, ob mir danach ist. Wir haben es in den letzten zehn Konzerten bloß einmal gespielt. Prinzipiell mag ich das Lied aber immer noch gerne. (Anmerkung der Redaktion: Er hat es gespielt.)

Sie sind jetzt 56 Jahre alt. Denken Sie auch manchmal ans Aufhören oder haben Sie schon wieder neue Ideen und Projekte für die nächsten Jahre?

So etwas wie Ruhestand kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Ich bin gerne auf Tour. Es macht allerdings auch müde. Ich vergleiche das gerne mit einer Fackel, die auf der Bühne so lange brennt, bis der Brennstoff aus ist. Dann sollte man eine Pause machen und die werde ich ab August auch machen und voraussichtlich erst 2011 wieder auf die Bühne gehen.

Kloster Benediktbeuern rockt

Ludwig Magazin Juni 2009 | Interview: Uwe Märzheuser | Foto: Jürgen Skarwan

LUDWIG sprach mit dem Musiker Hubert von Goisern über das Sommer-Ereignis der Region.

Hubert von GoisernHerr von Goisern, was hat Sie bewegt, in dieser Location aufzutreten?

Wir haben während einer der letzten Tourneen schon an zwei Abenden im Kloster gespielt, das Ambiente ist sehr reizvoll - ein ehrwürdiges Gemäuer, das Ruhe ausstrahlt.

Haben Sie eine persönliche Verbindung zu den Werten eines Klosters, beispielsweise Bodenständigkeit und Ehrlichkeit?

Natürlich denke ich, dass mir all diese Werte nahe stehen. Ich schaffe es aber immer noch nicht, genug Gelassenheit aufzubringen, um Moskitos am Leben zu lassen.

Ihre neue Tour heißt S'Nix, worum geht es?

Bei S'Nix sind die Lieder während unserer Schiffstournee in Osteuropa entstanden, das hat ihnen einen sehr eigenen Groove mitgegeben. Auch vorher wurde ich beim Komponieren oft durch Reisen beeinflusst, die mich besonders in musikalischer Hinsicht anderen Kulturen näher gebracht haben. Das beeinflusst meine Sicht der Dinge und auch meine Musik.

Wie drückt sich das in Ihren Liedern aus?

Vielleicht kann der Zuhörer aus den Texten und Melodien etwas Meditatives herausziehen? Grundsätzlich denke ich aber, dass meine Lieder weniger von Askese oder klösterlicher Disziplin handeln. Groove ist etwas sehr Körperliches, Intensives, Unzölibatäres, Promiskes.

Ist es für Sie wichtig, auch die Menschen in kleineren Orten und Regionen direkt anzusprechen?

Ich freue mich über jeden Menschen, den ich mit meiner Musik erreichen kann, dabei ist es zweitrangig, wo er sich aufhält.

Bald regiert wieder der Zufall

Sieben Tage 10. Juni 2009 | Text: Julia Schafferhofer

Weltmusiker und ewig Reisender: Hubert von Goisern macht diese Woche in Weiz Station.
Worauf er sich nach Ende seiner Mammut-Tour freut: auf Zeit und Zufall.

In den Hafen einfahren, nach der Konzert-Schipperei die Donau rauf und runter, endlich wieder festen Boden unter den Füßen haben. Ankommen. Für einen Suchenden, wie Hubert von Goisern einer ist, bedeutet das vor allem eines: Zeit haben. "Dem Zufall wieder Raum geben." Punkt.

Und damit könnte der 56-jährige Ausnahmemusiker und Botschafter (er selber bevorzugt "Bootschafter") der Kulturhauptstadt Linz seine Philosophie gar nicht besser auf den Punkt bringen. "Ich bin halt ein neugieriger Mensch, interpretiert wird alles, was kommt."

Pläne geschmiedet und Projekte geplant für die Zeit nach dem Schiff hat er noch nicht. Der Zufall darf Regie führen, wohin es ihn treibt, wo er hält, wovon er sich inspirieren lässt, welche Töne er anschlagen wird. "Sonst wäre es ja nicht der Zufall", betont er und fügt leise hinzu: "Ich möchte wieder ein wenig still werden". Sagt er und meint damit auch den Kontakt zu Medien. Viel sei los gewesen, Anfragen, Interviewtermine, Pressekonferenzen. Zu viel.

Still, aber nicht leise

Still werden. Auch was das Reden an sich angeht. "Ich freue mich auf mich." Auf seine Gedanken, seinen Freundeskreis. Jenen Teil eben, den er an Bord zurückgenommen habe. Schließlich ging es bei der völkerverbindenden Reise um's Uns. Um's Wir. Darum gemeinsam zu musizieren, z'ammenzukommen. "Ich habe wahnsinnig spannende Menschen kennenlernen dürfen."

Über die Zeit auf der Donau schreibt er gerade ein Buch, das diese Zeit reflektiert. "Ich bin schon fast fertig." Hörpröben seiner Gigs von Schiff-an-Land, magische und preschende Melodien von Land und Wasser, gibt's auch. Das Live-Doppelalbum Haut und Haar erscheint am 12. Juni.

Weitsichtigkeit

Apropos. Das Loch, das zwischen Weit- & Kurzsichtigkeit klafft, beschäftigt ihn. Er selber schätzte Menschen, die keine Angst haben, ihren Horizont zu erweitern. Kurzsichtigkeit lässt ihn ratlos zurück. Aktuelles Beispiel die EU-Wahl: "Ich bin erschüttert, wie viele Gegner es gibt." Nachsatz zur österreichischen Politik: "Wenigstens müssen wir uns nicht mit einem wie Berlusconi herumschlagen." Sagt's und eilt weiter. Zur nächsten Pressekonferenz. Zum letzten Sturm vor der neuen Ruhe.

"Ich habe keine Zielgruppe"

Landshuter Zeitung 7. Mai 2009 | Text: Rita Neumaier

Hubert von Goisern kommt nach seiner Schiffstour durch Europa nach Landshut

Als Erfinder des Alpenrock zu gelten, damit hat sich Hubert von Goisern nicht lange wohlgefühlt. Dann wurde er zum Weltenbummler und musikalischen Grenzgänger und konfrontierte sein Publikum mit allerlei exotischen Mitbringseln, obwohl es mitunter immer wieder nach dem Hiatamadl verlangt. Vor drei Jahren gelang es ihm, mit einem ebenso eingängigen wie anspruchsvollen Repertoire, das Publikum in der Landshuter Altstadt zu begeistern. In diesem Sommer kommt er erneut nach Landshut, um einige Erfahrungen geläutert. Dazu gehörte die Linz-Europa-Tour, nach eigener Aussage "das Größte, was ich je gemacht habe": Zwei Jahre lang schipperten er und seine Band mit einem umgebauten Lastschiff auf der Donau stromabwärts bis ans Schwarze Meer und zurück. 2008 ging es dann auf westlichen Wasserstraßen bis zur Nordsee. Unterwegs wurde immer wieder angelegt, um bekannte Musiker aus der Gegend zu treffen und mit ihnen aufzutreten. Bei einem Pressetermin erzählte Hubert von Goisern von seiner Schiffsreise und neuen Projekten.

Das Unterwegssein auf dem Wasser ist ja nun vorbei. Wie geht es dir seitdem?

Ja, das war schon etwas Großes und über drei Jahre lang lebensbestimmend für mich, dieses Schiff durch Europa zu fahren. Irgendwie bin ich aber froh, dass es vorbei ist. Das Schiff gibt es auch nicht mehr, das wurde wieder zu einem Frachter zurückgebaut.

Du hast unterwegs Musiker wie Xavier Naidoo oder Wolfgang Niedecken getroffen. Wie hat sich das ergeben?

Xavier Naidoo wollte ich kennenlernen, weil mich interessiert hat, was der macht. Also bin ich nach Mannheim gefahren und hab' ihn gefragt, ob er mitmacht. Als er dann aufs Schiff kam, war ich krank. Wir haben dann ein Konzert zusammen gespielt, beim nächsten war ich schon mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus, und er musste meinen Part singen und sogar jodeln. Die Zusammenarbeit mit ihm war sehr uplifting. Der hat eine solche Ausstrahlung! Als wir auf dem Rhein unterwegs waren, ging es natürlich nach Köln, und da gehört BAP einfach dazu. Wolfgang Niedecken kannte ich von einem Auftritt in Österreich. Er war auch gleich bereit, mit uns Musik zu machen. Bei anderen war das schwieriger: Bei Marie Daulne von Zap Mama habe ich zwei Stunden nach einem Konzert gewartet. Ich musste ihr dann praktisch erst das Haxl legen, um ihr zu erklären, worum es ging.

Der Journalist Bernhard Flieher hat ein Buch über diese Reise geschrieben, das Weit, weit weg heißt. Hast du es schon gelesen?

Ich hab' nur hineingelesen. Da bläst sich das Ego so auf bei den Sachen, die mir gefallen. Bei anderen Stellen würde ich wohl sagen, das war doch ganz anders. Aber ich freu' mich drauf, es einmal ganz zu lesen.

Was passiert mit der Band, die dich bei der Schifffahrt durch Europa begleitet hat?

Im nächsten Jahr will ich auf keinen Fall auf der Bühne stehen, sondern komponieren. Ich würde aber gerne 2011 wieder mit ihnen unterwegs sein. Das sind unglaubliche Leute, die jeden beeindruckt haben, der uns gehört hat. Wie gut sie sind, hat man bei den Gastauftritten gemerkt, wo sie sich ja auf alle möglichen Stilrichtungen einstellen mussten. Zap Mama hat zweimal mit ihnen gespielt und einmal mit ihrer eigenen Band - und das war ein Fehler!

Manche Leute sind unsicher, ob sie sich eine Karte für dein Landshuter Konzert kaufen sollen, weil sie nicht so recht wissen, was du da spielen wirst und wie du drauf bist.

Ich denke bei meinem Programm nicht darüber nach, ob die Leute uns mögen. Ich gehe halt damit auf Tour. Ich selbst gehe lieber irgendwohin, wo ich nicht weiß, was auf mich zukommt. Bei meinen Konzerten kommen Leute zusammen, die sich auf der Straße nicht grüßen würden. Ich habe eben keine Zielgruppe. Grundsätzlich bin ich aber immer gut drauf, wenn ich auf der Bühne stehe.

Woher holst du dir die Ideen fürs Komponieren?

Mir fallen die Sachen einfach zu. Ich beschäftige mich mit vielen Dingen, reise und lese viel. Dann kommen die Ideen halt raus. Der Vorgang des Komponierens ist einsam. Aber man muss sich nicht vorstellen, dass ich dabei immer auf dem Berg droben sitze. In der Natur kommt gar nix. Da habe ich immer das Gefühl, die Welt ist perfekt, da muss ich nix mehr hinzutun. In der Stadt dagegen sind so viele Wahnsinnige und so viel Lärm, da meine ich, ich müsste noch was draufsetzen.

Musik erzählt das Ungreifbare

Morgenweb 26. März 2008 |Text: Jörg-Peter Klotz

Von der musikalischen Weltenbummelei - zuletzt zu besichtigen auf der DVD Goisern Goes East - hat Hubert von Goisern erst einmal genug. Der 56-Jährige konzentriert sich jetzt auf weniger aufreibende Tourneen.

Sie spielen in Tibet, Afrika, Osteuropa, nehmen Musiker wie den Ägypter Mohamed Mounir mit auf Ihre Tourneen - ist Musik für Sie ein Mittel zur Völkerverständigung?

So würde ich es nicht nennen. Musik ist für mich eine der Sprachen, die es gibt. Also sollte sie auch zur Verständigung verwendet werden. Sie bildet vor allem eine Ebene der Verständigung zwischen der gegenständlichen Welt und der, die es auch noch gibt - also als Mittler zwischen dem Greifbaren und Ungreifbaren, auf anderen Empfindungsebenen als Sprache. Deshalb funktioniert Musik auch über Sprachgrenzen hinweg - was ein Poet nie könnte.

Gab es auf Ihren Reisen schon mal Missverständnisse - dass sich etwa jemand vom Jodeln bedroht oder beleidigt gefühlt hat?

Naa, das habe ich noch nicht wahrgenommen. Nur in einem Dorf in Afrika, in dem ich ohne Band gejodelt habe, fingen die Leute heftig zu lachen an. Das hat ihnen völlig den Stecker gezogen, obwohl sie selbst mit Schnalzlauten, also auch nicht ganz gewöhnlich, singen. In einem Sportstadion in der Ukraine bejubelten die 15 000 Zuschauer den Jodeleinsatz dagegen, als ob gerade ein prachtvolles Feuerwerk losgegangen wäre.

Was ist die ungewöhnlichste Gesangsart, die Ihnen bisher begegnet ist?

Die Gesänge der Innuit-Frauen. Die bestehen nur aus Schnauf- und Atemgeräuschen. Das ist schon extrem.

Wie sehr ärgert es Sie, dass traditionelle Volksmusik in Deutschland mit dem weichgespülten Industrieprodukt gleichgesetzt wird, das Florian Silbereisen und der Musikantenstadl verarbeiten?

Ich kann mit diesen Sachen nichts anfangen. In jungen Jahren hat mich das auch noch erzürnt. Eine Zeit lang habe ich gedacht, die machen die Musik kaputt. Aber das ist es ja nicht. Letztlich gibt es so etwas in jeder Kultur. Denken Sie an die Country-Musikszene in den USA, es ist der Wahnsinn, was da abläuft ... Letztlich tun die kommerziellen Verzerrungen aber niemandem weh. Sie erreichen aber auch nicht den Zauber, der möglich wäre.

Der Mannheimer Musiker Laurent Leroi hat am hiesigen Theater mal ein Zwiefacher-Liveprojekt gestartet. Äußerst mitreißend, aber ohne dauerhaften Erfolg - warum hat es "German Folk" in seiner explosiven, ursprünglichen Form so schwer?

Vielleicht dauert es einfach seine Zeit. Man muss dran bleiben. Oder es liegt an der mangelnden Abwechslung, die das Genre bietet.

Sie arbeiten derzeit viel mit Xavier Naidoo - quasi von Volksmusiker zu Volksmusiker? Er definiert sich ja gern als Künstler für das ganze Volk, also für alle Alters- und Bildungsgruppen ...

So gesehen: ja! Ich finde toll, was er macht und dass er sich so reinhängt - auch mit seinem Weltverbesserungsanspruch. Das ist mutig. Jeder will das zwar, aber die meisten trau'n sich nicht, weil es uncool sein könnte - und letztlich auch unerreichbar. Außerdem ist er ein mordsguater Sänger, der mit den Leuten umgehen kann - ganz großes Kino. Da brauchte ich nicht lang nach Gemeinsamkeiten suchen - wenn die Neugier für den Anderen so groß ist wie bei uns beiden, dann klappt es auch. Und ein Duett ist immer spannender, wenn zwei Leute nicht das Gleiche machen. Und er hat mich dazu inspiriert, mal etwas Hochdeutsches zu machen - das hatte mir sonst immer zu viel Pathos.

Würden Sie so ein Abenteuer wie die Schiffstournee auf der Donau noch mal unternehmen?

Das reicht jetzt a mol a Zeit lang. Das war ein Kraftakt, bei dem ich gerade so mit blauem Auge davongekommen bin. Dass wir ein Minus eingefahren haben, ist dabei völlig okay, angesichts dessen, was wir erlebt und auf die seelische Habenseite gebracht haben. Ich bin aber auch etwas ausgebrannt, was die Zusammenarbeit mit so vielen regionalen Künstlern angeht. Die ein, zwei Wochen, die sie bei uns an Bord waren, sind letztlich zu wenig gewesen. Ich hätte mich ihnen gern viel intensiver gewidmet.

Ist Ihr jüngstes Album S'nix die ultimative Synergie von Alpinkatzen und Weltmusik-Erfahrungen? Oder fließen die ganzen Einflüsse Ihrer Konzertreisen irgendwann in einer globalisierten Volksmusik-Platte zusammen?

Ich habe das Gefühl, das ich mich freigespielt habe von Zwängen. Auf S'nix habe ich einfach aus dem Vollen geschöpft - egal ob Weltmusik oder traditionelle Alpenmusik. Wahrscheinlich werde ich mich beim nächsten Mal mehr meinem geografischen Zentrum widmen - live spiele ich ab jetzt nur mehr im deutschsprachigen Raum, wo mich die Leute auch verstehen.

Apropos Verständnis: Können Sie das starke Wahlergebnis der neuen Haider-Partei nachvollziehen?

Es ist unglaublich, aber wahr. Allerdings würde ich den Kärntnern zugestehen, dass man sie nicht wegen ein paar Blitzköpfen komplett abschreibt. Immerhin haben es die Freiheitlichen nicht geschafft, und das Schisma zwischen den beiden Rechtsparteien besteht weiter.

"Bei Jodel bekomme ich weiche Knie"

Migros Magazin 14/2009 | Text: Mathias Haehl | Fotos: Ruben Wyttenbach

Er jodelt und rockt, lebte bei Kopfjägern und heiratete die Erste, die er küsste. Der österreichische Volksmusik-Punk Hubert von Goisern gastiert nächste Woche in Zürich und Bern.

Hubert von GoisernDas grosse Weiss: Schneewände überall, drei Meter hoch. Dazwischen reckt sich das Hotel Bellevue auf der Kleinen Scheidegg, ein touristischer Monolith, der an Thomas Manns Zauberberg und an Filme wie Titanic oder Shining erinnert. Die drohende Eigerwand ist im tobenden Schneesturm verschwunden, im Hotelsalon ist es kuschlig warm.

Hubert von Goisern (56) ist eine mächtige Person: wuchtiger Körper, lange Arme, grosse Hände. Schwarzer Pulli, graue Berghose, schwarze Bergschuhe und ein oranges Halstuch unterstreichen seine Extravaganz. In den weichen Polstern zwischen schweren Läufern und grossen Bergbildern in Öl thront er wie ein Buddha. Er redet ruhig und überlegt, wägt stets seine Worte ab - bald wird er live auf Zürcher und Berner Bühnen toben ...

Hubert von Goisern, Sie sind ein passionierter Bergsteiger. Weshalb zieht es Sie auf Gipfel? Dort oben ist es doch gefährlich, kalt und unwirtlich dazu?

Aber dieser Ausblick! Der Überblick über die Dinge, die da so klein werden. Zudem liebe ich die Anstrengung, wenn ich mich müde laufe. Mit der Zeit verflüchtigen sich dabei die Gedanken. Und abends ist es dann ein tolles Gefühl, total müde ins Bett zu fallen.

Fliehen Sie denn oft vor Ihren Gedanken?

Das ist keine Flucht. Der Geist ist ein Feuer, das man schüren kann. Wer kreativ ist und geistig arbeitet, fällt halt oft in eine mentale Erschöpfung. Mir fehlt dann die körperliche Betätigung als Ausgleich.

Reicht Ihnen da Ihre Musik nicht, die Sie vorab gerne live spielen?

Wir machen Volksmusik. Und Volkslieder sind Allgemeingut - aber die überleben nur, wenn sie stetig neu erfunden werden. Entscheidend ist, dass ich in unserer Sprache singen kann. Wenn ich meine Kinder und Freunde anschaue, sehe ich: Die wollen Texte hören, die sie auch verstehen. Texte, in denen Poesie lebt, Texte, die auch witzig sind.

Gut so, haben wir doch nur noch wenig zu lachen: Es herrscht Krise.

Na ja, da wird vielerorten reichlich übertrieben. Wir schöpfen doch immer noch aus dem Vollen, Mitteleuropa ist doch stinkreich. Zwar greift bei uns wieder eine neue Armut um sich. Aber bisher funktioniert das soziale Netz, das die Benachteiligten auffängt.

Ich lese von über 350 000 Arbeitslosen in Ihrer Heimat doppelt so viel wie bei uns in der Schweiz. Und dass alle voller Angst nach Osten blicken.

Schauen wir doch ruhig sorgenvoll in unsere östlichen Nachbarländer. Bisher haben unsere Banken und Grossunternehmen gierig mit dem Osten gedealt. Da geziemt es sich für sie doch, sich um diesen serbelnden Markt zu kümmern.

Die Leute haben Angst vor den Menschen aus dem Osten. Auch Sie machten auf Ihrer dreijährigen Schiffstour durch den ehemaligen Ostblock schlechte Erfahrungen.

Das stimmt. Wir wurden in Budapest bedroht, man wollte unserem Schiffskapitän die Zähne einschlagen, eine Gastband vergass ihren Termin. Da gab es schon die eine oder andere unschöne Begebenheit. Doch die haben meine romantisch-idealistische Sicht der Dinge auf ein friedliches Europa nicht verdrängt.

Wie sieht denn Ihr Europaideal aus?

Dass die einzelnen Völker vor einander keine Angst haben, dass wir eine offene, tolerante Gesellschaft bilden, dass wir die Einheit in der Vielfalt leben. Denken Sie an Sizilien: Dort lebten einst Christen, Afrikaner, Juden und Muslime in trauter Eintracht, bis einige Kleingeister meckerten und nur unter ihresgleichen leben wollten. Eigentlich bedaure ich, dass Prinz Eugen von Savoyen im ausgehenden 17. Jahrhundert die Türken zurückgeschlagen hatte. Denn die hatten damals doch die viel weiter entwickelte Kultur. Ich mag dieses Christlich-Katholische eh nicht: Das hat so etwas Ausschliessliches, erhebt stets einen grossen Anspruch an Überlegenheit. Dabei müsste es doch beim Zusammenleben der Ethnien und Völker wie in der Liebe sein: Man muss sich immer wieder um das Glück und die Zuneigung bemühen.

Apropos Liebe: Sie waren ein Draufgänger und heirateten gleich die erste Frau, die Sie küssten. Würden Sie das anderen raten?

Nicht wirklich. Da war ich jung. (schmunzelt)

Und mittlerweile haben Sie schon Ihre dritte Frau. Auf die Österreicherin Ingrid folgte die kanadische Malerin Kate und dann Hildegard, eine österreichische Pädagogin. Immer noch glücklich?

Oh ja und wie. Liebe ist doch wie Musik: Da spürt man das Leben in seiner ganzen Schönheit und Tragik. Heuer werden es 25 Jahre. Sie gehören zum Besten, was mir je passiert ist. Wir haben auch zwei Kinder, 15 und 21 Jahre alt.

Kann man sich mit Ihnen auch streiten?

Wer will, kann das schon. Wenn sie oder er sich traut (lacht). Ich hab einmal während eines Konzerts eine Musikerin gebissen, weil sie apathisch rumstand. Aber ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Obwohl: Es gibt nicht nur Sonnentage, jetzt herrscht weltweit Föhn.

So nannten Sie ein Album, das im Jahr 2000 erschien.

Ja, weil ich solche angespannten Situationen liebe. Bei Föhn ist der Himmel blau, es gibt hübsche Fischwolken, wir leiden unter dem Luftdruck. Wenn der Föhn aufhört, kommt das richtige Wetter.

Dann blitzt und donnert es wie jetzt in der Krise! Auch in der Musikbranche herrscht Sturm. Musikpiraten und Raubkopierer graben den Künstlern das Wasser ab.

Auch das sehe ich anders: Ich will, dass die Leute meine Musik hören. Ob sie meine CDs kaufen, sie downloaden oder kopieren, ist mir egal. Die Dinge haben sich geändert: Heute geht es wieder mehr um die Musiker und Bands, mit Konzerten Geld zu verdienen ist ehrlicher. Das ist doch positiv. Ausserdem: Was soll ich mit mehr Geld, als ich brauche?

Bei uns in der Schweiz anlegen! Wieso haben Sie nie bei uns gelebt?

Da muss man doch mindestens Formel-1-Weltmeister sein (lacht). Nein, im Ernst: Weil das Leben bei Euch dem bei uns wohl zu ähnlich wäre.

Sie lebten in exotischen Ländern wie Südafrika, Kanada oder bei Kopfjägern auf den Philippinen. Wie war denn Letzteres?

Die Menschen waren ausserordentlich gastfreundlich und wollten, dass ich mich bei ihnen niederlasse. Man hat mir sogar ein Haus geschenkt.

Wo ist Ihre wahre Heimat?

Im Salzkammergut, zwischen Bergen und einer reichen Volksmusik. Aber ich fühle mich auch anderswo zu Hause. Denn aus der Joppe kann leicht eine Zwangsjacke werden, die Tradition wiegt oft schwer wie ein vollgestopfter Rucksack. Von Zeit zu Zeit sollte man ihn entrümpeln.

Machen Sie das. Kommen Sie zu uns. Die Schweiz ist doch auch exotisch. Tolle Berge. Und wir locken mit tiefen Steuern.

Ich finde es obszön, sich um Steuern zu drücken. Als Gutverdiener muss ich in meiner Heimat gut die Hälfte an Steuern abgeben. Aber ich finde das okay, denn ich nutze auch das System, profitiere vom Staat, den öffentlichen Einrichtungen. Das ist mein Teil der Verantwortung. Zudem: Ein paar Interessante müssen halt doch noch in Österreich bleiben.

Um dann doch immer wieder in fernen Ländern zu touren.

Das ist ein Akt der Solidarität. Wir hier im Westen können mit einem Mausklick die Sounds aus jeder Ecke der Welt anhören. Doch die Leute in der Dritten Welt haben von unserer Kultur keine Ahnung. Wir hier werden immer reicher - die dort immer ärmer. Deshalb gab ich Gratiskonzerte in Mali, Burkina Faso, Senegal oder in Osteuropa entlang der Donau. Das war jeweils der Hauptgang. Als Gegengeschenk bekomme ich dann auch deren Musik mit ...

... und flechten diese dann in Ihre Sounds ein.

Das hat mich oft befruchtet. Als Künstler ist man immer wieder auf der Suche nach neuen, unverbrauchten Quellen, aus denen man schöpfen kann. Auch Tabus, weshalb man gerne zurück ins Archaische geht. Die Volksmusik etwa, die war doch für alle Linken ein rotes Tuch, Spielwiese der politisch Rechten. Doch derzeit bin ich erschöpft von dieser Reiserei. Ich habe sehr viel Energie und Geld da investiert. Jetzt will ich mich in den kommenden Jahren wieder auf den deutschsprachigen Raum konzentrieren.

Und mehr bei uns Konzerte geben — schön. Dabei reissen wir gern Witze über euch Österreicher. Macht Ihr auch Schweizer Witze?

Haben wir nicht nötig (lacht). Nein, ich weiss es nicht, ich kenne keinen. Ich glaube auch, dass wir uns eher als Witzopfer denn als -täter eignen. Aber das ist doch etwas Tolles, wenn man die Menschen zum Lachen bringt, oder?

Sie sollen ja auch vor Ergriffenheit oft heulen, zum Beispiel wenn Sie Musik hören.

Nicht nur vor Ergriffenheit, auch aus Zorn oder aus Mitgefühl. Musik ist für mich wie eine Droge. Da öffnen sich meine Schleusen, da öffnet sich mir das Herz. Am intensivsten fahren mir Opern ein: Verdi, Mozart, Puccini ...

Wieso machen Sie dann nicht selber Klassik?

Ich kann doch keine Musik machen, bei der ich ständig heule. (lacht)

Pop ergreift Sie also nicht?

Selten. Bei Jodel bekomme ich schon eher weiche Knie. Aber auch etwa beim deutschen Souler Xavier Naidoo. Wenn der singt, packt das die Leute, und er zaubert ein Lächeln in ihr Gesicht.

Aber Naidoo ist wegen seiner pathetischen, oft religiösen Moralergüsse umstritten.

Kein Wunder, Naidoo macht sich damit angreifbar. Aber wir sind doch alle ein Stück weit Weltverbesserer, wir wollen alle etwas verändern. Xavier hat den Mut das zuzugeben. Und seine Kritiker ärgert das.

Danke Kirsten

Das größte Abenteuer des Lebens

Offenbach-Post 6. März 2009

Hubert von Goisern (56), österreichischer Vollblutmusiker und Naturbursche, gibt im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Bianka Rehn Auskunft über sich, sein Umfeld, sein neues Album S'Nix, die aktuelle Tournee, seinen Auftritt am 5. April in Offenbach und Zukunftspläne.

Wie denken Sie über den Verlauf Ihrer Karriere? Sind Sie zufrieden?

Ja, bin ich. Ich hadere ungern mit dem, was mal war oder ist - und lasse Vergangenes eben Vergangenes sein.

Denken Sie, Sie haben mit Ihrer Mischung aus Rock und traditioneller Volksmusik einen Stein ins Rollen gebracht, der eine musikalische Bewegung nach sich zieht?

Ja, ich denke schon, dass ich etwas ausgelöst habe. Es gibt bestimmt einige Künstler, die an das Konzept anknüpfen, Volksmusik neu, dennoch mit Zugang zu Traditionen zu erfinden.

Auf Fans wirken Sie eher natürlich und zurückhaltend. Wie ehrgeizig sind Sie?

Ich bin schon sehr ehrgeizig und will auch Anerkennung für das, was ich mache. Nächstes Jahr möchte ich dennoch gern eine Pause einlegen. Heute muss man leider viel Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um von den Leuten gehört zu werden - das kostet viel Zeit.

Woraus schöpfen Sie Kraft, wer spendet Ihnen Momente der Ruhe und des Friedens?

Natürlich meine Familie; ich habe zwei Kinder. Aber auch Freunde helfen mir, Ruhe zu finden. Ich bin aber auch sehr gern allein in meinem kleinen Haus. Dort befinde ich mich in der Natur. Das hilft mir auch sehr, mich zu entspannen und Energie aufzutanken.

Manche halten Ihr jüngstes Album S'Nix für gewöhnungsbedürftig und sehr modern und wünschen sich alte Bierzelt-Hits wie Koa Hiatamadl zurück? Was sagen Sie den alten Fans?

Ich würde ihnen sagen: Seid mir nicht böse. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, und ich bin einfach zu neugierig, als dass ich bei einem einzigen Musikstil bleiben möchte. Auf meinen Konzerten sind Hits von früher ebenso vertreten wie neuere. Man muss sich schließlich immer wieder überwinden, in Bewegung zu bleiben und nicht zu bequem zu werden. Das S'Nix lässt sich mit einem Haus vergleichen, dessen Räume leer sind. Und dieses Nichts ist eben doch nicht Nichts. Sondern Raum für unzählige neue Ideen. Denn das ist erst interessant: Das Nichts zu füllen.

Sie haben erklärt, dass Sie dies als das "Größte und Bedeutendste, das Inhaltsvollste" sehen - "außer der Liebe"? Was ist damit gemeint?

Die Liebe ist etwas Außergewöhnliches. Das Gefühl geliebt zu werden, mit all seinen Stärken und Schwächen, ist wie Medizin. Auch die Geborgenheit und das Gefühl der Zuneigung machen die Liebe zu etwas Besonderem.

Welches Stück auf dem neuen Album gefällt Ihnen persönlich am besten?

Mit Liedern ist es wie mit eigenen Kindern: Man liebt jedes auf seine Weise. Manchmal eins mehr oder auch weniger. Wenn ich dennoch konkret eins nennen soll, dann ist das Siagst as, das ich mit Xavier Naidoo gesungen habe.

Können Sie schon etwas über Ihr neues Buch verraten?

Ja. Darin geht es um die letzten drei bis vier Jahre meines Lebens, die ich auf einem Schiff verbracht habe. Es handelt sich um ein Logbuch, das ich während dieser Zeit geführt habe. Aber auch Anfang und Ende der Reise werden geschildert. Der Trip war die spannendste Zeit meines Lebens.

Was würden Sie machen wenn es die Musik nicht gäbe?

Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe jedoch hin und wieder mit dem Gedanken gespielt, alles an den Nagel zu hängen, weil ich immer noch stark an Lampenfieber leide. Eventuell würde ich jungen Künstlern bei ihrer Musik helfen wollen. Auch das Schreiben hat mir gefallen.

Haben Sie bereits Pläne für die Zukunft?

Im Moment habe ich keine. Sehr gern würde ich mal auf Hochdeutsch singen, was nicht leicht ist, wenn man nur Österreicher im Team hat. Dafür müsste ich mich für längere Zeit in hochdeutsche Gebiete begeben und vielleicht sogar meine Musiker wechseln. Viele Wörter klingen für mich auf hochdeutsch völlig verfremdet, deshalb wäre die Umsetzung womöglich nicht einfach.

Wie haben Sie das Konzert im vergangenen Jahr in Offenbach in Erinnerung, und was würden Sie Ihren Offenbacher Fans gern mitteilen?

Den Auftritt am Mainufer habe ich noch sehr gut in Erinnerung, da ich am nächsten Tag sehr krank wurde. Meine Fans haben mich sicher nicht so gut in Erinnerung, da ich gegen Ende des Auftritts nicht mehr wiederkommen konnte, weil es mir so schlecht ging. Doch durch Willensstärke und Antibiotika habe ich es zum Glück bis zum Ende geschafft. Bei meinen Fans möchte ich mich noch einmal entschuldigen. Jetzt freue ich mich darauf, wieder in Offenbach aufzutreten - hoffentlich gesund.